RSS Feed http://www.entwicklung-hilft.de/ RSS Feed en_GB TYPO3 News Mon, 26 Jun 2017 05:25:46 +0200 Mon, 26 Jun 2017 05:25:46 +0200 TYPO3 EXT:news news-780 Mon, 19 Jun 2017 19:23:05 +0200 Naturereignisse häufiger Ursache von Binnenflucht als Gewalt und Kriege presse/pressearchiv/archiv-detail-view/naturereignisse-haeufiger-ursache-von-binnenflucht-als-gewalt-und-kriege.html Zum Weltflüchtlingstag fordert das Bündnis Entwicklung Hilft mehr Katastrophenvorsorge Berlin, 19. Juni 2017 – 24,2 Millionen Menschen mussten 2016 innerhalb ihres Landes vor plötzlich eintretenden extremen Naturereignissen wie Überschwemmungen, Wirbelstürmen oder Erdbeben flüchten. Damit haben extreme Naturereignisse 3,5-mal mehr Menschen zu Binnenflüchtlingen gemacht als Gewalt und Kriege (Global Report on Internal Displacement). 

Das Bündnis Entwicklung Hilft appelliert daher an die internationale Staatengemeinschaft, wirksame Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge zu ergreifen. „Binnenflucht, besonders vor Naturgefahren, geht in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Durch Katastrophenprävention werden Fluchtursachen wirksam bekämpft.“

Weltweit flüchten laut dem aktuellen Global Report on Internal Displacement doppelt so viele Menschen innerhalb ihres Landes wie über Ländergrenzen hinweg. Die häufigste Ursache für Flucht im eigenen Land sind dem Bericht zufolge plötzlich eintretende extreme Naturereignisse. 

Unter den zehn Ländern, die 2016 gemessen an ihrer Bevölkerungszahl den höchsten Anteil von neuen Binnenflüchtlingen aufgrund von extremen Naturereignissen verzeichneten, sind sieben Länder mit hohem oder sehr hohem Katastrophenrisiko laut dem aktuellen WeltRisikoIndex. Zu diesen Hochrisikoländern zählen unter anderem die Philippinen und Haiti (siehe Tabelle). „Wegen ihrer Entwicklungsdefizite können diese Länder extremen Naturereignissen wenig entgegensetzen“, so Peter Mucke. „Dort muss dringend die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung erhöht werden.“ 

Der WeltRisikoIndex 2016 gibt für 171 Länder das Risiko an, dass ein extremes Naturereignis zu einer Katastrophe führt. Der WeltRisikoIndex wird jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft im WeltRisikoBericht veröffentlicht. 

Land

Binnenflüchtlinge pro 100.000 Einwohner

Katastrophenrisiko laut WeltRisikoIndex 2016

Rang WeltRisikoIndex 2016

Kuba

9.500

6,13 (mittel)

90

Fiji

8.500

13,15 (sehr hoch)

16

Philippinen

5.800

26,70 (sehr hoch)

3

Tonga

2.800

29,33 (sehr hoch)

2

Sri Lanka

2.400

7,32 (hoch)

63

Ecuador

1.800

7,53 (hoch)

58

Haiti

1.700

11,68 (sehr hoch)

21

Belize

950

6,55 (mittel)

79

Myanmar

940

8,90 (hoch)

42

Israel

920

2,30 (sehr niedrig)

157


Quelle: Global Report on Internal Displacement 2017 / WeltRisikoBericht 2016

Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft sind weltweit mit Projekten zur Katastrophenvorsorge aktiv, unter anderem auf den Philippinen, in Haiti, Ecuador und Bangladesch. Als im November 2016 Hurrikan Matthew verheerende Schäden in Haiti anrichtete und über 500 Menschen starben, stellte das Bündnis Entwicklung Hilft seinen Mitgliedsorganisationen 900.000 Euro Spendengelder für die Soforthilfe vor Ort zur Verfügung. Beim Erdbeben in Ecuador im April 2016 waren drei Mitgliedsorganisationen gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort im Einsatz, um die Betroffenen mit dem Nötigsten zu versorgen und beim Wiederaufbau zu unterstützen.

Weitere Informationen finden Sie im aktuellen WeltRisikoBericht: www.weltrisikobericht.de und im Global Report on Internal Displacement 2017: www.internal-displacement.org/global-report/grid2017

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news-779 Thu, 08 Jun 2017 18:35:42 +0200 Hilfe für die Dürreopfer: Überleben retten, Zukunft sichern presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hilfe-fuer-die-duerreopfer-ueberleben-retten-zukunft-sichern.html In Ostafrika, Nigeria, Niger und dem Yemen droht eine der schlimmsten Hungerkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. Seit 2015 und verstärkt durch die Auswirkungen des El-Niño-Phänomens erleben viele Regionen anhaltende Dürreperioden. Infolge dieser und des chronischen Wassermangels können die Menschen ihre Felder nicht mehr bestellen, Nutztiere verenden und Ernten fallen aus. Die Menschen werden dazu gezwungen, auf unsichere Wasserquellen zurückzugreifen. Der Anstieg von Durchfallerkrankungen wie Cholera ist die Folge. Darüber hinaus führt der Anstieg der Nahrungsmittelpreise durch den Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion dazu, dass insbesondere einkommensschwache Familien sich nicht ausreichend ernähren können. In Somalia, dem Südsudan, Nigeria und dem Jemen leiden die Menschen außerdem unter anhaltenden gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Konfliktparteien. Staatliche Versorgungsstrukturen in den Ländern sind stark eingeschränkt oder komplett zerstört. Menschen müssen ihre Heimat verlassen, auf Suche nach Nahrung und Wasser und auf der Flucht vor Gewalt und Terror.

Die acht Bündnis-Mitglieder sind mit unterschiedlichen Hilfsmaßnahmen im Jemen, Kenia, Niger, Nigeria, Simbabwe und am Horn von Afrika aktiv. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnerorganisationen leisten sie akute Überlebenshilfe für Mensch und Tier. Sie versorgen die Menschen mit dringend benötigten Hilfsgütern: Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Hygieneartikeln wie Seife. Gleichzeitig stärken die Bündnis-Mitglieder mit längerfristigen Projekten die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften gegenüber Dürreperioden.
Hier eine Auswahl der zahlreichen Hilfsmaßnahmen unserer Bündnis-Mitglieder und ihrer lokalen Partner vor Ort:


  • Im Jemen bereitet die DAHW in Aden und Umgebung die Ausgabe von 1.000 Cholera-Kits vor. Diese enthalten unter anderem Infusionen, Rehydrationssalze und Wasseraufbereitungstabletten. Die Welthungerhilfe und ihr Partner ACTED bezuschussen ein Cash-Transfer-Programm, bei dem Betroffene Bargeld erhalten, um sich dringend benötigte Nahrungsmittel und Güter schnell kaufen zu können.
  • In Kenia stellt medico international finanzielle Mittel für die Verteilung von Hilfsgütern in Regionen bereit, in denen bisher keine staatliche Hilfe angekommen ist. Zudem unterstützt medico die Arbeit zur Verankerung des Menschenrechts auf Nahrung für alle Bürger*innen in der neuen kenianischen Verfassung.
  • Im Niger unterstützt die Christoffel-Blindenmission in Flüchtlingslagern und informellen Siedlungen die Verbesserung der Wasserversorgung und den Bau von Latrinen und Duschen unter Beachtung der besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung.
  • In Nigeria bezuschusst Misereor den Bau von größeren Stau- oder Regenauffangbecken und Brunnen in Dorfgemeinschaften in den Regionen Yola und Maiduguri für einen verbesserten Zugang zu Wasser und fördert Methoden einer umweltgerechten Landwirtschaft.
  • In Simbabwe führt terre des hommes Ernährungsprogramme für Kinder durch und gibt nährstoffhaltige Lebensmittel für Schwangere und stillende Mütter aus. Außerdem werden  landwirtschaftliche Schulungsprogramme zu resistenteren Anbaumethoden für Mais und Bohnen angeboten. In Somalia in der Provinz Galmuduq finanziert Brot für die Welt die Verteilung von Gutscheinen, die Familien gegen Wasser einlösen können. Außerdem werden in den Gemeinden Tiefbrunnen und Flachbrunnen ausgebessert oder neu gebaut. Die Einwohner sind in die Bauarbeiten an den Brunnen eingebunden: Durch sogenannte Cash-for-work-Maßnahmen erhalten sie ein Einkommen, das ihr Überleben und das ihrer Viehbestände sichert.
  • In Somaliland, das sich von Somalia unabhängig erklärt hat, finanziert die Kindernothilfe Wasser und Nahrungsmittel und deren Transport in die Dörfer im Hinterland von Burao bis an die äthiopische Grenze. Die Familien erhalten vier Kilo Datteln und Haferflocken, fünf Liter Öl und je zehn Kilogramm Reis, Mehl und Zucker. Zusätzlich werden in Grundschulen in  Hargeisa und im westlichen Gabiley Schulspeisungsprogramme bezuschusst.
  • Im Südsudan stellt die Welthungerhilfe betroffenen Bauernfamilien Getreidesaat, Gemüsesamen und Angelsets zur Verfügung. Die DAHW trägt die Kosten für einen LKW-Hilfstransport zur Versorgung eines Krankenhaus im Bundesstaat Western mit Lebensmitteln wie Reis, Bohnen, Speiseöl und Maismehl, Gasflaschen zum Kochen und Hygieneartikeln wie Matratzen, Seife und Verbandsmaterial.

Bisher hat das Bündnis Entwicklung Hilft 3,7 Millionen Euro für die Hungerkrisen gesammelt. Eine Ausweitung der Hilfe ist weiterhin notwendig. Helfen Sie mit!

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen

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news-778 Wed, 31 May 2017 14:47:56 +0200 Nachdem der Krieg das Wasser verseuchte, kommt die Cholera presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nachdem-der-krieg-das-wasser-verseuchte-kommt-die-cholera.html Der Jemen hat mit drei Katastrophen gleichzeitig zu kämpfen: Zu Bürgerkrieg und Hungersnot kam vor wenigen Wochen ein erneuter Ausbruch der Cholera hinzu. Das Bündnis-Mitglied DAHW bereitet Nothilfemaßnahmen vor. Doch: „Der Krieg erschwert die Hilfe massiv: Die Infrastruktur ist zusammengebrochen, die Sicherheitslage schlecht“, berichtet der jemenitische DAHW-Repräsentant Dr. Yasin Al-Qubati. Tägliche Gefechte, Tausende Tote, ein Gesundheitssystem am Rande des Kollapses. Im Jemen herrscht Bürgerkrieg, der das Leben der fast 27 Millionen Einwohner bedroht. Die Bedrohung besteht jedoch nicht nur aus Bombenhagel, Schießereien und anderen Kriegshandlungen. Nach dem erneuten Ausbruch der Cholera – insbesondere der Hauptstadt Sanaa – hat die jemenitische Regierung im Mai den Notstand ausgerufen. Das Bündnis-Mitglied DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe bereitet die Verteilung von 1.000 Cholera-Kits in Aden und Umgebung vor. Darin enthalten sind unter anderem Infusionen, Rehydrationssalze und Wasseraufbereitungstabletten.



Unterdessen führt Dr. Al-Qubati das Lepra-Kontrollprogramm fort, bei dem er im gesamten Land mehr als 1.000 Lepra-Erkrankte betreut und jährlich etwa 500 Neuerkrankungen diagnostiziert.

Erst wenn die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser gewährleistet wird, ist der Kampf gegen die Cholera mehr als ein Kampf gegen ihre Symptome. Denn verunreinigtes Trinkwasser kann in Kombination mit mangelnder Hygiene zu Cholera-Epidemien führen. Ein Problem, mit dem Europa zuletzt 1892 in Hamburg zu kämpfen hatte. Genau dies geschieht aktuell im kriegsgezeichneten Jemen. Die unbehandelt sehr schnell tödlich verlaufende Seuche Cholera ist ausgebrochen und fordert täglich neue Opfer. Weit mehr als 8.600 Infektionen sind laut BBC binnen weniger Tage gemeldet worden, dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes und des UNICEF zu Folge sind bereits mehr als 315 Menschen in kürzester Zeit verstorben. Die Zahl der Cholera-Toten hat sich binnen weniger Tage verdreifacht, was die Dringlichkeit des Problems verdeutlicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor der extremen Geschwindigkeit der Ausbreitung dieser Seuche. Hilfe ist eindeutig benötigt und an sich nicht schwer, da die Krankheit mit Antibiotika leicht behandelbar ist. Der Krieg erschwert die Hilfe jedoch immens.

Durch den Bürgerkrieg steht das Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch. Krankenhäusern fehlt es an Antibiotika zur Behandlung der Infizierten und der Regierung an finanziellen Mitteln zur Beschaffung von Medikamenten. Patienten müssen teils auf der Straße vor Krankenhäusern versorgt werden, da es keinen Platz für Infizierte und Verletzte gibt. Laut CNN kommen auf ein Krankenbett drei Patienten, Tendenz steigend. Der UN zufolge haben zwei Drittel der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, was dazu führt, dass die Zahl der Neuninfektionen weiter dramatisch steigen wird. Cholera ist eine Erkrankung des Darmtraktes und wird seltener durch den Kontakt mit Infizierten übertragen, sondern in erster Linie durch Wasser, das mit Exkrementen verunreinigt ist. Verweste Lebensmittel können ebenfalls als Überträger fungieren.

Infolge von Bombardierungen ist vielerorts die Kanalisation zerstört, wodurch sich Trink- und Abwasser vermischen. Da die Regierung die Straßenreinigungskräfte seit neun Monaten nicht bezahlt, haben diese ihre Arbeit niedergelegt, was zu Unmengen von verwesenden Abfällen auf den Straßen führt. Dies verschlimmert die hygienische Situation und bietet weitere Ansteckungsherde für die Seuche. „Die Regensaison steht bevor, was unter diesen Umständen neben der Cholera auch einen flächendeckenden Ausbruch des Denguefiebers zur Folge haben kann“, erklärt Dr. Al-Qubati. Das bereits von der Cholera vollkommen überlastete Gesundheitssystem steht hilflos vor diesen Herausforderungen. Dazukommt, dass durch den Krieg eine immer größer werdende Hungerkatastrophe herrscht, die die Ausbreitung der Seuche ebenfalls unterstützt. Denn Unterernährung schwächt das Immunsystem des Menschen massiv.

Neben dem aktuellen Ausbruch der Cholera und dem befürchteten Ausbruch des Denguefiebers warnt DAHW-Repräsentant Dr. Al-Qubati aber auch vor den psychischen Folgen des Krieges: „Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Kriegstraumata und andere psychische Erkrankungen treten in immer größeren Zahlen auf und lähmen die Bevölkerung.“
    
Zur Person:
Dr. Yasin Al-Qubati ist Experte für vernachlässigte, vorrangig armutsbedingte Erkrankungen wie Lepra und unterstützt mit seiner Arbeit die DAHW. „Menschen sind Menschen, egal wo sie leben." ist seine Maxime und entspricht auch den Zielen des Bündnis Entwicklung Hilft. Dr. Al-Qubati ist seit 1989 für die DAHW tätig, seit 2000 Repräsentant des DAHW. Al-Qubatis Arbeit stellt nicht nur durch den Umgang mit schwerkranken Patienten ein tägliches Risiko dar. Das Büro des DAHW im Jemen ist im Zuge des Bürgerkriegs beschossen worden und Al-Qubati selbst bereits das Opfer eines Mordanschlags geworden, den er nur knapp überlebte. 2015 wurde Dr. Al-Qubati mit einem Kollegen zusammen von Haozhi Rebellen entführt und als Geisel gefangen gehalten. Aber auch vor dem Ausbruch des Krieges war seine Arbeit im Jemen problematisch, da die Unterstützer der Regierung Salihs Dr. Al-Qubati und seine Kollegen immer wieder angriffen und das Gebäude der Yemen Leprosy Elimination Society besetzten. Ein 2014 errichtetes Krankenhaus wurde, bevor es überhaupt seinen Dienst aufnehmen konnte, von den Rebellen als Unterschlupf genommen, woraufhin es bombardiert wurde und erhebliche Schäden erlitt.


Claas-Lauritz Lauritzen

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news-777 Wed, 10 May 2017 10:45:57 +0200 „Die somalische Regierung muss endlich in die Verantwortung gebracht werden” presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-somalische-regierung-muss-endlich-in-die-verantwortung-gebracht-werden.html Die „London Somalia Conference 2017“ am 11. Mai soll die politischen Weichen stellen für eine bessere Zukunft des Landes am Horn von Afrika. Es geht um die Themen „Sicherheit“, „Politische Reform und Regierungsführung“, „Wirtschaftliche Entwicklung“ und neue Partnerschaftsvereinbarungen zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und der somalischen Regierung. Nach der Premiere 2012 und der Fortführung 2013 ist die Konferenz die dritte ihrer Art in London. Dr. Abdullahi Hersi, Geschäftsführer der somalischen Nichtregierungsorganisation „Nomadic Assistance for Peace and Development“ (NAPAD), spricht im Interview über seine Erwartungen an die Konferenz, die Schwäche der somalischen Regierung und die Fehler der internationalen Gemeinschaft.

Herr Dr. Hersi, was sind Ihre Erwartungen an die bevorstehende Somalia-Konferenz in London?

Ein Richtungswechsel. Wenn wir dem gleichen Ansatz wie 2012 und 2013 folgen, wird es keine Veränderung geben. Es ist Zeit, sich mehr auf die Regierung und ihre Institutionen zu konzentrieren. Jetzt haben wir in Somalia einen neuen Premierminister und einen Präsidenten, die zusammen die Probleme des Landes lösen und Dinge in eine positive Richtung lenken wollen. Hierfür brauchen sie jedoch die richtige Unterstützung. Eines der Hauptziele der amtierenden Regierung ist die Durchführung einer öffentlichen Wahl im Jahr 2020. Dieses Ziel kann aber nicht erreicht werden, ohne dass man der amtierenden Regierung hilft, sowohl die Wirtschafts- als auch die Sicherheitsstandards zu verbessern. Es gibt einen neuen nationalen Entwicklungsplan, der dringend umgesetzt werden muss. Und die Bürger Somalias wollen die Umsetzung durch ihre Regierung sehen, nicht durch die UN oder NGOs. Wenn die Londoner Konferenz nicht mit neuen brauchbaren Strategien daherkommt, die die Regierung Somalias und ihre Bürger darin unterstützen, aktiver zu sein und mehr Führung zu übernehmen, wäre diese Konferenz nur Zeitverschwendung.

Was kann die internationale Gemeinschaft tun, um der somalischen Regierung zu helfen, etwas zu verändern?

Die internationale Gemeinschaft hat großzügige Arbeit geleistet, aber diese Unterstützung kann kein Dauerzustand bleiben. Es ist unabdinglich, die Regierung Somalias und ihre Institutionen zu stärken, um das Vakuum zu füllen, das durch ihre Schwäche entstand. Es gibt bereits einige Unterstützung durch die Vereinten Nationen und die Umsetzung politischer Ziele wie „Sicherheit“ oder „Gerechtigkeit“ im neuen Handlungsprogramm, das 2013 auf der Brüsseler Somalia-Konferenz verabschiedet wurde. Aufgrund von schwachen Institutionen wird der Regierung jedoch immer wieder Veruntreuung von Ressourcen vorgeworfen. Dieses Problem lässt sich aber nicht durch Vorwürfe und Entmündigung lösen. Es bedarf eines Aus- und Aufbaus öffentlicher Institutionen. Die internationale Gemeinschaft muss mit Mechanismen zur Umsetzung zur Seite stehen – und mit Möglichkeiten zur Kontrolle, ob das Geld richtig verwendet wurde. In der Vergangenheit haben wir die Erfahrung gemacht, dass Geld veruntreut wurde und die internationale Gemeinschaft die Füße stillhielt, um die Regierung zu unterstützen.     

Um dauerhafte Lösungen für die langwierigen Krisen zu finden und die Wiederherstellung des Friedens wie auch der wirtschaftlichen Entwicklung in Somalia zu erreichen, ist es meiner Meinung nach wichtig, dass sowohl die negative Wahrnehmung als auch die schlechten Praktiken der Vergangenheit angehören müssen. Die somalische Regierung muss endlich in die Verantwortung gebracht werden. AMISOM, die Mission der Afrikanischen Union in Somalia, und die internationale Gemeinschaft können dabei nur die Rolle des Unterstützers spielen. Ich bin überzeugt, dass die derzeitige Führung in Somalia die Herausforderungen kennt und gewillt ist, die Krise effektiv zu bekämpfen.

Es ist dabei von größter Wichtigkeit, dass die Regierung ihren Bürgern Dienste zur Verfügung stellt und damit die Fähigkeit zeigt, den Menschen zu dienen, die sie vertritt. Wäre dies nicht so, würde sie dysfunktional erscheinen, und die Menschen würden den Aussagen und der Propaganda von Aufständischen und Extremistengruppen glauben, die die Regierung als Marionette fremder Länder darstellen. Dies würde die radikalen Gruppierungen nur stärken. Natürlich kann das nicht ohne die internationale Gemeinschaft erreicht werden, da wir wissen, dass die Regierung kein Geld hat, da sie kein starkes Steuersystem etablieren konnte.

Im Jahr 2013 startete die Regierung mit internationaler Unterstützung den „Somali Compact“, und die Brüsseler Konferenz versprach zwei Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe. Aber die Regierung beklagte sich über die Umsetzung, weil sie nicht direkt die von der internationalen Gemeinschaft in Brüssel zur Verfügung gestellten Ressourcen erhielt. Viele Versprechungen wurden gemacht, aber am Ende dieser vier Jahre hatte sich nichts bewegt. Das Gros bleibt unverändert und die staatlichen Institutionen sind nach wie vor schwach. Es gibt Ministerien, die ein Budget von lediglich 40.000 US-Dollar im Monat haben, inklusive der Gehälter für ihre Mitarbeiter. Welche Art Fortschritt soll man von solchen Institutionen erwarten? Sie können keinerlei Lösungen liefern. Am Ende des Tages spielt dies den radikalen Gruppen in die Karten. Der Ansatz der internationalen Gemeinschaft gegenüber Somalia bis jetzt war falsch.

Wieweit hat sich die Situation in Somalia seit 2012 verändert?

Es macht den Anschein, dass wir nichts aus der Krise 2012 gelernt haben und recht ähnliche humanitäre Konditionen durchleben. Es gibt keine Änderungen in Bezug auf Vorbereitung und wirksame Abschwächung. Die humanitären Organisationen stehen weiterhin vor ähnlichen Herausforderungen, was den Zugang zu den Bedürftigen betrifft. Die von Dürre betroffenen Gemeinden kämpfen immer noch mit Herausforderungen, die wir im Jahr 2012 bereits hatten, einschließlich hoher Mangelernährung, Hunger, der hohen Sterblichkeit von Müttern, Wasser- und Nahrungsmangel, den Verlust von produktiven Vermögenswerten wie Viehbestand und Worst-Case-Szenarios mit beispiellos hohen Zahlen an Toten.

Die amtierende Regierung hat jetzt ein Ministerium für Humanitäres und Katastrophen-Management eingerichtet. Für mich ist das ein erster Schritt in die richtige Richtung, um langfristige Lösungen für die bevorstehenden Dürren und ähnliche Krisen zu finden, die viele Unschuldige das Leben kosteten. Ich denke, dass wir uns im Kreis drehen und scheitern, solange wir uns nicht auf dauerhafte und zukunftsorientierte Lösungen konzentrieren.

Somalia hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Dürren zu kämpfen. Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig, um zukünftige Notfallsituationen zu vermeiden?

Somalia steht vor vielen Herausforderungen – teils natürlichen, teils vom Menschen gemachten. Die natürlichen Herausforderungen, einschließlich der Dürrezyklen, die die Menschen alle drei bis vier Jahre treffen und die lokale Wirtschaft lähmen, erfordern Vorbereitungen und Kapazitäten, um die Auswirkungen der Katastrophen einzudämmen. Und darum wird die Rolle der Regierungsinstitutionen unentbehrlich. Im Hinblick auf die Reaktion auf Krisen und derzeit vorherrschende Notwendigkeiten sind Wasser, Nahrung und Medizin erste Priorität, und es gibt keine Möglichkeit, die Dürre zu mildern, ohne eine Lösung für die Nahrungsmittelknappheit und den Mangel an Wasser zu finden. Hinzu kommt, dass es aufgrund des Mangels an notwendigen bezahlbaren Alternativen eine Menge Entwaldung gibt, da viele Leute zum Kochen oder um Holzkohle zu produzieren und zu verkaufen, einfach abholzen. Dies führt zu langfristigen sozioökonomischen und Umweltproblemen.

Ein Paradigmenwechsel ist notwendig, um die vorherrschenden strukturellen Probleme zu lösen, sonst kommen wir nicht voran. Des Weiteren müssen wir die Sicherheits- und Wirtschaftssituation verbessern. Es ist aber nicht nur die Regierung, die eine aktive Rolle spielen muss – es ist die ganze Gesellschaft und vor allem die Menschen, die von der Situation betroffen sind, die im Zentrum der Entscheidungsfindung stehen müssen.

NAPAP hat Büros in Somalia und Kenia, ist der lokale Partner der Bündnis-Mitglieder medico international und terre des hommes. NAPAD arbeitet auf beiden Seiten der somalisch-kenianischen Grenze, leistet Nahrungsmittelhilfe für Familien auf der Flucht vor Krieg und Klimawandel. medico international unterstützt die Arbeit von NAPAD  in Somalia, terre des hommes jene in Kenia.

Weitere Informationen:

]]> news-776 Tue, 25 Apr 2017 10:31:46 +0200 „Die Angst vor dem nächsten Beben steckt ganz tief drin in den Menschen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-angst-vor-dem-naechsten-beben-steckt-ganz-tief-drin-in-den-menschen.html Heute vor zwei Jahren wurde Nepal von einem verheerenden Erdbeben getroffen, am 12. Mai folgte ein zweites starkes Beben. 600.000 Häuser stürzten ein, 8.800 Menschen verloren ihr Leben, 22.300 Menschen wurden verletzt, die Infrastruktur massiv beschädigt. Auch zwei Jahre später befindet sich Nepal abseits des Interesses der Weltöffentlichkeit nach wie vor mitten im Prozess des Wiederaufbaus. Asja Hanano, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in Nepal, bewertet im Interview den Stand des Wiederaufbaus, schildert die Zusammenarbeit mit den nepalesischen Behörden und erklärt, warum es um viel mehr geht als nur zerstörte Häuser.

Frau Hanano, wie würden Sie den Stand des Wiederaufbaus zwei Jahre nach dem Erdbeben in Nepal beschreiben? 



Es geht sehr, sehr schleppend voran. Von den 600.000 komplett zerstörten Häusern ist nur ein Bruchteil wieder aufgebaut, offiziell haben nur 3,54 Prozent der betroffenen Menschen ihre Häuser wieder aufgebaut. Die meisten Menschen leben also noch in temporären Unterkünften, kleinen Hüttchen, die sie sich direkt nach der Katastrophe aus Wellblech zusammengezimmert haben. Bei den über 8.000 zerstörten Schulen liegt die Wiederaufbauquote bei zehn Prozent, von den 500 zerstörten Krankenstationen ist etwa die Hälfte wieder aufgebaut.

 




Warum dauert es so lange?



Die Gründe sind vielschichtig. Zunächst hat sich die Identifizierung der Erdbebenopfer ewig hingezogen. Die Regierung musste überall vor Ort prüfen: Ist das Haus wirklich zerstört? Inwiefern ist es zerstört? Wer ist der Hausbesitzer? Das hat ein ganzes Jahr gedauert. Was aber teilweise auch verständlich ist. Denn manchmal müssen Sie erst sechs Stunden mit dem Auto fahren und dann noch einmal acht Stunden zu Fuß gehen, um ein Haus zu erreichen.



Hinzu kommt die Frage der Entschädigung: Nach langem Hin und Her hat die Regierung jedem Erdbebenopfer als Entschädigung 200.000 Nepalesische Rupien zugesichert. Das sind umgerechnet 1.800 Euro. Um ein Haus zu bauen, braucht man mindestens 6.000 Euro, oder mehr. Die erste Rate von 50.000 Rupien pro Kopf wurde erst im August 2016 ausgezahlt. Wer kein Geld hatte, konnte vorher also auch nicht damit anfangen, sein Haus wieder aufzubauen. Und selbst wer Geld dafür hatte, konnte es nicht tun. Denn dann hätte die Regierung den Status der Bedürftigkeit aberkannt. 



Diese erste Rate von 50.000 Rupien pro Kopf war für das Fundament des Hauses bestimmt. Unklar war jedoch, nach welchen Richtlinien gebaut werden sollte. Da hat die Regierung die Bevölkerung zu wenig aufgeklärt. Was ist passiert? Die Leute haben gebaut und die Ingenieure der Regierung haben das Fundament nicht abgenommen. Die Menschen bekommen nun die zweite Rate nicht. Von über 600.000 Personen, die sich für die Entschädigung registriert haben, haben nur 4.000 die zweite Rate bekommen, also weniger als ein Prozent. In der Folge haben viele Menschen einen Kredit aufgenommen, teilweise mit Zinsen von 25 Prozent oder mehr. Das stürzt die zumeist ohnehin armen Menschen umso tiefer in die Armut.

 




Welche Rolle spielt die Bürokratie? 



Eine gewichtige. Zunächst muss ein Antrag für ein Wiederaufbauprojekt durch Behörden auf sehr vielen Ebenen laufen. Nehmen wir als Beispiel eine Schule: Erstmal geht das auf lokaler Ebene durch den Schulmanagement-Ausschuss und durch den Dorfentwicklungs-Ausschuss. Es folgt die Bezirksebene und geht dann auf die nationale Ebene nach Kathmandu zur „National Reconstruction Authority“ (NRA), der Regierungsstelle, die den gesamten Wiederaufbau koordinieren soll. Leider hat  die NRA ständig die Richtlinien geändert. Am Ende gab es hundert verschiedene Baudesigns für erdbebensicheres Bauen einer Schule statt fünf, sechs verbindliche Standards, die man für alle lokalen Gegebenheiten einsetzen kann. Deshalb dauert so ein Antrag schon einmal vier Monate.  


Auf der lokalen Ebene läuft die Zusammenarbeit mit den Behörden wiederum sehr gut, zum Beispiel mit den „Female Community Health Volunteers“ des Gesundheitsministeriums. Das sind hoch motivierte Frauen, die z.B. Ernährungsaufklärung betreiben und Impfkampagnen machen.

 

Wie steht es um die personellen und materiellen Kapazitäten für den Wiederaufbau?

In vielen Dörfern sind bloß alte Menschen, Frauen und Kinder. Denn die jungen Männer sind als Arbeitsmigranten in Dubai oder Saudi-Arabien, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Somit fehlen vor Ort die Arbeitskraft und das technische Know-how. Die Regierung und Nichtregierungsorganisationen haben viele Programme gestartet, um beispielsweise Maurer und Tischler auszubilden. Gleichzeitig hat die Regierung die Ingenieure, die auf Distriktebene den Wiederaufbau anleiten sollten, nicht vernünftig bezahlt. Sie haben gestreikt oder gleich ganz aufgehört zu arbeiten. Konsequenterweise wurde das Gehalt dann später erhöht, um die dringend benötigte technische Expertise auf lokaler Ebene zu gewährleisten.



Es mangelt aber auch an Ressourcen, aktuell an Holz. Die meisten Wälder sind kommunal und stehen unter Schutz, nachdem sie in jahrelanger Kleinstarbeit wieder aufgeforstet wurden. Um Holz aus diesen Wäldern zu bekommen, bedarf es eines langwierigen Prozesses durch die verschiedenen Regierungsinstanzen, die die Abholzung erst offiziell erlauben müssen.




 

Die lokalen Partner des Bündnis-Mitglieds medico international beklagen, dass die in Nepal anstehenden Wahlen zum einen den Fokus der Politik weg von der Aufgabe des Wiederaufbaus lenken, zum anderen zu massiven Spannungen innerhalb der Bevölkerung führen könnten. Wie schätzen Sie die politische Lage ein?



Als die neue Verfassung am 20. September 2015 bestätigt wurde, ging es mit den politischen Unruhen los. Insbesondere die Madhesi im Süden des Landes, aber auch andere ethnische Gruppen, fühlen sich in der neuen Verfassung nicht ausreichend vertreten. Nun gibt es die ersten lokalen Wahlen seit 20 Jahren und die Madhesi wollen sie boykottieren. Die Öffentlichkeit ist extrem politisiert und die Wahl lenkt die Aufmerksamkeit natürlich weg vom Thema des Wiederaufbaus.

 

 

Das Beben hat bei vielen Betroffenen ein Trauma ausgelöst, ein Thema, mit dem sich nicht nur unser Mitglied Christoffel-Blindenmission verstärkt auseinandergesetzt hat. Wie gut hat die nepalesische Bevölkerung die Katastrophe psychisch verarbeitet? 



Als es im vergangenen Jahr kleinere Nachbeben gab, sind meine Kollegen hier in der Stadt jedes Mal völlig ausgeflippt. Da hat man gemerkt: Die Leute stehen noch völlig unter Schock. Doch auf dem Land ist es noch viel schlimmer. Denn da geht es nicht nur um zerstörte Häuser. Ein Viertel der nepalesischen Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze von einem halben US-Dollar pro Tag, 35 Prozent der Bevölkerung sind nicht ernährungssicher. Stellen Sie sich mal vor: Nach zwei Jahren lebt eine Großfamilie noch immer in einer Wellblechhütte. Die haben zwei Winter überstanden mit kleinen Kindern und die Männer sind wahrscheinlich schon wieder weg, arbeiten, um Geld reinzubringen. Noch eine Naturkatastrophe überstehen die nicht. Die Angst vor dem nächsten Beben steckt ganz tief drin in den Menschen.

 

Was sehen Sie als die drei wichtigsten Aufgaben für die nepalesischen Partner der Welthungerhilfe in den kommenden Monaten?



Zunächst „Disaster Preparedness“, Notfallbereitschaft. Das heißt, die Reaktionsmechanismen auf lokaler Ebene aufzubauen. Wir machen gemeinsam mit unseren Partnern gemeindebasiertes Katastrophenmanagement, sodass die Leute die Risiken analysieren und gemeinsam Mechanismen entwickeln, wie sie sich am besten vorbereiten und schützen können. 



Die zweite Sache, ganz wichtig, ist „Livelihood Recovery“, also die Resilienz der Menschen zu erhöhen. Das Kernmandat der Welthungerhilfe ist die Bekämpfung des Hungers (Unterernährung, Mangelernährung und akuter Hunger) mit dem Ziel „Zero Hunger wherever we work by 2030“. Da arbeiten wir an der Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und der Diversifikation des Anbaus – etwa durch den Einsatz von dürreresistentem Saatgut. Wir beraten die Menschen im Einsatz von biologischen Pestiziden als Ersatz für Agrochemikalien und verbessern die Wasserversorgung, zum Beispiel durch die Einführung von Mehrzweck-Wassersystemen. Dabei wird beispielsweise Abwaschwasser noch dazu genutzt, einen kleinen Küchengarten zu bewässern. Komplementär dazu machen unsere Partner Ernährungsberatung für Frauen, denn verbesserte Landwirtschaft allein ist keine Garantie für eine verbesserte Ernährungssituation, es geht ganz stark auch um Verhaltensänderung. 


Wie in anderen Ländern verfolgt die Welthungerhilfe auch in Nepal einen rechtebasierten Ansatz. Wir können technische Assistenz leisten, aber es braucht mehr: Wir wollen die Zivilgesellschaft und auch unsere Partner darin stärken, die Regierungsstellen mehr in die Verantwortlichkeit zu ziehen. Was gibt es für Services, zum Beispiel vom Landwirtschaftsministerium auf Distriktebene, die die Bevölkerung bekommen sollte, aber nicht erhält? Dann unterstützen wir die Bevölkerung zum Beispiel darin, dass mehr Geld im Jahresbudget der lokalen Regierung für Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Durch die lokalen Wahlen sehen wir ein Potential für dezentralisierte Machtverhältnisse. „Power to the People!“ lautet die Maxime des Wahlkampfs. So hoffen wir, dass die Bevölkerung künftig mehr in ihre eigene Entwicklungsplanung und die politischen Prozesse eingebunden ist.

 

Das Bündnis-Mitglied terre des hommes sieht angesichts der Folgen des Klimawandels weitere Herausforderungen auf Nepal zukommen. Worauf muss sich das Land mittel- und langfristig einstellen? 



Es gibt ja jetzt schon Probleme. Einerseits die Dürre: Während der Trockenzeit gibt es Waldbrände. Andererseits der Monsun: In der Regenzeit, die jetzt im Juli wieder anfängt, gibt es Überschwemmungen. Diese Probleme werden durch den Klimawandel noch verschlimmert. Es braucht langfristige Anpassungsmaßnahmen und effektive Strategien der Risikoreduzierung. Und die können nur mit den Menschen vor Ort entwickelt werden. Auf zentraler Ebene können tausend „Policies“ geschrieben werden, wenn die Bevölkerung in den Dörfern nicht mitgenommen wird, dann wird auch so schnell nichts passieren.

 

Was macht Ihnen Mut für die weiteren Schritte des Wiederaufbaus? 

Wenn die Wahlen die lokalen Behörden stärken und sich die Dezentralisierung hoffentlich bis Ende des Jahres halbwegs eingestellt hat, hat die lokale Bevölkerung nicht nur mehr Rechte, die Prozesse würden auch massiv beschleunigt, wenn nicht immer alles über die zentrale Ebene laufen müsste.

 

Weitere Informationen: 
terre des hommes

]]> news-775 Thu, 13 Apr 2017 15:26:48 +0200 „Unsere Lebensweise ist Mitauslöser der Hungerkrise“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/unsere-lebensweise-ist-mitausloeser-der-hungerkrise.html Anne Jung, Mitarbeiterin von medico international im Bereich Campaigning, schildert im Interview die Lage in Kenia und Somalia und benennt strukturelle Probleme, die die aktuelle Hungerkrise in Ostafrika mitverursacht haben.


Frau Jung, Sie sind vor kurzem aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi zurückgekehrt. Wie stellt sich Ihnen die Lage vor Ort dar? In welchen Regionen Kenias ist die Lage momentan am schlimmsten? Woran mangelt es?

Das Hauptproblem ist weiterhin der fehlende Zugang zu Wasser. Diese Situation hat sich in den letzten zwei Jahren immer weiter zugespitzt. Vor allem im Nordosten ist die Lage sehr schlecht, dort sind 70 Prozent der Wasserquellen versiegt. In der Folge des Wassermangels treten viele Krankheiten auf, wie zum Beispiel Cholera oder Durchfallerkrankungen. Solche Armutskrankheiten schwächen die Menschen enorm und viele sterben an den Folgen. Die Dürrekatastrophe in Kenia ist aber flächendeckend, weshalb für die Menschen kurzfristig überhaupt kein Ausweg sichtbar ist. Viele Weideflächen sind vertrocknet und die nomadisch lebenden Hirten können ihre Herden nicht mehr versorgen. Unsere Partner, die in der östlichen Provinz Garissa arbeiten, haben uns berichtet, dass selbst Kamele an Wassermangel sterben, obwohl diese Tiere sehr wenig Wasser benötigen. 

Auch Nairobi ist Ziel der Hirten, die ihr Vieh dort in Parks oder am Straßenrand grasen lassen. Wie wirken sich die Hungerkrise und die damit einhergehende Migration innerhalb Kenias auf die Städte aus?

Vereinzelt haben wir in Nairobi Hirten mit ihren Herden auf den Grünstreifen an den Straßenrändern angetroffen und es wurde uns berichtet, dass dies zum Teil die ohnehin angespannte Verkehrssituation weiter verschlechtert.

Der Zuzug in die Städte hat aufgrund von bewaffneten Konflikten und der Verpachtung von riesigen Landflächen an ausländische Investoren schon vor Jahren begonnen und geht mit den Problemen einher, mit denen sich die Bevölkerung, gerade in den Slums, schon lange herumschlagen muss. Das betrifft vor allem den Zugang zu sauberem Wasser und zur Grundversorgung, weil die Enge des städtischen Raums kaum Möglichkeiten bietet für landwirtschaftliche Nutzung.

Das aktuell nicht mehr Menschen in die Städte kommen liegt vor allem daran, dass viele von ihnen schlicht zu schwach sind zu fliehen. Aus den Dörfern wird uns berichtet, dass sich oft das  Familienoberhaupt auf den Weg gemacht hat, um die Lage in den umliegenden Orten zu sondieren. Die Familien bleiben aber vorerst dort und sind damit in der dramatischen Situation, einfach abwarten zu müssen.

Neben Kenia ist medico International auch in Somalia aktiv. Dort unterstützen sie vor allem lokale Organisationen. Welchen Eindruck vermitteln Ihnen die Partner von der Lage in Somalia?

Die Mitarbeiter unserer somalischen Partnerorganisation NAPAD waren bis kurz vor unserem Treffen auf „Fact Finding Mission“ in einer Provinz im Süden, entlang der Grenze zu Kenia. Die Lage ist auch dort sehr schlimm. Die Wasserpreise sind, bedingt durch die Dürre, in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu 300 Prozent angestiegen, sodass die Menschen sich Wasser schlicht nicht leisten können, selbst wenn sie Zugang dazu haben. Viele haben sich auf den Weg gemacht, um an anderen Orten im Land Zugang zu Wasser und humanitärer Hilfe zu finden. Die UNO spricht von mindestens  250.000 Binnenflüchtlingen. Aber auch in Somalia führt der Mangel an sauberem Wasser z.B. zu Choleraerkrankungen. Einmal mehr trifft das Leid die Ärmsten der Armen. 

In Somalia ist die Infrastruktur sehr schlecht. Viele Orte sind nicht an das Straßennetz angeschlossen, Telefonverbindungen gibt es nicht. Ist es unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich, sich ein umfassendes Bild der Lage im Land zu machen?

Nein, das ist tatsächlich nicht möglich und auch unsere Partner sagen, dass sie sich über die Situation in vielen Landesteilen kein genaues Bild machen können. Die Menschen sind sehr ängstlich, wegen der permanenten Bedrohung durch die Vielzahl bewaffneter Milizen, von denen die al-Shabaab wohl die bekannteste ist. Diese Verängstigung der Menschen macht es schwer, einen Zugang zu ihnen zu finden und im Gespräch verlässliche Informationen zu erhalten. 

Ich bin daher sehr beeindruckt von der Arbeit unserer Partner, die auch unter schwierigen Bedingungen immer versuchen, mit möglichst vielen Menschen zu sprechen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie sprechen mit den lokalen Dorfvorstehern oder den örtlichen Vertretern der Regierung. Das dient nicht zuletzt auch der Verhinderung von Verteilungskämpfen um die wenigen Hilfsgüter, die in den Regionen ankommen. 

Medico International fordert schon seit Jahren, die Zusammenarbeit mit lokalen Strukturen zu intensivieren, weil die Menschen mit Sprach- und Ortskenntnis sich am sichersten vor Ort bewegen können und deren Arbeit den größten Erfolg verspricht. 

Im Zusammenhang mit der Hungerkrise ist häufig von strukturellen Ursachen die Rede. Was genau ist damit gemeint?

Lassen Sie mich das zunächst mit einem Zitat beantworten. „Nur wenn wir die Ursachen von Tragödien verstehen, werden sie sich nicht wiederholen.“ Mit diesem Satz begann der Aufruf „Rechte statt Mitleid“, den medico gemeinsam mit einer Gruppe afrikanischer und europäischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller als Reaktion auf die letzte Dürre, im Jahr 2011, veröffentlicht hat. 

Schon damals haben wir einige zentrale politische Aspekte, wie Krieg, Klimawandel, unfaire Handelsbeziehungen, Lebensmittelspekulation und Landraub thematisiert und die Regierungen zu einem Strategiewandel aufgefordert. Wenn man sich diese Themen genauer ansieht wird klar, dass für die Prävention von Hungerkrisen vor allem der Aufbau einer lokalen, nachhaltigen Landwirtschaft nötig wäre. Dies ist aber nicht im Interesse internationaler Lebensmittelkonzerne. Diese setzen darauf in den Ländern der Region Lebensmittel anzubauen, die für den Export bestimmt sind, um sie als  Viehfutter oder Biosprit zu verwenden, statt Menschen satt zu machen. Diese Situation ist unerträglich und wir haben damals schon gefordert, dass solche strukturellen Probleme angegangen werden müssen. Das muss ganz oben auf der politischen Agenda europäischer Länder stehen, aber hier ist in den vergangenen Jahren viel zu wenig passiert. 

Wenn man über strukturelle Ursachen solcher Probleme wie der Hungerkrise spricht, muss man immer eine globale Perspektive einnehmen. Auf der nationalstaatlichen Ebene lassen sich Probleme solchen Ausmaßes nicht mehr lösen.

Teilweise entsteht der Eindruck, die Regierungen der ostafrikanischen Länder verließen sich pauschal darauf, dass internationalen Geberorganisationen im Falle von Hungerkrisen mit Nothilfeprogrammen die Situation im Land stabilisieren. Kann man hier von „gelernter Hilflosigkeit“ seitens der afrikanischen Regierungen sprechen? Welche Verantwortung trifft dabei auch die internationale Gemeinschaft?

Nun, unsere Gesprächspartner in Kenia haben alle zugestimmt, dass die genannten strukturellen Probleme großen Einfluss auf die Situation in Afrika haben. Gleichzeitig kritisierten sie sehr vehement die Passivität der Afrikanischen Union und vor allem auch der nationalen Regierungen jener Länder, die wirtschaftlich stark sind. Kenia, aber zum Beispiel auch Nigeria oder Südafrika, sind wirtschaftlich starke Länder. Alle diese Länder sind aber sehr auf ihre nationalen Probleme fokussiert, in politische Krisen oder Wahlkämpfe verstrickt. Vor dem Hintergrund lassen sich mit Themen wie Klimawandel keine politischen Punkte gewinnen. 

Beide Seiten, also die afrikanischen Regierungen, wie auch die Regierungen der Geberländer, müssen ihren Teil der Verantwortung tragen und das in den Fokus nehmen, was ihre Länder besonders betrifft. Unser Partner KAPLET fordert, dass die afrikanischen Regierungen ihre jeweiligen Gesetze, in Kenia ist das zum Beispiel das Recht auf Zugang zu medizinischer Versorgung oder das Recht auf Zugang zu Lebensmitteln, konsequent durchsetzen und ihren Pflichten nachkommen. Hier scheitern strukturelle Veränderungen am politischen Unwillen und das ist ein Aspekt, dessen  man sich sehr bewusst sein muss, gerade wenn es darum geht, Druck auf diese Regierungen aufzubauen. Gleichzeitig muss man die europäische Verantwortung, dazu zählt auch, unsere Lebensweise auf Kosten anderer zu thematisieren.

Letztlich ist es eine skandalöse Situation, dass die UNO, die die Völkergemeinschaft repräsentiert, um Spenden werben, nachgerade betteln muss. Die UNO müsste die nötigen Mittel ganz automatisch von den Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt bekommen. Das dem nicht so ist hängt auch damit zusammen, dass die Vielzahl der Notlagen weltweit immer weiter anwächst. Eben deshalb müssen die strukturellen Ursachen für Kriege und Katastrophen in den Blick genommen werden.  

Welche Konsequenzen wird die jetzige Hungerkrise langfristig haben?

Man muss sich darüber klar sein, dass solche Hungerkrisen die Menschen in den Ländern noch über mehrere Generationen hinweg prägen werden. Die Folgen von Mangelernährung sind unter anderem ein verlangsamtes Wachstum, Lernschwächen und die Menschen erleiden schwere Traumata durch den Verlust von nahen Angehörigen. Deshalb muss, neben der akuten Nothilfe, die natürlich nötig ist, auch die strukturelle Veränderung angegangen werden. Ein Aspekt ist der Aufbau von Frühwarnsystemen und Schutzmaßnahmen. Diese haben bei der aktuellen Krise auch teilweise schon Wirkung gezeigt. An einigen Orten waren Wasserrückhaltebecken installiert worden, Nahrungsmittelreserven wurden angelegt und die Agrarwirtschaft nachhaltig gestaltet. Angesichts des Ausmaßes der Krise waren diese Maßnahmen nicht ausreichend, aber es ist nicht so, dass es seit der letzten Krise gar keine Veränderungen gegeben hätte. 

Zum Glück stellen wir eine wachsende Handlungsbereitschaft seitens der deutschen Regierung und auch eine wachsende Spendenbereitschaft der Bevölkerung fest, die gerade überlebensnotwendig ist. Die beste Prävention wäre jedoch der Abbau der strukturellen Ursachen, die wir bereits besprochen haben. Damit das geschieht, ist politischer Druck nötig. 

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news-774 Thu, 06 Apr 2017 12:32:03 +0200 „Man muss sich darauf einstellen, dass immer öfter Regenzeiten komplett ausfallen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/man-muss-sich-darauf-einstellen-dass-immer-oefter-regenzeiten-komplett-ausfallen.html Georg Ehrler betreut im Auftrag von Misereor in Äthiopien die Entwicklung verschiedener Wasserprojekte. Im Interview spricht er über ausbleibenden Regen, komplizierte Projektantragsverfahren und die Vorteile solarbetriebener Pumpen gegenüber Generatoren.

Sie waren Ende Februar in Äthiopien. Wie schätzen Sie die Lage ganz aktuell ein? 

Die Lage ist sehr kompliziert. Die zentrale Frage ist: Wann fängt es endlich an zu regnen? Im Süden bei Moyale hat es wenigstens ein paar Tropfen geregnet. Leider gab es nur dort Regen, in den anderen Gebieten blieb er komplett aus. Seit 2014 hat es wenig oder gar nicht geregnet. Auch in Gegenden, die in der Vergangenheit immer etwas Regen hatten, hat die Lage sich verschärft und die Leute sind auf Unterstützung angewiesen. Das Problem ist, dass langsam die großen Flüsse austrocknen. Die Tiere verenden massenhaft, das war schon im Februar zu beobachten. 

Diesmal scheint die Dürre weitere Bevölkerungskreise zu treffen als 2011, während der letzten großen Dürreperiode. Waren die Menschen dieses Mal nicht besser gewappnet? 

Nein, überhaupt nicht. Viele mussten sich nach 2011 ihren Viehbestand wieder neu aufbauen. Sie waren langsam wieder an dem Punkt, an dem sie ein Einkommen erzielen konnten. Jetzt trifft es sie erneut. Das ist sehr hart.  

Jenseits der reinen Trinkwasserversorgung: Wie würden Sie die Ernährungssituation in Äthiopien insgesamt beschreiben?

Insgesamt sehr schlecht. Dass die Lebensmittelversorgung sehr kritisch ist, spürt man vor allem bei den Kindern. Viele Schulen werden direkt unterstützt, damit wenigstens die Kinder einmal pro Tag eine Mahlzeit bekommen. Auf den Märkten sind Lebensmittel dermaßen teuer geworden, dass sie sich keiner mehr leisten kann. Dabei ist Äthiopien eigentlich, was Nothilfe betrifft, gut aufgestellt. Das „Safety Net“ zum Beispiel unterstützt schon seit 2005 Menschen, die als besonders bedürftig eingestuft worden sind.  Wir sprechen dabei von acht Millionen Äthiopierinnen und Äthiopiern im Jahr. Jetzt sind jedoch noch andere Gebiete dazu gekommen und es können nicht mehr alle Hilfsbedürftigen versorgt werden. 

Bei der Berichterstattung in Deutschland über die Hungerkrise in Ostafrika fällt auf, dass über Äthiopien vergleichsweise wenig zu hören ist. Woran liegt das aus ihrer Sicht?

Das liegt vielleicht daran, dass es einfach nicht im Interesse der äthiopischen Regierung ist. Viele Informationen sollen einfach nicht nach außen dringen. 

Sie sagen also, dass internationale Journalisten schwierigen Zugang zu Informationen im Land haben?

Ganz genau. Hier läuft alles über die Regierung: Jedes Projekt muss letztendlich von der Regierung genehmigt werden, bevor es tatsächlich durchgeführt werden kann. Das ist in anderen Ländern anders, da arbeitet man mit den Organisationen und Menschen direkt vor Ort. Aber in Äthiopien muss alles von der Regierungsseite abgesegnet werden, das ist nicht so ganz einfach.

Was muss einerseits dringend getan werden, um der betroffenen Bevölkerung zu helfen? Und was sind die geeigneten Maßnahmen, um langfristig diese Abhängigkeit aufzulösen und eine nachhaltige Entwicklung anzuschieben?

Dringend müssen zunächst die Nothilfeprojekte verstärkt werden. Die Regierungsseite hat in vielen Gegenden schon Heu für die Tiere der Pastoralisten ausgegeben – ich habe mich mit verschiedenen Menschen vor Ort unterhalten, doch die Menge reicht bei weitem nicht aus.  Man sollte schnellstmöglich die Menschen mit ausreichenden  Nahrungsmitteln und die Tiere mit Futtermittel versorgen. Aber immer nur kurzfristige Hilfe – das kann es nicht sein. Man muss langfristige Projekte angehen, auch wenn es länger dauert und mehr Geld kostet. Es gibt in Äthiopien einfach zu viel Nothilfeprojekte und zu wenige nachhaltige langfristige Entwicklungsprojekte!  Wichtig sind auch  Bewässerungsprojekte, um die landwirtschaftliche Produktion wieder anzukurbeln

Könnte man zukünftige Dürreperioden zumindest abmildern? Die werden, angesichts des fortschreitenden Klimawandels, in den Regionen ja wiederholt auftreten.

Man muss sich darauf einstellen, dass immer öfter Regenzeiten komplett ausfallen. Hier muss man planen, um diese Perioden zu überstehen: Man muss Pflanzen anbauen, die nicht so viel Wasser benötigen, und man muss die Wasserversorgung verbessern. Dazu muss man Brunnen bohren, Regenrückhaltebecken anlegen und Bewässerungssysteme bauen. In Äthiopien gibt es zahlreiche Quellen. Viele dieser Quellen sind noch nicht erschlossen und das an der Oberfläche ausfließende grundsätzlich saubere Wasser, wird durch den ungeschützten Zugang von Mensch und Tier wieder kontaminiert. 

Wie funktioniert ein Regenrückhaltebecken? 

Hierbei wird Oberflächenwasser gespeichert, das in Äthiopien von saisonalen Bächen gespeist wird. Die Becken haben ein Fassungsvermögen von 50.000 m³ und die vorhandene Bodenbeschaffenheit muss  ein hohes Wasserspeichervermögen haben, damit möglichst wenig Wasser versickert. Das Wasser wird mit Solarpumpen entnommen. Die Projektpartner von Misereor haben sechs dieser Becken in der Somali-Region an der Grenze zu Kenia erstellt. Schon ein eintägiger kräftiger Regenschauer konnte zwei dieser Becken komplett füllen. Somit ist es trotz fast vollständig ausgebliebener Regenzeit gelungen, viele Menschen mit Wasser zu versorgen.  Zusätzlich muss nun unbedingt versucht werden, auch Brunnen zu bohren, um an Grundwasser zu gelangen, das in Äthiopien teilweise durchaus in großer Menge vorhanden ist. 

Wie teuer ist es, einen Tiefbrunnen zu bohren? 

Der Bau eines Tiefbrunnens  mit ca. 200 Metern Tiefe und Stahlverrohrung  mit zugehöriger Ausstattung wie Entnahmestellen kostet insgesamt etwa 65.000 Euro. Je nach Ergiebigkeit kommt hierzu eine dementsprechend leistungsstarke Unterwasserpumpe hinzu, die entweder solar- oder generatorbetrieben sein kann. In den Misereor-Projekten werden momentan im Süden Äthiopiens ausschließlich solarbetriebene Pumpen eingesetzt, die zwar in der Erstanschaffung deutlich teurer, aber viel nachhaltiger sind als die Generatoren.  Die laufenden Betriebskosten sind sehr gering und die Mehrkosten von ca. 20.000 Euro sind nach einigen Jahren wieder amortisiert. 

Wie kann die internationale Politik helfen?

Es müssen vor allem entsprechende Gelder bereitgestellt werden, um Projekte angehen zu können. Vielleicht kann die Staatengemeinschaft auch auf die äthiopische Regierung einwirken, ihr Verhalten zu ändern, sich mehr zu öffnen und benötigte Unterstützung klarer zu kommunizieren.  

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news-773 Wed, 05 Apr 2017 18:01:48 +0200 Peru: Humanitäre Hilfe nach den Überschwemmungen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/peru-humanitaere-hilfe-nach-den-ueberschwemmungen.html Heftiger Dauerregen über die letzten Wochen hat in Peru enorme Schäden verursacht. Hunderttausende sind betroffen und benötigen Hilfe. Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft haben zusammen mit ihren lokalen Partnern mit der Soforthilfe begonnen und unterstützen die Aufräumarbeiten.

Wochenlange extreme Regenfälle haben in Peru zu schweren Erdrutschen und Überschwemmungen geführt: Häuser, Brücken und Straßen wurden überflutet und zerstört. Zahlreiche Kinder und Erwachsene kamen bei Erdrutschen und Schlammlawinen ums Leben, Zehntausende sind obdachlos und haben alles verloren. Es fehlt es an sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln. In der Küstenregion im Norden Perus bis hin zur Hauptstadt Lima wurde der Notstand ausgerufen.

Als Ursache der heftigen Regenfälle gilt das Wetterphänomen El Niño. In einigen Regionen gingen Wassermengen von mehr als 190 Liter pro Quadratmeter nieder. Auf den normalerweise sehr trockenen und sandigen Böden der Anden konnten die Regenmassen nicht in die Böden einsickern, sondern flossen über die Oberflächen ab und verursachten die Überschwemmungen und Erdrutsche. 

Um die Menschen in Peru zu unterstützen, haben die Bündnismitglieder Kindernothilfe, Misereor und terre des hommes insgesamt 158.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Zusammen mit ihren Partnern haben die Bündnis-Mitglieder mit der Verteilung von Trinkwasser, Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten und Zelten begonnen. Außerdem sind die Beschaffung und Ausgabe von Material für Aufräumarbeiten und die Reparatur von Häusern und deren Absicherung gegen Regen geplant. Darüber hinaus sollen die Betroffenen, vor allem Kinder, medizinische und psychologische Betreuung erhalten.

Weiterführende Informationen zu den Hilfsmaßnahmen unserer vor Ort aktiven Mitgliedsorganisationen finden Sie auf den folgenden Websites:

https://www.kindernothilfe.de/%C3%9Cber+uns/Presse/Pressemeldungen/Pressemitteilungen+2017/Kindernothilfe+startet+Soforthilfe+nach+%C3%9Cberschwemmungen+in+Peru.html

https://www.misereor.de/presse/pressemeldungen/spendenaufruf-ueberschwemmungen-in-peru/

https://www.tdh.de/was-wir-tun/projekte/suedamerika/peru/meldungen/peru-umweltkatastrophe

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news-772 Fri, 31 Mar 2017 11:00:00 +0200 Oxfam verstärkt das Bündnis Entwicklung Hilft presse/pressearchiv/archiv-detail-view/oxfam-verstaerkt-das-buendnis-entwicklung-hilft.html Drittes assoziiertes Mitglied in dem Bündnis aus elf Hilfswerken

Berlin, 31. März 2017 – Die deutsche Sektion der internationalen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam tritt dem Bündnis Entwicklung Hilft am 1. April als assoziiertes Mitglied bei. „Wir sind von der inhaltlichen und politischen Ausrichtung des Bündnisses überzeugt und freuen uns, die Bündnis-Arbeit mit unserer Stimme zu unterstützen“, sagt Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland e.V.

„Mit seiner starken Kampagnenarbeit und der konsequenten Fokussierung auf Hintergründe und Ursachen von Krisen und Konflikten passt Oxfam sehr gut zu unserem Bündnis“, erklärt Simone Pott, Vorsitzende des Bündnis Entwicklung Hilft. „Wie unsere acht Voll- und bisher zwei assoziierten Mitglieder steht Oxfam sowohl für akute Nothilfe als auch für langfristige Arbeit ganz im Sinne unseres namensgebenden Leitsatzes ‚Entwicklung Hilft‘“, so Pott.

Von dem Zusammenschluss erhoffen sich beide Seiten auch bessere Chancen für Kooperationen mit Unternehmen, Verbänden und Medien. Gerade in Katastrophen- und Krisensituationen setzen die Bündnis-Mitglieder auf gemeinsame Spendenaufrufe. 

Weitere Informationen zu Oxfam Deutschland: www.oxfam.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe sowie die assoziierten Mitglieder German Doctors, Oxfam und Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-771 Thu, 30 Mar 2017 16:42:29 +0200 Update: Dürre und Gewalt – Ostafrika steht vor der größten Hungersnot seit 60 Jahren presse/pressearchiv/archiv-detail-view/update-duerre-und-gewalt-ostafrika-steht-vor-der-groessten-hungersnot-seit-60-jahren.html In ostafrikanischen Ländern leiden nach Angaben der Vereinten Nationen ca. 22 Millionen Menschen akut an Hunger und Wasserknappheit. Besonders schlimm ist die Lage in Somalia, dem Südsudan und Simbabwe. Aber auch in Kenia und Äthiopien spitzt sich die Situation dramatisch zu.

Das Bündnis Entwicklung Hilft engagiert sich umfangreich in Ostafrika. Zusammen mit ihren lokalen Partnern unterstützen die Bündnis-Organisationen vor Ort die Bevölkerung mit Nothilfemaßnahmen, meist Nahrungsmittelhilfen und Wasserversorgung, aber auch durch medizinische Hilfe und Hygienemaßnahmen, um der Ausbreitung von Krankheiten entgegen zu wirken. 

Misereor 

In drei Ländern Ostafrikas leistet Misereor gegenwärtig Nothilfe. In Kenia werden 1.400 Haushalte mit Trinkwasser versorgt, erhalten Diesel und Ersatzteile zum Betrieb von Wasserpumpen sowie Nahrungsmittel. Kooperationspartner vor Ort ist die Diözese Masarbit. In der Diözese Lodwar werden 5.500 Kinder an 15 Schulen mit Nahrungsmitteln versorgt. In die Projekte fließen jeweils 100.000 Euro. 

Im Südsudan kümmern sich örtliche Partner von Misereor in vier Regionen, darunter auch die Hauptstadt Juba, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Decken und Kleidung. Derzeit stehen dafür 340.000 Euro zur Verfügung. 

In Äthiopien werden etwa 2.500 Haushalte mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln sowie mit Futter für vom Hungertod bedrohte Tiere versorgt. Hier steht die extrem trockene „Dawa Zone“ im Fokus.  254.000 Euro konnte Misereor seinem lokalen Partner Idurus zur Verfügung stellen, was aber keinesfalls ausreichen wird.  

Mehr Informationen auf der Website von Misereor 

CBM – Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V. 

Die CBM engagiert sich aktuell in Äthiopien und Simbabwe. In Äthiopien sind, vornehmlich aufgrund der verzögerten Regenzeit und der dadurch bedingten Ernteausfälle, ca. zehn Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Mit ihrem lokalen Partner, der Organisation für Rehabilitation und Entwicklung in der Amhara-Region (ORDA), ermöglicht die CBM unter anderem die Schulspeisung von beinahe 24.000 Kindern und versorgt etwa 14.000 Haushalte mit Saatgut. Außerdem wurden Wasserstellen für 6.000 Menschen instand gesetzt oder neu gebaut.  

In Simbabwe, einem Land, das schon seit Jahren mit den Folgen der Dürre kämpft, engagieren sich die CBM und ihr lokaler Partner vor allem für Menschen mit Behinderungen. Familien mit behinderten Angehörigen werden mit Nahrungsmitteln und Kinder mit Schulspeisungen versorgt. Zusätzlich verteilt der Projektpartner Kleinvieh an bedürftige Haushalte, richtet kommunale Gärten ein und bohrt Brunnen, die auch während der Trockenzeit nicht versiegen. 

Mehr Informationen auf der Website der CBM 

DAHW – Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.  

Eines der am schlimmsten von der Dürre betroffenen Länder ist der Südsudan. Wegen des andauernden Bürgerkrieges konnten viele Felder nicht bestellt werden, Ernten fielen aus. Die große Zahl von Binnenflüchtlingen erschwert die Situation zusätzlich und auch Hygienemaßnahmen können nur unzureichend umgesetzt werden. Die DAHW, die sich seit Jahren in Kooperation mit lokalen Partnern im Südsudan engagiert, schätzt, dass gegenwärtig etwa 5.000 Menschen an Lepra und weitere 50.000 Menschen an Tuberkulose erkrankt sind. Viele von ihnen leben in Regionen, die durch den Bürgerkrieg von der Versorgung abgeschnitten sind. Für diese Ärmsten und Schwächsten wird die DAHW als eine erste Notmaßnahme 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Auch die medizinische Arbeit soll ausgeweitet werden, damit die Menschen nicht nur satt, sondern auch gesund werden. 

Mehr Informationen auf der Facebook-Seite von DAHW 

Kindernothilfe

Die Kindernothilfe vermeldete Anfang März, dass in Somalia bereits Menschen durch die aktuelle Notlage verhungert seien, darunter auch Kinder. In der Region sind viele Kinder durch Unterernährung so sehr geschwächt, dass selbst Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich werden können. Auch wenn sie überleben, leiden die Kinder in späteren Jahren körperlich und geistig an den Folgen der Mangelernährung. In Somaliland setzt die Kindernothilfe daher gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Candlelight 100.000 Euro Soforthilfe für altersgerechte Nahrung, sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen ein. 

Mehr Informationen auf der Website der Kindernothilfe 

medico international

Auch medico international engagiert sich in Somalia. Gemeinsam mit der „Nomadic Association for Peace and Development“ (NAPAD) leistet die Bündnis-Organisation Wasser- und Nahrungsmittelhilfe und unterstützt so jene Menschen, die aufgrund von Dürre oder Krieg vom Hungertod bedroht sind. Im Fokus steht dabei die Region Gedo im Südwesten des Landes. 

In Kenia sind vor allem Gemeinden im Osten, in den Landesteilen „Garissa“ und „Tana River“ auf Nothilfe angewiesen. Zusammen mit der kenianischen Gesundheitsorganisation Kaplet verteilt medico international dort Nahrungsmittel und achtet darauf, jene Teile der Bevölkerung zu erreichen, die bisher von der Notversorgung abgeschnitten waren. 

Mehr Informationen auf der Website von medico international 

terre des hommes

In Simbabwe ist terre des hommes bereits seit knapp einem Jahr in der akuten Nothilfe aktiv. Bisher konnten in Kooperation mit den lokalen Partnern Maso, MDTC und Caclaz über 6.000 unter 5-Jährige mit Ernährungsprogrammen erreicht werden, sowie knapp 300 schwangere und stillende Mütter mit zusätzlicher Nahrung versorgt werden. Um Gewalt, Misshandlung, Kinderarbeit und Kinderhandel entgegen zu wirken, engagiert sich terre des hommes mit seinen lokalen Partnern hauptsächlich in Projekten zum Kindesschutz. Darüber hinaus werden Gemeinschaftsgärten insbesondere zur Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern aufgebaut. 

In Kenia werden im Grenzgebiet zu Somalia 450 Haushalte (2.700 Menschen, darunter 1.485 Kinder) mit Wasser und Lebensmitteln für die nächsten 1-2 Monate versorgt, um die Zeit bis zur nächsten erwarteten Regenzeit zu überstehen. terre des hommes arbeitet hier mit dem lokalen Partner NAPAD, der sich eng mit den Nothilfemaßnahmen der Regierung koordiniert. terre des hommes stellt dafür 55.000 Euro zur Verfügung.

Mehr Informationen auf der Website von terre des hommes

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist in mehreren Ländern Ostafrikas aktiv, unter anderem in Äthiopien, Kenia, Somaliland und dem Südsudan. 

In Äthiopien befasst sich die Bündnis-Organisation vor allem mit Wassermanagement, der Vermittlung von Wissen über Anbaumethoden und Viehhaltung sowie mit der Verbesserung von Hygienemaßnahmen. In Kenia wird daran gearbeitet, die Bevölkerung mit Nahrung und Lebensmitteln zu versorgen und den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern, insbesondere Cholera. Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchgeführt. Insgesamt kommt die Unterstützung in Äthiopien und Kenia mehr als 800.000 Menschen zugute.  

In Somaliland, wo vor allem Binnenflüchtlinge auf internationale Hilfe angewiesen sind, unterstützt die Welthungerhilfe gegenwärtig etwa 35.000 Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln. Auch 12.000 Nutztiere werden veterinärmedizinisch versorgt. 

Mehr Informationen auf der Website der Welthungerhilfe 

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung: 

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen 

https://spenden.entwicklung-hilft.de 

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah.

Aktualisierte Fassung der Meldung vom 17.03.2017

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news-770 Tue, 28 Mar 2017 16:23:59 +0200 „Die Regenzeit bringt neue Herausforderungen mit sich“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-regenzeit-bringt-neue-herausforderungen-mit-sich.html Eugene Wanekeya, Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Kenia, spricht im Interview über zu viel Wasser in Zeiten der Dürre, zu Unrecht kriminalisierte Hirten und die schwierig zu bewertende Rolle der kenianischen Regierung.

Wie ist die Lage in Kenia aktuell? Wie viele Menschen sind von der Dürrekatastrophe betroffen?

Die aktuellen Meldungen der Regierung sagen, dass mehrere Millionen Menschen vom Verhungern bedroht sind. Die meisten Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser, das ist ihr größtes Problem. Es gibt zwar Brunnen, aber bei weitem nicht genug. Die Menschen müssen lange Strecken zurücklegen, um einen Brunnen zu erreichen, da viele Flüsse ausgetrocknet sind. Einige migrieren in die Nachbarländer, wo die Situation etwas besser ist. 

Wird dadurch das Problem nicht verlagert, statt gelöst zu werden?

Ja, zum einen wird das Problem verlagert, zum anderen sehen die Nachbarländer ihre Sicherheit gefährdet. Viele der Hirten besitzen Waffen, mit denen sie ihre Herden schützen. Sie tragen zum Beispiel Kalaschnikow-Gewehre bei sich und werden dann an der Grenze wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet. So werden die Menschen grundlos kriminalisiert.

Welche Regionen Kenias sind besonders schlimm von der Dürre betroffen? 

Die Regionen im Norden sind am schlimmsten betroffen. In einigen Regionen hat die Regenzeit bereits begonnen, aber das bringt andere Herausforderungen mit sich. Da viele Böden komplett ausgetrocknet sind, können sie die großen Mengen an Niederschlag nicht schnell genug aufnehmen. Auch Wasserverunreinigung ist ein Problem. Die Kadaver toter Tiere verunreinigen das Wasser, was wiederum die Gesundheit von Menschen und Tieren gefährdet.

Was unternimmt die kenianische Regierung, um die Lage der Menschen in den betroffenen Gebieten zu verbessern? Hat die Regierung ausreichend Kapazitäten und Expertise?

Die Regierung hat von Beginn der Dürre an gesagt, dass sie sehr aktiv sei und über ausreichend personelle Kapazitäten sowie Expertise verfüge. Sie stelle Wasser und Nahrung zur Verfügung und gewährleiste die Sicherheit der Hirten und ihres Viehs. Von diesen Aktivitäten habe ich in den betroffenen Regionen aber nur wenig gemerkt. Es ist nicht leicht zu überprüfen, ob die Regierung tatsächlich umsetzt, was sie sagt. 

Wie konnte die Lage so schlimm werden? Haben internationale Organisationen und die kenianische Regierung nicht genau genug hingeschaut? 

Die kenianische Regierung hat erst vor kurzem den Notstand ausgerufen und die internationalen Geberorganisationen um finanzielle Hilfe gebeten. Im Prinzip hat die Regierung auch genug Personal in den Regionen und auch ein Frühwarnsystem installiert. Das alles nutzt aber nur wenig, wenn die Beamten in den regionalen Zentren angesiedelt sind und nicht in die Regionen gehen, die nur schwer zugänglich sind. Das Grundproblem ist eine schlechte Infrastruktur. 

Die internationalen Geber haben die Verteilung von Geldern durch die Regierung organisieren lassen, aber das hat nicht besonders gut funktioniert. Viele lokale Organisationen haben keine Mittel erhalten, um ihre Aktivitäten in den Regionen umzusetzen. Auch hat die Regierung den Notstand erst sehr spät ausgerufen – zu spät, meiner Ansicht nach. 

Was tut die Welthungerhilfe vor Ort? 

Unsere Aktivitäten dienen vor allem dazu, die Bevölkerung widerstandsfähig gegen Dürren zu machen. In vielen Regionen Kenias gibt es Brunnen, damit die Menschen nicht allein auf die Wasserversorgung durch Flüsse angewiesen sind. Viele dieser Brunnen sind mit benzinbetriebenen Pumpen ausgestattet, was nicht nachhaltig ist. Wir haben nun damit begonnen, die Energieversorgung der Pumpen auf Solarstrom umzustellen. Das reduziert die Instandhaltungskosten und sichert die Wasserversorgung, denn die Abhängigkeit vom Benzin entfällt.

Außerdem unterstützen wir die Hirten dabei, Feldfrüchte für ihre Herden anzubauen, damit sie auch in längeren Trockenzeiten Futter für ihre Tiere und Nahrung für ihre Familien haben. Hierbei handelt es sich um Feldfrüchte, die nur relativ wenig Wasser benötigen. 

Was muss passieren, um der kenianischen Bevölkerung langfristig zu helfen?

Das größte Problem ist der Wassermangel. Es müssen mehr Brunnen gebaut werden. Die Menschen in den Regionen sagen uns, dass sie alleine überleben können, wenn sie nur Zugang zu Wasser haben.

Die Herausforderung für uns besteht darin, die internationalen Geber davon zu überzeugen, dass wir jetzt mehr Mittel brauchen, um mittel- und langfristig gegen Dürrekatastrophen gewappnet zu sein. Es ist viel einfacher solche Katstrophen zu bewältigen, indem man die Widerstandfähigkeit der Menschen steigert, statt Nothilfe zu leisten, wenn es eigentlich schon zu spät ist. 

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news-769 Fri, 17 Mar 2017 19:33:11 +0100 Dürre und Gewalt – Ostafrika steht vor der größten Hungersnot seit 60 Jahren presse/pressearchiv/archiv-detail-view/duerre-und-gewalt-ostafrika-steht-vor-der-groessten-hungersnot-seit-60-jahren.html In den Ländern am Horn von Afrika leiden nach Angaben der Vereinten Nationen ca. 22 Millionen Menschen akut an Hunger und Wasserknappheit. Besonders schlimm ist die Lage in Somalia, dem Südsudan und Simbabwe. Aber auch in Kenia und Äthiopien spitzt sich die Situation dramatisch zu. Das Bündnis Entwicklung Hilft engagiert sich umfangreich in Ostafrika, dies geschieht stets in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Vor Ort unterstützen die Bündnis-Organisationen die Bevölkerung mit Nothilfemaßnahmen, meist Nahrungsmittelhilfen und Wasserversorgung, aber auch durch medizinische Hilfe und Hygienemaßnahmen, um die Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera und Lepra zu verhindern.

Misereor

In drei Ländern Ostafrikas leistet Misereor gegenwärtig Nothilfe. In Kenia werden 1.400 Haushalte mit Trinkwasser versorgt, erhalten Diesel und Ersatzteile zum Betrieb von Wasserpumpen sowie Nahrungsmittel. Kooperationspartner vor Ort ist die Diözese Masarbit. In der Diözese Lodwar werden 5.500 Kinder an 15 Schulen mit Nahrungsmitteln versorgt. In die Projekte fließen jeweils 100.000 Euro.

Im Südsudan kümmern sich örtliche Partner von Misereor in vier Regionen, darunter auch die Hauptstadt Juba, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Decken und Kleidung. Derzeit stehen dafür 340.000 Euro zur Verfügung.

In Äthiopien werden etwa 2.500 Haushalte mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln sowie mit Futter für vom Hungertod bedrohte Tiere versorgt. Hier steht die extrem trockene „Dawa Zone“ im Fokus.  254.000 Euro konnte Misereor seinem lokalen Partner Idurus zur Verfügung stellen, was aber keinesfalls ausreichen wird. 

Mehr Informationen auf der Website von Misereor

 

CBM – Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V.

Die CBM engagiert sich aktuell in Äthiopien und Simbabwe. In Äthiopien sind, vornehmlich aufgrund der verzögerten Regenzeit und der dadurch bedingten Ernteausfälle, ca. zehn Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Mit ihrem lokalen Partner, der Organisation für Rehabilitation und Entwicklung in der Amhara-Region (ORDA), ermöglicht die CBM unter anderem die Schulspeisung von beinahe 24.000 Kindern und versorgt etwa 14.000 Haushalte mit Saatgut. Außerdem wurden Wasserstellen für 6.000 Menschen instand gesetzt oder neu gebaut. 

In Simbabwe, einem Land, das schon seit Jahren mit den Folgen der Dürre kämpft, engagieren sich die CBM und ihr lokaler Partner vor allem für Menschen mit Behinderungen. Familien mit behinderten Angehörigen werden mit Nahrungsmitteln und Kinder mit Schulspeisungen versorgt. Zusätzlich verteilt der Projektpartner Kleinvieh an bedürftige Haushalte, richtet kommunale Gärten ein und bohrt Brunnen, die auch während der Trockenzeit nicht versiegen.

Mehr Informationen auf der Website der CBM

 

DAHW – Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. 

Eines der am schlimmsten von der Dürre betroffenen Länder ist der Südsudan. Wegen des andauernden Bürgerkrieges konnten viele Felder nicht bestellt werden, Ernten fielen aus. Die große Zahl von Binnenflüchtlingen erschwert die Situation zusätzlich und auch Hygienemaßnahmen können nur unzureichend umgesetzt werden. Die DAHW, die sich seit Jahren in Kooperation mit lokalen Partnern im Südsudan engagiert, schätzt, dass gegenwärtig etwa 5.000 Menschen an Lepra und weitere 50.000 Menschen an Tuberkulose erkrankt sind. Viele von ihnen leben in Regionen, die durch den Bürgerkrieg von der Versorgung abgeschnitten sind. Für diese Ärmsten und Schwächsten wird die DAHW als eine erste Notmaßnahme 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Auch die medizinische Arbeit soll ausgeweitet werden, damit die Menschen nicht nur satt, sondern auch gesund werden.

Mehr Informationen auf der Facebook-Seite von DAHW

 

Kindernothilfe

Die Kindernothilfe vermeldete Anfang März, dass in Somalia bereits Menschen durch die aktuelle Notlage verhungert seien, darunter auch Kinder. Viele sind durch Unterernährung so sehr geschwächt, dass selbst Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich werden können. Auch wenn sie überleben, leiden die Kinder in späteren Jahren körperlich und geistig an den Folgen der Mangelernährung. Die Kindernothilfe setzt daher, gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Candlelight, als erste Maßnahme 10.000 Euro ein, um in Somaliland, dem nördlichen Teil Somalias, altersgerechte Nahrung, sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen zu organisieren.

Mehr Informationen auf der Website der Kindernothilfe

 

medico international

Auch medico international engagiert sich in Somalia. Gemeinsam mit der „Nomadic Association for Peace and Development“ (NAPAD) leistet die Bündnis-Organisation Wasser- und Nahrungsmittelhilfe und unterstützt so jene Menschen, die aufgrund von Dürre oder Krieg vom Hungertod bedroht sind. Im Fokus steht dabei die Region Gedo im Südwesten des Landes.

In Kenia sind vor allem Gemeinden im Osten, in den Landesteilen „Garissa“ und „Tana River“ auf Nothilfe angewiesen. Zusammen mit der kenianischen Gesundheitsorganisation Kaplet verteilt medico international dort Nahrungsmittel und achtet darauf, jene Teile der Bevölkerung zu erreichen, die bisher von der Notversorgung abgeschnitten waren.

Mehr Informationen auf der Website von medico international

 

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist in mehreren Ländern Ostafrikas aktiv, unter anderem in Äthiopien, Kenia, Somaliland und dem Südsudan.

In Äthiopien befasst sich die Bündnis-Organisation vor allem mit Wassermanagement, der Vermittlung von Wissen über Anbaumethoden und Viehhaltung sowie mit der Verbesserung von Hygienemaßnahmen. In Kenia wird daran gearbeitet, die Bevölkerung mit Nahrung und Lebensmitteln zu versorgen und den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern, insbesondere Cholera. Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchgeführt. Insgesamt kommt die Unterstützung in Äthiopien und Kenia mehr als 800.000 Menschen zugute. 

In Somaliland, wo vor allem Binnenflüchtlinge auf internationale Hilfe angewiesen sind, unterstützt die Welthungerhilfe gegenwärtig etwa 35.000 Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln. Auch 12.000 Nutztiere werden veterinärmedizinisch versorgt.

Mehr Informationen auf der Website der Welthungerhilfe

 

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung:

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen

https://spenden.entwicklung-hilft.de

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah.

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news-768 Tue, 14 Mar 2017 19:33:04 +0100 „Eine so schlimme Dürre haben die Menschen hier noch nie erlebt“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/eine-so-schlimme-duerre-haben-die-menschen-hier-noch-nie-erlebt.html Drohende Hungersnot in Somaliland: Ein Interview mit Angelika Böhling, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Bündnis Entwicklung Hilft und Pressesprecherin der Kindernothilfe

Sie sind gerade aus der autonomen Republik Somaliland zurückgekehrt. Wie ist die Lage aktuell?
Die Lage ist sehr angespannt. Die Menschen stehen kurz vor einer regelrechten Hungersnot. Ich bin in der Region Togdheer gewesen. Alle Menschen, mit denen wir dort gesprochen haben, haben übereinstimmend gesagt: So eine schlimme Dürre haben wir noch nie erlebt. Zum Glück wurden in der Region noch keine Todesopfer gemeldet, aber besonders die Kinder sind sichtlich angeschlagen. In den zweieinhalb Monaten dieses Jahres  wurden bereits fast so viele Mädchen und Jungen mit einem besorgniserregenden Gesundheitszustand registriert wie im gesamten letzten Jahr. Die Lage ist insgesamt sehr ernst. Weite Regionen des Landes sind auf die Wasserversorgung durch Lastwagen angewiesen. Die Wasserzisternen in den Dörfern sind alle leer, da es seit zwei Jahren nicht geregnet hat. Dadurch sind auch die Ernten ausgeblieben. Das Vieh, das 65 bis 70 Prozent der Menschen als Lebensgrundlage dient, liegt vielerorts verendet am Straßenrand. Die Menschen machen sich daher aus den ländlichen Gebieten auf den Weg in die größeren Städte.

War diese Situation absehbar?
Es ist ein schleichender Prozess. Unsere Partnerorganisation in Somaliland hat schon im letzten Jahr erste Warnzeichen gegeben und um Unterstützung gebeten. Akut geworden ist es erst, als die Regierung kürzlich den Notstand ausgerufen hat. Ein Problem besteht darin, dass Somaliland seit der Erklärung seiner Unabhängigkeit von Somalia 1991 völkerrechtlich nicht anerkannt ist und dadurch keine eigene Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft bekommt. Die somalische Regierung gibt zwar einen Teil der Hilfsgelder an Somaliland weiter, doch das reicht bei weitem nicht aus. Somalia und Somaliland sind gleichermaßen von der Dürre betroffen.

Wie konnte es zu dieser schweren Hungersnot kommen? Gibt es neben der Dürre noch andere Ursachen?
In Somalia wie in anderen afrikanischen Ländern spielt sicher auch die politische Instabilität eine große Rolle bei der Entstehung des Hungers. Somaliland ist im Vergleich zu Somalia, das durch einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg gezeichnet ist, aber ein weitgehend stabiler Staat. In Somaliland ist die Hungerkrise überwiegend auf den Klimawandel zurückzuführen. Die Regierung selbst hat seit November 2016 zwei Millionen US-Dollar in die humanitäre Hilfe gesteckt und zusätzlich um internationale Hilfe gebeten. Doch durch die fehlende internationale Anerkennung kann sich Somaliland schlecht Gehör verschaffen. Ansonsten wäre Hilfe von außen vielleicht schneller angekommen. Nun ist viel zu viel Zeit verstrichen. Es kommt jetzt auf die nächsten Tage an, nicht auf Wochen oder Monate.

Kinder und schwangere Frauen leiden am meisten unter der Dürre in Somaliland. Copyrights: Angelika Böhling, Kindernothilfe

Einen Eindruck von den Hilfsbedarfen und -maßnahmen gibt der Beitrag in der Tagesschau von Minute 11:05 bis 12:58:
www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-18789.html

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news-767 Fri, 10 Mar 2017 17:12:17 +0100 „Hunger wird als Waffe eingesetzt“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hunger-wird-als-waffe-eingesetzt.html Ein Interview zur Lage im Südsudan mit Hannah Dönges vom Centre on Conflict, Development and Peacebuilding (CCDP) des Graduate Institute in Genf

Sie haben gerade eine Kurzstudie zur Peacekeeping-Mission im Südsudan veröffentlicht. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Dönges: Seit dem erneuten Kriegsausbruch in der Hauptstadt Juba im Juli 2016 hat sich die Sicherheitssituation und die humanitäre Lage deutlich verschlechtert. Konflikte und Kampfhandlungen außerhalb von Juba nehmen zu, die Situation für Zivilisten verschärft sich weiter. Bewaffnete Gruppen, unter ihnen auch die Regierungsarmee, töten und vergewaltigen Zivilisten entlang ethnischer Trennlinien. Die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und Menschenrechtsorganisationen haben der Regierung Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen – dies macht mehr als deutlich, dass sie ihre Aufgaben nicht erfüllt. 

Ende Februar haben die Vereinten Nationen den Hungernotstand im Südsudan ausgerufen. Wie hängen Hunger und Bürgerkrieg zusammen?

Dönges: Der Südsudan ist an sich ein sehr fruchtbares Land. Es gibt also keine natürliche Ursache für die Nahrungsmittelknappheit. Allerdings können Bauern wegen der andauernden Kriegshandlungen und Vertreibungen ihre Äcker nicht mehr bestellen. Viele Menschen fliehen, entweder in Nachbarländer oder innerhalb des Südsudan. Etwa 200.000 Menschen suchen Schutz auf „Protection of civilians sites“ der Friedensmission der Vereinten Nationen. Manche retten sich vor dem Krieg in Sumpfgebiete, wo sie zwar sicherer vor Soldaten sind, in denen sich aber kein Ackerbau betreiben lässt. Unter Ernährungsunsicherheit leidet die gesamte Zivilbevölkerung. Die Hungersnot betrifft derzeit knapp die Hälfte der Bevölkerung, quer durch alle ethnischen Gruppen, mit steigender Tendenz. Schon im Juni 2016, vor dem erneuten Kriegsausbruch, war die Ernährungssituation dramatisch. Unterernährung macht gerade Kinder noch viel anfälliger für Krankheiten. Es wächst im Südsudan derzeit eine Generation auf, deren Leben von Hunger und Krieg geprägt ist.

Was können Hilfsorganisationen in dieser Situation leisten?

Dönges: Humanitäres Engagement vor Ort, zum Beispiel durch die Lieferung von Hilfspaketen, ist nach wie vor wichtig. Humanitäre Akteure sollten sich gemeinsam dafür einsetzen, Zugang zu allen Teilen der betroffenen Bevölkerung zu erhalten. Gerade außerhalb der Hauptstadt Juba ist die Arbeit für lokale wie für internationale Kräfte sehr schwierig, und die Regierung blockiert Hilfsleistungen zu Menschen, die nicht durch die Regierungstruppen kontrolliert oder als loyal empfunden werden. Entwicklungszusammenarbeit mit der Regierung ist auch problematisch, da diese nicht in Ernährung, Infrastruktur oder Bildung investiert, sondern in Kriegsführung. 

Wie schätzen Sie die Chancen für eine Entspannung des Konflikts ein?

Dönges: Konfliktlösungsstrategien im Südsudan erfordern einen langen Atem. Kurzfristig kann sich die Lage durchaus noch weiter verschlechtern. Eine Chance ist sicherlich die aktuell gestiegene weltweite Aufmerksamkeit für das Kriegsgeschehen im Südsudan. Ziel muss es zunächst sein, die Gewalt zu reduzieren. Daher halte ich ein Waffenembargo für sinnvoll. Wichtig ist es außerdem, legitime zivile Akteure im Land wie Kirchenvertreter, Richter und Journalisten zu stärken. Das gestaltet sich allerdings schwierig, da sie von den Regierungstruppen eingeschüchtert und laut Menschenrechtsorganisationen zum Teil auch verschleppt werden. Erschwerend für den Friedensprozess kommt hinzu, dass alle Entwicklungsindikatoren für den Südsudan sehr niedrig sind. So sind zum Beispiel die Analphabetenrate und die Kindersterblichkeit hoch. 

Hannah Dönges ist Forscherin am Centre on Conflict, Development and Peacebuilding (CCDP) des Graduate Institute in Genf und derzeit Gast in der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Schwerpunkt ihrer Forschung: Der Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten am Beispiel des Südsudan.

Zu ihrer aktuellen Kurzstudie „Peacekeeping am Limit“

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news-766 Thu, 23 Feb 2017 13:51:13 +0100 Der Hunger bleibt. Wir müssen unsere Hilfe ausweiten. presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-hunger-bleibt-wir-muessen-unsere-hilfe-ausweiten.html Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungerkatastrophe im Jemen, in Nigeria, in Somalia und im Südsudan. Für Teile des Südsudans haben sie bereits einen Hunger-Notstand ausgerufen. Es ist seit sechs Jahren das erste Mal, dass die Vereinten Nationen wieder zu dieser Maßnahme greifen. Nach Schätzungen von UN-Behörden droht allein im Südsudan 100.000 Menschen der Hungertod. Weitere eine Millionen Menschen sind dort akut gefährdet.

Auch im Nordosten Nigerias, dem Jemen und am Horn von Afrika sind Millionen Menschen betroffen. In Äthiopien, Kenia und Somalia leiden über 11 Millionen Menschen unter den Folgen einer wiederholt schweren Dürre. Hunderttausende Kinder leiden an Mangelernährung. Nach der Dürre in Folge von El Nino in 2015 und 2016 ist es das zweite Jahr in Folge mit zu wenig Regen. Die Ernten sind ausgefallen, das Weideland für die Tiere ist verödet, Felder sind verdorrt und es fehlt an Saatgut für den Anbau. Tausende Nutztiere, vor allem Kühe, sind bereits verendet oder stark abgemagert. Für viele Menschen ist damit ihre Lebensgrundlage in akuter Gefahr. Nun hoffen die Menschen auf die nächste Regenzeit ab April.

Um die Menschen zu unterstützen, sind die Bündnis-Organisationen und ihre Partnerorganisationen seit Jahren in den betroffenen Regionen tätig. Langfristige Projekte der Bündnis-Organisationen tragen dazu bei, die Gemeinden widerstandsfähiger und unabhängiger von den Dürreperioden werden zu lassen. In Ergänzung zur Schaffung von alternativen Einkommensquellen gibt es Schulungen zu Anbaumethoden, Futter und Viehhaltung. Mit gezielten Projekten wird der Zugang zu und das Management von Wasser und Sanitäranlagen verbessert. Mit neuen Bewässerungsmaßnahmen sollen die Ernten stabilisiert werden.

Ergänzend zur längerfristigen Hilfe stehen nun die Soforthilfemaßnahmen für die betroffenen Menschen im Vordergrund. Die Bündnis-Organisationen und ihre Partner versorgen die Menschen mit Lebensmitteln und Wasser und verteilen Ergänzungsnahrung für Säuglinge und Kleinkinder. Außerdem wird Futter für vom Hungertod bedrohte Nutztiere zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus werden Krankenhäuser unterstützt und Schulspeisungen gefördert.

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung:

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen

https://spenden.entwicklung-hilft.de

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah. 

  

  

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news-765 Thu, 12 Jan 2017 15:38:11 +0100 Blick nach vorn presse/pressearchiv/archiv-detail-view/blick-nach-vorn.html Der designierte Präsident von Haiti, Jovenel Moïse, hat nach der Bestätigung seines Wahlsieges Anfang dieses Jahres versprochen, sich für die soziale Entwicklung und Frieden einzusetzen. Vertreter anderer politischer Parteien lud er zu gemeinsamen Gesprächen ein. Der 48-Jährige soll am 7. Februar in sein Amt eingeführt werden. Für die Prävention und den Wiederaufbau eines Landes nach Katastrophen spielt eine gute Regierungsführung eine entscheidende Rolle: Nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 erschwerten die instabilen politischen Verhältnisse die Entwicklungszusammenarbeit. Auch auf den Hurrikan „Matthew“ war Haiti kaum vorbereitet. Pläne der Regierung für Katastrophenfälle gab es bisher nicht. Kann Jovenel Moïse Haiti aus der Krise führen? Ein Kommentar von Louis Dorvilier, Welthungerhilfe.


Wissbegierig und ambitioniert: Viele Schüler in Haiti wünschen sich eine Perspektive.
Foto: Michael Müller/Welthungerhilfe

Die Wahlen am 20. November 2016 haben weitgehend friedlich stattgefunden. Das ist für das Land ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Bevölkerung will offenbar mit der Vergangenheit abschließen und blickt nun in die Zukunft. Dabei war der Zeitpunkt der Wahlen ungünstig. Der Großteil der Bevölkerung war damit beschäftigt, sich von den Schäden, die Hurrikan „Matthew“ angerichtet hatte, zu erholen. 

Die Ergebnisse der Wahlen widerlegen Spekulationen, nach denen der Interimspräsident Jocelerme Privert die Rückkehr der Lavalas-Partei an die Macht vorbereiten sollte. Privert, früherer Innenminister und einflussreiches Mitglied der Lavalas-Partei, kam durch eine undurchsichtige Vereinbarung, die er mit Michel Joseph Martelly getroffen hatte, an die Macht. 

Am 8. Dezember 2016 hatte die Übergangswahlkommission bereits die vorläufigen Ergebnisse der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bekannt gegeben. Nach diesen Ergebnissen führte die PHTK (Parti Haïtien Tèt Kale) klar vor den traditionellen politischen Parteien. Jovenel Moïse bekam mit fast 56 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. 

Durch die Wahl eines jungen Agrarunternehmers hat die haitianische Bevölkerung deutlich gemacht, dass sie die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Dass sie daran glaubt, dass Grundbedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft und Bildung erfüllt werden können, wie die PHTK es versprochen hat. Dieses Wahlergebnis zeigt auch, dass die meisten Haitianer Gewalt bei Wahlen ablehnen und einer anderen Politikergeneration nun die Chance einräumen möchten, ein neues Kapitel zu beginnen. 

Die gewählten Vertreter sollten nun die Möglichkeit bekommen, auch wirklich souverän regieren zu können. Durch eine vernünftige makroökonomische Politik und soziale Maßnahmen müssen sie beweisen, dass sie fähig sind, die Wirtschaft zu stabilisieren, den Tourismus und die Landwirtschaft anzukurbeln und Jobs zu schaffen. Gelingt es Jovenel Moïse, seine Wahlversprechen einzuhalten, könnte das tatsächlich ein Neuanfang sein. Wenn nicht, wird das Unheil der Verschleuderung von Vermögen weiter seinen Lauf nehmen. 

Louis Dorvilier ist gebürtiger Haitianer. Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler arbeitet als Landesdirektor der Welthungerhilfe in der Demokratischen Republik Kongo.

Wähler in Haiti entscheiden nach Angaben des Auswärtigen Amts eher personenbezogen. Parteiprogramme beachten sie weniger. Die wichtigsten Parteien sind die PHTK und die Fanmi Lavalas. Nach den Wahlen im November 2016 gingen Anhänger der Partei Fanmi Lavalas, die der Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide gegründet hatte, auf die Straße und verlangten die sofortige Veröffentlichung der Wahlergebnisse. Die Demonstranten zündeten in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Reifen an. Die Polizei feuerte Tränengas ab. Haiti leidet schon lange unter einer politischen Dauerkrise. Die Wahl im Jahr 2015, bei der Jovenel Moïse auch schon die meisten Stimmen geholt hatte, war wegen Manipulationsvorwürfen annulliert worden. Die Europäische Union und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hielten die Abstimmung damals allerdings für grundsätzlich frei und fair. Sie vermuteten, dass die Opposition mit ihren Protesten das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte. Der ehemalige Präsident Michel Joseph Martelly hatte das Amt Anfang Februar 2016 aufgegeben, Senatspräsident Privert übernahm es vorübergehend. Zwei Versuche der Abgeordnetenkammer, über eine Erneuerung von Priverts Mandat als Übergangspräsident bis zum 7. Februar 2017 zu entscheiden, scheiterten. Gewalttätige Demonstrationen für und gegen Privert verhinderten, dass die anberaumten Sitzungen am 21. Juni beziehungsweise am 28. Juni 2016 zustande kamen. Schon zuvor, unter Martelly, kam das Land nicht vorwärts. Die Regierung hatte keine eigene Parlamentsmehrheit, Gesetzesvorhaben wurden blockiert. Alle Mandate der Abgeordneten und eines Drittels der Senatoren waren schon am 12. Januar 2015 ausgelaufen. Seither hatte Haiti offiziell kein Parlament mehr und Martelly regierte per Dekret. Diese Situation lähmte die Bemühungen, das Land nach dem Erdbeben 2010 zu stabilisieren und erschwerte die Entwicklungszusammenarbeit. Das neue Jahr begann in Haiti leider wieder mit Unruhen: Am 5. Januar 2017 wurde Guy Philippe festgenommen und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Erst im November 2016 war er zum Senator des südwestlichen Departements Grand´Anse gewählt worden, das wenige Wochen zuvor von Hurrikan „Matthew“ verwüstet worden war. Philippe wurde von der US-Drogenfahndung DEA im Zusammenhang mit Kokainschmuggel und Geldwäsche gesucht. Beobachterorganisationen werfen ihm Menschenrechtsverletzungen vor. 

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news-764 Thu, 05 Jan 2017 20:53:37 +0100 Kleine Wunder presse/pressearchiv/archiv-detail-view/kleine-wunder.html Was Spenden für Syrien verändern können

Die Geschichte des zehnjährigen Bassil rührte im November 2016 viele Zuschauer der ARD. Der Weltspiegel berichtete über den Jungen, der – wie so viele Kinder in Syrien – mit Kriegsschrott gespielt hatte. Ob es eine Handgranate war, die er und seine beiden Freunde gefunden hatten oder andere Munition, weiß keiner. Bassil sah zu, wie seine beiden Freunde neben ihm bei einer Explosion starben. Helfer brachten ihn in ein Krankenhaus in Jordanien. Ärzte amputierten ihm beide Beine, auch seine linke Hand verlor er. Sein Bruder und sein Vater starben bei einem Bombenangriff. Von der Schwester und der Mutter fehlte jede Spur, seine Tante brachte ihn zuerst in das Flüchtlingscamp Zaatari, dann kam er in die jordanische Hauptstadt Amman, in ein Zentrum der Organisation Souriyat Across Borders, die Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bietet und eng mit der Al Hussein Society zusammenarbeitet, einem Projektpartner der Christoffel-Blindenmission. Die Al Hussein Society finanzierte Bassils Rollstuhl und seine Prothesen. Auch Physiotherapie für Menschen mit Behinderungen und eine psychosoziale Beratung bietet sie an. Viele Flüchtlinge sind durch die Angriffe körperlich beeinträchtigt. Die Christoffel-Blindenmission unterstützt sie zusammen mit ihren Partnern in Jordanien.

Jordanien hat als armes Land viele Flüchtlinge aufgenommen. Um Konflikte zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen zu deeskalieren, finanziert Brot für die Welt Schulungen und Fortbildungen in Gemeinden, beispielsweise in den Bereichen Hygiene und Frauenrechte. In Flüchtlingsunterkünften in Jordanien und im Libanon können Schulkinder, die lange keinen Unterricht besuchen konnten, an Nachhilfe-Kursen teilnehmen. Auch zur Grundsicherung tragen Ihre Spenden bei: Etwa 2.000 syrische Flüchtlinge bekamen Winterkleidung und Decken. Im Libanon verteilten Helfer Essen, in der Autonomen Region Kurdistan im Irak lieferten Partner Kleidung, Heizgeräte und Brennstoff an etwa 500 Familien.

Die Kindernothilfe bezahlt Flüchtlingskindern in der libanesischen Gebirgsregion Chouf das Schulgeld und kauft Schuluniformen. Etwa 800 Kinder haben so die Chance, zu einem einigermaßen geregelten Alltag zurückzufinden. Viele Schulen im Libanon sind nicht gut ausgestattet, auch in die Renovierung und den Ausbau der Klassenräume fließen Spenden. 

In Ost-Ghouta in der Nähe von Damaskus haben syrische Frauen ein Zentrum gegründet. Einen Ort, an dem sie sich treffen, austauschen, gegenseitig stützen können. Viele haben ihre Männer im Krieg verloren und müssen für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen. medico international unterstützt das Frauenzentrum. Auch Schulen in Erbin, einem Vorort von Damaskus. 

In den syrischen Städten Aleppo, Damaskus und Latakia gründeten Franziskaner und ehrenamtliche Mitarbeiter mit der finanziellen Unterstützung von Misereor mehrere Sozialzentren. Die Ordensmänner verteilen Essen, Decken, Heizmaterial und Medikamente an die Menschen. In Damaskus stellen sie Schlafplätze für 24 Männer und 35 Frauen zur Verfügung. Sie leiten einen Kindergarten und kaufen Bücher, Hefte und Stifte für Schülerinnen und Schüler. Im Orontes-Tal, im syrisch-türkischen Grenzgebiet, versorgen Helfer etwa 320 Menschen mit Essen und Wasser. Seit 2011 halfen Projektpartner von Misereor in Aleppo etwa 70.000 Menschen: Sie verteilten Lebensmittel, Wasser, boten medizinische Hilfe an und beteiligten sich an Reparaturen von Wohnraum. An anderen Orten konnten die lokalen Partner von Misereor etwa 600 Menschen helfen. Auch die maronitische Erzdiözese in Damaskus leistet Sozialarbeit und wird mit Ihren Spenden unterstützt.  

In Syrien, dem Libanon, der Autonomen Region Kurdistan und in Jordanien betreut terre des hommes Kinder, junge Erwachsene und Frauen. Die Kinder spielen, malen und basteln zusammen mit erfahrenen Pädagogen, Sozialarbeitern und Psychologen. Frauen sollen in speziellen Trainings lernen, sich besser vor psychischer und physischer Gewalt zu schützen. Partnerorganisationen von terre des hommes haben mitgeholfen, Menschen aus Aleppo in Sicherheit zu bringen. Familien, die in Flüchtlingslagern in der Umgebung von Aleppo in Notunterkünften und Zelten leben, werden mit Lebensmitteln versorgt. Bisher konnte terre des hommes schon 57.000 Lebensmittelpakete ausgeben, in den kommenden Wochen sollen weitere 16.000 Pakete verteilt werden. 

In einem Flüchtlingscamp bei Azaz in der Provinz Aleppo verteilt die Welthungerhilfe Heizmaterial für Öfen und warme Decken. In anderen Gebieten gibt sie Familien Gutscheine für Lebensmittel. Außerdem errichtete die Welthungerhilfe eine Zeltstadt für Flüchtlinge, verteilte Brot an mindestens 190.000 Menschen in Nordsyrien und an 19.000 Haushalte in Aleppo. Sie finanzierte 2.483 Kerosinöfen und 5.322 Plastikkanister für die Lagerung von Brennstoff. In der Provinz Idlib repariert die Welthungerhilfe unter anderem Wasserleitungen, damit die Menschen wieder Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

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news-763 Fri, 23 Dec 2016 16:53:37 +0100 UN wollen Kriegsverbrechen in Syrien dokumentieren presse/pressearchiv/archiv-detail-view/un-wollen-kriegsverbrechen-in-syrien-dokumentieren.html Die Vereinten Nationen verabschieden eine Resolution, die es ermöglicht, offiziell Informationen über Kriegsverbrechen in Syrien zu sammeln. Der Regierung von Baschar al-Assad sowie seinen Verbündeten Russland und Iran werden immer wieder Gräueltaten zur Last gelegt, zuletzt in Aleppo. Künftig sollen Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Fünf Fragen an Thomas Seibert, Menschenrechtsexperte von medico international.

Thomas Seibert / Foto: Katrin Schilling

Die UN verabschieden eine Resolution, die vorsieht, dass die UN Informationen über mögliche Kriegsverbrechen in Syrien sammeln dürfen, um sie an eine Recht sprechende Institution zu übergeben. Bisher hatte sich die internationale Staatengemeinschaft nicht darauf einigen können. Nun aber unterstützen 105 Staaten die Resolution, das ist die nötige einfache Mehrheit unter den 193 Mitgliedsstaaten. Deutschland stimmte zu. Sind Sie zufrieden?

Die Gräuel wurden ja schon rund um die Uhr dokumentiert. Und die Vermutung, dass das eine oder andere Video ein Fake war, ändert nichts daran, dass wir alle mehr als genug Live-Bilder gesehen haben. Keiner kann sagen: Wir waren nicht dabei. Oder: Davon haben wir nichts gewusst. 

Es hieß, die Resolution sei nötig, weil Syrien kein Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs sei. Das zumindest erklärte der UN-Botschafter Liechtensteins, Christian Wenaweser. Das Land ist einer der Initiatoren. Unter den 15 Nein-Stimmen waren die von Iran, Russland und China. In der Diskussion vor der Abstimmung hatte der syrische UN-Botschafter Baschar al-Dschafari noch versucht, das Votum zu verhindern. Er behauptete, das Gremium besitze nicht die nötige Kompetenz.

Von Russland, China und dem Iran habe ich nichts anderes erwartet. Auch nicht von Syrien. Das große Verbrechen wird nach Aleppo anderswo in Syrien weitergehen. 

Einige Bündnis-Organisationen sind vor Ort geblieben, unter anderem medico international. Warum? 

Wir halten es für wichtig, unsere Partner weiter zu unterstützen, und wir möchten unsere Bildungsprojekte für Kinder und Frauen nicht aufgeben. Wir wissen, dass das nicht genug ist, aber wir möchten in der Lage sein, zivilgesellschaftliche Strukturen auch und gerade dann zu unterstützen, wenn die Kämpfe irgendwann vorüber sein werden und sich andere Möglichkeiten bieten als die jetzt gegebenen. Dazu muss man aber jetzt schon vor Ort sein, muss selbst in Erfahrung bringen, was die Leute erleiden, muss wissen, wem man vertrauen kann und dabei selbst zu jemandem werden, dem Vertrauen geschenkt wird. Dies gilt umso mehr, als wir davon ausgehen müssen, dass es in der ganzen Region zu ähnlichen Entwicklungen kommen wird – das ist ja heute schon der Fall, im Irak, im Jemen und anderswo. Wir bei medico gehen davon aus, dass der Nahe Osten instabil bleiben wird und wir deshalb auch so etwas wie einen regionalen Ansatz ausbilden müssen. Den können wir aber nur mit Partnern in der Region entwickeln, und dazu werden diejenigen gehören, mit denen wir heute schon zusammen arbeiten.

Wie wird es weitergehen?

Niemand weiß im Moment, welche Bedingungen für den Abzug aus Aleppo ausgehandelt wurden. Und was in Idlib passieren wird, einer Region, in die viele Menschen jetzt gebracht werden und in der weiter gekämpft wird. Die Menschen dorthin umzusiedeln bedeutet, sie kontrolliert an einem Ort zu versammeln. Sie kommen vom Regen in die Traufe. 

medico unterstützt unter anderem eine Schule in Erbin. Warum sollten sich deutsche Hilfsorganisationen in Syrien einsetzen?

Weil es wichtig ist, die Selbsthilfekräfte zu aktivieren. Ich vermute, dass viele Kinder, die diesen Krieg erleben mussten, in den kommenden Jahren von islamistischen Gruppen angeworben werden können, weil sie erleben mussten, dass die Welt ihnen nicht beistehen wollte. Wenn wir jetzt nichts für sie tun, wird aus ihnen eine verlorene Generation. Sie würden dann zum zweiten Mal zu Opfern werden. 

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news-762 Sun, 18 Dec 2016 12:39:05 +0100 Das Bündnis Entwicklung Hilft ruft erneut zu Spenden für die Menschen in Syrien auf presse/pressearchiv/archiv-detail-view/das-buendnis-entwicklung-hilft-ruft-erneut-zu-spenden-fuer-die-menschen-in-syrien-auf.html Etwa 50.000 Menschen warten auf den Abzug, andere konnten Aleppo bereits verlassen. Angesichts der zugespitzten Lage und der hohen Zahl von notleidenden Menschen steigt der Hilfsbedarf in Syrien und den Nachbarländern.

Gemeinsam mit lokalen Partnern liefern unsere Bündnis-Mitglieder Nahrungsmittel sowie Decken, Kleidung und Heizmaterial für die kalten Wintermonate an die Menschen, die im Moment in Notunterkünften und Zelten leben. Sie sorgen dafür, dass Menschen, die monatelang weder ausreichend Essen noch frisches Trinkwasser hatten, endlich mit Lebensmitteln und Wasser versorgt werden können. Und sie finanzieren Krankenhäuser, betreuen verängstigte Kinder und versuchen, Menschen wieder Hoffnung zu geben. Aber nicht alle wollen gehen. Viele harren in zerbombten Häusern aus, ohne Essen und Trinken, teilweise schwer verletzt. Sie haben Angst vor dem, was kommt. Die Menschen sind am Ende ihrer Kräfte, sie benötigen umgehend unsere Hilfe.

In diesen dramatischen Tagen in Aleppo müssen wir unsere Hilfe in Syrien und für die Schutzsuchenden in den Nachbarländern ausweiten. Das Bündnis Entwicklung Hilft bittet daher dringend um Unterstützung: 

IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00, Stichwort: Syrien

oder

www.spenden.entwicklung-hilft.de

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah. 

Bündnis Entwicklung Hilft
Pressestelle
030 – 278 77  393
presse(at)entwicklung-hilft.de

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news-761 Fri, 16 Dec 2016 10:29:04 +0100 „Ich verurteile niemanden“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ich-verurteile-niemanden.html Apokalyptische Botschaften fluten die Twitternachrichten. Unter #Aleppo drücken Syrer ihre Wut und Verzweiflung aus. Kriegsberichterstatter schildern Gefühle der Resignation und Ohnmacht. Aufgeben? Für Pater Firas Lufti kam das nie in Frage. Seit fünf Jahren harrt der Franziskanermönch in einem Konvent in Aleppo aus. In einem Altbau mit Einschusslöchern, ohne Heizung. Während die Menschen gerade aus Ost-Aleppo evakuiert werden, wartet Pater Firas Lufti im Westteil der Stadt auf sie, um ihnen Essen, Wasser und Medikamente zu geben. Bei ihnen zu sein. Ihnen zu vermitteln, dass es sich lohnt, weiterleben zu wollen. Misereor unterstützt ihn.

Die Kälte? Ach, wissen Sie: Die macht mir nicht so viel aus. Heute scheint die Sonne. Der Himmel ist flirrend blau, fast türkisfarben – und wir haben acht Grad plus, nur nachts ist es jetzt immer frostig. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich habe etwas zum Anziehen, und wir können Lebensmittel wieder in Supermärkten kaufen, ein paar haben geöffnet. Ich lebe in West-Aleppo und bin verantwortlich für vier Sozialzentren der Franziskaner. Ich weiß, dass viele Menschen bei Ihnen in Deutschland das vermutlich für eine verrückte Idee halten, aber ich möchte nicht gehen. Ich will hier bei den Menschen bleiben, die mich brauchen. Das ist meine Aufgabe.  

Es gibt so viele Menschen, die noch eingeschlossen sind im Ostteil der Stadt. Die Feuerpause gestern, in der sich die Zivilisten aus der Stadt retten sollten, war viel zu kurz, erst seit heute können Krankenwagen in den Ostteil fahren und die Verwundeten versorgen. Hören Sie die Sirenen im Hintergrund? Aber so genau wissen wir nicht, wie das jetzt ablaufen soll. Viele Menschen haben Angst, dass sie festgenommen oder umgebracht werden, wenn die Soldaten in ihre Häuser kommen. Sie gelten ja als Terroristen. Auch die Kinder. 

Wie es mir geht, wenn ich an die vielen Opfer denke? Ganz einfach: Ich habe aufgehört, die Toten zu zählen. Jeder einzelne, der umgekommen ist, war einer zu viel. Und welchen Glauben er hatte, spielt keine Rolle. Wenn ich Menschen etwas zu essen gebe, unterscheide ich ja auch nicht: Ist dieser Mensch nun Sunnit? Schiit? Muslim? Christ? Ich bin in Syrien geboren, in Homs, als Christ. Christen und Muslime haben hier lange friedlich zusammengelebt. Es tut mir weh, daran zu denken, dass das nicht mehr möglich ist.

In Aleppo verteilen Projektpartner von Misereor Essen. Foto: Misereor

Jedes Mal, wenn ich jemanden beerdigen muss, wird mein Herz schwer wie ein Klumpen Blei. Sind Kinder dabei, versuche ich, sie zum Lachen zu bringen. Niemand kann einen Krieg ohne kleine Momente der Freude überleben, und dafür bin ich da. Ich bete mit Menschen zusammen. Ab und zu singen wir. Und ich möchte ein Zentrum für Kinder gründen, wenn dieser Krieg vorbei ist. Irgendjemand muss den Menschen doch helfen, diese Erlebnisse zu verarbeiten, diese Kinder sind wie abgeschnitten vom Leben. Gelähmt und voller Angst. Sie in Deutschland sehen im Fernsehen Menschen ohne Arme und Beine. Flüchtlinge, die frieren und die in langen Schlangen über die Straßen laufen. Die tiefsten Wunden, die Kriege hinterlassen, sind unsichtbar.  

Meine Eltern sind nach Deutschland geflohen, sie leben im Saarland. Es belastet mich, dass meine Mutter sich Sorgen um mich macht. Ich höre es an ihrer Stimme, wenn wir telefonieren, aber sie hat meine Entscheidung, in Aleppo zu bleiben, akzeptiert. Und sie fragt auch nie genauer nach, wie es mir geht, wir sprechen meistens über den Alltag. Über banale Dinge. Das Wetter zum Beispiel. Man darf dem Krieg nicht erlauben, jede Minute zu besetzen, sonst gewinnt er am Ende gegen das Leben. 

Wir leben hier von Minute zu Minute. Von Stunde zu Stunde. In so einer Situation ärgert man sich nicht. Man weint kaum. Das wäre zu anstrengend. Hass führt nirgendwo hin, er vergiftet die Seele. Zuerst gibt es Morde, dann Hass, dann Rache, dann Vergeltung und dann wieder neue Morde – Syrien braucht diese Eskalationsschleifen nicht. Ich wünsche mir und meinem Land endlich, endlich Frieden. 

Ich gebe niemanden die Schuld. Keinem Präsidenten. Keinem Soldaten. Keinem radikalen Islamisten. Und ich verurteile auch niemanden. Gerichtsprozesse machen nichts ungeschehen, Tote nicht wieder lebendig. Eine wichtige Lehre des Christentums ist, dem Feind verzeihen zu können. Zu vergeben. Weil man selbst damit besser leben kann. Wie sollen wir hier im Nahen Osten denn sonst jemals wieder zusammenleben? 

Jetzt ist es Zeit, Opfer zu bergen. Verwundete zu verarzten. Später, wenn alles vorbei ist, müssen die Verantwortlichen dann vor ein Tribunal. Aber jetzt? Da spielt das doch noch gar keine Rolle. 

Ob ich an Gott glaube? Natürlich, was für eine Frage. Mein Glaube hilft mir. Ich weiß nicht, ob ich morgen noch lebe. Oder übermorgen. Aber jetzt, heute, in dieser Stunde, in dieser Minute, in der ich mit Ihnen telefonieren darf, empfinde ich Dankbarkeit. Dafür, dass mich keine Bombe zerfetzt, keine Kugel getroffen hat. 

Pater Firas Lufti ist Syrer. Er ist 41 Jahre alt und wurde in Hama geboren. Von 2004 bis 2011 lebte er in Aleppo. 2014, nach einem Aufenthalt in Rom, kam er nach Syrien zurück. 

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news-760 Wed, 30 Nov 2016 21:03:22 +0100 „Ich möchte meine Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ich-moechte-meine-faehigkeiten-zum-wohl-aller-einsetzen.html Ein Gespräch mit Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und neues Vorstandsmitglied des Bündnisses, über seine Vorstellungen von erfolgreicher Arbeit in Netzwerken.

Herr Meyer-Porzky, die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist gerade, nach sieben Jahren als assoziierter Partner, Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft geworden. Wie fühlt sich das an? 

Ich freue mich sehr, auch darüber, dass es ein einstimmiges Wahlergebnis war. 

Wie kam das? 

Ich glaube, dass alle Mitglieder unserem Aufnahmeantrag zugestimmt haben, weil wir ein verlässlicher Ansprechpartner in Krisensituationen waren – und wohl auch, weil wir durch unser Engagement in verschiedenen Arbeitsgruppen gezeigt haben, dass wir vertrauenswürdig sind.

Warum haben Sie sich gerade das Bündnis Entwicklung Hilft ausgesucht?

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich ganz bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir die Grundsätze und die Ausrichtung sehr schätzen. Wir sind keine Organisation, die nur direkte humanitäre Hilfe leistet, sondern wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, die Neglected Tropical Diseases (NTDs), deren Ursachen wir bekämpfen und wo wir – das charakterisiert unsere Arbeitsweise – Strukturen aufbauen müssen, die auf lange Sicht zur Überwindung dieser Krankheiten führen. 

Was genau meinen Sie damit?

Wo NTDs auftreten, fehlt es den Menschen am Allernötigsten. Für sie sind Katastrophen am schnellsten lebensbedrohlich: Sie können nicht ausweichen, sie haben keine physischen Ressourcen. Darum treffen Wirbelstürme, Überflutungen oder Erdbeben diese Menschen am härtesten. Und da passte das Bündnis mit seinem Nachhaltigkeitsansatz hundertprozentig. Außerdem kann Vorsorge im medizinischen Bereich gar nicht ernst genug genommen werden. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung hat zum Beispiel den Tuberkulose-Erreger in sich, ohne krank zu werden. Wenn Menschen aber körperlich und mental geschwächt sind, funktioniert ihr Immunsystem nicht gut genug. Tuberkulose ist darum in den Armenvierteln dieser Welt so weit verbreitet. Übrigens auch in New York, in der Obdachlosen-Szene, also unter Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir müssen – und auch das entspricht den Zielen des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention ansetzen. Darum investieren wir sehr viel Geld in Bildungsmaßnahmen. Wir versuchen nicht nur, finanzielle Mittel für Behandlungen zur Verfügung zu stellen, sondern auch, Menschen zu befähigen, sich selbst gut zu ernähren und besser auf Hygiene zu achten, damit sie gar nicht erst krank werden. 

Wie lange gibt es Ihre Organisation und warum wurde sie gegründet? 

Uns gibt es seit dem Jahr 1957. Der Impuls zur Gründung kam von dem Journalisten Franz Graf Magnis, der aus Äthiopien berichten wollte. Dort hatte er Menschen mit aufgeschwollenen „Löwengesichtern“ gesehen und Äthiopier, die ohne Hände und Füße über staubige Straßen rutschten. „So etwas können wir unseren Lesern nicht zumuten“, sagten einige Chefredakteure empört, aber er hat nicht aufgegeben, und einige deutsche Zeitungen druckten eine Reportage von ihm. Sie löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Deutsche Bauhandwerker errichteten dann im äthiopischen Bisidimo zusammen mit einheimischen Helfern ein Zentrum, in dem Leprakranke behandelt wurden. 

Wenn die Bezeichnung Lepra im Namen einer Organisation vorkommt, fragen doch sicher viele Menschen: „Lepra? Gibts die überhaupt noch?“ Was sagen Sie dazu?

Ja, es gibt immer noch zu viele Fälle, leider. Wir haben fast 250.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Und es gibt Millionen Menschen, die unter den Folgen der Lepra leiden und unsere Hilfe brauchen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Wir haben viele Spender und langjährige Unterstützer, und sie trauen uns eine Menge zu, denn als die DAHW mit ihrer Arbeit begann, galt Lepra als unlösbares Problem. Die DAHW entwickelte sich dann zu einem „Game Changer“: Wir hatten damals geschätzte zehn bis fünfzehn Millionen Leprakranke weltweit. Mittlerweile haben wir es geschafft, Lepra zu einer behandelbaren Krankheit zu machen. Wir haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es heute eine wirksame Medikamentenkombination gibt, die Lepra wirklich heilen kann, und wir setzen uns dafür ein, Betroffene zu entstigmatisieren. Dafür werden wir sehr geschätzt. Uns eilt außerdem der Ruf voraus, dass wir großen Wert auf langfristige Hilfen legen und sie durchaus beharrlich umsetzen. Unsere Erfahrung betrachten wir als Pfund, das wir in das Bündnis einbringen können.

Was erhoffen Sie sich vom Bündnis Entwicklung Hilft? 

Austausch. Solidarität. Dass wir eine noch breitere Öffentlichkeit mit unseren Anliegen erreichen. Wir arbeiten – ganz unabhängig von Katastrophen – seit vielen Jahren mit dem assoziierten Mitglied German Doctors zusammen, und zwar in Indien, bei einem Hilfsprojekt zur Bekämpfung von Tuberkulose. In Howrah, einem Stadtteil von Kolkata, unterstützen wir unter anderem einen deutschen Arzt, der eine Klinik leitet – und der sogar Menschen versorgen kann, die nicht nur eine Lungentuberkulose haben, sondern beispielsweise auch eine Knochenmarkstuberkulose. Mit Misereor kooperieren wir in Afghanistan, mit anderen Bündnismitgliedern in Pakistan und in Äthiopien. 

Glauben Sie, auch bei Projekten gemeinsam mehr erreichen zu können?

Das hoffen wir, allein der Erfahrungsaustausch ist wertvoll. Die DAHW war immer schon ein guter Netzwerker. Wir wissen natürlich auch, dass die Ursachen von Krisen und Katastrophen heutzutage so komplex sind, dass man sie allein, als einzelne Organisation, gar nicht bekämpfen kann. Und dass es darauf aber mindestens genauso ankommt wie auf die schnelle Hilfe von der ersten Sekunde an. Die wir und unsere Partner leisten können, weil wir schon vor Ort sind. Wichtig ist uns auch, dass wir mit unseren Partnern und den Menschen aus den Ländern auf Augenhöhe zusammenarbeiten und die Hilfe aus dem Land selbst heraus entwickeln. Auch das ist ein Grundsatz des Bündnis Entwicklung Hilft.

Wie sieht eine gelungene Bündnis-Arbeit für Sie aus?

Als guter Netzwerker darf ich nicht nur meine eigene Organisation im Blick haben. Da muss ich auch mal sagen: Wir sind hier in einem Bündnis, weil wir gemeinsame Werte, Vorstellungen, Ziele und Aufgaben haben – und die gehen wir jetzt alle miteinander an, damit wir uns später auch zusammen über die guten Ergebnisse und gemeinsamen Erfolge miteinander freuen können. Ich muss mir bewusst machen, welche Ressourcen ich als Organisation habe und wie sie dem großen Ganzen nützen. Ich möchte meine persönlichen Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses. 

Gründungsgeschichte und Weiterentwicklung

1955 

Der Journalist Franz Graf Magnis und der Theologiestudent Richard Recke aus Würzburg begegnen in Äthiopien dem französischen Arzt Dr. Féron. Sein Einsatz für Leprakranke beeindruckt die jungen Männer. Sie rufen in Deutschland zur Hilfe auf. 

1957 

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wird in Würzburg gegründet, zunächst als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW). Die beiden verheirateten Würzburger Irene und Hermann Kober sind Mitgründer der Organisation. 

1958

Die ersten Helfer gehen zum Aufbau einer Station in Bisidimo nach Äthiopien. Schon bald bekommt die DAHW Projektanträge aus Afrika, Asien und Lateinamerika. 

1961 

Beginn der Zusammenarbeit mit der Ärztin Ruth Pfau, die zum Orden „Töchter vom Herzen Mariä“ gehört, in Pakistan: Nach und nach gelingt es, die Zahl der Neuerkrankungen zu reduzieren. 

1963 

Fünf Jahre nach der Gründung unterstützt die DAHW 83 Hilfsstationen weltweit. Rund 75.000 Leprakranke werden behandelt. 

1981 

Lepra wird heilbar. Die Behandlung baut auf einer Therapie auf, die das Hilfswerk mitentwickelt und seit den 1970er Jahren erfolgreich auf Malta angewendet hat. 

1990 

Der Verein stellt sich einer zweiten Herausforderung: der Bekämpfung der Tuberkulose. 

2003 

Das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk benennt sich in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe um. 

2006 

Die Hilfe wird auf mehrere armutsbedingte Krankheiten ausgeweitet.

2009 

Die DAHW wird assoziierter Partner des Bündnis Entwicklung Hilft.

2010

Bei der Flut-Katastrophe in Pakistan leistet die Organisation Nothilfe.

2012

In Liberia beginnt die DAHW mit dem Aufbau eines Lepra-Kontrollprogramms.

2016

Der Verein wird Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft.

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news-759 Wed, 30 Nov 2016 20:06:12 +0100 „Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/wir-glauben-an-die-staerke-dieses-buendnisses.html Das Bündnis Entwicklung Hilft hat ein neues Mitglied aufgenommen Berlin, 30.11.2016 – Das Bündnis Entwicklung Hilft hat Verstärkung bekommen: Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist neues Mitglied. Die bisherigen Mitglieder Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe haben dies einstimmig beschlossen.

„Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir den Nachhaltigkeitsansatz sehr schätzen“, sagt Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW und neues Vorstandsmitglied des Bündnis Entwicklung Hilft. „Wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, deren Ursachen wir bekämpfen müssen. Außerdem müssen wir – und auch das entspricht der Ausrichtung des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention beginnen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses und freuen uns auf eine noch engere Zusammenarbeit.“

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wurde 1957 als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk gegründet. Anfang 2003 hat sich der Verein umbenannt, um die beiden Schwerpunkte Lepra- und Tuberkulosebekämpfung im Namen zu nennen. Das Kürzel DAHW wird zur Wiedererkennung bei Spendern und Förderern weiter verwendet. Die Organisation unterstützt Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die an Neglected Tropical Diseases (NTDs) leiden. Dazu gehören unter anderem die Elefantiasis, die Leishmaniose oder die Chagas-Krankheit.

Rund 70.000 Menschen jährlich vertrauen der DAHW ihre Spenden an, viele davon bereits seit Jahrzehnten. 163 Programme und Projekte in 21 Ländern konnte die DAHW im vergangenen Jahr unterstützen. Die Aufwendungen für satzungsmäßige Projekte betrugen über 13 Millionen Euro. Wie alle Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft arbeitet auch die DAHW eng mit lokalen Partnern zusammen.

Rund 734.000 Euro wurden in Forschungsprojekte sowie in Aus- und Weiterbildung investiert. Die DAHW setzt sich zudem besonders dafür ein, dass Betroffene nicht stigmatisiert werden.

Die acht Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. leisten bei Katastrophen und in Krisengebieten direkte humanitäre Hilfe. Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit des gemeinnützigen Vereins werden durch Beiträge der Mitglieder finanziert. Die durch Spendenaufrufe eingeworbenen finanziellen Mittel werden zu 100 Prozent an die Mitglieder weitergeleitet. Allen Mitgliedern und auch dem Bündnis Entwicklung Hilft wurde das DZI Spenden-Siegel zuerkannt.

Darüber hinaus engagieren sich alle Mitglieder – dem Grundsatz Entwicklung hilft und ist die beste Prävention folgend – als Bündnis für die Katastrophenvorsorge und für langfristige Maßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit. 


 

Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V.
Pressestelle
Chausseestraße 128/129
10115 Berlin
Tel.: 030  278 77 393
Fax: 030  278 77 399
www.entwicklung-hilft.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-758 Fri, 25 Nov 2016 13:45:00 +0100 Transparent. Wirksam. Ausgezeichnet. presse/pressearchiv/archiv-detail-view/transparent-wirksam-ausgezeichnet.html Berlin, 25. November 2016 – Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat dem Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. sein Spendensiegel zuerkannt: Wir arbeiten transparent, wirtschaften sparsam, informieren sachlich und wahrhaftig und haben wirksame Kontroll- sowie Aufsichtsstrukturen. Auf diese Weise gewährleisten wir, dass die uns zufließenden Spenden den gemeinnützigen Zweck erfüllen.

Zum Bündnis gehören die acht Hilfswerke Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe sowie die beiden assoziierten Mitglieder German Doctors und Plan International. Unsere Mitgliedsorganisationen leisten direkte humanitäre Hilfe bei Katastrophen, wie zuletzt nach dem Hurrikan „Matthew“, der am 4. Oktober 2016 Teile Haitis verwüstete. Zudem setzen sie sich für die langfristige Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in Ländern des Globalen Südens ein. Alle Mitgliedsorganisationen eint die Überzeugung, dass humanitäre Hilfe am besten durch die Kooperation mit lokalen Partnern gelingt ­–­ und dass auch politische Entscheidungen und ausreichende finanzielle Mittel erforderlich sind, um durch Prävention das Risiko für Krisen und Katastrophen minimieren zu können.

Um bei Katastrophen schnell helfen zu können, sammelt das Bündnis Spenden und leitet sie an die Mitgliedsorganisationen weiter. Assoziierte Mitglieder können beim Bündnis Anträge auf Projektförderungen stellen. Daneben möchte das Bündnis mit einer Bildungs- und Aufklärungsarbeit dazu beitragen, die vielschichtigen Ursachen von Katastrophen sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit für die Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit zu sensibilisieren.

Die sieben Spenden-Siegel-Standards erfüllt der Verein wie folgt:

1. Die Organisation leistet satzungsgemäße Arbeit.
2. Leitung und Aufsicht sind angemessen strukturiert, klar voneinander getrennt und werden wirksam wahrgenommen.
3. Werbung und Öffentlichkeitsarbeit informieren klar, wahr, sachlich und offen.
4. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab niedrig (unter 10%). Spenden fließen ungeschmälert den Projekten zu. Die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes wird überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert und veröffentlicht.
5. Die gezahlten Vergütungen berücksichtigen den Status der Gemeinnützigkeit, die Qualifikationen, das jeweilige Maß an Verantwortung und den branchenüblichen Rahmen.
6. Die Mittelbeschaffung, die Verwendung der Gelder sowie die Vermögenslage werden nachvollziehbar dokumentiert und angemessen geprüft.
7. Die Organisation berichtet offen und umfassend über ihre Arbeit, Strukturen und Finanzen.

Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. verfügt nach Maßgabe der Spenden-Siegel-Leitlinien über eine Richtlinie für die Zeichnungsberechtigung unter Berücksichtigung des Vier-Augen-Prinzips. Die Beobachtung der Wirkung der Projektarbeit erfolgt durch die Mitgliedsorganisationen. Sie alle sind mit dem DZI-Spenden-Siegel ausgezeichnet.

 

Für Rückfragen:
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news-757 Fri, 04 Nov 2016 23:27:08 +0100 „Haiti hat eine Zukunft!“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/haiti-hat-eine-zukunft.html Der Hurrikan „Matthew“ hat schlimmere Schäden verursacht als erwartet. In Untersuchungen der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank ist von fast zwei Milliarden US-Dollar die Rede. Doch scheinbar zeigt die Internationale Gemeinschaft wenig Bereitschaft, Haiti zu unterstützen: Nur knapp über 30 Prozent der erforderlichen 120 Millionen US-Dollar für die direkte humanitäre Hilfe sind nach Angaben des aktuellen „Situation Report“ der Vereinten Nationen bisher zusammengekommen. Ist der Inselstaat ein hoffnungsloser Fall? Was müsste sich ändern, damit sich das Leben der Haitianer dauerhaft verbessert? Bündnis Entwicklung Hilft sprach mit Michael Kühn, dem Referenten der Politikabteilung und langjährigen Landesdirektor der Welthungerhilfe, über die Ursachen der Sturmkatastrophe und die Perspektiven für Haiti.

Michael Kühn | Foto: Welthungerhilfe

Aus der ehemals reichsten französischen Kolonie ist schon vor langer Zeit das Armenhaus Mittelamerikas geworden. Ist Haiti überhaupt noch zu retten?

Auf jeden Fall. Mit dem erforderlichen politischen Willen könnte man langfristig viel verbessern. Das Interessante an Haiti ist, dass die Entwicklungsvoraussetzungen ja durchaus vorhanden sind. Haiti ist religiös nicht so zersplittert wie manche afrikanische Länder, es gibt hier kaum ethnische Spannungen, auch die Haitianer selbst sind sehr motiviert und möchten vorankommen, aber es fehlen ihnen derzeit einfach die Möglichkeiten dazu, und das hängt mit politischen Fehlentscheidungen zusammen. 

Nach UN-Angaben sind 1,4 Millionen Menschen auf Soforthilfe angewiesen. Die Hälfte der Bevölkerung hat derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mindestens 175 000 Menschen sind obdachlos. Die haitianische Regierung spielt die Probleme jedoch herunter und verschärft dadurch die Lage. Trauen Sie einem neuen Präsidenten zu, dieses Desaster in den Griff zu bekommen?

Eine gute Regierung, die das Gemeinwohl im Blick hat, wäre Haiti jetzt sehr zu wünschen. Das ist am allerwichtigsten für dieses Land. Eine Voraussetzung dafür wäre aber auch, dass dem neuen Präsidenten nicht wieder tausend andere Akteure hineinregieren. Haiti hat eine Zukunft! Das Land darf sich aber nicht weiter zum Spielball ausländischer Interessen machen lassen. Bis heute ist der Inselstaat immer unter dem Einfluss von irgendjemandem, ob das die Vereinten Nationen sind, ob das die Amerikaner waren, die das Land 19 Jahre besetzt hielten. Haiti war eigentlich nie in der Lage, eigene Interessen zu formulieren und sie durch politische Entscheidungen umzusetzen. In der Zeit der Diktatur haben sich nationale Eliten gnadenlos bereichert. In den 1980er Jahren taten die Forderungen des Nationalen Währungsfonds und der Weltbank ihr Übriges: Man hat Haiti gezwungen, die Importzölle zu senken und dadurch die Produktion nationaler Güter vor allem in der Landwirtschaft zerstört. Wenn man das alles im Zusammenhang sieht, stellt man fest, dass das Land nie wirklich eine Chance hatte. 

Entwicklungshilfe-Kritiker bezeichnen Haiti als NGO-Republik, mit Tausenden von registrierten Hilfsprojekten und mehr als sieben Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe. Das Nebeneinander sorgt für Sprengstoff: Im Moment gibt es Proteste einiger lokaler Organisationen gegen die Blauhelme der Vereinten Nationen. Wo kann eine sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit ansetzen?

Eine Entwicklungszusammenarbeit, die langfristig wirken soll, kann nur mit der Regierung funktionieren, nicht gegen sie. Es ist aber auch unglaublich wichtig, dass sich in Haiti eine eigenständige Zivilgesellschaft entwickelt, die sich politisch einmischt. Die Regierung muss auch wieder auf eine eigene Produktion setzen. Nehmen wir als Beispiel die Landwirtschaft: In Haiti können 30 Prozent der gesamten Fläche zur Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse benutzt werden. Aber die überwiegend von Kleinbauern erzeugten Produkte dienen lediglich der Subsistenz. Reis hingegen wird heute nicht mehr großflächiger produziert, weil subventionierter Reis aus den Vereinigten Staaten billig angeboten werden kann. Und jetzt kommen auch noch überwiegend Billigwaren aus China, die wiederum lokale Haushaltsgüter ersetzen, die ursprünglich aus Holz oder Aluminium hergestellt wurden. Jetzt ist alles aus Plastik. Solange Haiti nur importiert, gibt es keine Wertschöpfungsketten und damit auch keine Jobs, und ohne Jobs gibt es keine Kaufkraft beziehungsweise kein Geld, das wieder in das System zurückfließen würde. Ein Teufelskreis. 

Wer hat ein Interesse daran, dass das so bleibt?

Alle, die im Import und Export ihr Geld verdienen, leben ganz gut von dieser Situation der Unübersichtlichkeit. Und sie schlagen aus dieser Situation Kapital. Eingekauft wird fast alles im Ausland – ob das jetzt Benzin ist, ob das Lebensmittel für die Supermärkte oder Materialien für Baumärkte sind – das alles wird ins Land hinein geholt, und je schwächer der Staat ist, desto schwächer ist auch die erbrachte Steuerleistung. Es gibt hier einfach keinen Konsens zwischen den politischen Eliten und den Wirtschaftseliten, der darauf hinauslaufen würde: „Hey, wir haben jetzt gelernt innerhalb der letzten 60 Jahre, was alles schief gelaufen ist – und das wollen wir ändern und dafür brauchen wir jetzt eine gemeinsame Strategie.“  

Noch im April dieses Jahres hatte das Tourismusministerium in Haiti eine Initiative gestartet, mit deren Hilfe die Regierung mehr Besucher ansprechen wollte, in der Hoffnung, das Land durch die Einnahmen wieder auf eigene Beine zu bringen. Wie schätzen Sie diese Bemühungen ein?

Ich glaube, man schielte da rüber zum Nachbarn, der Dominikanischen Republik. Dort ist der Tourismus stark entwickelt. Aber ein Großteil des Kapitals, das die meist ausländischen Investoren ins Land gebracht haben, fließt auch wieder aus dem Land heraus. Die Voraussetzungen für die Tourismuswirtschaft sind eindeutig vorhanden. Es gibt schöne historische Bauten, tolle Strände, freundliche Menschen, aber es gibt keinerlei Verkehrs-Logistik. Ein Mietauto kostet 150 Dollar am Tag, das können sich nicht viele Urlauber leisten. Und jedes Mal, wenn so ein Katastrophen-Ereignis stattfindet, ist man natürlich wieder um fünf oder sogar um zehn Jahre zurückgeworfen. Ich schätze, die Idee, einen florierenden Tourismus hinzubekommen, kann man innerhalb der nächsten zehn Jahre nur schwer umsetzen. 

Nach dem letzten großen Erdbeben im Januar 2010 unterstützte die Welthungerhilfe 271.000 Menschen im Süden Haitis und schulte sie im Katastrophenschutz. Inwiefern wirkt diese Arbeit nach?

Solche präventiven Programme können gar nicht als wichtig genug eingestuft werden. Investieren oder Programme auflegen bedeutet ja nicht nur Kapital einzusetzen, sondern auch Wissen zu vermitteln. Viele Menschen in Haiti haben durch Katastrophenschutzpläne und durch Schulungen nicht nur verstanden, wie man Häuser sicherer baut. Sie haben auch gelernt, sich auf Katastrophen vorzubereiten, die Risiken besser zu erkennen und sich  – so gut sie eben können – zu schützen. 

Warum gab es jetzt trotzdem wieder so viele Opfer?

Es gibt wenige Anstrengungen, die darauf abzielen, konsequent in die Vorsorge zu investieren und sie auch flächendeckend zu betreiben. Dadurch wird die Gesellschaft immer wieder von der Heftigkeit der Stürme und des Starkregens überrascht. Die Menschen sind einfach nicht vorbereitet. Die Kubaner bekommen das besser hin. Dort sind die Katastrophenschutz-Komitees funktionstüchtiger. Die Opferzahlen auf Kuba nach dem Hurrikan jetzt sind viel niedriger gewesen, weil die Menschen evakuiert wurden. In Haiti ist jeder sich selbst überlassen. Neben der Katastrophenvorsorge, die vor allem auf Prävention setzt, brauchen wir aber auch andere Finanzierungssysteme für die Zeit danach. Eine Idee können Versicherungssysteme sein, bei denen von Staaten oder anderen Akteuren Geld zur Verfügung gestellt wird, ohne dass man in Katastrophenfällen die nötige Hilfe erst schriftlich beantragen muss, weil man schon vorher in eine Art Versicherungsfond eingezahlt hat. Solche enormen Katastrophenschäden wie diese jetzt können unmöglich allein durch Spendengelder abgedeckt werden.  

Widerspricht diese Finanzierung von außen nicht Ihrer Forderung nach mehr Souveränität?

Nein. Bei Schäden von derartigen Ausmaßen ist das Land auf ausländische Hilfe angewiesen. Aber die Haitianer sind im Lauf vieler Jahre in einen Paternalismus hineingetrieben worden. Das war ja auch die Kritik nach dem Erdbeben 2010, als die Vereinten Nationen so massiv kritisiert wurden. Auch einige NGOs verhalten sich ja nicht immer korrekt, sondern nutzen solche Krisen, um sich zu finanzieren oder in Szene zu setzen, das muss man auch kritisch sehen. Genau deswegen ist es auch so wichtig, dass man mit der Regierung und der Bevölkerung kooperiert, jedenfalls machen wir das als Welthungerhilfe. Und die neue Regierung muss natürlich jetzt auch zeigen, dass sie in der Lage ist, die Gelder vernünftig einzusetzen.

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news-754 Fri, 21 Oct 2016 18:00:00 +0200 Mossul: Zwischen Hoffnung und Angst presse/pressearchiv/archiv-detail-view/mossul-zwischen-hoffnung-und-angst.html Vor drei Tagen feierten Flüchtlinge in Erbil euphorisch die Befreiung ihrer Heimatstadt Karakosch. Inzwischen scheint der Vormarsch auf Mossul ins Stocken zu geraten – der Islamische Staat setzt Heckenschützen und Sprengfallen ein. Wie viele Opfer es geben wird, ist derzeit völlig unklar. Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft bereiten weitere zivile Hilfen vor und fordern die beteiligten Regierungen zu umsichtigem Handeln auf.

Irakische Zivilisten fliehen vor Gefechten zwischen dem Islamischen Staat und der irakischen Armee. Die Terrormiliz zündete mehrere Ölfelder an, wie hier in Qayara, etwa 50 Kilometer südlich von Mossul (Foto: Murat Bay)

Berlin, 21.10.2016 – Auch am fünften Tag der militärischen Offensive bleibt die Lage unübersichtlich. Zwar sprach der irakische Ministerpräsident Haider-al-Abadi bei der internationalen Irak-Konferenz in Paris am 20. Oktober von Erfolgen. So sollen Eliteeinheiten der irakischen Armee und kurdische Kämpfer weitere Angriffe gestartet haben, um Dörfer nördlich und östlich von Mossul einzunehmen. Nach offiziellen Angaben komme man wesentlich schneller voran als geplant. Kritiker bezweifeln jedoch, dass der Islamische Staat (IS) sich in wenigen Wochen geschlagen geben wird – und ob er sich militärisch überhaupt besiegen lässt.

 

Erdogan will die Kurden schwächen

Problematisch ist, dass innerhalb der internationalen Allianz die einzelnen Gruppen eigene Interessen verfolgen, die sich teilweise widersprechen. Beteiligt sind neben der irakischen Armee die kurdischen Peschmerga und internationales Militär. Zudem hat die Türkei gegen den Willen der irakischen Zentralregierung 2.000 Soldaten im nordirakischen Kurdengebiet stationiert. Der türkische Staatspräsident Erdogan hat mit einer Rede in Istanbul nun auch noch für zusätzliche Spannungen gesorgt: Er erhob Anspruch auf Mossul und verwies auf den „Misak-i Milli“, das politische Manifest der türkischen Unabhängigkeitsbewegung. Auch schiitische Milizen wollen in die Kämpfe eingreifen, die irakische Regierung lehnte das aber bisher ab.

Die Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft bereiten sich intensiv auf weitere zivile Einsätze im Irak vor und kritisieren gleichzeitig die einseitige politische Fokussierung auf den militärischen Kampf gegen den Terror:

„Wir wissen, dass in den kommenden Tagen und Wochen Hunderttausende aus Mossul fliehen werden und wohl nur ihre Kleidung und wenige Habseligkeiten mitnehmen können. Daher haben wir zunächst für etwa 1.800 Familien Pakete für die erste Notversorgung zusammengestellt. Sie enthalten Planen und Werkzeuge, mit denen sich die Familien eine provisorische Notunterkunft bauen können. Danach brauchen die Menschen Decken und warme Kleidung, denn in wenigen Wochen wird es sehr kalt im Nordirak“, sagt Mike Bonke, Landesdirektor der Welthungerhilfe, der sich derzeit in Dohuk befindet. Die Welthungerhilfe ist bereits seit zwei Jahren im Irak tätig und unterstützt unter anderem Flüchtlinge rund um Erbil und Dohuk. Lokale Partner rechnen mit einem drastischen Anstieg der Zahl der Binnenflüchtlinge. Spenden werden auch für den Wiederaufbau von Schulen und Bewässerungssystemen eingesetzt und dringend benötigt.

 

Der Weg zum inneren Frieden ist noch weit

Auch die Nahost-Expertin Astrid Meyer von Misereor ist im Nordirak unterwegs, um mit Vertretern der Partnerorganisation „Jiyan Foundation“ die Hilfsmaßnahmen abzustimmen. Ärzte arbeiten in neun Regionalzentren, darüber hinaus können mobile Teams in Gebiete rund um Mossul gehen. „Wir können nur hoffen, dass die Zivilisten nicht daran gehindert werden, Mossul zu verlassen. Andernfalls könnte es eine erneute humanitäre Katastrophe geben“, sagt Astrid Meyer.

Katja Maurer, Pressesprecherin von medico international, sieht angesichts der Opfer in der Zivilbevölkerung keinen Grund, die bisherigen militärischen Erfolge zu feiern. Sie bemängelt die Fokussierung auf den Krieg gegen den Terror: „Diese Politik hat die größte humanitäre Krise nach dem Zweiten Weltkrieg mit geschaffen anstatt sie zu lösen.“ Partner von medico international gehen davon aus, dass der IS seine Taktik verändern könne und in den kommenden Wochen verstärkt dezentrale Anschläge verüben werde. Durch eine Vertreibung der IS-Truppen aus Mossul und deren mögliche Abwanderung nach Syrien könne sich außerdem die Lage in Syrien verschärfen, befürchtet Katja Maurer. Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen seien entscheidend, auch langfristige Strategien zu einer Stabilisierung, etwa die Integration der Christen und Sunniten sowie die Armutsbekämpfung. 

 

Für Rückfragen:
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news-756 Tue, 18 Oct 2016 15:19:00 +0200 Haiti: Rasche Hilfe für die Betroffenen - Update presse/pressearchiv/archiv-detail-view/haiti-rasche-hilfe-fuer-die-betroffenen-update.html Nach dem verheerenden Hurrikan „Matthew“ in Haiti haben die Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft zusammen mit ihren lokalen Partnern mit der Soforthilfe begonnen und planen bereits längerfristige Maßnahmen.

Berlin, 18. Oktober 2016 – Die Soforthilfe für die Betroffenen steht weiter im Mittelpunkt. Zusammen mit ihren Partnerorganisationen vor Ort haben die Mitgliedsorganisationen Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und Hygieneartikel verteilt. In Notunterkünften werden die Menschen mit Nahrungsmitteln und warmen Mahlzeiten versorgt. In mehreren Städten im Süden und Nordwesten hat die Welthungerhilfe Decken, Moskito-Netze, Matratzen, Hygiene-Sets mit Tabletten zur Wasseraufbereitung, Seife und Werkzeuge an die Betroffenen verteilt. 

Um Kinder auch vor den psychischen Folgen zu schützen, sind eine sichere Anlaufstelle und eine gute Betreuung wichtig. Die Kindernothilfe hat die Katastrophenhilfe auf 150.000 Euro erhöht und plant die Eröffnung von vier Kinderschutzzentren in Port-á-Piment. Der Ort an der Südküste der Tiburon-Halbinsel ist - wie die etwas weiter nördlich gelegene Stadt Jérémie - ein Epizentrum der Katastrophe. In den Kinderschutzzentren kümmern sich Sozialarbeiter und Psychologen um die Kleinen, damit sie die traumatischen Erlebnisse verarbeiten können. Viele Kinder hatten Todesangst, als der Hurrikan am 4. Oktober 2016 ihre Heimat verwüstete. Sie mussten mitansehen, wie Menschen von Trümmern begraben wurden, wie Freunde oder Angehörige starben. 

Auch die Aufräumarbeiten laufen weiter. Überschwemmte Straßen und Brücken müssen wieder passierbar gemacht, Häuser aufgebaut werden. Die Christoffel-Blindenmission plant Maßnahmen, um die Menschen in Haiti beim Aufbau ihrer Häuser zu unterstützen. Familien sollen zum Beispiel neue Schaufeln, Hacken und Saatgut für die Bewirtschaftung ihrer Felder, sowie Kühe, Ziegen, Ferkel oder Hühner erhalten. 

Um die Bevölkerung gegen zukünftige Wirbelstürme besser zu schützen und die Schäden zu verringern, unterstützt Misereor seit langem Projekte für eine stabilere Bauweise von Häusern und ein professionelles Wassermanagement. Einen Hoffnungsschimmer gibt es trotz der nach wie vor erschütternden Zustände: Spezielle Wohnungsbaumodelle von Misereor hielten dem Sturm stand. Derzeit baut die Organisation Schulen wieder auf. In den Teilen des Landes, in denen der Hurrikan „Matthew“ Wälder und Felder zerstört hat, unterstützt Misereor mit einem Teil der eingegangenen Spenden die Beschaffung von Setzlingen und Saatgut. Spätestens Anfang des Jahres 2017 sollen die Menschen wieder selbst ernten können. Bewährt hat sich das von Misereor initiierte Konzept der Waldgärten: Bäume, Wild- und Kulturpflanzen sowie Wild- und Haustiere bilden hierbei ein großes Biotop. Bei der Katastrophe stellte sich nun heraus, dass die Pflanzen in solchen Waldgärten Stürmen besser trotzen können.

Nach Angaben von lokalen Behörden soll es über 1.000 Todesopfer gegeben haben. In den besonders betroffenen Gebieten, etwa rund um die Stadt Jérémie, sind 90 Prozent der Häuser zerstört oder stark beschädigt und 80 Prozent der Ernte ist vernichtet. Überschwemmungen und Hochwasser haben zu einer Trinkwasserverschmutzung geführt. Etliche Menschen sind an Cholera erkrankt: Rund 200 Verdachtsfälle wurden registriert. Aus dem Bezirk Anse-d´Hainault wurden bereits 50 Todesfälle durch Cholera-Erkrankungen gemeldet.

Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden für Haiti:

Spendenkonto:
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
Stichwort: Hurrikan Matthew

Online spenden: spenden.entwicklung-hilft.de

Für Rückfragen:
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news-755 Tue, 11 Oct 2016 15:19:33 +0200 Haiti: Rasche Hilfe für die Betroffenen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/haiti-rasche-hilfe-fuer-die-betroffenen.html Nach dem verheerenden Hurrikan „Matthew“ in Haiti haben die Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft zusammen mit ihren lokalen Partnern mit den Hilfsmaßnahmen begonnen.

Berlin, 11. Oktober 2016 – Zunächst steht weiterhin die Soforthilfe für die Betroffenen im Mittelpunkt. Zusammen mit ihren Partnerorganisationen vor Ort haben die Mitgliedsorganisationen die Verteilung von dringend benötigten Hilfsgütern wie Lebensmittel, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikel begonnen. In Notunterkünften werden die Menschen mit Nahrungsmitteln und warmen Mahlzeiten versorgt. In mehreren Städten im Süden und Nordwesten hat die Welthungerhilfe außerdem Decken, Moskito-Netze, Matratzen, Hygiene-Sets mit Tabletten zur Wasseraufbereitung, Seife und Werkzeuge an die Betroffenen verteilt. Um dem drohenden Cholera-Ausbruch entgegenzuwirken, bereiten Partner von terre des hommes Hygiene- und Sanitärmaßnahmen vor.

Für das Wohl der Kinder, die in Katastrophen besonders gefährdet sind, ist neben altersgerechter Nahrung nun eine sichere Anlaufstelle lebenswichtig. Die Kindernothilfe unterstützt daher die Kinderschutzzentren ihrer lokalen Partnerorganisationen. Hier bieten Sozialarbeiter und bei Bedarf Psychotherapeutinnen Jungen und Mädchen ihre Beratung. Darüber hinaus ist es zentral, dass der Unterricht bald wieder aufgenommen wird, um das Lernen fortzusetzen und den Kindern in ihrem Leben wieder eine Struktur zu geben. 

Parallel zu der Soforthilfe beginnen nun die Aufräumarbeiten. Überschwemmte Straßen und Brücken müssen wieder passierbar gemacht und zerstörte Häuser aufgebaut werden. Die Christoffel-Blindenmission plant Maßnahmen, um die Menschen in Haiti beim Aufbau ihrer Häuser und ihrer Existenz zu unterstützen. Familien sollen zum Beispiel neue Schaufeln, Hacken und Saatgut für die Bewirtschaftung ihrer Felder, sowie Kühe, Ziegen, Ferkel oder Hühner erhalten. Um die Bevölkerung gegen zukünftige Wirbelstürme besser zu schützen und die Schäden zu verringern, unterstützt Misereor Maßnahmen für eine stabilere Bauweise von Häusern und ein professionelles Wassermanagement.

Nach und nach zeichnen sich die Schäden durch Hurrikan „Matthew“ in Haiti ab. Aber viele betroffene Gebiete sind noch nicht vollständig zugänglich und die Kommunikation ist nicht in alle Landesteile hinein möglich. Bisher wurden 370 Tote offiziell bestätigt. In den besonders betroffenen Gebieten der Karibikinsel, etwa rund um die Stadt Jéremié, sind 90 Prozent der Häuser zerstört oder stark beschädigt und 80 Prozent der Ernte vernichtet. Überschwemmungen und Hochwasser der Flüsse führen zur Trinkwasserverschmutzung. Eine große Gefahr liegt daher nun sowohl in einer drohenden Ernährungskrise, als auch eines erneuten Cholera-Ausbruchs.

Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden für Haiti:

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Stichwort: Hurrikan Matthew

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news-752 Fri, 07 Oct 2016 14:34:01 +0200 Hurrikan Matthew: Hilfe in Haiti dringend erforderlich presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hurrikan-matthew-hilfe-in-haiti-dringend-erforderlich.html Bündnis Entwicklung Hilft ruft zu Spenden auf

Berlin, 7. Oktober 2016 – Der Hurrikan Matthew hat in Haiti weitaus schlimmere Schäden hervorgerufen als zunächst angenommen. Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft haben heute bereits 250.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt, doch weitere Hilfsgelder werden dringend benötigt. Der Hurrikan hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen in einer Region, die ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt. Über 300 Todesopfer wurden bereits gemeldet, in manchen Orten sind mehr als 90 Prozent der Häuser beschädigt. Die Region war bereits 2010 durch das schwere Erdbeben getroffen. Durch den engen Kontakt zu den Partnern vor Ort, der seit dem Erdbeben bestehen geblieben ist, können die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft nun sehr zügig mit der Hilfe beginnen.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in Folge des Hurrikans langfristige Schäden entstanden sind. In den betroffenen Teilen Haitis ist von einem Ernteverlust von bis zu 90 Prozent auszugehen. Hinzu kommen massive Trinkwasserverschmutzung durch Meerwasser und die Gefahr eines erneuten Ausbruchs von Cholera.

Unter dem Stichwort Hurrikan Matthew ruft das Bündnis Entwicklung Hilft zu Spenden für die betroffene Bevölkerung auf. Die Mitgliedsorganisationen des Bündnisses sind mit ihren Partnerorganisationen vor Ort und bitten dringend um Unterstützung.

Spendenkonto:
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
Stichwort: Hurrikan Matthew
Online spenden: https://spenden.entwicklung-hilft.de/

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Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-751 Wed, 05 Oct 2016 14:44:00 +0200 Hurrikan Matthew richtet schwere Schäden in Haiti an presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hurrikan-matthew-richtet-schwere-schaeden-in-haiti-an.html Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft stehen in ständigem Kontakt, um erste gemeinsame Hilfsmaßnahmen schnell und gezielt auf den Weg bringen zu können.

Am heutigen Mittwoch zog Hurrikan Matthew der Stärke 4 von 5 mit Windgeschwindigkeiten von über 220 km/h und starken Regenfällen von bis zu 600 Millimetern pro Quadratmeter über Haiti hinweg. Insbesondere im Süden des Landes richtete der Hurrikan schwere Schäden und Zerstörung an. Noch ist das genaue Ausmaß der Schäden aber nicht absehbar.

Bündnis Entwicklung Hilft beobachtet die Situation vor Ort derzeit intensiv. Die Mitgliedsorganisationen stehen mit ihren Partnern vor Ort in Kontakt. Erste gemeinsame Hilfsmaßnahmen werden bereits vorbereitet, um die Betroffenen adäquat unterstützen zu können. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen durch die Überschwemmungen, muss Krankheitsausbrüchen nun gezielt entgegen gewirkt werden. Auch im Bereich der Infrastruktur und der Landwirtschaft muss nun mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Weiterführende Informationen zu Hurrikan Matthew in Haiti gibt es auf folgenden Websites unserer vor Ort aktiven Mitgliedsorganisationen:

https://www.cbm.de/unsere-arbeit/nothilfe/Hurrikan-Matthew-bedroht-Karibik-517096.html

https://www.kindernothilfe.de/HurrikanHaiti.html

http://www.welthungerhilfe.de/hurrikan-matthew-pressemitteilung.html

 

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news-750 Thu, 15 Sep 2016 17:36:16 +0200 Gemeinsame Verantwortung, konkrete Verpflichtungen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/gemeinsame-verantwortung-konkrete-verpflichtungen.html Bündnis Entwicklung Hilft sieht United Nations Summit for Refugees and Migrants als große Chance

Berlin, 15. September 2016 – Um globale Maßnahmen zur Bewältigung der weltweit stark angestiegenen Flucht- und Migrationsbewegungen abzustimmen, findet am 19. September 2016 ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York statt. Damit aus diesem hochrangigen Treffen ein Erfolg wird, sind aus Sicht des Bündnis Entwicklung Hilft konkrete, verbindliche Beschlüsse erforderlich.

Begrüßenswert sei die Betonung des Schutzes der Menschenrechte von Geflüchteten und Migranten, der Rettung von Geflüchteten in Lebensgefahr, der Unterstützung von Aufnahmeländern und der Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitsmigranten, so Bündnis-Geschäftsführer Peter Mucke. „Der Gipfel bietet eine Chance, die internationale Verantwortung für Geflüchtete und Migranten gerechter zu verteilen und ihre Rechte sowie ihren Schutz wirkungsvoll zu stärken. Hierfür müssen im Rahmen des Abschlussdokuments Verpflichtungen konkret genannt werden und ein Rechenschaftssystem eingeführt werden.“

Dass zwar von Fluchtursachenbekämpfung die Rede ist, aber die Fluchtursachen ausschließlich in Herkunftsländern verortet würden, kritisiert Dr. Ramona Lenz, Referentin für Flucht und Migration beim Bündnis-Mitglied medico international: „Ohne die Verantwortung der Industrieländer bei Rohstoffausbeutung, Waffenhandel und Freihandelsabkommen zu benennen und diese als Fluchtursachen anzuerkennen, bleibt die Fluchtursachenbekämpfung unvollständiges Stückwerk.“ Sie fordert auch, Menschen, die aufgrund von Katastrophen und Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen, den Status von Flüchtlingen zuzugestehen. Bei den weiteren Beratungen der Vereinten Nationen müsse darüber hinaus die Situation von Binnenvertriebenen eine wichtige Rolle bekommen. 

Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft weisen insbesondere auf die Kinderrechte und den besseren, wirksameren Schutz von Kindern, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, hin. "Kinder auf der Flucht sind stets besonderen Gefahren ausgesetzt und immer eine extrem verletzliche Zielgruppe. Sie müssen daher intensiv in den Blick genommen und geschützt werden. Wir fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, bestmögliche Kindesschutz-Systeme auf Fluchtrouten zu installieren", sagt Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe. "Wenn beispielsweise ein Kind während der Flucht seiner Mutter geboren wird, braucht es einen legalen Status und entsprechende Ausweispapiere."

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news-749 Thu, 25 Aug 2016 11:00:00 +0200 Unzureichende Infrastruktur treibt das Katastrophenrisiko in die Höhe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/unzureichende-infrastruktur-treibt-das-katastrophenrisiko-in-die-hoehe.html WeltRisikoBericht 2016 über die Folgen möglicher extremer Naturereignisse in 171 Ländern Berlin, 25. August 2016 – Eine unzureichende Infrastruktur und nicht belastbare Logistikketten erhöhen substantiell das Risiko, dass aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird. Dies ist ein Kernergebnis des WeltRisikoBericht 2016, den das Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. und das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen in Kooperation mit der Universität Stuttgart heute in Berlin vorgestellt haben.

„Bei Hilfsmaßnahmen nach extremen Naturereignissen liegen die Herausforderungen meist auf der ‚letzten Meile‘ der Logistikkette: den Transport trotz zerstörter Straßen oder Brücken zu organisieren und bei Knappheit von zum Beispiel Wasser, Essen und Obdach eine gerechte Verteilung zu gewährleisten“, erklärt Peter Mucke, Projektleiter des WeltRisikoBerichts und Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Marode Verkehrswege, unsichere Stromnetze und baufällige Gebäude behindern nicht nur die humanitäre Hilfe aus dem Ausland, sondern verzögern zudem die im Katastrophenfall entscheidende Selbsthilfe der Betroffenen.“ 

„Die internationale Gemeinschaft muss bereits vor dem Eintritt von Katastrophen mehr in den Aufbau und Ausbau von kritischer Infrastruktur investieren“, sagt Dr. Matthias Garschagen, wissenschaftlicher Leiter des Berichts und Abteilungsleiter am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS). „Ausreichend Infrastruktur von hoher Qualität, die institutionell gut gemanagt wird, kann nicht nur die oft katastrophalen Folgen von Naturgefahren wie Überflutungen oder Stürmen verhindern, sondern sie kann auch eine entscheidende Rolle bei der Verteilung von humani-tären Hilfsgütern im Katastrophenfall spielen. Kritische Infrastruktur kann somit die Risiken von Naturgefahren für Bevölkerungen reduzieren und wirtschaftliche Verluste abfedern.“

Dr. Iris Menn, Programmdirektorin beim Bündnis-Mitglied Christoffel-Blindenmission (CBM), betont die wachsende Bedeutung der lokal organisierten humanitären Hilfe: „Akteure vor Ort, zum Beispiel zivilgesellschaftliche und kirchliche Organisationen, sind oft am besten mit den lokalen, kulturellen Gegebenheiten vertraut und kennen die Menschen, die am dringendsten Hilfe benötigen. Sie sind die Ersten, die im Katastrophenfall aktiv werden können und sind auch dann noch da, wenn die internationalen Hilfsorganisationen schon wieder weg sind.“

Wichtiger Bestandteil des Berichts ist der WeltRisikoIndex, der von der Universität Stuttgart, Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) berechnet wurde. Der Index bewertet das Katastrophenrisiko von 171 Ländern durch eine kombinierte Analyse von Natur-gefahren und Verwundbarkeit der Gesellschaft. Dabei weist auch 2016 der Inselstaat Vanuatu das größte Risiko auf. Deutschland liegt auf Rang 147. „Gesellschaftliche Faktoren wie die Ernährungssituation, die medizinische Versorgung und die Regierungsführung entscheiden zum großen Teil, ob aus einem Naturereignis eine Katastrophe wird“, sagt Dr. Torsten Welle vom IREUS. „Allerdings können durch gezielte Maßnahmen die Auswirkungen von Katastrophen reduziert und aus erkannten Schwachstellen wichtige Lehren gezogen werden.“

Das zugehörige Factsheet finden sie hier

Hinweise an Redaktionen:


Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Florian Brell / Lotte Kirch
Tel.: +49 (0) 30 / 27877 – 393
E-Mail: presse(at)entwicklung-hilft.de

Universität der Vereinten Nationen - Pressestelle
Janine Kandel
Tel: + 49 (0) 228 / 815 – 0219
E-Mail: kandel(at)vie.unu.edu

Universität Stuttgart, Hochschulkommunikation
Andrea Mayer-Grenu
Tel.: +49(0) 711 / 685-82176
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Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) befasst sich mit Risiko- und Verwundbarkeitsaspekten menschlicher Sicherheit und den Konsequenzen komplexer Naturgefahren und des globalen Wandels.

Das Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart vertritt in Forschung und Lehre die Anliegen einer auf Risikoreduzierung, Nachhaltigkeit und Resilienz zielenden Raum- und Infrastrukturplanung.

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news-748 Thu, 18 Aug 2016 17:16:09 +0200 Vorstellung des WeltRisikoBericht 2016 presse/pressearchiv/archiv-detail-view/vorstellung-des-weltrisikobericht-2016.html Am 25. August 2016 veröffentlichen Bündnis Entwicklung Hilft und das Institute for Environment and Human Security der United Nations University den WeltRisikoBericht 2016 ihm Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin. Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit laden wir Sie herzlich zur Vorstellung des WeltRisikoBericht 2016 ein.

Termin: Donnerstag, 25. August um 10.30 Uhr

Ort: VKU Forum, Invalidenstraße 91, 10115 Berlin

Als Gesprächspartner stehen Ihnen folgende Experten und Expertinnen zur Verfügung:

·         Peter Mucke, Geschäftsführer Bündnis Entwicklung Hilft und Projektleiter WeltRisikoBericht

·         Dr. Matthias Garschagen, Leiter der Forschungsabteilung für „Vulnerability Assessment, Risk Management & Adaptive Planning” am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) und wissenschaftlicher Leiter WeltRisikoBericht

·         Dr. Iris Menn, Programmdirektorin Christoffel-Blindenmission

·         Dr. Torsten Welle, akademischer Mitarbeiter am Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) der Universität Stuttgart

 

Mit dem Schwerpunktthema Logistik und Infrastruktur zeigt der diesjährige WeltRisikoBericht auf, inwiefern Logistik und Infrastruktur mitentscheiden, ob aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird. Wichtiger Bestandteil des Berichts ist wie jedes Jahr der aktuelle WeltRisikoIndex, der das Katastrophenrisiko von 171 Ländern durch eine kombinierte Analyse von Naturgefahren und Verwundbarkeit der Gesellschaft berechnet.

Bitte teilen Sie uns per E-Mail an presse(at)entwicklung-hilft.de mit, wenn Sie an der Pressekonferenz teilnehmen möchten und ob Sie im Anschluss Interesse an einem persönlichen Gespräch mit den Expertinnen und Experten haben. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Mucke
Geschäftsführer

Bündnis Entwicklung Hilft

Janine Kandel
Leitung der Kommunikationsabteilung
Universität der Vereinten Nationen

 

Hinweise an Redaktionen:                          

Sollten Sie nicht an unserer Pressekonferenz teilnehmen können, vermitteln wir Ihnen gern persönliche und telefonische Gesprächstermine unter Einhaltung der Sperrfrist mit unseren Experten und Expertinnen.

 

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Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-747 Thu, 14 Jul 2016 11:51:23 +0200 Die Lage im Südsudan eskaliert presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-lage-im-suedsudan-eskaliert.html Am Wochenende erschütterten schwere Gefechte die südsudanesische Hauptstadt Juba. Ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges ist nicht auszuschließen und erneut sind tausende Menschen auf der Flucht. Auch die Arbeit der Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft ist von der extremen Lage betroffen. Nachdem bereits Ende Mai Veronika Racková, die Leiterin des von DAHW unterstützten St. Bakhita-Krankenhauses von Soldaten angeschossen wurde und im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlag sieht sich das assoziierte Bündnismitglied nun gezwungen sein Büro in Juba aufgrund der verheerenden Sicherheitslage zu schließen. Fünf Mitarbeiter koordinieren im Hauptstadtbüro des Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfswerks die landesweite Arbeit mit Lepra-Erkrankten.

Seit 43 Jahren ist DAHW bereits im Südsudan tätig und musste die Arbeit trotz aller Bürgerkriege bisher erst das zweite Mal vollständig einstellen. „Es ist zu gefährlich für das Team, zum Büro oder gar über Land in die Projekte zu fahren“, sagt Barbara Batesaki. Als Büroleiterin der DAHW in Uganda ist sie auch für die Arbeit im Südsudan verantwortlich: „Noch geht es allen Mitarbeitern gut, das soll so bleiben. Daher haben wir ihnen empfohlen, Zuhause zu bleiben, das ist derzeit der wohl sicherste Ort.“

Welthungerhilfe setzt Arbeit in anderen Landesteilen fort

Auch Bündnismitglied Welthungerhilfe musste seine Arbeit in der Hauptstadt einstellen, wird die Projekte in anderen Landesteilen jedoch fortführen. „Im Norden und Westen des Landes ist die Lage derzeit ruhig und wir können die wichtigen Nahrungsmittelverteilungen fortführen. In Juba selbst haben wir alle unsere Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. Einige ausländische Kollegen verlassen heute oder morgen mit deutschen Militärmaschinen das Land und bleiben in Uganda bis sich die Sicherheitslage wieder beruhigt“, berichtet der Landesdirektor der Welthungerhilfe, Jonas Wiahl aus Juba. „Für das Land sind diese erneuten Kämpfe eine Katastrophe, denn die Menschen verlieren das Vertrauen in die Zukunft. Tausende flüchten wieder auf die ohnehin überfüllten UN-Stützpunkte, um dort Sicherheit und ein wenig Nahrung zu bekommen. Sie haben erneut das Wenige verloren, was sie besaßen.“ Die Organisation prüft nun, wie den betroffenen Menschen am besten geholfen werden kann.

Die Welthungerhilfe unterstützt fast 500.000 Menschen im Südsudan in vier Bundesstaaten des Landes. Dabei stehen sowohl Nahrungsmittelverteilungen für Flüchtlinge als auch landwirtschaftliche Unterstützung durch Saatgut und Beratung von Kleinbauern im Mittelpunkt der Arbeit. Um die Lebensbedingungen insgesamt zu verbessern, baut die Welthungerhilfe an Schulen und öffentlichen Plätzen Latrinen und bohrt Brunnen für sauberes Trinkwasser.

 

Misereor verspricht schnelle Hilfe

"Wir stehen in ständigem Austausch mit den beiden Ordensgemeinschaften Comboni-Missionare und Daughters of Mary Immaculate sowie verschiedenen Diözesen, deren Entwicklungs- und Hilfsprojekte wir seit vielen Jahren unterstützen", sagte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon am Mittwoch in Aachen. "Nun geht es zuallererst darum, Bürgerinnen und Bürger, die vor den Kriegshandlungen im Südsudan geflohen sind, mit dem zum Überleben Notwendigen zu versorgen." Für diesen Zweck stellt MISEREOR 100.000 Euro zur Verfügung.

Schon vor Ausbruch der neuen bewaffneten Auseinandersetzungen waren im Südsudan 4,6 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die lokalen Partnerorganisationen des Bündnismitglieds befürchten nun, dass sich die humanitäre Lage noch einmal drastisch verschärfen werde. Um den Menschen im Südsudan weiterhin effektiv helfen zu können fordert Bröckelmann-Simon ein Waffenembargo gegen den Südsudan und eine schnelle Ausweitung der UN-Blauhelmmission um die Sicherheit der Bevölkerung und der Mitarbeiter vor Ort wieder herzustellen. Es ist wichtig, dass die mit uns kooperierenden Hilfsorganisationen gefahrlos und schnell Nahrungsmittel an die notleidende Bevölkerung verteilen können."

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news-746 Fri, 01 Jul 2016 00:01:00 +0200 Bündnis Entwicklung Hilft wächst weiter presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-entwicklung-hilft-waechst-weiter.html Plan International stärkt das Bündnis als assoziiertes Mitglied Berlin, 01. Juli 2016 –Das Bündnis Entwicklung Hilft hat das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland zum 1. Juli 2016 als assoziiertes Mitglied aufgenommen. Damit umfasst das Bündnis zehn Mitglieder, die sieben Voll-Mitglieder Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, German Doctors sowie nun Plan International. Die Mitgliederversammlung des Bündnis Entwicklung Hilft hatte die Aufnahme von Plan International als assoziiertes Mitglied einstimmig beschlossen. „Ich freue mich sehr über die Stärkung unseres Bündnisses“, sagt Simone Pott, Vorstandsvorsitzende des Bündnis Entwicklung Hilft.

Plan International Deutschland wurde vor rund 27 Jahren in Hamburg gegründet. Heute arbeiten dort etwa 140 Mitarbeiter. Der internationale Verbund hat Einnahmen von knapp 820 Mio. Euro und ist mit etwa 9.000 lokalen Mitarbeitern in 51 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas tätig. Plan International Deutschland stellte im vergangenen Jahr 150 Mio. Euro für nachhaltige Selbsthilfeprojekte zur Verfügung, hauptsächlich aus Patenschaftseinnahmen sowie Stiftungen und Einzelspenden. Ziel der Organisation ist die weltweite Verwirklichung der Kinderrechte und die Gleichberechtigung von Mädchen. „Wir sind überzeugt, dass wir in Zusammenarbeit mit unseren Bündnispartnern in Notsituationen und bei Katastrophen künftig noch wirkungsvoller und schneller reagieren können“, so der Vorstandsvorsitzende von Plan International Deutschland, Dr. Werner Bauch.

In Notsituationen und bei Katastrophen wird das Bündnis aktiv, um vor Ort akute und langfristige Hilfe zu leisten. Dabei arbeiten die Bündnismitglieder eng mit einheimischen Partnerorganisationen zusammen, mit denen sie durch langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit verbunden sind. Die Partner sind in der Katastrophenhilfe sehr wichtig, denn die Menschen vor Ort wissen am besten, welche Hilfe sie benötigen und welche finanziellen Mittel gebraucht werden, um Not zu lindern. Die Hilfsprojekte setzen die einheimischen Partner mit Unterstützung des Bündnisses um.

Der Zusammenschluss besteht seit mehr als elf Jahren. Gemeinsam eingeworbene Spenden werden zu gleichen Teilen unter den Bündnismitgliedern aufgeteilt. Alle Organisationen besitzen das DZI-Spendensiegel.

Hinweise an Redaktionen:  

·         Weitere aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite www.entwicklung-hilft.de.

·         Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.

Für Rückfragen:

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news-745 Mon, 20 Jun 2016 16:00:00 +0200 Stellenausschreibung: Pressesprecher/in presse/pressearchiv/archiv-detail-view/stellenausschreibung-pressesprecherin.html Um unsere Anliegen wirksam in die Öffentlichkeit zu tragen, suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/einen Pressesprecherin/Pressesprecher Im Bündnis Entwicklung Hilft arbeiten die Organisationen Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors zusammen, um insbesondere in Katastrophen- und Krisengebieten langfristig angelegte Hilfsprojekte aufzubauen und Spenden für Menschen in Not zu sammeln. Die im Bündnis verbundenen Organisationen stärken dabei in ihrer Arbeit die lokalen Strukturen und stützen sich auf langjährige Erfahrung mit Partnern vor Ort.

Das Bündnis und seine Mitgliedsorganisationen beschäftigen sich darüber hinaus mit strukturellen Ursachen von Armut und Not. Dazu gehört auch die politische Debatte von Fragen der Entwicklungszusammenarbeit. Das Bündnis rückt die häufig menschengemachten Ursachen von humanitären Krisen in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Ziel ist die Stärkung der Katastrophenprävention in all ihren Facetten.


Um diese Anliegen wirksam in die Öffentlichkeit zu tragen, suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/einen

Pressesprecherin / Pressesprecher

Die Stelle ist zunächst auf zwei Jahre befristet,
der Stellenumfang beträgt 75 %, Dienstort ist Berlin.


Das Aufgabengebiet umfasst:

Sie erfüllen folgende Voraussetzungen:


Die Eingruppierung erfolgt in Anlehnung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD).

Ihre vollständige Bewerbung senden Sie bitte bis zum 10. Juli 2016 per E-Mail an: kontakt(at)entwicklung-hilft.de

Bündnis Entwicklung Hilft, Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin,
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news-744 Mon, 20 Jun 2016 12:54:44 +0200 Zum Weltflüchtlingstag 2016 presse/pressearchiv/archiv-detail-view/zum-weltfluechtlingstag-2016.html Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft finden zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni klare Worte. Weltweit sind über 60 Millionen Menschen Opfer von Flucht und Vertreibung. Kein anderes Thema beschäftigte Politik, Medien und Gesellschaft im letzten Jahr in vergleichbarem Maße. Die Situation von Geflüchteten weltweit und die Situation in Herkunfts-, Transit- Aufnahmeländern gehört seit jeher zu den Themen des Bündnis Entwicklung Hilft und seiner Mitgliedsorganisationen und gewann in den vergangen Monaten noch einmal an Priorität hinzu. Den Weltflüchtlingstag nimmt das Bündnis und seine Mitgliedsorganisationen zum Anlass für klare Worte, aber auch zum Anlass konkreter Maßnahmen.


Den Schwächsten wirksam helfen

Bündnismitglied terre des hommes fodert in seiner Erklärung anlässlich des Jahrestages ein klares Bekenntnis zu Weltoffenheit, Aufnahme und Schutz. „Das Grundrecht auf individuelle Prüfung des Asylanspruchs in Deutschland darf nicht zum Spielball politischer Interessen werden“, so Albert Recknagel, Vorstandssprecher der Organisation. „In einem Moment, in dem sich die weltweiten Flüchtlingszahlen auf einem Höchststand befinden, konzentrieren sich bei uns politische Initiativen weitgehend darauf, wie man notleidende Menschen am besten loswerden und von unseren Grenzen fernhalten kann, anstatt Gemeinsamkeit zu stärken und den Schwächsten wirksam zu helfen.“

Um ein Zeichen gegen zunehmenden Rassismus und Stimmungsmache gegen Schutzsuchende zu setzen beteiligte sich terre des hommes unter anderem am Aktionstag „Hand in Hand gegen Rassismus für Menschenrechte und Vielfalt“. Durch Demonstrationen und Menschenketten in zahlreichen deutschen Städten setzte die Initiative am 19. Juni deutschlandweit ein Zeichen gegen Fremdenhass und für Menschlichkeit, Vielfalt und Weltoffenheit. Im Trägerkreis der Initiative engagieren sich neben vielen Anderen auch die Bündnismitglieder Misereor und Brot für die Welt.


Migration braucht Wege, keine Abwehr

Zum Weltflüchtlingstag weist Misereor auf die zunehmend negative Auslegung von Migration und die damit verbundenen Folgen hin. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent weiche die traditionell offene innerafrikanische Migrationspolitik eines europäisch geprägten Klimas der Kontrolle und Abwehr.

"Der Druck aus Brüssel in Folge der Beschlüsse des EU-Afrika-Gipfels von La Valetta im vergangenen November trägt durch seine Verknüpfung mit finanziellen Angeboten zur verschärften Migrationskontrolle dazu bei, dass die bislang offenen Reisemöglichkeiten westafrikanischer Bürgerinnen und Bürger in ihre Nachbarländer erschwert und ihre dortigen Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt werden.“ So fasst Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer des Hilfswerks die aktuellen Entwicklungen zusammen und sieht durch die Bestrebungen der Europäischen Union Menschenrechte und Schutz von Migranten massiv bedroht. Migrationen schaffe Entwicklungsimpulse in den Herkunftsländern und brauche deshalb Wege, keine Abwehr.


Eine angemessene Berüchtsichtung von Flüchtenden mit Behinderung

Die besonderen Belange von Flüchtlingen mit Behinderungen betont Bündnismitglied Christoffel-Blindenmission. Rund 10 Prozent der Flüchtenden habe eine Beeinträchtigung und sei deshalb in besonderem Maße schutzbedürftig. CBM-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockhaus fordert eine angemessene Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung und erklärt „Sie leiden mehr als andere unter unzureichender medizinischer Versorgung, Hunger, Durst und mangelhafter Hygiene. Häufig liegt das daran, dass wichtige Einrichtungen wie Gesundheitszentren, Ausgabestellen für Lebensmittel oder Waschräume in Flüchtlingscamps mit Rollstuhl oder Gehhilfen nicht erreichbar sind. Das muss sich ändern.“

Die Christoffel-Blindenmission zeigt mit einem Projekt in Jordanien wie dies aussehen kann. Um die Situation der Syrischen Flüchtlinge mit Behinderung zu verbessern werden durch den CBM-Partner „Al Hussein Society“ kostenlose Rollstühle, Prothesen, Gehilfen und physiotherapeutische Betreuung bereitgestellt.


Ein Gebot der Stunde

Mit Kindesschutzschulungen für in Deutschland tätige Organisationen und Institutionen der Flüchtlingsarbeit erweitert Bündnismitglied Kindernothilfe zum Weltflüchtlingstag seine Projekte und Hilfsangebote.

Dabei sollen Helfer auf das Erkennen der Anzeichen von Kindesmisshandlung, den Umgang mit Verdachtsfällen und in der Prävention von Misshandlung geschult werden. Die Kindernothilfe fördert weltweit eine Vielzahl an Projekten, die zur Durchsetzung von Kinderrechten beitragen. Unter anderem hat sie bereits in 30 Ländern mehr als 650 Organisationen darin geschult, Kindesschutzsysteme in ihre Arbeit zu integrieren. Diese Erfahrungen sollen nun auch an Organisationen und Institutionen in Deutschland weitergegeben werden.

Erstmalig in Deutschland tätig zu sein ist für die Kindernothilfe ein Gebot der Stunde: „Bisher haben wir uns darauf konzentriert, Fluchtursachen zu bekämpfen und den Menschen in ihren Herkunftsländern ein gutes und sicheres Leben zu ermöglichen. Bei einer solchen Ausnahmesituation, wie wir sie zur Zeit erleben, fühlen wir uns jedoch verpflichtet, einen Beitrag zur Integration, Begleitung und zum Schutz von Flüchtlingskindern in Deutschland zu leisten“, so Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe.


Mehr Informationen zu den Hilfsmaßnahmen der Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft erhalten sie im Rechenschaftsbericht „Hilfe für Flüchtlinge“


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news-743 Thu, 09 Jun 2016 16:27:40 +0200 "Sie wollten, dass wir unser altes Leben vergessen" lpages/boko-haram.html Die Terrororganisation Boko Haram entführt in Nigeria tausende Frauen und Mädchen. news-742 Mon, 23 May 2016 13:30:00 +0200 Bündnis-Mitglieder zum UN-Weltgipfel für humanitäre Hilfe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-mitglieder-zum-un-weltgipfel-fuer-humanitaere-hilfe.html Heute, am 23. Mail 2016, beginnt in Istanbul der erste UN-Gipfel zur humanitären Hilfe. Es kommen die Staats- und Regierungschefs aus mehr als 70 Ländern, zahlreiche Minister und Funktionäre sowie Vertreter internationaler Organisationen zusammen. Auch die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft Christoffel-Blindenmission (CBM)

Es besteht Nachholbedarf, wenn es darum geht, in Notsituationen auch Menschen mit Behinderungen zu erreichen. Dieses Problem ist eines der zentralen Themen beim ersten Weltgipfel. Mit der Unterzeichnung der „Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der Humanitären Hilfe“ erkennt auch die deutsche Regierung an, dass behinderte Menschen in Krisen oft vergessen werden und alle Akteure weltweit hier nachbessern müssen. Die CBM  und vier weitere Nichtregierungsorganisationen haben die Charta initiiert und heute auf dem Gipfel vorgestellt.

Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführer der CBM, fordert: „Inklusion muss zu einem Qualitätsmerkmal der humanitären Hilfe werden. Erst wenn sie alle Menschen gleichermaßen berücksichtigen – auch Menschen mit Behinderungen – handeln sowohl Staaten als auch Hilfsorganisationen nach humanitären Prinzipien.“

Kindernothilfe

Es müssen die Fragen des Kindesschutzes und der Bildungsmöglichkeiten geflüchteter Kinder mit in den Fokus gerückt werden, fordert die Kindernothilfe mit Blick auf die immer längere Verweildauer von Geflüchteten in entsprechenden Lagern. Das Bündnis-Mitglied mahnt eine ganzheitliche Ausrichtung der Übergangshilfe und eine engere Verknüpfung der humanitären Hilfe mit der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit an.

„Wir begrüßen es sehr, dass sich die Weltgemeinschaft in Istanbul zusammensetzt und nach Lösungen für die dramatische n humanitären Krisensituationen sucht“, erklärt Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe. „Für Kinder sind der Schutz vor gewaltsamen und sexuellen Übergriffen und die Möglichkeit, Bildungsangebote wahrzunehmen, von herausragender Bedeutung“, so Weidemann weiter. „Trotzdem sind diese beiden Bereiche am schwächsten finanziert. Das muss sich rasch ändern, und der Weltgipfel bietet dazu die Möglichkeit.“

Misereor

Das Bündnis-Mitglied Misereor erwartet von dem Weltgipfel, die von Krisen und Katastrophen betroffenen Menschen stärker in den Mittelpunkt von Nothilfe und Wiederaufbau zu stellen. "Dazu müssen die Betroffenen als Hauptakteure betrachtet werden. Sie sind keine hilflosen Opfer. In den allermeisten Katastrophen helfen sie als erste den anderen Betroffenen in ihren Gemeinschaften", sagte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Donnerstag in Aachen.

Misereor arbeitet vor Ort mit langjährigen Partnern, die zusammen mit der betroffenen Bevölkerung die Bedarfe und Handlungsoptionen am besten beurteilen können. "Diese Strategie gilt auch im Katastrophenfall. Nothilfe darf Selbsthilfeansätze nicht untergraben und neue Abhängigkeiten schaffen. Dank unseres Netzwerkes an Partnerorganisationen konnten wir zum Beispiel nach dem Erdbeben in Nepal schnell, umfassend und bedarfsgerecht Hilfe leisten", so Spiegel weiter. Misereor begrüße es daher, dass der Gipfel die Rolle und die Potentiale der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.

terre des hommes

Das Kinderhilfswerk terre des hommes betont die Notwendigkeit, das System der Humanitären Hilfe zu überdenken und zu dezentralisieren. „Humanitäre Hilfe ist stets mehr als das klassische Hilfspaket. Genau wie in unserer langfristigen Programmarbeit müssen wir Humanitäre Hilfe immer mehr als politische Intervention zur Sicherung der Rechte und der Würde von Menschen verstehen“, sagt Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes.

terre des hommes fordert, dass einheimische Organisationen gestärkt und bei der Bewältigung von Katastrophen als gleichwertige Partner anerkannt werden. Sie müssen stärker bei der Koordination der Humanitären Hilfe miteinbezogen werden, und ihr Zugang zu Geldern muss erleichtert werden. Vor allem für Frauen und Kinder, die in den meisten Fällen besonders unter Katastrophen leiden, muss eine zeitnahe Mitsprache darüber eingeräumt werden, welche Hilfsmaßnahmen geleistet werden sollen.

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe betont, dass die bisherige Trennung von humanitärer Hilfe und langfristiger Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr den Anforderungen gerecht wird. Dazu gehört auch, dass die nationalen und lokalen Systeme und Organisationen gestärkt und  intensiver in die Abstimmung der internationalen Akteure eingebunden werden müssen.

„Um die Risiken und Verwundbarkeiten der Menschen in Notsituationen zu verringern, brauchen wir das gemeinsame Engagement vieler Partner“, betont Dr. Till Wahnbaeck, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe. Wahnbaeck wird beim Humanitären Gipfel auf einem Panel zum Thema Klimaversicherungen sprechen.

Weitere Informationen zum Weltgipfel

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news-741 Thu, 19 May 2016 14:57:26 +0200 Weltgipfel der Humanitären Hilfe in Istanbul presse/pressearchiv/archiv-detail-view/weltgipfel-der-humanitaeren-hilfe-in-istanbul.html Am 23. und 24. Mai 2016 findet in Istanbul der Weltgipfel der Humanitären Hilfe statt. Zum ersten Mal in ihrer 70-jährigen Geschichte rufen die Vereinten Nationen zu einem Gipfel dieser Art auf. „We are witnessing the greatest humanitarian crisis of our lifetime. The World Humanitarian Summit is our chance to end it.“ So wirbt die UN für die Teilnahme am Gipfel. Und in der Tat steht die internationale Staatengemeinschaft vor einigen der größten humanitären Krisen seit Ende des zweiten Weltkriegs. Laut UN-Angaben waren 2015 rund 125 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen, über 60 Millionen mussten aus ihrer Heimat fliehen. Insgesamt sind 37 Länder von den weltweiten Krisen und deren Auswirkungen betroffen. Zur Bekämpfung des Leids werden über 20 Milliarden Dollar benötigt

.Mit circa 5.000 Teilnehmern, darunter hohe staatliche Repräsentanten und Entscheidungsträger, Vertreter von NGOs und Unternehmen sowie zivilgesellschaftliche Teilnehmer, soll auf die Lösung der humanitären Krisen und Bedrohungen unserer Zeit hingearbeitet werden. Auch Vertreter der Mitglieds-Organisationen des Bündnis Entwicklung Hilft werden vor Ort sein und sich in die Veranstaltung einbringen.

Agenda soll die großen humanitären Krisen adressieren

Im Fokus des Weltgipfels stehen Sicherheit und Würde aller Menschen und ihr Recht auf Entfaltung. Die Vereinten Nationen haben sich viel vorgenommen. Auf der Agenda des Weltgipfels finden sich Themen wie Flucht und Vertreibung, Geschlechtergerechtigkeit und Risikominderung im Hinblick auf Katastrophen. Der große Durchbruch ist dabei jedoch nicht zu erwarten. Vor allem soll der Gipfel einen Prozess anstoßen, um dauerhaft auf die Minderung des weltweiten Leids hinzuarbeiten.

 

Weiter Informationen zum World Humanitarian Summit finden Sie auf der zugehörigen Homepage.

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news-740 Mon, 25 Apr 2016 09:00:00 +0200 Nepal – Es ist noch viel Hilfe zu leisten presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nepal-es-ist-noch-viel-hilfe-zu-leisten.html Im April und Mai 2015 stellten mehrere Erdbeben den Himalayastaat Nepal und die internationale Nothilfe vor große Herausforderung. Mit einer Stärke von 7,8 ereignete sich das erste Beben am 25. April 2015, gefolgt von einem zweiten Beben am 12. Mai. Insgesamt kamen fast 9.000 Menschen ums Leben, rund 17.0000 wurden verletzt. Zahllose Häuser wurden zerstört oder stark beschädigt, auch die Infrastruktur des Landes wurde schwer getroffen. Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft leisteten schnelle und effektive Nothilfe und konnten das Leid vieler Betroffener lindern. Doch auch ein Jahr nach dem Erdbeben sind die Hilfsmaßnahmen bei weitem noch nicht abgeschlossen.

„Der Wiederaufbau schreitet sehr langsam voran“, so Friederike Leidreister, Nothilfekoordinatorin bei terre des hommes. „Man muss berücksichtigen, dass nach dem Beben einschließlich der zahlreichen Nachbeben große Teile des Landes kaum zu erreichen waren. Hinzu kamen der Monsun, der wiederum Straßen in die Berge unpassierbar machte, und zum Jahreswechsel der Protest über die neue Verfassung Nepals und die Blockade der Grenze zu Indien, die den Import von Benzin und wichtigen Hilfsgütern lange verzögerte.“

 

Wiederaufbau steht in den Startlöchern

Und in der Tat gibt es noch viel Hilfe zu leisten. Immer noch sind Menschen ohne angemessene Unterkunft. Etwa 3,3 Millionen leben in Notunterkünften oder selbstgebauten Hütten aus Plastik und Wellblech. Erst Mitte April 2016 gab die Regierung in Kathmandu die endgültige Erlaubnis zum Wiederaufbau zerstörter Häuser und Dörfer. Misereor und seine Partnerorganisationen Lumanti und Caritas Nepal stehen in den Startlöchern, alle Pläne wurden gemeinsam mit den Betroffenen ausgearbeitet. Unterstützung erhielten sie dabei von einem Architektenteam aus Thailand und Indien, das viel Erfahrung im Wiederaufbau nach Naturkatastrophen mitbringt.

Genauso schleppend ging bisher der Wiederaufbau der Schulen voran. Bündnismitglied terre des hommes konzentriert sich, zusammen mit den lokalen Partnerorganisationen vor Ort,  nun auf die Errichtung von Schulen und die Betreuung und psychologische Stabilisierung der nepalesischen Kinder.

Auch die Welthungerhilfe wird sich am Wiederaufbau Nepals beteiligen. Sechs Schulen sollen wieder aufgebaut werden, die Genehmigungen stehen noch aus. Im Süden des Landes kämpft die Organisation mit Programmen zu Landwirtschaft und Ernährung gegen Unterernährung von Frauen und Kindern.


Die Betreuung der Opfer wird fortgeführt

Innerhalb des letzten Jahres konnte Bündnismitglied Christoffel-Blindenmission bereits 25.000 Erdbebenopfern helfen. Dabei kümmert sich die Organisation weiterhin um die medizinische und psychologische Betreuung der Verletzten und Traumatisierten.

Die Bündnisorganisation Kindernothilfe versorgt seit den verheerenden Beben Kinder und stillende Mütter In Kinderschutzzentren mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten. Sogenannte „Not-Lern-Zentren“ wurden aufgebaut und psychosoziale Betreuungsangebote geschaffen. „Alle diese Maßnahmen führen wir dort, wo sie noch immer notwendig sind, bis heute weiter“, sagt Jörg Denker, Leiter des Asienreferates der Organisation. Langfristig will sich die Organisation auch in den Bereichen Ernährungssicherung, Wassermanagement und Selbsthilfegruppenarbeit engagieren.

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news-739 Thu, 21 Apr 2016 09:37:28 +0200 Nepal: Ein Jahr nach dem Beben presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nepal-ein-jahr-nach-dem-beben.html Die Projekte der Bündnis-Mitglieder und die Situation heute Am 25. April 2015 bebte die Erde Nepals mit einer Stärke von 7,8. Das Epizentrum lag 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Auch in Nordindien, China, Tibet und Bangladesch waren die Erschütterungen zu spüren. Zusammen mit dem zweiten Beben der Stärke 7,1 am 12. Mai 2015 richtete es verheerende Schäden an. 8.700 Tote und rund 17.000 Verletzte wurden in Nepal verzeichnet.

Nepal, der Binnenstaat zwischen Indien und China, gehört zu den am stärksten erdbebengefährdeten Ländern der Welt. Als eine der zwanzig global ärmsten Nati-onen stellen in Nepal Katastrophen ein großes Gefahrenpotenzial für Menschen, Tiere und die Wirtschaft dar. Auch sind Hilfsmaßnahmen bei Katastrophen im Land sehr schwierig, da viele Dörfer abgelegen und sehr hoch liegen und so nur durch Fußmärsche zu erreichen sind.

Die sieben Bündnis-Mitglieder engagieren sich bereits seit langer Zeit in Nepal. Sie konnten nach dem Erdbeben sofort mit der Nothilfe beginnen und sind mit Hilfe lokaler Partner-Organisationen weiter vor Ort. Rund 6,3 Millionen Euro Spendengelder hat das Bündnis Entwicklung Hilft für die Hilfe unter dem Stichwort „Erdbeben Nepal“ erhalten – auch dank der Hinweise in der ARD.

70% der rund 26,5 Millionen Einwohner Nepals waren direkt von den Erdbeben betroffen und mehr als 8 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. 501.000 Häuser wurden infolge der Beben komplett zerstört und 296.000 beschädigt. Auch hatten über eine Million der Einwohner keinen Zugang mehr zu sauberem Wasser, rund eine halbe Million Kinder und 200.000 schwangere oder stillende Frauen waren von Unterernährung betroffen. Die Hilfsmaßnahmen gestalteten sich als besonders schwierig, da die sowieso schon bedürftige Infrastruktur im Land teils komplett zerstört war.

Ein Jahr nach den Erdbeben sind lebensnotwendige Hilfsgüter wie Decken, Zelte, Nahrungsmittel, Wasser und Hygieneartikel verteilt worden. Jedoch sind noch viele Schulgebäude, Krankenstationen und Häuser nur provisorisch errichtet. Der Wiederaufbau schreitet weiter voran, doch die Menschen und Organisationen vor Ort stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen: Nach den Erdbeben setzte der Monsun ein, der viele Bergstraßen unpassierbar machte. Ende 2015 bis Anfang 2016 gab es eine schwere Benzinkrise, da Indien und die Bevölkerung in den, an Indien grenzenden Regionen mit der neuen Verfassung in Nepal nicht einverstanden sind. Sie behinderten wichtige Importe und Transporte, was wiederum die Verteilung von Gütern und die Erreichbarkeit der Menschen in den entlegenen Bergregionen erschwerte. Nach wie vor sind wichtige Versorgungsgüter wie Propangas nicht in ausreichendem Maße zugänglich, wodurch die Lage weiterhin angespannt ist und eine erneute Verschlechterung der Situation nicht ausgeschlossen werden kann.

Besonders Kinder haben unter den Folgen des Erdbebens zu leiden. In den Bergregionen leben viele Nepalesen immer noch in Notunterkünften und haben oftmals keinen strukturierten Alltag. Negative Bewältigungsstrategien wie Gewalt gegen Kinder und Zwangsheirat nehmen aufgrund der aktuellen Situation zu und bringen sie zunehmend in Gefahr. Da vielerorts die Schulen noch nicht wieder aufgebaut sind, sind viele Kinder ohne Aufsicht. Auch haben die Menschen in Nepal die Erdbeben oft psychisch noch nicht verarbeitet und vor allem Kinder sind noch immer verängstigt und nervös.   

Den Rechenschaftsbericht "Nepal: Ein Jahr nach dem Beben" finden Sie hier

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news-738 Wed, 20 Apr 2016 13:58:00 +0200 Nach dem Beben in Ecuador – die Hilfe ist angelaufen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nach-dem-beben-in-ecuador-die-hilfe-ist-angelaufen.html Mitglieder der Bündnis Entwicklung Hilft haben Nothilfemaßnahmen eingeleitet und unterstützen Partner vor Ort Das Erdbeben vom Samstagabend (Ortszeit) hat mindestens 500 Todesopfer in Ecuador gefordert, Hunderte Menschen werden noch vermisst. Mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala und mehr als 400 Nachbeben handelt es sich um eines der stärksten Beben in dem südamerikanischen Land seit Jahrzehnten. Die dort aktiven Mitglieds-Organisationen wie Misereor und medico international nahmen sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe zu ihren Partnern vor Ort Kontakt auf, um sich ein Bild über das Ausmaß zu machen. Und es wurden bereits Mittel für Nothilfemaßnahmen bewilligt. Die Schwester-Organisation des Bündnis-Mitglieds Brot für die Welt hat inzwischen mehrere Experten nach Ecuador gesandt. Und auch die Kindernothilfe hat Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Seit 1979 ist die Bündnis-Organisation in Ecuador aktiv, vier von sechs Projekten dort sind betroffen.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) arbeitet mit vier Partnern in Ecuador zusammen, zwei von ihnen haben Gemeindenahe Rehabilitationsprojekte in den vom Erdbeben betroffenen Gebieten. er deutsche Mitarbeiter Stefan Dofel spürte das Beben selbst in der 170 Kilometer entfernten Hauptstadt Quito. „Ich war mit meiner Frau und unserem Baby gerade draußen unterwegs, als das Erdbeben anfing“, erzählt der CBM-Regionaldirektor für Lateinamerika. „Die 40 Sekunden fühlten sich endlos an, der Boden bewegte sich in Wellen unter den Füßen. Unsere Tochter fing an zu schreien und ich dachte sofort an unsere Mitarbeiter.“

Die Kindernothilfe stellt 50.000 Euro für die Opfer des Erdbebens in Ecuador bereit und ruft zu Spenden auf. Das Geld wird für lebensnotwendige Maßnahmen, etwa die Versorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln, eingesetzt. Außerdem sollen Notunterkünfte für Familien in der besonders schwer getroffenen Stadt Guayaquil errichtet werden.

„Gerade für die Kinder ist die chaotische Situation nach einem derart heftigen Erdbeben sehr belastend und gefährlich. Einige sind verletzt, andere haben Vater oder Mutter verloren“, sagt Kindernothilfe-Landeskoordinator Mauricio Bonifaz, der das Beben selbst miterlebt hat. „Die Menschen hier stehen unter Schock. Nach wie vor kommt es zu Nachbeben. Noch immer werden viele Personen vermisst, die unter den Trümmern der eingestürzten Häuser vermutet werden.“

Zum Spendenaufruf der Kindernothilfe.

Seit Jahrzehnten arbeitet auch Misereor mit einer Reihe von ecuadorianischen Partnerorganisationen eng zusammen und kann in der Hilfe für die Erdbebenopfer nun an diese  intensiven Kontakte unmittelbar anknüpfen. Unter anderem ist das Hilfswerk in der von den Erdstößen besonders stark getroffenen Diözese Esmeraldas im Norden des Landes aktiv. Auch in der Stadt Guayaquilsind Misereor-Partner tätig.

Zum Spendenaufruf von Misereor.

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news-737 Fri, 08 Apr 2016 10:26:19 +0200 Die Launen des Christkinds http://www.entwicklung-hilft.de/reportage/elnino/ Eine Multimediareportage zu El Niño und seinen Auswirkungen. news-736 Thu, 07 Apr 2016 14:40:36 +0200 Bilanz zum Weltgesundheitstag presse/pressearchiv/archiv-detail-view/bilanz-zum-weltgesundheitstag.html Anlässlich des Weltgesundheitstages 2016 sehen die Bündnismitglieder Handlungsbedarf in der Verbesserung der Gesundheitssysteme sowie der Wasser-, Hygiene und Sanitärversorgung „Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen [. . .]“. So ist in Artikel 25 der Menschenrechtscharta das Recht auf Gesundheit niedergeschrieben. Nach der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. Anlässlich des Weltgesundheitstages macht das Bündnis Entwicklung Hilft darauf aufmerksam, dass das Menschenrecht auf Gesundheit vielerorts nicht gewährt ist und Menschen noch immer aufgrund maroder oder gar fehlender Gesundheitssysteme zu leiden haben.

In den entwickelten, westlichen Ländern der Welt wachsen die Menschen mit größtenteils funktionierenden Gesundheitssystemen auf, während dem in entwicklungsschwachen Ländern Gesundheitssysteme oftmals komplett fehlen. Die Menschen haben nicht genügend Geld für Medizin und Behandlung zur Verfügung oder der nächste ist Arzt schlicht zu weit weg. So unterstützt zum Beispiel die Bündnisorganisation Brot für die Welt ein Krankenhaus im Tschad, in dem Dr. Djékadou Ndilta der einzige Arzt für 82.000 Menschen im Umkreis von 350 Kilometern ist.

Während dem in entwickelten, westlichen Ländern auch Wasser im Überfluss zur Verfügung steht und die Tendenzen des Wasserverbrauchs und Wasserverschmutzung in Industrie- und Schwellenländern steigen, stehen auf der anderen Seite Menschen vor leeren Brunnen. Sie müssen dutzende Kilometer zur nächsten Wasserstelle laufen, wo finden sie oftmals nur verschmutztes Wasser vorfinden, welches Krankheiten verursachen kann. 2,5 Milliarden Menschen leben ohne hygienische sanitäre Einrichtungen und über 700 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die beständig anwachsende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen, der Klimawandel, die Liberalisierung der internationalen Finanz- und Warenströme, das Wirken transnationaler Konzerne und der Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Welt: all das hat erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen.

Dass der verheerende Ebola-Virus in den drei der ärmsten Länder der Welt Liberia, Guinea und Sierra Leone auftritt, zeigt: Waldrodungen, Rohstoffabbau, Landendeignungen durch Industrieriesen und Armut haben Auswirkungen. Die Menschen sind auf der Suche nach Nahrung gezwungen, weiter in die Wälder hineinzugehen. Dadurch gab und gibt es Kontakt zwischen Tierpopulationen aus den Wäldern und den Menschen, der vorher so nicht existiert hatte. Das marode Gesundheitssystem der armen Länder konnte auf Einzelfälle von Ebola anfangs nicht reagieren, was das Voranschreiten des Virus förderte. Auch werden Impfstoffe, die Krankheiten in armen Ländern bekämpfen könnten, oftmals nicht erforscht, weil sie keine Rendite in Aussicht stellen. Erst als die Gefahr bestand, dass sich der Ebola-Virus in den Norden ausdehnen könnte, wurden Hilfe und Gelder akquiriert.

Das Bündnis Entwicklung Hilft setzt sich mit seinen Bündnisorganisationen dafür ein, dass langfristig Gesundheit geschaffen werden kann. Zum Beispiel unterstützen Bündnisorganisationen WASH. WASH steht für Wasser Sanitärversorgung und Hygiene. Durch diesen Dreiklang kann sauberes Grundwasser garantiert werden, Gesundheit verbessert und Nahrung, wie auch sauberes Trinkwasser sichergestellt werden. So schloss sich das Bündnismitglied Welthungerhilfe in Simbabwe nach einer landesweiten Choleraepidemie mit weiteren internationalen Nichtregierungs- und mehrere UN-Organisationen zusammen. Hunderte Wasserversorgungs- und Sanitäranlagen, insbesondere an Schulen und Kliniken, wurden saniert oder neu errichtet und Notfallpläne geschaffen. Seit dem sind saubere Wasserkanister, Desinfektionstabletten, Medikamente und andere Materialien im Ernstfall schnell und unbürokratisch verfügbar. Seither können lokale Vorfälle von Cholera innerhalb weniger Tage erfolgreich bekämpft werden.






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news-735 Wed, 16 Mar 2016 13:32:22 +0100 El Niño und Klimawandel – Zusammenspiel mit katastrophalen Auswirkungen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/el-nino-und-klimawandel-zusammenspiel-mit-katastrophalen-auswirkungen.html Im Rahmen des Fachgespräches „El Niño und Klimawandel – Zusammenspiel mit katastrophalen Auswirkungen“ informierte das Bündnis Entwicklung Hilft am 14. März 2016 über die regionalen Auswirkungen von El Niño für Menschen und Natur. Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis‘ engagieren sich in vielen der betroffenen Gebieten und berichteten über die aktuellen Herausforderungen und Maßnahmen. Im Anschluss an die Vorträge und Podiumsdiskussion gab es eine offene Fragerunde. Die Biologin Dr. Iris Menn, die bei der Christoffel-Blindenmission (CBM) als Programmdirektorin arbeitet, berichtete über die aktuelle Lage in Äthiopiens, das derzeit unter extremer Dürre zu leiden hat. CBM setze sich vor Ort vor allem für behinderte Menschen ein.

Eine Katastrophe, die nicht ins Bild passt

Jörg Lichtenberg, Teamleiter in Äthiopien für die Kindernothilfe, bekräftigte Dr. Menns Aussagen und erklärte, dass Äthiopiens Hilferuf an die internationale Gemeinschaft deswegen erst so spät erfolgt sei, weil das Land die letzten Jahre deutliche wirtschaftliche Fortschritte erzielt hätte. Da würde eine verheerende Hungerkatastrophe, wie sie bevorsteht, „nicht ins Bild“ passen, sagte Lichtenberg. Die westlichen Staaten hätten das unter den Teppich kehren Äthiopiens sogar unterstützt, da man den Anschein erwecken wollte, alles im Griff zu haben, so Lichtenberg.

Die von El Niño verschuldete Dürreperiode in Äthiopien führe dazu, dass Familien ihre Lebensgrundlage verlieren, Tiere sterben, alltägliche Ausgaben müssen gestrichen werden. Besonders betroffen seien dann Kinder und vor allem Mädchen, weil diese zuerst von den Eltern aus der Schule genommen werden würden. Auch müssten Kinder aufgrund der finanziellen Not arbeiten und schlimmstenfalls ihren Wohnsitz und ihre gewohnte Umgebung verlassen.

Ernteeinbußen in Amazonien

Der Agrarwissenschaftler Gerhardt Braunmiller, der für Misereor als Fachreferent in der Kontinentalabteilung Lateinamerika arbeitet, erklärte die Folgen des Klimawandels und El Niños für den Tropenwald Amazoniens. „Trockenperioden und Überschwemmungen treten in den letzten Jahren häufiger und mit größerer Intensität auf“, sagte Braunmiller. Die mittlerweile unvorhersehbaren Regen- und Trockenperioden würden besonders in kleinbäuerlicher Familien zu Ernteeinbußen führen. Auch sei dadurch die Infrastruktur Amazoniens erheblich beeinträchtigt und die Trockenheit führe zu einem erheblichen Anstieg der Brandgefahr.

Live per Skye wurde Regina Feindt aus Zimbabwe dem Fachgespräch zugeschaltet. Sie berichtete, wie die Welthungerhilfe vor Ort der bevorstehenden Dürre mithilfe von trockenheit-resistentem Saatgut entgegenzuwirken versuche.

Martin Größ-Bickel von Brot für die Welt unterstütze die Aussage von Regina Feindt und den anderen Referenten, dass weiterhin viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden müsse, damit mehr Gelder für die von El Niño betroffenen Länder akquirieren werden könne.

Hungerkrisen könnten die teils ohnehin schon instabilen Regionen Afrikas, Lateinamerikas und Südostasiens weiterhin destabilisieren. Was dazu führen kann, dass viele Menschen vor Krieg, Menschenrechtsverletzungen, Hunger und Chancenlosigkeit fliehen werden. Jetzt den Hunger zu bekämpfen, ist daher auch ein Beitrag zur Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Migration. Dramatische Katastrophen werden aufgrund der veränderten Klimalage vermutlich immer öfter auftreten. Daher muss verstärkt in Anpassungsmaßnahmen und die langfristige Stärkung der Selbsthilfekräfte lokaler Bevölkerungsgruppen investiert werden. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachgespräches einig.

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news-734 Wed, 16 Mar 2016 11:18:44 +0100 Fünf Jahre Bürgerkrieg in Syrien presse/pressearchiv/archiv-detail-view/fuenf-jahre-buergerkrieg-in-syrien.html Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft sehen eine besorgniserregende Zuspitzung der humanitären Katastrophe Vor fünf Jahren begannen in Syrien Gewalt und Blutvergießen als Antwort auf einen friedlichen Aufstand gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Mittlerweile herrscht eine unfassbare humanitäre Katastrophe. Nach Schätzungen wurden mittlerweile mehr als 250.000 Menschen getötet. Knapp die Hälfte aller rund 22 Millionen Bewohner Syriens ist innerhalb oder außerhalb des Landes auf der Flucht. Die statistische Lebenserwartung in Syrien ist seit dem Kriegsausbruch um 13 Jahre gesunken. Luftangriffe der Regierung und auch der ausländischen Koalition gegen den Terror treffen die Zivilbevölkerung und zerstören lebenswichtige Infrastruktur. Regierungstruppen und radikale Milizen belagern Gebiete und hungern die Menschen aus. Der Krieg hat die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen zerstört. Rund 13,5 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter etwa sechs Millionen Kinder und Jugendliche. Und doch steigen die Waffenexporte in die Region - darunter auch die von Deutschland - weiter an.

Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft rufen zur Hilfe für die Bevölkerung auf.

Christoffel-Blindenmission

Derzeit wird davon ausgegangen, dass circa 22 Prozent der syrischen Flüchtlinge eine Behinderung haben – ein nicht unerheblicher Teil hiervon physische Behinderungen in Folge des gewaltsamen Konflikts. Flüchtlinge mit Behinderungen gehören zu den vulnerabelsten Personengruppen, da eine Flucht für sie besonders anstrengend ist, gleichzeitig aber auch viele Hilfsangebote nicht auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingehen: In Katastrophengebieten aber auch in Flüchtlingslagern sind beispielsweise Ausgabestellen für Wasser, Nahrung und Medikamente oft nicht barrierefrei und für Menschen mit einer Geh- oder einer Sehbehinderung damit kaum zugänglich.

Die Intensität des Konflikts in Syrien verursacht viele neue Behinderungen: Syrer mit schweren Verletzungen wie Schusswunden, Schrapnell-Verletzungen, Knochenbrüche oder Brandwunden haben in ihrem Heimatland kaum mehr Zugang zu gut ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen. Auch das hoch-qualifizierte medizinische Personal ist in den meisten Fällen bereits ins Ausland geflohen. Häufig kommt es bei der akuten Erstversorgung in Syrien daher zu unnötigen Amputationen, weil beispielsweise Wunden nicht ordentlich verheilen und sich immer wieder neu entzünden. Gleiches gilt für Knochenbrüche, die oftmals falsch behandelt werden und daher schlecht zusammenwachsen und somit für die Betroffenen eine langfristige Beeinträchtigung darstellen.

Auch die Versorgung in den Nachbarländern verläuft nicht immer reibungslos, da die dortigen Gesundheitssysteme durch die zusätzlichen Patienten überlastet sind und für Menschen mit Behinderungen nur wenige spezialisierte Dienste zur Verfügung stehen.

Kindernothilfe

Mittlerweile sind bis zu 80 Prozent der flüchtenden Menschen, die über die Balkanroute kommen, Frauen und Kinder, die auf der Flucht besonders vielen Gefahren ausgesetzt sind. Viele von ihnen stranden in Flüchtlingslagern, wie im Grenzlager bei Idomeni, ohne Aussicht Schutz zu finden. „Die Bilder von der griechisch-mazedonischen Grenze treffen mich ins Herz. Wer die Verzweiflung der Menschen sieht, muss den Bürgerkrieg in Syrien so schnell wie möglich beenden“, appelliert Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, an die Unterhändler der Friedensverhandlungen in Genf. Nur so sei gewährleistet, dass sich Kinder mit ihren Familien nicht auf den gefährlichen Fluchtweg begeben müssen. „Unser Ziel ist es, tragfähige Lebensgrundlagen zu schaffen und dadurch Fluchtursachen zu bekämpfen“, so Weidemann. Die Kindernothilfe unterstützt im Libanon Projekte für syrische Flüchtlingsfamilien, um ihnen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Gerade einmal die Hälfte der syrischen Flüchtlingskinder im Grundschulalter besucht im Libanon die Schule.

Medico International

Fünf Jahre nach Beginn des Bürgerkrieges in Syrien konnte Anfang März diesen Jahres endlich eine zweiwöchige „Einstellung der Feindseligkeiten“ hergestellt werden. Kaum begann die Feuerpause, kehrten auch schon Die Demonstrationen zurück. Da waren wieder die Gesänge, die Rufer und die selbstgemalten Schilder, die bildhaft für den Beginn des syrischen Aufstandes standen. „Syrien ist schön, aber es ist noch schöner ohne Assad“, oder: "2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016 und wir wollen immer noch Freiheit“. Ein Beleg, dass inmitten der zertrümmerten Vorstädten und ausgehungerten oppositionellen Provinzen der demokratische Geist lebendig ist. Wenn alle Konfliktparteien in Syrien zur Einsicht kommen sollten, dass kein Sieg auf dem Schlachtfeld möglich ist, ohne dass Syrien endgültig zerstört werden würde, wäre der erste Schritt in Richtung Demokratie gegangen. Mindestens so wichtig wäre es, wenn auch die regionalen Einflussmächte Saudi-Arabien, Türkei, Iran, sowie Russland und die USA ihr Handeln an einer Friedensoption ausrichten würden. Das allein öffnet dennoch längst keine demokratische Perspektive und damit auch keine tatsächliche Rückkehroption.

Eine Zukunft könnte daher nur in einer Anerkennung der Diversität der syrischen Gesellschaft und der Verwundungen, die durch den Krieg und die jahrzehntelange Einheitsideologie geschaffen wurden, ihrer religiösen und ethnischen Unterschiedlichkeiten sowie in Form einer identitätsstiftenden Autonomie liegen. Diese würde sich in einer föderalen Struktur voneinander trennen, um zugleich staatlich verbunden zu sein. Würde niemand mehr versuchen, den anderen zu dominieren, würde die Macht des Zentralstaates eingehegt, könnte tatsächlich ein Übergang in eine Phase des Nichtkrieges beginnen. Das wäre noch lange kein Friede, könnte aber den Übergang in einen neuen politischen Selbstfindungsprozess der syrischen Bevölkerung einleiten.  Nur dann könnte die Zerstörung der syrischen Nation auch die Idee einer neuen pluralen Idee von Staatlichkeit und Demokratie hervorbringen – jenseits einer zwangshomogenisierten Bevölkerung und einer Einheitsideologie, sei sie nun religiös oder säkular begründet.

Misereor

Das Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor fordert die Bundesregierung auf, Rüstungsexporte in die Region zu stoppen und die humanitäre Hilfe abzusichern. "Angesichts des mittlerweile fünf Jahre andauernden Syrienkonflikts ist es ein Skandal, dass Waffenlieferungen in die Region immer noch weiter ansteigen. So sind laut dem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) allein die Rüstungseinfuhren Saudi Arabiens zwischen 2011 und 2015 im Vergleich zu den vorangegangenen vier Jahren um 275 Prozent gestiegen. Rund ein Drittel der gesamten deutschen Rüstungsexporte gehen in Staaten des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas. Deutschland ist  danach der viertgrößte Waffenexporteur weltweit" so MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel." Damit trägt Deutschland eine Mitverantwortung für Menschenrechtsverletzungen, die mit diesen Waffen begangen werden.“


terre des hommes

terre des hommes appelliert an die internationale Gemeinschaft, sich nach fünf Jahren Krieg endlich der Verantwortung für das Wohl der Menschen in Syrien zu stellen und im Rahmen der Friedensgespräche Beschlüsse zu fassen und diese umgehend umzusetzen. So solle eine sofortige Waffenruhe und das Ende der Bombardierungen und Anschläge ausgehandelt werden. terre des hommes fordert die sofortige Beendigung der Blockaden und des Aushungerns von Städten, Stadtteilen und Dörfern. Der Zugang für die Versorgung durch internationale Hilfsorganisationen zu gewährleisten. Es sollen Konsultationen aller nationalen und internationalen Konfliktparteien verabschiedet werden mit dem Ziel, eine Übergangsperspektive für Syrien zu entwickeln. Von den Geberländern fordert terre des hommes, endlich die zugesagten Mittel für die Finanzierung der humanitären Versorgung durch die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen bereitzustellen.

„Besonders Kinder leiden unter dem direkten Schrecken des Krieges und den Folgen der systematischen Vernichtung lebenswichtiger Infrastruktur wie Bäckereien, Trinkwasseranlagen und Krankenhäuser“, erklärte Jörg Angerstein, Vorstand Kommunikation von terre des hommes. „Die meisten Schulen liegen in Schutt und Asche, oder es findet aus Sicherheitsgründen kein Unterricht statt. Die Einschulungsrate ist auf unter 50 Prozent gefallen, jedes zweite syrische Kind geht nicht zur Schule und erwirbt keinerlei Qualifikation für das spätere Leben. In den Nachbarländern Syriens wachsen Tausende Kinderflüchtlinge ohne Zukunftsperspektiven heran. Viele leben und arbeiten auf den Straßen, um sich und ihre Familien zu ernähren.“

Welthungerhilfe

Seit November 2012 leistet die Welthungerhilfe humanitäre Hilfe für syrische Bürgerkriegsopfer. Nachdem dies zunächst innerhalb Syriens erfolgte, wurde die Welthungerhilfe angesichts der zunehmenden Flüchtlingsströme in die Türkei und in den Nordirak auch in diesen Ländern aktiv. Im fünften Jahr des Bürgerkriegs befindet sich das Land in einer der größten humanitären Krisen der Nachkriegszeit. 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht, etwa zwei Drittel davon im eigenen Land (UNHCR, Stand September 2015). Über vier Millionen Syrer sind in die Nachbarländer Jordanien, Libanon, Irak, Ägypten und die Türkei geflohen.

Die Welthungerhilfe ruft dazu auf, das Leiden der Menschen in Syrien zu beenden. Alle Kriegsparteien werden dazu aufgefordert, Zugang für humanitäre Hilfe zu gewährleisten, den Beschuss von Krankenhäusern und Schulen einzustellen und die Belagerung von Städten sofort zu beenden.
„Solange es keine politische Lösung für den Krieg gibt, müssen wir die humanitäre Hilfe massiv erhöhen und die Finanzierung langfristig sicherstellen. Wir dürfen nicht wieder den Fehler machen, dass die Vereinten Nationen die Tagesrationen für Flüchtlinge aus Geldmangel kürzen müssen“, fordert Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe.

Auch fordert die Welthungerhilfe, dass mehr Geld für Bildung von Kindern in den Nachbarländern bereitgestellt wird. Es müsse verhindert werden, dass eine verlorene Generation heranwächst und sichergestellt werden, dass die Geflohenen in den Nachbarländern ein legales Einkommen haben können.

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news-733 Fri, 26 Feb 2016 11:34:46 +0100 Fachgespräch: El Niño und Klimawandel presse/pressearchiv/archiv-detail-view/fachgespraech-el-nino-und-klimawandel.html Zusammenspiel mit katastrophalen Auswirkungen Im Rahmen des Fachgespräches „El Niño und Klimawandel – Zusammenspiel mit katastrophalen Auswirkungen“ am 14. März 2016 informiert das Bündnis Entwicklung Hilft über die regionalen Auswirkungen von El Niño für Menschen und Natur. Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis‘ engagieren sich in vielen der betroffenen Gebiete und werden über die aktuellen Herausforderungen und Maßnahmen berichten. Auf die einzelnen Kurzvorträge folgt eine gemeinsame Podiumsdiskussion und Fragerunde.

 

Podium

 

Via Skype aus Zimbabwe zugeschaltet: Regina Feindt, Welthungerhilfe – Landesdirektorin und Entwicklungshelferin

 

Moderation: Peter Mucke, Geschäftsführer Bündnis Entwicklung Hilft

 

Am: 14. März 2016, 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr

 

Ort: Brot für die Welt, Caroline-Michaelis-Str. 1, 10115 Berlin; Raum Amalie Sieveking 0.K.01

 

Im Anschluss an das Fachgespräch stehen die Podiumsgäste Ihnen gern für Interviews zur Verfügung.

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und bitten Sie um vorherige Anmeldung bis zum 10.03.2016.

 

Rückfragen und Interview-Wünsche bitte an:
Melanie Huber, Pressesprecherin Bündnis Entwicklung Hilft
Tel. +49-30-27877-393

presse(at)entwicklung-hilft.de

www.entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-732 Wed, 17 Feb 2016 13:57:10 +0100 Flüchtlingen auf Dauer Perspektiven bieten presse/pressearchiv/archiv-detail-view/fluechtlingen-auf-dauer-perspektiven-bieten.html Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft fordern in der Bundespressekonferenz zum Thema „Fluchtursachen“ Solidarität mit Schwächeren. Ohne Hilfe vor Ort stünde Europa vor deutlich größeren Herausforderungen. Berlin, 17. Februar 2016 – In der Bundespressekonferenz sprachen heute die Vertreterinnen und Vertreter des Bündnis Entwicklung Hilft. Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt und Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes. Sie erörterten die zahlreichen Ursachen, aus denen sich Menschen auf die Flucht begeben. Beim Thema Fluchtursachen geht es nicht darum, warum Flüchtlinge nach Europa kommen. Es geht darum, warum sie ihre Heimat verlassen müssen. Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft setzen sich explizit auch für die Länder ein, die Geflüchtete aus den umliegenden Regionen aufnehmen. Auch hier müssen auf Dauer Perspektiven geboten werden.

 

Das Ausmaß der Fluchtbewegung nach Europa hat Europa sich selbst geschaffen

Als einer der häufigsten Gründe für die Flucht – beispielsweise aus Syrien – nennt Cornelia Füllkrug-Weitzel die immer weitere Eskalation kriegerischer Gewalt dort. Es schlage die große Stunde der Waffenproduzenten und -exporteure: „Und Deutschland fällt nichts Besseres ein, als sich daran zu beteiligen. Ohne Überblick, Ziel und Plan.“ Füllkrug-Weitzel fügt verdeutlichend hinzu: „Befeuert Europa die Krisen mit Waffen, anstatt sich rechtzeitig für gewaltfreie Konfliktlösung stark zu machen, ist das das Gegenteil von Fluchtursachenbekämpfung.“ Im 1. Halbjahr 2014 habe Deutschland mehr Waffen exportiert als im Jahr zuvor. „Dass deutsche Waffen die Krisen und Konflikte der Region befeuern – unerträglich“, sagt Füllkrug-Weitzel.

Der andere Skandal innerhalb Europas sei, immer erst und nur dann zu reagieren, wenn man selbst betroffen ist; dies sei das Gegenteil von weitsichtiger und solidarischer Politik. Das Ausmaß dieser Fluchtbewegung nach Europa habe Europa sich selbst mit diesem Prinzip geschaffen.

 

Politische Lösungen für mehr Sicherheit

„Bewaffnete Konflikte sind zunehmend Ursache für große Flüchtlingsströme, Hunger und Armut. Die Menschen aus den betroffenen Gebieten suchen vor allem Sicherheit, fast alle bleiben in der Nähe der Länder, aus denen sie fliehen. Humanitäre Hilfe in akuten Notsituationen, wie wir sie gerade in Syrien erleben, ist das eine, was wir tun müssen“, sagt Bärbel Dieckmann, „im Kern geht es aber um politische Lösungen.“ Die Situation in Syrien sei hochkomplex und verfahren, mit unerträglichen Lebensbedingungen für die Menschen dort, so Dieckmann: „Wir müssen alles dafür tun, dass die Flüchtlinge in eine sichere Situation kommen und versorgt werden.“

Aktuell gebe es kaum eine Rückkehrmöglichkeit für syrische Flüchtlinge. Im Gegenteil. Sollte Aleppo fallen, würden sich erneut hunderttausende Menschen aus diesem Kampfgebiet auf den Weg machen, so Dieckmann. Wir müssen daher gerade Nachbarländer wie den Libanon oder Jordanien viel stärker unterstützen, vor allem auch die Türkei, die bereits 2,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat. Ob die drei Milliarden Euro an EU-Mitteln reichen werden, sei fraglich.

Wo Menschen ihre Heimat verlassen müssen, gehen Kinder meist nicht mehr zur Schule, wächst eine verlorene Generation heran. Neben der Grundversorgung seien daher Bildungsangebote für Geflüchtete elementar, damit die jungen Menschen später eine Perspektive für ihr Leben finden können. „Der Versuch, in Europa eine gemeinsame Lösung für den Umgang mit den aktuellen Herausforderungen zu finden, ist richtig“, sagt Dieckmann, „ob uns das gelingen wird, sehe ich im Moment skeptisch.“

 

Ein neues Miteinander mit Zuversicht, Mut und Augenmaß

Die Hälfte der 60 Millionen Flüchtlinge weltweit sind Kinder. Rund 400.000 dieser werden von terre des hommes unterstützt; die Heranwachsenden benötigen eine altersgerechte Betreuung – auch mit psychosozialer Unterstützung. „Wir können es weder aus politischen noch humanitären Gründen zulassen, dass ganze Generationen von perspektivlosen Menschen entstehen“, sagt Albert Recknagel. Er fordert mehr Investitionen, die Kindern und ihren Familien ein neues Leben erleichtern und Perspektiven eröffnen. Dabei sollten auch Lösungsansätze in den Regionen selbst entwickelt werden: „Es kann nicht alles von Europa aus gesteuert werden.“

Doch auch hier in Deutschland sei es unsere Aufgabe, Solidarität zu organisieren und sich auf ein neues Miteinander einzustellen – nicht blauäugig, aber mit Zuversicht, Mut und Augenmaß. Es geht in Deutschland wie in Europa nicht um das effektive Management einer momentanen „Flüchtlingskrise“, sondern wir müssten anerkennen, dass sich die Folgen von Krieg, Gewalt, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit nicht länger auf die regionalen Krisenherde und Brennpunkte beschränken und von unseren Grenzen fernhalten lassen. Wir stehen vor der Langzeitaufgabe, diese Menschen bei uns in Deutschland in unsere Gesellschaft aufzunehmen, sagt Recknagel.

 


Hinweise an Redaktionen:  

·         Weitere aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite www.entwicklung-hilft.de.

·         Wir vermitteln Ihnen gern Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.

 

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber

Tel.: 030 / 278 77 393

m.huber@entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-731 Fri, 12 Feb 2016 10:54:38 +0100 El Niño – Hilfe der Bündnis-Mitglieder in Äthiopien presse/pressearchiv/archiv-detail-view/el-nino-hilfe-der-buendnis-mitglieder-in-aethiopien.html Es wird bereits über einen der stärksten El Niños aller Zeiten spekuliert. Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft leisten in den von den Folgen El Niños betroffenen Gebieten effektive Hilfe. Das unregelmäßig zur Weihnachtszeit auftretende Wetterphänomen, bei dem sich die Luft- und Meeresströmung im Pazifik kurzzeitig verändern, kann katastrophale Ausmaße im globalen Maßstab annehmen. „Die Folgen können extreme Niederschläge in der einen Weltregion sein – und monatelang kein Tropfen Regen in einer anderen“, sagt Claudia Kleiner, ARD-Wettermoderatorin im Interview mit dem Bündnis-Mitglied Kindernothilfe.


Gerade im regelmäßig von Dürren betroffenen Äthiopien zeichnet sich bereits jetzt die schlimmste Hungerkatastrophe seit 30 Jahren ab. Im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ berichtet Jörg Lichtenberg, Afrikareferent der Kindernothilfe, von der Situation vor Ort. „Während in manchen Landesteilen der Regen ausbleibt und dadurch 90 Prozent der Ernte vertrocknen, kommt es im Südwesten Äthiopiens zu sintflutartigen Regenfällen. Die sind für diese Jahreszeit völlig untypisch. Der ausgedörrte Boden kann die Regenmassen nicht aufnehmen, das Saatgut wird einfach weggespült.“


Die Kindernothilfe hat bereits Soforthilfemaßnahmen in Äthiopien eingeleitet, verteilt Nahrungsmittel an die betroffene Bevölkerung und sichert Kindern, deren Eltern sich das Schulgeld aufgrund erhöhter Ausgaben für Nahrungsmittel nicht mehr leisten können, den Zugang zu Bildung.


Auch die Welthungerhilfe ist in Äthiopien, speziell in der Region Afar, aktiv. Mit der Bohrung neuer Wasserlöcher und der Verteilung von Wasseraufbereitungstabletten geht die Mitgliedsorganisation gegen Wassermangel vor und unterstützt die lokalen Viehzüchter mit Futtermitteln und Medizin.


Bündnismitglied Christoffel-Blindenmission legt einen Fokus auf Menschen mit Behinderung und verteilt Lebensmittel an Schulen. Mit „Cash-for-Work“-Programmen und der Verteilung von Saatgut und Vieh leistet die CBM Hilfe zur Selbsthilfe.

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news-730 Wed, 27 Jan 2016 15:32:31 +0100 #Grenzgänger lpages/grenzgaenger.html Alle WhatsApp-Nachrichten unserer #Grenzgänger auf einer interaktiven Karte news-728 Mon, 14 Dec 2015 13:41:40 +0100 Die #Grenzgänger gehen wieder auf Tour presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-grenzgaenger-gehen-wieder-auf-tour-1.html Bereits im September berichtete Bündnis Entwicklung Hilft mit der WhatsApp-Kampagne #Grenzgänger von der Situation der Flüchtlinge auf der Balkanroute. Ab dem 18. Dezember machen sich Hannah Pool und Felix Volkmar noch einmal auf den Weg und berichten Live via Instant-Messenger. Im Fokus steht dieses Mal die Situation der Flüchtlinge in Deutschland.

Wie geht es den Menschen, die Hannah und Felix im September ein kleines Stück auf ihrer Fluchtroute begleiten konnten heute? Wie wurden sie an ihren Zielorten aufgenommen? Was erhoffen sie sich von der Zukunft und wie ist ihre Sicht auf den deutschen Umgang mit der Flüchtlingskrise? Diese und andere Fragen sollen unter anderem mit Ahmed aus Palästina geklärt werden. 

 

Flüchtlinge kommen zu Wort

Zusammen mit seiner siebenköpfigen Familie lebte der Palästinenser Ahmed bereits in Syrien als Flüchtling und musste sich aufgrund des verheerenden Bürgerkrieges erneut auf die Flucht begeben. Hannah und Felix lernten die Familie auf Kos kennen und begleiteten sie auf der Fähre nach Athen. Aus seiner Unterkunft in Mettmann (Nordrhein Westfalen) übermittelte Ahmed bereits gegen Ende der ersten Grenzgänger-Aktion seine Geburtstagsgrüße an Felix. Kurz vor Weihnachten soll Ahmed noch einmal im Rahmen der #Grenzgänger zu Wort kommen.

„Wir hoffen auch dieses Mal die Situation der Flüchtlinge aus einer persönlichen Perspektive beleuchten zu können und freuen uns auf viele Rückmeldungen der Community“, so Hannah und Felix im Vorfeld.  Von Nordhessen, über Berlin und Dresden bis Köln wollen die #Grenzgänger neue Geschichten sammeln. Doch auch die generelle Situation in Deutschland möchten die Beiden beleuchten. So werden sie beispielsweise das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales, kurz LaGeSo, besuchen. Seit dem Sommer steht das  LaGeSo stellvertretend für die Kritik am Umgang mit Flüchtlingen, da diese wegen schierer Überforderung der Behörde teilweise mehrere Tage vor dem Gebäude kampieren müssen, bevor sie sich als Asylbewerber registrieren lassen können. Und auch den Kontakt zu Vereinen und Initiativen, die die Situation der Flüchtlinge in Deutschland verbessern wollen, werden die #Grenzgänger suchen.

 

Wer sind die #Grenzgänger?

Hannah ist eine freiwillige Helferin und Felix ein Fotograf, der bei Reporter ohne Grenzen gearbeitet hat. Hannah (23) hat im Rahmen ihres Studiums "Internationale Beziehungen" an der TU Dresden zwei Auslandssemester an der Universität Teheran studiert und dort Farsi und Dari gelernt. Felix (23) studiert an der Uni Marburg Friedens-und Konfliktforschung. Dokumentationsreisen führten ihn bisher nach Ruanda, Marokko, Aserbaidschan, in den Iran und die Türkei.

 

Was bisher geschah

Vom 6. bis 19. September 2015 begleiteten Hannah und Felix Menschen auf ihrem Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft. Von Griechenland aus führte sie ihr Weg über Mazedonien, den Kosovo, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland – immer gemeinsam mit den Flüchtenden. Dabei dokumentierte #Grenzgänger die persönlichen Geschichten und Schicksale der Menschen auf der Flucht. Alle Interessierten konnten über den WhatsApp-Messenger live und hautnah die Situation an den europäischen Grenzen und auf dem gesamten Weg durch Europa miterleben.

 

Auch dieses Mal kann die Reise wieder live per WhatsApp mitverfolgt werden. Die Anmeldung erfolgt über die Startseite von entwicklung-hilft.de oder direkt über das Widget.

 

Die Nachrichten der #Grenzgänger noch einmal zum Nachlesen.

 

 

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle

Florian Brell
+49-30-27877-390
presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-726 Fri, 04 Dec 2015 13:25:40 +0100 Hilfe in mehr als 18 Ländern weltweit presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hilfe-in-mehr-als-18-laendern-weltweit.html Erste Bilanz zur "Hilfe für Flüchtlinge" Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Viele bleiben innerhalb des eigenen Landes oder fliehen in die Nachbarländer der Krisenregionen. Aber sie alle sind auf Hilfe angewiesen. Doch auch die Herkunfts-, Transit- und Aufnahmeländer benötigen Unterstützung, um eine menschenwürdige Versorgung der Geflüchteten zu gewährleisten.

Die sieben Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft sind weltweit aktiv und leisten mit ihren Partnern vor Ort akute und langfristige Hilfe. In mehr als 18  
Ländern unterstützen sie aktuell Menschen auf der Flucht.

Bisher konnte das Bündnis Entwicklung Hilft rund 3,4 Millionen Euro Spendengelder für die „Hilfe für Flüchtlinge“ einnehmen – auch dank der Spendenaufrufe in der ARD. Mithilfe dieser Gelder konnten bereits zahlreiche Projekte der Mitgliedsorganisationen realisiert werden, die zur Verbesserung der Situation und zur Versorgung flüchtender Menschen aber auch zur Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern beitragen.

So helfen die Bündnis-Mitglieder und deren Partner

Brot für die Welt

Brot für die Welt unterstützt im Libanon die Partnerorganisation Nashet. In dem Lager „Ain al Hilweh“ drängen sich auf 1,5 km² etwa 80.000 Menschen. Nashet bietet Kindern und Jugendlichen Zuflucht, hilft ihnen bei den Schularbeiten und unterstützt sie dabei, ihre Talente zu entdecken und zu leben. Auch in einer Hochebene im Osten des Libanon konnte 500 Familien mit warmen Mahlzeiten geholfen werden.

In Jordanien erhalten syrische und irakische Flüchtlinge gemeinsam mit bedürftigen Menschen der Gastgemeinden Fortbildungen, z.B. zum Thema Hygiene oder zu Frauenrechten. Es konnten 2.000 syrische Flüchtlinge und Gastgeberhaushalte mit Winterkleidung und Decken versorgt werden. Die Kinder werden in Schulen integriert.

An der griechisch-mazedonischen Grenze wurden 22.000 Regencapes an besonders bedürftige Flüchtlinge verteilt. Auf der Insel Chios in Griechenland wurden an Flüchtende 1.000 Zelte und 2.500 Winterschlafsäcke verteilt. In Serbien wurde warme Kleidung für 1.000 Kinder sowie Windeln und Nahrung für 1.600 Babys verteilt. Insgesamt wurden in Serbien 14.000 Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt und 70 Tonnen Brennholz verteilt.

Im irakischen Teil Kurdistans wurden 500 Familien mit Decken, Kleidung, Heizgeräten und Brennstoff für die kalte Jahreszeit ausgestattet.


Christoffel-Blindenmission (CBM)

Die Arbeit der CBM setzt vor allem in Nachbarländern von Krisenregionen an. Ein Fokus liegt dabei auf Flüchtende mit Behinderung.

Bereits seit Ende 2012 unterstützt die CBM syrische Flüchtlinge in Jordanien. Im Januar 2015 startete ein Projekt zusammen mit dem Partner Al Hussein Society (AHS). Flüchtlingskinder mit Körperbehinderungen erhalten orthopädische Hilfsmittel wie Rollstühle, Prothesen und Krücken und werden physiotherapeutisch betreut.

Mit dem International Rescue Committee (IRC) sichert die CBM seit 2012 die augenmedizinische Versorgung im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia. Seither konnten die augenmedizinischen Dienste ausgebaut und die Qualität durch Bereitstellung notwendiger Geräte verbessert werden. In Zukunft kann die Arbeit auch auf das Flüchtlingslager Kakuma im Westen Kenias ausgeweitet werden.

Im Niger, in der Region Diffa, beginnt ab November 2015 ein einjähriges Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Flüchtlingen mit Behinderungen. Gemeinsam mit zwei lokalen Partnern werden über 1.000 Flüchtlinge psychologisch und medizinisch unterstützt. 300 Familien erhalten Hilfe bei der Sicherung ihrer Grundbedürfnisse.


Kindernothilfe

Die Kindernothilfe hat mit ihrem Partner AMURT im libanesischem Kafr Nabrakh ein gemeindebasiertes Kinderschutzzentrum aufgebaut. Im Drei-Monats-Turnus werden hier je 120 Kinder auf den Schulbesuch vorbereitet; spezielle Angebote gibt es für Kinder mit Lernschwierigkeiten. Eine Psychologin begleitet die Kinder durch Spiel-, Mal- und Gesprächstherapie bei der Traumabewältigung. Der Projektpartner AMURT sorgt dafür, dass die Kinder anschließend auf Schulen gehen und bezahlt notwendiges Material. Die Schulen sind oft weit entfernt von den Wohnorten, deshalb werden Schulbusse für den Transport von 500 Mädchen und Jungen organisiert. Schläge sind an libanesischen Schulen ein Erziehungsinstrument – durch die Arbeit mit Lehrern konnte hier ein Rückgang von Gewalt und verbalen Beschimpfungen erreicht werden.


medico international

In Flüchtlingslagern in Syrien, im Irak, Libanon und im Bereich der Westsahara leisten medico-Partner Überlebenshilfe mit Nahrungsmitteln und Basisgesundheitsversorgung. In Westafrika werden Selbstorganisationen von Abgeschobenen, in Mittelamerika Migrantenherbergen in Mexico unterstützt und in Ägypten und Israel die medizinische Versorgung von Flüchtlingen gewährleistet.

Angesichts der Flüchtlingskrise hat medico auch sein Engagement in Europa verstärkt. In Griechenland und in der Türkei stehen Teams besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen zur Seite, intervenieren gegen illegale Haft und Abschiebepraktiken und dokumentieren Menschenrechtsverletzungen. Auch das „Watch the Med Alarmphone“, das seit Oktober 2014 Notrufe von Flüchtlingen in Seenot entgegennimmt, wird von medico gefördert.

Weiterhin finanziert die Bündnis-Organisation den Moving Europe-Bus, der Flüchtlinge entlang der Balkanroute mit Strom, Internet, Infoformationen und notwendigen Gebrauchsgegenständen versorgt. medico unterstützt auch den Druck und die Verteilung von Broschüren, die Informationen und Kontakte in wichtigen Transit- und Zielländern enthalten.

Um traumatisierten Flüchtlingen in Deutschland zu helfen, fördert medico eine Stelle der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer. Zugleich unterstützt medico eine Kampagne der Medibüros und Medinetze zur medizinischen Versorgung von Asylsuchenden.


Misereor

Im türkischen Batman, im unmittelbaren Grenzgebiet zu Syrien und dem Nordirak finanziert Misereor ein Projekt für Menschen auf der Flucht vor dem Islamischen Staat (IS). Tausende flohen wegen des Vormarsches der IS-Milizen in die nahe Türkei. Angesichts der anhaltenden Kampfhandlungen stellt man sich auf weitere Flüchtlinge ein. Der Misereor-Partner Christian Aid Program North Iraq (CAPNI) versorgt Schutzsuchende mit wichtigen Hilfsgütern, Lebensmitteln, Decken und warmer Kleidung.

Marokko hat sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem Transitland für Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Der Misereor-Partner Caritas Maroc arbeitet in drei Zentren in Casablanca, Rabat und Tanger in den Bereichen Basisgesundheit, soziale Belange, psychosoziale Betreuung und Bildung.
 
Auch in Europa ist Misereor aktiv. Der Projektpartner Jesuit Refugee Service (JRS) leistet in Süditalien und auf der Balkanroute Soforthilfe. Zu den Maßnahmen zählen die Verteilung von Hilfsgütern sowie die Bereitstellung von vorübergehenden Notunterkünften. Außerdem steht die dringend benötigte medizinische Erstversorgung im Fokus. In München wird der Jesuiten-Flüchtlingsdienst die soziale Beratung von Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft übernehmen.
terre des hommes

Das Bündnis-Mitglied unterstützt u.a. zahlreiche Projekte in Deutschland. In Berlin koordiniert der geförderte Flüchtlingsrat ehrenamtliche Helfer und setzt sich für ein schnelles Bleiberecht für Kinder ein. Der Verein Xenion bietet Hilfe und Traumatherapie für flüchtende Kinder

In Hamburg und Osnabrück bieten die Projektpartner „Wohnschiffprojekt Altona e.V.“ und „Exil e.V. Osnabrück“ Spiel- und Lernmöglichkeiten für Kinder in Sammelunterkünften. In Thüringen baut das Projekt Refugio einen Sozialdienst für minderjährige Flüchtlinge auf.

Durch die Unterstützung des AK Asyl wird schulische und soziale Integration von Minderjährigen im bayerischen Weiden gefördert und über den Kinder- und Kulturkreis Oberhausen ein ähnliches Projekt in Nordrhein-Westfalen.

Bundesweit bietet der Dachverband der psychosozialen Zentren in Deutschland
Traumabehandlung und psychosoziale Versorgung für Flüchtlingskinder.

International liegt der Fokus auf Etablierung und Förderung von Kinderschutzmechanismen und dem Schaffen sicherer Räume für Flüchtlingskinder. Im Nordirak werden dabei 3.000 Kinder und 2.000 Familien in Flüchtlingscamps und aufnehmende Gemeinden unterstützt. Neben Einführung entsprechender Schutzmechanismen werden u.a. Erzieherinnen in Kinder-Traumatherapie ausgebildet. In der Grenzregion Türkei-Syrien bietet die Organisation psychosoziale Betreuungsangebote für Kinder und ihre Familien sowie Schulungen für lokale NGOs im institutionellen Kindesschutz an.


Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe fokussiert ihre Unterstützung vor allem auf Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien. Rund um die Stadt Azaz im Norden Syriens leben Tausende von Familien, die vor den Kämpfen der letzten Monate geflohen sind. Im Winter wird es in der Region nass und kalt mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Menschen leben nahezu ungeschützt vor den Temperaturen in Zelten oder Containern. Das Bündnis-Mitglied hilft knapp 5.000 Familien, ihre Unterkünfte für den Winter zu heizen. Dafür werden Öfen und Kanister für Diesel in der Türkei gekauft und dann über die syrische Grenze nach Azaz gefahren. Die Verteilung der Hilfsgüter in den Flüchtlingslagern übernimmt ein einheimischer Partner.

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news-725 Tue, 17 Nov 2015 11:30:00 +0100 WeltRisikoBericht 2015: Ernährungsunsicherheit erhöht das Katastrophen-Risiko presse/pressearchiv/archiv-detail-view/weltrisikobericht-2015-ernaehrungsunsicherheit-erhoeht-das-katastrophen-risiko.html Über die Folgen möglicher extremer Naturereignisse in 171 Ländern

Berlin, 17. November 2015 – In welchem Zusammenhang stehen Ernährungssicherheit und Katastrophenrisiko? Diese Frage steht im Zentrum des WeltRisikoBericht 2015 vom Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. und dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten. 

Krisen und Katastrophen machen Hunger  

„Die katastrophalen Auswirkungen von Naturgewalten wie Erdbeben oder Wirbelstürmen können eingedämmt werden durch eine gesicherte Ernährung der Menschen. Wer Hunger hat, ist verletzlicher bei Katastrophen, Kriegen und Konflikten“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft und Projektleiter des WeltRisikoBericht. Zwar müssten bis 2030 etwa 1,2 Milliarden Menschen mehr ernährt werden, noch einmal soviel wie derzeit in Indien leben. Doch Mucke sieht gute Chancen, bis zum Jahr 2030 das international vereinbarte „Null-Hunger-Ziel“ zu erreichen: „Rein rechnerisch gibt es genug Nahrung für alle. Aber ungerechte Verteilung der landwirtschaftlichen Produkte, Verschwendung von Lebensmitteln und Verluste bei Ernte oder Transport sind verantwortlich dafür, dass noch immer Menschen hungern müssen.“

In akuten Konflikten und Kriegen dagegen sei ebenso wie bei Katastrophen die Ernährungssicherheit gefährdet: „Hunger und Migration sind dann Folgen.“ Da ein Teil der aktuellen Konflikte nur schwer einzudämmen sei, weist Mucke auf den hohen Versorgungsbedarf in den Anrainerstaaten und in Flüchtlingslagern hin: „Dies erfordert auch die bessere Nahrungsmittel-Versorgung der Menschen in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern.“

WeltRisikoIndex 2015

Wichtiger Bestandteil des WeltRisikoBericht ist auch in diesem Jahr der WeltRisikoIndex. Der Index bewertet das Katastrophenrisiko von 171 Ländern durch eine kombinierte Analyse von Naturgefahren und gesellschaftlichem Umfeld. Dabei weist auch 2015 der Inselstaat Vanuatu das größte Risiko auf. Erst im März verwüstete Wirbelsturm Pam das Land. Auf den Rängen 2 und 3 folgen Tonga und die Philippinen, die im Vergleich zum Vorjahr lediglich die Plätze getauscht haben. Deutschland liegt auf Platz 146. 

„Die Verwundbarkeit eines Landes bestimmt zum großen Teil, ob eine Naturgefahr zur Katastrophe werden kann“, sagt Prof. Jörn Birkmann /Universität Stuttgart und verantwortlich für den Index. Taifun Haiyan und Hurrikane Sandy verdeutlichen dies. Mit Windgeschwindigkeiten von über 185 km/h (Sandy) und über 300 km/h (Haiyan) hatten beide Stürme eine hohe Zerstörungskraft. Windgeschwindigkeiten allein können aber die Unterschiede in der Zerstörung nicht erklären, meint Birkmann. Während in den USA etwa 210 Menschen durch Sandy starben, waren auf den Philippinen ca. 6.400 Todesopfer zu beklagen. Und obwohl die ökonomische Schadenssumme in den USA größer war, betrug der Anteil der ökonomischen Schäden am Bruttosozialprodukt fünfmal weniger als auf den Philippinen. Auch war der versicherte Schaden in den USA sechs Mal höher als auf den Philippinen, erklärt Birkmann auf Basis des WeltRisikoIndex.

Wechselwirkung zwischen Ernährungssicherheit und Katastrophenrisiko

„Der Bericht zeigt deutliche, dass eine Hunger und schlechte Ernährungssituation negative Auswirkungen auf das Katastrophenrisiko haben, da die Anfälligkeit der entsprechenden Bevölkerung gegenüber Naturgefahren hierdurch deutlich erhöht wird“, sagt Dr. Matthias Garschagen, wissenschaftlicher Leiter des WeltRisikoBericht und Abteilungsleiter für Risikoabschätzungen an Universität der Vereinten Nationen. Aber auch umgekehrt kann eine Katastrophe fatale Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit haben. 

Hochwasser- oder Wirbelsturmereignisse beispielsweise zerstören oft nicht nur Ernten und Nahrungsmittelspeicher, sondern auch Transportinfrastruktur, und beeinträchtigen somit die Versorgung von Krisengebieten. Im schlimmsten Fall führt die Verquickung von Katastrophen und Ernährungsunsicherheit zu einer fatalen Abwärtsspirale, in der die betroffenen Menschen von einer Krise in die nächste geraten. Vor allem in den Gebieten Afrikas südlich der Sahara überschneiden sich die Hotspot-Regionen von Hunger und Vulnerabilität. Dort sind zudem starke Auswirkungen des Klimawandels zu erwarten, welche die Ernährungssicherung vor weitere Herausforderungen stellen. „Auch noch so weitreichende Strategien zum Katastrophenschutz alleine werden nicht ausreichen, wenn die Staatengemeinschaft sich nicht zu einer mutigen Klimapolitik durchringt, die die Situation der von Katastrophenrisiken am stärksten betroffenen Gruppen und Länder berücksichtigt“, sagt Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Vorstand Internationale Zusammenarbeit beim Bündnis-Mitglied Misereor. 

„Das Ziel von Politik und Praxis muss es daher sein, die Ernährungssicherung krisenfester zu gestalten und sie gleichzeitig als zentralen Bestandteil in der Katastrophenprävention zu verankern. Der Bericht zeigt hierzu klare Empfehlungen auf“, so Dr. Matthias Garschagen. Dr. Martin Bröckelmann-Simon betont: „Investitionen in die Landwirtschaft sind nach Studien der Food and Agriculture Organization für die Reduzierung von Armut und Hunger fünfmal effizienter als Maßnahmen in jedem anderen Sektor.“

Das Faktenblatt zum WeltRisikoBericht 2015 zum Download

Hinweise an Redaktionen: 

  • Den vollständigen Bericht finden Sie ab dem 17.11.2015, 11.30 Uhr, zum Download unter www.WeltRisikoBericht.de.
  • Weitere druckfähige Bilder, Infografiken und Kartenmaterial können Sie gern bei uns anfordern. 
  • Wir schicken Ihnen gern eine gedruckte Fassung des WeltRisikoBericht 2015 und älterer Ausgaben zu. Bitte schicken Sie uns eine E-Mail an: presse@entwicklung-hilft.de. 
  • Für telefonische oder persönliche Gespräche stehen unsere Autoren Ihnen gern zur Verfügung.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Melanie Huber
Tel.: +49 (0) 30 / 27877 - 393
E-Mail: presse(at)entwicklung-hilft.de

Universität der Vereinten Nationen - Pressestelle
Janine Kandel
Tel: + 49 (0) 228 / 815 - 0256
E-Mail: kandel(at)vie.unu.edu

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.
Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) befasst sich mit Risiko- und Verwundbarkeitsaspekten menschlicher Sicherheit und den Konsequenzen komplexer Naturgefahren und des globalen Wandels.

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news-724 Mon, 09 Nov 2015 12:07:46 +0100 Einladung zur Pressekonferenz WeltRisikoBericht 2015 presse/pressearchiv/archiv-detail-view/einladung-zur-pressekonferenz-weltrisikobericht-2015.html Bündnis Entwicklung Hilft und die Universität der Vereinten Nationen stellen am 17. November 2015 gemeinsam den neuen WeltRisikoBericht vor Der diesjährige Bericht beinhaltet neben dem WeltRisikoIndex für das Jahr 2015 das Schwerpunkthema Ernährungssicherung. Ernährungsunsicherheit erhöht das Katastrophenrisiko. Denn Menschen sind Naturgefahren zum Beispiel dann stärker ausgesetzt, wenn Ernährungsunsicherheit sie zwingt, die Landwirtschaft in gefährdete Gegenden zu verlegen. Und: Schlechte Versorgungslagen reduzieren die Möglichkeiten, auf ein extremes Naturereignis effektiv zu reagieren.

Der aktuelle WeltRisikoBericht gibt in diesem Zusammenhang Handlungsempfehlungen und zeigt Perspektiven auf. Ein wichtiger Aspekt ist hier, dass jede Investition in Ernährungssicherheit die Verwundbarkeit von Gesellschaften gegenüber Katastrophen senkt.

Umgekehrt gilt: Eine Verringerung des Katastrophenrisikos wirkt sich auch positiv auf die Ernährungssicherheit aus. Beispielsweise das Erdbeben in Nepal im Frühjahr 2015 hat gezeigt, wie die Ernährungssituation durch das Beben ernsthaft beeinträchtigt wurde. In abgelegenen Bergregionen konnten 70 Prozent der Bevölkerung zu wenig oder grenzwertig wenig Nahrungsmittel konsumieren. Die Hälfte der Bevölkerung konnte sich nur noch einseitig ernähren.

Wann: Dienstag, 17. November 2015, 10:30 Uhr

Wo: Presse- und Besucherzentrum, Reichstagsufer 14, 10117 Berlin

Wer: Als Gesprächspartner stehen Ihnen folgende Experten zur Verfügung:

•    Peter Mucke, Geschäftsführer Bündnis Entwicklung Hilft und Projektleiter WeltRisikoBericht

•    Dr. Matthias Garschagen, Abteilungsleiter am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit an der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS)

•    Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Vorstandsmitglied von Misereor und Leiter des Bereiches Internationale Zusammenarbeit

•    Prof. Dr. Jörn Birkmann, Direktor des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart

Bitte teilen Sie uns per E-Mail an presse[at]entwicklung-hilft.de mit, ob Sie an der Pressekonferenz teilnehmen möchten und ob Sie im Anschluss Interesse an einem persönlichen Gespräch mit den Experten haben. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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news-723 Thu, 29 Oct 2015 15:57:35 +0100 „Ich bin froh, nun hier zu sein“ – Leben in der Notunterkunft presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ich-bin-froh-nun-hier-zu-sein-leben-in-der-notunterkunft.html In Notunterkünften verbringen Geflohene ihre ersten Tage in Deutschland, noch vor ihrer Registrierung. Wir haben uns eine solche Unterbringung im Olympiapark Berlins genauer angeschaut. Vor dem Eingangstor der Notunterkunft des Olympiaparks in Berlin steht eine Gruppe Syrer, darunter Dijwar. Er spricht gut Deutsch, ist geschätzte 35 Jahre alt und erklärt mir, dass er seit gestern in Deutschland sei. Er versuche gerade, den anderen Deutsch beizubringen. Zuhause war er Dolmetscher und er könne viele Sprachen fließend sprechen. In Syrien hatte er ein gutes Leben, sagt Dijwar, aber der Krieg habe ihn gezwungen, sein Land zu verlassen. Einen Monat lang sei er auf der Flucht gewesen, sein Ziel: Deutschland. „Ich bin froh, nun hier zu sein. Von Berlin aus möchte ich nach Bremen, wo meine kranke Mutter nach ihrer Flucht untergebracht wurde“, sagt Dijwar. Er fragt, ob und wann er weiter zu seiner Mutter reisen könne und wo er eine Simkarte herbekäme. Vielleicht hilft man ihm am Infopoint.

Bis zu 14 Tage nach Ankunft

In Berlin gibt es derzeit 42 Erstaufnahmeeinrichtungen, 36 davon sind Notunterkünfte. In Notunterkünften müssen die Standards von Erstaufnahmeeinrichtungen, wie 6 Quadratmeter Wohnfläche pro Person, nicht eingehalten werden. Mehr als ein Drittel aller Asylbegehrenden sind derzeit in Notunterkünften untergebracht. Diese sind meist Sporthallen oder große leerstehende Gebäude. Betrieben werden sie sowohl privat als auch von gemeinnützigen Gesellschaften. Der Betreiber erhält pro Geflohenen einen ausgehandelten Tagessatz in der Größenordnung von 20 Euro, womit er die Betten, drei Mal täglich Essen, Sanitäranlagen und Security bezahlen muss.

Die Notunterkunft des Olympiaparks wird von der gemeinnützigen GmbH Albatros betrieben. Sie umfasst zwei Sporthallen, in denen jeweils ca. 500 Leute untergebracht werden können. In ihnen verbringen die Geflohenen bis zu 14 Tage vor ihrer Registrierung.

Überall auf dem Gelände fahren Kinder Fahrrad, spielen Fußball und mit Wasserbällen. Erwachsene sitzen in Gruppen zusammen, an dem Grenzzaun ist Kleidung zum Trocknen aufgehängt. In der Küche kochen und putzen freiwillige Helfer. Freiwillige und Angestellte von Albatross arbeiten in der Unterkunft Hand in Hand. Anina, eine Studentin, ist bei Albatros angestellt und koordiniert den Ablauf auf dem Gelände. „Wir sorgen dafür, dass die Ankommenden hier ihre ersten Tage gut verbringen können“, sagt Anina. Nach höchstens zwei Wochen werden die Geflohenen von Mitarbeitern des Landesamtes für Gesundheit und Soziales abgeholt und können einen Asylantrag stellen.

Ein Herz in Schwarz-Rot-Gelb

Anina erklärt, dass die Küche gleichzeitig auch das Büro der Helfer sei; ein Fenster ermöglicht den Blick in den unteren Stock der „Halle 1“. Dort sind Feld- und Kinderbetten für allein reisende Frauen und Familien aufgebaut. In der „Halle 2“ sind allein reisende Männer untergebracht. Neben der Küche befindet sich ein großes Zimmer voller Kleiderschränke mit gespendeten Schuhen und Kleidung, die sich die Geflohenen nehmen dürfen. Freiwillige Helfer sortieren die Kleidung. Es kämen sehr viele Sachspenden zusammen. „Aber es fehlen warme Klamotten für den Herbst und nahenden Winter“, sagt Anina, „die Leute misten derzeit meist nur ihren Sommerkleiderschrank aus.“

In der Eingangshalle ist eine „Kita“ eingerichtet. Zwei Jungs fahren Fahrrad, Kinder malen zwischen den mit selbstgemalten Bildern verzierten Wänden und Fenstern. Auf den Bildern ist auffallend oft die Deutschland- und Afghanistanflagge zu sehen. Auf einem Bild steht „Love Afghanistan“, ein paar Meter weiter ist ein Herz in Schwarz-Rot-Gelb gemalt: „Love you Germany“. Manche Bilder sind in frohen Farben, auf einem anderen sind Totenköpfe, auf einem weiteren ein Kind, auf welches eine Waffe gerichtet ist, zu sehen.

Weiter hinten ist die „Kuschelecke“. Ein großes Sofa steht dort, daneben etliche Kuscheltiere. Auf dem Boden sind Spieleteppiche und Zelte. Die meisten Sachen hier seien Spenden. Anina erzählt, wie einmal ein vierjähriger Junge ohne Eltern bei ihnen angekommen sei. Sie hätten nur mit viel Mühe seine Eltern wieder gefunden. Auch so etwas versuche man hier zu koordinieren.

Selten weniger als 15 Stunden pro Tag

Im Keller der Turnhalle sind die Familien und Frauen untergebracht, gleich bei den Umkleideräumen, die zu Waschräumen und Arztzimmern umfunktioniert wurden. Die Turnhalle sei sehr praktisch, da es genug Sanitäranlagen gäbe, sodass man diese auch für Frauen und Männern getrennt anbieten  könne. Auf die Frage, ob es Gewalt gäbe, entgegnet Anina, dass bisher keine Konflikte aufgekommen seien, die nicht durch Gespräche geregelt werden konnten. Bei Albatros hätten alle Angestellten eine psychosoziale Ausbildung, was bei der Arbeit hier hilfreich sei.

Draußen wartet Aninas Chef, der von einer Truppe Geflüchteter umgeben ist, die ihm ihre Probleme zu schildern versuchen. Er bittet Anina, mit ihm zu einer spontanen Besprechung zu kommen. Nach einer halben Stunde ist Anina zurück. Sie müsse nun weiterarbeiten, weniger als 15 Stunden pro Tag seien es selten. Wie es hier ohne freiwillige Helfer aussähe – kaum vorzustellen. 

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news-722 Wed, 21 Oct 2015 15:25:37 +0200 Nach wie vor frieren täglich Tausende presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nach-wie-vor-frieren-taeglich-tausende.html Ein neues Registrierungsverfahren in der Berliner Bundesallee soll die humanitäre Situation nichtregistrierter Asylsuchender in der Hauptstadt verbessern. Ein Erfahrungsbericht Die Medien waren die letzten Wochen voll mit den erschreckenden Bildern: Geflohene, darunter viele Familien mit Kindern und auch schwangeren Frauen, die tage- und wochenlang in der Hoffnung auf eine Registrierung vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin in der Kälte campierten. Die Caritas warnte sogar vor Kältetoten. Jetzt soll ein neues Verfahren, das am 15. Oktober eingeführt wurde, für bessere Zustände in Berlin sorgen.

Vor der Registrierung existieren Asylsuchende in keiner Datenbank. Folglich bekommen sie auch kein Geld und keine Sachleistungen vom Land und in Krankenhäusern keine offizielle Behandlung. Sie sind auf die Hilfe von freiwilligen Helfern, Sachspenden und die ärztliche Versorgung von freiwilligen Ärzten angewiesen. „Wir haben zwar einen Brunnen mit Trinkwasser auf dem Warteplatz vor dem Lageso installiert, aber die Leute wussten nicht, dass sie das Wasser trinken können“, erzählt Silvia Kostner von der Pressestelle des Lagesos. Das Landesamt finanziere auch Essen, es sei aber bei der Ausgabe auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. Diese arbeiten teilweise bis zu fünfzehn Stunden ohne Pause. Geld sei eigentlich genug vorhanden, es gäbe schlicht zu wenige Mitarbeiter. „Ohne die Freiwilligen würde alles nur halb funktionieren“, sagt Kostner, „Diese zu bezahlen, ist wahrscheinlich ein zu großer bürokratischer Aufwand.“

Einreise entscheidet über Verfahren

Das neue Registrierungsverfahren unterscheidet drei „Arten“ von Geflohenen. Die Individuellen, seit dem 15. Oktober 2015 Eingereisten. Diese sollen selbstständig zum Lageso in der Turmstraße kommen. Dort können sie werktäglich ab 4.30 Uhr in einem beheizten Zelt warten. Wer zu spät kommt, friert weiter draußen. Ab 7.30 Uhr werden dann die Personalien der Wartenden aufgenommen und sie erhalten ein graues Terminband, auf dem ihr Registrierungstermin in der Bundesallee festgehalten ist. Sobald sie wissen, wie es weitergeht, werden die Flüchtlinge zu den verschiedenen Notunterkünften gefahren, in denen sie bis zum Registrierungstermin untergebracht sind. Der findet in der Bundesallee statt, wo bisher etwa 100 Menschen pro Tag registriert werden können und deren Asylantrag bearbeitet wird.

Anders behandelt werden Geflohene, die mit Sonderzügen über Schönefeld eintreffen. Sie werden zukünftig mit Bussen aus ihrer Erstankunftsstelle in die Kruppstraße gefahren, wo sie registriert werden und danach selbstständig ihren Antrag auf Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellen können.

Und dann gibt es die sogenannten „Altfälle“, die vor dem 15. Oktober 2015 einen Zettel mit einer Wartenummer für ihre Registrierung vom Lageso in der Turmstraße bekommen haben. Das Lageso spricht von 5.300 Personen. Diese stehen noch immer Tag für Tag vor dem Haus und warten darauf, dass ihre Wartenummer angezeigt wird. Pro Werktag kann das Lageso höchstens 100 Personen mit Wartenummern aufrufen, Fotos von ihnen machen, Personalien aufnehmen und ihnen ein blaues Armbändchen mit Registrierungstermin in der Turmstraße aushändigen. Mit diesem könnten sie dann umsonst mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ihre Unterkunft zurückfahren.
Zur Personalien-Aufnahme muss jedes einzelne Familienmitglied anwesend sein, auch die noch so kleinsten Babys. Demensprechend werden bis Mitte Dezember tagtäglich auch Frauen und Kinder in der zunehmenden Kälte vor dem Lageso warten, bis ihre Nummer endlich auf der Anzeigetafel erscheint. 200 von ihnen können laut der Senatsverwaltung ab diesem Wochenende die Wartetafel in einem Nachbarhaus verfolgen. Doch die weiteren 5.000 Leute werden weiterhin im Freien warten müssen, ohne Armbändchen, mit dem sie kostenlos zu ihrer Unterkunft kämen.

„Ich habe eine Verletzung im Herz“

Zu „Altfällen“, die von Tag zu Tag im Kalten warten, gehört auch Samir aus Syrien. Heute steht er vor dem Lageso und hält ein selbstbeschriebenes Plakat in der Hand: „LAGESO: Vernachlässigung, Misswirtschaft, Korruption, schlechte Organisation, Mittel, keine Gerechtigkeit - $.“ Er erzählt, dass er seit einem Monat und fünf Tagen jeden Tag, bei jedem Wetter von acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends vor dem Landesamt auf seinen Registrierungstermin gewartet habe. Gestern habe er dann endlich sein blaues Registrierungstermin-Armband bekommen. Dabei sei jeder vergangene Tag verheerend, sagt Samir, da seine Familie so schnell wie möglich aus Damaskus nachkommen sollte. Seine Tochter habe Autismus und braucht dringend ärztliche Hilfe. Er dreht das Plakat um, man erkennt ein Monster, welches das Lageso symbolisiert und sagt: „Ich würde es lieben, dich weinen zu sehen, weil ich ein boshafter Mann bin.“ Samir verstehe nicht warum manche Geflohenen noch am gleichen Tag registriert werden und er über einen Monat nur auf seinen Registrierungstermin warten musste. „Ich habe eine Verletzung im Herz“, sagt Samir.

Der Vorstand von „Moabit Hilft“, der Freiwilligengruppe am Lageso, die Kleider-, Sach- und Hygieneartikelspenden entgegennimmt und die gesamte Freiwilligenarbeit in der Turmstraße koordiniert, sagt: „Wir müssen die Entwicklung des neuen Verfahrens an der Bundesallee abwarten.“ Die ersten Tage seien gut verlaufen, aber um die „Altfälle“ werde sich immer noch zu wenig gekümmert. Ihnen gebe „Moabit Hilft“ nach wie vor täglich Essen, warme Kleidung und Trinken.

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news-721 Wed, 14 Oct 2015 15:34:59 +0200 Weltweite Hungerwerte auf Niedrigstand presse/pressearchiv/archiv-detail-view/weltweite-hungerwerte-auf-niedrigstand.html Laut Welthunger-Index 2015 sind die Hungerwerte seit dem Jahr 2000 in den 177 untersuchten Ländern um 27 Prozent auf einen historischen Tiefpunkt gesunken. Bewaffnete Konflikte sind aber noch immer Haupt-Ursache für Hungersnöte und akuten Hunger. Von Annika Vogelbacher

Erfolge der Hungerbekämpfung sind deutlich zu verzeichnen, wie der diesjährige Welthunger-Index des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe mit dem Schwerpunktthema „Hunger und bewaffnete Konflikte“ belegt. Das Ende des Kalten Krieges, die Einführung internationaler Menschenrechtsstandards sowie die Globalisierung und die ausdauernde Arbeit von Entwicklungsorganisationen waren laut Welthungerhilfe Schlüsselfaktoren, die Indexwerte massiv zu verringern.

Nicht vergessen werden dürften aber, so Klaus von Grebmer vom International Food Policy Research Institut bei der Pressekonferenz des Welthunger-Index 2015, die aktuellen, Besorgnis erregenden Fakten:

795 Millionen Menschen sind derweil weiterhin von Hunger betroffen. Jedes vierte Kind weist Wachstumsverzögerung auf und jedes zehnte Kind ist unterernährt. Acht Länder befinden sich noch immer in einem sehr ernsten, 44 in einem ernsten Hungerstadium. Aus 13, vermutlich teils stark von Hunger betroffenen Ländern, liegen den Organisationen zudem keine verlässlichen Informationen bei. Unter diesen befinden sich beispielsweise die Demokratische Republik Kongo und Syrien. Ebenso zeige, so Grebmer, der jeweilige Indexwert nicht die innerländlichen oft beachtlichen regionalen Unterschiede auf.

Kriege – größte Hungertreiber

Die Erfolgszahlen sollten nun, so die Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann, den Entwicklungsorganisationen eine weitere Motivation sein. Die Zahlen würden belegen, dass sich der persönlicher Einsatz und die Risikobereitschaft ihrer Mitarbeiter rentieren. Jedoch müsse durchaus bewusst sein, dass ein einmal sicher geglaubtes Land durch eine Katastrophe oder einen Konflikt jeder Zeit zum Sorgenfall werden könne.

Kriege seien, so Dieckmann, die größten Hungertreiber. Für eine weitergehende Stabilisierung müssten nun vor allem von Seiten der Vereinten Nationen und der Europäischen Union ausreichende Finanzierungen und humanitäre Hilfe gewährleistet werden. „Es kann nicht sein, dass Zusagen gemacht werden und nichts passiert“, sagt Bärbel Dieckmann. Die verhandelten Mittel der Vereinten Nationen über die Ziele nachhaltiger Entwicklung (SDG’s) müssten eingehalten und Konflikte international vermieden werden.

Gefahr einer verlorenen Generation

Ebenso sei es von größter Wichtigkeit, Flüchtlingsunterkünfte nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch weltweit zu fördern. Die Präsidentin der Welthungerhilfe machte auf die Binnenvertriebenen aufmerksam, die den größten Teil der Flüchtlinge stellt. Sie seien oftmals verwitwete Frauen mit vielen Kindern, die physisch am Ende ihrer Kräfte seien und eine Flucht nach Europa nicht meistern könnten. Würden die Flüchtlingslanger weltweit nicht verbessert werden, werde „eine verlorene Generation heranwachsen“, so Bärbel Dieckmann, „die ohne Bildung und Aussichten wiederum eine für Extremisten verführbare Gruppe sein kann. Oder mit Gewalt auf die ihnen widerfahrene Ungerechtigkeit antworten wird.“

Eine Welt ohne Hunger sei erreichbar, sagt Klaus von Grebmer, aber nur, wenn auch die Staatengemeinschaft politische Lösungen liefere.



























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news-720 Tue, 13 Oct 2015 14:56:29 +0200 Die Globale Verantwortung in den Blick nehmen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-globale-verantwortung-in-den-blick-nehmen.html Das Bündnis Entwicklung Hilft nimmt Stellung zu den Herausforderungen und Anforderungen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise In der politischen Talkshow Anne Will vom 7. Oktober betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einmal ihr Statement zur aktuellen Flüchtlingskrise, die sie zuvor in ihrer Rede vor dem Europaparlament als „Bewährungsprobe historischen Ausmaßes“ für die Europäische Union bezeichnete. „Wir schaffen das“, so das Kredo der Kanzlerin.

Tatsächlich handelt es sich bei der Bewältigung dieser Krise um eine große Herausforderung. In Anbetracht von weltweit 60 Millionen Flüchtenden scheint die Zahl derer, die in Deutschland und der Europäische Union Schutz suchen, allerdings vergleichsweise gering.

Die Hauptlast liegt bei weitaus ärmeren Ländern

„Wie kleinmütig mutet da manche unserer Debatten zur Bewältigung der uns auf den Tisch gelegten aktuellen Aufgaben an, wenn man bedenkt – und darauf waren wir immer so stolz – welch wohl geordnetes und wohlhabendes Land wir doch sind im Vergleich zu denjenigen Ländern, die eben nach wie vor die Hauptlast der weltweiten Flüchtlingsaufnahme zu tragen haben“, sagt Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer für Internationale Zusammenarbeit bei Bündnis-Mitglied Misereor im Blog der Organisation.

Die Hauptlast der aktuellen Flüchtlingskrise tragen weitaus ärmere Länder als Deutschland, wie der Libanon oder Jordanien. So kommen im Libanon auf 1.000 Einwohner 232 Flüchtlinge, in Jordanien 87 und im Tschad 34. In Deutschland sind es laut aktuellen Schätzungen zum Ende des Jahres 2015 trotz der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen lediglich 18 pro 1.000 Einwohner.

Angesichts dieser verhältnismäßig geringen Belastung sagt Bröckelmann-Simon: „Wir schaffen das, wenn wir unsere Situation in Deutschland und Europa, die große Not in anderen Teilen dieser Welt und unsere gemeinsame globale Verantwortung in den Blick nehmen.“

Der Entwicklungspolitische Aspekt muss weiter in den Fokus

Auch das Mitglied Christoffel-Blindenmission (CBM) fordert mehr globale Verantwortung. „Aus Sicht der Christoffel-Blindenmission wird in der aktuellen politischen Diskussion rund um das Thema Flüchtlinge der entwicklungspolitische Aspekt noch zu wenig berücksichtigt. Langfristiges Ziel muss es sein, die Fluchtursachen direkt vor Ort zu bekämpfen und den Menschen in ihren Heimatländern ein sicheres Leben zu ermöglichen“, sagt CBM-Geschäftsführer Rainer Brockhaus. Er betont wie wichtig es sei, auch hierbei die besonderen Anforderungen von Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen. „Menschen mit Behinderungen leiden unter Krieg und Armut besonders, auch, weil sie oft nicht fliehen können. Wir fordern daher dazu auf, neben der wichtigen und richtigen Hilfe für Flüchtlinge hier in Deutschland direkt in den Entwicklungsländern anzusetzen.“

Gerade die Versorgung und Betreuung der Flüchtenden in den Aufnahme- und Transitländern bedarf großer Unterstützung. Deshalb engagiert sich das Bündnis Entwicklung Hilft und seine Mitgliedsorganisationen in mehr als 18 Ländern weltweit und leistet so seinen Beitrag für Menschen auf der Flucht. Weiterhin bleibt die Bekämpfung von Fluchtursachen vor Ort langfristiges Ziel des Bündnisses um den Menschen in ihren Heimatländern ein sicheres Leben zu ermöglichen.

Weitere Informationen zu den Projekten der Bündnismitglieder finden Sie hier.

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news-719 Wed, 07 Oct 2015 15:13:48 +0200 Eine Herausforderung für die Solidarität presse/pressearchiv/archiv-detail-view/eine-herausforderung-fuer-die-solidaritaet.html Wer an einem Strang ziehe, könne die Flüchtlingskrise lösen

Von Annika Vogelbacher

Einig darüber, dass Deutschland und Europa die aktuelle „Flüchtlingswelle“ meistern können, waren sich am 5. Oktober die Gäste bei der Diskussion des Aspen Institute Deutschland in Kooperation mit der Botschaft der Italienischen Republik. Aber nur, solange alle an einem Strang ziehen.

Unter dem Dach der Solidarität

Die Diskussion findet in der zukünftigen Flüchtlingskirche in Kreuzberg Mitte statt. Die zuständige Pfarrerin der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg begann den Abend mit einem Zitat des Matthäusevangeliums: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“ Fortan werden drei Mal pro Woche Beratungen zu Asylverfahren in der Flüchtlingskirche St.-Simeon-Kirche sowie ein interreligiöser Dialog stattfinden. Es sei an der Zeit, ein neues Europa zu bauen, sagt die Theologin.
Unter dem Titel „Sturm auf die Festung Europa – eine Herausforderung für die Solidarität!“ moderiert der Executive Director des Aspen Institute Deutschland Rüdiger Lentz die Veranstaltung.  

Der Botschafter der Italienischen Republik, Pietro Benassi, sagt, dass von einer Notlage nicht die Rede sein könne. Bereits nach dem arabischen Frühling seien bis 2012 mehrere Hunderttausend Flüchtlinge nach Europa gekommen. Man habe diese Zeiten gemeistert und müsse nun planend in die Zukunft schauen. Nur dann werde kein Land überfordert sein.

Das Glas ist immer noch halb voll

Schon vor zwei Jahren hätte Italien eine europaweite Asyldebatte gefordert. Trotz allem sei für Benassi „das Glas immer noch halb voll“. Eine Wertegemeinschaft der EU sei gefragt. Dabei sei es nicht angebracht, „Asylbewerber à la Card“ abzustempeln, womit er die Präferenz von bestimmten Ländern meint. Sondern es sei an der Zeit, ein gesamteuropäisches Asylsystem einzuführen. 0,1 Prozent der europäischen Bevölkerung seien Asylbewerber. Diese Zahl nicht meistern zu können, sei eine Ausrede.

Dass die Bereitschaft der EU-Länder über die Asylpolitik zu sprechen, in letzter Sekunde kam, bestätigt Elisabeth Kotthaus. Als stellvertretende Leiterin der Politischen Abteilung der Vertretung der Europäischen Kommission, sagt auch sie, dass es an der Zeit einer gemeinsamen Asylpolitik sei. Dabei erinnert sie an die Verträge der 28 Mitgliedsstaaten, in denen die Grundlage der Solidarität verankert ist. Besonders in der Entwicklungspolitik müsste ein Schwerpunkt gesetzt werden. So könnten Fluchtursachen vor Ort zu bekämpft werden.

Nicht nur ein europaweites Problem

Der Geschäftsträger der Botschaft der Republik Serbien, Boro Šuput stimmt ihr zu: „Die Ursachen müssen eliminiert werden.“ Serbien sei wie andere ärmere Transitländer auf Unterstützung angewiesen. Die Flüchtlingsströme dürften nicht nur als ein europäisches Problem gesehen werden. Šuput spricht von einem Weltproblem.

Laut Michael Tetzlaff, dem Unterabteilungsleiter Migration, Flüchtlinge, Europäische Harmonisierung, des Bundesministerium des Innern, stehe Deutschland vor einer gewaltigen Herausforderung. Pro Tag kommen derzeit 7.000 bis 10.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Das Bund, Länder und Kommunen hätten „eigentlich eine kleine Atempause nötig“, welche aber nicht in Sicht sei. Schon jetzt sei aufgrund der vielen Bewerber teils keine zeitige Registrierung mehr möglich. Das bringe laut Tetzlaff erhebliche Gefahren mit sich. Man wisse nicht, ob unter den Geflohenen auch Terroristen und Kriegsverbrecher seien. Medizinische Untersuchungen auf ansteckende Krankheiten, könne man momentan nicht auch nicht mehr vorschriftsgemäß durchführen. Er beteuert mehrmals, nicht im Allgemeinen zu sprechen. Deutschland als „Einwanderungsland“ zu bezeichnen, stehe er aber trotzdem kritisch gegenüber. Es gäbe teils zu wenig Engagement der Asylbewerber, deutsche Werte zu verinnerlichen.

Militarisierung der Politik

Durch den Sicherheitsdiskurs der Politiker, würden laut Harald Glödes, Mitglied des Vorstands, „borderline-europe – Menschenrechte ohne Grenzen“, Ängste in der Bevölkerung geschürt. Zu deren Vorwürfen gäbe es keinerlei Ansatzpunkte. Die Bedenken, dass die Geflohene sich deutsche Werte nicht aneignen wollen, seien unsinnig. Gesellschaftliche Werte würden sich über die gesamte Gesellschaft definieren, nicht nur über die deutsche. Außerdem kritisiert er eine „Militarisierung der Politik“.

Abschließend beteuern alle Beteiligten, dass Europa und Deutschland die Herausforderung der „Flüchtlingskrise“ meistern könnten. Anti-IS Kämpfe und ärmere Transitländer müssten unterstützt werden. Und Deutschland sei weiterhin auf das große freiwillige Engagement der Bevölkerung angewiesen. Hier müsse nun in Kitas, Schulen, Integrationskurse und Gesundheit investieret werden.
 


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news-718 Thu, 01 Oct 2015 12:53:01 +0200 Die Geschichte der #Grenzgänger http://www.entwicklung-hilft.de/fileadmin/user_upload/News/flucht/_Grenzg%C3%A4nger.pdf Mit dem Projekt #Grenzgänger haben Hannah Pool und Felix Volkmar Flüchtlinge auf ihrem Weg von Griechenland bis nach Deutschland begleitet. news-716 Tue, 29 Sep 2015 18:17:19 +0200 „Home ist the best“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/home-ist-the-best.html Das Bündnis Entwicklung Hilft begleitet Flüchtlinge in Berlin Von Annika Vogelbacher

Am Fernbahnhof Berlin Schönefeld sollen am Montag, dem 28. September, um 12.46 Uhr zwei Sonderzüge aus Salzburg mit Flüchtlingen eintreffen. Wie viele es genau sein werden, könne man nicht sagen, so die Berliner Feuerwehr. Es gäbe immer wieder Zwischenfälle, die die Anzahl der Ankommenden veränderten. 470 waren jedenfalls geplant.

Der erste Zug trifft ein und es steigen überraschend Familien mit Kleinkindern und Babys aus. Von der großen Freude, in Deutschland angekommen zu sein, ist nicht viel zu sehen. Die Gesichter der Erwachsenen zeugen von Erschöpfen und Verunsicherung; es gibt zunächst keine klare Anweisung der Polizei. Was nun? Zwei Männer mit einem selbstbeschriebenen „Refugees Welcome“- Banner stehen am Bahnhof, worauf sich die Gesichter der Geflohenen aufhellen. Freiwillige Helfer pusten Gummihandschuhe zu Luftballons auf, geben sie den Kindern und eine Privatperson verteilt Schokoriegel.

Einen Monat lang auf der Flucht

In einer großen Familiengruppe läuft die 16-jährige Noof Hand in Hand mit ihrer Cousine den Bahnstieg entlang. Sie spricht Englisch. Mit ihrer Familie floh sie vor einem Monat aus Syrien. Ich darf sie begleiten. Wir laufen einer Gruppe hinterher und stellen uns in eine lange Schlange, die vorbei an einem Stand der Bundeswehr und freiwilligen Helfern mit Wasser, Snacks, Babynahrung und Bananen zum Ausgang führt.

Eine freiwillige Helferin in einem „Refugees Welcome“ T-Shirt erzählt, dass die Situation  ohne Spenden und Freiwillige nicht meisterbar wäre. Zu wenig sei von der Bundeswehr gestellt worden, vor allem an Windeln fehle es. Auch an der Koordinierung hapere es. Zum Beispiel sei auf den Wunsch hin, Babynahrung zu liefern, von der Bundeswehr Babymilchpulver gebracht worden, das mit heißem Wasser angerührt werden muss, welches es auf dem Bahnhof nicht gibt.
Am Ende der Schlange werden auf Arabisch und Kurdisch Anweisungen in ein Megaphon gerufen. Vor den Bussen regeln Polizei, Feuerwehr, Innenministerium und Katastrophenschutz den Ablauf. Sie versichern mir, dass falls in dem letzten Bus noch Plätze frei sind, ich mit zum Olympiapark fahren könne.

Sieben Tag zu Fuß unterwegs

Nach circa zwei Stunden in der Schlange können Noof und ihre 24 Familienmitglieder schließlich in den letzten Bus steigen, der von Polizei eskortiert wurde. Auch für mich ist noch Platz. Die Geflohenen bekommen keinerlei Information, wie lange sie unterwegs sein werden oder wohin sie fahren.
Noof - mit ihrem acht Monate alten Cousin Immad auf dem Schoß - fängt an zu erzählen, dass sie und ihre Familie vor einem Monat aufgrund des Krieges aus Damaskus geflohen seien. Sie waren mit dem Zug, Bus, in einem 65-Mann-Boot und sieben Tage zu Fuß unterwegs. Auf die Frage, ob sie froh sei, endlich in Deutschland zu sein, verdunkelt sich ihr Gesicht: „No. Syria. Home ist the best.“ Als ich nach ihren Eltern frage, sagt sie traurig, dass diese in der Türkei feststecken würden. Sie hoffen, Immads Zwillingsbruder wiederzutreffen, der anscheinend schon mit einem anderen Teil der Familie in Deutschland sei. Ein Cousin zeigt mir eine Adresse in Singen bei Stuttgart und fragt, wie viele Kilometer es nach dort seien.

Die etwa zehnjährigen Cousins schlafen übereinander gekauert, worauf ihr Vater mich lachend ruft, um Bilder von ihnen zu machen. Als der Bus dann an einem Poster mit zwei nackten Frauen vorbeifährt, springen die anderen Jungen schreiend auf und wecken sie. Alle lachen.
Nach einer Stunde Fahrt kommt der Bus schließlich an einer Halle des Olympiastadiums an und Polizisten bitten Noof, den anderen zu übersetzten, dass sie im Bus warten sollen, bis die Busse vor ihnen in die Unterkunft gebracht worden sind.

Auf dem Gelände der Halle stehen Bundeswehrsoldaten, manche spielen mit den Kindern. Am „Infopoint“ werde ich von der Managerin aufgehalten, die mit ihrem Chef telefoniert und mit ihm vereinbart, dass ich eventuell nach vorheriger Anmeldung an einem anderen Tag wiederkommen könne, insofern mich jemand über das Gelände führt. Es kämen viele Islamistengruppen, die versuchen würden, die Geflohenen zu radikalisieren. Ob sie mich dazu zählt?

Immerhin. Noof und ihre Familie können nach einer weiteren Stunde im Bus aussteigen und werden nun wahrscheinlich registriert.

Unter dem Stichwort „Hilfe für Flüchtlinge“ bittet Bündnis Entwicklung Hilft um Spenden für Menschen auf der Flucht. Spenden und helfen Sie jetzt!

 

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news-715 Mon, 28 Sep 2015 16:30:26 +0200 Einigung auf Agenda 2030 in New York presse/pressearchiv/archiv-detail-view/einigung-auf-agenda-2030-in-new-york.html Am vergangenen Wochenende wurden bei den Vereinten Nationen in New York die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele verabschiedet Von Catalina Langer

Mehr als 150 Staats- und Regierungschef haben sich auf eine Agenda 2030 geeinigt und diese am Wochenende gemeinsam verabschiedet. Die Sustainable Development Goals sind die Nachfolger der Millennium Development Goals und sollen bis 2030 erreicht werden. Im Gegensatz zu den 8 MDGs gibt es 17 Ober- und 169 Unterziele, die in einem fast zweijährigen Konsultations- und Verhandlungsprozess erarbeitet worden sind.

Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe bewertet die 17 Ziele als wesentlich ambitionierter als ihre Vorgänger, da sie Umweltziele, soziale und wirtschaftliche Ziele in einem Dokument vereinigen. Die 17 Ziele beziehen sich dieses Mal nicht nur auf die armen Regionen, sondern auch auf die reichen Länder. Auch Deutschland wird in vielen Hinsichten Verbesserungen durchführen müssen, um die Ziele zu erreichen.

Auch Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, ist optimistisch gestimmt: „Wenn dieses Verhandlungsergebnis nicht geduldiges Papier bleibt, sondern mit Leben erfüllt würde, bestünde die Chance, den Hunger bis 2030 ganz aus der Welt zu schaffen“. Trotzdem sieht Bündnis-Mitglied Brot für die Welt auch „Knackpunkte“ bei dem Erreichen der SDGs, da viele Punkte wie zum Beispiel die Finanzierung der Erreichung der Ziele noch offen seien.

Sustainable Development Goals mit Leben füllen

Bündnis-Mitglied Misereor fordert konkret die deutsche Bundesregierung zu einer Umsetzungsstrategie für die SDGs auf, da auch die eigene Wirtschafts- und Investitionspolitik zu Armut und Ungerechtigkeit führt. Auch Bündnis-Mitglied terre des hommes fordert seitens der Bundesregierung eine Nachhaltigkeitsstrategie, die  „… im Sinne  zukünftiger Generationen eine Art Nachhaltigkeits- und Menschenrechts-TÜV beinhaltet“. Vorstandsvorsitzende Danuta Sacher forderte, dass die Agenda 2030 eine Zukunftsagenda für Kinder und zukünftige Generationen sein muss, damit Kinder vor Armut, Gewalt und Ausbeutung geschützt werden können.

Rechte von Kindern stärken

Ebenso äußerte sich Bündnis-Mitglied Kindernothilfe zu den 17 Zielen. Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann lobte die Verbesserungen für das Wohl der Kinder, die durch die MDGs schon erreicht wurden, verwies aber auf die 569 Millionen Mädchen und Jungen, die noch in extremer Armut leben. 
Die Kindernothilfe sieht in den Nachhaltigen Entwicklungszielen aber eine Chance, „… die Rechte von Kindern endlich weltweit umzusetzen“.

Starke Kritik an den SDGs übt Bündnis-Mitglied medico international. Die Ziele würden sich teilweise gegenseitig aufheben und ein System unterstützen, „das Armut immer wieder systematisch produziert“, so Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) begrüßt die Agenda, denn erstmals sind in globalen Entwicklungszielen Menschen mit Behinderungen ausdrücklich berücksichtigt. Michael Herbst, Leiter der politischen Arbeit der CBM erklärt: „Das ist ein toller Erfolg – auch dank unserer Arbeit. Für dieses Ergebnis hat die CBM von Anfang an gekämpft. Am Ende war es bei den heutigen Verhandlungen in New York selbstverständlich, dass die Agenda inklusiv für Menschen mit Behinderungen sein muss.“


Trotz aller Kritikpunkte sehen fast alle Bündnis-Mitglieder die Verpflichtung für Entwicklungs- aber auch Industrienationen als positiven Schritt zu einer nachhaltigeren und gerechteren Entwicklung für die Zukunft.


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news-714 Fri, 18 Sep 2015 16:31:40 +0200 Bundesweite Aktionen zum Weltkindertag presse/pressearchiv/archiv-detail-view/bundesweite-aktionen-zum-weltkindertag.html Büdnis-Mitglied terre des hommes appelliert an Bundesregierung und Bundesländer Am 20. September 2015 ist der Weltkindertag und zu diesem Anlass macht das Bündnis-Mitglied terre des hommes auf die große Anzahl von Kindern unter den weltweit 60 Millionen Flüchtlingen aufmerksam. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge seien nach Angaben von terre des hommes Kinder und Jugendliche. Wie allen Kindern weltweit garantiert die UN-Kinderrechtskonvention auch den minderjährigen Flüchtlingen Rechte, wie zum Beispiel Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

terre des hommes unterstützt national und international viele Projekte zum Schutz von Flüchtlingen und setzt sich in Deutschland stark für eine professionale Behandlung für traumatisierte Flüchtlingskinder ein. Mit einem energischen Aufruf richtet sich Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes, an die Bundesregierung aber auch an die Bundesländer: „Wir appellieren an die Bundesregierung und die Bundesländer, Flüchtlingskindern den gleichen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, den deutsche Kinder haben.“

Das Deutsches Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland veranstalten jährlich zum Weltkindertag Initiativen in ganz Deutschland, um auf die Rechte von Kindern aufmerksam zu machen. In Berlin und Köln wird es die größten Kinderfeste geben zu denen rund 200.000 Besucher erwartet werden.

Nähere Informationen zu den Projekten von terre des hommes und dem Weltkindertag 2015.

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news-713 Thu, 17 Sep 2015 14:28:21 +0200 Starkes Erdbeben vor Chiles Küste presse/pressearchiv/archiv-detail-view/starkes-erdbeben-vor-chiles-kueste.html Regierung ordnete die Evakuierung der Küstenregionen wegen Tsunamiwarnung an Von Catalina Langer

Ein Erdbeben mit einer Stärke von 8,3 auf der Richterskala ereignete sich gegen 20 Uhr, Donnerstag, 17. September 2015, 00.54 Uhr MESZ, Ortszeit auf der Höhe der Stadt Illapel. Küstenstädte wurden durch das Beben und hohe Wellen beschädigt, in vielen Orten kam es zu Überflutungen. Mehr als eine Millionen Menschen in den Küstenregionen mussten wegen akuter Tsunamigefahr und heftigen Nachbeben ihre Häuser verlassen. Auch in der Hauptstadt Santiago war das Beben zu spüren, viele Menschen rannten in Panik auf die Straße. Die Regierung sprach von fünf Toten, viele Menschen wurden in Folge schwerer Überflutungen von Wohnvierteln in den Küstenregionen verletzt.

Ebenfalls wurden für die Küsten der US-Bundesstaaten Kalifornien und Hawaii, sowie für die Küste von Französisch-Polynesien Tsunamiwarnungen herausgegeben. Die vielen Lehmhäuser in den Küstenstädten wurden durch die starken Wellen und Überflutungen beschädigt und teilweise ganz zerstört. Teilweise kam es zu Stromausfällen. Das Beben ruft bei den Bewohnern der Küstenregionen die Erinnerung an das starke Erdbeben und den anschließende Tsunami aus dem Jahre 2010 wach, bei dem mehr als 700 Menschen ums Leben kamen.

Das Bündnismitglied medico international ist mit seiner Partnerorganisation CODEPU vor Ort in Kontakt und wird die Situation weiter beobachten und bei Bedarf Nothilfe in Zusammenarbeit mit dem Projektpartner leisten. In Kontakt mit den Koordinatoren der Partnerorganisationen „La Caleta“ und „Raices“ ist auch das Bündnismitglied terre des hommes. Bei Bedarf werden auch sie Nothilfe mit den Projektpartnern leisten. Das Bündnismitglied ist mit seiner Partnerorganisation in den Städten Valparaíso und Lota im Kontakt, plant zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch keine Nothilfe.












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news-712 Mon, 07 Sep 2015 12:33:14 +0200 Start der WhatsApp-Kampagne #Grenzgänger presse/pressearchiv/archiv-detail-view/start-der-whatsapp-kampagne-grenzgaenger.html Live-Nachrichten von den Fluchtwegen in Europa direkt auf das Smartphone

Von Catalina Langer

Gemeinsam für Menschen in Not - mit dieser Motivation macht das Bündnis Entwicklung Hilft auf die Not der Flüchtlinge aufmerksam. Das Leid der Menschen in ihren Herkunftsländern ist unvorstellbar, aber auch der Weg in eine bessere Zukunft. Diesen Weg beschreiten die #Grenzgänger gemeinsam mit den Flüchtlingen. Via WhatApp können Interessierte an der Reise von Hannah und Felix teilhaben. Die Route führt sie von Griechenland bis nach Ungarn. Die #Grenzgänger werden in den Zügen und Fähren mit den Flüchtlingen fahren, das Treiben an offiziellen und nicht offiziellen Grenzübergängen dokumentieren und über die Situationen vor Ort berichten. Die exklusiven Fotos, Filme und Geschichten der Flüchtlinge und Eindrücke von den Stationen der Flüchtlingsrouten sind direkt über WhatsApp zu sehen. Alle Erlebnisse und Eindrücke von Hannah und Felix werden live verschickt.

Wer sind die #Grenzgänger?

Hannah ist eine freiwillige Helferin und Felix ein Fotograf, der bei Reporter ohne Grenzen gearbeitet hat. Hannah (23) hat im Rahmen ihres Studiums "Internationale Beziehungen" an der TU Dresden zwei Auslandssemester an der Universität Teheran studiert und dort Farsi und Dari gelernt. Auf der Reise übersetzt sie und kann so den Afghanen und Iranern in ihrer Landessprache helfen. Felix (22) studiert an der Uni Marburg Friedens-und Konfliktforschung. Dokumentationsreisen führten ihn bisher nach Ruanda, Marokko, Aserbaidschan, in den Iran und die Türkei.

Wo halten sich Hannah und Felix auf?

Hannah und Felix sind zusammen mit syrischen Flüchtlingen von der Insel Kos aus mit der Fähre nach Athen gefahren. Im Anschluss werden sie mit dem Bus nach Thessaloniki reisen und einen Tag später die mazedonische Grenze erreichen, wo sie die Situation an offiziellen und inoffiziellen Grenzübergängen dokumentieren können. Mit dem Zug geht es anschließend auf die dreitägige Reise nach Budapest durch Mazedonien.

Seit Sonntag, den 06.09.2015, sind unsere Grenzgänger unterwegs und werden voraussichtlich eine Woche lang live von ihrer Reise berichten.

Um ein Teil von #Grenzgänger zu werden, muss man nur die Handynummer +491516 4543190 unter #Grenzgänger im Telefonbuch des Smartphones speichern und eine WhatsApp-Nachricht mit „Ich bin dabei“ an die genannte Nummer verschicken. Schon können die Live-Nachrichten von Hannah und Felix empfangen werden.

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news-711 Thu, 03 Sep 2015 14:17:08 +0200 Ermutigende Spendenbereitschaft für Flüchtlinge presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ermutigende-spendenbereitschaft-fuer-fluechtlinge.html Auf der Pressekonferenz „Hilfe für Menschen auf der Flucht“ der Bundespressekonferenz lobten die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft das große Engagement der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen. Flucht und Migration stellen Europa vor neue Herausforderungen. Unvorstellbar ist das Leid von Millionen Menschen in ihren Herkunftsländern wie auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Statt Abschottung muss eine neue Migrations- und Asylpolitik erarbeitet werden, die auch die Ursachen für Flucht und Vertreibung stärker in den Mittelpunkt stellt.  Darin waren sich die Vertreter des Bündnis Entwicklung Hilft auf der Pressekonferenz „Hilfe für Menschen auf der Flucht“ am 3. September einig. Die Bundespressekonferenz in Bonn hatte zu diesem Termin eingeladen und vier der sieben Mitglieder des Hilfswerkes auf dem Podium präsentiert.

Persönliches Engagement und Spendenbereitschaft

Seit dem 27. August 2015 bittet Bündnis Entwicklung Hilft unter dem Stichwort „Hilfe für Flüchtlinge“ um Spenden für die betroffenen Menschen. Hierbei wird das Bündnis erneut hervorragend durch Spendenaufrufe von der ARD unterstützt und kann so mit allen Mitgliedern und deren lokalen Partnern in mehr als 18 betroffenen Transit- und Aufnahmeländern Not lindern. Etwa 610.000 Euro erhielt das Bündnis seit rund einer Woche an Spendengeldern für die Hilfe von Flüchtlingen, eine ermutigende Summe. Simone Pott von der Welthungerhilfe und Vorstandsvorsitzende des Bündnis Entwicklung Hilft sagte: „Besonders in den Nachbar- und Transitländern sind wir und unsere Partnerorganisationen dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um die Menschen mindestens notdürftig versorgen zu können.“

Ein Ende der Not kann nur erreicht werden, wenn die Ursachen bekämpft werden. Hier ist die Entwicklungshilfe ebenso gefordert wie die Politik. „Die EU hat eine Milliarde Euro für das sogenannte Flüchtlingsmanagement angeboten. Das ist ein Hohn und geht an dem, was zu tun wäre, vorbei“, sagte Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international.

Insbesondere Schutz für Kinder und Jugendliche

Als regelrecht beschämend bezeichnete Danuta Sacher die Sperrung von Grenzen innerhalb Europas mittels Mauern und Stacheldraht. Die Vorstandsvorsitzende des Kinderhilfswerkes terre des hommes drängte darauf, sofort humanitäre Korridore zu öffnen und erinnerte an die Verpflichtung der Staaten Europas, insbesondere Kinder und Jugendliche zu schützen. Sie sagte: „Nach geltendem Völkerrecht haben Flüchtlingskinder dieselben Rechte wie einheimische Kinder. Dass wir diesen Kindern angemessenen Zugang zu Gesundheit, Bildung und Wohnen ermöglichen, entscheidet über ihre ganze weitere Zukunft und auch über die Integrationschancen in ihrem Gastland.“

Das Schicksal von Kindern und Jugendlichen auf der Flucht schilderte Angelika Böhling von der Kindernothilfe eindrucksvoll. Sie kehrte erst vor einer Woche von einer Reise in den Libanon zurück; ein Land, in dem fast zwei Millionen syrische Flüchtlinge leben und damit ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Angelika Böhling sagte: „Die Bedingungen, unter denen die Flüchtlingsfamilien im Libanon leben sind absolut schwierig. Es gibt keine staatliche Förderung, kaum Arbeit und die Unterkünfte sind eine Katastrophe. Hunderttausende Kinder gehen weder zur Schule noch haben sie einen Platz zum Spielen und Lernen. Wir dürfen nicht zusehen, wie eine ganze Generation ohne Zugang zu Bildung aufwächst. Der Libanon und die anderen Anrainerstaaten brauchen dringend mehr Unterstützung durch die EU.“

Hinweise an Redaktionen:  

•    Weitere aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite www.entwicklung-hilft.de.
•    Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.
•    Eine Karte mit allen Projekten der Bündnis-Mitglieder stellen wir gern zur Verfügung.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
Tel.: 030 / 278 77 393
presse@entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-710 Fri, 28 Aug 2015 15:55:41 +0200 Hilfe für Menschen auf der Flucht presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hilfe-fuer-menschen-auf-der-flucht.html Pressekonferenz am 03. September 2015 in Bonn Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen einer Bundespressekonferenz in Bonn informieren wir über die aktuelle Situation von Flüchtlingen auf allen Stationen der Flucht. Wir möchten Sie über die Zustände in den diversen Herkunfts- und Transitländern informieren sowie über die konkrete Hilfe der Bündnis-Mitglieder.

Podium
•    Angelika Böhling, Kindernothilfe – sie hat bis vor einem Tag Flüchtlinge im Libanon besucht.
•    Thomas Gebauer, medico international – er fordert einen Kurswechsel in der europäischen Flüchtlingspolitik.
•    Simone Pott, Welthungerhilfe – über die derzeitige Spendenbereitschaft und die Projekte des Bündnis Entwicklung Hilft in Transit- und Aufnahmeländern.
•    Danuta Sacher, terre des hommes – etwa 110.000 Flüchtlingskinder in Deutschland werden von terre des hommes unterstützt.

Leitung: Clemens-Christian Makosch

Am: Donnerstag, 03. September 2015, 11.00 Uhr.

Ort: Bundespressekonferenz Außenstelle Bonn, Pressesaal des Presse- und Informatinsamtes der Bundesregierung, Welckerstraße 11, 53113 Bonn

Zutritt zu den Pressekonferenzen haben generell nur die Mitglieder der Bundespressekonferenz sowie des Vereins der Auslandspresse in Deutschland (VAP). Ausnahmen sind möglich. Anfragen mit Name,
Redaktion und PK-Termin bitte an: bonn@bundespressekonferenz.de.

Im Anschluss an die Pressekonferenz stehen die Podiumsgäste gerne für Interviews zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und bitten Sie um vorherige Anmeldung.


Rückfragen und Interviewwünsche bitte an:

Melanie Huber, Pressesprecherin Bündnis Entwicklung Hilft

Tel. +49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-604 Thu, 27 Aug 2015 16:09:00 +0200 Spendenaufruf mit der ARD presse/pressearchiv/archiv-detail-view/spendenaufruf-mit-der-ard.html Gemeinsame Bitte um Hilfe Bei großen Katastrophen rufen das Bündnis Entwicklung Hilft und Aktion Deutschland Hilft in der ARD gemeinsam zu Spenden auf. Die Spendenkontonummer lautet: DE53 200 400 600 200 400 600. Ziel der Kooperation ist es, in Not- und Katastrophensituationen gemeinsam über die ARD Spenden zu sammeln, um notleidenden Menschen schnell und nachhaltig helfen zu können. Die Entscheidung für die Schaltung von Spendenaufrufen liegt bei der ARD.

Die auf dem gemeinsamen Konto eingegangenen Spenden werden nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel auf die beiden Bündnisse aufgeteilt.

Die Spenderin bzw. der Spender erhält eine Spendenquittung von dem Bündnis, dem seine Spende auf Basis einer Zufallsverteilung zugeordnet wurde. Die Bündnisse leiten ihren Anteil an Spendengeldern dann jeweils an ihre Mitgliedsorganisationen für Projekte in den Krisengebieten weiter. Beide Kooperationspartner haben sich dazu verpflichtet, dass der Verwaltungs- und Werbekostenanteil des jeweiligen Bündnisses und der Mitgliedsorganisation, die die Spende einsetzt, zusammengerechnet zehn Prozent der Spendensumme nicht überschreiten darf. Über die Verwendung der Spenden und die finanzierten Hilfsmaßnahmen geben beide Organisationen in ihren Jahresberichten Auskunft.

Herzlichen Dank an die ARD!

Die ARD erreicht mit ihren Programmen viele Menschen in Deutschland. Durch die Spendenaufrufe im Falle großer humanitärer Katastrophen für die kooperierenden Bündnisse “Aktion Deutschland Hilft“ und „Bündnis Entwicklung Hilft“ wird die Möglichkeit geschaffen, Menschen in Not durch gemeinsame Hilfe aus Deutschland schnell und effektiv zu helfen. Die Unterstützung seitens der ARD, Menschen in Not durch Spendenaufrufe im Fernsehen und auch im Internet zu helfen, kann nicht wichtig genug bewertet werden. Deshalb möchten wir uns, auch im Namen aller Betroffenen von humanitären Katastrophen weltweit, denen mit diesen Spendengeldern geholfen werden kann, ganz herzlich für die Unterstützung bedanken!

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news-709 Thu, 27 Aug 2015 14:17:12 +0200 Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Hilfe für Flüchtlinge presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-entwicklung-hilft-bittet-um-hilfe-fuer-fluechtlinge.html Legalität und Rechte für Menschen auf der Flucht Das Aufzeigen von Fluchtursachen, humanitäre Hilfe in Transitländern, die Unterstützung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland oder Rettung aus der Seenot – das Thema Flucht ist umfassend; eine übergreifende Aufgabe, die ein Bündnis fordert. Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft nehmen hierbei den kompletten Zyklus einer Flucht in den Blick und leisten mit lokalen Partnern Hilfe weltweit.

Unter dem Stichwort „Hilfe für Flüchtlinge“ bittet Bündnis Entwicklung Hilft um Spenden für die betroffenen Menschen. Hierbei wird das Bündnis, gemeinsam mit Aktion Deutschland Hilft, durch Spendenaufrufe von der ARD unterstützt.

Gezielt, schnell, langfristig: die Arbeit des Bündnis Entwicklung Hilft

Neben umfassenden Anstrengungen gegen Armut und Flucht fokussieren sich die Bündnis-Mitglieder auf Projekte zur gezielten und schnellen Hilfeleistung, in zahlreichen  Herkunftsländern wie beispielsweise Mali, dem Irak oder Südsudan, in Aufnahmeländern wie zum Beispiel der Türkei, in Jordanien oder dem Libanon und in den Transitländern. Die Organisationen unterstützen die Flüchtlinge unter anderem mit Rechtsberatung oder Dolmetschern, mit Nahrung und Hygieneartikeln. Das Mitglied terre des hommes erreicht aktuell allein etwa 110.000 Flüchtlingskinder in Deutschland und hilft beispielsweise mit Bildungsangeboten, Traumabehandlung sowie Begleitung bei Asylverfahren. Die Legalisierung der Situation von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, ist dem Bündnis Entwicklung Hilft dabei ein wichtiges Anliegen.

Bitte unterstützen Sie diese Arbeit mit Ihrer Spende.

Spendenkonto:
Stichwort: Hilfe für Flüchtlinge
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX
Bank für Sozialwirtschaft

Hier geht es zur Online-Spende

Hinweise an Redaktionen:  
•    Weitere aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite www.entwicklung-hilft.de.
•    Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
Tel.: 030 / 278 77 393
presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de


Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-708 Wed, 26 Aug 2015 11:39:08 +0200 „Zeit zu reden“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/zeit-zu-reden.html Internationale Kampagne zur Befragung von Kinderarbeitern gestartet Die Bündnis-Mitglieder Kindernothilfe und terre des hommes beteiligen sich mit Save the Children und anderen internationalen Organisationen an der Kampagne „Zeit zu reden“ -
 in Vorbereitung auf die Weltkonferenz zum Thema Kinderarbeit im Jahr 2017. Wenn in zwei Jahren die Weltkonferenz in Argentinien stattfindet, sollen auch die Kinder und Jugendliche mit einbezogen werden, die tatsächlich von der Kinderarbeit betroffen sind.

Im Zuge dieser Kampagne werden weltweit arbeitende Kinder und Jugendliche in Afrika, Lateinamerika und Asien über ihr Leben, ihre Probleme, Meinungen und Wünsche befragt. „Jeder Schritt dieser Befragung wird durch Kinder-Komitees begleitet, die uns beraten, damit die Perspektive der arbeitenden Mädchen und Jungen im Mittelpunkt steht“, erklärt Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes. In den vergangenen Weltkonferenzen zum Thema Kinderarbeit kamen die betroffenen Kinder und Jugendliche nicht zu Wort. „Dabei sind es doch die Kinder und Jugendlichen, die ihre Situation am besten kennen und vielfach ganz konkrete Verbesserungsvorschläge haben“, bemängelt Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, diesen Umstand.

Die Ergebnisse der Befragungen werden 2017 in einer Studie gemeinsam mit den Kindern veröffentlicht und in die internationale Debatte von Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft im Rahmen der Weltkonferenz mit einbezogen.

Nähere Informationen zu der internationalen Kampagne „Zeit zu reden“ („Time to talk“) gibt es hier  und auf den Seiten von terre des hommes und der Kindernothilfe.

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news-707 Mon, 24 Aug 2015 15:30:07 +0200 Neue Chance für Sri Lanka: Wahlausgang kann Neubeginn einläuten presse/pressearchiv/archiv-detail-view/neue-chance-fuer-sri-lanka-wahlausgang-kann-neubeginn-einlaeuten.html Die Wahlen in Sri Lanka haben dem Ex-Präsidenten Mahinda Rajapaksa gezeigt, dass das Land in Richtung Demokratisierung zum Vorteil der ethnischen und religiösen Minderheiten schreiten möchte. In unserem Interview mit dem Südasienreferenten Thomas Seibert vom Bündnis-Mitglied Medico bezieht er Stellung zur aktuellen Lage, zum nötigen Wandel in Sri Lanka und erklärt, inwiefern die Partnerorganisationen von Medico in diesen Prozesse eingebunden sind. Wurde  seit der Annahme der UN-Resolution 19/2 im Jahr 2012 schon an der Aufklärung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit gearbeitet oder wird das erst jetzt mit dem neuen Premierminister Ranil Wickremesinghe passieren?

Thomas Seibert: Es gibt jetzt überhaupt erst die Chance für einen ernst zu nehmenden Aufarbeitungsprozess in Sri Lanka. Bei dem, was bisher geschah, war überhaupt nur eines bemerkenswert: der Umstand, dass so viele betroffene Tamilen trotz ihres Wissens um den Schein-Charakter der „Lessons learnt and Reconciliation Commission“ an den Befragungen teilgenommen haben. Das belegt, dass die Betroffenen aussagen, Zeugnis ablegen möchten und dazu auch den Mut haben.

Die neue Regierung wird daran anknüpfen, und sie wird ernsthafte Angebote machen müssen. Solange das nicht der Fall ist, braucht es Druck von außen. Allerdings muss und kann der Premierminister jetzt direkten Bezug auf Akteure im Land nehmen – und damit Abstand von einer Politik der Resolutionen nehmen, die auf zweifelhafte Unterstützung wie etwa die der USA angewiesen ist.

Wie genau betreibt die medico-Partnerorganisation SEED in Sri Lanka die Wiederansiedlung kriegsvertriebener Tamilen? Welche Änderungen wird es durch den Wahlausgang bei dieser Arbeit geben?

Thomas Seibert: SEED ist keine übliche NGO, sondern achtet in ganz besonderer Weise darauf, dass die Rücksiedlungsprojekte wirklich im Eigentum und unter der Selbstbestimmung der Leute organisiert werden, um die es geht. Der Wiederaufbau der Dörfer Kallikulam und Chemamadu in der Nähe Vavuniyas geschieht tatsächlich in Eigenregie der Selbsthilfeorganisationen ihrer Bewohner: soweit das unter den Bedingungen des Nachkriegs und der Armut und in der tiefen Krise der tamilischen Gesellschaft möglich ist. Die Grenzen, die der Selbstermächtigung gezogen sind, bleiben trotzdem enge Grenzen.

Die Hauptlast der Arbeit vor Ort tragen die Frauen, weil die Männer frühmorgens zu Fuß in die Stadt ziehen, um sich als Tagelöhner zu verdingen. Es fehlt zum Beispiel an ausreichend starken Befestigungen, um die wilden Elefanten daran zu hindern, immer wieder Gärten und Felder zu verwüsten. Schulbildung, Gesundheitsversorgung – das alles ist äußerst prekär, und übersteigt die Möglichkeiten einer Organisation von SEED.

Der Demokratisierungsprozess, die Beseitigung von Korruption und Gewalt, ein gleicher Zugang zur Bildung für alle und andere Aufgaben werden eine große Herausforderung für die neue Regierung in Sri Lanka- in welcher Art und Weise werden die Partnerorganisationen von medico international in diesen Prozessen eingebunden sein bzw. unterstützende Hilfe leisten?

Thomas Seibert: SEED versteht sich nicht nur als Hilfsorganisation, sondern auch als Kraft der Herausbildung einer starken tamilischen Zivilgesellschaft. Je in ihrer Position arbeiten die anderen medico-Partner – meist Menschenrechtsaktivisten – in ähnlicher Perspektive. Deshalb gehören einige von ihnen auch zu den Initiatoren des ja doch sehr heterogenen Bündnisses, das jetzt die Wahlen gewonnen hat.

Alle sind sich einig, dass es nicht reicht, nur eine gute soziale Arbeit zu tun, sondern dass man politisch werden und sich dann auch in Parteipolitik einmischen muss: auch wenn man aus der sozialen Arbeit kommt und da auch bleiben will.

Wie sehen Sie die nötige Kooperation von dem singhalesischen Politiker Ranil Wickremesinghe und der Tamil National Alliance (TNA), die jetzt drittstärkste politische Kraft ist? Gerade im Umland der tamilischen Stadt Vavuniya wurden die Tamilen durch die Anwesenheit des singhalesischen Militärs bedrängt und bedroht, was das Verhältnis zwischen Singhalesen und Tamilen verschärfte.

Thomas Seibert: Der Norden und Osten sind noch immer militärisch besetzt, noch immer werden fünf Tamilen von einem singhalesischen Soldaten bewacht – ein untragbarer Zustand. Immerhin hat die neue Regierung dem Militär befohlen, in den Kasernen zu bleiben. Wenn das der Einstieg in den Rückzug ist, kann das nur besser werden. Darüber hinaus geht es um die Entwicklung – man kann sogar sagen: um die Erfindung einer multiethnischen und multireligiösen Demokratie, die sich zugleich den Problemen der Klassen, der Kasten, des Geschlechts stellt. Da haben alle Seiten zu lernen, und der Anfang muss mit der Überwindung des Nationalismus gemacht werden.

Für den neuen Premierminister spricht, dass er zu den wenigen singhalesischen Politikern gehört, der kein Nationalist ist. Für die TNA spricht, dass sie auf ihre Weise ebenfalls nicht nur „tamilische“ Politik machen will. Sri Lanka könnte – mit dem Leiden eines fast dreißigjährigen Krieges im Rücken – einen wirklichen Neubeginn wagen, mit Bedeutung über die eigenen Grenzen hinaus. Aber die Gefahr von Rückschlägen ist ungeheuer.

Weitere Informationen zu Projekten von Medico in Sri Lanka.

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news-706 Wed, 19 Aug 2015 11:19:00 +0200 Zum Welttag der humanitären Hilfe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/zum-welttag-der-humanitaeren-hilfe.html Einsatz von humanitären Entwicklungshelfern geehrt Zum Welttag der humanitären Hilfe lenkt das Bündnismitglied Christoffel-Blindenmission (CBM) den Blick auf die Helfer in den Katastrophengebieten. Sie lassen oft ihre Familien zurück, um den Menschen in den Katastrophengebieten helfen zu können. Nicht selten ist diese Arbeit lebensgefährlich, wie zum Beispiel in Nepal nach dem schweren Erdbeben. Hier gab es immer wieder Nachbeben, die nicht nur die Helfer selbst sondern auch deren Familien bedrohten. Besonders wichtig ist die Unterstützung der Menschen mit Behinderungen, da diese nach Katastrophen oft ohne ihre benötigten Hilfsmittel zurechtkommen müssen.

Die Christoffel-Blindenmission unterstützt mit ihren Helfern und Partnern vor Ort genau die Menschen, die beispielsweise ohne ihre Hörgeräte oder Taststöcke auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Die lokalen Helfer der CBM in Nepal aber auch in anderen Ländern sind nach einer Katastrophe direkt vor Ort und können so genau feststellen, wo und wieviel Hilfe gebraucht wird. Zum Welttag der humanitären Hilfe dankt der Geschäftsführer von der CBM den Helfern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort und möchte auf ihr selbstloses Handeln für Menschen in Not aufmerksam machen.

Catalina Langer vom Bündnis Entwicklung Hilft sprach mit Esther Dopheide, Pressesprecherin der CBM

Wie genau erreichen Ihre Mitarbeiter und Partner vor Ort die Menschen mit Behinderungen in den Katastrophengebieten bzw. wie machen sie auf Ihre Hilfe aufmerksam?

Esther Dopheide: Unsere Mitarbeiter und Partner vor Ort kennen häufig viele der in der Region lebenden Menschen mit Behinderung bzw. ihre Familien und können diese so im Notfall direkt aufsuchen, um schnell die benötigte Hilfe zu leisten. Selbstverständlich greifen wir in Notsituationen auch auf das Wissen von lokalen Selbsthilfeorganisationen zurück, um zu erfahren, wo Menschen mit Behinderung spezielle Unterstützung benötigen. Aufrufe und Informationen über konkrete Hilfsangebote – etwa per Lautsprecher und auch in Brailleschrift – sorgen darüber hinaus dafür, dass unsere Hilfe wirklich bei den Menschen ankommt, die sie benötigen.

Der Welttag der humanitären Hilfe soll die Menschen anregen zu handeln, wie können sich Menschen in Deutschland gegen Krankheiten, Hungersnöte und Leiden engagieren?

Esther Dopheide: Die CBM setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung nicht nur in Notsituationen, sondern dauerhaft Unterstützung erhalten – dies befähigt sie am Ende auch dazu, mögliche Katastrophen besser oder sogar ohne fremde Hilfe zu meistern. Neben der finanziellen Unterstützung unserer kontinuierlichen Arbeit in den ärmsten Ländern der Welt ist es uns besonders wichtig, das allgemeine Bewusstsein für inklusive Entwicklungszusammenarbeit zu verbessern. So sammeln wir derzeit Unterschriften, damit die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in der neuen UN-Entwicklungsagenda berücksichtigt werden. Unter www.setz-ein-zeichen.org kann noch bis Ende des Monats jede und jeder mitmachen.

Der Welttag der humanitären Hilfe zollt den Menschen Respekt, die sich selbstlos für andere Menschen einsetzen oder bei einem humanitären Hilfseinsatz verstorben sind. Inwiefern wünscht sich CBM noch mehr Unterstützung/Schutz aus Deutschland?

Esther Dopheide: Menschen mit Behinderung sind diejenigen, die in Notsituationen oft als letzte Hilfe erhalten – entweder, weil sie zum Beispiel dauerhaft benötigte Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Gehhilfen in der Katastrophe verloren haben und dadurch nicht mehr selbständig agieren können oder aber, weil etwa Verteilstellen für Menschen mit körperlicher Behinderung gar nicht erreichbar sind. Hier sieht die CBM durchaus noch Handlungsbedarf. Aus diesem Grund sensibilisieren wir in der Bevölkerung genauso wie in der Politik und auch bei anderen Nothilfeorganisationen dafür, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit allgemein und in besonderen Notsituationen wie etwa Erdbeben stärker zu berücksichtigen.

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news-705 Thu, 13 Aug 2015 11:17:36 +0200 Bündnismitglieder stellen Jahresbilanzen vor presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnismitglieder-stellen-jahresbilanzen-vor.html Die Bündnismitglieder Misereor und Brot für Welt stellen ihre Jahresbilanzen für 2014 vor. Misereor konnte 2014 mehr Geld für Projekt- und Lobbyarbeit einsetzen. Insgesamt nahm Misereor 185,5 Millionen Euro ein, wovon 55,5 Millionen Euro durch Spenden erwirtschaftet wurden.  Bei den eingegangenen Spenden konnte Misereor die Summe aus 2013 um 1,2 Millionen Euro erhöhen. Im Zusammenhang der aktuellen Flüchtlingslage wies Geschäftsführer Monsignore Pirmin Spiegel daraufhin, dass sich weniger als 4% der weltweit fast 60 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene in EU-Ländern befinden. In diesem Rahmen betonte er noch einmal die besondere Not von Binnenvertriebenen und mahnte, dass diese nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Monsignore Spiegel forderte außerdem, dass die Ursachen von Armut und Flucht durch europäische und globale Anstrengungen bekämpft werden müssen. Neben Krieg und Terror sind auch politische Entscheidungen der Industrie- und Schwellenländern Ursachen für Flucht und Vertreibung.

Weitere Informationen zur Jahresbilanz von Misereor

 

Weiterhin für Frieden und Entwicklung

Auch Bündnismitglied Brot für die Welt konnte auf ein erfolgreiches Jahr 2014 zurückblicken: dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen standen 2014 mehr als 254,8 Millionen Euro zur Verfügung, 14 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. 51,4 Millionen Euro konnten durch Spenden und Kollekten eingenommen werden.

Die aktuelle Arbeit von Brot für die Welt ist durch die 60 Millionen Flüchtlinge weltweit geprägt. Durch friedenspädagogische Projekte versucht das Hilfswerk Konflikt- und Fluchtursachen zu bekämpfen. Mit der Bewilligung von 630 Projekten im Jahr 2014 hofft Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel Entwicklung und Frieden weltweit fördern zu können. Ebenso wie Misereor verurteilt die Präsidentin der Hilfsorganisation die Rüstungsexportpolitik. Dadurch würden Menschenrechtsverletzungen, Gewalt und damit auch Fluchtursachen gefördert werden.

Beide Bündnismitglieder waren dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung, sowie die vielen Spenden und Kollekten.

 

Weitere Informationen zur Jahresbilanz von Brot für die Welt

 

Wichtige Fragen anschaulich erklärt

 Anlässlich der Veröffentlichung Ihrer Jahresbilanzen erklärt Misereor in drei Videos wieso Transparenz für Hilfsorganisationen eine so große Rolle spielt, wie aus einem Euro Ihrer Spende drei Euro werden und wie ein Hilfsprojekt funktioniert.

Zum Youtube-Kanal von Miseoreor

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news-704 Thu, 13 Aug 2015 10:38:48 +0200 Weitere Hilfe für Myanmar presse/pressearchiv/archiv-detail-view/weitere-hilfe-fuer-myanmar.html terre des hommes leistet Soforhilfe für 1.900 Haushalte Nach den schweren Überschwemmungen in Folge des extrem starken Monsunregens sind weiterhin über eine halbe Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.

Bündnismitglied terre des hommes unterstützt mit dem lokalen Partner "Equality Myanmar" 1.900 Haushalte in den, von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen Magway, Arakan und Ayeyarwady und stellt 20.000 Euro für die Hilfsmaßnahmen zur Verfügung. Damit wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Medizin sichergestellt.Weiterhin werden 700 Familien bei der Rückkehr in ihre Häuser mit Hygiene- und Kochutensilien unterstützt.

Equality Myanmar beteiligt sich zudem an den Forderungen mehrerer lokaler Organisationen nach freiem Zugang für internationale Akteure in die betroffenen Gebiete.

Weitere Informationen bei terre des hommes

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news-703 Tue, 11 Aug 2015 13:21:59 +0200 Situation noch immer katastrophal presse/pressearchiv/archiv-detail-view/situation-noch-immer-katastrophal.html Diakonie Katastrophenhilfe leistet 40.000 Euro Soforthilfe in Myanmar Die Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe des Bündnis-Mitgliedes Brot für die Welt hat ihre Soforthilfe für Myanmar bekannt gegeben. Mit 40.000 Euro Soforthilfe hilft die Diakonie Katstrophenhilfe den von der Flut betroffenen Menschen in Myanmar.

Mit Hilfe der lokalen Partnerorganisation wird in dem besonders stark zerstörten Bezirk Pwint Phyu in der Region Magway Hilfe durch das Verteilen von sauberem Trinkwasser und Nahrungsmittelpaketen geleistet. Da fast eine Millionen Menschen von den starken Regenfällen und Überflutungen betroffen sind und die Pegelstände nicht aufhören zu steigen, bittet die Diakonie Katastrophenhilfe um Spenden für die Not leidenden Menschen in Myanmar.

Die Regierung in Myanmar geht von 100 Todesopfern durch anhaltenden Monsunregen aus, der den Wasserpegel in den meisten Regionen und Provinzen in absehbarer Zeit auch nicht senken lassen wird. Neben den verheerenden Folgen für die Menschen in Myanmar leidet auch die ohnehin schwache Wirtschaft unter dem starken Monsunregen. Nach Regierungsangaben sind im Moment fast eine halbe Million Hektar Reisfelder überschwemmt, was langfristige Folgen für die Menschen und auch für die Wirtschaft bedeuten.  

12 von 14 Provinzen und Regionen in Myanmar sind von den Überschwemmungen betroffen, weshalb die Regierung um internationale Hilfe bat. Nicht nur Myanmar hat dieses Jahr mit den Folgen der heftigen Monsunregen zu kämpfen, sondern auch Indien, Pakistan, Vietnam und Nepal verzeichneten mehr als 300 Flutopfer.  Um den Menschen vor Ort zu helfen, sind weitere Spenden für Soforthilfen nötig, es muss aber auch nach Lösungsansätzen zur Prävention von Überschwemmungen und Erdrutschen durch die jährlichen Monsunregen in den betroffenen Regionen gesucht werden.

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news-702 Thu, 06 Aug 2015 11:47:37 +0200 Erneute Flutkatastrophe in Myanmar und Pakistan presse/pressearchiv/archiv-detail-view/erneute-flutkatastrophe-in-myanmar-und-pakistan.html Kindernothilfe und Misereor leisten Soforthilfe und bitten um Spenden Die Bündnis-Mitglieder Misereor und Kindernothilfe rufen zur Soforthilfe für Flutopfer in Pakistan und Myanmar auf. Die Kindernothilfe hat 150.000 Euro Soforthilfe für die Opfer der Katastrophe in Pakistan bereitgestellt. Das Bündnis-Mitglied Misereor hat eine erste Soforthilfe von 50.000 für die Opfer der Flutkatastrophen in Myanmar zur Verfügung gestellt.

Die Kindernothilfe wird sich mit der ersten Soforthilfe auf die stark betroffenen Regionen des nördlichen Sindh und Punjab konzentrieren, wo die Menschen durch sehr starke Monsunregen und daraus folgenden Überflutungen betroffen sind. Die lokalen Partnerorganisationen von Kindernothilfe und Misereor werden das Geld u.a. für Rettungsmaßnahmen, Notunterkünfte, Lebensmittel und psychosoziale Betreuung für die Opfer einsetzen. Die Lage in Myanmar ist besonders dramatisch, da die Überschwemmungen und Erdrutsche die bereits verarmten Bewohner getroffen haben. Durch die Vernichtung von Ackerland ist die Lebensmittelversorgung in Myanmar eingeschränkt, weshalb weitere Spenden für die 850.000 Betroffenen in Pakistan und Myanmar dringend nötig sind.

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news-701 Mon, 03 Aug 2015 17:06:24 +0200 Einhundert Tage nach den Beben presse/pressearchiv/archiv-detail-view/einhundert-tage-nach-den-beben.html Drei Monate sind seit den schweren Beben in Nepal am 25. April und 12. Mai vergangen. Die größte Not konnte bereits gelindert werden, doch die Opfer sind weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen. Am stärksten betroffen waren Katmandu und umliegende Regionen. Die Epizentren der Hauptbeben lagen beide rund 80 Kilometer von der nepalesischen Hauptstadt entfernt, doch gerade ländliche Gebiete haben mit schwerwiegende Folgen zu kämpfen. Weite Teile der Infrastruktur waren und sind zerstört, unzählige Häuser stürzten durch die schweren Erschütterungen und die anhaltenden Nachbeben ein. Laut nepalesischer Regierung kamen dabei knapp 8.800 Menschen ums Leben, über 20.000 Menschen wurden verletzt.

Unverzüglich nach Eintreten der Katastrophe starteten die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft mit ersten Nothilfemaßnamen. Bereits einen Tag nach dem ersten Beben waren Helfer aus Deutschland unterwegs. Die akuten Hilfsmaßnahmen sind noch nicht komplett abgeschlossen, aber auch der Wiederaufbau muss nun vorangetrieben werden. Zusammen mit Ihren lokalen Partnern gewährleisten die Organisationen des Bündnis Entwicklung Hilft notwendige Maßnahmen für Versorgung und Wiederaufbau.

Akute und langfristige Hilfe zusammen mit lokalen Partnern

Medico International unterstützt mit der Förderung seiner lokalen Partnerorganisationen unter anderem die Errichtung von Unterkünften zum Schutz in der Regenzeit und der Rehabilitation von Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Gesundheitsstationen. Medico-Pressereferent Bernd Eichner sieht die größte Herausforderung für den Wiederaufbau in Nepal darin, den Wunsch nach Selbstbestimmung zu berücksichtigen und den Wiederaufbau der gesamten Bevölkerung zu Gute kommen zu lassen.

Die Christoffel-Blindenmission versorgte zusammen mit ihren Partnern vor Ort in den ersten zwölf Wochen bereits 12.081 Kinder, Frauen und Männer mit medizinischer Hilfe und Nahrung. Zusätzlich erhielten bisher knapp 2000 Erdbebenopfer psychosoziale Betreuung zur Traumabewältigung. Weiterhin wurden durch die CBM Anlaufstellen für Menschen mit Behinderungen eingerichtet. Um auch andere Organisationen auf die Belange von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren erstellt die Christoffel-Blindenmission Leitfäden, wie in Zukunft die Katastrophenvorsorge und Katastrophenhilfe inklusiv gestaltet werden kann.

Die Arbeit der Kindernothilfe konzentriert sich hundert Tage nach dem verheerenden Erdbeben vor allem auf den Wiederaufbau von Schulen. Immer noch sind 370.000 Kinder in abgelegenen Regionen ohne Zugang zu Schulen. Um den positiven Bildungstrend in Nepal aufrecht zu erhalten hat die Kindernothilfe bereits 1.300 Kindern ermöglicht, den Unterricht in provisorischen Schulen wieder aufzunehmen. Auch die Projekte zur psychosozialen Betreuung werden weiterhin betrieben.

Auf bewährte Strukturen aufbauen

Auch Misereor leistet neben den akuten Nothilfemaßnahmen langfristige Hilfe beim Wiederaufbau. Die Organisation kann aufgrund der langjährigen gemeinsamen Erfahrung mit lokalen Partnerorganisationen auf bewährte Strukturen aufbauen. So übernimmt der indische Partner CHAI ("Catholic Health Association India") wichtige Gesundheitsleistungen und entlastet die stark beeinträchtigten Krankenhäuser. Mit regionalen Architektennetzwerken fokussiert sich Misereor auf die Erdbebensicherheit des Wiederaufbaus.

Das Bündnismitgliede terre des hommes nimmt insbesondere die Hilfe für Frauen und Kinder in den Fokus. So werden beispielsweise sichere Räume für Kinder in Not- und Krisensituationen geschaffen. Um die nepalesische Bevölkerung auch langfristig wieder auf eigene Beine zu stellen versorgt terre des hommes unter anderem Bauern mit Saatgut und landwirtschaftlichen Geräten.

Auch für die Welthungerhilfe steht nun der Schritt von der Nothilfe zum Wiederaufbau bevor. "Die Welthungerhilfe wird Schulen renovieren, die Landwirtschaft ankurbeln und Einkommensmöglichkeiten schaffen. Wir werden Bewässerungssysteme instand setzen, Saatgut und Werkzeug an die Kleinbauern verteilen und den Menschen helfen nach dem erlebten Schock langsam wieder im Leben Fuß zu fassen.", so die Organisation.

Die Folgen der schweren Erdbeben werden die Menschen in Nepal und damit auch die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft noch eine ganze Zeit begleiten. Um dabei weiterhin sowohl akute als auch langfristige Hilfe zu gewährleisten ist das Bündnis auf Spenden angewiesen.


Weitere Informationen zur bisherigen Arbeit in Nepal auf unserer Themenseite

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news-700 Thu, 02 Jul 2015 15:46:20 +0200 Afrika, Kontinent des Aufbruchs?! presse/pressearchiv/archiv-detail-view/afrika-kontinent-des-aufbruchs.html Am Mittwoch, 1. Juli, lud das Bündnismitglied Brot für die Welt zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Die Afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung- Ein Beitrag zur Krisenprävention und Friedensförderung?“. Die Gäste waren deutsche Politiker und Mitarbeiter afrikanischer NGOs. Moderiert wurde der Abend von Journalist Andreas Zumach. Die Situation auf dem afrikanischen Kontinent ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Gerade in Afrika ist die Zahl fragiler Staaten besonders hoch und ein Großteil derer, die vor Armut und Elend fliehen stammt vom Afrikanischen Kontinent. Aufgrund von Perspektivlosigkeit machen sich junge Menschen auf den Weg nach Europa, in der Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft.

Die afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung beschreiben den außenpolitischen Kurs und Arbeitsschwerpunkte. Sie sollen dabei helfen relevante Themen in den Denkprozess miteinzubeziehen, erklärte Horst Gruner vom Auswärtigen Amt.

Die Sicherheitsarchitektur der Staaten stärken

Das erklärte Ziel ist die einzelnen Staaten zu stärken. Der Fokus liegt dabei im Bereich der Sicherheit. Die Länder sollen in ihrer Sicherheitsarchitektur so unterstützt werden, dass Bürger wieder Vertrauen in den Staat fassen. Teilweise hat es den Anschein als sei einigen Regierungen ihre externe Legimitation durch andere Staaten wichtiger, als die durch ihre Bevölkerung. Dementsprechend gestalte sich auch die Versorgungslage. Im Zuge der Globalisierung sei der Unterschied vom afrikanischem zum europäischen Lebensstandard für viele erst sichtbar geworden. Nun werde Gerechtigkeit gefordert. Soziale Ungerechtigkeit gefährdet die Stabilität eines Staates und macht es Terrororganisationen einfach neue Mitglieder zu werben.

Auf diese Ursachen gehen die Leitlinien nur am Rande ein. Die Bundesregierung nimmt dagegen die Bekämpfung des Menschenhandels und die Flüchtlingsintegration in den Transitländern in den Fokus. Das häufig auch diese Transitländer Probleme bei der Versorgung der eigenen Bevölkerung haben und zudem Defizite in ihrer Demokratisierung aufweisen wird nicht thematisiert.

Die zivile Bevölkerung spielt eine Entscheidende Rolle

Lancedell Mathews aus Liberia arbeitet bei NADAR einer liberischen NGO und berichtete über den Friedensprozess nach dem Bürgerkrieg in Liberia. Er ist der Meinung, dass im Friedensprozess die zivile Bevölkerung eine entscheidende Rolle spielt. Dort müsse angesetzt werden um Stabilität in einem Land zu erreichen, denn solange die Bevölkerung ihrem Staat nicht vertraue folge sie ihm auch nicht. Die Gefahr hierbei zeigte die Ebola-Epidemie. Die Epidemie wurde als Erfindung der Regierung abgetan um internationale Finanzmittel abzugreifen und die Bedrohung von der Bevölkerung nicht ernst genommen, berichtete Mathews.

Horst Gruner vom Auswärtigen Amt gesteht ein, dass Deutschland im Fall von Ebola zu langsam reagiert habe, dennoch liege die Verantwortung in erster Linie auf lokaler Ebene. Für ihn folgt daraus, dass die afrikanischen Gesundheitssysteme gestärkt werden müssen.

Entwicklungspolitik beginnt vor der eigenen Haustüre

Stark Kritisiert wurde vom Plenum die Tatsache, dass es in den Leitlinien an keiner Stelle um Deutschlands Rüstungsexporte gehe. Horst Gruner hingegen erklärte, dass die Rüstungsexporte nach Afrika generell eher gering seien. Dass Rüstungsexporte jedoch Einfluss auf die lokalen Konflikte nehmen und Friedensverhandlungen behindern können belegte Peter Tibe, Direktor des Friedeninstitut Reconcile. Er berichtete, dass Waffenlieferungen aus dem Sudan und Uganda den Friedensprozess im Südsudan geradezu unmöglich machen würden. Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteuer, im Bereich Kleinwaffen sogar an zweiter Stelle. Auch Uwe Kekeritz, vom Bündnis 90/Die Grünen, ist sich des Einflusses dieser Kleinwaffen auf die Situation in Afrika sicher.

Uwe Kekeritz bezweifelte stark, dass die Leitlinien einen Unterschied machen. Jede Woche würden neue Leitlinien produziert, an die sich die Politik nicht halte.

Er plädierte dafür, dass Entwicklungspolitik vor der eigenen Haustür beginne. So behindere beispielsweise die europäische Agrarpolitik die Entwicklung der Afrikanischen grundlegend. Auch Peter Tibit aus dem Südsudan ist der Meinung das ausländische Lösungen häufig nicht zum lokalen Kontext passen würden. Er setzt auf Grassroot Bewegungen zur Friedensförderung. In einem Punkt waren sich jedoch alle Anwesenden einig. Soziale Sicherheit funktioniert nicht nach dem Top-Down-Prinzip. Lokale zivile Akteure können Frieden bringen und müssen daher gefördert werden.

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news-699 Wed, 24 Jun 2015 12:18:43 +0200 Welthungerhilfe zieht Bilanz presse/pressearchiv/archiv-detail-view/welthungerhilfe-zieht-bilanz.html Mit der Veröffentlichung ihres Jahresberichtes zieht das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe Resüme über die Arbeit im Krisenjahr 2014. "Wir müssen immer mehr dort einspringen, wo die Politik versagt hat". So kommentiert Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe die neuen Herausforderungen denen sich Hilfsorganisationen stellen müssen. Diese Katastrophe wird uns noch Jahre begleiten

Humanitäre Krisen fordern immer mehr Aufmerksamkeit. Mit dem Südsudan, Kongo und der Zentralafrikanischen Republik gehören drei betroffene Regionen zu den Ländern mit der höchsten Projektförderung. Auch die dramatische Situation in Syrien bleibt weiterhin im Fokus der Welthungerhilfe. "Diese Katastrophe wird uns noch Jahre begleiten", stellt Dieckmann fest und vergleicht die Zustände im Land mit den Trümmerbergen in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.

Von den Bedingungen der syrischen Flüchtlinge konnte sich die Präsidentin der Welthungerhilfe beim Besuch eines Flüchtlingslagers in der Türkei persönlich ein Bild machen. Das Lager sei vorbildlich organisiert. Doch nur etwa 15 Prozent der etwa zwei Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei leben in solchen Flüchtlingslagern. Der weitaus größere Teil sei bei Bekannten oder Verwandten untergekommen, oder hause in Ruinen oder Garagen und würde dafür vollkommen überzogene Mieten zahlen. Wichtig sei es nun den ungefähr eine Millionen Minderjährigen Flüchtlingen eine Möglichkeit zu bieten in die Schule zu gehen. Teilweise sei dies bereits verwirklicht, viele Bildungseinrichtungen sind jedoch mit der großen Zahl der neuen Schulanwärter überfordert.

Mit Blick auf die bedrohliche Lage im vergangenen Winter konnte Dickmann feststellen, dass die Flüchtlinge in den türkischen Lagern ihre Zelte gegen kältesichere Unterkünfte tauschen konnten. Anders gestaltet sich die Lage beispielsweise im Libanon. Hier herrsche noch Nachholbedarf.Auch in Syrien selbst gestaltet sich die Lage äußerst schwierig. Aufgrund der hohen Bedrohungslage für ausländische Hilfskräfte können vor Ort nur noch syrische Helfer eingesetzt werden.

 

Die Bedrohungslage ist keineswegs vorüber

Ein weiteres großes Thema im letzten Jahr war die Nothilfe nach dem Erdbeben im Nepal. Hierbei konnte die Organisation ihre schnelle und effektive Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen. Bereits am Tag nach dem Erbeben waren erste Helfer aus Deutschland unterwegs und innerhalb kürzester Zeit konnte die Organisation einen vollständigen Notfallplan vorweisen. Auch die Mitarbeiter, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens bereits vor Ort befanden gönnten sich trotz der unmittelbare Bedrohung des eigenen Lebens keine Auszeit und widmeten sich direkt nach der Katastrophe der Nothilfe.

Die Bedrohungslage für Nepal sei jedoch keineswegs vorüber. Durch das Erdbeben sei das Erdreich aufgelockert worden. Durch die bevorstehende Regenzeit drohen nun starke Erdrutsche.Für die Hilfsorganisation steht nun der Schritt von der Nothilfe zum Wiederaufbau bevor. In diesem Rahmen sollen nun unter anderem die zerstörten Schulen nicht nur wieder aufgebaut, sonder auch erdbebensicher gemacht werden.

 

Gut gerüstet für die neuen Ansprüche

Anhand dieser Beispiele belegt das Bündnismitglied, dass Sie den Ansprüchen der aktuellen humanitären Krisen gerecht werden und weiterhin durch schnelle und effektive Hilfsmaßnahmen die Not in Folge verheerender Naturkatastrophen linder können um im Anschluss den nachhaltigen Wiederaufbau einzuleiten. Eine derart breit gefächerte Kompetenzpalette wird auch in Zukunft von Nöten sein, denn, wie Dr. Till Wahnbaeck, Generalsekretär der Organisation, feststellte: "Ein Jahr wie das letzte wird keine Ausnahme bleiben!"

 

Der vollständige Jahresbericht 2014 der Welthungerhilfe

Weitere Informationen zum Bündnismitglied

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news-698 Fri, 19 Jun 2015 12:19:35 +0200 Zum Weltflüchtlingstag presse/pressearchiv/archiv-detail-view/zum-weltfluechtlingstag.html Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft machen auf die Not der Menschen und Ursachen für Flucht aufmerksam. Zum 14. Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlicht das Flüchtlingshilfswerk UNHCR die aktuellen Flüchtlingszahlen. Bereits jetzt steht fest, dass in diesem Jahr ein neuer trauriger Rekord erreicht wurde. Seit dem zweiten Weltkrieg befanden sich nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht; in Syrien ist es derzeit jeder zweite Einwohner. Die Ursachen sind vielfältig: Hunger, Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit und Verfolgung – ausgelöst durch defizitäre politische Strukturen.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages hat das Bündnis Entwicklung Hilft seine Mitgliedern zum Thema befragt. Außerdem stellen sie ihre weltweiten Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen vor.

Wo ist aktuell der größte Bedarf an internationaler Unterstützung?

Ramona Lenz, Medico international: Syrien ist das Land mit der weltweit größten Zahl von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Die große Anzahl von Flüchtlingen stellt die Nachbarländer Syriens vor immense Herausforderungen. Eine Unterstützung der Flüchtlinge sowie der aufnehmenden Städte und Gemeinden in Syriens Nachbarländern ist darum essenziell.

Simone Pott, Welthungerhilfe: Der größte Bedarf besteht in Syrien und den angrenzenden Ländern. An zweiter Stelle steht der Südsudan aufgrund der anhaltenden Kämpfe.

Barbara Küppers, terre des hommes: UN OCHA nennt: Syrien/Irak, Süd Sudan, Afghanistan. Generell ist die Vielzahl von Konflikten und großen Flüchtlingsbewegungen derzeit extrem problematisch.
Michael Mondry, Misereor: Die internationale Gemeinschaft muss die Nachbarländer Syriens, die die größte Zahl der Flüchtlinge aufnehmen, weiter intensiv unterstützen, damit die Versorgung der Menschen sichergestellt werden kann.

Wie können Fluchtursachen gelöst werden?

Ramona Lenz, Medico international: Neben Krieg gibt es auch andere Gründe, die Menschen auf der Suche nach menschenwürdigen Lebensgrundlagen zur Migration zwingen. Allen voran zählen hierzu Armut, Gewalt, Umweltkatastrophen und Chancenlosigkeit. Um Fluchtursachen langfristig zu lösen, bedarf es daher eines grundlegenden Politikwechsels und der Schaffung normativer und materieller Voraussetzungen wie beispielsweise der Angleichung von Arbeitsstandards, dem Verbot umweltschädigender Produktion und der Finanzierung von globalen sozialen Sicherungssystemen über Pflichtbeiträge der wohlhabenderen Länder.

Simone Pott, Welthungerhilfe: Ausschließlich durch politische Lösungen der aktuellen Konflikte. Die größten Flüchtlingsströme, ob intern oder aber über Ländergrenzen hinweg, werden durch kriegerische Auseinandersetzungen ausgelöst. Auch fehlende politische Stabilität und demokratische Mitbestimmung führen dazu, dass Menschen ihre Heimatgebiete verlassen müssen - wie es aktuell in Burundi geschehen ist. In allen Krisenregionen müssen dauerhafte regionale Friedenslösungen gefunden werden.

Barbara Küppers, terre des hommes: Die meisten Flüchtlinge und Vertriebenen international fliehen vor Kriegen und gewalttätigen Konflikten, weitere Gründe sind Armut und Auswirkungen des Klimawandels. Problematiken also, die nicht schnell und leicht „gelöst“ werden können.  Fluchtursachen zu beenden, ist ein sehr komplexer und langwieriger Prozess und wird nicht schnell dazu führen, dass die gegenwärtige sehr hohe Zahl von Menschen auf der Flucht oder Vertreibung schnell sinkt, d.h. die Menschen wieder nach Hause können und wollen. Humanitäre Hilfe und überzeugende Migrationskonzepte auf Basis der Menschenrechte für die Aufnahmeländer sind deshalb ebenso wichtig.

Pater Emanuel Youkhana, Misereor: Die Gründe für die Probleme sind das Bildungssystem in diesen Ländern,  politische Strukturen, Korruption, Armut und es gibt viele Gründe mehr. Man kann sehr leicht feststellen, dass die Kriege in den Ländern stattfinden und die Grenzen nicht überschreiten. Über Jahrzehnte gab es Kriege zwischen Staaten. Heute haben wir interne Kriege, die verheerender und zerstörender sind. Das spricht für eine tiefe strukturelle Krise innerhalb der einzelnen Länder, politisch, konstitutionell, gesetzlich, bildungspolitisch.

Ausgewählte Projekte von Bündnis-Mitgliedern:

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) in Jordanien

Im Januar 2015 begann die CBM ein Projekt in Jordanien mit dem Partner „Al Hussein Society (AHS)“. Dieses Projekt richtet sich an syrische Flüchtlinge mit Körperbehinderungen (insbesondere Kinder), die nicht in jordanischen Flüchtlingslagern leben, sondern in den so genannten „host communities“ – also verstreut in ganz Jordanien. Sie erhalten über den Projektpartner orthopädische Hilfsmittel (beispielsweise Rollstühle, Prothesen und Krücken) und werden physiotherapeutisch betreut. AHS setzt das Projekt mit Partnerzentren in den Städten Ramtha, Karak, Maan und der Hauptstadt Amman um und kann dadurch syrische Flüchtlinge in allen Teilen des Landes erreichen.

Unter den syrischen Flüchtlingen in Jordanien befindet sich eine Vielzahl von Flüchtlingen mit Behinderungen. Physische Behinderungen (Knochenbrüche, Amputationen etc.) kommen besonders häufig vor, da viele Syrier bei Kampfhandlungen verletzt werden. Häufig sind solche Verletzungen in Syrien schlecht versorgt und nachbehandelt worden, wodurch die Betroffenen unter Folgeerscheinungen leiden. Somit besteht einerseits ein hoher Bedarf an medizinischen Behandlungen und der Bereitstellung von Hilfsmitteln für die Betroffenen (Rollstühle, Prothesen etc.) gleichzeitig aber auch an langfristiger rehabilitativer Nachbehandlung (bspw. Physiotherapie) um Folgeschäden zu vermeiden.

Die Kindernothilfe im Libanon

Im Libanon ermöglicht die Kindernothilfe syrischen Flüchtlingskindern den Schulbesuch, indem sie unter anderem das Schulgeld übernehmen. Mädchen und Jungen, die keine Schule besuchen können, fängt das Hilfswerk in einem Schutzzentrum auf.
Ein neues Projekt unterstützt Flüchtlinge in der libanesischen Gebirgsregion Chouf. Mit dem lokalen Partner Amurt ermöglich die Kindernothilfe 800 Kindern den Besuch staatlicher Schulen und kommt für Transport, Schulgeld und -uniformen auf. Außerdem hilft sie bei der Instandhaltung und Ausstattung der Schulen.

Doch es gibt auch Mädchen und Jungen, die keine Schule besuchen können - aus Platzmangel oder weil sie zu stark traumatisiert sind. Diese Kinder werden in einem Schutzzentrum aufgefangen. Dort erhalten sie neben dem normalen Unterricht auch eine einfühlsame psychosoziale Betreuung: Therapeuten helfen 400 Kindern, ihr Kriegstrauma zu überwinden.

Nur so kann verhindert werden, dass den Kindern nach dem Verlust ihrer Heimat auch jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft genommen wird. Der regelmäßige Unterricht sichert ihre Chance auf einen Schulabschluss und gibt ihnen ein Stück Normalität zurück. Die Traumatherapie lindert ihre seelischen Wunden.

medico international in Syrien

In Kobanê, das den monatelangen Angriff des sogenannten „Islamischen Staates“ abwehren konnte, sind hunderte Kämpfer und Zivilisten getötet worden und die Stadt ist zu 80 %  zerstört. Auch ist das gesamte Gesundheitssystem während des Krieges kollabiert und alle Krankenhäuser wurden zerstört. medico international beteiligt sich jetzt am Wiederaufbau von Kobanê. Zunächst heißt das, ein neues Gesundheitssystem aufzubauen, um eine Versorgung der zurückkehrenden Bevölkerung zu ermöglichen. Seit Anfang Februar ist ein von medico finanzierter Krankenwagen in der Stadt im Einsatz, im April wurde eine neue Blutbank durch medico-Partner geliefert und Anfang Mai folgte ein Sauerstoffsystem.

Misereor im Libanon

Im Libanon suchen die meisten syrischen Flüchtlinge Schutz - kein anderes Land nimmt so viele von ihnen auf. Misereor-Partnerorganisationen betreuen und versorgen sie. Kindern helfen sie, traumatische Erlebnisse zu überwinden.
Die Misereor-Partnerorganisation "Pontifical Mission Lebanon" (PM Lebanon) engagiert sich seit Beginn der Syrienkrise für syrische Flüchtlinge. Die Organisation arbeitet an vier Standorten in der Hauptstadt Beirut und an der Grenze zu Syrien. PM Lebanon sorgt dafür, dass syrische Kinder medizinisch versorgt und betreut werden und bietet ihnen Grundbildung und schulergänzende Gruppenangebote.

Terre des Hommes in Indonesien

Hunderttausende Menschen vom muslimischen Volk der Rohingya, ursprünglich aus Bangladesch und Myanmar, leben seit Jahren als Flüchtlinge ohne legalen Aufenthaltsstatus in Flüchtlingslagern in Thailand. Seit der jüngsten Eskalation der Gewalt und ihrer gezielten Verfolgung in Myanmar, wo sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch verfolgt werden, sind mehr als 100.000 weitere Rohingya-Angehörige geflohen. Terre des hommes startet deshalb in der Provinz Aceh im Norden Sumatras ein Schutzprogramm für die Rohingya. Rund 350 Frauen und Kindern der Rohingya, die es bis nach Indonesien geschafft haben, erhalten in Aufnahmelagern eine Basisversorgung mit Essen und sauberem Wasser sowie Schutz und Betreuung. Weiteres Ziel von terre des hommes ist es, politischen Druck auf die Staaten der Region aufbauen, damit die Rechte der Rohingya geachtet werden und insbesondere die Regierung Myanmars ihnen endlich eine Lebensperspektive bietet.

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news-697 Tue, 09 Jun 2015 10:41:48 +0200 Mit dem Regen wird die Not größer presse/pressearchiv/archiv-detail-view/mit-dem-regen-wird-die-not-groesser.html Der einsetzende Monsun erschwert die Hilfe in Nepal. Auch wenn das Schlimmste überstanden scheint, steht mit dem einsetzenden Monsun die große Bewährungsprobe in Nepal noch aus. Gerade in den Dörfern rund um das Epizentrum sind die meisten Häuser eingestürzt. Die in der Zwischenzeit flächendeckend verteilten Plastikplanen werden dem wochenlangen Regen nicht standhalten können.

Sichere Unterkünfte durch Brot für die Welt

Neben Lebensmitteln, Wasser, Kochgeschirr und Decken verteilt die Schwesterorganisation des Bündnismitglieds Brot für die Welt Diakonie Katastrophenhilfe Planen, Baumaterial und Werkzeuge unter anderem in den Regionen Kaski nordwestlich und Dhading westlich von Kathmandu. Hier sind bis zu 98 Prozent der Haushalte betroffen. In diesen Regionen arbeiten viele Männer als Hilfsarbeiter im Ausland. Gerade Haushalte, die allein von Frauen geführt werden, sollen beim Aufbau der Häuser unterstützt werden. „Wenn der Monsun vorbei ist, folgt direkt der Winter“, erklärt Michael Frischmuth, Kontinentalleiter Asien der Diakonie Katastrophenhilfe. „Für die Bewohner der Dörfer in höheren Lagen muss daher jetzt schon mitbedacht werden, dass die Unterkünfte auch winterfest sind.“ Insgesamt rund 22.000 Familien wollen die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe ausstatten, damit sie rechtzeitig Notunterkünfte errichten oder ihre Häuser reparieren können.

Die Christoffel-Blindenmission fokussiert die medizinische Hilfe

Bei Außeneinsätzen in Kavre und Sindhupalchowk, einem der am stärksten betroffenen Distrikte, versorgte CBM-Partner HRDC (Hospital and Rehabilitation Center for Disabled Children) in den ersten dreieinhalb Wochen nach dem Beben bereits 3.065 Kinder, Frauen und Männer mit medizinischer Hilfe und Nahrung. Es ist wichtig, verletzte Kinder und Erwachsene so schnell wie möglich medizinisch zu versorgen, denn je länger sie auf eine Behandlung warten müssen, desto größer ist die Gefahr langfristige Beeinträchtigungen und Behinderungen davonzutragen.

Kindernothilfe besorgt um die die Kleinsten

Die Kindernothilfe weitet die Hilfsmaßnahmen vor Ort weiter aus und verteilt über ihre lokalen Partnerorganisationen Planen und dringend benötigte Lebensmittel an Familien mit Kindern. Zeitgleich bringt das Hilfswerk die medizinische Versorgung und die Einrichtung von Kinderschutzzentren in den am stärksten betroffenen Gebieten weiter voran. Die Lage im Land ist noch unübersichtlich.

Die Hilfe von medico international

Der nepalesische medico-Partner NEDS (Nepal Development Society) versucht deshalb, die verbleibenden Wochen bis zur Regenzeit zu nutzen, um möglichst viele Wellbleche in die entlegenen Dörfer zu bringen – solange sie vor dem einsetzenden Regen und neuen Erdrutschen noch erreichbar sind. Mit dem gelieferten Baumaterial und dem vor Ort vorhanden Bambus können sich die Betroffenen Notunterkünfte bauen. Ab August kann dann mit einem nachhaltigen und langfristigen Wiederaufbau begonnen werden.

In den Kliniken des medico-Partners Public Health Concern Trust (PHECT) hat sich die Situation mittlerweile entspannt. medico hatte umgehend nach dem Beben Mittel für die Einrichtung eines weiteren Operationssaals bereitgestellt. In den Kliniken wird nun die Nachsorge der Verletzten sichergestellt und PatientInnen versorgt, die in der unmittelbaren Katastrophensituation nur mit Notoperationen behandelt werden konnten.

Trotz zurückgehender PatientInnenzahlen sind die unteren Stockwerke teilweise noch überfüllt. Die Angst in den Köpfen sitzt noch tief. Die Nachbeben verunsichern weiter. Viele Menschen ziehen deshalb immer noch ein Bett im Flur des Erdgeschosses einem Zimmer in den oberen Stockwerken vor.

Die Arbeit der Partner von Misereor

Die Misereor-Partnerorganisation WOREC berichtet, dass dringend eine Unterkunft für Frauen mit Neugeborenen benötigt wird, die derzeit nach der Entbindung keinen Platz haben, sich in einem geschützten Raum aufzuhalten. Dies betrifft auch ältere Menschen und schwangere Frauen. Aktuell konnte durch WOREC bereits eine Küche sowie die nötige Grundversorgung zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus wird  traumatisierten Menschen psychologische und medizinische Hilfe angeboten.

Auch die indische Partnerorganisation CHAI („Catholic Health Association India"), eine in der Gesundheitsarbeit in Indien seit langen Jahren sehr erfahrene Organisation, unterstützt die Menschen im Nachbarland Nepal. Sie versorgt die Bevölkerung mit Medikamenten und übernimmt wichtige Gesundheitsleistungen, da die Krankenhäuser überlastet und nicht mehr in der Lage sind, die Menschen ausreichend zu versorgen.

Betreuung von Kindern durch terre des hommes

Ein zentraler Ansatz der Hilfe von terre des hommes ist es, für Kinder in Not-  und Krisensituationen sichere Räume zu schaffen, in denen sie Ruhe und Geborgenheit finden. Mit Spielen und Malen geben freiwillige Mitarbeiterinnen unserer Partnerorganisationen ihnen ein wenig Normalität zurück, die sie von ihren schlimmen Erfahrungen und ihrem tristen Alltag ablenkt und hilft, die erlebten Schrecken zu überwinden. Es werden Geschichten erzählt oder Theater gespielt, aber auch grundlegender Schulunterricht angeboten. Hierfür erhalten die Kinder Bücher, Hefte und Stifte.

Unterstützung durch die Welthungerhilfe

Nach Zelten und Plastikplanen beginnt das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe jetzt mit der Verteilung von Wellblech und Bambusmatten, die für den Bau von provisorischen Übergangsheimen eingesetzt werden und noch besser dem Monsunregen trotzen können. Gleichzeitig starten gemeinsam mit dem Partner Emergency Architects die Planungen für den Wiederaufbau erdbebensicherer Häuser, Schulen und Gesundheitsstationen. Die Welthungerhilfe wird Bewässerungssysteme instand setzen, Saatgut und Werkzeug an die Kleinbauern verteilen und den Menschen dabei helfen, nach dem erlebten Schock langsam wieder Fuß zu fassen im Leben.

Spendenkonto:

Stichwort: Erdbeben Nepal
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Zur Online-Spende

Weitere Informationen zu Projekten der Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft in Nepal

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news-696 Mon, 08 Jun 2015 13:56:24 +0200 Erwartungen an eine nachhaltige Entwicklungspolitik presse/pressearchiv/archiv-detail-view/erwartungen-an-eine-nachhaltige-entwicklungspolitik.html Über die Forderungen und Einschätzungen des G7-Gipfels durch die Bündnis-Mitglieder "An morgen denken, gemeinsam handeln” – so lautet das Moto des Treffens der G7-Länder Deutschland, Frankreich, Japan, Italien, Kanada, Großbritannien und  USA im bayerischen Schloss Elmau am 7. und 8. Juni 2015. Unter der Leitung von Angela Merkel Vertreter der Länder unter anderem über Entwicklungspolitik, die Post-2015-Agenda, Energieversorgungssicherheit, Stärkung von Frauen, Standards in Handels- und Lieferketten sowie Themen aus dem Bereich Gesundheit. Ein Überblick darüber, was die Bündnis-Mitglieder von den Industrienationen fordern und erwarten:

Brot für die Welt

Brot für die Welt ist Mitglied bei „Transform - Initiative für ökologische und gerechte Entwicklung“, diese appelliert an die Industrienationen, bis 2050 auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Als gemeinsames Projekt sollen die Emissionen durch Kohle, Öl und Gas auf Null reduziert werden. Stattdessen soll auf erneuerbare Energien und energieeffizientes Handeln umgestiegen werden, andere Staaten sollen dabei von den Industrienationen unterstützt werden. Die ersten Folgen der Erderwärmung zeigen sich bereits in den Entwicklungsländern, dort werden die Menschen auch zukünftig am stärksten unter dem Klimawandel leiden. Außerdem soll die G7 Einfluss auf Institutionen wie die UN nehmen, aber auch darüber hinaus ein klares Signal für den Wandel setzten.

Klaus Seitz, Leiter der Abteilung Politik von Brot für die Welt, fasst es so zusammen: „Die G7 haben es in der Hand, ihrer besonderen Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern gerecht zu werden, indem sie dort den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie den Schutz gegen Klimaextreme finanziell und technologisch unterstützen.“

Weitere Informationen von Brot für die Welt zum G7-Gipfel.

Christoffel-Blindenmission

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) ermahnt die Regierungschefs, Menschen mit Behinderungen explizit in den Verhandlungen zu berücksichtigen. „Denn nur wenn auch die eine Milliarde Menschen mit Behinderungen weltweit in den Maßnahmen berücksichtigt werden, ist eine positive Veränderung möglich”, sagt Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführer der CBM.

Mit einem 40 Meter großen Ausrufezeichen, gebildet von mehr als 350 Menschen, hat die CBM ein Zeichen für Menschen mit Behinderungen während des Kirchentages gesetzt. Kurz vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau machte die CBM auf dem Stuttgarter Schlossplatz deutlich, wie wichtig inklusive Entwicklungsziele sind. „Wir hoffen sehr, dass Deutschland mit der G7-Präsidentschaft die Chance nutzt, ein klares Signal für eine inklusive Post-2015-Agenda zu senden“, sagt Dr. Rainer Brockhaus.
Der aktuelle Entwurf der sogenannten Post-2015-Agenda weist aus Sicht der CBM jedoch entscheidende Lücken auf. Behinderte Menschen werden nicht durchgängig und konsequent genug erwähnt. So werden sie in den Zielen zu Armutsbekämpfung, Gesundheit, Katastrophenvorsorge und Nothilfe sowie Geschlechtergerechtigkeit bisher nicht berücksichtigt.

Mehr dazu bei der CBM.

Kindernothilfe

Die Kindernothilfe hat sich anlässlich des G7-Gipfels eine Aktion überlegt. Unter dem Motto „Für globale Gerechtigkeit“ fordert das Hilfswerk Angela Merkel in einer Mail dazu auf, sich gegen Armut und für Gerechtigkeit einzusetzen. Für globale Gerechtigkeit muss neben dem Klimawandel auch der Hunger bekämpft und die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft erreicht werden. Konkrete Forderungen lauten: Eine globale Partnerschaft mit klaren Verantwortungen, ökologische Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Stärkung von Mädchen und Frauen, keine Entwicklungsgelder für Agrarkonzerne, bis 2050 auf erneuerbare Energien umzusteigen und Entwicklungsländern hierbei Hilfe zu stellen.
Auf der Website der Kindernothilfe hat jeder die Möglichkeit, seine persönliche Stimme gegen Armut an die Bundeskanzlerin zu senden.

Zur Aktion #MailanMerkel.

Medico international

Bereits vor dem G7-Gipfel in Elmau kritisiert medico die Gesundheitsagenda des Gipfels. In dieser gehe es nicht um die Ursachen von globalen Gesundheitsproblemen, sondern vielmehr um die Bekämpfung der Symptome. Themen der Kritik sind unter anderem Antibiotikaresistenzen und Impfmaßnahmen sowie die Errichtung einer Health Emergency Reponse Work Force zur schnellen Seuchenbekämpfung. Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international, betont, dass zur Seuchenbekämpfung die Stärkung lokaler Gesundheitssysteme im Vordergrund stehen müsse. Statt Parallelstrukturen zu errichten, wäre es wichtiger, die WHO zu fördern und eine globale Gesundheitspolitik anzustreben. Medicos Gesundheitsreferentin Anne Jung sagte: „Diese Politik muss im Sinne des Allgemeinwohls agieren.“ Bisher verstünde sich die G7-Politik jedoch eher als Vertretung von Wirtschaftsinteressen.

Anne Jung über die G7-Agenda zur Epidemie-Prävention.

Misereor

Misereor nimmt ebenfalls an der Kampagne „Für globale Gerechtigkeit- #MailanMerkel“ teil, vier Themen sind dem Bündnis-Mitglied besonders wichtig: Misereor fordert die Einhaltung von Menschenrechten entlang der Produktions- und Lieferketten. Transnationale Unternehmen sollen in ihre Verantwortung genommen werden, Arbeitsbedingungen transparent zu machen - nicht nur in der Textilbranche, sondern auch bei der Herstellung anderer Produkte. Damit verbunden ist die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer, diese soll die globalen Finanzmärkte regulieren und Spekulationen unattraktiver machen. Außerdem soll die „Neue Allianz für Ernährungssicherheit in Afrika“ gestoppt werden. Diese fördere lediglich Großkonzerne und treibe Bauern in die Abhängigkeit. Hilfreicher seien Investitionen in die kleinbäuerliche Landwirtschaft.

Als weiteren Schritt, um den Hunger im Süden zu bekämpfen, müsse der Treibhauseffekt gestoppt werden. Dafür soll in erneuerbare Energien investiert werden, um so die globalen Emissionen zu reduzieren.

Mehr dazu auf der Webseite von Misereor.

Welthungerhilfe

Mit verschiedenen Protestaktionen begleitet die Welthungerhilfe den diesjährigen G7-Gipfel. Die zentralen Forderungen des Hilfswerks betreffen besonders den landwirtschaftlichen Sektor.
Das Bündnis-Mitglied wünscht sich die Stärkung der lokalen Landwirtschaft, dafür müssen sowohl die Rechte der Kleinbauern als auch ihre Landwirtschaft gefördert werden. Im Zuge der Nachhaltigkeit sei es wichtig, ökologisch zu wirtschaften, um die Artenvielfalt und das Fortbestehen der Böden zu sichern. Außerdem fordert die Welthungerhilfe mehr staatliche Mittel zur Hungerbekämpfung und eine Förderung der ländlichen Entwicklung sowie die Schaffung von Einkommensquellen in ländlichen Regionen.

Auch die langfristigen Folgen des Klimawandels in den Entwicklungsländern sollen finanziell von den Industrienationen abgesichert werden. Um diese gering zu halten, soll der globale Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden - ohne dass Entwicklungsländer dabei in ihren wirtschaftlichen Fortschritten behindert werden.

Informationen zu G7 bei der Welthungerhilfe.

Was passiert während des Gipfels? Eine Animation von tagesschau.de veranschaulicht die Abläufe.

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news-695 Wed, 03 Jun 2015 12:06:32 +0200 Am Ende der Flucht presse/pressearchiv/archiv-detail-view/am-ende-der-flucht.html Die Bündnis-Mitglieder helfen weiter in und um Syrien. Vor rund vier Monaten wurde Kobani vom „Islamischen Staat“ befreit, etwa 100.000 Menschen sind inzwischen in die Stadt und umliegenden Dörfer zurückgekehrt. Doch Kobani gleicht weiter einer riesigen Ruine. Der Wiederaufbau gestaltet sich schwer und so kehren die Flüchtlinge nur langsam zurück. Aber immerhin. In anderen Landesteilen wagt sich kaum jemand zurück. Dabei wäre genau das wichtig. „Wir müssen ein Zeichen setzen, dass eine Rückkehr nach Syrien möglich ist“, sagt Martin Glasenapp vom Bündnis-Mitglied medico international. Dazu müssten sich die Türkei, der Iran, der Westen und Russland auf einen „wie auch immer gearteten Friedensplan“ einigen. Mit dezentralen Lösungen sei eine Lebenssicherungen für die Menschen vor Ort möglich.

„Die syrische Bürgergesellschaft ist die größte Hilfsorganisation in Syrien“, betont Martin Glasenapp die Bedeutung lokaler Kräfte. Die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft setzen alles daran, diese weiter zu unterstützen. Die Politik müsse laut Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international, nun ihrerseits alles unternehmen, „um zumindest das Töten zu beenden.“: „Dazu gehört es auch, die Wirtschaftsadern terroristischer Aktivitäten abzutrennen.“

Wir sprachen mit Ton van Zutphen, Landeskoordinator Syrien und Türkei des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe, über die aktuelle Situation nahe der türkisch-syrischen Grenze.

Ende Januar 2015 wurde das größte Flüchtlingslager der Türkei eröffnet. Es liegt in Suruc, nahe der syrischen Grenze und 40.000 Flüchtlinge haben hier Platz. Hätten, denn nur 5.000 Flüchtlinge suchen hier bisher Schutz – obwohl über 190.000 Menschen von Kobane in die Türkei geflohen waren. Wie kommt es, dass das Flüchtlingslager in Suruc nur von wenigen Menschen genutzt wird?

Ton van Zutphen: Ich habe das Camp vor rund zwei Monaten besucht als es gerade fertiggestellt war. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort etwa 8.000 Menschen. Die Eröffnung ging zeitlich einher mit der langsamen Rückkehr der Flüchtlinge von Suruc nach Kobani. Zudem steigt mit dem Frühling die Chance für die Flüchtlinge, im Bereich der Landwirtschaft Arbeit zu finden. Ich gehe davon aus, dass alle Camps in und um Suruc im Laufe des Jahres immer weniger Flüchtlinge beherbergen werden, sofern sich sonst nichts gravierend ändert. Das ist der normale Verlauf einer humanitären Krise. Menschen kommen und gehen – so wie es ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht.

Zahlreiche Kurden aus Kobani vertrauen der türkischen Regierung nicht. Einige meiden die durch die Türkei finanzierten Camps. Haben sie Angst?

Ton van Zutphen: Die wichtigste Frage für jeden Flüchtling lautet: Wo habe ich die beste Chance für mich und meine Familie die nächsten Monate zu leben? In und um Suruc gibt es viele Alternativen zum Leben in einem Flüchtlingslager. Die Mehrheit der Flüchtlinge leben in gastgebenden Gemeinschaften, hier entsteht der Eindruck von ein wenig Normalität – etwas, was große Camps nicht vermitteln können. Zahlreiche andere Flüchtlinge leben in kleinen Camps, die unmittelbar nach Ausbruch der Gewalt in Kobani errichtet wurden. Verteilungen von Hilfsgütern erfolgen weiterhin in den kleinen Camps wie auch außerhalb der Flüchtlingslager. Aufgrund einer möglicherweise weiter steigenden Zahl an syrischen Flüchtlingen könnten weitere neue Camps benötigt werden. Die türkische Regierung ist sehr großzügig und hat ein großes neues Camp eröffnet.  
 
Die türkischen Flüchtlingslager sind sehr gut organisiert. Gutscheine, Supermärkte und Schulen ermöglichen es den Bewohnern mehr als in anderen Camps, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Führt dies zu einer Integration der syrischen Flüchtlinge in die türkische Gesellschaft?

Ton van Zutphen: Jede Gesellschaft hat ihren eigenen Weg, mit Flüchtlingen umzugehen. Die Vorstellung von Integration ist nicht sehr verbreitet. Die Behörden sprechen von Gästen und von einer Harmonisierung ihrer Lebensumstände, während sie sich in der Türkei aufhalten. Die Standards in den Camps in und um Suruc sind hoch und setzen neue Maßstäbe für Flüchtlingslager, möglicherweise sogar weltweit.

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news-694 Wed, 03 Jun 2015 10:46:42 +0200 Der Unterricht in Nepal läuft wieder presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-unterricht-in-nepal-laeuft-wieder.html In Kinderschutzzentren werden die Kleinsten betreut und versorgt. Fünf Wochen nach dem schweren Erdbeben wurden in Nepal der Schulunterricht wieder aufgenommen – doch von Normalität und Alltag kann keine Rede sein. Tausende Schulen wurden zerstört, gelernt wird nun in improvisierten Klassenräumen, in Zelten oder Bambushütten. Viele Eltern zögern angesichts der Katastrophe, ihre Kinder zum Unterricht zu lassen. Das Bündnis-Mitglied terre des hommes betreut Kinder in Schutzzentren, wo sie spielen können und Essen erhalten.

Spendenkonto:

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news-693 Tue, 26 May 2015 12:38:53 +0200 Zum Umgang mit Gewalt und Traumata in der Menschenrechtsarbeit presse/pressearchiv/archiv-detail-view/zum-umgang-mit-gewalt-und-traumata-in-der-menschenrechtsarbeit.html In der vergangen Woche trafen sich vier in der Entwicklungszusammenarbeit tätige Psychologinnen beim Bündnis-Mitglied Brot für die Welt. Gemeinsam sprachen sie über die Bedeutung psychosozialer Arbeit. Von Katrin Schenck

Die Rednerinnen arbeiten für Partnerorganisationen von Brot für die Welt in Mexico und Guatemala. Ihre Arbeit ist sowohl präventiv als auch politisch und aufklärerisch. Zum Hintergrund: In Mexico und Guatemala existieren kriminelle, wirtschaftliche und politische Strukturen, die eng miteinander verwoben sind. Außerdem ist eine steigende Militarisierung und Paramilitarisierung durch Bürgerwehren und Drogenkartelle zu beobachten. In den Ländern herrscht nicht nur Korruption, sondern auch Straflosigkeit, besonders bei den vielen Menschenrechtsverletzungen. Die  Parallelstrukturen führen in der Bevölkerung vor allem zu einer großen Desorientierung. „Die Menschen sind verwirrt darüber, wer hinter der jeweiligen Gewalt steckt“, sagt Clemencia Correa, die in Mexico tätig ist.

„Der Staat entzieht sich seiner Verantwortung und fährt eine Unterdrückungsstrategie, es wird nichts gegen die Menschenrechtsverletzungen unternommen“, sagt Laura Espinosa Gómez. Die Auswirkungen sind in der Gesellschaft spürbar. Es herrscht Angst, die zu Schweigen führt, und es gibt die Gewalt. Die Menschen sind politisch unambitioniert und haben eine ungewisse Zukunft vor sich, häufig führt das auch zu familiären Konflikten. In der stark polarisierten Gesellschaft gibt es kein Vertrauen in Institutionen. Die Menschen glauben nicht mehr an die Justiz und den Staat. Auch Zwangsumsiedlungen und Vertreibung, durch die unterschiedlichen Akteure, nehmen zu und wirken sich über Generationen aus.

Eine ähnliche Situation herrscht in vielen Länder, derzeit auch in Syrien. Seit mehr als vier Jahren tobt dort der Bürgerkrieg. Auch hier sind Parallelstrukturen anzutreffen, es gibt die Regierung, die Rebellen, den IS und viele weitere Splittergruppen. Sie alle schaffen eigene Strukturen und üben Gewalt aus, die zumeist Zivilisten trifft. So herrschen auch in Syrien Angst, politische Desorientierung und ganz besonders Vertreibung. Sie ist für die Menschen oft die letzte Chance, der Gewalt zu entkommen.
Die Menschen sind traumatisiert und benötigen psychologische Betreuung. Das Bündnis Entwicklung Hilft und seine Mitgliedsorganisationen kümmern sich um sie. So unterstützt unter anderem Brot für die Welt die Arbeit der Partnerorganisationen Aluna und ECAP in Mexico und Guatemala. Paula María Martínez Velásquez erzählt von ihrer Arbeit als Psychologin. Sie legt Wert auf eine gendersensible Therapie, die in drei Phasen stattfindet, der kollektiven, familiären und individuellen. Denn nicht nur die eigenen Erfahrungen spielen eine Rolle; für einen Therapieerfolg muss auch die Familie mit einbezogen werden. In der kollektiven Phase geht es um die Gemeinschaft oder auch Gesellschaft. Häufig fühlen sich die Betroffenen als Opfer der Gesellschaft allein gelassen. Frauen, die sexuell missbraucht wurden, empfinden zudem Scham- und Schuldgefühle. In der psychosozialen Betreuung wird für Sicherheit gesorgt und es gibt je nach Bedarf eine psychojuristische Begleitung.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt in der Gesprächsrunde war die psychosoziale Begleitung der Helfer. Dr. Vilma Duque, die für ECAP als auch Brot für die Welt arbeitet, sagte: „Der Schmerz des Traumas bringt den Helfern oft eigene Erfahrungen zurück.“ So waren sich alle einig, dass eine Supervision für die Helfer angestrebt werden müsse, denn auch sie brauchen geschützte Räume zur Aufarbeitung.
Laura Espinosa Gómez schilderte an einem Beispiel aus Guatemala sehr eindrucksvoll, welchen psychischen Belastungen die Helfer in Ländern, in denen Gewalt herrscht, ausgesetzt sein können.
In ihrem Beispiel ging es um die Organisation CAT, die Gewerkschaftsbewegungen der Arbeiter förderte. Den lokalen Machthabern missfiel deren Engagement und begann, die Helfer zu überwachen. Darauf folgten Erpressung, Bedrohungen und körperliche Gewalt gegen die Helfer. Bei einem Einbruch wurde das Büro verwüstet und an die Wand geschrieben: „Ihr wisst nicht, mit wem ihr euch anlegt.“ Ein Helfer wurde 17 Stunden lang entführt und gefoltert, als Todesdrohung an die Leiterin des Projekts. In dieser Zeit erlebten alle Mitarbeiter psychische Krisen, erlitten Panik, Verzweiflung und Schlafstörungen. Das Team zerbrach an diesen Erlebnissen und begann, sich untereinander zu misstrauen. Schließlich mussten die Helfer aus Angst um ihre Sicherheit das Land verlassen. Bei den Mitarbeitern führte das zu einem kollektiven Schuldgefühl, nicht genug für die Menschen getan zu haben. Erst zwei Jahre später konnte das Team in einer anderen Region seine Arbeit wieder aufnehmen.

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news-692 Tue, 12 May 2015 17:03:35 +0200 Erneutes Erdbeben in Nepal presse/pressearchiv/archiv-detail-view/erneutes-erdbeben-in-nepal.html Ein weiteres schweres Erdbeben hat Nepal heimgesucht. Die Bündnismitglieder und ihre Partnerorganisationen bleiben vor Ort und leisten akute Nothilfe.

17 Tage nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 bebte heute erneut die Erde in Nepal. Es gab östlich von Kathmandu mehrere Beben, das schwerste mit einer Stärke von 7,2 in der Region Janakpur. Die Erde wackelte so stark, das die Erschütterungen noch in Butan, Bangladesch und Indien zu spüren war.

„Es war schrecklich, nicht in Worte zu fassen. Menschen weinten und flüchteten in Angst um ihr Leben auf die Straße. Der Boden wankte so sehr, dass wir kaum stehen konnten“, sagt Francesca Schraffl vom Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe in Nepal. „Die Hitze und der Staub verängstigen die Menschen zusätzlich. Als erstes versuchten die Menschen in all dem Chaos Kontakt zu ihren Familien herzustellen, um zu erfahren wie es ihnen geht.“ Wie einzelne die Bündnismitglieder meldeten, seien deren Mitarbeitende nach dem erneuten Erdbeben wohlauf. 

Noch ist nicht klar, was das Nachbeben für die laufenden Hilfsmaßnahmen bedeutet. Im Umkreis von 50 Kilometer um das Epizentrum leben rund eine Million Menschen. „Wir bangen um Tausende Kinder“, so Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Bündnis-Organisation Kindernothilfe. „Viele von ihnen haben gerade erst Schlimmes erlebt - ihr Zuhause oder sogar Angehörige verloren. Wir dürfen sie jetzt nicht im Stich lassen.“

Schon vor dem Nachbeben war die Lage dramatisch, warteten die Menschen verzweifelt auf Hilfe. Jetzt ist mit weiteren Verletzten und traumatisierten Menschen zu rechnen. Die Bündnismitglieder bleiben vor Ort und weiten ihre Hilfsmaßnahmen noch weiter aus.

„Die Erfahrung zeigt, dass es jetzt darum geht, schnellstmöglich in das betroffene Gebiet zu gelangen, um das Ausmaß der Katastrophe festzustellen“, sagt Jürgen Mika, Mitglied des Nothilfeteams der Welthungerhilfe. „In der Region wurden bereits Hilfsgüter verteilt, das gilt es jetzt zu intensivieren.“ 

Die Kindernothilfe verteilt über ihre lokalen Partnerorganisationen Planen und dringend benötigte Lebensmittel an Familien mit Kindern. Zeitgleich bringt das Hilfswerk die medizinische Versorgung und die Einrichtung von Kinderschutzzentren in den am stärksten betroffenen Gebieten weiter voran.

Auch die Mitglieds-Organisation Christoffel-Blindenmission (CBM) arbeitet mit ihren nepalesischen Partnern auf Hochtouren, um den Erdbebenopfern zu helfen und hat dafür 700.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die nationale Selbsthilfeorganisation für Menschen mit psychischen Erkrankungen KOSHISH kümmert sich um die Menschen, die durch das Erdbeben traumatisiert sind. „Gerade mit den vielen Nachbeben und dem heftigen Erdbeben von heute werden noch mehr Menschen diese Hilfe benötigen“, erklärt CBM-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockhaus.

Besonderer Schutz für Kinder

"Unsere Projektpartner berichten, dass die wenigen funktionierenden Schulen geschlossen sind und die Menschen sich jetzt erst recht nicht in die noch stehenden Häuser trauen. Ihnen stehen jetzt weitere Nächte im Freien bei Kälte und Regen bevor", sagte Friederike Leidreiter, Nothilfekoordinatorin des Bündnis-Mitglieds terre des hommes.

"Auf den Straßen herrscht großes Durcheinander, überall versuchen die Menschen, ihre Angehörigen zu erreichen. Nachdem in Kathmandu gerade etwas Ruhe eingekehrt war und die ersten Geschäfte wieder öffneten, wirft dieses schwere Nachbeben Nepal wieder zurück. Wir sondieren derzeit, inwieweit unsere Projekte in den entlegenen Regionen betroffen sind." Bei der Hilfe in Kathmandu und den ländlichen Regionen östlich der Hauptstadt arbeitet terre des hommes mit einheimischen Partnerorganisationen sowie den holländischen und schweizerischen terre des hommes-Schwesterorganisationen zusammenarbeiten. Insgesamt wurden bisher 400.000 Euro für Nothilfemaßnahmen bewilligt.

Die Familien erhalten Reis und Hülsenfrüchte, sauberes Trinkwasser, Hygieneartikel, Öl zum Kochen sowie Kleidung und Decken. Babys, Kleinkinder und Schwangere bekommen spezielle proteinhaltige Nahrungsmittel. Den zahlreichen Kindern, die Angehörige verloren haben oder um die sich niemand kümmern kann, weil ihre Familien in den Trümmern ihrer Häuser nach ihrer Habe suchen, bieten freiwillige Helfer unserer Partnerorganisationen sichere Orte, wo sie geschützt und betreut werden.

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news-691 Mon, 11 May 2015 13:47:35 +0200 Breites Themenspektrum bei den Entwicklungspolitischen Diskussionstagen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/breites-themenspektrum-bei-den-entwicklungspolitischen-diskussionstagen.html Zum 14. Mal veranstalteten in diesem Jahr die Heinrich-Böll-Stiftung und das Seminar für ländliche Entwicklung (SLE) die Entwicklungspolitischen Diskussionstage

Von Florian Brell

An drei Tagen fanden Diskussionsrunden zu den Themen Flucht und Vertreibung, Bodenschutz und zur New Alliance for Food Security and Nutrition der G7 statt. Mit Sophia Wirsching von Brot für die Welt nahm am ersten Tag auch eine Vertreterin einer Bündnis-Organisation an den Diskussionen teil.

Verantwortung ohne Grenzen?

Den Impuls für die erste Podiumsdiskussion zum Thema „Verantwortung ohne Grenzen? Ausrichtung und Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit im Kontext von Flucht und Vertreibung“ lieferte die Aufführung eines Ausschnitts der „Asylmonologe“, einem dokumentarischen Theaterstück über Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland, der Bühne für Menschenrechte. Im Folgenden diskutierten Andrea Muck, Mitarbeiterin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Sophia Wirsching, Referentin für Migration und Entwicklung im Referat „Menschenrechte und Frieden“ bei Brot für die Welt mit Bruno Watara, selbst Flüchtling und engagiert in verschiedenen Flüchtlingsselbstvertretungen. Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde Dr. Ulrike Krause, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg, per Skype zugeschalten. 

In Ihrem Eingangsstatement betonte Andrea Muck, dass das BMZ seit Amtsantritt des Bundesministers Gerd Müller einen Schwerpunkt auf das Thema Flüchtlinge setze. Sondermittel wurden bewilligt, um die Ursachen von Krisen, momentan vor allem gewaltbedingten Krisen, zu bekämpfen. Weiterhin unterstütze das Ministerium Flüchtlinge soweit möglich, auch wenn diese Aufgabe in erster Linie anderen Politikressorts untergeordnet sei.

Sophia Wirsching sieht in der Entwicklungszusammenarbeit mehr als nur die reine Bekämpfung von Fluchtursachen. Das BMZ fasse seine Aufgaben zu eng und unterstütze eine regressive Flüchtlingspolitik, indem man sich an der Abschottung der Europäischen Union vor Flüchtlinge beteilige.

Diesen Vorwurf wies die Mitarbeiterin des BMZ entschieden zurück. Das Ministerium wolle nicht die Einreise von Flüchtlingen verhindern, sondern lediglich Nachbarländer von Krisenregionen, die den Großteil der Flüchtlinge aufnehmen, unterstützen.
Auch Watara kritisierte die deutsche und europäische Flüchtlings- und Entwicklungspolitik und betonte den großen Anteil Europas an den Fluchtursachen. Ein weiteres Problem sei der Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland. Dabei ließ der gebürtige Togolese auch immer wieder seine eigene Erfahrung mit einfließen.

Die im zweiten Teil zugeschaltete Wissenschaftlerin Dr. Ulrike Krause forschte in Flüchtlingslagern in Uganda und konnte konkrete Forschungsergebnisse mit einfließen lassen. Unter anderem beschäftigte sie sich hierbei mit sexueller Gewalt und betonte in diesem Kontext, dass sich sexuelle Gewalt in Flüchtlingslagern nicht ausschließlich gegen Frauen richte. Eine geschlechtseinseitige Hilfe sei in diesem Rahmen kontraproduktiv.

Am Ende forderten die Teilnehmer eine Stärkung und Aufwertung der Flüchtlingsarbeit und -politik. Andrea Muck betonte abschließend, dass auch die Vertreter der Entwicklungsarbeit politischer werden müssten, um die Interessen der Flüchtlinge zu stärken.

Don't spoil our Soil

Tag zwei der Entwicklungspolitischen Diskussionstage stand ganz im Zeichen des aktuellen Jahres des Bodens. Mit „Don’t spoil our soil! Das Spannungsfeld zwischen Bodenschutz und Ernährungssicherung“ betrachteten Dr. Friedrich Dechet, Agrarbiologe im Industrieverband Agrar e.V., Dr. Alexander Erlewein, Geograph und Mitarbeiter der United Nations Convention to Combat Desertifikation (UNCCD), Agrarwissenschaftler Dr. Johannes Kotschi und Agrarökonomin und Ökologin Dr. Susanne Neubert das Thema „Boden“ aus entwicklungspolitischer Perspektive.

Bereits zu Beginn stellte Dr. Alexander Erlewein fest, dass Boden mehr als ein Produktionsfaktor sei. Gerade das Jahr 2015 würde in diesem Bereich wichtige Weichen stellen. Einerseits werden mehrere der „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ (SDG's), die im September auf einem UN-Gipfel verabschiedet werden sollen, in Zusammenhang mit Bodenschutz stehen. Andererseits rechnet der Geograph auch damit, dass Boden im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Paris eine Rolle spielen werde, immerhin liege hier großes CO2-Speicherpotenzial vor. Auch die anderen Teilnehmer sehen im Fokusjahr Chancen, wichtige Prozesse in Gang zu setzen und die Öffentlichkeit für das Thema Bodenschutz zu sensibilisieren.

Vor allem beim Zusammenhang zwischen Bodendegradierung und Armut waren sich die Diskutierenden einig. Dr. Neubert sieht eine Chance darin, der hauptsächlich privaten Landwirtschaft im globalen Süden Marktanreize für Bodenschutz zu schaffen, um so eine nachhaltige Bewirtschaftung zu gewährleisten. Für Dr. Kotschi ist diese Sichtweise zu simpel. Es müsse vor allem Know-How und Bewusstsein geschaffen werden.

Eine weitere wichtige Rolle spielte das Thema Düngungsmittel. Während Kotschi der Mineralstoffdüngung als „Lösung“ für das Problem der Nährstofferschöpfung im globalen Süden eher skeptisch entgegensteht und für nachhaltige und langfristige Alternativen plädiert, sieht Dechet in dieser Methode durchaus auch Chancen, gesteht aber ein, dass Mineraldüngung kein Allheilmittel sei. Susanne Neubert betrachtete das Problem eher aus der Perspektive der Ökonomin. Der Import von Düngemittel in Entwicklungsländer sei schlicht und einfach nicht rentabel. Sie plädierte für die Wiederherstellung der aufgrund von Konflikten gestörten Symbiose von Vieh- und Landwirtschaft.

Auch wenn die Ansatzpunkte der Teilnehmer durchaus verschieden waren, kamen alle darin überein, dass der Grundstein für eine nachhaltige Ernährungs- und Bodensicherung in einer bewussten und nachhaltigen Landwirtschaft liege und der Zugang zu Know-How und Technik auch in ärmeren Regionen der Welt gewährleistet werden müsse. Damit gestalteten die Diskutierenden gewissermaßen auch einen thematischen Übergang zum dritten Tag.

Eine Allianz für Alle?

Die Abschlussveranstaltung der Diskussionsreihe beschäftigte sich mit der „New Alliance for Food Security and Nutrition“ der G7, einer sogenannten „Public-Privat-Partnership“ (PPP) zur Investition in den ländlichen Raum in Afrika. Die 2012 ins Leben gerufene Initiative soll Privatanleger zu Investitionen in die afrikanische Landwirtschaft motivieren. Die Staaten nehmen dabei eine regulierende Rolle ein. Mit der Politikerin Gudrun Kopp konnte eine Diskussionsteilnehmerin gewonnen werden, die selbst an der Konzeption der New Alliance mitwirkte.

Mit ihr diskutierten Prof. Dr. Theo Rauch von der FU Berlin, Marita Wiggerthale, Referentin für Welternährung und globale Agrarfragen bei OXFAM Deutschland und Dr. Thomas Breuer, Leiter des Sektorvorhabens Agrarhandel und landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Marita Wiggerthale sieht die New Alliance als hochproblematisch an. Intransparenz, mangelhafte partizipatorische Mittel und extrem hohe Risiken überschatten für die OXFAM-Mitarbeiter jegliches Potenzial der Allianz.  Prof. Dr. Rauch bezeichnete die Initiative gar als Etikettenschwindel. Er sieht den namensgebenden Aspekt Ernährungssicherheit in keiner Weise in den Leitlinien verwirklicht. Auch den Zusammenhang zwischen Ernährungssicherheit und ländlicher Entwicklung hält er für fraglich.
„Die New Alliance ist vielleicht nicht das Nonplusultra“, gestand Kopp ein. Der große Verdienst bestehe allerdings darin, die relevanten Gruppen zusammengeführt zu haben. Die Allianz sei eine von vielen Säulen, um den Ländern des afrikanischen Kontinents mehr Eigenverantwortlichkeit in Fragen der Ernährungssicherheit zu ermöglichen. Weiterhin werde eine Basis des Vertrauens für Investitionen in die ländlichen Räume Afrikas geschaffen.

Dr. Thomas Breuer hält das Potenzial der New Alliance zwar für überschätzt, glaubt aber generell an die Wirksamkeit von Public Privat Partnerships. Der Landwirtschaftssektor sei spätestens 2008 für Investoren attraktiv. Gerade in der afrikanischen Landwirtschaft sieht er großes Potenzial und die Möglichkeit, Perspektiven zu schaffen. Er betonte jedoch, dass derartige Initiativen keine Sozialprogramme seien. Den Gewinninteressen der Unternehmen müsse Rechnung getragen werden. Im Gegenzug würden PPP's der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten die Chance auf Jobs, Einkommen und mehr nationale Selbstständigkeit bieten.

Neben seiner Kritik sieht Prof. Dr. Rauch auch Chancen in Public Privat Partnerships wie der New Alliance. Gerade für Kleinbauern könne damit ein Marktzugang geschaffen werden. Obwohl diese Gruppe den Großteil der Nahrungsmittel des Kontinents produziere, würde sie weiterhin marginalisiert. Eben diesen Marginalisierten könne und müsse im Rahmen der New Alliance eine Stimme verliehen werden.

Alles in allem stimmten alle Beteiligten über die großen Chancen von Public Private Partnerships überein, auch wenn einige Teilnehmer der Diskussionsrunde die New Alliance äußerst kritisch sehen.  Auch Gudrun Kopp erkennt Reformbedarf bei der Allianz der G7, betonte allerdings, dass die auf zehn Jahre ausgelegte Initiative noch relativ am Anfang stehe und bereits beim nächsten Leadership Council in diesem Jahr Nachbesserung erfolgen würden.

Neue Perspektiven

Die Diskussionstage boten eine gute Möglichkeit, sich über Arbeit und Themen der Entwicklungspolitik zu informieren und sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen. Gerade die Diskussionen zu Themenbereichen, die weniger im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit liegen, eröffneten neue Sichtweisen auf die Anforderungen an Entwicklungsarbeit.

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news-690 Fri, 08 May 2015 13:59:28 +0200 Der politische Islam in der internationalen Politik presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-politische-islam-in-der-internationalen-politik.html Ein Fachgespräch zur differenzierten Sichtweise auf den Islam Von Katrin Schenck

Am 27. April 2014 fand in Berlin das Fachgespräch von Bündnis 90/Die Grünen zum Thema „Politischer Islam in der internationalen Politik“ statt. Auch für das Bündnis Entwicklung sind die dort diskutierten Aspekte von großer Bedeutung – nicht zuletzt aufgrund der Situation in Syrien, im Irak und den angrenzenden Ländern, wo die Mitglieds-Organisationen Hilfe leisten. Aber auch aus afrikanischen Ländern wie Libyen, Mali und Nigeria fliehen täglich immer mehr Menschen vor Terrororganisationen wie dem IS oder aufgrund der politischen Instabilität ihrer Länder. Die Zivilgesellschaft fordert von Deutschland und der EU ein stärkeres Eingreifen - zum einen durch eine verbesserte Flüchtlingspolitik und zum anderen durch politische Interaktionen mit den betroffenen Landesregierungen. Um diese politischen Interaktionen ging es in der Diskussionsrunde, an der sowohl verschiedene Islamwissenschaftler teilnahmen als auch der Grünen Abgeordnete für Außenpolitik Omid Nouripour und die tunesische Abgeordnete Saida Ounissi aus der Ennahda Partei.

Durch zunehmende Gewalt, sowohl von Seiten der Terrororganisationen als auch von Landesregierungen gegen ihre Bevölkerung, hat der politische Islam heutzutage eine starke Medienpräsenz. Politiker und Zivilisten sind gespaltener Meinung darüber, inwieweit Deutschland und die EU mit radikal islamischen Landesregierungen kooperieren sollen und können, welche grundlegende Menschenrechte nicht einhalten.

Stefan Weidner, Chefredakteur von Fikrun wa Fann, einem deutsch-islamischen Kulturmagazin, sagte: „Westliche Gesprächspartner bevorzugen oft autoritäre, nicht islamische Regierung gegenüber denen, die demokratisch gewählte sind.“ Das wiederum führe laut dem Islamwissenschaftler Peter Heine dazu, dass der Islam häufig nicht differenziert wahrgenommen werde und als „Sündenbock“ diene.
Westliche Politiker wünschen sich mehr Reformdenker im Islam, Vermittler, die einen guten Kontakt zu ihnen und der eigenen breiten Bevölkerung haben. Doch westlich geprägte Eliten bleiben selten in ihren Geburtsländern und fromme Gläubige betrachten sie zudem häufig als Heuchler, da die gewünschten Veränderungen nur schwer umsetzbar sind.

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen, stellte zum Ende des Fachgespräches fest, dass es ein Denkproblem innerhalb der internationalen Beziehungen gebe. Die angewandte Logik „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ sei trügerisch. Guido Steinberg aus der SWP Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten wünscht sich, dass sich die Bundesregierung sich zu den Konflikten positioniere und Einfluss und Interesse bei den Bündnispartner zeige. Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, entließ die Runde mit dem Kommentar: „Die Demokratisierung Nordafrikas ist billiger als Krieg und der Antiterrorkampf.“



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news-689 Fri, 08 May 2015 11:04:28 +0200 Die langfristige Hilfe läuft an presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-langfristige-hilfe-laeuft-an.html Bündnis-Mitglieder weiten für den Wiederaufbau in Nepal die Hilfe aus Rund 265.000 Häuser wurden zerstört, weitere 213.000 schwer beschädigt und rund 31 Millionen Einwohner Nepals sind von dem Erdbeben vom 25. April betroffen. Umso wichtiger ist es, so schnell wie möglich mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Denn da das Land an sich schon sehr arm ist und unter politischen Unsicherheiten leidet, wird es lange dauern, bis der Wiederaufbau beendet ist.

CBM fordert: Menschen mit Behinderung nicht übersehen

Die Bündnis-Mitgliedsorganisation Christoffel-Blindenmission (CBM) hat mehr als 130 Menschen bei einem ersten Hilfscamp in einem der abgelegenen Dörfer versorgt. Das Team des CBM-Partners „Hospital and Rehabilitation Center for Disabled Children“ (HRDC) gipste gebrochene Arme und Beine ein, nähte Schnittwunden und behandelte Kopf- und Wirbelsäulen-verletzungen. Einige schwerere Fälle wurden nach Kathmandu in Krankenhäuser gebracht. Außerdem verteilte HRDC Essen und Wasser.

CBM-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockhaus sagt: „Tage nach dem Beben war das die erste Hilfe, die diese Menschen erhalten haben. Wir haben unsere konkrete Hilfe auf 300.000 Euro erhöht. Damit können wir unter anderem weitere solcher Hilfscamps durchführen.“ Darüber hinaus versorgen CBM-Partner Menschen mit Behinderungen mit den notwendigen Hilfsmitteln. Denn oft verlieren die Menschen ihre Gehhilfen, Brillen oder Rollstühle bei Katastrophen. Die nationale Selbsthilfeorganisation für Menschen mit psychischen Erkrankungen KOSHISH kümmert sich um die Menschen, die durch das Erdbeben traumatisiert sind.

Neben dieser konkreten Hilfe sensibilisiert die CBM andere Hilfsorganisationen, damit sie ihre Hilfe barrierefrei zur Verfügung stellen und Menschen mit Behinderungen nicht übersehen werden.

Kindernothilfe fördert Kinderschutzzentren

Die Situation in Nepal spitzt sich besonders für die Mädchen und Jungen weiter zu: Ihnen drohen Unterernährung und Krankheiten. Durch die schlechten hygienischen Bedingungen steigt die Seuchengefahr für rund 1,7 Millionen betroffene Kinder. „Die speziell auf Kinder ausgerichtete internationale Hilfe ist einfach noch nicht ausreichend, deshalb haben wir uns entschlossen mit erfahrenen Partnerorganisationen aus der Region eigene Maßnahmen zu unterstützen“, sagt Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende des Bündnis-Mitglieds Kindernothilfe. Die Kindernothilfe fördert Kinderschutzzentren für 500 Kinder und ermöglicht die Versorgung von Kleinkindern und stillenden Müttern mit Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung in den am stärksten betroffenen Distrikten des Erdbebengebiets.

Nach UN-Angaben gibt es aus Kathmandu und anderen Distrikten Berichte über unbegleitete Kinder, die verstärkt Risiken wie Kinderhandel und sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind. „Kinder sind verletzlich und nach einer traumatisierenden Katastrophe brauchen sie besonders viel Aufmerksamkeit und Schutz. Aus Erfahrung mit anderen Katastrophen, etwa nach dem Erdbeben in Haiti, wissen wir, wie wichtig die Kinderschutzzentren für Mädchen und Jungen sind. Hier werden sie versorgt, betreut und können rasch wieder spielen und lernen“, so Katrin Weidemann weiter.

Medico zielt auf eine nachhaltige und solidarische Wiederaufbauhilfe

Das Bündnis-Mitglied medico international unterstützt lokale und regionale Partnerinnen und Partner, die zum Teil vom ersten Moment nach dem Beben an in nachbarschaftlicher Hilfe aktiv waren und weiterhin sind. Einer davon ist die Nepalesische Entwicklungsgesellschaft (NEDS), die wenige Stunden nach dem Beben folgendes berichtete: „Wir kommen gerade aus Pokhara und haben in den Dörfern nahe des Epizentrums Hilfsmaterial verteilt. Die Situation ist herzerweichend. Es gibt kaum Hilfe von der Regierung oder NGOs. Wir brauchen Decken und Zelte. In vielen Dörfern ist es kalt. Es ist eine große Herausforderung, die Sachen zu den Menschen zu bringen. Die Straßen sind schlecht, der Transport teuer. Aber wir machen weiter.“

Aus Pakistan ist ein Nothilfe-Team des langjährigen Partners HANDS (Health and Devolopment Association) eingetroffen, darunter Ärzte und Pflegepersonal. Sie haben große Erfahrung im Umgang mit Erdbebenkatastrophen unter ähnlichen sozialen Bedingungen. Ihr Herangehen bereits in der Nothilfephase, lokale Komitees zu bilden und die Überlebenden von Anbeginn in Nothilfe und Wiederaufbau einzubinden und mitgestalten zu lassen, ist exemplarisch auch für mögliche Formen der dauerhaften Arbeit in Nepal.

medico international unterstützt all diese Arbeiten im Rahmen des internationalen People's Health Movement, das in dieser Region mit vielen lokalen Gesundheitsorganisationen vertreten ist und ein Konzept der Globalisierung von unten für das Menschenrecht auf Gesundheit praktiziert. In Nepal, einem der ärmsten Länder der Region, gilt es die regionalen Kräfte zu unterstützen, die eine nachhaltige und solidarische Wiederaufbauhilfe im Interesse der marginalisierten Menschen sichern können.

Misereor hat knapp 500.000 € für Erdbebenopfer bewilligt

Das Bündnis-Mitglied Misereor erhöht seine bisher bewilligten Gelder für die Hilfe in Nepal auf knapp eine halbe Million Euro. Gleichzeitig laufen aktuell bereits umfangreiche Maßnahmen für den langfristigen Wiederaufbau.

Nach Angaben der nepalesischen Partnerorganisation COCAP (Collective Campaign For Peace) sind die Hilfseinsätze für die Erdbebenopfer in vollem Gange und verlaufen erfolgreich. „Soeben haben sich drei LKW-Besatzungen mit Hilfsgütern an Bord auf den Weg in eine entlegene Region im Distrikt Sindhupalchowk gemacht. Sie werden begleitet von einem Team mit vier medizinischen Fachkräften. Weitere drei Lastwagen werden gerade mit Zelten, Lebensmitteln und Hygienematerial beladen und starten ebenfalls in Kürze in das genannte Gebiet“, berichtete Saroj Nepal, Programm-Manager von COCAP.

Als Werk der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit forciert Misereor auch in der aktuellen akuten Notsituation bereits die Bemühungen um die langfristige und nachhaltige Entwicklung in Nepal. In den nächsten Tagen werden die Partnerorganisationen „Community Architects Network“ (CAN), ein Zusammenschluss erfahrener Architekten, und Asian Coalition for Housing Rights (ACHR) damit beginnen, die Situation in zerstörten Siedlungen mit den dortigen Bewohnern zu analysieren und schnellstmöglich Pläne für den erdbebensicheren Wiederaufbau zu entwerfen.

Welthungerhilfe verteilt unter anderem Decken und Zeltplanen

Auch zehn Tage nach dem katastrophalen Erdbeben in Nepal ist es schwierig, die weit entfernten Dörfer in den Bergen zu erreichen. „Auf dem Weg in den Distrikt Sindhupalchowk mussten wir die Ladung von LKWs auf kleinere Fahrzeuge umladen, um überhaupt noch voran kommen zu können“, sagt Jürgen Mika, Nothilfekoordinator des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe. „Ohne die Ortskenntnisse und Expertise unserer lokalen Partner könnten wir die notleidenden Menschen überhaupt nicht erreichen.“

In der Gegend um Sindhupalchowk nordöstlich der Hauptstadt Kathmandu erhielten 2.000 Familien Decken und Zeltplanen. Diese dienen als provisorische Unterkunft und vor allem Schutz gegen den Regen, da viele immer noch im Freien schlafen müssen. Im Distrikt Dhading, wo die Hilfsbedürftigkeit und Zerstörung besonders groß sind, wurden Nahrungsmittelpakete an 2.000 Familien verteilt. Die Pakete enthalten Reis, Linsen, Öl sowie Salz, und sichern die Versorgung der Not leidenden Menschen für zwölf Tage.

Im Großraum Kathmandu konzentriert sich die Welthungerhilfe auf die Unterstützung von Tagelöhnern. 1.000 Familien erhalten hier Pakete mit Grundnahrungsmitteln. Nach dem Erdbeben ist die lokale Wirtschaft völlig zusammengebrochen und damit auch die täglichen Einkommensmöglichkeiten von Hunderttausenden Tagelöhnern. Sie haben keine Reserven und seit zehn Tagen keinen Lohn erhalten, um ihre Familien zu versorgen.

Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe mit allen Partnern aktiv

Die DAHW, assoziiertes Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft, arbeitet eng mit ihren nepalesischen Partnern International Nepal Fellowship (INF), Nepal Leprosy Relief Association (NELRA), Sewa Kendra Leprosy Relief und Enablement Nepal zusammen. INF hat bereits ein Notfallteam in die Region um Ghorka geschickt. NELRA fokussiert sich auf die aktive Ersthilfe und versucht zugleich, 25 Auszubildende der Holz- und Metall-Trainingswerkstatt im Kathmandutal zu erreichen. Außerdem konnten bereits Notunterkünfte für ältere Leprapatienten mit Behinderungen organisiert werden. Der DAHW-Partner Sewa Kendra stellt seine ambulante Klinik in Kathmandu für die medizinische Versorgung Verletzter bereit.

Dr. Eva-Maria Schwienhorst, medizinische Beraterin der DAHW, ist zurzeit im indischen Delhi mit engem Kontakt zum Katastrophengebiet. Heute trifft sie Mediziner aus dem Duncan-Hospital, mit dem die DAHW im nordindischen Bundesstaat Bihar an der Grenze zu Nepal zusammenarbeitet. Das Duncan-Hospital führt bereits orthopädische Notfalloperationen durch. Daneben errichtet es eine Ambulanz für Flüchtlinge, bietet psychologische Trauma-Behandlungen an und hilft bei Transporten aus den Krisengebieten. Die DAHW wird das Duncan-Hospital für seine Krisenarbeit finanziell unterstützen.

Spendenkonto:

Stichwort: Erdbeben Nepal
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

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news-688 Thu, 07 May 2015 08:43:25 +0200 Schutz für Kinder in Nepal presse/pressearchiv/archiv-detail-view/schutz-fuer-kinder-in-nepal.html Das Bündnis-Mitglied Kindernothilfe fördert Kinderschutzzentren für 500 Kinder Die Situation in Nepal spitzt sich besonders für die Mädchen und Jungen weiter zu: Ihnen drohen Unterernährung und Krankheiten. Durch die schlechten hygienischen Bedingungen steigt die Seuchengefahr für rund 1,7 Millionen betroffene Kinder. „Die speziell auf Kinder ausgerichtete internationale Hilfe ist einfach noch nicht ausreichend, deshalb haben wir uns entschlossen mit erfahrenen Partnerorganisationen aus der Region eigene Maßnahmen zu unterstützen“, sagt Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe. Die Kindernothilfe fördert Kinderschutzzentren für 500 Kinder und ermöglicht die Versorgung von Kleinkindern und stillenden Müttern mit Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung in den am stärksten betroffenen Distrikten des Erdbebengebiets.

Nach UN-Angaben gibt es aus Kathmandu und anderen Distrikten Berichte über unbegleitete Kinder, die verstärkt Risiken wie Kinderhandel und sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind. „Kinder sind verletzlich und nach einer traumatisierenden Katastrophe brauchen sie besonders viel Aufmerksamkeit und Schutz. Aus Erfahrung mit anderen Katastrophen, etwa nach dem Erdbeben in Haiti, wissen wir, wie wichtig die Kinderschutzzentren für Mädchen und Jungen sind. Hier werden sie versorgt, betreut und können rasch wieder spielen und lernen“, so Katrin Weidemann weiter.

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news-687 Wed, 06 May 2015 14:04:27 +0200 Sind die Menschen in Nepal enttäuscht? presse/pressearchiv/archiv-detail-view/sind-die-menschen-in-nepal-enttaeuscht.html Moni Shresta, die Landeskoordinatorin Nepal vom Bündnis-Mitglied terre des hommes, im Kurzinterview zur lokalen Hilfe vor Ort in Nepal Es gibt Berichte darüber, dass die Hilfe Nepal nicht erreiche und die Menschen in den Erdbebengebieten enttäuscht seien, weil sie sich alleine gelassen fühlen. Bezieht sich das auf die in das Land einreisenden internationalen Helfer oder auch auf unsere Unterstützung, organisiert durch lokale Partner?

Moni Shresta: Ja, die Menschen sind enttäuscht, hauptsächlich in den abgelegenen Tälern außerhalb von Kathmandu. Die Soforthilfe erreichte diese Gebiete und abgelegene Orte nicht. Es kam vor, dass es Hilfskräften nicht erlaubt wurde, über einen bestimmten Ort hinauszugehen. Alle Hilfsgüter wurden von irgendeinem Teil eines Dorfes behalten, ohne sie an andere zu geben. Einige sind auch enttäuscht darüber, dass zwar verschiedene Organisationen zur Begutachtungen kamen, dann aber doch recht wenig geholfen wurde, vor allem in den abgelegenen Gebieten.

Wie organisieren Sie die Verteilung von Essen, Trinkwasser, Decken und Hygienesets und woher bekommen sie diese?

Moni Shresta: Sie werden auf den lokalen Märkten beschafft, die nicht von dem Erdbeben betroffen sind. Die Liste der Empfänger entwickelt sich aus den Arbeitsbereichen mit bestimmten Auswahlkriterien - wie Schäden und Betroffenheit. Wir haben uns hierfür eigene Ziele und Grenzen gesetzt.   
Die Empörung und Enttäuschung über die Regierung ist deutlich spürbar. Der Vorteil durch die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern besteht darin, dass sie Hürden leichter überwinden können und die Hilfe dorthin bringen, wo sie tatsächlich benötigt wird. Lokale Partner haben schlicht die besten Kenntnissen der lokalen Gegebenheiten, Kultur und Dialekte. Auch bezogen auf das Thema Sicherheit haben lokal verankerte Helfer einen Vertrauensbonus und ein starkes Netzwerk.

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news-686 Fri, 01 May 2015 07:38:18 +0200 Mit lokalen Partner vor Ort kommt die Hilfe in Nepal an Hilfe konkret: Lokale Partner der Bündnis-Mitglieder konnten schnell Unterstützung bieten und sind bereits aktiv news-685 Thu, 30 Apr 2015 13:10:08 +0200 Erdbeben Nepal: Mit lokalen Partner vor Ort presse/pressearchiv/archiv-detail-view/erdbeben-nepal-mit-lokalen-partner-vor-ort.html Die Bündnis-Mitglieder versuchen mit Partnerorganisationen, was sie können Aktuelles über die Projekte der Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft

Foto: Nepal Development Society

Medico international

Erdbebenhilfe Nepal: Lokale medico-Partner versorgen entlegene Dörfer und Verletzte in Kathmandu

Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international weitet die Unterstützung der Erdbebenhilfe seiner nepalesischen Partnerorganisationen deutlich aus.

Der medico-Partner Nepal Development Society (NEDS) verteilt zur Zeit Zelte, Planen, Decken und Reis in abgelegenen Dörfern rund um das Epizentrum im Distrikt Gorkha. Ein weiteres NEDS-Team leistet dabei auch medizinische Nothilfe. Sie berichten: „Die Situation auf dem Land ist traurig. Es gibt kaum Hilfe von der Regierung oder NGOs. Wir brauchen Decken und Zelte. In vielen Dörfern ist es regnerisch und kalt. Es ist eine große Herausforderung, die Sachen zu den Menschen zu bringen. Die Straßen sind schlecht, der Transport teuer. Aber wir machen weiter.“

In den Kliniken des Public Health Concern Trust-NEPAL (PHECT) in Kathmandu werden unterdessen weiter Erdbebenopfer behandelt. Da die Bettenkapazitäten nicht ausreichen, müssen leichter Verletzte auf dem Boden schlafen, erhalten aber die nötige medizinische Versorgung.

medico international unterstützt all diese Aktivitäten im Rahmen des internationalen „People's Health Movement“, das in Südasien mit vielen lokalen Gesundheitsorganisationen vertreten ist und ein Konzept der Globalisierung von unten für das Menschenrecht auf Gesundheit praktiziert. Unterstützung erfahren die nepalesischen Helfer deshalb auch durch ein Nothilfe-Team des langjährigen medico-Partners HANDS aus Pakistan. Diese Ärzte und Pfleger haben große Erfahrung im Umgang mit Erdbebenkatastrophen unter ähnlichen sozialen Bedingungen. Ihr Herangehen bereits in der Nothilfephase, lokale Komitees zu bilden und die Überlebenden von Anbeginn in Nothilfe und Wiederaufbau einzubinden, soll eine nachhaltige und solidarische Wiederaufbauhilfe im Interesse der marginalisierten Menschen sichern.

Welthungerhilfe

Erdbeben in Nepal: Größte Herausforderung ist Logistik

Auf den Flughafen von Kathmandu können nur kleine Maschinen landen, es fehlen Lagerkapazitäten und Lastwagen

Am fünften Tag nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal sind die logistischen Probleme die größte Herausforderung bei der Versorgung der notleidenden Menschen. Auf dem Flughafen von Kathmandu dürfen nur Maschinen mit einem Gesamtlandegewicht von 190 Tonnen ankommen. „Das bedeutet, dass bisher nur kleinere Transportmaschinen landen können. Wir wissen aus anderen Katastrophen, wie frustrierend es ist, wenn die Verteilung der Hilfsgüter so lange dauert. Aber es reicht nicht, alles nur bis nach Kathmandu zu fliegen, es fehlen Lagerkapazitäten und Lastwagen, um auch die entfernten Gebiete erreichen zu können“, erklärt Rüdiger Ehrler, der Nothilfekoordinator der Welthungerhilfe in Nepal.    

Bereits seit Sonntagabend haben erste Abstimmungen zwischen den Hilfsorganisationen, den Vereinten Nationen und der Regierung zu den Bereichen Gesundheit, Wasserversorgung, Logistik, Wiederaufbau und Ernährungssicherung in Kathmandu stattgefunden. Die eingespielte Zusammenarbeit  zwischen den Hilfsorganisationen und der Regierung vor Ort ist die Grundlage für koordinierte Hilfe.  

„Alle Beteiligten ziehen an einem Strang und wissen, dass jeder Tag zählt und viele Betroffene bisher noch keine Hilfe bekommen haben. In einem so schwer zugänglichen Land ist die Versorgung von 1,4 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln eine logistische Herkulesaufgabe“, betont Ehrler.    

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news-684 Thu, 30 Apr 2015 12:43:02 +0200 Presseschau presse/pressearchiv/archiv-detail-view/presseschau.html Ergebnisse des Hintergrundgesprächs „Erdbeben Nepal“ Am 29. April lud das Bündnis Entwicklung Hilft zum Presse-Hintergrundgespräch „Erdbeben Nepal“ nach Berlin ein. Wichtige Aussagen und Ergebnisse einzelnen Berichten:

ZEIT online

"Die Helfer gehen, soweit sie können"

Das Bündnis Entwicklung Hilft, in dem sich neun Organisationen zusammengeschlossen haben, will versuchen, die Hilfe gerecht zu verteilen. Darin sind sich alle am Tisch einig. Die Sorge: Ungerechtigkeiten, die jetzt entstehen, könnten sich verfestigen. "Die Helfer sind unterwegs und gehen, soweit sie können", sagt Präsident Rainer Brockhaus. Brockhaus und die anderen setzen auf das Wissen lokaler Mitarbeiter. Aber auch die wissen nicht, wie die Situation in den schwer zugänglichen Gebieten des Himalaya-Staates aussieht. Mehr…

Deutsche Welle

Deutsche spenden viel für Nepal

5000 Planen für temporäre Unterkünfte will die Welthungerhilfe jetzt in den nächsten Stunden in Nepals Hauptstadt Kathmandu einfliegen. Vorausgesetzt, eine in Dubai gecharterte Maschine kann auf dem völlig überlasteten internationalen Flughafen in Kathmandu landen, sagt Zilly. "Es ist fast ein Alptraum, Dinge ins Land zu bekommen", kommentiert auch Martin Bröckelmann-Simon vom katholischen Hilfswerk Misereor die Lage. Misereor, ebenso wie die Welthungerhilfe haben sich mit fünf weiteren deutschen Hilfsorganisationen im "Bündnis Entwicklung Hilft" zusammengeschlossen, um in Katastrophenfällen wie in Nepal gemeinsam Spenden zu sammeln. Mehr…

Entwicklungspolitik online

Humanitäre Hilfe

Moni Shrestha, stellvertretende Länderkoordinatorin Nepal terre des hommes erzählte, dass die Hygiene-und Sanitärsituation im Moment mit am dringendsten angegangen werden muss. Nach vier Nächten im Freien bei Regenfällen und schlechten, beziehungsweise keinen Sanitäranlagen besteht ein hohes Risiko für Krankheiten und deren Verbreitung. Neben dem Bau von Notunterkünften stehen für die Mitarbeiterinnen von terre des hommes auch die sozialpsychologische Betreuung der Überlebenden im Vordergrund. Für Kinder soll eine "child-friendly"- Zone eingerichtet werden. Es werde eng mit der Regierung zusammen gearbeitet, sowohl auf regionaler als auch auf lokaler Ebene. Mehr…

Welt-Sichten

Nepal: Kritik an Zwei-Klassen-Hilfe

Auf dem Spendenkonto des Bündnisses „Entwicklung hilft“ sind bislang mehr als 1,3 Millionen Euro eingegangen. Das Geld fließe direkt in die Soforthilfe, sagte Geschäftsführer Peter Mucke am Mittwoch in Berlin. Für die mittelfristige Hilfe und den Wiederaufbau brauche es aber weitere Spenden. Mehr…

Frankfurter Rundschau

Bündnis warnt vor "Zwei-Klassen-Hilfe" in Nepal

Die lokalen Mitarbeiter und Partnerprojekte der neun Organisationen, die im Bündnis zusammengeschlossen sind, seien derzeit auf dem Weg in die ärmeren, schwer zugänglichen Gebiete des Himalaya-Staates. Es gebe noch keinerlei Überblick, wie die Situation dort sei. "Ich fürchte, wir werden von dort noch unerfreuliche Nachrichten hören" Mehr…

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news-683 Tue, 28 Apr 2015 15:30:02 +0200 Die Hilfe der Bündnis-Mitglieder kommt an presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-hilfe-der-buendnis-mitglieder-kommt-an.html Über die aktuelle Situation in Nepal und Maßnahmen zur Soforthilfe 18 Misereor-Partnerorganisationen vor Ort

Die Lage in Nepal nach dem schweren Erdbeben am Samstag ist nach wie vor verzweifelt. Schwere Nachbeben erschüttern das Land, die ohnehin schon unzureichende Infrastruktur ist zerstört, so dass die Kommunikationswege unterbrochen sind. "Strom ist immer nur phasenweise verfügbar und die wenigen ausgebauten Straßen sind zum großen Teil nicht passierbar. Gott sei Dank erhalten wir immer mehr Nachrichten, dass die Mitarbeiter und Familien der 18  Misereor-Partnerorganisationen in Nepal überlebt haben. Allerdings haben wir noch nicht von allen ein Lebenszeichen erhalten. Wir können nur hoffen, dass es ihnen gut geht", berichtet Ulrich Füßer, Leiter der Asien-Abteilung bei Misereor, Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft. Misereor unterstützt derzeit 26 Entwicklungsprojekte in Nepal in Höhe von 3,7 Millionen Euro.

In der jetzigen Situation stellt Misereor für die Soforthilfe 200.000 Euro zur Verfügung, damit die einheimischen Partnerorganisationen in die Lage versetzt werden, den betroffenen Menschen so schnell wie möglich mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen, denn schon jetzt werden die Wasservorräte  knapp und von den staatlichen Behörden sind keine Hilfsmaßnahmen zu erwarten, wie Misereor-Länderexperten berichten. Geplant ist daher die Bereitstellung von Decken, Zelten, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Hygieneartikel.

Das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe hat ein Update im Blog veröffentlicht.

Für die Hilfe in Nepal bittet das Bündnis dringend um Spenden.

Spendenkonto:
Stichwort: Erdbeben Nepal
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BIC: BFSWDE33XXX

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news-682 Tue, 28 Apr 2015 13:28:53 +0200 Einladung zum Pressegespräch presse/pressearchiv/archiv-detail-view/einladung-zum-pressegespraech.html Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal - Bündnis-Mitglieder berichten Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie herzlich zum Hintergrundgespräch über die Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal ein.

Datum: Mittwoch, 29. April 2015, 12-13 Uhr. Im Anschluss reichen wir einen kleinen Mittagssnack.

Ort: Misereor-Büro Berlin, 4. OG, Chausseestr. 128 /129, 10115 Berlin

Ihre Gesprächspartner:

•    Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführung Christoffel-Blindenmission und Präsident Bündnis Entwicklung Hilft: Über die Nothilfe für Menschen mit Behinderung.

•    Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführung Misereor: Über die Nothilfe und den Wiederaufbau in Nepal und die regionalen Netzwerke in Nachbarländern. Herr Dr. Bröckelmann-Simon wird mittels Videokonferenz teilnehmen.

•    Ernst Hisch, Referent für Nepal und Behinderung / CBR Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe: Über die Zerstörungen bei der aufgebauten Lepraarbeit und der Weiterführung der Tuberkulosebehandlung bzw. der Resistenzentwicklung.

•    Roswitha Kupke, Referatsleiterin Südasien Brot für die Welt. Sie hat sechs Jahre in Nepal gelebt und spricht über die Partnerstrukturen vor Ort.

•    Peter Mucke, Geschäftsführung Bündnis Entwicklung Hilft: Über die Spendenbereitschaft im Kontext der aktuellen Katastrophe.

•    Moni Shrestha, stellv. Länderkoordinatorin Nepal terre des hommes. Frau Shrestha berichtet live aus Nepal via Skype über die Situation der betroffenen Kinder, Kinderschutzmaßnahmen und die Rolle der Traumabewältigung.

•    Barbara Zilly, Landeskoordinatorin der Welthungerhilfe in Nepal. Frau Zilly berichtet live aus Nepal via Skype, was die vom Erdbeben betroffenen Menschen jetzt am Dringendsten benötigen und wo die Koordination der Hilfe vor Ort auf die größten Schwierigkeiten stößt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Rückfragen bitte an:


Melanie Huber, Pressesprecherin Bündnis Entwicklung Hilft
Tel. +49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de


Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-681 Mon, 27 Apr 2015 10:30:31 +0200 Nepal: Zum Stand der Soforthilfe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nepal-zum-stand-der-soforthilfe.html Die Nothilfe der Bündnis-Mitglieder wird durch zahlreiche Nachbeben erschwert Immer wieder kommt es in Nepal zu starken Nachbeben. Dadurch werden die Rettungsarbeiten im Erdbebengebiet erschwert. Aus Angst vor neuen Erschütterungen kehren die Menschen nicht in ihre Häuser zurück und irren auf den Straßen umher - auf der Suche nach Verwandten und Freunden.

Foto: Weltungerhilfe

„Wir arbeiten derzeit im Hof unserer Partnerorganisation, da es im Büro bei all den Nachbeben zu gefährlich ist. Die Menschen sind so voller Angst und versuchen bisher vergeblich Kontakt in die ländlichen Gebiete zu ihren Angehörigen zu bekommen“, sagt Barbara Zilly, Landeskoordinatorin des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe. „Wir stehen in ständigem Austausch mit unseren Partnern hier vor Ort, um erste Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Es braucht behelfsmäßige Unterkünfte, aber auch Nahrungsmittel und Dinge für den täglichen Bedarf. Die Kommunikationsnetze fallen immer wieder aus, Nachrichten versuchen wir per SMS auszutauschen.“

Das Nothilfeteam der Welthungerhilfe befindet sich mit dem THW und den Maltesern bereits auf dem Weg in das Katastrophengebiet, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen.

Mehr zur Arbeit der Welthungerhilfe finden Sie im Blog von Barbara Zilly

20.000 Euro Soforthilfe von medico international

Angesichts des verheerenden Erdbebens ist das Bündnis-Mitglied medico international im Rahmen des internationalen Gesundheits-Netzwerkes „People´s Health Movement“ (PHM) in Nepal aktiv. Der pakistanische medico-Partner „Hands“ schickt mit Unterstützung von medico ein Nothilfe-Team u.a. aus Ärzten und Pflegepersonal nach Kathmandu. Die pakistanische Gesundheitsorganisation verfügt über große Erfahrung in Erdbeben-Situationen, zuletzt haben sie große Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen nach dem Erdbeben in Beluschistan in Pakistan 2013 geleistet. Sie sind mit den regionalen sozialen Gegebenheiten vertraut und kooperieren mit lokalen Partnern aus dem gemeinsamen Netzwerk PHM, dem auch medico seit seiner Gründung im Jahr 2000 angehört.

Die Förderung von Süd-Süd-Kontakten ist Teil einer medico-Strategie der Kritischen Nothilfe, um lokale und regionale Kapazitäten im Nothilfe-Fall zu stärken.

Für erste Nothilfe-Maßnahmen hat medico international 20.000 Euro zur Verfügung gestellt - für Nothilfe und Wiederaufbau insbesondere im Bereich der Basisgesundheitsversorgung und der lokalen Gesundheitsnetzwerke in Nepal, die für die ärmere Bevölkerung oft die einzigen Gesundheitsdienste anbieten.

Weitere Informationen bei medico

terre des hommes leistet Hilfe speziell für Frauen und Kinder

Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes stellt in einem ersten Schritt 100.000 Euro für dringend notwendige Soforthilfemaßnahmen für die Erdbebenopfer in Nepal bereit. Aus diesen Mitteln werden vor allem sauberes Trinkwasser, Decken und Kleidung sowie Hygieneartikel speziell für Frauen und Kinder finanziert.

"Wir haben nepalesische Projektpartner in Kathmandu sowie in den östlich der Hauptstadt gelegenen Regionen Shinduli und Ramechap, die ebenfalls stark vom Erdbeben betroffen sind. Überall stehen die Menschen unter Schock und leben im Freien, viele Gebäude sind zerstört. Besonders die Kinder leiden unter dem Schrecken der Nachbeben, aber auch der Kälte und dem Regen. Wir stellen Kleidung, Decken und sauberes Trinkwasser sowie Arzneimittel zur Verfügung und werden Maßnahmen zum Kindesschutz einleiten", sagte Friederike Leidreiter, Nothilfekoordinatorin vom Bündnis-Mitglied terre des hommes.

Die Soforthilfe von Misereor

Misereor, ebenfalls Mitglied im Bündnis Entwicklung Hilft, berichtet, dass noch immer große Gebiete der Himalaya-Region von der Außenwelt abgeschnitten sind. Der Zugang zu den Opfern des Erdbebens ist schwierig, da die Straßen durch das Beben und anschließenden Erdrutsche beschädigt sind. Auch die Stromversorgung ist unterbrochen, so dass kaum Kommunikation möglich ist. Schon jetzt werden sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel knapp.

Die Soforthilfe von Misereor soll für die Basis-Versorgung der Opfer des Erdbebens eingesetzt werden:
•    Notunterkünfte
•    Lebensmittel
•    Wasser
•    Hygieneartikel und
•    gesundheitliche Betreuung.

Projekte der DAHW

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, assoziiertes Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft, bangt um die Menschen in ihren Hilfsprojekten in Nepal. Die drei Projektpartner in Pokhara und Kathmandu hatten bislang keine Möglichkeit, über Verletzte oder Zerstörungen zu berichten. Inzwischen versuchen DAHW-Mitarbeiter aus Indien, Kontakt im Norden Indiens aufzunehmen und Hilfe zu organisieren.

Das Duncan Hospital in der indischen Grenzstadt Raxaul im Staat Bihar, ebenfalls ein DAHW-Partner, leistet bereits Hilfe über Grenzen hinweg: Dort werden Verletzte aus dem Nachbarland behandelt. DAHW-Mitarbeiter in Indien prüfen derzeit, was dort benötigt wird, um die steigende Zahl von Verletzten und Obdachlosen zu versorgen.

DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm befürchtet, dass viele von Lepra betroffene Menschen unter den Opfern sein werden. Diese Menschen, die ohnehin unter ständiger Ausgrenzung leiden, leben zumeist in Häusern, die einem solch schweren Erdbeben nicht standhalten können oder in abgelegenen Dörfern, zu denen die Retter und Helfer wohl erst in einigen Tagen vordringen können.

Weitere Informationen zur Arbeit der DAHW

Brot für die Welt mit Schwesterorganisation aktiv

Die Diakonie Katastrophenhilfe, die Schwesterorganisation vom Bündnis-Mitglied Brot für die Welt, berichtet ebenfalls von den schweren Bedingungen vor Ort: „Die größte Herausforderung für die Helferinnen und Helfer ist nun die Betroffenen schnell zu erreichen. Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Es gab sowieso nur wenige asphaltierte Straßen und die Kommunikationssysteme sind überlastet. Nun wird der Einsatz zum Kampf gegen die Zeit“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe.

Für die Hilfe in Nepal bittet das Bündnis dringend um Spenden.

Spendenkonto:
Stichwort: Erdbeben Nepal
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BIC: BFSWDE33XXX

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news-680 Sun, 26 Apr 2015 12:37:22 +0200 Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-entwicklung-hilft-bittet-um-spenden-fuer-die-erdbebenopfer-in-nepal.html Bündnis-Mitglieder unterstützen die Region mit direkter Nothilfe Zum aktuellen Stand der Soforthilfe der Mitglieder des Bündnisse

Foto: CBM

Unter dem Stichwort “Erdbeben Nepal” ruft das Bündnis Entwicklung Hilft zu Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal und den benachbarten Gebieten auf. „Unsere  Mitgliedsorganisationen sind mit ihren Partnerorganisationen und ersten Nothilfeteams vor Ort. Nepal als eines der ärmsten Länder Asiens braucht dringend Unterstützung“, sagt Bündnis-Geschäftsführer Peter Mucke und bittet daher die deutsche Bevölkerung um Spenden. Mehr als 1.900 Tote wurden bereits geborgen, etwa 5.000 Verletzte müssen sofort behandelt werden. Und die Zahlen werden stündlich nach oben korrigiert. Schwere Nachbeben erschüttern weiterhin die gesamte Region.

Die Christoffel-Blindenmission

In Nepal unterstützt die Christoffel-Blindenmission (CBM) neun Projekte mit 50.000 Euro Soforthilfe. Das Bündnis-Hilfswerk ist auf kurz- und langfristige Nothilfe für Menschen mit Behinderungen spezialisiert. „Wir prüfen derzeit, wie wir über unsere langjährigen bewährten Partner vor Ort am effizientesten Nothilfe leisten können“, sagt CBM-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockhaus: „Wir werden die betroffenen Menschen vor Ort auf keinen Fall im Stich lassen.“

200.000 Euro Soforthilfe von Misereor

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal hat das Bündnis-Mitglied Misereor eine Soforthilfe von 200.000 Euro bereitgestellt. Das Hilfswerk arbeitet seit Jahrzehnten mit Partnerorganisationen in Nepal zusammen und kann im Erdbebengebiet auf bewährte Hilfsstrukturen zurückgreifen und unterstützt dabei viele Projekte in entlegenen Gebieten. Die  18 Partnerorganisationen werden nun schnellstmöglich den Kontakt in diese Regionen suchen, um den Bedarf zu ermitteln, der sich unmittelbar nach der Katastrophe ergibt.

Karte: CBM

Hilfsprogramme von terre des hommes

„Unsere Partner in Nepal verschaffen sich derzeit einen Überblick über die Lage und stehen in Kontakt mit unserem Nothilfekoordinator in Indien, der schnellstmöglich nach Nepal kommen wird, um mit ihnen den genauen Bedarf an Hilfe zu klären“, sagt Friederike Leidreiter, Nothilfekoordinatorin des Bündnis-Mitglied terre des hommes. Wiederaufbau, Bergung und Arzneimittelversorgung stehen bei der Hilfe zunächst im Vordergrund, im zweiten Schritt fokussieren sich die Maßnahmen auf den Kinderschutz.

Nothilfeteam der Welthungerhilfe auf den Weg

„Wir unterstützen die Region sofort mit unserem Nothilfeteam, um direkt Hilfe für die betroffenen Menschen leisten zu können. Viele Häuser sind eingestürzt, meterlange Risse in den Straßen, wie die Kollegen vor Ort berichten, starke Nachbeben sind spürbar“, sagt Mathias Mogge, Programmvorstand des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe. „Zu unseren Kollegen besteht Kontakt, sie sind bereits auf Erkundung, um das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen.“

Spendenkonto:

Stichwort: Erdbeben Nepal
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Hinweise an Redaktionen:  

•    Weitere aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite www.entwicklung-hilft.de.
•    Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.

Für Rückfragen:
Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
presse[at]entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de


Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-679 Sat, 25 Apr 2015 16:51:38 +0200 Nach dem Erdbeben in Nepal steigt die Zahl der Opfer presse/pressearchiv/archiv-detail-view/nach-dem-erdbeben-in-nepal-steigt-die-zahl-der-opfer.html Bündnis-Mitglieder leisten Soforthilfe in Nepal. Von dem schweren Erdbeben der Stärke 7,9 und den zahlreichen Nachbeben sind insbesondere ländliche Regionen rund um Kathmandu betroffen. Foto: Welthungerhilfe

Zur Pressemitteilung des Bündnis Entwicklung Hilft zur Soforthilfe der Mitglieder

terre des hommes

Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes leitet schnelle Hilfe für die Erdbebenopfer in Nepal ein. Die Menschen stehen unter Schock und leben aus Furcht vor Nachbeben im Freien. Viele Gebäude sind zerstört.

"Unsere Partner in Nepal verschaffen sich derzeit einen Überblick über die Lage, um den genauen Bedarf an Hilfe zu klären", sagte Friederike Leidreiter, Nothilfekoordinatorin von terre des hommes. "Wir gehen davon aus, dass wir uns zunächst an der Rettung und medizinischen Versorgung weiterer Opfer beteiligen. Im nächsten Schritt planen wir, die Familien mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln zu versorgen und uns speziell um den Schutz und die Betreuung von Kindern zu kümmern, die besonders verängstigt sind und unter den Wirren und Nachbeben leiden."

Nepal zählt zu den 20 ärmsten Nationen der Welt. Viele Menschen  haben pro Tag nur einen Dollar oder weniger zur Verfügung. Zudem mangelt es in vielen Regionen an der notwendigen Infrastruktur. Etliche Gebiete in dem gebirgigen Land sind nur schwer zugänglich, was die aktuelle Nothilfe kompliziert macht.

Welthungerhilfe

„Wir unterstützen die Region sofort mit unserem Nothilfeteam, um direkt Hilfe für die betroffenen Menschen leisten zu können. Viele Häuser sind eingestürzt, meterlange Risse in den Straßen, wie die Kollegen vor Ort berichten, starke Nachbeben sind spürbar“, sagt Mathias Mogge, Vorstand Programme Welthungerhilfe. „Zu unseren Kollegen besteht Kontakt, sie sind bereits auf Erkundung, um das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen.“ Noch heute reist ein Team in Richtung Nepal.

Die Welthungerhilfe ist seit 1972 in den ländlichen Regionen von Nepal tätig. Viele Projekte zur Wasser- und Ernährungssicherung des Landes werden mit der größten lokalen Nichtregierungsorganisation RRN umgesetzt.

Auch die weiteren Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft bereiten die Nothilfe in den betroffenen Gebieten vor. Fast alle sind mit lokalen Partnern in der Region aktiv und erfahren.

Weitere Informationen zur Soforthilfe der Welthungerhilfe in Nepal.

 

 

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news-678 Fri, 24 Apr 2015 12:42:38 +0200 Flucht über das Mittelmeer: Was ist passiert? presse/pressearchiv/archiv-detail-view/flucht-ueber-das-mittelmeer-was-ist-passiert.html Eine Chronologie 23.04.2015: EU Sondergipfel der Regierungschefs zur Flüchtlingspolitik. EU verdreifacht Seenothilfe für Flüchtlinge. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
 
22.04.2015: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller fordert die Wiederaufnahme von Mare Nostrum. Das Seenotrettungsprogramm wurde Ende 2014 von der kleineren EU- Grenzschutzmission Triton abgelöst.

20.04.2015: Bei einem Krisentreffen der Europäischen Außen- und Innenminister wird ein 10-Punkte-Plan erstellt; er beinhaltet unter anderem die Bereitstellung von weiteren Finanzmitteln sowie Schiffe zur Rettung der Flüchtlinge und eine bessere Verteilung der Flüchtlinge auf EU-Mitgliedsstaaten.  

Erneut geraten zwei Boote mit Flüchtlingen vor libyscher Küste in Seenot, ein weiteres Boot läuft an der griechischen Küste auf Grund. Insgesamt gibt es 23 Tote.

19.04.2015: Rund 800 Flüchtlinge ertrinken bei einem Schiffunglück vor Libyen.

18.04.2015: Der Papst fordert eine größere internationale Unterstützung Italiens bei der Aufnahme von Flüchtlingen.  

16.04.2015: 70 Menschen wurden vor Italiens Küste gerettet, 20 von ihnen litten unter schweren Brandverletzungen.

Vier von 45 Flüchtlingen überleben - nachdem aus einem Schlauchboot die Luft entwichen war.  

15.04.2015: Die UNO fordert Europa auf, die Rettungseinsätze für Flüchtlinge im Mittelmeer zu verstärken.

14.04.2015: 12 Menschen ertrinken - nachdem sie von anderen Flüchtlingen wegen ihres christlichen Glaubens über Bord geworfen wurden.

13.04.2015: Nach dem Schiffsunglück vor der libyschen Küste am 10. April werden noch immer 400 Flüchtlinge vermisst.

10.04.2015: Erneut 978 Menschen aus Seenot vor Libyens Küste gerettet.
 
04.04.2015: Die italienische Küstenwache rettet 1.500 Flüchtlinge vor der lybischen Küste.

12.03.2015: Bundesinnenminister Thomas de Maizière wirbt in der EU für Asylantragszentren in Afrika, um die Zahl der Todesfälle im Mittelmeer zu reduzieren.

06.03.2015: Die EU-Grenzbehörde Frontex rechnet für 2015 mit Rekordzahlen an Flüchtlingen, allein bis zu eine Million Flüchtlinge aus Libyen werden erwartet.

04.03.2015: Knapp 1.000 Flüchtlinge aus Syrien und Subsahara Afrika erreichen Italien nach Seenotrettung. Zehn ertrinken als ein Schlauchboot kentert.

15.02.2015: Die italienische Küstenwache und das Militär retten 2.164 Menschen aus insgesamt 12 Booten.

14.02.2015: Die italienische Küstenwache und ein Schiff der EU-Triton-Mission retten 784 Flüchtlinge.
09.02.2015: Nach einem Bootsunglück im Mittelmeer werden 110 Flüchtlinge gerettet, 207 sterben und mehr als 300 gelten als vermisst. Die vier Boote kamen aus Libyen.

08.02.2015: Mehr als 20 liberische Flüchtlinge erfrieren bei der Überfahrt nach Italien.

30.01.2015: UNHCR kritisiert das griechische Asylsystem.

09.01.2015: Seit Beginn des Jahres wurden bereits 783 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet.

02.01.2015: 360 syrische Flüchtlinge werden von Schleppern auf dem Mittelmeer zurückgelassen.  




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news-677 Thu, 23 Apr 2015 10:48:59 +0200 Auf der Flucht nach Europa presse/pressearchiv/archiv-detail-view/auf-der-flucht-nach-europa.html Warum immer mehr Menschen nach Europa kommen und was Europa für sie tut Von Katrin Schenck

Spätestens seit dem 19. April 2015, als ein Containerschiff mit mehr als 700 im Frachtraum eingeschlossenen Flüchtlingen sank, wird Europas Flüchtlingspolitik wieder scharf kritisiert.
Nachdem im Oktober 2013 bei einem Schiffsunglück 366 Flüchtlinge kurz vor der italienischen Insel Lampedusa starben, rief die italienische Regierung das Seenotrettungsprojekt „Mare Nostrum“  ins Leben. Mit dem Projekt retteten die italienische Küstenwache sowie das Militär 140.000 Menschen das Leben. Die monatlichen Kosten beliefen sich dabei auf 10 Millionen Euro. Lange bat Italien um Unterstützung aus der EU - als diese Ausblieb, beendete die italienische Regierung das Projekt am 31. Oktober 2014.

Seit dem 1. November 2014 gibt es nun das Nachfolgerprojekt „Triton“ - durchgeführt von der Grenzkontrollbehörde Frontex, hier liegt der Fokus weniger auf Seenotrettung als auf Grenzschutz. So deckt „Triton“ nur die Gewässer rund um die europäischen Grenzen ab, wohingegen „Mare Nostrum“ bis an die libysche Küste reichte.  

Die Folgen dieser grundlegenden Veränderung sind verheerend;  dieses Jahr sind bereits mehr als 1.700 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben, das sind 100 Mal so viele wie vergangenes Jahr zu dieser Zeit.
Steigend sind allerdings nicht allein die Zahl der Toten, sondern auch die der Flüchtlinge. Nach Schätzung von Frontex sind allein in Libyen bis zu eine Million Menschen bereit zur Flucht. Das Land befindet sich seit Gaddafis Sturz im Bürgerkrieg und das Gesetz ist weitestgehend außer Kraft gesetzt. Neben der geografisch günstigen Lage zu Italien kommt Schmugglern und Flüchtlingen das im Land herrschende Chaos entgegen, um unbemerkt auszureisen.

Die meisten der Flüchtlinge stammen nicht nur aus Libyen, sondern auch aus dem Senegal, Somalia, Syrien, Mali, Eritrea und Nigeria. In diesen Ländern herrscht entweder eine Militärdiktatur, Bürgerkrieg oder die Menschen flüchten vor terroristischen Organisationen wie dem IS oder Boko Haram. Hinzu kommt die Perspektivlosigkeit, die besonders junge Menschen betrifft; die Wirtschaft wächst längst nicht so schnell wie die Bevölkerung; das für vor allem in Sub-Sahara Afrika zu großer Armut und zu geringen Ausbildungschancen.
Schmuggler schlagen aus dieser Verzweiflung  Profit und organisieren die Flucht nach Europa. Wer es sich leisten kann, nimmt das Flugzeug. Der Weg mit Booten über das Mittelmeer ist zum einen lebensgefährlich, aber auch häufig geprägt von Ausbeutung, Misshandlung und Vergewaltigung.  Wer es geschafft hat, landet in völlig überfüllten Aufnahmelagern.

Die afrikanischen Medien berichten nicht über das, was die Flüchtlinge erwartet und in diesen Tagen so häufig passiert, auch die Landesregierungen reagieren nicht auf die Flüchtlingsströme und die steigende Anzahl an Todesopfern. Nach Schätzungen der Weltbank schicken afrikanische Emigranten rund 6 Milliarden Dollar zurück in ihre Heimat, Geld das durchaus willkommen ist.

Aufgerüttelt durch die Ereignisse der vergangen Woche treffen sich nun Europas Regierungschefs zu einem Krisengipfel, auf dem Europas Kurs zur Flüchtlingspolitik neu bestimmt werden soll.

Weitere Informationen:

Das fordern die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft.

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news-676 Mon, 20 Apr 2015 20:19:25 +0200 Flüchtlingstragödie auf dem Mittelmeer presse/pressearchiv/archiv-detail-view/fluechtlingstragoedie-auf-dem-mittelmeer.html Bekämpfung der Fluchtursachen und zugleich legale und sichere Wege nach Europa: Was Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft fordern und fördern Die Schreckensmeldungen reißen nicht ab. Täglich wird derzeit über in Seenot geratene, mehrere hundert ertrunkene Menschen auf der Flucht berichtet. Dem Sterben im Mittelmeer muss Sterben Einhalt geboten werden. Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft fordern konkrete Schritte, schnell.

Brot für die Welt

„Das elende Ertrinken von Schutzsuchenden hat die Europäische Union eindeutig mit zu verantworten. Wir brauchen wieder ein umfassendes, europäisches Seenotrettungsprogramm – ähnlich wie es die italienische Regierung im letzten Jahr mit ‚Mare Nostrum‘ umgesetzt hat“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Die Bundesregierung hatte die Abschaffung von „Mare Nostrum“ im Herbst 2014 mit betrieben.

„Auch Deutschland darf sich nicht länger mit dem Verweis auf angeblich hohe Kosten gegen eine weitreichende Seenotrettung wehren“, ergänzt Jochen Cornelius-Bundschuh, badischer Landesbischof und Vorsitzender des Ausschusses Entwicklungsdienst und Humanitäre Hilfe des evangelischen Hilfswerkes.

Das Treffen der EU-Außenminister muss mehr bringen als kurzfristige Lippenbekenntnisse. Flüchtlinge brauchen legalen und sicheren Zugang nach Europa. „Weil es keine legalen Wege für sie gibt, ihr Recht auf Asyl und Schutz einzufordern, sehen sich die Menschen gezwungen, ihr Leben in die Hände von total skrupellosen Schleusern zu geben“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die Europäische Union muss nun endlich Entscheidungen treffen, die das Sterben beenden. „Diese dürfen aber nicht die Würde und Rechte der Flüchtlinge verletzen. Das Vorhaben, in Nordafrika Asylzentren einzurichten, ignoriert, dass es in diesen Staaten eklatante rechtstaatliche Defizite gibt“, sagt sie. Europäische Verantwortung anerkennen heißt, unabhängige, rechtstaatliche Verfahren zur Aufnahme in Europa zu gewährleisten, und nicht auf nordafrikanische Staaten abzuwälzen.

Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe engagieren sich seit Jahrzehnten die Lebenssituation in den Ländern zu verbessern, aus denen die Flüchtlinge kommen. Zudem bemühen sich die Hilfswerke, das Leben in den bestehenden Flüchtlingslagern etwa in Afrika oder Nahost zu erleichtern. Doch die Humanisierung der europäischen Flüchtlingspolitik bleibt dringend erforderlich.

Weitere Informationen zur Position von Brot für die Welt.

medico international

Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international fordert sichere und legale Wege für Flüchtlinge, um Zufluchtsorte in Europa zu erreichen, ohne sich in tödliche Gefahren begeben zu müssen. Jedoch dürfe auch die Bekämpfung der Fluchtursachen nicht aus dem Blick geraten.

„Die Globalisierung von oben zerstört die Lebensgrundlagen und zwingt die Menschen zur Flucht. Darauf gibt es nur eine komplexe Antwort. Es muss das Recht geben zu gehen, wenn man in seiner Heimat nicht mehr überleben kann. Es muss aber auch das Recht geben zu bleiben. Dafür müssen auf globaler Ebene Maßnahmen ergriffen werden, die Zerstörung der Lebensgrundlagen zu stoppen“, erläutert medico-Geschäftsführer Thomas Gebauer.

Ousmane Diarra von der medico-Partnerorganisation AME in Mali kritisiert die  Betroffenheitsbekundungen der EU-Kommission und die Bemühungen der europäischen Innen- und Außenminister, jetzt alles daranzusetzen, die Flüchtlinge von der gefährlichen Reise über das Mittelmeer abzuhalten: „Die Menschen werden immer migrieren. Einfach weil sie nicht dort bleiben können, wo sie gerade sind. Das muss auch die EU endlich verstehen.“

Sämtliche gekenterte Flüchtlingsboote waren von Libyen aus in See gestochen oder hatten dort Flüchtlinge an Bord genommen: „Seit dem Sturz Gaddafis herrscht Chaos in Libyen. Die Situation für die dort lebenden Migranten und Migrantinnen ist sehr schwierig geworden“, sagt Diarra. Außerdem versuchen viele Menschen aufgrund des aktuellen Geschehens in Herkunftsländern wie Syrien, Eritrea oder Somalia über Libyen nach Europa zu gelangen.

medico international unterstützt die Selbstorganisierung der Abgeschobenen aus  Mali (AME) und das Alarmtelefon von „Watch the Med“. Dieses nimmt Anrufe von Flüchtlingen entgegen, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten. Damit soll Öffentlichkeit hergestellt werden, um sicherzustellen, dass niemand seinem Schicksal überlassen wird.  Die Freiwilligen werden dann am Telefon zu unmittelbaren Zeugen des Überlebenskampfes auf See und versuchen alle möglichen Rettungskräfte zu verständigen.
Hinweis: Ousmane Diarra und Thomas Gebauer stehen in Frankfurt für Interviews zur Verfügung.
Für Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:

Bernd Eichner, medico-Pressereferent: Tel. 069/94438-45 oder eichner[at]medico.de

Zahlreiche Hintergrundinformationen zum Thema Flucht und Migration finden Sie hier.

Die europäische Politik der Auslagerung von Flucht- und Migrationskontrolle wirkt sich fatal auf Schutzsuchende aus. "Drittstaaten" werden zu gefängnisähnliche Zonen. Eine Studie zu den Folgen der EU-Flüchtlings- und Migrationspolitik von Brot für Welt, medico und Pro Asyl.

Misereor

Mit Blick auf den EU-Sondergipfel zur Situation der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ruft Misereor die deutsche Bevölkerung zu einer positiven Haltung gegenüber der Zuwanderung von Menschen auf. "Migration sollte als ein völlig normaler Vorgang begriffen werden - Angst davor ist ein schlechter Ratgeber", mahnte Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer des Werks für Entwicklungszusammenarbeit, am Mittwoch in Aachen. "Wir müssen als Europäer die Politik der Abschreckung und Abschottung beenden und schon in den Herkunftsländern legale und sichere Wege der Migration schaffen." Abgesehen davon, dass Zuwanderer, sofern man ihnen Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten eröffnet, in Deutschland in vielerlei Hinsicht auch uns bereichernde Impulse lieferten, zeigten die Fakten, dass durch Migranten zum Beispiel mit Blick auf Afrika erhebliche Beiträge zur Entwicklung - etwa durch Geldüberweisungen in ihre Heimatländer - geleistet werden könnten. "Die Rücküberweisungen von afrikanischen Migranten in ihre Heimatländer bedeuteten in den letzten Jahren mehr Geld für Afrika als sämtliche Auslandsinvestitionen und Entwicklungshilfeleistungen für diesen Kontinent." Außerdem würden, da viele nach einigen Jahren zurückkehren, ihre Länder dann von ihren in Deutschland gemachten Erfahrungen profitieren, sagte der Misereor-Geschäftsführer. Es seien ja vor allem die jungen und häufig besser ausgebildeten Menschen mit viel Initiativ- und Unternehmenswillen, die sich auf den gefährlichen Weg der Migration machen würden.

Bröckelmann-Simon zeigte sich überzeugt, dass sich ohnehin Flüchtlinge und Migranten weder durch Sicherungsmaßnahmen noch durch die großen Gefahren auf dem Meer davon abhalten lassen würden, den Weg nach Europa zu suchen. "Die durch Krieg und Destabilisierung von Staaten, ein großes Einkommensgefälle und Perspektivlosigkeit ausgelöste Not ist so groß, dass die Fluchtbewegungen weitergehen werden." Dabei gelangten im Übrigen nur vergleichsweise wenige Menschen nach Deutschland, die meisten Flüchtlinge würden in den Nachbarregionen der verschiedenen Krisengebiete aufgenommen und versorgt. Auch sei die innerafrikanische Migration höher als diejenige nach Europa.

Der Misereor-Geschäftsführer appellierte an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, nun entschlossen und großzügig zu handeln. So müsse in die Seenothilfe deutlich mehr Geld investiert werden. "Selbst eine Verdopplung der Mittel, die derzeit für die Programme "Triton" und "Poseidon" zur Verfügung stehen, reichen nicht aus, um der Gesamtproblematik ausreichend gerecht zu werden - das Programm "Mare Nostrum" verfügte über dreimal so viele Mittel." Gleichzeitig brauche die EU einen Wandel hin zu einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen auf alle 28 Mitgliedsstaaten. "Das derzeitige Handeln der Europäischen Union zeigt, dass Europa vor allem reagiert, wenn es zu großen Katastrophen kommt, aber kein überzeugendes Konzept zur Reduzierung des Gesamtproblems hat."  Wer Fluchtursachen wirklich bekämpfen wolle, müsse auch berücksichtigen, dass etwa nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes ungezügelt Waffen aus Libyen in Länder wie Mali gelangt seien und durch Waffenschmuggel und -handel gewaltsame Konflikte weiter befeuert würden. Auch gerechtere globale Handelsstrukturen und die Einhaltung von Menschenrechten bei der Ausbeutung von Rohstoffen durch internationale Konzerne seien Themen, mit denen sich Europa ernsthafter beschäftigen sollte.

Bröckelmann-Simon erinnerte an den Appell von Papst Franziskus schon vor zwei Jahren in Lampedusa: "Wir brauchen eine Kultur des Willkommens zur Überwindung einer Globalisierung der Gleichgültigkeit. Das ist eine politische Aufgabe für die EU - aber ebenso auch eine Aufgabe für uns alle und ein Gebot der Menschlichkeit."

Weitere Informationen: Misereor-Pressestelle, Ralph Allgaier, Mobil: 0160 90 55 58 53, Tel.: 0241 442 529, E-Mail: ralph.allgaier[at]misereor.de

terre des hommes

Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes fordert angesichts der erneuten Flüchtlingstragödie auf dem Mittelmeer für die Flüchtenden humanitäre Korridore und sicheren Zugang nach Europa. Ferner müssen die Rettungskapazitäten der europäischen Mittelmeeranrainer deutlich ausgebaut werden.
 
"Das Mittelmeer wird in diesen Tagen zu einem Friedhof für verzweifelte Menschen auf der Suche nach Sicherheit in Europa", erklärte Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes. "Allein seit Jahresbeginn sind internationalen Angaben zufolge mindestens 1.500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Die Europäische Union braucht angesichts dieser Tragödien endlich eine völlig neue Flüchtlingspolitik, wie sie bereits nach dem Schiffsuntergang vor Lampedusa im Herbst 2013 versprochen, aber nicht umgesetzt wurde. Die Europäische Union darf nicht länger vorrangig auf Abwehr und Schutz der Grenzen setzen, sondern Erfüllung der humanitären Pflichten und der politische Wille, Menschen zu helfen und sie zu schützen, gehören an die erste Stelle. Wir appellieren dringend an die Bundesregierung, auf dem EU-Ministertreffen heute in Luxemburg sichere Korridore zu beschließen, die den Fliehenden Zugang nach Europa ermöglichen, und die EU-Rettungskapazitäten nach dem Vorbild des Ende letzten Jahres eingestellten Programms Mare Nostrum auszubauen."
 
Allein in Süditalien sind seit Januar rund 12.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angekommen, die unter anderem durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von terre des hommes in Italien betreut werden. Im Rahmen der internationalen terre des hommes-Kampagne Destination Unknown schützen Partnerorganisationen von  rund 250.000 Flüchtlingskinder und Migranten unter anderem auf Sizilien, im Libanon, in Griechenland, auf Zypern und Malta sowie in Ägypten und Marokko und engagieren sich auf politischer Ebene für einen besseren Flüchtlingsschutz durch die Institutionen der Europäischen Union.

Beschlüsse des EU-Sondergipfels zu Flüchtlingen greifen zu kurz

Die Beschlüsse des EU-Sondergipfels zur Erhöhung der finanziellen Mittel für die Seenotrettung im Rahmen der EU-Mission Triton reichen nicht aus, um das Sterben von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer zu stoppen. Sie zielen vor allem auf den Grenzschutz und die Bekämpfung von Schleppern, nicht jedoch auf den Schutz der Flüchtlinge.
 
"Hätten die Staats- und Regierungschefs der Schweigeminute ernsthafte humanitäre Verbesserungen folgen lassen wollen, hätten sie die Voraussetzungen für sichere legale und nicht lebensgefährliche Zugangsmöglichkeiten der Flüchtlinge nach Europa geschaffen und das Triton-Programm durch eine Rettungsaktion nach dem Vorbild von Mare Nostrum ersetzt", erklärte Barbara Küppers, Kinderrechtsexpertin von terre des hommes.
 
terre des hommes hatte gestern erneut an die EU appelliert, endlich die Schutz- und Rettungssysteme für Flüchtlinge auszubauen. Hierzu sollten alle EU-Mitgliedsstaaten einen angemessenen finanziellen Beitrag leisten. Nach Angaben von Frontex sind 2014 280.000 Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer nach Europa gekommen, was einem Anteil von 0,05 Prozent der Bevölkerung Europas entspricht. Dagegen haben sich rund 1,18 Millionen syrische Flüchtlinge  in den Libanon gerettet, was einem Anteil von 28 Prozent der Bevölkerung des Landes entspricht. "Wir hätten erwartet, dass die EU angesichts solcher Zahlen ihre Rolle als Wertegemeinschaft und Friedensnobelpreisträger ernst nimmt und endlich die Menschrechte der Flüchtlinge, die sich nach Europa retten wollen, in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt", so Barbara Küppers.

Für Rückfragen: Wolf-Christian Ramm, Pressesprecher, Tel.: 05 41 / 71 01-158, mobil: 01 71 / 6 72 97 48, E-Mail: presse[at]tdh.de

Zu den Hintergründen der Situation

Zur Chronologie der Ereignisse

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news-675 Tue, 14 Apr 2015 10:24:09 +0200 Den Wunsch zum Helfen wecken presse/pressearchiv/archiv-detail-view/den-wunsch-zum-helfen-wecken.html Das Bündnis Entwicklung Hilft, Guillaume Films und der Regisseur Yehonatan Richter-Levin machen mit einem TV-Spot auf das Leid der Menschen in und um Syrien und dem Irak aufmerksam

Etwa zweieinhalb Millionen Menschen im Irak sind auf der Flucht. In Syrien flohen seit Ausbruch des Krieges vor rund vier Jahren knapp elfeinhalb Millionen, etwa 62,5 Prozent der gesamten Bevölkerung. Die Region ist von einer der größten humanitären Katastrophen der heutigen Zeit betroffen. Mit einem TV-Spot machen das Bündnis Entwicklung Hilft, Guillaume Films und der Regisseur Yehonatan Richter-Levin auf das Leid der Betroffenen aufmerksam. Ohne Hilfe von außen haben viele Menschen in den betroffenen Gebieten keine Chance auf eine Verbesserung der Situation, teilweise keine Chance auf ein Überleben.

Gemeinsam das Leid lindern

Silke Schmidt-Albert, Geschäftsführerin von Guillaume Films, hatte gemeinsam mit dem Regisseur Yehonatan Richter-Levin die Idee zur Kampagne. „Das Schicksal der syrischen Flüchtlinge und insbesondere das Leid der unzählbaren Kinder auf der Flucht hat mich so tief bewegt, dass ich mehr tun wollte als einfach nur Geld zu spenden. Also habe ich das getan, was ich am besten kann: Einen Film machen, der hoffentlich dazu führt, dass sich mehr Menschen mit diesen Tatsachen beschäftigen und auch in ihnen der Wunsch entsteht zu helfen. So können wir es vielleicht gemeinsam schaffen, das Leid zu lindern“, sagt sie.

Die Qualität hat überzeugt

Das gesamte beteiligte Team verzichtete auf ein Honorar. Denn jeder Cent soll in die Flüchtlingshilfe fließen, für die der Film wirbt. Gemeinsam mit dem Bündnis Entwicklung Hilft bat Silke Schmidt-Albert um Probono-Schaltungen bei den Fernsehsendern – und sie hatten Erfolg. Es gibt mehrere Zusagen für eine Platzierung des Spots. Dessen Qualität überzeugte die Verantwortlichen. Der Film zeigt unsere „heile Welt“ in der Familie und erschüttert durch einen abrupten Schnitt hinein in ein syrisches Flüchtlingslager. Der Fotograf Gabriel Chaim steuerte diese bedrückenden Aufnahmen – ebenfalls pro bono – bei. Yehonatan Richter-Levin, verantwortlich für das Konzept des Films sagt: „Oft bin ich mit dem eigenen Leben sehr beschäftigt. Dabei denke ich über meinen Alltag, meine Familie, Freunde, Projekte und die Arbeit nach – es bleibt nicht so viel Platz übrig. Dieses Projekt machte es mir möglich, mich intensiv mit dem Leben von Menschen in anderen Situationen auseinanderzusetzen und hoffentlich damit etwas Gutes zu bewirken.“

Das Bündnis Entwicklung Hilft gibt die Spenden zu 100 Prozent an seine Mitglieder weiter und leistet vor Ort akute und langfristige Hilfe. Melanie Huber, Pressesprecherin und stellvertretende Geschäftsführerin des Bündnisses, betont die Notwendigkeit, insbesondere die syrischen und irakischen Flüchtlinge zu unterstützen: „Das Leid in der Region dauert schon viel zu lange an. Nur mit humanitärer Hilfe können wir zumindest ein wenig Hoffnung schaffen.“

Der Spot ist hier bei Youtube zu sehen unter und hier auf der BEH-Webseite verknüpft.

Weitere Aufnahmen von Gabriel Chaim finden Sie hier.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung:

Bündnis Entwicklung Hilft

Melanie Huber - Stv. Geschäftsführerin und Pressesprecherin
Chausseestr. 128/129
10115 Berlin
Tel.: +49 (0) 30-27877-393 

presse[at]entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Guillaume Films GmbH
Silke Schmidt-Albert - Executive Producer
Hermannstrasse 5
60318 Frankfurt
Tel: +49 (0) 69 43 05 20 - 0
silke[at]guillaume-films.com
www.guillaume-films.com

Die Guillaume Films GmbH ist eine Ideen- und Filmproduktion mit Sitz in Frankfurt am Main.

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news-674 Fri, 10 Apr 2015 11:28:36 +0200 „Seit 216 Tagen sind die Wasserleitungen nach Yarmouk unterbrochen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/seit-216-tagen-sind-die-wasserleitungen-nach-yarmouk-unterbrochen.html Martin Glasenapp von medico international im Interview über aktuelle Entwicklungen in Syrien

Der Bündnis-Partner medico international ist seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien tätig, zusammen mit lokalen Partnerorganisationen leistet das Hilfswerk vor allem Soforthilfe für syrische Flüchtlinge und bietet medizinische Versorgung dort, wo sie benötigt wird.  Auch in Yarmouk, das seit Jahren abgeschnitten von offiziellen Versorgungsketten ist. Martin Glasenapp berichtet über die aussichtslose Situation, in der sich die Bevölkerung und humanitäre Helfer befinden.

Der UN- Sicherheitsrat fordert einen gesicherten Zugang für internationale Helfer, um Hilfsgüter in das besetzte  Yarmouk zu bringen und die dort ausharrende Bevölkerung zu versorgen. Was denken Sie, wie wahrscheinlich ist die baldige Entstehung eines sicheren humanitäreren Korridors unter diesen Umständen?

Martin Glasenapp: Ein gesicherter Zugang für internationale Helfer nach Yarmouk besteht seit über zwei Jahren nicht mehr. Die Verantwortung dafür liegt beim syrischen Regime und den mit ihm assoziierten Milizen, die einen Sperrgürtel um das Stadtviertel gelegt haben. Selbst für lokale palästinensische Aktivisten und die medico-Partner ist der Zugang ein permanentes Vabanquespiel.

An vielen Orten in Syrien herrschen im Zuge des Bürgerkrieges grausame Zustände, aber nur in Yarmouk starben in den letzten zwei Jahren durch den künstlich erzeugten Mangel an Trinkwasser und Nahrungsmitteln über 160 Menschen. Es hat zusätzlich dutzende Fälle von Typhus und Hepatitis gegeben.  Ein freier Zugang nach Yarmouk ist notwendig, aber noch wichtiger ist das Ende der Belagerung des Viertels durch die syrische Armee und den mit ihr verbundenen palästinensischen Milizen. Insoweit ist die Forderung des UN-Sicherheitsrates richtig, sollte aber um den Punkt erweitert werden, dass auch das Regime seine militärische Einkreisung des Stadtviertels beendet.

Es gab vermehrt Attentate auf zivile Helfer, um die Selbstorganisation der Bevölkerung zu schwächen. Und bisher erreichen kaum Hilfsgüter Yarmouk. Was können Sie und Ihre lokalen Partner vor Ort derzeit leisten? Wie unterstützt medico die Partner?

Martin Glasenapp: Medico unterstützt die lokale palästinensische Hilfsorganisation Jafra im Yarmouk-Camp. Jafra-Mitarbeiter wurden immer wieder auch vom syrischen Geheimdienst verhaftet, einige sind unter der Folter gestorben, wieder andere mussten nach Beirut fliehen und setzten von dort ihre Arbeit fort. Jafra ist eine von vielen zivilen Organisationen, die es überhaupt erst ermöglicht haben, dass die Bevölkerung von Yarmouk die langen Monate der Belagerung überleben konnten. Jafra verteilte Nahrungsmittel, kümmerte sich um die von der UNWRA verlassen Schulen, richtete eine medizinische Notversorgung ein und verteilte Trinkwasser. Im Zuge der Eroberung weiter Teile von Yarmouk durch die Milizen des „Islamischen Staates“ wurde am 2. April diesen Jahres ein Mitarbeiter von Jafra von einem Scharfschützen ermordet.

Aktuell hat Jafra wie die allermeisten anderen Initiativen der lokalen Zivilgesellschaft die Arbeit eingestellt und sich in die südlichen Viertel von Yarmouk zurückgezogen, die noch nicht vom IS eingenommen wurden. Viele der Aktivisten werden mit Todeslisten vom IS gesucht, zugleich stehen sie aber auch auf den Verhaftungslisten des syrischen Regimes - sei es als „Oppositionelle“, aber auch, weil sich fast alle von ihnen dem Wehrdienst entzogen haben.   

In den letzten Tagen ist es einigen Bewohnern gelungen, aus Yarmouk in Auffangcamps der Regierung zu flüchten. Wie ist die Versorgungslage dort? Können Sie dort als unabhängige und neutrale humanitäre Helfer tätig werden?

Martin Glasenapp: Diese Lager am südlichen Rand von Yarmouk stehen unter der völligen Kontrolle des syrischen Regimes und der mit ihm verbundenen palästinensischen Milizen. Oppositionelle Aktivisten können dort nicht Schutz finden, da ihnen keinerlei Sicherheitsgarantie gewährt wird. Das syrische Staatsfernsehen berichtet, wie der verzweifelten Bevölkerung geholfen wird, instrumentalisiert diese Hilfe aber auch für die politische Absicht, die vollständige Kontrolle über die restlichen Bewohner des Stadtviertels zurückzuerlangen.  
 
Die PLO äußerte sich, dass sie alle Entscheidungen der syrischen Regierung bezogen auf Yarmouk unterstütze. Gleichzeitig schließen sich immer mehr Anwohner den Aknaf- Einheiten an, die sowohl gegen den IS als auch Assad kämpfen. Wie schätzen Sie die Situation ein: Könnte es zu Konflikten zwischen der PLO und den Aknaf- Einheiten kommen?

Martin Glasenapp: Zum jetzigen Zeitpunkt ist es unklar, wie die Entwicklung weitergehen wird. Die PLO hat zwar ihre Absicht bekräftigt, gemeinsam mit der syrischen Armee Yarmouk von dem IS und der radikalislamischen Al-Nusra-Front befreien zu wollen, man muss aber in Rechnung stellen, dass es seit zwei Jahren Versuche gibt, die militärische Kontrolle über das Gebiet wieder zu erlangen. Aber alle Bemühungen, Yarmouk gegen zahlenmäßig schwächere und auch schlechter bewaffnete Einheiten der „Freien Syrischen Armee“  einzunehmen, sind in der Vergangenheit gescheitert. Wie soll jetzt eine solche Operation gegen einen militärisch wesentlich stärkeren Gegner aussehen?

Viel naheliegender ist die Annahme, dass es letztlich um die vollständige Zerstörung und Entvölkerung von Yarmouk als widerständigem Ort gehen könnte, in dem das syrische Regime in den letzten Jahren niemals wieder die Oberhand gewinnen konnte und was in unmittelbarer Nähe zur Damaszener Altstadt liegt. Leidtragende werden allein die Zivilisten in diesem Gebiet sein. Lebten früher in Yarmouk ca. 250.000 syrische Palästinenser, so harren heute nur noch geschätzte 18.000 Menschen dort aus, unter ihnen 3.500 Kinder.  An den jüngsten Krisengesprächen der PLO in Beirut haben weder Vertreter der in Yarmouk aktiven Aknaf-Einheiten noch die mit ihr politisch verbundenen Hamas-Bewegung teilgenommen. Große Teile der Bevölkerung sehen in der syrischen Armee keine potenziellen Befreier vom IS-Terror, sondern die Verursacher der unmenschlichen Verhältnisse, die seit mehr als zwei Jahren Yarmouk in eine Art Vorhölle verwandelt haben.

Gebot der Stunde ist,  dass die von beiden Seiten gefährdeten zivilen Aktivisten unter dem Schutz der UN das Lager verlassen und in ein Land ihrer Wahl ausreisen können. Darüber hinaus muss der Druck auf das Assad-Regime erhöht werden, damit auf die militärische Blockade von Yarmouk nicht eine militärische Intervention mit unabsehbaren Folgen für das Stadtviertel und seine Bewohner folgt, sondern dass es einen freien Zugang der internationalen Hilfe und der UN nach Yarmouk gibt und dass die Bewohner frei entscheiden können, ob sie bleiben oder gehen möchten. Die internationale Hilfe sollte versuchen, die existierenden zivilen Strukturen in Yarmouk humanitär zu unterstützen und auf die politischen Hintergründe der aktuellen Situation hinzuweisen. Die humanitäre Krise in Yarmouk begann nicht vor acht Tagen mit dem Auftauchen der IS-Milizen,  sondern vor bereits zwei Jahren durch die Hungerblockade seitens des syrischen Regimes. Seit 216 Tagen sind die Wasserleitungen nach Yarmouk unterbrochen.

Spenden Sie jetzt für die Hilfe in Syrien! Hier geht es zur Online-Spende.

Weitere Informationen:

Martin Glasenapp im Interview mit dem Deutschlandfunk

Eine Multimedia-Reportage über die Situation in Syrien und im Irak.

Aktuelle Meldungen zur Lage im Irak.

Aktuelle Meldungen zur Lage in Syrien.

Mehr zu den Hilfsmaßnahmen des Bündnis Entwicklung Hilft im Irak und in Syrien.

Spendeninformation Bündnis Entwicklung Hilft:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX
Oder hier online spenden.
 
Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft

Melanie Huber, Pressesprecherin

Tel.: +49-30-27877-393


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news-673 Thu, 02 Apr 2015 12:13:58 +0200 Ebola: Zu den Maßnahmen der Bündnis-Mitglieder http://www.entwicklung-hilft.de/fileadmin/user_upload/News/ebola/Bericht_Ebola_31032015.pdf Ein Bericht über die aktuelle Situation in Westafrika, die Folgen der Epidemie und die Hilfe der Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft. news-672 Wed, 01 Apr 2015 14:22:08 +0200 Das extreme Leben - Wege hinein, Wege hinaus presse/pressearchiv/archiv-detail-view/das-extreme-leben-wege-hinein-wege-hinaus.html Podiumsdiskussion über die Hintergründe der Radikalisierung junger Menschen und mögliche Wege zurück in den Alltag Von Helene Badjeck

Die Radikalisierung von jungen Frauen und Männern ist auch in Deutschland ein hoch aktuelles Thema. Vor diesem Hintergrund luden die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Tagesspiegel am Dienstag, dem 31. März, zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Welt im Wandel“ ein. Die Frage des Abends lautete: „Wie kann man junge Männer und Frauen davon abhalten, sich radikalen Gruppen anzuschließen?“ Nach offiziellen Zahlen reisten bisher etwa 650 junge Männer und Frauen aus Deutschland nach Syrien, um dort an der Seite der Djihadisten der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu kämpfen.

„Jugendliche, die sich radikalen Gruppen sind nicht primär auf der Suche nach Religion.“ (Claudia Dantschke)

Claudia Dantschke ist seit 2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH Berlin, wo sie sich seitdem mit extremistischen Phänomenen befasst. Ebenso ist sie Mitarbeiterin der deutschlandweit ersten Beratungsstelle für Personen und Angehörige von denjenigen, die sich salafistisch radikalisieren oder dem militanten Jihadismus anschließen. Dantschke ist der Überzeugung, dass sich Jugendliche nicht aus religiösen Gründen radikalen Gruppen zuwenden. Ursache für diesen Schritt sei oft die Suche nach einer Perspektive und Anerkennung, welche sie schließlich in den Gruppen fänden. Diese würden zu einer Art „Ersatzfamilie“. Für radikale Gruppen sind Jugendliche besonders attraktiv, da sie sich leichter beeinflussen und formen lassen als ältere Menschen. Die Rekrutierung von westlichen Jugendlichen durch den Taliban und den IS hat vor allem einen symbolischen Charakter, sagt Dantschke. Die Organisationen würden so den westlichen Staaten zeigen: „Wir nehmen euch eure Kinder.“

Doch wie schaffen solche Gruppierungen es überhaupt, so erfolgreich zu rekrutieren? Masood Karokhail, Direktor der afghanischen Nichtregierungsorganisation und Partnerorganisation der GIZ  The Liaison Office (TLO) berichtet von seinen Erfahrungen aus Afghanistan. Propaganda nähme auch immer Missstände auf. In Fall der Taliban in Afghanistan gäbe es auf der einen Seite soziale und gesellschaftliche Umstände wie Ungerechtigkeit, Korruption oder  mangelnde Dienstleistungen durch den Staat, die viele Jugendliche in ihre Arme treiben. Auf der anderen Seite propagierten die Taliban zum Beispiel ausländische Streitkräfte, meist westliche, als Ursache für die Kriege und die Ungerechtigkeit im Land.

Doch dies sind nur einige Faktoren für die Radikalisierung von Jugendlichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Art und Weise der Rekrutierung. Beide Gesprächspartner waren sich einig: „Pop-Djihadismus nutzt ganz typische Elemente der westlichen Pop-Kultur.“ Musik und Filme werden mit der Ideologie unterfüttert, um gezielt Jugendliche aus dem Westen zu rekrutieren. Auch die Nutzung von Social Media ist ein elementarer Bestandteil der Propaganda-Maschinerie. Die Jugendlichen werden dort „abgeholt“, wo sie sich befinden.

„Man kann nicht rational argumentieren. Vieles läuft über Emotionen.“ (Dantschke)

Wie also können junge Männer und Frauen nun davon abgehalten werden, sich radikalen Gruppen anzuschließen oder aus ihnen auszusteigen? Claudia Dantschke findet es sehr wichtig, die Familien und Angehörigen mit in ihre Arbeit einzubinden. Sie habe Fälle erlebt, in denen zwischen den nach Syrien ausgereisten Kindern und ihren Eltern noch Kontakt bestand. Dies sei oft ein Zeichen für eine noch immer bestehende starke emotionale Bindung, über die versucht werden könne, die Jugendlichen zur Rückkehr zu bewegen. Ihre Empfehlung an die betroffenen Familien, die bei Hayat Hilfe suchen ist: „Den Menschen lieben, die Tat ablehnen.“

Dantschke ist auch der Meinung, dass diejenigen, die desillusioniert zurück nach Deutschland kommen  eingebunden werden sollten in die Aufklärung vor möglicher Radikalisierung. Denn die Heimkehrer sind authentisch und wissen, wie vor Ort in Syrien oder im Irak tatsächlich mit jungen Menschen umgegangen wird.

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news-671 Mon, 30 Mar 2015 12:19:56 +0200 Wenn Frauen fliehen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/wenn-frauen-fliehen.html Zum Thema „Geflüchtet. Frauen und Mädchen auf der Flucht“ fand auch in diesem Jahr die Frauentagung des BDKJ, Bund der deutschen katholischen Jugend, in Berlin statt. Zusammen mit zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland diskutierte Luise Amtsberg über die aktuelle Situation von Frauen in Notsituationen weltweit.

Von Helene Badjeck

Derzeit befinden sich weltweit fast 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht, die größte Anzahl von Flüchtlingen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen fliehen aus unterschiedlichen Gründen - unter anderem aufgrund von Konflikten und Kriegen. Jedoch gibt es zahlreiche weitere Gründe, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen: Armut und Klimawandel sind ebenso Ursachen wie politische, religiöse oder ethnische Verfolgung. Über geschlechtsspezifische Gründe, zum Beispiel Zwangsheirat, als Motiv für eine Flucht wird nur selten und oft unzureichend berichtet.

Oft werden Flüchtlinge in den Medien und politischen Debatten als eine anonyme Einheit dargestellt. Überwiegend unbeachtet bleibt, dass es sich nicht um „die Flüchtlinge“ handelt, sondern um einzelne Individuen. Auch wenn sich die Gründe, die zur Flucht geführt haben ähneln - jeder Flüchtling bringt seine eigene Biographie mit sich und auch eigene Erfahrungen. Ebenso wie sich die Fluchtursachen unterscheiden, unterscheiden sich auch die einzelnen Gefahren, die gewisse Gruppen von Menschen ausgesetzt sind.

„Männer können sicherer fliehen.“ (Luise Amtsberg, Sprecherin für Flüchtlingspolitik B90/Die Grünen)

Mindestens die Hälfte aller Flüchtlinge sind Frauen. Wenn Frauen fliehen, fliehen sie meist mit ihren Kindern. Weil ihre Ehemänner, Väter oder Brüder unter anderem getötet oder gefangengenommen wurden, sind sie auf sich allein gestellt. Unter schwierigsten Bedingungen sichern diese Frauen das Überleben ihrer Kinder und älteren Familienangehörigen, die Angst ist ihr ständiger Begleiter. Denn Frauen sind zusätzlichen Gefahren ausgesetzt. Besonders durch die Mitnahme der Kinder besteht oft eine größere Vulnerabilität.

In Eritrea zum Beispiel gibt es Berichte von systematischen Erschießungen an den Grenzen, organisiertem Menschenhandel oder Versklavung von Frauen und Mädchen zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und des Missbrauchs ebenso wie zur Ausbeutung als billige Arbeitskräfte. Frauen verfügen meist über weniger Ressourcen als Männner: Es fehlt Geld, um sich und ihre Angehörigen mit den Notwendigsten zu versorgen. Aus diesem Grund sehen einige von ihnen manchmal keinen anderen Ausweg als sich Männern „freiwillig“ anzubieten - im Gegenzug für benötigte Lebensmittel. In vielen Fällen ist das die einzige Möglichkeit, um sich eine Überfahrt in Richtung „Sicherheit“ durch Schlepper leisten zu können.

Doch auch in den Flüchtlingslagern sind Frauen teilweise der Gewalt ausgesetzt. Sie erhalten dann nicht den Schutz, den ihre eigenen Häuser, Dörfer oder Gemeinden bieten. Dies betrifft auch einige der Flüchtlingscamps in Jordanien und im Libanon. Die Situation in deutschen Unterkünften ist nicht weniger problematisch. Aufgrund all dieser Umstände ist es nicht verwunderlich, dass insgesamt mehr syrische Männer als Frauen in den Unterkünften beobachtet werden. Sie warten meist, bis sie ihre Familien auf sicherem Weg in eine sichere Unterkunft zu sich holen können.

„Zivilgesellschaft und Asylpolitik müssen für die Problematik sensibilisiert werden“

Luise Amtsberg, Sprecherin für Flüchtlingspolitik von Bündnis 90/Die Grünen, bedauert die geringe Aufmerksamkeit für diese Thematik. Sie wünscht sich eine intensivere sowie adäquate Auseinandersetzung in den Medien und der Zivilgesellschaft.

In vielen Unterkünften würde zwar versucht, eine getrennte Unterbringung von Männern und Frauen zu ermöglichen, um eventuellen Übergriffen vorzubeugen, jedoch sei dies nicht immer geboten. Unter anderem auch, weil viele Flüchtlingsunterkünfte erst bei der Aufnahme erführen, wie viele Männer und Frauen sie aufnehmen werden. Im günstigsten Falle, würde ihnen dies ein bis zwei Stunden vorher mitgeteilt. Zu kurz, um flexibel darauf reagieren zu können, sagt Amtsberg.



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news-670 Fri, 27 Mar 2015 10:54:46 +0100 Vier Jahre Krieg, vier Jahre Flucht http://www.entwicklung-hilft.de/reportage/irak_syrien/ Der syrische Bürgerkrieg und die Vertreibung im Irak - Eine Multimedia-Reportage. Vier Geschichten über das Schicksal der Menschen. Dazu erklären Info-Kästen das Engagement der Bündnis-Mitglieder. news-669 Thu, 19 Mar 2015 13:20:28 +0100 Hilfe für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene themen/hilfe-fuer-fluechtlinge/syrien-und-irak.html Ein Überblick der bisherigen Hilfsmaßnahmen und die Planungen der Bündnis-Mitglieder. news-668 Mon, 16 Mar 2015 12:00:00 +0100 „Der Mensch kann diesen Gefährdungen begegnen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-mensch-kann-diesen-gefaehrdungen-begegnen.html Bündnis-Geschäftsführer Peter Mucke im Interview mit ARTE Journal nach dem Wirbelsturm auf Vanuatu

 

ARTE Journal: Der Präsident von Vanuatu, Baldwin Lonsdale, macht den Klimawandel mitverantwortlich für die Katastrophe, die sein Inselstaat heimgesucht hat. Eine Einschätzung, die Sie teilen?

Peter Mucke: In unseren Analysen für den Weltrisikobericht stellen wir sehr eindeutig fest, dass der Inselstaat Vanuatu durch Wirbelstürme, durch Erdbeben und durch den Anstieg des Meeresspiegels besonders gefährdet ist. Es gibt namhafte Forscher und Untersuchungen, die sowohl beim Aufkommen der Wirbelstürme als auch beim Meeresspiegelanstieg die Zusammenhänge zum Klimawandel benennen. Leider müssen wir sehen, dass die meisten Staaten bisher nicht bereit sind, international das notwendige Geld zu investieren für eine effiziente Katastrophenvorsorge. Auch die Weltkonferenz der Vereinten Nationen, die gerade in Japan stattfindet, beschäftigt sich mit genau diesem Thema, der Risikoreduzierung von Katastrophen. Man muss dabei die internationalen Zusammenhänge klar erkennen: die Globalisierung führt dazu, dass Wirtschaftsprozesse immer stärker in den Vordergrund geraten und Entscheidungen ganz klar dominieren. Dagegen haben Klimawandel und unser Thema, also die Katastrophen möglichst zu reduzieren, nicht den Stellenwert wie die Wirtschaftsprozesse. 

ARTE Journal: Wie viele Menschen laufen weltweit Gefahr, Opfer des Klimawandels zu werden?

Peter Mucke: Der Gefahr von Katastrophen sind viele Millionen Menschen ausgesetzt. Wir können in unseren Untersuchungen sehr deutlich zeigen, dass besonders Länder mit großen Küstenstreifen hier betroffen sind und von Überschwemmungen bedroht sind. Das liegt sowohl an den drohenden Wirbelstürmen als auch am Meeresspiegelanstieg, der eindeutig stattfindet. Diese Länder stehen auch daher auf den ersten 10 Plätzen bei unserem Weltrisikoindex.

ARTE Journal: Was können wir angesichts weiterer drohender Katastrophen tun?

Peter Mucke: Wir müssen ganz eindeutig erkennen: Den schweren Naturereignissen sind wir nicht hilflos ausgeliefert. Der Mensch kann diesen Gefährdungen begegnen. Wir müssen daran arbeiten, dass die Menschen nicht mehr so anfällig sind, weil sie arm sind oder weil sie beispielsweise Häuser haben, die sofort zusammenstürzen. Wir müssen außerdem daran arbeiten, dass die Bewältigungskapazitäten nach einer Katastrophe deutlich besser werden, dass Krankenversorgung usw. schneller stattfindet. Auch müssten mehr Anpassungsmaßnahmen getroffen werden, wie zum Beispiel die Deiche in den Niederlanden, und der Erhalt und Schutz der natürlichen Ökosysteme in Küstengebieten kann viel ausrichten, wie zum Beispiel Korallenriffe und Mangrovenwälder.  

  

Das Interview bei ARTE:

http://info.arte.tv/de/katastrophengefahr-fuer-millionen-von-menschen

   

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news-667 Sun, 15 Mar 2015 16:25:00 +0100 Jahrestag der Unmenschlichkeit presse/pressearchiv/archiv-detail-view/jahrestag-der-unmenschlichkeit.html Seit genau vier Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Die humanitäre Situation ist dramatisch, doch eine baldige Lösung des Konflikts ist auch heute noch nicht in Sicht. Einst war es ein Reise- und Kulturland mit einer Bevölkerungszahl von etwa 22 Millionen. Heute ist das Land verändert und kaum wiederzuerkennen.  Über 12 Millionen Syrer sind auf der Flucht, mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Allein in Syrien sind derzeit mehr als neun Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Bei rund sechs Millionen von ihnen handelt es sich um Internal Displaced Peoples (IDPs), also Vertriebene im eigenen Land. Die bewaffneten Konflikte haben Syrien in Leid und Chaos gestürtzt und hatte verheerende Folgen: Über 200.000 Menschen haben bisher ihr Leben lassen müssen. Im Vergleich zur Situation vor der Krise ist die Wasserverfügbarkeit um 50 Prozent gefallen. Ebenso fatal ist, dass nur noch ein Drittel aller Krankenhäuser in Syrien funktionsfähig sind. Mehr als 680.000 Häuser sind komplett unbewohnbar geworden- und über 2,1 Millionen Häuser sind beschädigt. Viele Schulen, wenn sie denn noch stehen, wurden zu Notunterkünften. Die Lebensmittelpreise stiegen enorm und viele Familien konnten sich keine Nahrung mehr leisten. Ihrer Lebensgrundlage- und möglichkeiten beraubt, sowie aus Angst vor der Gewalt in ihrem Land suchten über 3,8 Millionen Syrer Zuflucht in Libanon, Jordanien und der Türkei, oft ohne Hab und Gut. Egal ob innerhalb Syriens oder außerhalb, ob in den Flüchtlingslagern oder in anderen Behelfsunterkünften- die Situation der Flüchtlinge ist dramatisch, denn es fehlt an allem: an Nahrung und Wasser, Sicherheit, Medikamente, Ausbildung und psychosoziale Betreuung, Kleider und Strom. Die Liste ist lang. Umso schwerer wiegt die Tatsache, dass es sich bei diesen Dingen um das Allernötigste handelt- überlebenswichtige Güter.  

„Syrische Kinder zwischen Verzweiflung und Hoffnung“ 

Unter den 22.000 Menschen, die im Laufe des Konflikts zu Tode kamen sind mindestens 10.000 Kinder. Vermutlich liegt die tatsächliche Zahl höher, da in den meisten Fällen das Alter der Toten nicht angegeben wird. Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland berichtet, dass es allein in 2014 etwa 2000 bewusste Menschrechtsverletzungen  an Kindern gegeben habe. Dabei handelte es sich unter anderem um gezielte Angriffe auf Schulen, bei denen Hunderte Kinder getötet oder verletzt wurden. Für ihn ist der 15. März der „Jahrestag des Unmenschlichkeit.“ Die Anzahl der von diesem Krieg betroffenen Kinder im Nahen Osten überschreitet mit 14 Millionen sogar die Anzahl aller in Deutschland lebenden Kinder um eine Million. Auch heute noch ist die Lage der Kinder in Syrien am schlimmsten: 5,6 Millionen Jungen und Mädchen befinden sich in einer akuten Notsituation, beinahe die Hälfte ist ganz oder zeitweise von jeglicher Hilfe abgeschnitten. „Die Kinder haben so viel erlebt, was ein kleines Kind nicht erleben sollte“, erklärt Schneider. Er war vor kurzem in Libanon, um sich von der Situation ein Bild zu machen. Er erzählt von Amira, einem siebenjährigen Mädchen das mitansehen musste, wie ihr Vater in Homs getötet wurde. Miterleben musste sie später auch, wie weitere ihrer Verwandten vor ihren Augen erschossen wurden. Wie viel Grausamkeit kann ein Kind ertragen? Für Amira waren diese Erfahrungen hoch traumatisierend und lähmend. Sie konnte nicht mehr laufen und kein Essen mehr zu sich nehmen. Heute kann sie dies, dank einer Therapie wieder und heute malt sie bunte Bilder- anders als zu Beginn ihrer Therapie. Ihre Geschichte ist nur ein Beispiel der tragischen Schicksale vieler syrischer Kinder.

„There are children who not give up their dreams“

Umso erstaunlicher ist es, dass es syrische Flüchtlingskinder gibt, die noch Träume und Hoffnungen haben. Ein Wunsch, den viele von ihnen empfinden ist der zur Schule gehen zu können und zu lernen. In Syrien sind rund 4.200 Schulen zerstört oder beschädigt  worden, dienen als Notunterkünfte oder sind aufgrund der Kämpfe unzugänglich. Etwa 52.000 Lehrer wurden getötet oder sind geflohen. Laut UNICEF gehen schätzungsweise zwei Millionen Kinder nicht oder nur selten zur Schule- eine verlorene Generation? Viele öffentliche Schulen in den Gastländern haben Doppelschichten eingeführt: Am Vormittag gehen die einheimischen Kinder in den Unterricht, am Nachmittag die syrischen. In Libanon wird dieses Doppelverhältnis besonders deutlich: Hier stehen etwa 177.000 libanesische Kinder, die zur Schule gehen über 600.000 Syrischen gegenüber. Dabei ist Bildung nicht nur für ihre Zukunft ein so elementarer Baustein, sondern auch für die Seele. Dort erhalten sie ein Stück „Normalität“ und ein kleines bisschen Kindheit. Kindheit, die ihnen so früh und vor allem in den prägenden Phasen ihres Lebens genommen wurde. Doch, wie konnte es soweit kommen?

 „Syrien war kein Hungerland. Die Menschen bekamen eine Ausbildung. Wie der Irak tauchte Syrien nicht auf dem Welthungerindex auf, selbst wenn es Armut gegeben hat.“ (Bärbel Dieckmann, Welthungerhilfe).

Ausgangspunkt des syrischen Bürgerkriegs war der Arabische Frühling in Ländern wie Ägypten, Lybien und Tunesien. In diesen Ländern lehnte sich die Bevölkerung gegen ihre autoritären Herrscher auf. Am Ende der Auseinandersetzungen haben sie sich von ihnen befreien können. In Syrien lag und liegt noch alle Macht in den Händen von Bashar Al Assad. Regimekritische Äußerungen waren untersagt und Verstöße dagegen wurden nicht nur mit Gefangeschaft bestraft, sondern auch mit Folter. So geschah es auch, als zunächst eine Gruppe Jungendlicher in der südlichen Stadt Daraa es wagte auf den Gemäuern öffentlicher Plätze ihre Kritik kund zutun, ermutigt durch die Erfolge in Tunesien und den weiteren Ländern. Auf öffentlichen Protesten forderten überwiegend junge Syrer am 15. März in Damaskus daraufhin die Freilassung der Jugendlichen sowie mehr Freiheit, Würde und soziale Gerechtigkeit. Es war ein friedlicher Ruf nach Demokratie, dem Assads bewaffnete Sicherheitskräfte gewalttätig entgegentraten. Bei einer weiteren Demonstration nur wenige Tage darauf eröffneten letztere das Feuer, vier Menschen starben. Seit dem stehen sich Regimetreue Truppen und Rebellengruppen der Opposition gegenüber und bekämpfen sich. Doch zu den ursprünglichen Motiven und Interessen des Bürgerkriegs kamen weitere: Der Krieg hat nicht nur politische und wirtschaftliche Dimensionen, sondern es sind auch ethnische und religiöse Konflikte wiederbelebt worden. Eine mittelbare Folge dessen war, dass sich weniger gemäßigte bis extrem radikale Kriegsparteien etablieren konnten wie die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Sein barbarischer Vormarsch in Syrien und Irak zwang Millionen Menschen zur Flucht. 

Heute ist Syrien ein Land, in dem die Zahl der sichtbaren Lichter bei Nacht seit Beginn des Bürgerkriegs um 83 % gesunken ist. Doch, dort wo Dunkelheit herrscht gibt jeder Funken Hoffnung. Mit den Worten von Hanaa Singer, UNICEF-Leiterin in Syrien: „We must not loose infinite hope.“

Die Bündnismitglieder stehen den Menschen in Syrien und den Nachbarländern mit aller Kraft zur Seite. Mit ihrem Hilfseinsatz tragen sie zur Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln, Medikamenten und weiteren lebenswichtigen Gütern bei. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist zudem die Ermöglichung von psychologischer sowie psychosozialer Betreuung der traumatisierten Erwachsenen und Kinder.

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news-666 Wed, 11 Mar 2015 10:26:12 +0100 Sozialmedizin im Zeichen von Seuchenkontrolle presse/pressearchiv/archiv-detail-view/sozialmedizin-im-zeichen-von-seuchenkontrolle.html Auf Einladung von medico international debattierten Gesundheitsexperten über die strukturellen Ursachen und Folgen der Ebola-Epidemie Der vom Bündnis-Partner medico ausgesprochenen Einladung zur Diskussionsveranstaltung „Sozialmedizin im Rahmen der Seuchenkontrolle“ im Rahmen des Kongresses "Armut und Gesundheit"  folgten zahlreiche Teilnehmer. Gemeinsam mit anerkannten internationalen Referenten debattierten sie über die politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen, die Ebola zu einer Epidemie werden ließen. Bislang registrierte die WHO beinahe 23.000 Ebolafälle, mehr als 9.000 Menschen starben in Folge der Infektion. Wie hoch die Dunkelziffer liegt, wisse man nicht genau, jedoch wird von einer höheren Zahl ausgegangen.

Die soziale Pathologie hinter der Epidemie

Es sei kein Zufall, dass die gegenwärtige Ebola-Epidemie mit Guinea, Liberia und Sierra Leone drei der ärmsten Länder der Welt trifft. Dieser Überzeugung ist neben dem People´s Health Movement auch Abu Brima, Referent und Menschenrechtler aus Sierra Leone. Wie im Falle von extremen Naturgefahren ist das Ausmaß der Bewältigungskapazitäten der betroffenen Bevölkerung abhängig von den in der Bevölkerung vorherrschenden Strukturen. Mitschuld an der Ausbreitung des Virus tragen die ineffektiven oder zum Teil gar nicht existierenden Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern. Während des Ausbruchs gab es beispielsweise in ganz Liberia nur 120 Ärzte. Damit kam etwa ein Arzt auf 30.000 Menschen. In Sierra Leone beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt 47,3 Jahre, in Deutschland hingegen liegt sie fast doppelt so hoch. Begünstigt wird dies unter anderem durch Friedenszeiten, höhere Einkommen und eine bessere Ernährungslage - Faktoren, die auf große Teile der Bevölkerung in den Westafrikanischen Ländern nur wenig zutreffen. So stellte der Bürgerkrieg in Sierra Leone von 1991 bis 2002 einen der gewalttätigsten postkolonialen Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent dar. Auch Liberia und Guinea blieben nicht von gewalttätigen Konflikten verschont. Zudem ist Sierra Leone das Land mit der höchsten Kindersterblichkeit – eins von sechs Kindern stirbt vor dem fünften Lebensjahr. Die desolat ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen wurden beim Ausbruch von Ebola nicht zuletzt zu Infektionszentren für die Helfer selbst, da sie materiell nicht dazu in der Lage waren Standardregeln der hygienischen Krankenversorgung einzuhalten. „Ein nicht geringer Teil der bislang Erkrankten und Verstorbenen sind Gesundheitsarbeiterinnen und -arbeiter, die sich bei der Sorge um die Kranken infiziert haben“, so Anna Jung von medico. „Wie ein Lotteriespiel“ beschrieb sie die Gefahr für die Helfer.

„Ebola is not an ideal candidate for an outbreak turning into an epidemic“

Nach Analyse des People´s Health Movement wurde die Ebola-Epidemie durch Armut und schonungslose Ausbeutung der Umwelt und der natürlichen Ressourcen in der Region sowie Ungleichheit verursacht. Dr. Andreas Wulf von medico stimmt dem zu:  „So leben viele Menschen in den betroffenen Gebieten von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Deren Lebensgrundlagen wurden durch aktuelle Entwicklungen wie Landgrabbing und Ressourcenausbeutung massiv eingeschränkt.“ Dieser Verdrängungsprozess führe dazu, dass die Menschen, überwiegend aus den ärmsten Bevölkerungsschichten, zunehmend in unbesiedelte Waldgebiete ausweichen müssten, um Nahrung und Brennholz zu beschaffen. Umgekehrt führt die massive Abholzung der Wälder auch die tierischen Überträger des Ebolavirus, vorranging Flughunde, näher an die Menschen heran. Nach diesen Fakten zu urteilen, ist der Ausbruch von Ebola auch auf bewusst eingegangene Risiken zurück zu führen. Liberia, zum Beispiel ist das Land mit der weltweit höchsten Quote ausländischer Direktinvestitionen im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt. In weniger als zehn Jahren schloss Liberia Sonderabkommen mit zahlreichen transnationalen Konzernen in der Eisen-, Erz- und Palmölindustrie ab, neu dabei im Landraub-Geschäft ist unter anderem die Holzindustrie. Unterdessen höhlen die globalen Handelsbestimmungen für Landwirtschaft die Bedingungen für lukrative eigene landwirtschaftliche Produktionsweisen der Bevölkerung in Afrika weiter aus. Aus diesem Grund gilt bei der Schuldfrage am Ausbruch der Epidemie die Kritik vieler Organisationen, wie auch dem People´s Health Movement, dem Neokolonialismus und den negativen Folgen der Globalisierung.

„Our response to this epidemic has been problematic.”

Doch neben den strukturellen Ursachen von Ebola wurden auch die globalen Reaktionen auf die Krise kritisiert. In seinem Beitrag beschäftigte sich Dr. Henning Füller von der Humboldt Universität Berlin mit den Entwicklungen innerhalb der globalen Entwicklungspolitik. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte habe sich die Sicht auf Krankheiten verändert. Krankheit werde heute hauptsächlich nicht als Gesundheitsproblem gesehen sondern als Sicherheitsproblem. Eine der Konsequenzen dieses Denkens sei in seinen Augen die späte Mobilisierung globaler Hilfsmaßnahmen. Diese seien erst bei Befürchtung eines Sicherheitsproblems, beispielsweise durch Einreise Infizierter nach Europa, erfolgt. Füller ist ebenso der Überzeugung, dass die Betrachtung von Krankheit in der globalen Gesundheitspolitik strukturelle Probleme außer Acht lasse und folglich zu einer Fehlsteuerung von Maßnahmen führe. Die Intervention wurde oftmals eher regional gesteuert, ohne Rückkopplung an lokale Strukturen und deren Wissen. Hierdurch fehlte es auf lokaler Ebene nicht nur an finanziellen Mitteln zur Eindämmung und Bekämpfung, sondern es führte auch zum Verlust von Vertrauen gegenüber Autoritäten. Dabei galt das Misstrauen nicht nur der Regierung, sondern auch Hilfsorganisationen. Hinsichtlich der Ursachen von Ebola erfolgte seiner Ansicht nach ebenfalls eine Fehlsteuerung. Diese wurden oftmals lokal zugeschrieben und das individuelle Handeln, wie rituelle Waschungen wurde problematisiert.

weitere Infos bei medico international

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news-665 Mon, 02 Mar 2015 11:49:17 +0100 Diskussion zum Super-Entwicklungsjahr 2015 presse/pressearchiv/archiv-detail-view/diskussion-zum-super-entwicklungsjahr-2015.html Forderung nach mehr Verbindlichkeit und wirksamen Prüfungsmechanismen bei der Podiumsdiskussion vom Bündnis-Mitglied Brot für die Welt

Von Florian Brell

In ihrer Reihe „Im Dialog“ hatte das Bündnis-Mitglied Brot für die Welt am 26. Februar 2015 zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zum Thema eingeladen. Das Thema: „Deutschlands Rolle im Super-Entwicklungsjahr 2015“. Zusammen diskutierten der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Prof. Dr. Dirk Messner, und Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt. Im Fokus standen Erwartungen, Themen und Anforderungen aus entwicklungspolitischer Perspektive an die vier internationalen Gipfeltreffen in diesem Jahr: den G7-Gipfel in Elmau, die „Conference on Financing and Develpment“ in Addis Abeba, das UN-Gipfeltreffen in New York zur „Post-2015-Agenda“ und der UN-Klimakonferenz in Paris. Die Moderation der Gesprächsrunde übernahm Arnd Henze vom ARD-Hauptstadtstudio.

Juni: G7-Gipfel in Elmau

Der G7-Gipfel in Elmau ist für Entwicklungsminister Müller die Vorlage für die folgenden Gipfel. Sein großes Thema für die G7, aber auch für die weiteren Gipfel, ist Verteilungsgerechtigkeit. Man müsse Globalisierung gerecht gestalten, Wertschöpfungsketten und  Märkte neu überdenken. Konkret sieht er dabei Handlungsbedarf bei der Welthandelsorganisation WTO. Hier müsse man von der Fokussierung des Freihandels zu einem konsequenten Vorantreiben des fairen Handels kommen.
Auch Cornelia Füllkrug-Weitzel sieht Elmau als richtungsweisend für das Super-Entwicklungsjahr 2015. Sie wünscht sich von den G7 vor allem klare Aussagen zur Verwirklichung der bestehenden Entwicklungsziele. Dirk Messner war es wichtig, noch einmal zu betonen, dass Entwicklungsthemen bei solchen Gipfeltreffen kein Selbstläufer sind. Viel zu oft würden diese von Sicherheitsfragen verdrängt. Die Relevanz dieser Themen hervorzuheben, liege unter anderem in der Verantwortung von Organisationen wie Brot für die Welt. Außerdem sieht Messner mittlerweile ein Legitimationsproblem der G7. War der Gipfel lange Zeit eine wichtige Instanz, werde seine Bedeutung mittlerweile durch die Vielzahl von Gipfeln gemindert.

Juli: Weltkonferenz zur Entwicklungsfinanzierung der Vereinten Nationen in Addis Abeba

Bei der der dritten Finanzierungskonferenz der Vereinten Nationen in der Äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba soll, aufbauend auf den Erklärungen von Monterrey (2002) und Doha (2008), der Plan für die Entwicklungsfinanzierung und die finanzielle Umsetzung der Post-2015-Agenda entworfen werden. Die Brot für die Welt-Präsidentin Füllkrug-Weitzel wünscht sich speziell von Deutschland diesbezüglich die politische Bereitschaft zum Vorbildcharakter. Generell müssen bei der Konferenz aber belastbare Finanzierungskonzepte für die Entwicklungsziele, Mechanismen und Indikatoren zur Überprüfung der Einhaltung geschaffen werden. Bezüglich der Entwicklungsfinanzierung war es Minister Müller wichtig, von vornherein klar zu stellen, dass Investitionen in die Entwicklung für ihn gleichbedeutend mit Investitionen in den internationalen Frieden seien. An die Konferenz in Addis Abeba habe er allerdings gleichzeitig nicht allzu viele Erwartungen – vor allem wenn es darum geht, Prüfungsmechanismen für die Entwicklungsfinanzierung zu schaffen. Auch Dirk Messner betonte, dass die Konferenz in Addis Abeba vor der Gefahr stehe, ein, wie er es ausdrückte, „Rohrkrepierer“ zu werden. Die Teilnehmer müssten und könnten das vorhandene Potenzial jedoch viel eher nutzen, um den nachfolgenden Gipfel Schwung zu verleihen.

September: UN-Gipfel zur Verabschiedung der neuen Post-2015-Entwicklungsagenda in New York

In New York soll dann im September diesen Jahres das Paket aus 17 nachhaltigen Entwicklungszielen, sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs), als Nachfolger der auslaufenden Millenniumsziele der Vereinten Nationen beschlossen werden. Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass das Paket im Ganzen wichtig sei und genau so beschlossen werden müsse. Müller bestätigte noch einmal, dass Deutschland am Gesamtpaket der Ziele festhalten werde. Füllkrug-Weitzel und Messner kamen noch einmal auf die Notwendigkeit verbindlicher, globaler Prüfungsmechanismen zurück. Besonders wichtig ist allen Teilnehmern, die verabschiedeten Ziele im Nachhinein verständlich in der Öffentlichkeit zu kommunizieren, um der, so Müller, „Abkapselung der Expertencommunity“ entgegenzuwirken.

November/Dezember: Weltklimakonferenz in Paris

Bezüglich der Weltklimakonferenz gab sich vor allem Entwicklungsminister Müller optimistisch. Das 2-Grad-Ziel bezüglich der Klimaerwärmung werde erreicht, die Finanzierung sei bereits auf einem guten Weg. Und gerade mit der deutschen Energiewende werde eine technologische Wende eingeleitet, von der alle profitieren würden. Auch für Pfarrerin Füllkrug-Weitzel hat die Bundesrepublik das Potenzial zur Vorreiterrolle, müsse aber andere Länder aktiv mitziehen. Bei so viel Optimismus nahm sich Messner bewusst die Rolle des Realisten heraus. Die gesteckten Ziele seien noch lange nicht in trockenen Tüchern. Ihm fehle es generell an Verbindlichkeit bei bisherigen Zusagen.

Das Fazit des Abends ist wohl eine generelle Forderung nach mehr Verbindlichkeit und wirksamen Prüfungsmechanismen, die bei der Diskussion zu allen vier Gipfeln immer wieder zu Sprache kam. Auf Prognosen, was das „Super-Entwicklungsjahr 2015“ am Ende bereithalten wird, wollte sich am Ende jedoch keiner einlassen.

Weitere Infos bei Brot für die Welt

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news-664 Thu, 26 Feb 2015 12:14:05 +0100 Soforthilfe nach Massenentführung presse/pressearchiv/archiv-detail-view/soforthilfe-nach-massenentfuehrung.html Mindestens 220 assyrische Christen seien in den vergangenen drei Tagen aus elf Dörfern in der Provinz Hassaka entführt worden – ein Grund mehr für das Bündnis-Mitglied Misereor, die Soforthilfe zu verstärken Nach der Verschleppung von 58 christlich-assyrischen Familien durch Terroristen des Islamischen Staats (IS) hat das Bündnis-Mitglied Misereor sofortige Hilfe für Menschen angekündigt, die in den betroffenen Regionen die Flucht vor dem IS ergriffen haben. Seiner Partnerorganisation Christian Aid Program for Northern Iraq (CAPNI) will das Werk für Entwicklungszusammenarbeit Soforthilfemittel in Höhe von 75.000 Euro zur Verfügung stellen, Damit können tausende Menschen unterstützt werden, die vor dem IS fliehen.

Die von den Entführungen betroffene Region al-Hassake liegt im Nordosten Syriens an der Grenze zum Irak und zur Türkei. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden und assyrischen Christen. In der Region westlich des Flusses Khabour liegen rund 35 assyrische Dörfer, von denen aktuell mindestens zwei vom IS belagert sind. Die Terrorgruppen des IS scheinen systematisch die Angehörigen bestimmter ethnischer und religiöser Gruppen anzugreifen. Opfer des IS-Terrors werden dem Bericht zufolge vor allem Jesiden, Kurden, Turkmenen, Christen und Schiiten.

Laut Angaben des Bischofs von al-Hassake sind inzwischen circa 1.000 Familien, die vor dem IS geflohen sind, in al-Hassake und Qamishly, der zweitgrößten Stadt der Region, angekommen. In den nächsten Tagen werden weitere 200 Flüchtlings-Familien erwartet. Ein Großteil der Flüchtlinge wurde von der lokalen Bevölkerung und der Kirche aufgenommen. Aufgrund des anhaltenden Kriegs in Syrien und der damit verbundenen Flüchtlingskatastrophe verfügt die ansässige Kirche nur noch über begrenzte Ressourcen. Die Menschen benötigen in dieser katastrophalen Lage jedoch dringend Nahrungsmittel, Medikamente, Kleidung und Hygieneartikel.

Die Organisation CAPNI ist ein langjähriger Partner von Misereor und engagiert sich in der Region für Flüchtlinge und Vertriebene. Zuletzt konnten mit Hilfe von CAPNI die jesidischen Flüchtlinge im Nordirak mit dringend benötigten Hilfslieferungen versorgt werden.

Ansprechpartner:

Misereor-Pressestelle, Ralph Allgaier
Mobil: 0160 90 55 58 53
Tel.: 0241 442 529
E-Mail: ralph.allgaier(at)misereor.de

Mehr zu den Hilfsmaßnahmen des Bündnis Entwicklung Hilft im Irak und in Syrien.

Spendeninformation Bündnis Entwicklung Hilft:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX
Oder hier online spenden.
 
Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft

Melanie Huber, Pressesprecherin

Tel.: +49-30-27877-393


presse(at)entwicklung-hilft.de

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news-663 Fri, 13 Feb 2015 13:31:25 +0100 Flüchtlingshilfe: Von anderen Ländern lernen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/fluechtlingshilfe-von-anderen-laendern-lernen.html Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon im Interview nach seinem Besuch im Nordirak und Libanon

Foto: Kathrin Harms/Misereor

Seit 2011 hat Deutschland insgesamt 79.000 Flüchtlinge aufgenommen. Im Vergleich zum Libanon ist das wenig. Welche Aufnahmekapazitäten besitzt Deutschland zusätzlich? Wie viele Flüchtlinge sollten in Zukunft mindestens aufgenommen werden?

Martin Bröckelmann-Simon: Unsere eigene neuzeitliche Geschichte in Deutschland ist doch auch eine von Flucht, Migration und Vertreibung, aber ebenso von Zuflucht und Integration. Das gilt nicht nur für die Epoche der europäischen Armutsauswanderung und die Not nach den beiden Weltkriege, sondern ist auch in unserer jüngsten Vergangenheit zu finden: So haben wir zum Beispiel während des Bürgerkriegs in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) 350.000 bis 400.000 Flüchtlingen von dort auf gute und gesellschaftlich breit akzeptierte Weise Zuflucht in Deutschland gewährt; obwohl dadurch 1994 die Pro-Kopf-Belastung der deutschen Bevölkerung durch Leistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz fast doppelt so hoch waren wie beispielsweise 2013.

Es gibt also historische Erfahrungen, die zeigen, dass unsere Gesellschaft mit großen Zahlen von Flüchtlingen erstaunlich gut zurechtgekommen ist. Warum sollte das nicht auch für die syrischen und irakischen Flüchtlinge gelten? Die entscheidende Frage ist allerdings, wie unsere Gesellschaft darauf vorbereitet wird und wie sie neu lernt, mit den unvermeidlichen Spannungen und Auseinandersetzungen um das Thema umzugehen. Dabei muss heute noch viel mehr als früher auch in europäischen Kategorien gedacht werden: Wenn die EU bis heute nur vier Prozent der syrischen Flüchtlinge aufgenommen hat – und dabei eine Reihe von Ländern keine einzigen – muss auch Europa insgesamt seinen Anteil erhöhen und für eine gerechte Verteilung der Lasten sorgen.

„‘Arm trifft auf arm‘ erzeugt scheinbar größere Solidarität als ‚arm trifft auf reich‘“, ist eine der Eindrücke vor Ort, die Sie während Ihrer Reise  gewonnen haben. Wie erklären Sie sich das?

Martin Bröckelmann-Simon: Deutschland hat mit dem nach wie vor geringen Anteil von Flüchtlingen an der Gesamtbevölkerung nicht allzu viel Grund, von einem „Flüchtlingsstrom“ zu reden. Länder wie Libanon, Kurdisch- Irak oder Kenia - ja, diese haben mit 20 bis 30 Prozent Flüchtlingsanteil tatsächlich ein Problem. Der Libanon verlor nach Schätzungen der Weltbank durch den syrischen Krieg und den anhaltenden Flüchtlingszustrom zwischen 2012 und 2014 rund 3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung; in Kurdisch-Irak sind die Hälfte aller Schulkinder nun Flüchtlinge oder Vertriebene, in Nordkenia beträgt das Verhältnis der Einheimischen zu den Bewohnern des weltweit größten Flüchtlingslagers Dadaab etwa zwei zu acht.

Wieso aber zeigt zum Beispiel ein Land wie der Libanon, das in den letzten drei Jahren einen fluchtbedingten Bevölkerungszuwachs von ca. 30 Prozent hatte - das wären in Deutschland circa 25 Millionen Menschen - so große, fast beschämende, Gastfreundschaft und Solidarität, also echte Willkommenskultur? Wieso öffnen die Kurden im Irak den Vertriebenen ihre Häuser, ihre Schulen? Vielleicht ist ihnen allen, ob Kenianern, Libanesen oder Kurden, aus der eigenen Erinnerung heraus einfach nur präsenter, was es heißt, vor Gewalt und Not zu fliehen, Heimat und Sicherheiten aufzugeben und in der Fremde zu stranden. Sie ahnen, wie leicht sie selbst in eine vergleichbare Lage geraten könnten und wie sie dann auf die Solidarität und Mitmenschlichkeit fremder Menschen angewiesen wären. Die Fähigkeit, in dem Anderen, dem Flüchtling, sich selbst zu erkennen, hat offenbar auch etwas damit zu tun, wie nah einem selbst diese Erfahrungen von Vertreibung und Zuflucht sind.
 
Welche konkreten Maßnahmen lassen sich in Bezug auf die Integration von Flüchtlingen in Deutschland ableiten und sind diese auch umsetzbar?

Martin Bröckelmann-Simon: Bei uns hier ist sehr viel Angst vor dem Fremden im Spiel. Dies hat sicher auch etwas damit zu tun, dass wir uns bislang nicht als Zuwanderungsgesellschaft gesehen haben. Aber wir sollten uns mit dem Gedanken abfinden, dass die Wirklichkeit anders ist. Ganz Europa ist doch faktisch bereits ein Zuwanderungsgebiet und muss daher nun lernen, auch eine proaktive Zuwanderungspolitik zu entwickeln. Da die Grenzen zwischen Migration und Flucht sowieso sehr fließend sind, braucht es ein Konzept, wie sowohl Flüchtlinge als auch Migranten vorübergehend aber gegebenenfalls auch dauerhaft in ihre aufnehmenden Gesellschaften integriert werden können. Also: andere Wohnkonzepte, speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Bildungs-Angebote und natürlich auch Ideen, wie man sie wirtschaftlich integrieren kann. Das ist auch etwas, das wir aus anderen Ländern lernen sollten.

Gerade im kurdischen Teil des Irak merkt man, dass es auch anders geht. Da herrscht keine Residenzpflicht, es gilt  freie Arbeitsaufnahme und man versucht, die Menschen in die Gesellschaft, die sie aufnimmt, zu integrieren und ihnen zu helfen, ihr Leben selbst wieder in die Hand zu nehmen und zu finanzieren oder sich etwa an fremde Schulsysteme anzupassen. Beispiele dafür gibt es auch im Libanon, wo es ohnehin keine zentralen, großen Lager gibt, sondern eine sehr dezentrale Verteilung der Flüchtlinge über das ganze Land. Kasernierung und Massenunterkünfte sind vielleicht eine kurzfristig nicht vermeidbare Notmaßnahme, aber mittelfristig der falsche Ansatz, wenn es um Integration geht.

Sie appellieren an Deutschland und weitere europäische Länder zu handeln, da sonst die Belastung für die Nachbarländer Syriens zu groß werde und womöglich zu neuen Konflikten führen würde. In welchen Bereichen ist die Belastung besonders groß und wie wirkt sie sich auf das unmittelbare Überleben der Flüchtlinge in den Regionen aus?

Martin Bröckelmann-Simon: Die UN schätzen den zusätzlichen Finanzbedarf in Folge der Syrienkrise für 2015 auf 5,5 Milliarden US-Dollar. In 2014 war der Bedarf ähnlich, jedoch konnten nur 53 Prozent davon tatsächlich gedeckt werden. Die Sozialsysteme der aufnehmenden Nachbarländer sind extrem belastet. Dies gilt insbesondere für den Bildungsbereich, wo eine Verdoppelung der Schülerzahlen verkraftet werden muss, die zugleich auch noch sprachlich und inhaltlich an die für sie fremden Curricula herangeführt werden müssen.

Ähnliches trifft auch auf die Gesundheitsversorgung zu. Die menschenwürdige Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen mit Nahrung, Wasser, Strom und Heizmaterial ist eine große Herausforderung, nicht nur im Hinblick auf den harten Winter, sondern die extrem heißen Sommermonate. Und zu guter Letzt die Frage von Arbeit und Einkommen, bei der nun zum Beispiel die armen Libanesen mit den noch ärmeren Flüchtlingen um die Jobs konkurrieren. Nur eine inklusive Herangehensweise, bei der Sozialprogramme für beide – die Flüchtlinge und die sie aufnehmenden armen Gemeinden – aufgelegt werden, kann helfen, Spannungen zu vermeiden und Integration zu fördern.

Weitere Informationen bei Misereor.

 

Mehr zu den Hilfsmaßnahmen des Bündnis Entwicklung Hilft im Irak und in Syrien.

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Melanie Huber, Pressesprecherin

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news-662 Thu, 12 Feb 2015 14:51:20 +0100 Rote Hände gegen Kindersoldaten und Waffenhandel presse/pressearchiv/archiv-detail-view/rote-haende-gegen-kindersoldaten-und-waffenhandel.html Die Bündnis-Mitglieder Kindernothilfe und terre des hommes machen am Red Hand Day auf die Situation von Kindersoldaten aufmerksam International ist der Red Hand Day bekannt als Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Ein besonderer Tag mit Tradition: Am zwölften Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonventionen in Kraft und wurde 2007 in den Pariser Prinzipien bestätigt. Nach der Pariser Definition gelten als Kindersoldaten „alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden“.  

Bis auf Somalia und die USA erkannten alle Länder die Kinderrechte an, doch die Realität sieht auch heute noch in vielen weiteren Ländern anders aus.

Aktuellen Schätzungen zufolge werden weltweit 250.000 Minderjährige als Soldaten eingesetzt. In mindestens 17 Ländern werden Kinder und Jugendliche von Armeen und Rebellengruppen zwangsrekrutiert und zum Kämpfen und Töten ausgebildet. Rund ein Drittel davon sind Mädchen und junge Frauen, die zusätzlich sexueller Ausbeutung ausgesetzt sind. Die wenigsten Kinder schließen sich den Gruppen freiwillig an. Diejenigen, die freiwillig kämpfen, haben oft keine Möglichkeit allein zu überleben; oder sie wollen sich so für den Tod von Familienmitgliedern rächen. In Konfliktgebieten ist das Leben der Kinder geprägt von Gewalt, Tod und Hunger, von physischen und seelischen Verletzungen. Viele, ob zwangsrekrutiert oder freiwillig beigetreten, wollen nach kurzer Zeit wieder fliehen, doch sie haben Angst. Als Strafe für die Flucht droht eine grausame Bestrafung oder der Tod.

Aktion Rote Hand in Deutschland

In Deutschland werden die öffentlichen Demonstrationen, Proteste und Aktionen vom Deutschen Bündnis Kindersoldaten, einem Zusammenschluss von zwölf Nichtregierungsorganisationen, organisiert. Mit von der Partie sind unter anderem die Aktion weißes Friedensband, Amnesty International sowie die beiden Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft: Kindernothilfe und terre des hommes. Die Aktion Rote Hand wurde 2003 von der Aktion weißes Friedensband entwickelt und initiiert und wird seit 2004 durchgeführt.

Der Tag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten ist international auch als Red Hand Day bekannt und findet weltweit großen Zuspruch. So wurden beispielsweise 2009 über 300.000 der namensgebenden roten Handabdrücke und Botschaften aus 34 Ländern dem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon überreicht. Parallel wurde ein Teil der Abdrücke dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler übergeben.

„Keine Waffen in Kinderhände“

Spricht man über Kindersoldaten, so kommt man schnell auf das Thema Waffen. Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte des Bündnis-Mitglieds terre des hommes sagt: „Es gibt nahezu kein Land auf der Welt, in dem es nicht genügend Waffen gibt.“ Deutschland liefert als drittgrößter Waffenexporteur weltweit weiterhin Waffen an Länder, in denen bewaffnete Konflikte herrschen oder an solche, die diese durch Waffenlieferungen unterstützen. Der Waffenhandel ist weltweit ein lukratives Geschäft.
Mit zehn Millionen Exemplaren ist das deutsche G3 von Heckler & Koch nach der Kalaschnikow das am weitesten verbreitete Sturmgewehr der Welt. Kleinwaffen nehmen eine besondere Stellung ein, da sie leicht zu transportieren sind. Vor allem aber sind sie billig. 2013 wurden mehr Kleinwaffen aus Deutschland exportiert als je zu vor - nahezu 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Aus diesem Grund fordert das Deutsche Bündnis Kindersoldaten von der Regierung, Waffenlieferungen zu stoppen, damit diese Waffen nicht in Kinderhände geraten.

Die Kritik des Aktionsbündnis‘ richtet sich auch an die Bundeswehr, die jährlich über tausend 17- Jährige rekrutiert. Besonders seit Aufhebung der Wehrpflicht wirbt diese massiv in Kinder- und Jugendmedien und selbst an Schulen. Die Bundeswehr verstoße damit gegen das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonventionen.

Viele Kinderrechtsorganisationen sowie einige Politiker werfen der Bundeswehr vor, dass durch die Rekrutierungsmaßnahmen Krieg und Alltag von Soldaten beschönigt werden. Deshalb zählen zu den weiteren Forderungen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten: Gewährung von politischem Asyl, Unterstützung von Kindersoldaten, Erhöhung der staatlichen Mittel für Kindersoldaten-Hilfsprogramme und eine in den Lehrplänen verbindlich verankerte Friedenserziehung.

Mehr Informationen bei terre des hommes

Weitere Informationen bei der Kindernothilfe

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news-661 Thu, 05 Feb 2015 13:35:56 +0100 Eine Welt ohne Hunger presse/pressearchiv/archiv-detail-view/eine-welt-ohne-hunger.html Auf der internationalen Konferenz “Setting the Course for a World without Hunger” berieten und diskutierten Fachleute über das „Berlin Memorandum“ und Handlungsempfehlungen an die G7

Von Helene Badjeck

Eine Welt ohne Hunger. Das ist das Ziel, das sich die Teilnehmer auf der vom Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe organisierten Konferenz am 4. Februar 2015 in Berlin vorgenommen haben. In ihrer Einleitungsrede appellierte Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, an die Industriestaaten, ihre Mittel und Maßnahmen zur Bewältigung von Hunger zu erhöhen. Sie machte auf die Ungleichverteilung des weltweiten Reichtums aufmerksam, von dem sich beinahe die Hälfte im Besitz von einem Prozent der Bevölkerung befindet. Diese Zahlen wurden vor kurzem auch in einer Oxfam-Studie veröffentlicht.

Wenn, wie auch im Rahmen derselben Studie herauskam, 85 Personen so viel besitzen wie etwa 3,5 Milliarden Menschen zusammengenommen, dann, „schreit das zum Himmel“. Das waren die Worte von Gerd Müller während seiner Eröffnungsrede. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lobte die Konferenz und freute sich auf die Impulse, die im Laufe des Tages als Empfehlung für die Industriestaaten erarbeitet wurden. Er forderte die G7 dazu auf, Zeichen der Verantwortung zu setzen, um das Problem Hunger zu beheben.

Hungersituation heute: „Sehr ernst“

Dem Minister war es wichtig zu erwähnen, dass sich die Hungersituation in den vergangenen Jahren auch in den Entwicklungsländern verbessert habe, zum Beispiel in Angola, Bangladesch, Ghana und Thailand. Dennoch, entgegen diesem weltweiten Trend, müssen 805 Millionen Menschen auf der Welt weiter hungern. Zwei Milliarden Menschen sind fehlernährt, sie leiden am sogenannten „verborgenen Hunger“. Das Menschrecht auf Nahrung, welches täglich millionenfach vernachlässigt wird, fordert unzählige Kinderleben: Täglich sterben 8.000 Kinder an Hunger und das in einer Welt, die genügend Lebensmittel produziert und konsumiert. In 16 Ländern ist die Situation dem WelthungerIndex zufolge  „sehr ernst“ bis „gravierend“, beispielsweise in Eritrea und Burundi. Müller betonte, dass die Weltwirtschaft durchaus in der Lage wäre, zehn Milliarden Menschen zu ernähren. Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, die reichen Industrienationen zu verpflichten, die Weichen für eine Welt ohne Hunger bis 2030 zu stellen. In den Worten von Müller lautet das folgendermaßen: „Hunger ist nicht Schicksal, sondern das Ergebnis von menschlichem Versäumnis!“

Die Forderungen

Ziel der Konferenz war es angesichts der G7-Präsidentschaft Deutschlands sowie dem diesjährigen Gipfel, über die Rolle der teilnehmenden Nationen im Kampf gegen den Hunger weltweit zu diskutieren. Zuvor hatte die „Öffentliche und politische Willensbildung in Deutschland für ODA im landwirtschaftlichen Sektor“, kurz POWA- Beratergruppe, in den vergangegen Monaten Empfehlungen für die bedeutendsten Industrienationen formuliert. Sie sollen auf dem Weg in eine Welt ohne Hunger einen besonderen Stellenwert bekommen. Die POWA- Gruppe fordert einen stärkeren Einsatz der G7- Mitglieder ebenso wie die Erhöhung der Mittel zur Überwindung von Hunger. Schwerpunkt des Berlin-Memorandums war die Frage, wie  Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht politisch und finanziell gefördert werden müssten - es sind zu 70 Prozent die Kleinbauern und -Produzenten, die den Nahrungsmittelbedarf der Welt hervorbringen. Sie leiden am meisten unter Hunger. Der Bundesentwicklungsminister sagte: „Die Menschen hungern dort, wo das Essen produziert wird.“ Wichtig war auch die Frage der nachhaltigen Entwicklung. Wie kann Kleinbauern der Zugang und die Nutzung von natürlichen Ressourcen gewährleistet werden? Das Berlin-Memorandum beinhaltet diesbezüglich drei Säulen, die alle Unternehmungen stützen sollen: Die Unterstützung und Stärkung der Rechte von Kleinbauern, die Stärkung ländlicher Räume sowie der Schutz von Biodiversität und Umwelt.

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news-660 Tue, 03 Feb 2015 15:47:35 +0100 Syriens Nachbarn tragen bei Flüchtlingen die Hauptlast presse/pressearchiv/archiv-detail-view/syriens-nachbarn-tragen-bei-fluechtlingen-die-hauptlast.html Das Bündnis-Mitglied Misereor zu Besuch im Besuch im Nordirak und Libanon: Deutsche Debatten unverhältnismäßig

Foto: Barabara Wiegard / Misereor

Nach seiner Rückkehr aus dem Norden des Iraks, auch in vom IS befreiten Gebieten, und dem Libanon appelliert Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon an die Regierungen in Deutschland und Europa, weiteren Flüchtlingen Zuflucht zu gewähren und ihnen den Aufenthalt und die Integration zu erleichtern. "Nach Deutschland sind seit 2011 rund 79.000 syrische Flüchtlinge gekommen, in der EU haben gerade einmal vier Prozent aller 3,8 Millionen syrischen Flüchtlinge Aufnahme gefunden. Die Flüchtlingssituation im Libanon und im Irak ist dagegen dramatisch.  Allein im Libanon sind in den vergangenen Jahren mindestens 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak angekommen. Demgegenüber steht eine Bevölkerungszahl von 4,5 Millionen Libanesen, das heißt: mehr als ein Drittel der Bevölkerung im Libanon sind Flüchtlinge.  Der Libanon hat im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung prozentual die weltweit höchste Flüchtlingszahl. Im Norden des Iraks sieht es ähnlich aus. Dort halten sich momentan im kurdischen Autonomiegebiet allein 1,3 Millionen Flüchtlinge auf", so Bröckelmann-Simon.

Beeindruckend viel Solidarität und Engagement

"Die Menschen in Deutschland haben pro Kopf und Jahr durch das Asylbewerberleistungsgesetz derzeit 18,50 Euro für die Versorgung von Flüchtlingen zu tragen", sagte der Misereor-Geschäftsführer. Dagegen seien die Belastungen durch Flüchtlinge für die Aufnahme-Länder im Nahen und Mittleren Osten enorm groß, die dortigen Bildungssysteme würden doppelt belastet. Der Libanon hatte nach Misereor-Angaben durch die Flüchtlingssituation von 2012 bis 2014 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts  von drei Prozent und damit einen Einnahmeverlust von 2,6 Milliarden Dollar zu verkraften. Jordanien habe durch die Flüchtlinge 850 Millionen Dollar zusätzliche Bildungsausgaben. Doch trotz allem bemühten sich diese Länder, einem großen Teil der Flüchtlingskinder weiterhin Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Vormittags werden die einheimischen Kinder unterrichtet, in Nachmittagsschichten werden hunderttausende syrische und irakische Kinder und Jugendliche unterrichtet. Trotzdem gibt es viele Flüchtlingskinder, die keinen Schulplatz haben. "Daher unterstützten wir zum Beispiel im Libanon und in Jordanien Projekte, die Schulunterricht und Kindergartenbetreuung anbieten", so Bröckelmann-Simon. Misereor-Partner "Pontifical Mission Libanon" organisiert für 350 muslimische Kinder in der libanesischen Bekaa-Ebene Bildung, Beschäftigung und Freizeitangebote. "Die Kleinen lernen Sprachen,  Rechnen und Schreiben, haben aber auch die Möglichkeit, durch Rollenspiele, malen und basteln das Erlebte in ihren von Krieg und Terror geprägten Heimatländern zu verarbeiten. In einem armen christlichen Dorf, das ich besucht habe, und dessen Einwohnerzahl sich durch die sunnitischen Flüchtlinge glatt verdoppelt hat, ist beeindruckend viel Solidarität und Engagement für die angekommenen Menschen zu erleben."

Eine echte Chance zur Integration bieten

Auch den Erwachsenen wird der Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten nicht verwehrt. "Sowohl im Irak als auch im Libanon haben wir erlebt, dass viele der Flüchtlinge selber Geld verdienen können und damit zumindest die Chance haben, die Flüchtlingslager zu verlassen und in ordentliche Wohnungen zu ziehen. Damit wird diesen Menschen für die Dauer ihres Aufenthaltes eine Chance gegeben, selber ihre Leben zu gestalten und nicht untätig auf Hilfe zu warten. Das müsste uns in Deutschland auch zu denken geben", so Bröckelmann-Simon. "Insgesamt müssen wir in Europa, gemessen an unseren finanziellen Möglichkeiten, weitaus mehr Flüchtlinge aufnehmen und diesen eine echte Chance zur Integration bieten. Wir können angesichts der Realität im Nahen und Mittleren Osten die Belastungen nicht allein den Nachbarländern aufbürden. Das würde auf kurze Sicht die Lage auch in diesen Ländern weiter destabilisieren und zu neuen Konflikten führen."

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Hinweis für Redaktionen: Ein Pressegespräch zur aktuellen Lage im Nordirak und dem Libanon mit Martin Bröckelmann-Simon findet am kommenden Dienstag, 3. Februar, um 11 Uhr in der Hauptgeschäftsstelle von Misereor in Aachen, Mozartstraße 9, statt.

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news-659 Fri, 30 Jan 2015 14:02:47 +0100 Stadtplanung mit Herz presse/pressearchiv/archiv-detail-view/stadtplanung-mit-herz.html Bei der DGVN diskutierten Experten über die Herausforderungen der Urbanisierung und des Klimawandels

Von Helene Badjeck

“Urbanisation is becoming a very interesting issue.” Dies verkündete Dr. Joan Clos bei seinem gestrigen Vortrag vor der DGVN und weiteren Vertretern aus der Politik. Der Exekutivdirektor des Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen in Nairobi und Generalsekretär der "HABITAT III"-Konferenz 2016 prognostiziert, dass sich die Nationen auf einen starken Urbanisierungsprozess einstellen müssen.

Der Trend unserer Zeit: Urbanisierung

Derzeit leben 54 Prozent aller Menschen in Städten. Urbanisierung ist ein Trend unserer Zeit, der schneller fortschreitet als die Erdbevölkerung. Laut Prognosen wird 2030 jeder sechste von zehn Menschen in einer Stadt wohnen. Besonders betroffen sind Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika. Vor allem für diese stellt dieses Phänomen eine große Herausforderung dar, denn nicht immer sind die städtischen Strukturen, wie zum Beispiel die Verwaltungsstrukturen, auf so einen schnellen Zuwachs angepasst. Darauf machte schon der WeltRisikoBericht 2014 das Bündnis Entwicklung Hilft mit dem Schwerpunkt „Risikoraum Stadt“ aufmerksam. Nicht selten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum, einer Gesundheitsversorgung und nachhaltigen Entwicklungskonzepten. Große Städte sind meistens laut und oft ist die Luftverschmutzung  sehr  hoch. Dies führt unter anderem zu gesundheitlichen Schäden. Um es in den Worten Clos zu sagen: „Eine gute Stadt erfordert Design“.

Städte für die Menschen planen

„Wie sollen die Kinder in so einer Luft leben?“, fragt Bärbel Höhn, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Politikerin ist dafür, Städte für die Menschen zu konzipieren und nicht nur am Reißbrett zu planen. Sie beklagt, es fehle der Fokus auf soziale Komponente und fordert mehr Menschlichkeit. Jedoch steht sie den Vorhersagen über das Ausmaß der Urbanisierung in 30-40 Jahren eher skeptisch entgegen und sagt, man könne angesichts der schnellen Entwicklungen der heutigen Zeit nicht zehn Jahre vorausplanen.  

Menschen sollen sich wohlfühlen

Clos spricht von drei wichtigen Herausforderungen, derer sich beim geplanten Städtebau angenommen werden müsse. Neben politischen Aspekten, unter anderem Gesetze und Regulationen, sei ein weiterer wichtiger Punkt die finanzielle Planung. Denn ohne diese ginge es nicht. Hierbei scheinen sich die beiden Redner einig zu sein. Einigkeit herrscht auch bei der dritten Herausforderung, die berücksichtigt werden sollte: Ausreichend Platz, damit die Menschen sich wohl fühlen. Dies sieht Höhn als Voraussetzung für Kreativität, die dazu beitragen kann, Verbesserungen und Innovationen hervorzubringen.

Doch auch die so genannten „developed countries“ haben Probleme. Dabei handelt es sich nach Ansicht des Generaldirektors  vor allem um demographische Schwierigkeiten, hohen Konsum sowie mangelnde Erschwinglichkeit für die Mittelschicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund kritisiert er die „spontane Urbanisierung“, die seiner Meinung nach meist aus architektonischen Motiven gebaut würden und nicht aus einer sozialen Perspektive heraus. Menschen, die in die Stadt ziehen, landen meist in Slums oder den „Favelas“, um als Beispiel Brasilien zu nehmen. Oftmals haben Slums einen informellen Charakter. Diese zeichnen sich meist durch unzureichende bis keine Existenz grundlegender Rechte aus und institutioneller Absicherung aus. Nicht selten explodiert die Wut der Menschen über die Lebensbedingungen, Brände wie beispielsweise in Paris sind immer öfter eine Folge dessen.

WeltRisikoBericht untersucht urbane Räume

Als wichtigstes Ziel sieht Höhn die Umsetzung der Klimaziele mit Hilfe von erneuerbaren Energien. Denn viele Menschen bedeuten natürlich einen größeren Energieverbrauch. Aber auch durch den Verkehr, die Industrie oder den Konsum sind Städte wahre „Klimawandel-Treiber". Clos sieht diese Kombination beider Trends als eine „doppelte Herausforderung“, die CO²- Emissionen müssten seiner Meinung nach schnellstmöglich in den Griff bekommen werden.

Im Rahmen des WeltRisikoBerichts untersuchte das Bündnis Entwicklung Hilft die Auswirkungen von Urbanisierung in Bezug auf die gesellschaftliche Verwundbarkeit gegenüber Naturgefahren. Die Ergebnisse zeigten, dass oftmals die ärmsten Bevölkerungsgruppen von den Folgen betroffen sind aber vor allem große Städte in Küstennähe. Laut Angaben des UN-Habitats 2013 leben in diesen Regionen 40 Prozent der Weltbevölkerung.

Bei allen Planungen und Herausforderungen betont Clos jedoch auch, dass Urbanisierung ein langsamer Prozess sei und die vorgenommen Ziele Zeit benötigen. Die Rolle von HABITAT III sei vor allem, die Nationen dabei zu unterstützen, ihre Richtlinien und Ziele zur Umsetzung gutes Urbanisierung zu erreichen.


 

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news-658 Fri, 30 Jan 2015 11:28:37 +0100 Große Not bei yezidischen Flüchtlingen im Sinjar-Gebirge presse/pressearchiv/archiv-detail-view/grosse-not-bei-yezidischen-fluechtlingen-im-sinjar-gebirge.html Das Bündnis-Mitglied Misereor über Hilfslieferungen im Nordirak: Die erlittenen Traumata sind unvorstellbar

Foto: Kathrin Harms/Misereor

Fünf Wochen nach der Befreiung einiger yezidischer Städte und Dörfer durch die kurdische Armee ist die humanitäre Lage der Yeziden im Sinjar-Gebirge im Nordirak nach wie vor alarmierend. Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon hat sich bei seinem derzeitigen Irak-Aufenthalt ein Bild von der Situation gemacht: "Die Flüchtlinge sind in einer katastrophalen Lage. Nur wenige Hilfslieferungen haben die Menschen in den Bergen bisher erreicht. Die Frontlinie verläuft nach wie vor in unmittelbarer Nähe. Zurück in die vor circa fünf Wochen befreiten Dörfer können sie noch lange nicht gehen, da sie unbewohnbar geworden sind. Die IS-Milizen verfolgen eine grausame Politik der 'verbrannten Erde' und zerstören systematisch die von ihnen eingenommenen Regionen. Die Wasser- und Stromversorgung ist zusammengebrochen. Zudem wurden die Ruinen der Häuser, Wege und Felder teilweise stark vermint, so dass momentan an einen Wiederaufbau der Dörfer und Siedlungen nicht zu denken ist", berichtet Bröckelmann-Simon. Aber nicht nur die Infrastruktur der Region ist zerstört worden, "auch die psychische Infrastruktur der Menschen wurde von den IS-Milizen vernichtet. Die erlittenen Traumata sind unvorstellbar. Hunderte Angehörige befinden sich immer noch in IS-Geiselhaft. Tausende wurden getötet."

Eine Verbesserung ihrer Situation ist nicht in Sicht

Foto: Kathrin Harms/Misereor

Die Bündnis-Organisation Misereor finanziert seit Mitte Dezember 2014 Hilfslieferungen an die Bevölkerung im Sinjar-Gebirge. Am Donnerstag wurden vor allem Medikamente, Babynahrung, Decken, Windeln, Öl, Mehl und Konserven in die Region um Sinone gebracht. Bröckelmann-Simon, der die Hilfslieferungen begleitete, konnte vor Ort mit den Flüchtlingen sprechen. "Sie leben seit Wochen im kargen Gebirge bei winterlichen Temperaturen, Schnee und Regen. Viele der Kinder sind krank und können nicht ärztlich behandelt werden. Und eine Verbesserung ihrer Situation ist nicht in Sicht. Die Nothilfe für diese Menschen muss dringend fortgesetzt und ausgebaut werden. Zugleich muss in den Wiederaufbau investiert werden."

Ca. 2,1 Millionen Irakerinnen und Iraker flohen vor den IS-Milizen, davon rund die Hälfte nach Kurdistan-Irak. Und noch immer leben 240.000 syrische Flüchtlinge in kurdischen Flüchtlingslagern. Misereor bittet daher weiterhin dringend um Spenden, um die Flüchtlinge im Nordirak unterstützen zu können.

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Hinweis für Redaktionen: Ein Pressegespräch zur aktuellen Lage im Nordirak und dem Libanon mit Martin Bröckelmann-Simon findet am kommenden Dienstag, 3. Februar, um 11 Uhr in der Hauptgeschäftsstelle von Misereor in Aachen, Mozartstraße 9, statt.

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news-657 Fri, 30 Jan 2015 10:59:06 +0100 Urbanisierung: Chance oder Risiko? presse/pressearchiv/archiv-detail-view/urbanisierung-chance-oder-risiko.html Die Präsentation des WorldRiskReports mit dem Schwerpunkt urbane Räume in New York Die Autoren des WeltRisikoBerichts präsentierten am vergangenen Donnerstag in New York neue Erkenntnisse über globale Risiken und insbesondere Risiken in städtischen Räumen. Botschafter Harald Braun, Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen, sagte: „Der WorldRiskReport 2014 und der WeltRisikoIndex bieten einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag für die Vorbereitung von mehreren zentralen UN Konferenzen, die im Jahr 2015 und 2016 stattfinden. Der Bericht unterstreicht die zentrale Rolle von Risiko-Reduktion für die Vermeidung von Katastrophen sowie für die Minderung negativer Konsequenzen. Die Ergebnisse und Empfehlungen sind von direktem Nutzen für die Weltkonferenz für Katastrophenvorsorge, die Weltkonferenz zur Post 2015 Agenda für nachhaltige Entwicklung, die Konferenz über eine neue Klimarahmenkonvention sowie die Konferenz für Wohnen und nachhaltige urbane Entwicklung (HABITAT III).“

Vulnerabilität und geringe Bewältigungskapazität

Der WeltRisikoBericht beinhaltet einen WeltRisikoIndex und ermittelt das Risiko für verschiedene Länder, Opfer einer Katastrophe zu werden - bedingt durch Naturgefahren und Klimawandel sowie durch die Vulnerabilität und ihre Infrastruktur. Das Ergebnis: Ein besonders hohes Risiko besteht für Menschen, die hydrologischen, meteorologischen, geologischen und klimatischen Gefahren ausgesetzt sind – beispielsweise Hochwassern, Dürren, Stürmen und Erdbeben sowie dem Meeresspiegelanstieg – und zudem eine hohe Vulnerabilität und eine geringe Bewältigungskapazität gegenüber diesen Gefahren aufweisen.



Basierend auf einem modularen Ansatz ermittelt der WeltRisikoIndex Risiken anhand von vier Komponenten: der Gefahrenexposition, der Anfälligkeit, der Bewältigungskapazität und der langfristigen Anpassungskapazität von Gesellschaften. „Der WeltRisikoIndex ist ein wichtiges Instrument für uns, um wissenschaftliche Erkenntnisse auch zu politischen Entscheidungsträgern zu kommunizieren und um Empfehlungen für internationale Verhandlungen zu formulieren“, sagt Prof. Jakob Rhyner, Vize-Rektor der UN Universität in Bonn. Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft, betont die Bedeutung des Berichts: „Nichtregierungsorganisationen in der Praxis und im Feld können den Bericht als wichtiges Werkzeug benutzen, um für die Verknüpfung von Katastrophenhilfe mit langfristigen Entwicklungsstrategien zu werben, insbesondere in Ländern des globalen Südens.“

Risiken durch Urbanisierung mindern

Die erstmals durchgeführte Risikoanalyse für urbane Räume zeigt globale Gefährdungs-, Vulnerabilitäts- und Risikomuster für städtische Räume. Es zeigt sich, dass urbane Räume in der Karibik, in Zentralamerika sowie in den Pazifikstaaten Südamerikas besonders gefährdet sind. Auch Teile Südosteuropas und Südostasiens sowie Japan haben ein hohes Risikopotenzial. Aber Urbanisierung kann auch neue Möglichkeiten eröffnen, Risiken zu mindern. Die hohe Dichte von Städten bietet die Möglichkeit, Schutzinfrastrukturen mit einer hohen Effizienz zu errichten sowie bestimmte Katastrophenreaktionskapazitäten aufzubauen.

Urbane Risiken auch für Industrienationen

In Länder mit den höchsten urbanen Risikowerten verläuft das Städtewachstum oft besonders rapide und staatliche sowie nicht-staatliche Akteure haben meist nur geringe Kapazitäten haben, um auf das schnelle Wachstum zu reagieren und Anpassungskapazitäten zu steigern und die Vulnerabilität zu reduzieren. Die urbanen Risiken betreffen nicht nur Entwicklungsländer, sondern auch Industrienationen wie zum Beispiel die USA und Australien. Dies liegt unter anderem daran, dass zahlreiche Städte in diesen Ländern in Gebieten gebaut sind, die exponiert gegenüber Extrem-Ereignissen, Naturgefahren und Klimawandel sind.

Das Ziel: Verringerung der Vulnerabilität

Die Ergebnisse des RisikoIndex auf nationaler Ebene und auf der Ebene urbaner Räume zeigen: Die bisherigen Förderinstrumente für Risikoreduktion, nachhaltige Entwicklung und die Klimawandelanpassung müssen integrativer und vernetzter ausgestaltet werden. Dabei kann es nicht nur darum gehen, durch die Fördermittel Beobachtungs- und Monitoring-Instrumente zu finanzieren. Ebenso wichtig ist die Förderung von Mechanismen, die zugleich Qualitäten im Bereich Risk-Governance und inklusiver Politiken fördern. Nur so lässt sich die Vulnerabilität von Menschen verringern.

Die Risikoprofile der Länder müssen der zentrale Ausgangspunkt für Handlungsstrategien sein.  Förderprioritäten sollten nicht allein auf Basis der Größe des Bruttoinlandsproduktes oder der Armut eines Landes gesetzt werden. Es wäre sinnvoll, Ländergruppen entlang spezifischer Risiko-Muster speziell zu fördern. Hierfür bieten sich neue Lern- und Austauschprozesse zwischen Ländern mit ähnlichem Risikoprofil an.


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news-656 Thu, 22 Jan 2015 10:19:16 +0100 “Keine sicheren Orte” presse/pressearchiv/archiv-detail-view/keine-sicheren-orte.html Am Mittwoch veröffentlichte die medico-Partneroganisation „Ärzte für Menschen“ (PHR-IL) einen unabhängigen Untersuchungsbericht zum Gaza-Krieg im vergangenen Jahr PHR-IL, Partner des Bündnis-Mitglieds medico international,  hatte acht internationale und unabhängige Gesundheitsexperten damit  beauftragt, im Rahmen der „Fact-Finding-Mission“ (FFM)  medizinische und gesundheitsbezogene Informationen zu sammeln.
Schätzungen zu Folge starben in Gaza mehr als 2.100 Menschen, unter ihnen 70 Prozent Zivilisten und 500 Kinder. Die Zahl der Verletzungen lag bei 11.000 Menschen - bei einer Gesamtbevölkerungszahl von  1,8 Millionen.

Im Laufe ihrer drei Aufenthalte in Gaza, während und nach dem Krieg, interviewte die Expertengruppe Betroffene und Augenzeugen, sprach mit Mitarbeitern im Gesundheitswesen und Menschenrechtsarbeitern, mit Vertretern der Ministerien für Gesundheit und Recht sowie internationaler Gesundheitsorganisationen in Gaza und der Westbank. Die Mission erfolgte mit Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen aus Israel und dem Gazastreifen, die sowohl den Zugang als auch die Treffen mit Zeugen ermöglichten.

Ihr Bericht verdeutlicht: “Versagen des Vorwarnsystems, fehlende Fluchtwege, Zusammenbruch des Evakuierungsmechanismus für Verwundete und Angriffe auf Rettungskräfte“ sind Gründe für die hohe Zahl an zivilen Opfern.

Von den insgesamt 68 befragten Verwundeten in unterschiedlichen Krankenhäusern erzählten mehrere, sie seien im Zuge eines sogenannten „Doppelschlags“ verletzt worden. Bei einem Doppelschlag werden die zu Hilfe kommenden Verwandten und Rettungskräfte von einem nachfolgenden Angriff getroffen. Weitere Zeugenaussagen berichteten beispielsweise von Angriffen auf medizinische Einrichtungen und Teams; dabei hatte das palästinensische Gesundheitsministerium die Kennzeichnungen von Krankenwagen und medizinischen Helfern sowie die Koordinaten der Gesundheitseinrichtungen an die israelischen Armee übermittelt.

Informationen der Weltgesundheitsorganisation und des palästinensischen Gesundheitsministeriums machten folgende Angaben: 23 medizinische Fachkräfte befanden sich unter den Toten, 83 weitere wurden verletzt. Etliche Krankenwägen, Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört.

Auf Basis ihrer Ergebnisse schlussfolgert die FFM, dass die israelische Offensive von schweren und unvorhersehbaren Bombardements auf zivile Wohngebiete dominiert wurde. Diese Annahme wird auch durch die Analyse von 370 Fotos von Toten und Verletzten durch drei forensische Pathologen der Expertengruppe gestützt.

Diese und weitere dokumentierte Aussagen und Schlussfolgerungen verhärten den Verdacht von Verstößen gegen Menschen- und Völkerrechte, die dazu geführt haben, dass eine sichere Evakuierung der Bevölkerung nicht gegeben war.

Medico international fordert weitere unabhängige Untersuchungen. Hierzu sagt Riad Othman, Repräsentant der Hilfsorganisation in Israel und Palestina:„Israel sollte der Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates eine ungehinderte Arbeit ermöglichen und den Experten die Einreise nach Israel und Gaza gestatten.“

Zum Bericht und weiteren Informationen bei medico.

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news-655 Mon, 19 Jan 2015 12:13:07 +0100 „Vertrieben und verzweifelt“: Die dramatische Lage der Flüchtlinge im Nahen Osten Mit dem Winter kommen neue Herausforderungen auf die Hilfswerke zu news-654 Fri, 16 Jan 2015 12:32:07 +0100 Ebola: Unbesiegt und dennoch vorsichtige Erleichterung presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ebola-unbesiegt-und-dennoch-vorsichtige-erleichterung.html Sinkende Fallzahlen geben Anlass zur Hoffnung Die Maßnahmen rund um die Bekämpfung des Ebola-Virus scheinen endlich gegriffen zu haben. Laut WHO sei die Zahl der Neuerkrankungen in Liberia, Sierra Leone und Guinea auf den niedrigsten Stand seit mehreren Monaten. Doch noch immer kommt es zu neuen Fällen, vor allem in Gebieten, die schwer zugänglich sind und wo keine ausreichende Versorgung der Patienten möglich ist. Insgesamt hat die WHO inzwischen über 21.200 Ebola-Fälle registriert, mindestens 8400 Menschen sind bereits gestorben.

Das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe und das assoziierte Mitglied German Doctors zur aktuellen Situation in Westafrika

German Doctors: E-Health-Plattform hilft bei Ebola-Bekämpfung

Aktuell nimmt das German Doctors-Team im sierra-leonischen Gemeindekrankenhaus Serabu eine Satellitenschüssel in Betrieb. Sie ist Bestandteil der E-Health-Plattform SATMED, einem vom luxemburgischen Satellitenbetreiber SES TechCom entwickelten und von der Luxemburger Regierung unterstützen telemedizinischen Projekts.

Offizieller Beginn der Pilotphase von SATMED ist Mitte 2015, doch wegen der nach wie vor wütenden Ebola-Seuche hatte sich SES TechCom bereit erklärt, die Satellitenschüssel schon jetzt nach Sierra Leone zu schicken. Im ersten Schritt dient die Anlage einer stabilen Internetverbindung. Die verschiedenen Online-Gesundheitsdienste werden nach und nach implementiert. „Wir sind den Projektverantwortlichen sehr dankbar für die vorzeitige Installation der Satellitenschüssel. Dank ihr ist nun ein Echtzeitaustausch zwischen unserem medizinischen Team in Serabu und den Mitarbeitern in der Bonner Geschäftsstelle möglich. Eine stabile Internetverbindung inklusive der Möglichkeit zu Skypen ist enorm wichtig für ein effizientes Management unserer Ebola-Nothilfe“, erklärt Harald Kischlat, Vorstand German Doctors. Schon jetzt erleichtert das System merklich die tägliche Arbeit sowohl in Serabu als auch in Bonn.

Während der Pilotphase ab Mitte 2015 werden bis zu 15 Satelliten-Terminals an verschiedenen Projektstandorten – darunter das Serabu- und das Mindanao-Projekt der German Doctors – in Betrieb genommen. Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Gesundheitssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern – insbesondere in entlegenen Regionen mit schlechter Telefon- und Internet-Verbindung. Das System soll die Kommunikation zwischen Ärzten verbessern, den Austausch medizinischen Wissens fördern sowie die Aus- und Weiterbildung medizinischer Kräfte optimieren.

Welthungerhilfe: Ebola in Sierra Leone am Wendepunkt

Immer noch werden in Sierra Leone mehr als 20 neue Ebola Infektionen pro Tag gemeldet. Landesweit verbessert sich die epidemiologische Kurve jedoch zusehends. „Einer der größten Distrikte von Sierra Leone, Pujehun ist nun bereits 42 Tage ohne jede Neuinfektion und dadurch fast frei von Ebola“, sagt Jochen Moninger, Landeskoordinator der Welthungerhilfe. „Auch wenn ich auf die positiven Entwicklungen anderer Distrikte sehe, scheint die Überwindung der Krise greifbar nah.“

Die Welthungerhilfe konzentriert ihre Aktivitäten mit weitreichender Unterstützung der Bundesregierung auf die Folgen der Epidemie. Durch den gezielten Aufbau von Frühwarnsystemen soll das Risiko der Wiederholung einer solchen Katastrophe vermindert werden.

Zudem greifen bereits Maßnahmen zum Wiederaufbau des Landes. „Die Projekte der Welthungerhilfe wie der Anbau von Kakao und Kaffee, die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und die Einführung erneuerbarer Energien tragen zum Wiederaufbau der Infrastruktur in Sierra Leone bei", sagt Jochen Moninger. Im Zuge der Überwindung von Ebola werden Welthungerhilfe und Bundesregierung die Anstrengungen beim Wiederaufbau des Landes intensivieren.

Weitere Informationen im Schwerpunkt-Ebola

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news-653 Wed, 14 Jan 2015 11:34:00 +0100 Tödliche Hilfe oder: Lektionen aus dem Wiederaufbau in Haiti themen/erdbeben-in-haiti/wiederaufbau.html Auch das Bündnis-Mitglied Misereor hat die Risiken und Fallstricke der Arbeit in komplexen und oft chaotischen Wiederaufbausituationen kennengelernt. news-652 Tue, 13 Jan 2015 10:41:00 +0100 Schule der Zukunft themen/erdbeben-in-haiti/heute-vor-ort.html Eine Reportage über ein Pilotprojekt in einer Gemeinde nordöstlich von Port au Prince. news-650 Fri, 09 Jan 2015 10:41:00 +0100 Als die Erde bebte themen/erdbeben-in-haiti/5-jahre-danach.html Zum fünften Jahrestags der Katastrophe in Haiti berichten die Mitglieder des Bündnisses von ihren Projekten der vergangenen Jahre. news-648 Mon, 22 Dec 2014 12:00:00 +0100 Zehn Jahre Tsunami, zehn Jahre Bündnis Entwicklung Hilft presse/pressearchiv/archiv-detail-view/zehn-jahre-tsunami-zehn-jahre-buendnis-entwicklung-hilft.html Vor zehn Jahren brach eines der schlimmsten Unglücke über die Menschen an den Küsten Südostasiens herein.

Berlin, 22. Dezember 2014 – 230.000 Tote, mehr als 1,7 Millionen Menschen ohne Obdach, ganze Küstengebiete Asiens ausradiert: Die bis zu 40 Meter hohen Flutwellen zerstörten mit einer gnadenlosen Wucht. Der zweite Weihnachtstag 2004 bleibt für immer der Tag des verheerenden Tsunami. Wenige Tage später, am 1. Januar 2005, gründeten fünf renommierte Organisationen das Bündnis Entwicklung Hilft: Brot für die Welt, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe. Inzwischen gehören mit Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe und den beiden assoziierten Mitgliedern Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors insgesamt neun Hilfsorganisationen dem Bündnis an.

Menschen vor Ort stärken

Bei der ersten Hilfe in den Tsunami-Gebieten ging es auch gezielt darum, lokale Kräfte zu unterstützen. „In Katastrophensituationen wird die erste Hilfe von Nachbarn und lokalen Helfern geleistet. Diese Impulse zu stärken, ist wichtiger Teil unserer Nothilfe und unserer Präventionsmaßnahmen,“ sagt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Alle im Bündnis Entwicklung Hilft versammelten Hilfsorganisationen haben sich diesem Partner-Prinzip verpflichtet.“ 

2014: Zahlreiche Katastrophen zugleich

Heute besteht die große Herausforderung für das Bündnis Entwicklung Hilft darin, auf die zahlreichen Katastrophen weltweit gleichzeitig aufmerksam zu machen. Dazu gehört auch die permanente Hilfe und Berichterstattung bei lang anhaltenden Katastrophen – wie aktuell in Syrien und den umliegenden Ländern. „Eine solche Häufung von großen Katastrophen wie wir sie aktuell beobachten und bei denen wir gleichzeitig Hilfe leisten müssen, ist neu“, sagt Mucke. „Wir helfen den betroffenen Menschen weiterhin so, wie wir es bei unserer Gründung festgelegt haben: partnerschaftlich, langfristig, kompetent und politisch.“ Unter anderem mit dem jährlich aktualisierten WeltRisikoBericht werde aufgezeigt, welche Länder besonders anfällig und verwundbar sind. Mucke geht davon aus, auch durch diese Publikation „ein Stück weit präventiv und politisch wirken zu können. Wir wollen dem globalen Ungleichgewicht entgegen wirken.“

Kompetenz und Qualitätsstandards

Die Bündnis-Mitglieder verbinden zahlreiche Grundsätze und Werte bei der Hilfe. Angesichts der zunehmenden Zahl von Katastrophen geht es den Bündnis-Mitgliedern darum, ein besonderes Augenmerk auf die Vorsorge und strukturelle Prävention zu lenken. Die Stärkung lokaler Partner bedeutet außerdem: Zu bleiben, wenn das Interesse der Weltöffentlichkeit geschwunden ist. In der langfristigen Hilfe zeigen sich Solidarität und Nachhaltigkeit. 

Auf dieser Basis unterstützen die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft noch heute die vom Tsunami im Jahr 2004 betroffenen Regionen und Menschen. Und nicht nur hier. Ob nach dem schweren Erdbeben auf Haiti im Jahr 2010, nach der Flut in Pakistan 2010 oder dem Taifun Haiyan, der 2013 auf die Philippinen traf – mit den langjährigen Kenntnissen der jeweiligen regionalen Gegebenheiten setzen die Hilfswerke da an, wo Not tatsächlich gelindert werden kann. Dabei geht es auch darum, strukturelle Ursachen aufzuzeigen – wie beispielsweise die Schwächen der Gesundheitssysteme in den von Ebola betroffenen Ländern, politische Hintergründe der Flüchtlingssituation im Nordirak und in Syrien oder im Südsudan, wo eine schwere Hungersnot droht. 

Hinweise an Redaktionen: 

Weitere Informationen finden Sie auf www.entwicklung-hilft.de. 

Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft
Peter Mucke, Geschäftsführer

+49-30-27877-390 

presse(at)entwicklung-hilft.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-646 Fri, 19 Dec 2014 10:41:00 +0100 Wie beim Jüngsten Gericht In Banda Aceh ist zehn Jahre nach dem Tsunami Normalität eingekehrt. Das Trauma bleibt news-644 Thu, 18 Dec 2014 10:41:00 +0100 Ebola: Aus der Katastrophe lernen Die Besucherinnen und Besucher des Fachgesprächs Ebola sind sich einig: Die Gesundheitssysteme in den von der Epidemie betroffenen Ländern müssen dringend gestärkt werden. Und zwar langfristig. news-645 Thu, 18 Dec 2014 10:41:00 +0100 Hilfsaktion aus der Luft für eingeschlossene Familien im Sinjar-Gebirge presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hilfsaktion-aus-der-luft-fuer-eingeschlossene-familien-im-sinjar-gebirge.html 10.000 Menschen können nur per Hubschrauber versorgt werden Die nordirakischen Misereor-Partnerorganisation Jiyan Foundation for Human Rights und das Christian Aid Program for Northern Iraq (CAPNI) haben damit begonnen, 15 Tonnen Hilfsgüter - darunter Nahrungsmittel, Kleinkindnahrung und Winterkleidung - per Hubschrauber zu den notleidenden Menschen auf das Sinjar-Gebirge zu transportieren.

"Noch immer harren rund 10.000 Menschen dort aus. Unter den Eingeschlossenen sind etwa 3.000 Kinder, davon 380 Säuglinge, die ohne Hilfe den Winter nicht überleben würden. Die Eingeschlossenen können nur aus der Luft mit lebenswichtigen Gütern versorgt werden, sie haben keine Chance, in die sicheren Gebiete des Nordiraks zu flüchten", erklärte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.

"Die Situation der Menschen ist prekär, da das Gebirge von radikalen IS-Milizen umzingelt ist", berichtet der Projektleiter der Jiyan Foundation, Salah Ahmad. "Ihnen fehlt es an allem, Essen, Kleidung, Heizmaterial, Medikamente. Besonders die Situation der kleinen Kinder bereitet uns Sorgen."


Die Organisation, die in sieben Zentren und über mobile Teams medizinische, psychologische und soziale Hilfen anbietet, verteilt darüber hinaus im kurdischen Autonomiegebiet des Iraks Nahrungsmittel, Medikamente, Hygieneartikel, Decken, Matratzen, warme Winterkleidung, Heizgeräte und Brennmaterial. Auch die Kosten für dringend benötigte Operationen werden mit Hilfe von Misereor übernommen.

Mehr als eine Million irakischer Binnenvertriebene haben Zuflucht vor den Kämpfern des IS im Nordirak gesucht - in einer Region, in der bereits Hunderttausende syrische Flüchtlinge leben. "Die kurdischen Behörden kommen mit der großen Zahl der Flüchtlinge verständlicherweise an ihre Grenzen. Die Situation der Menschen wird sich jetzt im Winter noch verschärfen", so Spiegel.

Die Hilfsaktion im Sinjar-Gebirge und die Überlebenshilfe der Menschen im Nordirak konnten u. a. durch eine großzügige Spende in Höhe von 100.000 Euro der Landeshauptstadt München finanziert werden. "Wir sind dankbar, dass die Stadt München Misereor bei der Hilfe für die Menschen im Nordirak unterstützt!", sagt Spiegel.

Mehr Informationen zu den Hilfsmaßnahmen des Bündnis Entwicklung Hilft, seiner Mitglieder und Partner im Irak und in Syrien.

Spendeninformation Bündnis Entwicklung Hilft:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Oder hier online spenden.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
+49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

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news-643 Fri, 12 Dec 2014 10:41:00 +0100 „Der fehlende politische Handlungswille der letzten Jahre ist tragisch für Syrien“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-fehlende-politische-handlungswille-der-letzten-jahre-ist-tragisch-fuer-syrien.html Ein Interview mit Martin Glasenapp, Nahostreferent bei medico international, zur Lage in Syrien Wie gestaltet sich die Lage vor Ort? Gibt es überhaupt für die Flüchtlinge eine Möglichkeit, sich selbst zu ernähren – ohne die Lebensmittelhilfe des World Food Programme?

Im Jahr 2013 verließen nach jüngsten Untersuchungen rund 150.000 Syrer im Monat ihr Land. Im Oktober 2014 ist es nur noch ein Zehntel davon, denn die Nachbarstaaten haben ihre Grenzübergänge praktisch geschlossen. Es gibt zudem Regionen in der syrischen Bürgerkriegsgesellschaft, aus denen es schon länger überhaupt kein Entkommen gibt, und in denen – im Gegensatz zu den kurdischen Gebieten in Syrien – kaum noch eine mediale Öffentlichkeit präsent ist. Viele große Sendeanstalten nehmen keine Berichte mehr von den zahlreichen lokalen Bürgerjournalisten ab und deutsche Journalisten können nur noch in Ausnahmefällen in den Großraum von Aleppo, Damaskus oder auch Homs reisen. medico arbeitet sowohl in den südlichen Bezirken von Damaskus als auch in den kurdischen Gebieten in Syriens.

Im mittlerweile fast vollständig verlassenen palästinensischen Viertel Yarmouk in Damaskus ist die Lage weiterhin sehr prekär. Hier leben noch ca. 25.000 Menschen, das heißt nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Bevölkerung von 250.000. Dem medico-Partner Al Jafra, der weiterhin in Yarmouk präsent ist, gelingt es nur über große Umwege, Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs in das weiterhin von der syrischen Armee umstellte Stadtviertel zu bringen.

In der Kleinstadt Erbin im südlichen Damaskus unterstützt medico ein Schulprojekt einer lokalen pädagogischen Initiative. Denn Bürgerkrieg bedeutet auch den Verlust von Bildung und damit Zukunft. Aktuell wird die Stadt aber immer wieder von der syrischen Armee beschossen. Die Soldaten setzen Boden-Boden-Raketen ein, deren Explosivkraft nicht nur die obersten Stockwerke der Häuser zerstört, sondern ganze Wohnblocks dem Erdboden gleichmacht. Das Leben in der Stadt ist sehr gefährlich geworden, besonders auch für Schulkinder. So kamen in den letzten Wochen mehrere Kinder bei dem Weg zum Unterricht ums Leben, weil auf einem Marktplatz der Stadt eine Rakete einschlug. Der Unterricht, der ohnehin in ausgebauten Kellern stattfindet, musste für einige Zeit unterbrochen werden, weil der Gang zur Schule lebensgefährlich geworden war. Die Schulen haben jetzt aber wieder geöffnet, auch um den Preis der täglichen Bedrohung, weil viele Kinder nicht den ganzen Tag in den schlecht heizbaren und von Flüchtlingen überfüllten Häusern zubringen können und das Spielen auf der Straße noch gefährlicher ist. Die Unterstützung der lokalen Zivilgesellschaft ist in Erbin auch deshalb sehr aufwendig geworden, weil die Checkpoints der syrischen Armee auf den Hauptzufahrtstrassen kaum noch den Transport von Hilfsgütern oder auch Gehaltszahlungen für die Lehrer in den Schulen zulassen.

Dramatisch ist auch die Situation in den kurdischen Gebieten Syriens, dem sog. Rojava, wo medico seit geraumer Zeit humanitäre Nothilfe leistet. Im September dieses Jahres war über Nacht die kurdische Stadt Kobanê an der syrisch-türkischen Grenze weltweit in den Schlagzeilen. Der gewalttätige Vormarsch der IS-Milizen machte das kleinste, fast vollständig eingekesselte Kanton der kurdischen Selbstverwaltung in Syrien zum Symbol des Widerstands gegen den IS-Terror, der für weite Teile der westlichen Öffentlichkeit das absolute Böse verkörpert. Durch die Angriffe des IS wurde auch das städtische Krankenhaus zerstört, in dem die von medico unterstützte Blutbank untergebracht war. Der Häuserkampf in Kobanê zwang fast die gesamte Zivilbevölkerung zur Flucht. 180.000 leben nun in Kurdistan auf der anderen Seite der Grenze, in der Türkei. Allein im Landkreis Suruc sind rund 50.000 Menschen in Camps der kurdischen Stadtverwaltung untergebracht. Auch hier braucht es alles, was in der kalten Jahreszeit das Überleben sichert. medico ermöglichte den Kauf eines Krankenwagens für Kobanê. Denn dort, nur weniger 100 Meter jenseits der Grenze, werden weiter Menschen verletzt und nicht wenige verbluten auf der Grenze, bevor sie das Krankenhaus auf türkischer Seite erreichen.

Darüber hinaus unterstützt medico die Versorgung der Flüchtlinge in den anderen Gebieten der kurdischen Selbstverwaltung in Syrien. Sowohl in die Region Afrin nahe von Aleppo als auch in das größte Kanton Cizire entlang der türkischen und irakischen Grenze im Nordosten Syriens, lieferte medico mehrmals dringend benötigte Medikamente. Aktuell bereiten wir eine größere Hilfsmaßnahme für die jesidischen Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager nahe der syrisch-kurdischen Stadt Dêrik (Al-Malikiyah) vor. Hier überwintern 7.000 jesidische Familien, denen im August die Flucht vor dem Terror der IS-Milizen gelang. In dem Flüchtlingslager fehlt es an winterfesten Zelten, Nahrung und Kleidung. Nur vereinzelt erreichen Transporte der UN-Lebensmittelhilfe diese Gebiete. Das Problem ist hier zum einen die weiterhin fast immer geschlossene Grenze zur Türkei, aber auch die komplizierte politische Situation innerhalb Syriens. Die UN konnte im Laufe des Jahres immer wieder aus Damaskus Hilfsgüter über den Flughafen in Qamishli in die Region Cizire bringen, musste sich dafür aber mit der syrischen Regierung koordinieren, die wiederum die kurdische Selbstverwaltung der Region nicht anerkennt. Die erschwerte immer wieder die Koordination und oft blieb unklar, wie die Hilfe überhaupt verteilt wurde. Erst in den letzten Monaten war es möglich, dass UN-Hilfsgüter direkt über die türkisch-syrische Grenze kommen konnten und so die Bedürftigen auch wirklich erreichen. Es gibt aber auch hier weiterhin einen großen Mangel, besonders an winterfesten Zelten und Heizgeräten für die jetzt beginnende Kälte.

Wo ist Ihrer Meinung nach die Hilfe jetzt am Nötigsten. Welche Region ist am stärksten betroffen?

Man kann generell sagen, dass die humanitäre Hilfe in Syrien tatsächlich dort am Nötigsten ist, wo von außen überhaupt nicht mehr geholfen werden kann. Das betrifft den südlichen Großraum von Damaskus, aber auch die eingeschlossenen Stadtviertel von Aleppo. Nicht zu vergessen all jene Gebiete im Südosten, die jetzt unter Kontrolle der IS-Terroristen stehen. Die aktuellen Bombardierungen des Stromnetzes, der Ölraffinerien und Getreidespeicher in Raqqa und Deir Ezzor zerstören ja nicht nur die terroristische Infrastruktur des sog. „Islamischen Staates“, sondern treffen auch die dort lebende Zivilbevölkerung. Schon jetzt ist absehbar, dass die Nahrungsmittel für den Winter nicht ausreichen oder durch eine erhöhte Schmugglerökonomie exorbitant teuer werden. Hinzu kommt der Mangel an Brennstoffen. Die kurdischen Regionen in Syrien haben zwar den Vorteil, dass sie fast alle eine unmittelbare Grenze zur Türkei haben, solange aber die Türkei die Grenze aus politischen Gründen geschlossen hält, wird die somit künstlich erzeugte Verknappung der Hilfe auch zu einem starken Mangel im Winter führen. Verschärfend kommt hinzu, dass aus Zentralsyrien diese Region aufgrund der IS-Milizen nicht mehr erreichbar ist und zehntausende Flüchtlinge im kurdischen Rojava in Syrien Schutz gesucht haben.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Liegt es tatsächlich an den „mangelnden Geldern“ der Industriestaaten?

Dies sind tatsächlich Fragen, die eigentlich die Politik zu beantworten hätte. Man könnte sie durchaus fortsetzen: Wie war es überhaupt möglich, dass in Syrien 200.00 Menschen sterben konnten und mittlerweile jeder zweite Syrer ein Flüchtling geworden ist, ohne dass der UN-Sicherheitsrat, ohne dass die internationale Weltgemeinschaft tatsächlich versucht hätte das anhaltende Blutbad zu unterbrechen und die ernsthafte Möglichkeit einer politischen Lösung zu erwirken? Syrien ist nur deshalb die größte humanitäre Krise dieses noch jungen Jahrtausends, weil ihr eine ungelöste politische Krise vorrausgeht. Der Hunger und die Not in Syrien haben politische Ursachen, so wie jeder Flüchtling geflohen ist, nicht weil er Opfer einer Naturkatastrophe wurde, sondern weil er an seinem Heimatort keine Lebensperspektive mehr gesehen hat. Nicht nur der lokale Bürgerkrieg hat begonnen Syrien zu zerstören, sondern auch die fehlende internationale Verantwortung hat ihren Anteil daran. Insoweit mögen mangelnde Gelder für die notwendige internationale Nothilfe eine akute Rolle spielen, aber leider viel tragischer ist der fehlende Handlungswille der letzten Jahre. Syrien ist ein Beleg dafür, dass nicht nur ein politisches Handeln, etwa eine militärische Intervention, katastrophale Folgen haben kann, sondern dass auch das Nichthandeln sich ebenso katastrophal auswirkt.

Die Lage in Syrien und den benachbarten Ländern ist ohnehin schon kritisch. Warum gerade jetzt die Entscheidung, dass genau dort 1,7 Millionen Menschen die Lebensmittelhilfen untersagt bleiben?

Ich versuche diese gefährliche Einschränkung der Hilfe auch als einen politischen Notruf zu verstehen. Die UN-Hilfswerke sind vollständig von den staatlichen Gebern abhängig. Wiederholt hat der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge auf das prekäre Syrien-Budget verwiesen und dass viele westlichen Staaten ihre Zusagen nicht erfüllen. Aktuell fehlen dem UN-Ernährungsprogramm 53 Millionen Euro, um die erreichbaren syrischen Flüchtlinge für den Dezember ernähren zu können. Die Summe beträgt gerade mal ein Promille des zu erwartenden Weihnachtsumsatzes im deutschen Einzelhandel. Zugleich sind alle Friedensbemühungen der UN in Syrien bislang ins Leere gelaufen. Die Kürzung der Hilfe ist eine Reaktion auf die fehlenden westlichen Gelder und die Überlastung der UN-Hilfsstrukturen. Die Uno spricht von der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem Völkermord in Ruanda – und fordert ja unter anderem auch ganz direkt die Europäische Union auf, mehr Syrer aufzunehmen. Insoweit gibt es tatsächlich nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen politischen Handlungsbedarf, besonders jetzt, wo in einzelnen Gebieten in und um Syrien bereits der erste Nachtfrost eingesetzt hat oder tagelange Regenfälle die Lagerplätze der Flüchtlinge geflutet haben. Spenden an Hilfsorganisationen werden syrisches Leben retten können, aber Syrien kann nur durch die politische Einsicht der unmittelbaren Kriegsparteien gerettet werden. Die Verantwortung dafür liegt in den Händen der internationalen Weltgemeinschaft.

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news-642 Mon, 08 Dec 2014 10:41:00 +0100 Taifun „Hagupit“ zeigt: Prävention und Katastrophenschutz lohnen sich presse/pressearchiv/archiv-detail-view/taifun-hagupit-zeigt-praevention-und-katastrophenschutz-lohnen-sich.html Ein Jahr nach „Haiyan“ trifft ein weiterer schwerer Sturm auf die Philippinen „Hagupit“ hat auf den Philippinen schwere Zerstörungen angerichtet und nach jetzigem Stand 23 Menschen das Leben gekostet, Super-Taifun „Haiyan“ hatte im November 2013 noch mehr als 7.000 Todesopfer gefordert. „Die Katastrophenvorsorge hat sehr gut funktioniert“, bilanziert Erhard Stückrath, Referent für humanitäre Hilfe beim Bündnis-Mitglied Kindernothilfe. „Die Menschen waren dieses Mal viel besser gewarnt und vorbereitet“. Bereits bis zum Samstag hatten die Behörden mehr als 700.000 Menschen evakuiert. Als vor einem Jahr „Haiyan“ nahte, hatten Regierung und Behörden noch zu spät und nicht entschieden genug reagiert.

„Hagupit“ traf am Wochenende mit Windgeschwindigkeiten von knapp 200 Kilometern pro Stunde auf die Ostküste der Philippinen – und somit auf Regionen, die bereits von „Haiyan“ verwüstet wurden. Besonders Tacloban, die Provinzhauptstadt der Insel Leyte, hatte sich noch nicht von „Haiyan“ erholt und musste erneut schwere Zerstörungen hinnehmen: abgeknickte Bäume, umgestürzte Strom- und Telefonmasten, beschädigte Häuser, blockierte Straßen.

Die gute Nachricht: Die Kindernothilfe und die Christoffel-Blindenmission (CBM) berichten, dass die nach „Haiyan“ von den lokalen Projektpartnern wiederaufgebauten Gebäude dem Sturm standgehalten haben. Infolge einer Initiative der CBM gemeinsam mit anderen Hilfswerken für die besondere Berücksichtigung der Belange alter und behinderter Menschen konzentrieren sich die Vereinten Nationen bei der Verteilung von Nothilfe-Sets in Evakuierungszentren nun auch auf diese besonders schutzbedürftigen Gruppen.

Misereor unterstützt aktuell erste Nothilfemaßnahmen wie die Verteilung von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten. Von zentraler Bedeutung ist die psychosoziale Betreuung der Taifun-Opfer – insbesondere der Kinder, die nun ein Jahr nach den entsetzlichen Erlebnissen während Haiyan die gleichen Ängste erneut durchleben müssen. Samahang Operasyong Sagip (SOS), der philippinische Partner von medico international, wird die Nothilfe in der überfluteten Stadt Calbiga im Osten der Insel Samar unterstützen.

Am Montag schwächte sich „Hagupit“ zu einem Tropensturm ab und erreichte die Hauptstadt Manila. Experten fürchten, dass es infolge der starken Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommen kann. Lokale Mitarbeiter des Bündnis-Mitglieds terre des hommes sind in die Krisenregion gereist, um gemeinsam mit Projektpartnern das Ausmaß der Zerstörungen zu klären.

„Die Philippinen werden aufgrund ihrer Exposition gegenüber Naturgefahren immer wieder extremen Naturereignissen ausgesetzt sein“, erklärt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. Nicht umsonst belegen sie den zweiten Rang im WeltRisikoIndex 2014, den die Universität der Vereinten Nationen in Bonn im Auftrag des Bündnis‘ berechnet hat. „An dem Ausgesetztsein gegenüber den Naturgefahren können wir nichts ändern, wohl aber an der Vulnerabilität, der Verwundbarkeit der Gesellschaft. Die Bündnis-Hilfswerke werden beim Wiederaufbau auch daran arbeiten, die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Strukturen zu stärken. Damit auch künftige Stürme nicht zu schweren Katastrophen werden“, so Mucke.

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news-641 Fri, 05 Dec 2014 13:11:00 +0100 Alles dafür tun, damit syrische Kinder ihre Zukunft behalten presse/pressearchiv/archiv-detail-view/alles-dafuer-tun-damit-syrische-kinder-ihre-zukunft-behalten.html Ein Gespräch mit Angelika Böhling, Pressesprecherin des Bündnis-Mitglieds Kindernothilfe, über die Situation der Flüchtlinge im Libanon Sie waren gerade im Libanon und haben dort mit eigenen Augen gesehen, was die syrischen Flüchtlinge benötigen, um einigermaßen für den Winter gewappnet zu sein. Wie geht es den Menschen dort?

Viele der syrischen Familien, die wir im libanesischen Chouf Gebirge besucht haben, sind aus ihrer Heimat ohne Hab und Gut geflohen. Sie leben zum Teil mit mehreren Generationen und Familien unter einem Dach, manchmal nur in einem oder in zwei Zimmern. Einige der Unterkünfte haben keine Fenster, viele sind kaum bewohnbare Kellerlöcher oder Ruinen. Ein Badezimmer gibt es nur selten, und dann wird es häufig von den Familien eines ganzen Gebäudekomplexes genutzt. Arbeit finden nur wenige. Teils, weil es Vorbehalte gegen syrische Migranten gibt, teils, weil sie körperlich angeschlagen und für die angebotene Arbeit auf dem Bau oder in der Landwirtschaft nicht geeignet sind. Dennoch: Die Mieten für die einfachen Unterkünfte belaufen sich auf 250 bis 300 US Dollar monatlich und müssen von den Familien aufgebracht werden.

Häufig arbeiten deshalb die Kinder mit: Die Kleineren helfen beim Verkauf von Lebensmitteln, arbeiten an der Tankstelle oder auf dem Markt mit. Die Älteren verdingen sich auf Baustellen. Dabei bleibt der Schulabschluss häufig auf der Strecke. Hinzu kommt: Es ist zu wenig Platz in syrischen Klassenzimmern, und Lehrkräfte fehlen. Um zu verhindern, dass fast eine ganze Generation von syrischen Flüchtlingskindern ohne Bildung aufwächst, benötigen wir dringend mehr Investitionen in die Schulen und in das Schulsystem.

Das Welternährungsprogramm (WFP) hat kürzlich bekanntgegeben, dass finanzielle Mittel für die weitere Lebensmittelhilfe für syrische Flüchtlinge fehlen. Welche Auswirkungen hat die Entscheidung der UN?

Die Lebensmittelgutscheine sind für die meisten Familien unersetzlich, denn sie stellen häufig die einzige Existenzgrundlage dar. Ohne die Hilfe des WFP verschlechtert sich die Ernährungssituation von über einer Million Menschen dramatisch. Seit zwei Tagen hat das WFP die Lebensmittelhilfe in unserem Projektgebiet eingestellt und schon jetzt verzweifeln die Menschen, weil sie nicht wissen, wie sie sich vor der Kälte schützen und ihre Familien ernähren sollen.

Deutschland hat nach der Bekanntgabe des WFP die humanitäre Hilfe für Syrien erhöht. Wir können nur hoffen, dass sich die restliche Staatengemeinschaft ihrer Verantwortung bewusst ist und nicht zu lange damit wartet, die Mittel für das Welternährungsprogramm aufzustocken.

Ist die Versorgung der Kinder im Schutzzentrum der Kindernothilfe gesichert?

Ein klares Ja! Die Versorgung der Kinder, die das Kinderschutzzentrum unseres Partners Amurt besuchen, ist für die Wintermonate und darüber hinaus gesichert. Die Kindernothilfe finanziert Spiel- und Lernangebote, die regelmäßigen Mahlzeiten der Mädchen und Jungen, die Verteilung warmer Winterkleidung und psychotherapeutische Hilfe. Um das Angebot auszuweiten und noch mehr Kinder zu erreichen, benötigen wir natürlich weitere finanzielle Mittel.

Wie viele Kinder werden im Libanon von Ihnen in dem Kinderschutzzentrum betreut? Wie darf man sich den Alltag vorstellen?

Im Moment unterstützen wir im Chouf-Distrikt, südwestlich von Beirut, ein Kinderschutzzentrum für 200 Kinder im Vorschulalter. Das Zentrum ist in einer ehemaligen Schule untergebracht, und unsere Partnerorganisation Amurt fördert und betreut die Mädchen und Jungen dort täglich von 8 bis 13.30 Uhr. Malen, singen, tanzen und basteln stehen auf dem Stundenplan und jeden Mittag gibt es eine gesunde Mahlzeit. Viele der Kinder haben Schlimmes erlebt. Sie haben Tote gesehen, wurden selbst Opfer von Gewalt oder haben Bombeneinschläge überlebt. Unser Ziel ist es, ihnen im Kinderschutzzentrum ein Stück Normalität zurückzugeben und sie für die Schule fit zu machen. Hier spielen und lernen sie für ein paar Stunden am Tag. Aber auch für ihre Ängste und Tränen ist hier Platz: Sozialarbeiter und zwei Psychologinnen kümmern sich individuell um jedes Kind.

Neben der Arbeit im Kinderschutzzentrum ermöglichen wir 600 Kindern den Schulbesuch einer öffentlichen libanesischen Schule, d.h. wir übernehmen das Schulgeld, kümmern uns um den Transport zur Schule, finanzieren Bücher und Lehrmaterial, und die Mitarbeiter unserer Partnerorganisation stehen in engem Kontakt zu den Familien. Das ist besonders dann wichtig, wenn Kinder nicht mehr in der Schule erscheinen, weil sie arbeiten gehen oder krank sind.

Gerade im Libanon ist es schwer, Hilfe zu leisten, da es kaum organisierte Flüchtlingscamps mit zentralen Strukturen gibt. Wie geht die Kindernothilfe hier vor, um vor allem Kinder dennoch zu erreichen und zu versorgen?

Die Mitarbeiter unseres Partners Amurt stehen in Kontakt mit jedem einzelnen von uns geförderten Kind und seiner Familie. Das ist in dörflichen Regionen rund um Boqaata sicherlich aufwändiger und schwieriger als in einem klar abgegrenzten Lager. Wir fördern die Integration der syrischen Kinder in das neue Umfeld durch eine intensive  Zusammenarbeit mit den libanesischen Schulen: Wir unterstützen Schulen, die Flüchtlingskinder aufnehmen, mit Spielgeräten und Möbeln. Dazu übernehmen wir dringend benötigte Reparaturen an Heizungen und Toiletten und versuchen so, die Voraussetzung für ein gutes Miteinander zu schaffen. Darüber hinaus finanzieren wir Trainingsprogramme für 60 Lehrerinnen und Lehrer: Sie werden geschult, um die Bedürfnisse und Sorgen kriegstraumatisierter Mädchen und Jungen besser zu verstehen und mögliche Konflikte zu lösen.

Was planen Sie in den kommenden Wochen und Monaten, um die Not weiter zu lindern?

Auch wenn der Libanon die Grenze zu Syrien geschlossen hält, können wir davon ausgehen, dass weitere Familien aus Syrien in den Libanon flüchten. Wir planen deshalb, bestehende Hilfsmaßnahmen auszuweiten und damit die Zahl der Kinder zu erhöhen, die Zugang zu Lernangeboten und therapeutischer Unterstützung erhalten. Viele Kinder haben ihre Heimat verloren. Wir müssen alles dafür tun, damit sie ihre Zukunft behalten.

Weitere Informationen zu den Hilfsmaßnahmen der Kindernothilfe im Libanon

Angelika Böhling steht Ihnen für Interviews zur Verfügung:

E-Mail: angelika.boehling[at]knh.de

Telefon: 0203-789230

 

 

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news-640 Fri, 05 Dec 2014 10:41:00 +0100 Kakaobauern stärken presse/pressearchiv/archiv-detail-view/kakaobauern-staerken.html Die Kakaowirtschaft in Sierra Leone unter dem Einfluss der Ebola-Epidemie Seit fast einem Jahr wütet Ebola nun in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone. Dies hat auch starke Auswirkungen auf die Wirtschaft dieser Länder. Einer der größten Wirtschaftszweige in Sierra Leone ist der Kakaoanbau. Etwa 45 Prozent der ländlichen Haushalte in den westlichen Provinzen Kailahun, Kenema und Kono leben vom Kakaoanbau.  Die Region ist auch bekannt unter dem Namen Kakaogürtel. Die Welthungerhilfe arbeitet dort seit Juli 2013 in vielen Projekten mit den Kakaobauern zusammen. Nun hat die Welthungerhilfe ein Dokument veröffentlicht in dem sie die Auswirkungen der Ebola-Epidemie auf die Kakaowirtschaft in Sierra Leone beschreibt.

Das Virus brach zum Zeitpunkt der Kakaoernte aus - glücklicherweise erst nachdem der Großteil der Ernte getan war. Obwohl die Landwirtschaft durch Quarantänemaßnahmen behindert wurde, fiel die Ernte außergewöhnlich gut aus. Auch die Ansteckung unter den Kakaobauern war sehr gering.
Jedoch verzögerte sich die Aussaat der neuen Setzlinge. Dies könnte die Ernte im nächsten Jahr beeinträchtigen.

Der Anbau von Kakaobohnen blieb bisher relativ stabil, doch der Handel mit Kakaobohnen ist eingebrochen. Viele internationale Firmen zogen sich aus dem Kakaohandel in Sierra Leone zurück. Die Folge war ein Rückgang des Wettbewerbs, bessere Qualität der Kakaobohnen und ein Anstieg des Kakaopreises auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Die Kakaobauern profitieren vor allem von den besseren Preisen für ihr Produkt. Die Handelsrestriktionen führten jedoch auch zu einem Rückgang des Kakaoexports um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Welthungerhilfe empfiehlt, die staatlichen Maßnahmen beizubehalten, um die Kakaobauern weiter zu stärken. Außerdem sollte ein einheitliches Marktsystem geschaffen werden, zu dem alle Kakaobauern und Händler gleichen Zugang haben.

Weitere Informationen bei der Welthungerhilfe

Hintergründe zur Ebola-Epidemie

Helfen Sie mit - online hier oder per Überweisung:

Stichwort: Ebola
IBAN: DE 7137 02050 0000 8100 100
BIC: BFSW DE33 XXX
Bank für Sozialwirtschaft 

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news-649 Fri, 05 Dec 2014 10:41:00 +0100 news-651 Fri, 05 Dec 2014 10:41:00 +0100 news-639 Wed, 03 Dec 2014 12:33:00 +0100 Menschen mit Behinderungen nicht vergessen! presse/pressearchiv/archiv-detail-view/menschen-mit-behinderungen-nicht-vergessen.html Anlässlich des Welttags der Menschen mit Behinderungen veranstaltet das Bündnis-Mitglied Christoffel-Blindenmission (CBM) eine Diskussionsrunde Auf der Verasntaltung der Christoffel-Blindenmission (CBM) soll die gezielte Inklusion von Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern thematisiert werden. Die von CBM im Vorfeld durchgeführte telefonische Befragung von 1.000 Menschen in Deutschland ergab: 88 Prozent der Befragten haben sich deutlich für eine Inklusion weltweit ausgesprochen. Jeder siebte Mensch weltweit lebt mit einer Behinderung. Davon 80 Prozentin Entwicklungsländern und nur 12 Prozent in Industriestaaten. Doch es liegt nun in der Hand der Industriestaaten zu handeln. Denn die im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniumsentwicklungsziele erreichen nun 2015 ihre Zielsetzung und die nachfolgende „Post-2015-Agenda“ muss erstellt werden. Dabei sollen jedoch Menschen mit Behinderung eine klare Stellung bekommen und nicht nochmal vergessen werden, so wie es bei den Millenniumsentwicklungszielen der Fall war.

Weitere Informationen

 

 

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news-638 Mon, 24 Nov 2014 12:33:00 +0100 Reminder: Fachgespräch Ebola – Wie geht es weiter? presse/pressearchiv/archiv-detail-view/reminder-fachgespraech-ebola-wie-geht-es-weiter.html Soziale und wirtschaftliche Folgen eindämmen, Gesundheitssysteme stärken: Das Fachgespräch Ebola blickt in die Zukunft Am 1. Dezember 2014 lädt das Bündnis Entwicklung Hilft von 10 bis 13 Uhr zum öffentlichen Fachgespräch Ebola ein. Experten aus Politik, Wirtschaft und Hilfswerken diskutieren über die aktuelle Situation in Westafrika und darüber, was getan werden muss, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Das Fachgespräch findet statt bei Brot für die Welt, Caroline-Michaelis-Straße 1, 10115 Berlin.

Verstärktes Engagement im Kampf gegen Ebola

Die Hilfswerke sind auf Spenden angewiesen, um langfristige Folgen der Ebola-Epidemie einzudämmen und Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Ziel ist neben der Verhinderung weiterer Ansteckungen eine langfristige Stärkung der lokalen Gesundheitssysteme und die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung Kranker, die nicht mit Ebola infiziert sind.

Wie die betroffenen Länder bei der Bewältigung sozialer und wirtschaftlicher Folgen der Ebola-Epidemie unterstützt werden können, wird am 1. Dezember beim Fachgespräch Ebola im Mittelpunkt stehen. Hierzu lädt das Bündnis Entwicklung Hilft herzlich ein.

Auf dem Podium:

• Walter Lindner, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie
• Prof. Ansgar Lohse, Direktor der Inneren Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE
• Dr. Klemens Ochel, Missionsärztlichen Institut Würzburg
• Dr. Gisela Schneider, Direktorin Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V.
• Harald Zimmer, Senior Referent Internationales, Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland

Das genaue Programm: https://www.entwicklung-hilft.de/themen/ebola/fachgespraech.html

Veranstaltungsort: Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst,
Raum Christian Berg – 0. K. 06, Caroline-Michaelis-Str.1, 10115 Berlin

Für Rückfragen und Anmeldungen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
+49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

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news-637 Fri, 21 Nov 2014 12:33:00 +0100 Hilfe in Syrien, dem Libanon und Nordirak presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hilfe-in-syrien-dem-libanon-und-nordirak.html Mit dem einbrechenden Winter wird dringend weitere Unterstützung der Flüchtlinge benötigt Die Kindernothilfe in Syrien und im Libanon

Wenn Bomben auf Wohnhäuser fallen, wenn Menschen sterben, dann bleibt den Überlebenden nur die Flucht. Sie lassen dabei fast alles zurück: die vertraute Umgebung, die Schule, den Arbeitsplatz, Freunde und Verwandte. Jede Sicherheit ist verloren, einen Alltag gibt es nicht mehr. In Syrien erfasst der Bürgerkrieg immer weitere Teile der Bevölkerung. Fast 10 Millionen Menschen sind auf der Flucht, mehr als die Hälfte davon Kinder. Sie nehmen traurige Erinnerungen mit auf ihren Weg ins Ungewisse - Erinnerungen an Krieg, Zerstörung und geliebte Menschen, die in Trümmern starben. Die meisten, die ins Ausland fliehen, suchen im Nachbarstaat Libanon Schutz. Doch die Ungewissheit bleibt: Wovon werden wir leben? Wer wird uns helfen?

Das neue Projekt des Bündnismitglieds Kindernothilfe unterstützt Flüchtlinge in der libanesischen Gebirgsregion Chouf. Mit dem lokalen Partner Amurt ermöglichen sie 800 Kindern den Besuch staatlicher Schulen und kommen für Transport, Schulgeld und -uniformen auf. Außerdem hilft unser Bündnismitglied bei der Instandhaltung und Ausstattung der Schulen.

Doch es gibt auch Mädchen und Jungen, die keine Schule besuchen können - aus Platzmangel oder weil sie zu stark traumatisiert sind. Diese Kinder werden in einem Schutzzentrum aufgefangen. Dort erhalten sie neben Unterricht in Rechnen, Schreiben und Lesen auch eine einfühlsame psychosoziale Betreuung: Therapeuten helfen 400 Kindern, ihr Kriegstrauma zu überwinden.

Nur so kann verhindert werden, dass den Kindern nach dem Verlust ihrer Heimat auch jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft genommen wird. Der regelmäßige Unterricht sichert ihre Chance auf einen Schulabschluss und gibt ihnen ein Stück Normalität zurück. Die Traumatherapie lindert ihre seelischen Wunden.

Medico International: Flüchtlinge warten auf eine Zukunft

Es regnet immer öfter. Ein kalter Wind pfeift über das Hochplateau, bald wird der erste Schnee fallen. Im Camp Newruz am Rande von Dêrik, der kurdisch-aramäischen Stadt im syrischen Rojava, wird Kies auf die matschigen Wege gestreut. Hier überwintern 7.000 jesidische Familien, denen im August die Flucht vor dem Terror der IS-Milizen gelang. Im nordirakischen Schingal-Gebirge waren durch eine spektakuläre humanitären Intervention etwa 150.000 Angehörige der jesidischen Gemeinschaft von kurdischen Selbstverteidigungskräften gerettet worden.

Eine Rückkehr zum Schingal, ihrem spirituellem Hoffnungsberg, ist für sie mehr als die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat. Es ist Ausdruck ihres kollektiven Selbstbewussteins und damit ein Überlebensfaktor. Denn im Camp Newruz fehlt es an winterfesten Zelten, Nahrung und Kleidung. Aus den grauen Notfalldecken der UN-Hilfswerke haben die Mütter warme Jacken für ihre Kinder genäht.

Kobane: Die Stadt der Hoffnungen

Über Nacht war die kurdische Stadt Kobanê an der syrisch-türkischen Grenze weltweit in den Schlagzeilen. Der gewalttätige Vormarsch der IS-Milizen machte das kleinste, fast vollständig eingekesselte Kanton der kurdischen Selbstverwaltung in Syrien zum Symbol des Widerstands gegen den IS-Terror, der für weite Teile der westlichen Öffentlichkeit das absolute Böse verkörpert. Die Kurdinnen und Kurden leisten bis heute einen erbitterten Widerstand. Für sie bedeutet die Aufgabe der Stadt auch die Aufgabe ihres politischen Traums einer gesellschaftlichen Zukunft in Syrien, fernab von ethnischen und konfessionellen Zuschreibungen.

Durch die Angriffe des IS wurde auch das städtische Krankenhaus zerstört, in dem die von Bündnispartner medico unterstützte Blutbank untergebracht war. Der Häuserkampf in Kobanê zwang fast die gesamte Zivilbevölkerung zur Flucht. 180.000 leben nun in Kurdistan auf der anderen Seite der Grenze, in der Türkei. Allein im Landkreis von Pîrsûs sind rund 50.000 Menschen in Camps der kurdischen Stadtverwaltung untergebracht. Auch hier braucht es alles, was in der kalten Jahreszeit das Überleben sichert. Dringlich ist auch ein Krankenwagen. Denn in Kobanê werden weiter Menschen verletzt und nicht wenige verbluten auf der Grenze, bevor sie das Krankenhaus auf türkischer Seite erreichen.

Ohne jeden Ausweg: Überleben im oppositionellen Damaskus

Im Jahr 2013 verließen nach jüngsten UN-Angaben rund 150.000 Syrer im Monat ihr Land. Im Oktober 2014 ist es nur noch ein Zehntel davon, denn die Nachbarstaaten haben ihre Grenzübergänge praktisch geschlossen. Aber es gibt auch Zonen in der syrischen Bürgerkriegsgesellschaft, aus denen es schon länger überhaupt kein Entkommen gibt, und in denen – im Gegensatz zu den kurdischen Regionen – ohne mediale Öffentlichkeit gestorben wird. Etwa der Großraum Damaskus, wo ein zäher und blutiger Kleinkrieg stattfindet, wo kleine Ortschaften und Stadtteile sich inmitten der Gewalt selbst organisierten.
Die südliche Kleinstadt Erbin wird seit Wochen beschossen. Über 100 Menschen kamen ums Leben. Die syrische Armee setzt hier Boden-Boden-Raketen ein, deren Explosivkraft ganze Wohnblöcke zerpulvert. Unlängst starben Schulkinder auf einem Marktplatz. Einige von ihnen besuchten die freie Schule in Erbin, das medico-Projekt vor Ort, wo zivile Aktivisten den Kindern ein Lernen für bessere Zeiten ermöglichen. Der Weg zur Schule bleibt gefährlich. Zudem machen es Armee-Checkpoints nahezu unmöglich, die überlebenswichtigen Gehälter für die Lehrenden in die Stadt zu schmuggeln. Und die Brennstoffund Lebensmittelpreise steigen rasant. Der vierte Kriegswinter hat begonnen.

terre des hommes: Hilfe für Flüchtlingskinder im Irak

Rund zwei Millionen Menschen sind derzeit im Irak auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg und dem Terror der IS-Milizen. Besonders dramatisch ist die Lage der Flüchtlinge in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordirak, wo zurzeit etwa eine Million Iraker und Syrer Zuflucht suchen. terre des hommes leistet mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit Hilfe für die Flüchtlingsfamilien, insbesondere für die Kinder. Mit dem Projekt werden insgesamt 2.000 Familien mit 3.000 Kindern unterstützt.

Damit Kinder aus den Flüchtlingsfamilien wieder lernen, ihren Alltag zu meistern, werden psychosoziale Lern- und Freizeitangebote geschaffen. Viele Familien blieben nicht lange an einem Ort. Oft zelten sie zunächst in einem Park oder am Rand eines Dorfes, bevor sie in eine Schule oder einem Flüchtlingscamp unterkommen. Damit die Mitarbeiter des Projekts die Kinder trotzdem erreichen, sind sie mit Kleinbussen ausgestattet und bieten ihre Angebote dort an, wo die Kinder sind. Auch die Kinder aus den aufnehmenden Gemeinden können diese wahrnehmen.

Sichere Räume für Kinder

Dafür werden im terre des hommes-Projekt freiwillige Helfer, Sozialarbeiter und Lehrer in Themen wie Kindesschutz und Kinderrechte weitergebildet. Durch dieses gezielte Training wird sichergestellt, dass die Kinder vor Missbrauch geschützt sind und altersgerechte Angebote erhalten. Darüber hinaus sollen die Kinder identifiziert werden, die schwere Symptome psychischer Belastungsstörungen zeigen – sie werden an psychologische Fachkräfte weitervermittelt. In den Gemeinden werden Kindesschutz-Komitees gegründet, die bei Problemen als Ansprechpartner dienen.

Viele Kinder mussten mitten im Schuljahr fliehen und haben ihre jeweilige Klasse nicht abgeschlossen. In vielen Schulen wohnen Flüchtlinge, und es kann kein Unterricht stattfinden. Daher dienen die Kleinbusse als Klassenzimmer, aus denen heraus Unterricht angeboten wird. Die ausgebildeten Lehrer des Projektes kommen direkt zu den Kindern und führen Unterrichtseinheiten in arabischer, englischer und kurdischer Sprache durch.

Die Welthungerhilfe in Syrien und der Türkei

Vor dem Bürgerkrieg konnte sich Syrien allein versorgen und besaß einen guten Bildungsstand - alle Kinder gingen zur Schule. Nach drei Jahren des bewaffneten Konflikts befindet sich das Land jedoch in einer der größten humanitären Krisen derzeit: Mehr als 6,5 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht - die Hälfte davon sind Kinder und Frauen. Mittlerweile sind erstmals mehr als drei Millionen Syrer sind in die Nachbarländer Jordanien, Libanon, Irak und die Türkei geflohen. 

Zahlreiche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen sind genau wie unzählige Wohnhäuser beschädigt oder komplett zerstört worden. Die Lebensbedingungen verschlechtern sich täglich. Ein Viertel aller syrischen Familien haben etwa sieben Tage im Monat nichts zu essen. Viele Kleinkinder leiden an Mangel- und Unterernährung – in einem Land, welches bisher keinen Hunger kannte. Die Welthungerhilfe leistet seit November 2012 gemeinsam mit Alliance2015-Partner People in Need (PIN) Nothilfe. Sie unterstützen die Betroffenen und Vertriebenen an verschiedenen Standorten in Syrien und in der Türkei.

Die Preise für Grundnahrungsmittel sind seit Beginn des Krieges stark gestiegen. Da die ehemals staatlich subventionierte Mehlversorgung zusammengebrochen ist, hat sich der Preis für Brot astronomisch um 1.000 Prozent erhöht. Dennoch besteht noch ein Netz an aktiven Bäckereien. In Aleppo und der Region Idlip liefert die Welthungerhilfe ihnen Mehl und Getreide. So wird der Zugang zu Grundnahrungsmitteln gewährleistet und die Einkommensmöglichkeiten der Händler steigen.

Doch andere haben keine Möglichkeit, Geld zu verdienen: Fabriken sind geschlossen, der Handel mit Nachbarländern findet nicht mehr statt und die Landwirtschaft liegt brach. Die letzten Ersparnisse sind aufgebraucht, Millionen von Syrern werden tief in die Armut getrieben. Die Lage ist kritisch, die Menschen hungern und besonders Kinder leiden unter der Mangelversorgung.

Im Rahmen eines bis Ende September 2014 durchgeführten Projektes im Umland von Aleppo und Idlib erhielten bisher mehr als 34.000 Familien Nahrungsmittelpakete. Um die Grundversorgung mit Brot für etwa 55.000 Menschen in der Stadt Aleppo und in der Region Idlib zu gewährleisten, wurden zusätzlich ausgewählte Bäckereien unterstützt, wo die Menschen gegen Gutscheine kostenlos Brot für zwei Monate erhalten haben. 

In Reaktion auf die steigenden Flüchtlingsströme in der Region um die Stadt Manbij wurden von Mai bis Juli 2014 ca. 8.500 Nahrungsmittelpakete an besonders bedürftige Familien verteilt.

Darüber hinaus unterstützt die Welthungerhilfe in Zusammenarbeit mit PIN 12 provisorische Schulen in der Stadt Aleppo. Etwa 4.000 Kinder, die besonders unter dem bewaffneten Konflikt leiden, erhalten so Schulbildung und damit ein Stück Normalität.

Pakete für Flüchtlinge und Gastfamilien

An sie werden Kochutensilien, Matten, Moskitonetze, Zeltplanen und Werkzeuge verteilt. Damit richten sich die Vertriebenen so gut es geht im Camp ein.

Auch bei Gastfamilien in Städten wie Aleppo finden viele Vertriebene Zuflucht; jedoch besitzen diese selbst sehr wenig, Vorräte gibt es schon lange keine mehr. Die Welthungerhilfe verteilt an sie Pakete mit überlebenswichtigen Nahrungsmitteln sowie Hygieneartikel.

Um für die kalten Wintermonate gewappnet zu sein, erhielten 3.300 Familien zudem Planen, Schlafmatten, Decken, Matratzen und warme Winterkleidung.

Bei allen Aktivitäten und Verteilungen arbeiten PIN und Welthungerhilfe eng mit lokalen Bürgerräten zusammen. Sie kennen die Menschen vor Ort und wissen, was sie am dringendsten benötigen. Die Bürgerräte sind gewählte Vertreter der Gemeinde und setzen sich aus Lehrern, Ärzten, Händlern, Imamen und anderen angesehenen Mitgliedern der Gesellschaft zusammen. Im Moment gibt es dort vier Räte, die von der Welthungerhilfe in ihrer Arbeit unterstützt werden. 

 

Spendeninformation Bündnis Entwicklung Hilft:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Oder hier online spenden.

 

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
+49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-636 Fri, 14 Nov 2014 15:48:00 +0100 Die Wirklichkeit der Entwicklungspolitik presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-wirklichkeit-der-entwicklungspolitik.html Schattenbericht zu den offiziellen Zahlen des Entwicklungsausschusses und Empfehlungen für die deutsche Entwicklungspolitik Die Bündnismitglieder terre des hommes und Welthungerhilfe veröffentlichen den 22. Bericht „Die Wirklichkeit der Entwicklungspolitik“ und setzen sich damit grundlegend mit der Frage auseinander, ob die deutsche Entwicklungspolitik gewappnet für das Jahr 2015 sei.

2015 wird ein Jahr der großen Gipfel: Angefangen mit der UN Weltkonferenz zur Reduzierung des Katastrophenrisikos, über das Weltbildungsforum bis hin zum G7 Gipfel hier bei uns in Deutschland. Es folgen die 3. UN Konferenz über die Entwicklungsfinanzierung, der UN Gipfel zur Post-2015- Entwicklungsagenda und die Klimakonferenz.

Um eine nachhaltigen Entwicklungsagenda zu schaffen, sprechen terre des hommes und die Welthungerhilfe folgende Empfehlungen für die deutsche Entwicklungspolitik aus:

1. die Post-2015-Agenda umfassend zu unterstützen
2. sich bei den Klimaverhandlungen ausdrücklich zu den Rio-Prinzipien zu bekennen und damit die unterschiedliche Verantwortung der Länder für die Wiederherstellung des Ökosystems und die Anpassung an Umweltschäden anzuerkennen
3. in der EU und in der UN den SDG-Kompromiss weiterzuentwickeln und zu konkretisieren
4. im Dialog mit der deutschen Zivilgesellschaft einen Vorschlag für ambitionierte Nachhaltigkeitsziele für Deutschland zu formulieren
5. zur Umsetzung der SDGs in Deutschland einen Post-2015-Aktionsplan mit Verantwortlichkeiten und Umsetzungsschritten zu verabschieden
6. im Vorbereitungsprozess der UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba 2015 eine aktive Rolle zu übernehmen
7. im BMZ für mehr Kohärenz und mehr Beteiligung der Zivilgesellschaft zu sorgen;
8. die Neuausrichtung des BMZ konsequent umzusetzen.

„Wir wünschen uns ein starkes BMZ, das tatsächlich zu einem Ministerium für globale Zukunftsfragen wird“, sagt Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe. Beide Mitgliedsorganisationen fordern eine Neuausrichtung des Ministeriums und bemängeln das Nullwachstum des zukünftigen Entwicklungsetats.
Neben der geäußerten Kritik sind im Bericht auch positive Veränderungen vermerkt, wie zum Beispiel die Bemühungen des neuen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Neben einer seiner Sonderinitiative „Welt ohne Hunger“ wurde von April bis November 2014 eine Zukunftscharta erarbeitete, die Leitlinien zukünftiger Entwicklungspolitik formuliert. Diese wird am 24. November 2014 in Berlin vorgestellt.

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news-635 Thu, 06 Nov 2014 08:47:00 +0100 Jahrestag Taifun Haiyan: Tausende Überlebende demonstrieren gegen Regierung presse/pressearchiv/archiv-detail-view/jahrestag-taifun-haiyan-tausende-ueberlebende-demonstrieren-gegen-regierung.html Hunderttausende Familien haben noch immer keine ausreiche Hilfe bekommen Anlässlich des ersten Jahrestages von Taifun Haiyan auf den Philippinen haben die Überlebenden der Katastrophe Proteste angekündigt. Die Bewegung der Taifun-Betroffenen “PeopleSurge” erwartet bis zu 20.000 Teilnehmer zur zentralen Demonstration in Tacloban am 8.11.2014. Die Organisatoren werfen der philippinischen Regierung Untätigkeit und Korruption vor.

Laut einer Studie des medico-Partners IBON Foundation haben Hunderttausende Familien noch immer keine ausreiche Hilfe bekommen. Mehr als eine Million Menschen leben auch nach einem Jahr noch in unsicheren und unzureichenden Unterkünften, wie Zeltstädten oder Notunterkünften.

Efleda Bautista, PeopleSurge-Sprecherin kritisiert: “Der Wiederaufbauplan der Regierung ignoriert die Bedürfnisse der Überlebenden. Es profitieren nur die mit der Regierung Aquino verbundenen Unternehmen von der zunehmenden Privatisierung und großen Infrastrukturprojekten.”

Insbesonders die sogenannte “No-Build-Zone” entlang der Küstenlinie sorgt zusätzlich für Verunsicherung. Nach den Plänen der Regierung müssten landesweit mehr als 10 Mio. Menschen umgesiedelt werden. Alternativangebote existieren unterdessen nicht. Vorallem Fischer fürchten Zwangsräumungen.
Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international zeigt sich außerdem besorgt über die zunehmende Militarisierung in der Katastrophenregion. Mitglieder von Kleinbauernorganisationen und anderen sozialen Bewegungen wie PeopleSurge werden von der philippinschen Armee bedroht. In einem Wiederaufbauprojekt des medico-Partners SOS in Pinabacdao wurde der örtliche People-Surge-Sprecher Rodolfo Basada im Juni von Unbekannten erschossen. Seine Witwe vermutet die Täter in Reihen der Armee.

Aktuelle Informationen von medico international aus Tacloban auf twitter: www.twitter.com/nothilfe

Für Nachfragen und Interviewwünsche:

Bernd Eichner, medico-Nothilfereferent, zzt. Tacloban (7h+ Zeitunterschied): Tel. +63 9159572505 oder eichner(at)medico.de

 

 

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news-634 Wed, 05 Nov 2014 13:47:00 +0100 Wenigstens ein Dach über dem Kopf presse/pressearchiv/archiv-detail-view/wenigstens-ein-dach-ueber-dem-kopf.html Hilfe für Flüchtlinge in Syrien und Irak In der Türkei, im Irak und in Syrien steht der Winter vor der Tür. In den kommenden Wochen können die Temperaturen auf bis zu minus 15 Grad fallen. Viele Menschen, die aufgrund des syrischen Bürgerkrieges und vor der Gewalt der IS aus Syrien und dem Irak geflohen sind, haben Schutz im türkischen Grenzgebiet oder in den kurdischen Gebieten im Norden Iraks gefunden. Sie konnten auf ihrer Flucht jedoch fast nichts mitnehmen und sind nun dem Winter schutzlos ausgeliefert.

Die Gewalt ebbt nicht ab, es werden immer mehr Flüchtlinge: Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) versucht mit ihren Kämpfern stetig weitere Gebiete zu erobern, zur Zeit finden besonders heftige Kämpfe in der nordsyrischen Stadt Kobane statt. In Syrien bekämpfen sich zusätzlich Regierungstruppen, die militärische Opposition und Rebellenverbände. Viele Menschen verlieren bei den Auseinandersetzungen ihre Angehörigen, ihre Heimat und ihr Hab und Gut.    

Verzweifelt fliehen die Bürgerkriegsopfer unter anderem in die Türkei. Bis Oktober wurden laut UN offiziell über eine Millionen Flüchtlinge registriert, die türkische Regierung spricht von einer Dunkelziffer von 1,6 Millionen. Die Flüchtlingslager, die in aller Eile von der türkischen Regierung errichtet wurden, sind dem Ansturm nicht gewachsen. Zelte sind überbelegt, es gibt nicht genug Nahrungsmittel für alle. Die Leute hausen in Sammelunterkünften, Zelten, Schulen oder auf offener Straße.

Hilfe von Medico International

Alle medico-Partnerorganisationen in der Region sind mit dem Schrecken konfrontiert, den die fundamentalistisch-dschihadistische Miliz „Islamischer Staat“ (IS) in weiten Teilen Syriens und des Iraks anrichtet. Anfang August begingen die selbsternannten Gotteskrieger im Sindschar-Gebirge furchtbare Massaker an der yezidischen Bevölkerung und stürzten durch ihre Gewalt Hunderttausende in eine panische Flucht.

Medico-Mitarbeiter Martin Glasenapp hat selbst mit einigen der Flüchtlingen in der syrischen Grenzstadt Derik, in der die kurdische Selbstverwaltung ein Notaufnahmelager für über 20.000 Menschen eingerichtet hat, gesprochen. Diese Menschen haben eine unbeschreibliche Gewalt erlebt. Männer wurden vor den Augen ihrer Familien geköpft und Frauen stürzten sich beim Einmarsch der IS-Milizen von Häuserdächern, um nicht verschleppt zu werden. Eine Frau erzählte, sie habe ihr Neugeborenes im Gebirge unter einem Stein zurücklassen müssen, nachdem sie es noch einmal gestillt habe, um wenigstens ihren größeren Sohn retten zu können.

Trotz einer großen Hilfsbereitschaft der einheimischen Bevölkerung im kurdischen Teil Syriens fehlt es weiter an allem: Die Flüchtlinge brauchen dringend humanitäre Hilfe. Der Mangel an Trinkwasser und Medikamenten ist groß. Es gibt nur selten Strom und den Menschen macht die Hitze sehr zu schaffen.
Auch in den Flüchtlingslagern in der Region Chanaqin im kurdischen Nordirak, nur wenige Kilometer vom aktuellen Frontverlauf entfernt, leisten Medico-Partnerorganisationen Haukari und Kurdish Health Foundation im Moment Nothilfe. In provisorisch eingerichteten Gesundheitsstationen werden täglich hunderte akut und chronisch erkrankte Flüchtlinge behandelt.

Sowohl die kurdischen Gebiete in Syrien als auch die Flüchtlingslager entlang der irakisch-iranischen Grenze liegen außerhalb der Reichweite der aktuell medial in Szene gesetzten Nothilfe für die Kurden im Irak. Im irakischen Chanaqin ist bis heute noch keine deutsche Transallmaschine mit Hilfsgütern gelandet. Und auch im syrischen Derik war bislang kein Vertreter der deutschen Bundesregierung.
Durch die Angriffe des IS auf Kobane wurde auch ein Krankenhaus des kurdischen Roten Halbmondes zerstört. In diesem Gebäude war die von Medico International unterstützte Blutbank untergebracht. Aber die solidarische Medico-Winterhilfe für Rojava geht weiter.

Hilfe von Misereor

In Syrien und im jordanischen Grenzgebiet unterstützt Bündnismitglied Misereor unter anderem die Flüchtlingsarbeit des Jesuit Refugee Service (JRS). Mitarbeiter und Freiwillige verteilen lebensnotwendige Dinge und organisieren Unterkünfte. Mitarbeiter berichten, dass es sehr schwierig ist, vertriebene Familien unterzubringen. Die Mieten sind dramatisch gestiegen - ebenso wie die Preise für Essen und Medikamente, die mittlerweile oft fünf bis zehn Mal höher sind als vor Beginn des Krieges. Für die meisten Familien ist das unbezahlbar.

Um den Alltag für Kinder in den Behelfsunterkünften und Flüchtlingslagern so normal wie möglich zu gestalten, stellen Freiwillige Freizeitprogramme und Bildungsangebote auf die Beine.
Ein Großteil der staatlichen Schulen ist geschlossen, viele Schulen sind beschädigt oder zu Sammelunterkünften umfunktioniert worden. In den JRS-Zentren wird Kindern deshalb auch Ersatzunterricht angeboten. Dafür organisieren die Mitarbeiter eigens Transportmöglichkeiten, damit auch Kinder aus Kampf-Zonen in die Zentren kommen können.

Kindern, die unter traumatischen Erlebnissen leiden, bietet JRS dort auch psychosoziale Betreuung an. Sie können so Wege finden, mit dem Erlebten besser zurecht zu kommen.

Bündnismitglied Misereor unterstützt auch die Nothilfe weiterer Partnerorganisationen in Syrien. Die Salesianer Don Boscos beispielsweise helfen in Aleppo, Damaskus und Kafroun. Sie helfen notleidenden Familien mit allen Kräften, verteilen Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Heizmaterial sowie Decken und helfen den Flüchtlingen bei der Suche nach Unterkünften. Viele Schüler wenden sich an die Jugendzentren der Organisation, wenn sie Hilfe benötigen und die Mitarbeiter halten engen Kontakt zu Familien aller Religionsgemeinschaften.

Terre des hommes

Damit Kinder aus den Flüchtlingsfamilien wieder lernen, ihren Alltag zu meistern, werden psychosoziale Lern- und Freizeitangebote geschaffen. Viele Familien blieben nicht lange an einem Ort. Oft zelten sie zunächst in einem Park oder am Rand eines Dorfes, bevor sie in eine Schule oder einem Flüchtlingscamp unterkommen. Damit die Mitarbeiter des Projekts die Kinder trotzdem erreichen, sind sie mit Kleinbussen ausgestattet und bieten ihre Angebote dort an, wo die Kinder sind. Auch die Kinder aus den aufnehmenden Gemeinden können diese wahrnehmen.

Um sichere Räume für Kinder zu schaffen werden im terre des hommes-Projekt freiwillige Helfer, Sozialarbeiter und Lehrer in Themen wie Kindesschutz und Kinderrechte weitergebildet. Durch dieses gezielte Training wird sichergestellt, dass die Kinder vor Missbrauch geschützt sind und altersgerechte Angebote erhalten. Darüber hinaus sollen die Kinder identifiziert werden, die schwere Symptome psychischer Belastungsstörungen zeigen – sie werden an psychologische Fachkräfte weitervermittelt. In den Gemeinden werden Kindesschutz-Komitees gegründet, die bei Problemen als Ansprechpartner dienen.
Viele Kinder mussten mitten im Schuljahr fliehen und haben ihre jeweilige Klasse nicht abgeschlossen. In vielen Schulen wohnen Flüchtlinge, und es kann kein Unterricht stattfinden. Daher dienen die Kleinbusse als Klassenzimmer, aus denen heraus Unterricht angeboten wird. Die ausgebildeten Lehrer des Projektes kommen direkt zu den Kindern und führen Unterrichtseinheiten in arabischer, englischer und kurdischer Sprache durch.

Hilfe der Welthungerhilfe

Die türkischen Kommunen können eine umfassende Versorgung der Flüchtlinge nicht stemmen. Oftmals müssten sie sich hoch verschulden, um dringend benötigte Hilfsgüter und Unterkünfte zu finanzieren. Damit die Flüchtlinge im Winter wenigstens ein Dach über dem Kopf und eine wärmende Zuflucht haben, unterstützt das Bündnismitglied Welthungerhilfe vor Ort.

Gegen die unmittelbare Not erhalten 34.000 Familien in Nord-Irak, Nord-Syrien und der Türkei Winterhilfepakete. Die Pakte enthalten Matratzen, Decken, und warme Kleidung. Die Flüchtlinge in der Türkei und im Irak, die in wind- und kältedurchlässigen Sommerzelten untergekommen sind und auch obdachlose Flüchtlinge, erhalten beheizbare Winterzelte, Öfen und Heizmaterial. Familien, die in notdürftig sanierten Häusern – ohne Heizung und ohne Storm – Zuflucht gefunden haben, werden mit Öfen und Brennmaterial ausgestattet.

In der Türkei und im Irak arbeitet die Welthungerhilfe eng mit den Partnern Afet ve Acil Durum Yönetimi Başkanlığı (AFAD) und dem Türkischen Roten Halbmond (TRC) zusammen. In Syrien wird die Versorgung der Flüchtlinge mit dem Partner Hand in Hand organisiert. Die Winterhilfemaßnahmen der Welthungerhilfe werden durch das Auswärtige Amt, Referat Humanitäre Hilfe finanziert.

Spendeninformation Bündnis Entwicklung Hilft:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
+49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-631 Tue, 04 Nov 2014 13:47:00 +0100 Philippinen: Ein Jahr nach dem Taifun Haiyan presse/pressearchiv/archiv-detail-view/philippinen-ein-jahr-nach-dem-taifun-haiyan.html Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft berichten über ihre Hilfsmaßnahmen Ein Jahr ist es nun her, dass Taifun Haiyan, von den Filipinos auch „Yolanda“ genannt, die Philippinen heimsuchte. Am 6. November traf der Taifun, der sich in den Tagen davor über dem Meer aufgebaut hatte, mit einer Geschwindigkeit von 314 km/h zum ersten Mal in Palau auf Land. Am 8. November erreichte er die Philippinen - mit zeitweiligen Böen von 375 km/h. Auf seinem Weg über die Visayas hinterließ er eine Schneise der Verwüstung. Es zog weiter bis nach Vietnam und China. Zu den betroffenen Inseln zählten Eastern Samar, Leyte, Cebu, Bohol und Panay. Die am stärksten zerstörten Städte waren Guiuan, wo der Taifun das erste Mal auf philippinischen Boden traf, und die Provinzhauptstadt Leytes: Tacloban City. Satellitenbilder zeigen, dass Tacloban City dem Erdboden gleich gemacht wurde, 80 Prozent der Stadt wurde zerstört. Bis zu 2.500 Menschen mussten ihr Leben lassen.

Nicht nur der Sturm richtete Verwüstung an; hinzu kam eine fünf Meter hohe Flutwelle, die weite Teile des Festlandes überschwemmte. Die Philippinen werden pro Jahr von circa 20 heftigen Stürmen heimgesucht, doch Haiyan gilt als einer der stärksten Taifune, die je auf Land trafen. Demzufolge war auch die Verwüstung, die er anrichtete, massiv. Die traurige Bilanz: 16 Millionen Menschen waren und sind zum Teil noch betroffen, 6.000 Menschen verloren ihr Leben über 1 Millionen Häuser wurden zerstört, 3,5 Millionen Menschen waren demnach obdachlos. Die Gesamtschäden belaufen sich auf Milliardenhöhe.
Trotz der Sturmflutwarnungen des Joint Typhoon Warning Centers, das tropische Wirbelstürmen im Pazifik ankündigt, war die Bevölkerung nicht genügend vorbereitet.

Auch die internationale Hilfe rollte nur verzögert an, da die  betroffenen Flughäfen zerstört und die Infrastruktur zum Erliegen gekommen war. Es kam zu Plünderungen durch die hungernde Bevölkerung.
Die sieben Bündnis-Mitglieder Brot für die Welt, Christoffel - Blindemission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe waren und sind beim Wideraufbau im Land aktiv. Ein Jahr nach der Katastrophe berichten sie über ihre Projekte mit Partnern vor Ort:

Christoffel-Blindenmission

Auch ein Jahr nach dem verheerenden Wirbelsturm ist der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen: Bis September errichtete die CBM 135 Wohnhäuser barrierefrei und sturmsicher, denn die Philippinen werden immer wieder von tropischen Wirbelstürmen getroffen. Auch vier Bildungszentren für Kinder mit Behinderungen wurden wiederaufgebaut. Dort werden die Schüler individuell unterrichtet, um dann auf Regelschulen zu wechseln. Weitere Bildungszentren und Schulen sind geplant.
15 Prozent aller Menschen weltweit leben mit Behinderungen. Sie sind stärker durch die Folgen von Naturkatastrophen betroffen, weil sie zum Beispiel Schutzunterkünfte nicht erreichen oder nicht rechtzeitig auf Warnzeichen reagieren können.

Ziel der CBM ist es, die Nothilfe und den Wiederaufbau möglichst inklusiv und barrierefrei zu gestalten. Dieses Ziel kann die CBM jedoch nicht alleine erreichen. Die lokale Regierung und andere internationale Organisationen sind hier ebenso in der Pflicht. Dafür setzt sich die CBM nicht nur politisch ein, sondern schult andere Organisationen und die örtlichen Behörden darin, Gebäude barrierefrei zu bauen und Hilfsprogramme für alle zugänglich zu gestalten. Auch für barrierefreie Schutzunterkünfte erarbeitete sie Richtlinien.

Dazu der Direktor der CBM, Dr. Rainer Brockhaus: „Inklusiv arbeiten heißt aber auch, dass Menschen mit Behinderungen aktiv an den Maßnahmen beteiligt sind. Sie haben Lebensmittel verteilt, Schulmöbel produziert und betreiben die Anlaufstellen in Estancia und Concepcion. Damit verändern sie gleichzeitig die Einstellung der Gesellschaft zu behinderten Menschen.“

Seit dem Taifun konnte die CBM dank großzügiger Spenden mehr als 1,7 Millionen Euro für Hilfsprojekte bereitstellen. Die CBM und ihre Partner planen dort bis Januar 2017 weitere Projekte.

Kindernothilfe

Genau ein Jahr nach dem verheerenden Taifun Haiyan auf den Philippinen blickt die Kindernothilfe auf ermutigende Erfolge beim Wiederaufbau: 80 Schulgebäude, 23 Kindergärten und 170 Wohnhäuser stehen inzwischen allein in der besonders betroffenen Region Salcedo (Insel Samar) – an sicheren Orten und in sturmfester Bauweise. Zusätzlich bieten sogenannte Demo-Farmen neue Einkommensmöglichkeiten für die Familien, die vor dem Taifun vor allem vom Kokosnussanbau lebten.

Kokospalmen gehören auf den Philippinen zu den wichtigsten Ressourcen. Doch nach der Zerstörung durch den Taifun – der mit 230 km/h über den Inselstaat wütete – werden die Neuanpflanzungen noch viele Jahre benötigen. Daher statteten die Kindernothilfe und ihre lokale Partnerorganisation rund 2.000 Land-wirte aus der Region mit dem nötigen Wissen, mit Samen und Dünger aus. Jetzt können die Bauern in Eigenregie Auberginen, Tomaten oder Avocados anbauen.

Insgesamt waren von der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen 15 Millionen Menschen betroffen, darunter vier Millionen Kinder. Die Kindernothilfe leistete seinerzeit Soforthilfe, unterstützte bei der Traumaverarbeitung und steht bis heute an der Seite der Familien: Um die lokale Wirtschaft anzukurbeln, stammen alle Bauarbeiter aus der Umgebung und werden Baumaterialien aus dem Umkreis bezogen. Der Materialbedarf ist riesig, Bleche für Dächer beispielsweise sind längst Mangelware. Außerdem fehlt es an schwerem Baugerät. Trotzdem läuft der Wiederaufbau der Gebäude zur größten Zufriedenheit der Kindernothilfe-Verantwortlichen und der Familien: In schwerer Handarbeit entstanden Gebäude, die künftigen Stürmen trotzen. Schulen und Kindergärten haben ihren Betrieb längst wieder aufgenommen und bieten den Mädchen und Jungen eine beruhigende Normalität, die sie die Schrecken des Taifuns vergessen lässt. Traumatisierte Kinder werden behandelt, Waisen begleitet.

Misereor

Ein Jahr nach Haiyan: Misereor fordert mehr Schutz vor Klimawandelfolgen Menschen auf den Philippinen noch immer auf Hilfe angewiesen / Industrienationen in der Pflicht
"In Armut lebende Menschen im globalen Süden leiden am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels, tragen aber am wenigsten dazu bei", sagt die Leiterin der MISEREOR-Asienabteilung Elisabeth Bially. Dafür war die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen einmal mehr ein dramatisches Beispiel "Die Menschen haben gelernt, mit Wetterextremen zu leben. Der Wucht von Haiyan waren sie dennoch schutzlos ausgeliefert", so Bially.

Mit insgesamt rund 3,4 Millionen Euro hat Misereor seitdem Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen unterstützt. Direkt nach dem Taifun verteilten einheimische Misereor-Partner Hilfspakete mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten etc. an rund 13.000 Familien in den schwer betroffenen Gebieten. In einer zweiten Phase erhielten Fischer Boote, Bauern Saatgut und Werkzeuge. Trinkwasser- und Bewässerungssysteme wurden wieder nutzbar gemacht und mobile Krankenstationen eingerichtet. Für die lebensnotwendige Funkverbindung, die den Kontakt der entlegenen Inseln mit dem Festland sicherstellen, wurden Solarpanelen installiert. Misereor unterstützte zudem den Aufbau eines Community Radios. "Das ist zum einen wichtig, um die Menschen schnell mit Informationen zu versorgen. Zum anderen erfährt die Öffentlichkeit durch die Hörer, die auch aus abgelegenen Gebieten über Funk bei den Journalisten anrufen, genau, wie und wo die Hilfe ankommt. Damit übernimmt das Radio eine wichtige Kontrollfunktion", erklärt Bially.

"Unsere Partnerorganisationen haben schon vor der Katastrophe in den betroffenen Gemeinden gearbeitet. Sie kennen die Situation daher sehr gut und genießen das Vertrauen der Bevölkerung. Das ist wichtig, denn ein erfolgreicher Wiederaufbau kann nur mit den Menschen vor Ort gemeinsam geplant und umgesetzt werden", so Bially. "Sie wissen am besten, was gebraucht wird und können mit Unterstützung vieles selbst in die Hand nehmen. Diese Erfahrungen decken sich auch mit dem Wiederaufbau nach dem Tsunami vor 10 Jahren oder dem Erdbeben auf Haiti."

Der Wiederaufbau auf den Philippinen wird noch Jahre dauern. Um den Menschen nachhaltig zu helfen, begannen Misereor-Partnerorganisationen im Januar mit einer umfangreichen Datenerhebung. Aufbauend auf diesen Ergebnissen entwickelten die Mitarbeiter mit der Bevölkerung gezielt Maßnahmen: Neben dem Bau katastrophenresistenter Häuser aus lokalen Materialien und dem Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung geht es vor allem darum, die Menschen auf künftige Katastrophen so gut wie möglich vorzubereiten. Um die Küsten zu schützen, werden Mangroven gepflanzt und künstliche Riffe angelegt. Die Inselbewohner richten Fischschutzgebiete ein, bauen  ein Frühwarnsystem auf, entwickeln  Evakuierungspläne.

"Die Zahl der extremen Wetterereignisse nimmt stetig zu. Deswegen ist es so wichtig, Schutzmaßnahmen zu entwickeln", betont Bially. "Diese Aufgabe können Nichtregierungsorganisationen aber nicht alleine übernehmen. Die Industrienationen als größte CO²-Emittenten sind hier in der Pflicht, die Menschen dabei zu unterstützen.

Terre des hommes

In den ersten drei Monaten nach dem Taifun war es das dringendste Anliegen, die Grundbedürfnisse der betroffenen Gemeinden vor allem der Kinder zu stillen. Die Verteilung von wichtigen Hilfsgütern (wie Lebensmittel und Non-Food-Artikel)  erreicht mehr als 1.200 Familien, bestehend aus etwa 27.200 Personen; 9.200 Erwachsene und 18.000 Kinder - aus 73 Dörfern in 8 Gemeinden in Eastern Samar, Leyte und Cebu sowie im Stadtgebiet von Tacloban.

Den bedürftigen Familien wurden Werkzeuge und Baumaterialien zur Verfügung gestellt, so dass sie ihre Häuser reparieren konnten. Gesundheitszentren, Kindergärten wurden wieder aufgebaut, Klassenräume  instandgesetzt.

Schulmaterial wurden Schülern und Lehrern gleichermaßen zur Verfügung gestellt, um sicherzustellen, dass Kinder ihre Schulausbildung fortsetzten können. Dieses ermöglichte 11.231 Schülerinnen und Schülern ihr Schuljahr  2013-2014 abzuschließen und ab dem 2. Juni das Schuljahr 2014-2015 fortzusetzten.  Instandsetzung von Klassenräumen.

Durch den Partner Medical Action Group: Behandlung von Taifun-Verletzungen und anderen Erkrankungen durch medizinische Einsatzteams. Reparatur von Gesundheitsstationen und Schulung von medizinischem Personal.

Psychosoziale Unterstützung war von Anfang an ein Fokus in der Arbeit der Partnerorganisationen von terre des hommes. Waren in der ersten Nothilfephase insbesondere psychosoziale Aktivitäten für Kinder, Gruppen- und Einzelgespräche für Erwachsene wichtig, verlagerten sich die Aktivitäten mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Katastrophe in Richtung Aus- und Weiterbildung von Lehrern, medizinischem Personal und Gemeindearbeitern in psychosozialer Versorgung.

Und die Katastrophenvorsorge war nach der ersten Nothilfephase Teil aller Projekte. Im Bereich Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt ist terre des hommes durch zwei Partner aktiv, die nachhaltige Landbewirtschaftung und Regeneration von Küstenökosystemen unterstützen.

Welthungerhilfe

Kein Dach über dem Kopf. Keine trockene Kleidung am Körper oder im Schrank. Keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Den 8. November 2013 werden viele Menschen auf den Philippinen wohl nie vergessen. Mit bis zu 315 Stundenkilometern jagte Taifun Haiyan über große Teile des Inselstaats, begleitet von andauerndem Starkregen. Nach UN-Schätzungen verloren mehr als 4,1 Millionen Menschen ihre Häuser. Mehr als 6.000 starben. Was ist seitdem passiert?      

Nicht nur Wohnhäuser, sondern auch wichtige Infrastruktur wurde zerstört: Straßen, Flughäfen, Krankenhäuser und Versorgungseinrichtungen. Unmittelbar nach dem Wirbelsturm startete die Welthungerhilfe ihre Nothilfe. Gemeinsam mit der lokalen Organisation Philippine Rural Reconstruction Movement (PRRM) versorgten wir 5.000 Familien mit Plastikplanen, Werkzeugen, Seilen und Flickmaterial. Damit konnten erste provisorische Unterkünfte gebaut werden. Außerdem haben wir Moskitonetze und Solar-betriebene Laternen verteilt.

Gemeinsam mit anderen Hilfswerken konnten zudem über 130 transportable Wasserfilteranlagen - PAUL genannt - an die betroffenen Menschen verteilt. Der Wasserrucksack PAUL (Portable Aqua Unit for Lifesaving) wiegt nur 20 Kilogramm, funktioniert ohne Strom und kann leicht transportiert werden. Oben wird verschmutztes Wasser eingefüllt, am Auslasshahn kann nach einem Augenblick trinkbares Wasser entnommen werden. PAUL kann so bis zu 1.200 Liter Wasser täglich filtern und damit ca. 200 Menschen versorgen.

Etwa ein Jahr ist der Wirbelsturm nun her. Aus den Schlagzeilen ist die Katastrophe verschwunden – doch sie beherrscht noch immer den Alltag vieler Menschen vor Ort. Vor allem die ärmere Bevölkerung trafen die Folgen von Haiyan hart. Die Welthungerhilfe hat daher mit dem Bau von Häusern für 1.000 Familien in der Gemeinde Pilar begonnen. Weitere 750 werden über unseren Partner PRRM errichtet. Auch vier Schulen werden in Stand gesetzt, sodass 3.200 Kinder in Zukunft wieder einen geeigneten Ort zum Lernen haben.
Der Bau erfolgt nach dem Prinzip „build back safer“, das heißt alle neuen Häuser und Schulen entsprechen bestimmten technischen Anforderungen, die sie sicher und vor allem sturmfest machen. Auch bei der engen Zusammenarbeit mit der philippinischen Bevölkerung wird an die Zukunft gedacht: 340 Handwerker werden geschult und lernen, wie einfache, aber effektive technische Verbesserungen die Widerstandsfähigkeit der Häuser bei zukünftigen Stürmen erhöhen können. Das Wissen bleibt also in den Dörfern – damit die Menschen auch in Zukunft sicher bauen können.

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news-630 Mon, 03 Nov 2014 13:47:00 +0100 Einladung zum Fachgespräch Ebola presse/pressearchiv/archiv-detail-view/einladung-zum-fachgespraech-ebola.html Das Bündnis Enzwicklung Hilft lädt am 1. Dezember 2014 zur Diskussion mit zahlreichen Experten nach Berlin ein Vor nicht ganz einem Jahr trat das Ebola Virus in Westafrika zum ersten Mal auf. Inzwischen wurden laut WHO über 13.500 Infektionen gemeldet, fast 5.000 Menschen verstarben an den Folgen. Die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder Westafrikas sind überfordert, teilweise komplett zusammengebrochen. Noch immer ist eine umfassende Aufklärungsarbeit über das mysteriöse Fieber nötig.

Jetzt lädt das Bündnis Entwicklung Hilft zu einem Fachgespräch Ebola ein. Gemeinsam mit hochrangigen Gästen und Experten wird nicht nur über die aktuelle Situation in Westafrika gesprochen, sondern auch darüber diskutiert, wie sich ähnliche Katastrophen künftig vermeiden oder zumindest verringern lassen. Auch ein interner Austausch der Bündnis-Mitgliedern steht auf der Tagesordnung.

Weitere Informationen und zur Anmeldung 

 

 

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news-629 Tue, 28 Oct 2014 11:49:00 +0100 Syrien: Solidarität und Stabilität fördern presse/pressearchiv/archiv-detail-view/syrien-solidaritaet-und-stabilitaet-foerdern.html Konferenz zur syrischen Flüchtlingslage behandelte das Flüchtlingsdrama in Syrien und in den Nachbarländern Der blutige Bürgerkrieg in Syrien dauert nun schon vier Jahre an. Millionen Menschen sind in der Region auf der Flucht, mehr als drei Millionen Syrer suchen Schutz und eine Zukunft in den Nachbarländern, hinzu kommen sechseinhalb Millionen Binnenflüchtlinge. Und wieder sind die Flüchtlingslager nicht angemessen auf den nahenden Winter vorbereitet. Unter dem Titel „Konferenz zur syrischen Flüchtlingslage - Stabilität in der Region stärken“ luden nun Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, Vertreter aus 40 Ländern am Dienstag in das Auswärtige Amt nach Berlin ein. Steinmeier sagte bei seiner  Begrüßung: „Diese heutige Berliner Konferenz hat einen ganz besonderen Grund: Wir brauchen vielleicht nicht einen Perspektivenwechsel, aber eine Perspektivenerweiterung. Es kann nicht nur und ausschließlich  um die humanitäre Versorgung der Flüchtlinge allein gehen, sondern wir müssen uns auch in ganz besonderer Weise um die Stabilität der Aufnahmeländer kümmern.“

Herausforderung und Überlastung

Vertreter aus Jordanien, der Türkei, Ägypten, dem Irak und weiteren Ländern schilderten die jeweilige Flüchtlingssituation. Es wurde von einem „Akt der Gastfreundschaft“ gesprochen, von der „Politik der offenen Tür“. Doch die nun fast ein halbes Jahrzehnt anhaltende Krise und die immer größer werdenden Flüchtlingsströmen aus Syrien bedeuten eine echte Herausforderung und Überlastung für die betroffenen Aufnahmeländer.

Brutale humanitäre Tragödie

Nach Einschätzungen der Vereinten Nationen sind derzeit über neun Millionen Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die internationale Hilfe hat viel getan, doch das reiche nicht aus. In den umliegenden Ländern ist der Flüchtlingszuwachs immer mehr im Alltag angekommen. Der ägyptische Außenminister sprach von einer „brutalen humanitären Tragödie, die sich abspielt“. Es müsse mehr Solidarität gezeigt werden, weitere Maßnahmen und Koordinierung sind nötig. Man müsse die Kräfte zusammenbündeln.

Der Vertreter von UNHCR sagte, dass es keine Kriege wie früher mehr gäbe, aus denen ein klarer Gewinner hervorgehe. Heutzutage gibt es nur Verlierer. Das humanitäre Problem sei im Kerne eine politische Krise, die weder humanitär noch militärisch gelöst werden könne. Es müsse eine politische Lösung gefunden werden, um die humanitären Probleme in Griff zu bekommen.

Vor der Konferenz hatten 45 NGOs mit Vertretern aus u.a. Syrien, Jordanien und dem Libanon eine "Empfehlung zur Berliner Syrien-Konferenz" erarbeitet.  

Weitere Informationen zur Konferenz:

Deutsche Welle

FAZ

Die Welt

 

 

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news-627 Mon, 20 Oct 2014 16:31:00 +0200 Ebola: Mit Aufklärung gegen den Virus und die Panik presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ebola-mit-aufklaerung-gegen-den-virus-und-die-panik.html Das Bündnis-Mitglied "Brot für die Welt" baut seine Maßnahmen aus In den Ebola-Gebieten Westafrikas macht sich langsam Panik breit. Mittlerweile ist das öffentliche Leben in den Dörfern erloschen. Die Schulen sind seit Juli zu, die Kinder dürfen aus Angst vor Ansteckung nicht draußen spielen. Sie sind eingesperrt – wie die Erwachsenen auch. Und das gefährdet die Familien, wie Sheku Kamara, aus einer der Partnerorganisationen vom Bündnis-Mitglied Brot für die Welt erklärt: „Wenn die Leute Freunde, Angehörige oder Nachbardörfer besuchen können, am Leben anderer teilhaben, vermindert das ihren Stress, sie können normal miteinander umgehen. Jetzt gibt es – anders als in den Städten – überhaupt keine sozialen Aktivitäten mehr. Nicht mal familiäre: Hochzeiten, Taufen oder so. All das fällt weg. Stattdessen sind die Menschen in ihren Hütten zusammengepfercht. Das erzeugt Stress, Spannungen, immer mehr Konflikte brechen auf.“

Die allgegenwärtige Angst vor Ansteckung frisst die Solidarität, findet auch Kamaras Kollege Lancedell Mathews aus Liberia, ebenfalls von einer der Partnerorganisationen von Brot für die Welt. Für ihn gibt es nur eine Lösung: die Flucht nach vorn – in die Vorsorge, in die Eindämmung der Epidemie: „Das ist die einzige Option. Wir müssen stark genug sein, Ebola zu stoppen. Diese Krankheit ist nicht heilbar, sie tötet. Der einzige Optimismus, der bleibt, ist: die Ausbreitung verhindern, Dorf für Dorf erobern. Nur so bringen wir das zu einem Ende.“

Angesichts der Situation baut das evangelische Hilfswerk die Maßnahmen aus. In enger Zusammenarbeit mit Brot für die Welt setzt die Diakonie Katastrophenhilfe in Westafrika folgende Projekte um:

In Liberia:

In Liberia werden mit der Christian Health Association of Liberia (CHAL) folgende Maßnahmen durchgeführt:

In Sierra Leone:

Die Partnerorganisation Christian Health Association of Sierra Leone (CHASL) unterhält Gesundheitseinrichtungen in zwölf von 14 Bezirken in Sierra Leone. Es geht um folgende Maßnahmen:

Zusammenarbeit mit dem DIFÄM:

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) durchgeführt. Dr. Gisela Schneider, Direktorin von DIFÄM, reist regelmäßig nach Liberia zum Monitoring der Projektaktivitäten und um die Schulungsqualität für das medizinische Personal sicher zu stellen. Sowohl der Projektpartner CHAL wie auch Dr. Schneider, in ihrer Rolle als medizinische Beraterin, haben regelmäßigen Kontakt mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Ärzte ohne Grenzen (MSF) und dem Gesundheitsministerium in Liberia, um den Überblick über die aktuelle Lage zu behalten. 

Kontakt: Svenja Koch, Tel.:  +49 30 65211 1834, svenja.koch[at]brot-fuer-die-welt.de

Weitere Informationen zu Hilfsmaßnahmen des Bündnisses im Engagement gegen Ebola. 

Helfen Sie mit - online hier oder per Überweisung:

Stichwort: Ebola
IBAN: DE 7137 02050 0000 8100 100
BIC: BFSW DE33 XXX
Bank für Sozialwirtschaft 

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news-628 Mon, 20 Oct 2014 16:31:00 +0200 „Ich möchte das andere Gesicht Mexikos zeigen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ich-moechte-das-andere-gesicht-mexikos-zeigen.html Ein Gespräch mit Paulino Rodríguez Reyes vom mexikanischen Menschenrechtszentrum Tlachinollan in der Region der Montaña von Guerrero, Mexiko Sie wurden vom „Ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.“ nach Deutschland eingeladen. Was ist das Ziel dieser Reise?

Paulino Rodríguez Reyes: Es gibt drei Gründe, aus denen ich hier bin:
Ich möchte erstens über die Situation der Migranten innerhalb Mexikos sprechen, zweitens von der Arbeit von Tlachinollan als Institution reden und drittens erzählen, warum es die Bewegung in Tlachinollan gibt.

Können Sie uns bitte etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

Reyes: Ich bin Indigener und gehöre zur Gruppe der Na Savi, eine der indigenen Gemeinschaften in Guerrero, die Tu´un Savi beziehungsweise Mixteco spricht. Ich selbst bin einst in die USA migriert und habe in New York gearbeitet. Bereits davor war ich  innerhalb Mexikos migriert, um zu arbeiten. Ich weiß von daher, was es heißt, ein Arbeitsmigrant im eigenen Land oder in einem fremden Land zu sein. Diese Erfahrungen helfen mir bei meiner Arbeit im Menschenrechtszentrum in der Abteilung der Migration.
Das Menschenrechtszentrum Tlachinollan (Anm. d. Red.: Tlachinollan übernimmt seit 2011 die juristische Vertretung der Studenten) gründete sich aufgrund des Machtmissbrauchs der Autoritäten gegenüber der Bevölkerung, durch die Politik, das Militär, die Wirtschaft, die Polizei. Unternehmen rauben der indigenen Bevölkerung das Land und nehmen sich die Bodenschätze. Die Regierung kommt ihrer Pflicht nicht nach, insbesondere der marginalisierten Bevölkerung den Zugang zu Bildung und Gesundheit zu ermöglichen.

Wie hoch ist der Anteil der inidgenen Bevölkerung in Mexiko beziehungsweise Guerrero?

Reyes: Die genauen Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen. Aber es leben rund drei Millionen Indigene in Guerrero, davon 1,5 Millionen im Staat Costa Chica und Montana. Die Indigenen setzt sich aus vier Gruppen zusammen: Na savi, Me´phaa, Nauas, Nn´anncue und Mestizos.

Die Bevölkerung der Indigenen wächst, ebenso wie die Bevölkerungszahl in ganz Mexiko ansteigt. Doch viele Indigene wandern in die Städte oder in den Norden aus und sprechen ihre Sprache nicht mehr oder lernen sie erst gar nicht von ihren Eltern. Dabei ist die eigene  Sprache sehr bedeutend. Fehlt die Sprache, fehlt auch die Identifikation und der Zugang zur indigenen Kultur.

Was genau macht das Menschenrechtszentrum Tlachinollan vor Ort in Mexico?

Reyes: Es geht darum, die schwerwiegende Situation der Menschen sichtbar zu machen. Und wir zeigen und kritisieren den Machtmissbrauch des Staates. Dabei begleiten wir die Menschen in ihrem Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Insbesondere ist es die Indigene Bevölkerung, die dem Machtmissbrauch ausgeliefert ist. Sie begleiten wir außerdem, um ihre sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Rechte einzufordern und für die sozialen Programme des Staates zu kämpfen, die nicht bei der armen Bevölkerung ankommen. Besonders wichtig ist uns auch die Verteidigung der Menschenrechte der Frauen.

Wie viele Personen arbeiten insgesamt bei Tlachinollan?

Reyes: Es gibt 22 Mitarbeitende, davon 20 im Büro in Tlapa und zwei im Büro in Ayutla. Wir kümmern uns um unterschiedliche Bereiche: Die Administration, die Direktion, die Migration, die juristische und die internationale Abteilung sowie eine Abteilung, die sich direkt an die betroffenen Gemeinschaften wendet und im Stärkungsprozess unterstützt.

Haben die Menschenrechtsverletzungen in Mexiko Ihrer Meinung nach zugenommen?

Reyes: Schon immer musste die indigene Bevölkerung in Mexiko ihr Land, ihren Wald und ihre Kultur verteidigen. Diese Bevölkerungsgruppe war nie sichtbar, wurde nie vom Staat wahrgenommen und ihre Rechte als Bürgerinnen und Bürger Mexikos wurden nicht eingehalten. Jeder Protest hingegen rief immer weitere Repressionen des Staates hervor. So sitzen derzeit viele Aktivisten als politische Gefangene im Gefängnis - nur weil sie ihre Rechte einforderten. Für uns ist das eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung.

Was können die Hilfswerke und die Politik hier in Deutschland für die indigene Bevölkerung Mexikos tun?

Reyes: Das EU-Parlament und die deutsche Regierung könnten sich an Mexiko wenden, damit sich der Staat dort daran hält, was die Verfassung vorgibt. Dies gilt besonders bezogen auf die Rechte der  marginalisierten und inigenen Bevölkerung. Die Menschenrechte müssen für alle eingehalten werden und der Staat muss die Sicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger garantieren.

Meine Aufgabe hier ist es, das andere unsichtbare Gesicht Mexikos zu zeigen: Das Gesicht der in Armut lebenden Arbeitsmigranten. Sie haben keine Perspektiven, kein Geld. Sie migrieren immer temporär von April bis September in den Norden Mexikos. Dort sind die Großkonzerne der Landwirtschaft angesiedelt. Die meisten Arbeiter sind einsprachig aufgewachsen, sprechen kein Spanisch und sie sind Analphabeten. Dadurch sind doppelt so stark verletzlich. Der Staat hat soziale Programme aufgesetzt, doch diese lösen die Probleme nicht auf lange Sicht. Die interne Migration bleibt bestehen und ist besonders für Kinder, Frauen und Schwangere gefährlich.

Liegen hier auch die Ursachen für das plötzliche Verschwinden der 43 Studenten?

Reyes: Die Bevölkerung in Guerrero, insbesondere in der Montaña, lebt in extremer Armut und war noch nie wichtig für den Staat. Auf der Schule Normal Rural “Raúl Isidro Burgos” in Ayotzinapa studieren die Kinder der armen Bauern. Die Schule ist wie ein Internat aufgebaut - die Studentenbekommen eine Unterkunft, Verpflegung und Bildung. Die Eltern der Studenten könnten sich ohne diese Schule die Ausbildung ihrer Kinder nicht leisten. Doch die Landesregierung hat fast alle Schulen dieser Art geschlossen oder die Anzahl der Neueinschreibungen drastisch runtergesetzt, so dass immer weniger Studenten aufgenommen werden dürfen und können. So hat die Landesregierung die Finanzierung der Schule in Ayotzinapa quasi gänzlich gestrichen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Staat keine Arbeitsplätze für die Absolventen bereitstellt. Die angehenden Lehrer finden keine Arbeit, obwohl es die Pflicht des Staates wäre, Arbeitsplätze zu schaffen. Dies sind die Gründe, warum die Studenten auf die Straße gehen, wie auch am 12. Dezember 2011 in Chilpancingo de los Bravos, der Landeshauptstadt von Guerrero. Dort haben die Studenten damals dagegen protestiert, dass der Staat die Finanzierung für die Schule herabgesetzt hatte. Die Polizei eröffnete das Feuer und tötete zwei Studenten auf der Straße, andere wurden angeklagt, weil sie öffentliche Wege blockiert hätten. Das gleiche  ist nun wieder in Iguala passiert:

Die Polizei hat in Iguala drei Studenten und drei Zivilisten getötet. Ferner sind 43 Studenten verschwunden. Die Eltern und Menschenrechtsorganisationen sind sehr beunruhigt und fordern: „Lebend habt ihr sie genommen, lebend wollen wir sie zurück.“

Die Studierenden kennen die Unsicherheit und Gefahr in ganz Mexiko, besonders in Guerrero. Aber gleichzeitig verlangen sie nur die Einhaltung ihrer Rechte und fordern vom Staat, worin seine Pflicht besteht: Bildung für alle zu gewährleisten. Das Problem liegt darin, dass die Regierung vom organisierten Verbrechen infiltriert wurde. Doch sie haben keine andere Wahl. Die Regierung hilft nicht, sie gibt keine Antworten auf die offenen Fragen. Somit müssen sie immer wieder auf die Straße gehen.

Dazu kommt, dass die Montaña und Costa Chica von Guerrero auch von Naturkatastrophen bedroht ist, zuletzt im September 2013 von einem Hurrikan heimgesucht wurde…

Reyes: Der Hurrikan zerstörte Gemeinschaften, Landwirtschaft, Straßen, Schulen, Brücken und ganze Häuser und Unterkünfte. Bis zu vier Wochen waren ganze Gemeinschaften auf sich gestellt. Sie hatten keinen Zugang zu Straßen, Essen oder Trinkwasser und mussten zwei bis drei Tage bis Tlapa laufen, um Essen zu kaufen. Insgesamt 780 Gemeinschaften haben sich daraufhin getroffen und organisierten den „Consejo de los Comunidades Damnificadas“, den Rat der geschädigten Gemeinschaften. Sie fordern von der Regierung, dass sie Verantwortung zeigt und sich auch den Menschen der Montaña annimmt. Denn der Fokus des Engagements der Regierung liegt auf den Städten wie Acapulco und Chilpancingo.
Der Rat hat ein Treffen in Tlapa anberaumt, zu dem auch viele Repräsentanten der Ministerien gekommen sind. Ein Ziel des Rates war, vom Staat mindestens eine Unterstützung zu erhalten, um die Versorgung der Bevölkerung mit Mais, Bohnen und Reis für ein Jahr sicherzustellen, während die Bevölkerung die Unterkünfte und Straßen wieder aufbaut. Wenn möglich, sollte aber auch dies mit Unterstützung des Staates passieren. Die Regierung hat weder den Wiederaufbau der Straßen noch der Häuser unterstützt. Sie wollte für sechs Monate die Lebensmittel stellen, aber auch das hat sie nicht eingehalten; die Verantwortung wurde zwischen den Ministerien und zwischen Landes- und Bundesregierung hin- und hergeschoben.

In der Montaña sind die Schulen, Gesundheitszentren und das Trinkwassernetzwerk noch immer zerstört. Zum ersten Jahrestag des Hurrikans und zum einjährigen Bestehen des Rates kamen 3.000 Menschen zusammen. Der Rat kämpft weiter.

 

 

 

 

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news-626 Fri, 17 Oct 2014 16:31:00 +0200 Ebola: Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden - für die Menschen in Westafrika presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ebola-buendnis-entwicklung-hilft-bittet-um-spenden-fuer-die-menschen-in-westafrika.html "Ebola ist nicht länger allein ein Problem Westafrikas“ Die WHO befürchtet bis Dezember über 10.000 neue Ebola-Fälle – pro Woche. „Die Welt muss jetzt agieren“, sagt die liberianische Botschafterin Ethel Davis, „Ebola ist nicht länger allein ein Problem Westafrikas.“ Das Bündnis Entwicklung Hilft ruft daher mit seinen Mitgliedsorganisationen zu Spenden auf. Mit den Partnern vor Ort wird Leid gelindert und versucht, die Epidemie zu stoppen.

Worauf es jetzt ankommt:

Aufklärung: Die Bevölkerung muss weiter aufgeklärt werden, ihnen muss die Angst vor dem Virus genommen, der Umgang mit infizierten Menschen erläutert und Hygiene-Vorsichtsmaßnahmen müssen gezeigt werden. Dazu trainiert beispielsweise Medico Freiwillige, die von Tür zu Tür gehen. Ziel ist es auch, die lokalen Gesundheitssysteme sollen langfristig wieder gestärkt werden. Und allein Misereor stellt 400.000 Euro für Aufklärungsarbeit zur Verfügung.

Material: Für die medizinische Versorgung wird dringend Material benötigt – bis hin zu Isolierstationen. Über die Partner verteilen wir Handwaschanlagen, Desinfektionsmittel, Seife, Chlor und Hygienekids. Die Welthungerhilfe baut 19 Behandlungszentren auf.

Psychosoziale Betreuung: Die sogenannte Psychologische Erste Hilfe hat zum Ziel, die psychischen Belastungen der Betroffenen zu reduzieren und das Entstehen langfristiger psychischer Erkrankungen zu verhindern. Die Christoffel-Blindenmission leistet „Psychologische Erste Hilfe“ für Betroffenen und Angehöriger in Sierra Leone.

Lebensmittel: Steigende Lebensmittelpreise und Quarantäne haben zur Folge, dass die Menschen hungern und damit anfälliger sind. Gerade die von der Krankheit betroffenen Haushalte leiden unter den strengen Vorschriften: Sie können weder ihre Felder bestellen noch einkaufen. Die Welthungerhilfe stellt deshalb Nahrungsmittel für die betroffenen Familien bereit.

Mehr zu den Projekten der Bündnis-Mitglieder.

Spendeninformation:

Stichwort:  Ebola
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Bank für Sozialwirtschaft
Spendenkonto 51 51
BLZ 370 205 00

Hinweise an Redaktionen:

• Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten des Bündnisses:  www.entwicklung-hilft.de und der Mitglieder: www.cbm.de, www.medico.de, www.misereor.de, www.welthungerhilfe.de
• Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.
Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
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Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-625 Thu, 16 Oct 2014 16:31:00 +0200 Infiziert ist auch die Wirtschaft in Westafrika presse/pressearchiv/archiv-detail-view/infiziert-ist-auch-die-wirtschaft-in-westafrika.html Isolation, Preissteigerungen, Ernteausfälle – die Folgen von Ebola Den von Ebola betroffenen Ländern steht unter wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten das Schlimmste noch bevor – selbst bei einer schnellen Eindämmung der Ebola-Epidemie. Die notwendigen Maßnahmen zur Vermeidung der Ausbreitung von Ebola in Sierra Leone haben massive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. „Investoren kürzen oder verschieben geplante Investitionen, ausländische Unternehmen ziehen sich aus dem Land zurück“, sagt Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe. „Die Region wird zunehmend von internationalen Märkten isoliert und staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit beeinträchtigen den Handel.“

Auch das Leben der "Gesunden" kommt zum Erliegen

Die wöchentlichen Zementverkäufe der Bauindustrie sind seit Januar um 60% gefallen. Bars, Restaurants und viele Märkte haben derzeit geschlossen. Die durchschnittlichen Belegungsraten von Hotels sind seit dem Ausbruch der Krise von über 60% auf 13% gesunken. Die Ankünfte von Fluggästen am internationalen Flughafen von Freetown sind von über 6.000 im Januar auf 2.000 im August 2014 runter gegangen.

In Sierra Leone sind derzeit 7.000 Schulen geschlossen. 1,6 Millionen Schulkinder sind davon betroffen. Viele Schüler verlieren dadurch den Zugang zur Schulspeisung. Die Preise für Nahrungsmittel steigen drastisch. Zwischen März und August 2014 verteuerte sich der Preis für Fisch um 40%, Maniok um mehr als 50%, Palmöl um über 20% und Reis um 13%.

Selbsthilfefähigkeit der ländlichen Bevölkerung stärken

„Die landwirtschaftliche Produktion muss so schnell wie möglich wieder stimuliert werden: Eine baldige Aufhebung nicht-essentieller Beschränkungen würde dem herrschenden Arbeitskräftemangel entgegenwirken und Kleinbauern ermutigen, ihre Felder zu bestellen. Maßgeschneiderte Förderprogramme müssen die Selbsthilfefähigkeit der ländlichen Bevölkerung stärken“, sagt Jamann.

Eine aktuelle Zusammenfassung der Auswirkungen von Ebola erhalten Sie hier. 

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news-624 Wed, 15 Oct 2014 16:31:00 +0200 „Erst sich selbst schützen, dann helfen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/erst-sich-selbst-schuetzen-dann-helfen.html Ein Gespräch mit Klemens Ochel vom Missionsärztliches Institut Würzburg zur Ebola-Bekämpfung in Liberia Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg ist nach Liberia gereist, um die einheimischen Partnerorganisationen von Misereor im Kampf gegen das Ebola-Virus zu unterstützen.

Sein Bericht im Blog von Misereor.

Wie haben Sie sich persönlich auf den Einsatz im Ebola-Gebiet vorbereitet? Hatten und haben Sie Angst, sich anzustecken?

Klemens Ochel: Angst habe ich nicht im Sinne von Panik. Ich versuche, ganz ruhig, aber konzentriert zu arbeiten,  die „no touch“-Politik zu verfolgen und Distanz zu wahren, hinreichend Abstand zu halten, die Hände zu waschen. Für mich persönlich ist das kein besonderer Stress. Das wäre zum Beispiel eine Kriegssituation, wo immer wieder Schüsse fallen, das würde ich psychisch viel schlechter aushalten als meine Arbeit hier. Auch wenn ich im Hotspot der Epidemie arbeite, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man Kontakt zu Patienten hat.
Katastrophentourismus ist hier definitiv nicht angebracht. Steht man einem Patienten gegenüber und wahrt die Distanz von ein bis zwei Metern, dann besteht keine  Ansteckungsgefahr. Die Gefahr besteht, wenn man mit der Haut oder infektiösen Materialien in Kontakt kommt. Man muss das schon anfassen. Solange man die Distanz wahrt, kann ich diesem Menschen gegenüberstehen. Natürlich ist da trotzdem immer irgendwie ein Kribbeln im Bauch.

Wie schätzen Sie persönlich die Lage momentan ein?

Ochel: In Monrovia hatte ich bisher einmal für zwei Stunden die Gelegenheit, in einer Gemeinde einen Einblick zum Stand der Epidemie zu bekommen. Chaotisch empfinde ich es hier nicht, aber schon dramatisch: Die Zahl der Infizierten steigt weiter an und immer mehr Menschen kommen in die Behandlungszentren. Noch ist der Zuwachs nicht gestoppt.  Was sich aber abzeichnet, ist ein kleiner Silberstreif am Horizont. Die internationale Hilfe kommt jetzt  langsam an. Der Staat ist zunehmend besser organisiert in Bezug auf Ausbildungsmaterialien und Richtlinien, sodass die Lager sich langsam füllen; dass Infektionsschutzmaterialien schnell weiter verteilt werden können. Es sind jetzt mehr Plätze zur Behandlung verfügbar. Die Bilder, die wir oft im Fernsehen sehen, mit Schlangen vor den Kliniken - sie werden kürzer beziehungsweise die Menschen können zu anderen Einrichtungen gebracht werden. Noch ist das alles eine Mammutaufgabe, zum Beispiel habe ich ja von dem Gesundheitszentrum in Westpoint berichtet. Eigentlich kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Dass seit Monaten dort unter diesen Bedingungen, die wir vorgefunden haben, gearbeitet wird. Es ist für mich ein Wunder, dass da nichts passiert ist, das dort kein Fall aufgetreten ist, der zur Schließung der Klinik hätte führen müssen.
Auf diese Wunder kann man sich aber nicht einfach verlassen, die Hilfe muss nun rasch anlaufen. Eine Kollegin von einer anderen Organisation war am Wochenende hier, wir  haben zum Beispiel für das St. Joseph Krankenhaus besprochen, wie man ein Triage-System aufbaut. Sie fährt jetzt mit einem Projektantrag nach Hause – die Gelder müssen rasch freigestellt werden, damit alles laufen kann. Das kommt auch auf Misereor zu.

Die Bevölkerung wiederum ist aus meiner Sicht sehr verunsichert  und extrem traumatisiert durch beispielsweise den plötzlichen Tod in ihrer Nachbarschaft, natürlich aber auch durch die Tatsache, dass man nie weiß: wer hat es denn nun und wer nicht. So werden die Menschen auch immer ängstlicher im Umgang miteinander.

Ein tragischer Fall: Ein amerikanischer Journalist hat gesehen, wie vor einem Krankenhaus eine schwangere Frau angeliefert wurde. Sie konnte nicht mehr selbst aus dem Taxi aussteigen. Er war sehr überwältigt von dieser Situation, ist hin gelaufen und hat der Frau geholfen. Es war eine Ebola-Patientin.  Da müssen wir als Gesundheitsarbeiter den Schalter im Kopf umlegen und sagen. So tragisch es ist – es könnte immer Jemand sein, der Ebola hat (zum Beispiel wenn ich medizinische Hilfe bei einem Verkehrsunfall leisten will). Das heißt: Zunächst sich selbst zu schützen. So schmerzhaft das sein kann.

Kann durch eine aktive Fallsuche die Epidemie eingedämmt werden oder wird sie sich in weitere Nachbarländer ausbreiten? Wie wird die Epidemie weiter verlaufen?

Ochel: Es gibt keine einzige Intervention, die entscheidend ist für die Kontrolle von Ebola – jede Maßnahme muss gut ausgeführt werden und macht dann Sinn. Die Fallsuche ist nur vernünftig, wenn die Patienten, die ich entdecke, auch in Behandlung gebracht werden. Es kann nicht sein, dass da Häuser von Nachbarn niedergebrannt werden, aus Panik.
Mit aktiver Fallsuche muss sehr sensibel umgegangen werden. Das Kontrollsystem muss funktionieren – dabei spielen Krankenhäuser und Gesundheitszentren eine Rolle.

Aktive Fallsuche hieße, von Haus zu Haus zu gehen, aber das funktioniert nur, wenn auch ein Ambulanzsystem da ist, dass Betroffene abholen kann. Und das gibt es hier erst langsam.
Man kann es auch vom Ende her betrachten: Die Epidemie wird noch Monaten grassieren.

Es kann Niemand garantieren, wie weit sich die Epidemie verbreitet, ob sie auf Nachbarländer übergeht. Ich hab keinen Einblick, wie gut dort die Kontrollmaßnahmen sind; es wurde registriert, dass hier immer mehr Fälle im Südosten des Landes auftreten. Seitens  der katholischen Kirche hat man sofort ein Aufklärungs- und Unterrichtsteam in die Diözese nach Cape Palmers geschickt. Ich denke, die Kirche engagiert sich sehr, damit die Epidemie nicht überspringt.

Merken Sie persönlich einen Unterschied im Verhalten der Menschen untereinander?

Ochel: Das ist ein anderes Afrika als das, das ich kenne. Normalerweise begrüßt man sich ausführlich, es gibt besondere Rituale beim Händeschütteln, man umarmt sich. Das ist alles weg – und das ist auch gut so, solange das Virus kursiert. Es gibt die „no touch“-policy,  man begrüßt sich aus der Ferne. Das ist im Alltag völlig normal geworden.
Die Aufklärung über das Händewaschen, Kontaktvermeiden, keine Umarmungen mehr, im Gottesdient kein Friedensgruß – nur noch Distanz – kommt langsam an, die Menschen lernen, damit umzugehen und sie wissen: So kann ich sicher sein.

Dann gibt es in der Nachbarschaft plötzlich einen Todesfall. Es kommt sofort der Verdacht von Ebola auf. Die Menschen, die Ebola überleben und in ihre Häuser zurückkehren wollen, haben es sehr schwer. Die Nachbarn und Familienmitglieder haben Angst, fragen sich: Woher sollen wir wissen, ob jemand nicht mehr ansteckend ist? Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Andererseits gibt es fast eine Art Normalität: Der Markt findet statt, mit Menschengedränge und Getümmel. Man sieht Leute, die zum Strand gehen. Das Leben geht weiter, alles hat auch normale Elemente. 

Was können Hilfsorganisationen noch tun, um die Betroffenen zu unterstützen?

Ochel: Die Kontrollstrukturen entstehen jetzt, das macht den Leuten Mut und gibt Hoffnung in Liberia. Anders als in Sierra Leone, wo die Menschen zunehmend den Mut verlieren. Die Situation ist in Monrovia deutlich besser. Doch die internationalen Akteure haben die Epidemie noch nicht im Griff.
Was in der aktuellen Phase zwingend erforderlich ist, ist die Stärkung des Gesundheitssystems und der Aufbau der Kontrollmaßnahmen – von der Hausebene bis zu den Versorgungseinrichtungen. Wir in Deutschland sehen oft nur die Menschen in den Astronautenanzügen. Das ist nur ein Element einer ganzen Kette, die funktionieren muss. Ich bin Misereor sehr dankbar dafür, dass ich hier auf der Ebene der Gesundheitsdienste arbeiten kann. Auch das ist extrem wichtig. Wenn das greift und funktioniert, geht es darum, die wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Folgen der Epidemie zu bewältigen.

Wie hat Ihre Familie auf den Einsatz in Liberia reagiert?

Ochel: Meine Familie trägt das hier mit – allen voran meine Frau; das hilft und beruhigt mich. Es gibt auch Absprachen für bestimmte Szenarien. Als Gesundheitsarbeiter weiß man eben, dass man sich anstecken kann. Das betrifft nicht nur Ebola.

Aber ich halte mich ja nicht in einem Behandlungszentrum auf. Kollegen sagen mir jedoch, dass es dort leichter zu ertragen sein könnte: Man weiß, dass die Leute erkrankt sind. Man hat es mit Ebola zu tun und trägt Schutzkleidung. Schwieriger ist es da, wo man eben nicht sicher sein kann: Ist es ein Ebola-Patient oder nicht?

Was hat Sie bisher besonders beeindruckt?

Ochel: Mich haben besonders die beiden Ärzte des St. Joseph Krankenhaus berührt. Beide haben sich mit Ebola infiziert – und überlebt. Es gibt natürlich unter den Opfer Gesundheitsarbeiter, also Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Hebammen. Alle Krankenhäuser habe diese schon verloren. Das geht einem als Arzt sehr nahe. Aber gerade diese beiden Ärzte, die beindrucken mich, denn sie sind auch die treibenden Kräfte, das Krankenhaus schnell wieder zu öffnen. Heute Morgen habe ich mit einem der beiden gesprochen und er sagte: „Warum können wir nicht jetzt schon öffnen, warum muss ich bis November warten?“

Ihre große Chance besteht darin, dass sie eben nicht mehr an Ebola erkranken können. Sie werden in der Bewertung von Verdachtsfällen tätig werden, also in dem Triage-System. Und dann auch die Behandlung von Betroffenen übernehmen – die aber nicht in katholischen Einrichtungen stattfindet, sondern beim Roten Kreuz, seitens der Regierung und von Unicef.

Weitere Informationen zu Ebola und den Projekten der Mitgliedsorganisationen des Bündnisses.

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news-623 Tue, 14 Oct 2014 16:31:00 +0200 Ebola in Liberia: Hilfe ist jetzt nötiger denn je presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ebola-in-liberia-hilfe-ist-jetzt-noetiger-denn-je.html Das Bündnis bittet mit seinen Mitgliedern dringend um Spenden Zu einem intensiveren Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika rufen die Mitgliedsorganisation Misereor und das Missionsärztliche Institut auf. Die Epidemie greife weiter um sich, den Menschen müsse schnell mehr Unterstützung zuteil werden, auch psychosoziale Folgen der katastrophalen Situation müssten mitbedacht werden. Daher seien weitere Spenden dringend notwendig.
 
"Nur ein kleiner Silberstreif zeichnet sich am Horizont ab: Die internationale Hilfe kommt langsam an. Der Staat Liberia ist zunehmend besser organisiert, Infektionsschutzmaterialien wie Mundschutz, Handschuhe und chloriertes Wasser werden schneller verteilt und mehr Behandlungsplätze für Erkrankte und Kontrolleinrichtungen für Verdachtsfälle geschaffen", berichtete Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut Würzburg am Montag im Pressegespräch in der MISEREOR-Geschäftsstelle Aachen. Der Tropenarzt war vergangene Woche im Auftrag von MISEREOR nach Liberia gereist, um dort den weiteren Bedarf an Infektionsschutzmaterial gegen Ebola zu ermitteln, sowie Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen von Personal in Gesundheitseinrichtungen zu begleiten. "Die getroffenen Maßnahmen machen den Menschen in Liberia Mut und Hoffnung. Aber es muss weitergehen mit der Hilfe. Die internationalen Akteure haben die Epidemie noch längst nicht im Griff", betonte der Mediziner.

Die Zahl Neu-Infizierter steige weiterhin an, mehr Menschen strömten in die Behandlungszentren und Krankenhäuser.
Noch immer hätten 30 Prozent der Bevölkerung in Liberia überhaupt keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten. Zudem sei die Bevölkerung nach wie vor stark verunsichert und traumatisiert: Nicht nur aufgrund des plötzlichen Todes eines Familienmitgliedes, Freundes oder Nachbarn, sondern auch weil man nie sicher ist, wer mit Ebola infiziert ist und wer nicht, erklärte Ochel. Vor allem für Überlebende des Virus drohe daher Ausgrenzung und soziale Isolation. "Es ist ein anderes Afrika, das ich erlebt habe. Statt der sonst üblichen, herzlichen Umarmungen zur Begrüßung und dem Händeschütteln gilt das ständige Prinzip des Nichtberührens, das no touch!", berichtet Ochel. Schulen würden geschlossen, die Kinder müssten zu Hause bleiben. Ihnen zu erklären, sogar Eltern und Spielkameraden nicht mehr anfassen zu dürfen, sei besonders schwierig. 

"Bis die Ebola-Epidemie eingedämmt oder gar gestoppt werde, könnten noch Monate vergehen. Und danach muss die Weltgemeinschaft die Gesundheitsdienste wieder aufbauen. Sonst ist der Job nur halb getan und der Rückfall vorprogrammiert. Ebola wird dann wiederkommen", betonte Ochel.

Misereor wird sich - gemeinsam mit anderen kirchlichen Hilfswerken - weiterhin am Kampf gegen Ebola beteiligen. Ein Teil der Soforthilfe in Höhe von insgesamt 400.000 Euro wurde unmittelbar für die Bereitstellung von 130 Sets für Infektionsschutz- in den liberianischen Gesundheitseinrichtungen eingesetzt. Damit die Gesundheitseinrichtungen in Liberia - insbesondere  auf dem Land - weiter funktionieren können, sind weitere Materialien, Medikamente und vor allem eine professionelle Begleitung des Gesundheitspersonals erforderlich. Für die Koordination dieser Maßnahmen steht auch weiterhin das Mother Patern College of Health Sciences als langjähriger professioneller Partner von Misereor bereit. Zudem sind sowohl in Liberia als auch in benachbarten Ländern weitere Aufklärungsmaßnahmen für die Bevölkerung geplant.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel anerkannte die internationale Intervention gegen das Ebola-Virus, die allerdings zu spät gestartet worden sei. Das Bewusstsein über die Dimension einer solchen Epidemie sei bei Vielen noch nicht da. Dies habe Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft. Viele Spenden seien noch nicht eingegangen.
Spiegel rief deshalb dazu auf, die Hilfsmaßnahmen großherzig zu unterstützen und bat um weitere Spenden.

Weiter Informationen zum Engagement des Bündnis Entwicklung Hilft und seiner Mitglieder im Kampf gegen Ebola.  

 

Helfen Sie den Partnerorganisationen im Kampf gegen Ebola:

Spendenkonto 10 10 10
Pax Bank Aachen, BLZ 370 601 93
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Stichwort: Ebola Krise

Weitere Informationen:

- MISEREOR-Pressestelle, Barbara Wiegard, Tel. 030 44351988; Mobil: 0170 5746417, E-Mail: barbara.wiegard(at)misereor.de

Helfen Sie mit - online hier oder per Überweisung:

Stichwort: Ebola
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news-621 Mon, 13 Oct 2014 16:31:00 +0200 Ebola: Chronologie der Epidemie seit 2013 presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ebola-chronologie-der-epidemie-seit-2013.html Die Ausbreitung der Ebola-Infektion im zeitlichen Überblick 14. Januar 2016

WHO erklärt die Ebola-Epedemie für offiziell beendet

7. November 2015

Die WHO erklärt die Ebola-Ausbreitung in Sierra Leone für beendet. Guinea folgt am 29. Dezember.

3. September 2015

Nach einem erneuten Ausbruch gilt Liberia wieder als Ebola-frei. Auch in Guinea und Sierra Leone nimmt die Zahl der Neuinfektionen ab.

9. Mai 2015

Die WHO erklärt Liberia für Ebola-frei. Der (vorerst) letzte Ebola-Tote verstarb am 28. März 2015. Einige Wochen später tritt ein erneuter Fall auf.

19. Januar 2015

Im westafrikanischen Mali ist die Ebola-Epidemie zu Ende. Dies sei möglich, weil nun 42 Tage lang keine neuen Fälle der Erkrankung gemeldet worden seien.

29. Dezemebr 2014

Der erste Ebola-Fall in Schottland wird gemeldet.

13. November 2014

Die Zahl der an Ebola Verstorbenen steigt auf 5.160, es gibt 14.098 bestätigte Infektionen

Liberia hebt den Notstand auf.

11. November 2014

Mali meldet den zweiten Ebola-Toten.

25. Oktober 2014

Die Zahl der registrierten Ebola-Fälle steigt auf über 10.000.

24. Oktober 2014

Ein kleines Mädchen wurde zum ersten Ebola-Fall in Mali. Es stirbt an dem Virus. 

23. Oktober 2014

Nach seiner Rückkehr aus Guinea erkrankt ein New Yorker Arzt an Ebola.

15. Oktober 2014

Eine weitere Pflegekraft hat sich in den USA mit dem Ebola-Virus infiziert.

14. Oktober 2014

Erstmals stirbt ein Ebola-Patient in Deutschland. Ein UN-Mitarbeiter erlag den Folgen der Infektion in einer Leipziger Klinik.   

12. Oktober 2014

Erste Übertragung in den USA. Eine Pflegekraft in Texas infiziert sich bei Patient 0 der USA.

6. Oktober 2014 

1. Ebola-Fall in Europa.

1. Oktober 2014

1. Ebola-Fall in den USA-Dallas Texas.

25. September 2o14

WHO-Prognose: 20.000 Ebola-Infizierte bis Anfang November.

19. September 2014

Die UN erklärt Ebola als eine Gefahr für den Weltfrieden.

26. August 2014

Es treten zwei Ebola-Fälle im Kongo auf. Dabei handelt es sich um einen anderen Stamm als bei den Infizierten in Westafrika.

8. August 2014

Die WHO erklärt die Ebola-Epidemie zu einem "internationalen Gesundheitsnotfall".

29. Juli 2014

Sheik Umar Khan verstirbt nach der Infektion mit Ebola. 

20. Juli 2014

In Nigeria bricht ein Regierungsberater am Flughafen zusammen; er war mit Ebola infiziert.

23. Juni 2014

Warnung der Experten: Die Epidemie ist außer Kontrolle.

26. Mai 2014

Sierra Leone: Die WHO bestätigt Ebola.

25. März 2014

Liberia: Ebola ist auch dort aufgetreten.

23. März 2014

Die WHO gibt offiziell die Ebola-Epidemie bekannt.

22. März 2014

Das Ebola-Virus wird von Forschern in Lyon nachgewiesen.

12. März 2014

Ärzte ohne Grenzen erfährt von „mysteriösem Fieber“ und fordert Experten aus Europa zur Unterstützung an.

10. März 2014 

Das Gesundheitsministerium von Guinea wird über den Ebola-Verdacht informiert.

6. Dezember 2013 

Patient 0 verstirbt.

2. Dezember 2013  

Ein zweijähriges Kind aus dem Dorf Meliandou - im Südwesten Guineas in der Grenzregion zu Sierra Leone und Liberia - wird zum Indexpatienten.

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news-622 Mon, 13 Oct 2014 16:31:00 +0200 Welthunger-Index 2014: Konflikte gefährden die Ernährungssituation presse/pressearchiv/archiv-detail-view/welthunger-index-2014-konflikte-gefaehrden-die-ernaehrungssituation.html Das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe analysiert die Hunger-Situation weltweit Noch immer hungern 805 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, über zwei Milliarden Menschen sind vom „verborgenen Hunger“ betroffen; sie leiden an einer Form der Unterernährung, bei der sie zu wenig Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen. Der Welthunger-Index 2014 erscheint in diesem Jahr zum neunten Mal und widmet sich dem Schwerpunktthema „verborgener Hunger“ – rund eine Million Kinders sterben jährlich an diesem Mikronährstoffmangel. Herausgegeben wird der Index von der Mitgliedsorganisation Welthungerhilfe und vom International Food Policy Research Institute.

Mangelernährung: Hohe Gefahr für Flüchtlinge  

Der Index wurde für 120 Länder berechnet. In 14 Ländern herrschen „sehr ernste“, in zwei Ländern „gravierende“ Hungerzustände, in Eritrea und Burundi. Besorgnis erregen aber auch die Länder, in denen Konflikte herrschen und in denen es aufgrund von Flucht, Vertreibung und Bürgerkrieg zu Hungersnöten und Mangelernährung kommt. „Konflikte wie in Syrien, dem Irak oder dem Südsudan gefährden auch die Ernährungssituation in den jeweiligen Ländern“, sagt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe. „Flüchtlinge sind einer erhöhten Gefahr von Nahrungsunsicherheit, Mangelernährung und Krankheiten ausgesetzt.“

26 Länder haben den WHI-Wert verbessert

Der Bericht zeigt auch, dass der Hunger-Index in den Entwicklungsländern insgesamt seit 1990 um 39 Prozent zurückgegangen ist. 26 Länder konnten ihren WHI-Wert um die Hälfte oder mehr reduzieren; darunter Angola, Benin, Brasilien, Ghana, Kambodscha, Mali, Thailand, Peru und Vietnam.

"Der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung muss im 21. Jahrhundert mit aller Konsequenz vorangetrieben werden. Ein Ende dieser Dimension menschlichen Leidens schafft Möglichkeiten für Millionen von Menschen, ein gesundes und erfülltes Leben zu führen,“ betont Klaus von Grebmer, Forscher am International Food Policy Research Institute (IFPRI).

Weitere Informationen zum Index.

 

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news-620 Tue, 07 Oct 2014 19:38:00 +0200 IS-Kämpfer rücken weiter vor presse/pressearchiv/archiv-detail-view/is-kaempfer-ruecken-weiter-vor.html Die Flüchtlinge an der syrisch-türkischen Grenze brauchen dringend Unterstützung Auf der Flucht vor der ISDie islamistischen Milizen des sogenannten IS sind in die östlichen Bezirke der seit Wochen umkämpften kurdischen Stadt Kobane eingedrungen. Sowohl am östlichen wie westlichen Stadtrand finden erbitterte Kämpfe mit kurdischen Selbstverteidigungskräften statt. Medico-Kontakte von vor Ort berichten, dass bereits am 7. Oktober alle Zivilisten aus den betroffenen Stadtteilen evakuiert worden seien und der Grenzstreifen zur Türkei weiterhin von der kurdischen Selbstverwaltung kontrolliert werde. „Für uns geht es jetzt nicht nur darum unsere Stadt zu verteidigen, sondern auch zu garantieren, dass alle Zivilisten die Möglichkeit der Flucht an einen sicheren Ort haben“.

Flüchtlinge campieren in Parks und auf Straßen

Auf der türkischen Seite der Grenze im nahen Suruc bestätigt der lokalen Partner des Bündnis-Mitglieds medico international, dass in den letzten Tagen vermehrt Flüchtlinge aus Kobane angekommen seien. Diese werden für die ersten Nächte mit Decken versorgt, die medico in einer schnellen Hilfsaktion auf Anfrage der kurdischen Bürgermeisterin von Suruc per LKW an die Grenze bringen konnte. Die Partner berichten: „Die Flüchtlinge campieren in den Parks und auf der Straße. Sie verweigern die Aufnahme in die staatlichen Flüchtlingscamps der türkischen Regierung, da diese in ihren Augen nicht der Hilfe, sondern der Kontrolle dienen.“ Die Partner sagen aber auch: „Wir möchten betonen, dass wir zur Zeit etwas ganz anderes brauchen als Decken und Nahrungsmittel".

Alle medico-Kontakte sind nicht nur über den Beginn der Häuserkämpfe in Kobane entsetzt, sondern auch über die bislang zögerliche internationale Unterstützung für die belagerte Stadt: „Warum wird die die Türkei nicht gezwungen die Grenze für uns und für Kobane zu öffnen? Wir verlangen den freien Zugang nach Kobane für alle die tatsächlich helfen wollen, sei es die Verwundeten zu retten, sei es die Stadt gegen den islamistischen Terror zu verteidigen. Warum wird uns dieses Menschenrecht verweigert?"

Internationale Unterstützung und Nothilfe

Benötigt wird alles: Medikamente, Lebensmittel – und internationale Unterstützung. In den letzten Wochen und damit vor Ausbruch der Kämpfe gelang es medico international zusammen mit der medizinischen Kommission von Kobanê, eine Blutbank in die bedrängte Enklave zu bringen. Aber das reicht längst nicht mehr. Jetzt geht es um mehr. Es braucht Zelte, Matratzen, Decken, Lebensmittel und Medikamente für die Flüchtlinge auf der türkischen wie der syrischen Seite der Grenze; es braucht blutstillende Arzneimittel.

Mehr zu Projekten vom Bündnis Entwicklung Hilft und seiner Mitglieder im Irak und in Syrien. 

 

Spenden für die Nothilfe im kurdisch-syrischen Rojava und die Flüchtlinge

Unterstützen Sie die humanitäre Nothilfe für die kurdischen Flüchtlinge in der Türkei und kurdischen Gebiete in Syrien!

Spendenstichwort: „Rojava“
Spendenkonto:
medico international
Konto-Nr. 1800
Frankfurter Sparkasse
BLZ 500 502 01
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00 BIC: HELADEF1822

Spendeninformation Bündnis Entwicklung Hilft:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Für Rückfragen:

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news-618 Tue, 30 Sep 2014 19:38:00 +0200 Psychologische Erste Hilfe in Ebola-Gebieten presse/pressearchiv/archiv-detail-view/psychologische-erste-hilfe-in-ebola-gebieten.html Die CBM kümmert sich auch um die Verwandten von Betroffenen der Epidemie Hilfe für Ebola-BetroffeneDurch die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika sind inzwischen auch mehrere Projekte des Bündnis-Mitglieds Christoffel-Blindenmission (CBM) betroffen. Bereits als die ersten Fälle im Februar bekannt wurden, hat die CBM Schutzmaßnahmen in ihren Projekten getroffen - beispielsweise durch strenge Hygieneauflagen sowie die Aufklärung der Mitarbeiter und Bevölkerung.

Psychische Belastung durch Ebola reduzieren

Zusätzlich hat die CBM in Sierra Leone ein Projekt zur Bereitstellung psychosozialer Hilfsangebote für Verwandte von Betroffenen begonnen. Auch medizinisches Personal, das in der Ebola-Bekämpfung aktiv ist, profitiert von diesen Maßnahmen und erhält psychosoziale Unterstützung. Diese sogenannte „psychologische Erste Hilfe“ hat zum Ziel, die psychischen Belastungen der Betroffenen zu reduzieren und das Entstehen langfristiger psychischer Erkrankungen zu verhindern.

Ferner wird durch das Projekt weiteres Fachpersonal im Bereich der psychologischen Ersten Hilfe geschult – dabei insbesondere solche Personen, die mit Kindern zusammenarbeiten. In Zusammenarbeit mit der WHO und UNICEF beteiligt sich die CBM außerdem an der Erstellung von Trainingsmaterialien zu dem Thema psychologische Erste Hilfe in der Ebola-Krise. Geplant ist eine Übersetzung dieser Materialien vom Englischen ins Französische, sodass diese zeitnah auch in den französisch-sprachigen Ländern Westafrikas verwendet werden können.

Koordiniert und geleitet wird das Projekt durch die CBM-Expertin Dr. Carmen Valle. Das Gesamtbudget des Projekts beträgt EUR 58.000.

Weitere Informationen zum Engagement der CBM in Westafrika.

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Mehr zu den Maßnahmen aller Bündnis-Mitglieder in den betroffenen Gebieten im Themen-Schwerpunkt Ebola.

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news-619 Tue, 30 Sep 2014 19:38:00 +0200 Vier Millionen Hungernde im Südsudan presse/pressearchiv/archiv-detail-view/vier-millionen-hungernde-im-suedsudan.html Misereor bittet dringend um Spenden: "Bürgerkriegsland steht am Abgrund" Die Vereinten Nationen sprechen von der aktuell schlimmsten Hungerkrise der Welt. Fast vier Millionen Menschen im Südsudan seien bis mindestens Ende 2015 auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, berichten Partner von Misereor vor Ort. Das Mitglied vom Bündnis Entwicklung Hilft bittet daher dringend um Spenden.

"Das vom jahrzehntelang andauernden Bürgerkrieg geschüttelte Land steht am Abgrund", berichtet Sebastian Kämpf, der als Misereor-Berater im Südsudan arbeitet. "Zwei Millionen Südsudanesen waren schon vor Beginn des aktuellen Konflikts auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, um die kritischen Wochen und Monate vor der Erntezeit überhaupt zu überleben."

Überfälle und Plünderungen

Aufgrund der seit Dezember 2013 anhaltenden Kämpfe haben viele Bauern ihre Felder nicht mehr bestellt. Sie betreiben keine Landwirtschaft mehr aus Angst vor Überfällen und Plünderung oder weil sie aus den Krisengebieten in andere Regionen des Landes und benachbarte Staaten fliehen mussten. "In den Gebieten, die nicht von den Kämpfen betroffen sind, reichen die angebauten Nahrungsmittel gerade einmal für die Eigenversorgung aus", sagt Barbara Schirmel, Länderreferentin bei Misereor.

Vier Millionen Notleidende

Zudem erschwere die Regenzeit die Versorgung der Menschen auf dem Landweg. Da die Straßen wegen der anhaltenden Niederschläge kaum passierbar seien, müssten die Binnenflüchtlinge auch per Luftbrücke versorgt werden. Diese sei teuer: "Der Abwurf von 35 Tonnen Nahrungsmitteln aus der Luft kostet rund 80.000 Euro, der Preis für einen Liter Kerosin beträgt zurzeit etwa 2,30 Euro. Dafür ist aber nicht immer genug Geld da", so Kämpf. So wären laut dem Welternährungsprogramm der UN rund 1,8 Milliarden US- Dollar nötig, um die vier Millionen Notleidenden zu versorgen -  53 Prozent des Betrags stünden momentan jedoch erst zur Verfügung. Mehr als 1,3 Millionen Binnenflüchtlinge, die Hals über Kopf vor den Kämpfen fliehen mussten, benötigen außerdem Decken, Plastikplanen zum Schutz gegen den Regen, Moskitonetze und eine medizinische Grundversorgung.
"Falls es nicht bald zu einem dauerhaften Waffenstillstand kommt, könnte die Zahl der Hungernden weiter steigen", befürchtet Sebastian Kämpf.
 
Seit seiner Gründung im Jahr 1958 unterstützt Misereor Partnerorganisationen im heutigen Südsudan vor allem im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Angesichts der Not der Bevölkerung durch die aktuellen gewalttätigen Auseinandersetzungen verteilen Mitarbeiter in der Diözese Rumbek Nahrungsmittel, Wasserbehälter, Bettzeug und Hygieneartikel. In der Diözese Wau werden seit Juni mit Misereor-Unterstützung Nahrungsmittel vor allem an schwangere und stillende Frauen und deren Kinder verteilt  sowie Baumaterialien für den Bau von Unterkünften für Flüchtlinge bereitgestellt.

MISEREOR bittet dringend um Hilfe für die Notleidenden im Südsudan:

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Stichwort: Nothilfe Sudan/Südsudan

Weitere Informationen:

- MISEREOR-Pressestelle, Rebecca Struck, Tel: 0241 442 110, E-Mail: Rebecca.Struck(at)misereor.de
- MISEREOR - das Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche im Internet: www.misereor.de
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- Twitter: www.twitter.com/misereor

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news-617 Mon, 29 Sep 2014 19:38:00 +0200 20 Stunden bis zum nächsten Arzt presse/pressearchiv/archiv-detail-view/20-stunden-bis-zum-naechsten-arzt.html Die Welthungerhilfe baut 19 Behandlungszentren für Ebola-Patienten Aufklärung im Kampf gegen EbolaWer in einer Stadt Westafrikas an Ebola erkrankt, hat kaum eine Chance zu überleben. Aber sie besteht, theoretisch, denn immerhin gibt es Gesundheitszentren zur Behandlung der Infektionskrankheit. Sie sind zwar allesamt überfüllt, doch auf dem Land gibt es meist nichts. Wer hier erkrankt, kann sich auf den Weg in die nächste Stadt mit medizinischer Versorgung machen oder auf Heilung hoffen. Im Südosten Liberias dauert so eine Strecke schon mal 20 Stunden. Auch ein Bluttest zur Klärung, ob eine Infektion mit dem tödlichen Virus vorliegt, wird nur der Hauptstadt Monrovia durchgeführt. Das soll sich nun ändern. Die Welthungerhilfe wird in Südost-Liberia 19 medizinische Behandlungszentren für Ebola-Patienten bauen.

Die Welthungerhilfe sorgt für das tägliche Überleben

Bereits seit Wochen ist die Welthungerhilfe hier im Einsatz, verteilt in den Dörfern Handwaschanlagen, Desinfektionsmittel, Seife, Chlor und Hygienekids. Auch werden Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums in den Gemeinden geschult und Patienten in die Versorgungszentren transportiert. Familien, die unter Quarantäne  stehen, erhalten Nahrungsmitteln – die Welthungerhilfe sorgt schlicht für das tägliche Überleben.

Nach dem Bau der Behandlungszentren können dort rund 100 Patienten versorgt und von ihren gesunden Familienmitgliedern isoliert werden – eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Ebola.

Mehr Informationen im Interview mit Asja Hanano, Landesdirektorin der Deutschen Welthungerhilfe in Liberia.

Das Bündnis Entwicklung Hilft wird ausführlich über das Engagement des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe in Liberia berichten und die Fortschritte beim Einrichten der Gesundheitszentren dokumentieren. Auch über die Maßnahmen aller weiteren Bündnis-Mitglieder im Kampf gegen Ebola gibt es regelmäßig aktuelle Informationen.

Weitere Informationen unter www.welthungerhilfe.de

Ansprechpartner Pressestelle: Simone Pott
Pressesprecherin
Telefon 0228 / 22 88 -132
Mobil 0172 – 25 25 962
simone.pott[at]welthungerhilfe.de

Helfen Sie mit - online hier oder per Überweisung:

Stichwort: Ebola
IBAN: DE 7137 02050 0000 8100 100
BIC: BFSW DE33 XXX
Bank für Sozialwirtschaft 

 

 

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news-616 Thu, 25 Sep 2014 19:38:00 +0200 400.000 Euro im Kampf gegen Ebola presse/pressearchiv/archiv-detail-view/400000-euro-im-kampf-gegen-ebola.html Misereor-Hilfe soll zur langfristigen Verbesserung des Gesundheitssystems beitragen Die Bündnis-Mitgliedsorganisation Misereor plant gemeinsam mit dem Missionsärztlichen Institut Würzburg und einheimischen Partnerorganisationen umfangreiche Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen. Das Ziel: Die langfristige Verbesserung des Gesundheitssystems in den von Ebola betroffenen westafrikanischen Ländern. Misereor stellt dafür 400.000 Euro Nothilfe zur Verfügung und bittet um Spenden.

Ebola: Aus Angst vor Ansteckung nicht ins Krankenhaus

Mehr als 2.500 Tote und über 5.500 Ansteckungsfälle meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO bisher, mit etwa 20.000 Fällen wird bis Ende November gerechnet. "Das Hauptproblem der aktuellen Krise liegt in den schwach entwickelten Gesundheitssystemen in den betroffenen Ländern", sagt der Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Die Bevölkerung sei stark verunsichert, so dass Gesundheitszentren und Krankenhäuser aus Angst vor Ansteckung nicht mehr aufgesucht würden. Das Personal von Basisgesundheitseinrichtungen, an die sich die Menschen zuerst wenden, sei oftmals nicht auf einen Einsatz in Sachen Ebola vorbereitet.

Gezielte Fortbildungen zur Eindämmung der Epidemie

Die Misereor-Partnerorganisation "Mother Patern College of Health Sciences" in Monrovia, Liberia, eines der am stärksten betroffenen Länder, wird vor allem im Bereich der Aufklärung zum Schutz vor Ebola beratend tätig werden. Das renommierte Ausbildungsinstitut, das in den Jahren nach dem Bürgerkrieg in Liberia eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau funktionsfähiger Gesundheitseinrichtungen einnahm, organisiert seit einigen Wochen gezielte  Fortbildungen und beschafft die nötige Ausrüstung, um einen Beitrag zur Eindämmung der Ebola-Epidemie zu leisten. Ein Expertenteam des "Mother Patern College" reist derzeit gemeinsam mit einem amerikanischen Virologen zu den insgesamt 17 katholischen Gesundheitseinrichtungen in Liberia, um diese ebenfalls durch gezielte Trainings zu unterstützen. "Nur so kann garantiert werden, dass die Gesundheitseinrichtungen weiterhin die dringend nötigen Basisdienste anbieten und darüber hinaus einen Beitrag zur Eindämmung der Ebola-Epidemie leisten können", erklärt Bröckelmann-Simon das Vorgehen. Neben Gesundheitsfachleuten werden auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ländlichen Entwicklungsprojekten ausgebildet, um die betroffene Bevölkerung mit nötigen Informationen zum Schutz vor Ebola zu versorgen.

Gesundheitssysteme nachhaltig verbessern

Um die Handlungsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen in Liberia und auch in den Nachbarländern zu stärken, wird Misereor über das Missionsärztliche Institut nun eine Expertendelegation nach Liberia und ausgewählte Nachbarländer in Westafrika  entsenden, um weitere Gesundheits- und Entwicklungsorganisationen präventiv zu unterstützen. "Langfristig können Krisen, wie die unkontrollierte Verbreitung von Krankheiten nur verhindert werden, wenn die Gesundheitssysteme der Länder nachhaltig verbessert werden und die Regierungen auch die Verantwortung für diese Systeme übernehmen", sagt Bröckelmann-Simon. 

Misereor bittet um Hilfe für seine Partnerorganisationen im Kampf gegen Ebola:

Spendenkonto 10 10 10,
Pax Bank Aachen, BLZ 370 601 93
IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10
BIC GENODED1PAX
Stichwort: Ebola Krise

Weitere Informationen:

- MISEREOR-Pressestelle, Barbara Wiegard, Tel: 030 44351988, Mobil: 0170 5746417, E-Mail: barbara.wiegard(at)misereor.de
- MISEREOR - das Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche im Internet: www.misereor.de
- Meldungen: www.misereor.de/presse
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- Twitter: www.twitter.com/misereor
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news-613 Sun, 21 Sep 2014 19:38:00 +0200 130.000 Menschen auf der Flucht aus Syrien in die Türkei presse/pressearchiv/archiv-detail-view/130000-menschen-auf-der-flucht-aus-syrien-in-die-tuerkei.html Syrische Kurden suchen in der Türkei Schutz vor der IS, allein 70.000 Menschen flohen an nur einem Tag Der Bericht eines Mitarbeiters der Bündnis-Organisation medico international klingt erschreckend: „Überall sind die Flüchtlinge zu sehen. Wirklich überall. Biegt man in Urfa in Richtung Syrien ab, so lagern bereits 30 km vor der Grenze die Menschen am Straßenrand. In der Grenzstadt Suruc kampieren die Flüchtlinge in Parks, alle öffentlichen Gebäude und Hochzeitssäle sind geöffnet. Das kurdische Rathaus hat ein Krisentelefon eingerichtet und alle Privathaushalte aufgerufen zusätzliche Essenportionen für die Flüchtlinge zu kochen. Die Solidarität ist überwältigend, aber die Stadt alleine kann Flüchtlinge auf Dauer nicht versorgen. Wir brauchen dringend Unterstützung.“

Seitdem die Milizen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) die ländlichen Außenbezirke des kurdischen Kantonats Kobanê im syrischen Rojava angreifen, fliehen Zehntausende Kurdinnen und Kurden aus ihren Dörfern vor der Brutalität der Djihadisten in die Türkei. Die Region Kobanê liegt massiv unter Feuer. Seit Wochen schon. Jetzt aber greifen die IS die kurdische Selbstverwaltung von allen Seiten an. Seitdem die Islamisten im irakischen Mosul schwere US-amerikanische Waffen erbeutet haben, setzen sie auf eine überlegene Feuerkraft gegen die nur leichtbewaffneten kurdischen Verteidigungseinheiten – und kommen immer näher an die Stadt Kobanê heran.

Flucht und Hilfe kaum möglich

Innerhalb Syriens ist Kobanê von Westen, Süden und Osten eingekesselt. Keine Flucht und keine Hilfe sind möglich, denn jede Lieferung und jeder Weg führt durch das von Islamisten kontrollierte Territorium. Aber auch der Weg über die Türkei ist versperrt. Der NATO-Partner, an dessen Grenze Kobanê anschließt, versucht seinerseits durch massierte Truppenbewegungen an der Grenze das Geschehen in Syrien zu beeinflussen. Kurdische Flüchtlinge mussten tagelang warten, um in der türkisch-kurdischen Grenzstadt Suruc in Sicherheit gelangen zu können. Zeitgleich hindern türkische Sicherheitskräfte mit Gewalt kurdische Demonstrantinnen daran, über die Grenze zu gelangen, um bei der Verteidigung von Kobanê mithelfen zu können.

Medikamente und Lebensmittel dringend benötigt

Im belagerten Kobanê und der Grenzregion, wie auch auf türkisch-kurdischer Seite in Suruc braucht es jetzt wirklich alles: Medikamente, aber auch Lebensmittel. Letzte Woche und damit vor Ausbruch der Kämpfe gelang es medico international zusammen mit der medizinischen Kommission von Kobanê eine Blutbank in die bedrängte Enklave zu bringen. Eine Blutbank wird Leben retten. Aber das reicht nicht. Jetzt geht es um mehr. Es braucht Zelte, Matratzen, Decken, Lebensmittel und Medikamente für die Flüchtlinge auf der türkischen wie der syrischen Seite der Grenze.

Spenden für die Nothilfe im syrischen Rojava und die Flüchtlinge:

Spendenkonto
medico international
Konto-Nr. 1800
Frankfurter Sparkasse
BLZ 500 502 01
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00

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news-612 Fri, 19 Sep 2014 10:06:00 +0200 Ebola-Gebieten droht Hungerkatastrophe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ebola-gebieten-droht-hungerkatastrophe.html Die Seuche und die Folgen: Mit der Epidemie kommt der Hunger Eine aktuelle Studie des Bündnis-Mitgliedes Welthungerhilfe hat festgestellt, dass sich die Folgen der Ebola-Epidemie in Sierra Leone bis Anfang 2015 noch dramatischer auswirken könnten als bereits die Krankheit selbst. „Ab März rechnen wir hier mit gravierendem Hunger“, warnt Jochen Moninger, seit vier Jahren Landeskoordinator in Sierra Leone.

„Die Region zählt ohnehin zu einer der ärmsten der Welt. Wir müssen uns jetzt auf Nahrungsmittellieferungen in großem Umfang vorbereiten, das Gesundheitssystem verbessern, ein Frühwarnsystem einrichten“, betont Moninger. Die Lebensmittelpreise im ländlichen Raum steigen rasant, auch weil Transporte nur noch tagsüber zu bestimmten Zeiten erlaubt sind. Um die Epidemie einzudämmen, wurden ganze Dörfer isoliert, in einigen Epizentren gehen die Nahrungsmittelvorräte zur Neige. In diesem Jahr konnten nur noch rund 40 Prozent der Felder bewirtschaftet werden.

„Die Wirtschaft ist schon jetzt zusammengebrochen: Ausländische Firmen haben das Land verlassen, lokale Märkte existieren nur noch eingeschränkt. Um die weitere Ausbreitung der Epidemie zu stoppen, dürfen Handels- und Verkehrswege nicht mehr benutzt werden“, beschreibt Moninger die Situation vor Ort.

Sierra Leone verzeichnete vor dem Ausbruch der Epidemie positives Wirtschaftswachstum. Durch den externen Schock der Ebola- Epidemie, wird das Land nun erheblich in seiner Entwicklung zurückgeworfen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte der Ebola-Ausbruch Auswirkungen erreichen wie der Tsunami in Südostasien 2004, bei dem mehr als 200.000 Menschen starben.

Für Interviewanfragen steht Jochen Moninger zur Verfügung.

Virus verändert das Leben in Westafrika - Welthungerhilfe steht der Bevölkerung bei

Weiterhin arbeitet die Welthungerhilfe in Sierra Leone und Liberia mit lokalen Verwaltungen zusammen. Über sie werden die Menschen – zum Beispiel in Radiospots oder Theaterstücken – informiert, wie das Ansteckungsrisiko mit Ebola gering gehalten werden kann. Zusätzlich verteilt die Welthungerhilfe Handwasch-Stationen, Chlor und Seife an zentralen Stellen. Mehr zu den Maßnahmen.

Weitere Informationen unter www.welthungerhilfe.de

Ansprechpartner Pressestelle:

Simone Pott
Pressesprecherin
Telefon 0228 / 22 88 -132
Mobil 0172 – 25 25 962
simone.pott[at]welthungerhilfe.de

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Sie leistet Hilfe aus einer Hand: Von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit einheimischen Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Seit der Gründung im Jahr 1962 wurden mehr als 7.350 Projekte in 70 Ländern mit 2,66 Milliarden Euro gefördert – für eine Welt ohne Hunger und Armut.

 

Helfen Sie mit - online hier oder per Überweisung:

Stichwort: Ebola
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news-611 Tue, 16 Sep 2014 21:58:00 +0200 Der WeltRisikoBericht 2014: So verwundbar sind einzelne Länder und städtische Räume presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-weltrisikobericht-2014-so-verwundbar-sind-einzelne-laender-und-staedtische-raeume.html Schnelles Wachstum von Städten erhöht Risiken für Naturgefahren und Klimawandel Der WeltRisikoBericht 2014Welchen Einfluss hat Urbanisierung auf die gesellschaftliche Verwundbarkeit gegenüber Naturgefahren? So lautet nur eine der wichtigen Fragen, die der WeltRisikoBericht 2014 beantwortet. Am 16. September wird die neue Ausgabe veröffentlicht, herausgegeben vom Bündnis Entwicklung Hilft - Gemeinsam für Menschen in Not e.V.  und dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen.

Rasante Urbanisierung

Projektleiter Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft, bilanziert: „Das Wachstum der Weltbevölkerung erfolgt in Städten. In nur sieben Ländern konzentriert sich mehr als die Hälfte der rasanten Verstädterung. Indien und Pakistan, aktuell wieder von einer schweren Katastrophe betroffen, gehören dazu.“ Während in den Industrieländern eher die ländliche Region unter der Zugkraft der Städte leide, stelle ein massives urbanes Bevölkerungswachstum die Metropolen vieler Entwicklungsländer vor Probleme. Mucke betont: „Der WeltRisikoBericht 2014 zeigt, dass Menschen in Städten oftmals sicherer leben als auf dem Land. Die Zunahme extremer Wetter-Ereignisse und der Meeresspiegelanstieg erhöhen den Handlungsdruck für Städte massiv, insbesondere für Küstenstädte.“

Der WeltRisikoIndex 2014

Der WeltRisikoIndex bewertet das Katastrophenrisiko einzelner Länder durch eine kombinierte Analyse von Naturgefahren und gesellschaftlichen Zuständen. Dabei liegen die Länder mit dem höchsten Risiko auf den Plätzen 1 bis 3 der insgesamt 171 untersuchten Länder: Vanuatu, die Philippinen und Tonga. Deutschland liegt auf Platz 147.

„Extreme Naturereignisse müssen nicht unbedingt zu Katastrophen werden. Der WeltRisikoBericht 2014 basiert darauf, dass sich Katastrophenrisiken immer aus zwei Komponenten zusammensetzen: der Exposition bzw. Gefährdung gegenüber Naturgefahren und der gesellschaftlichen Vulnerabilität, also sozialen Strukturen und Prozessen in einem Land“, sagt PD Dr. Jörn Birkmann von der Universität der Vereinten Nationen, der die wissenschaftliche Studie leitet. „Zudem zeigt der aktuelle Bericht, dass zwei globale Trends – Urbanisierung und Klimawandel – Risiken in zahlreichen Ländern erheblich verändern. Das rapide Wachstum von Städten ist dabei in einigen Ländern ein deutlicher Motor, der Risiken erhöht, in anderen Ländern kann das Städtewachstum allerdings auch zu einer Reduzierung von Risiken gegenüber Naturgefahren beitragen“, sagt Birkmann.

Im Zentrum der Analyse des Weltrisikoindexes stehen folgende Fragen:

• Wie wahrscheinlich ist ein extremes Naturereignis und trifft es auf Menschen?
• Wie verwundbar sind die Menschen durch die Naturgefahren?
• Inwieweit können Gesellschaften die Katastrophen bewältigen?
• Gibt es Vorsorgemaßnahmen gegenüber zu erwartenden Naturgefahren?

Risikoraum Stadt

Mit dem Schwerpunktthema „Risikoraum Stadt“ betrachtet der WeltRisikoBericht in diesem Jahr die Vulnerabilität und Exposition von urbanen Räumen gegenüber Naturgefahren sowie die daraus resultierenden Herausforderungen und politischen Konsequenzen. Urbanisierung wird meist als bedrohlich interpretiert. Doch durch die Erreichbarkeit vieler Menschen auf relativ geringer Fläche könnte es oftmals sogar besser gelingen, die Versorgung der Menschen zu sichern und ihre Verwundbarkeiten zu verringern.

Besonders verwundbar sind schnell wachsende Städte. Der enorme Zuwachs an Menschen führt zur Bildung informeller Siedlungen und von Slums – oftmals in Gebieten, die Naturgefahren gegenüber besonders exponiert sind: an Flussufern oder in Hanglagen. Beispiele hierfür sind Shanghai, Jakarta und Rio de Janeiro. Das Fatale: Hohe und sehr hohe Wachstumsraten urbaner Räume gibt es überwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern. 22 der 34 Städte mit einem Wachstum von über vier Prozent befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent. Die Großstadt mit dem höchsten Bevölkerungswachstum weltweit ist Ouagadougou in Burkina Faso mit mit 6,13 Prozent.

Hinweise an die Redaktionen:

• Den vollständigen Bericht finden Sie ab dem 16.9.14, 12 h, zum Download unter www.WeltRisikoBericht.de und http://ehs.unu.edu/article/read/worldriskreport2014.
• Druckfähige Bilder, Infografiken und Kartenmaterial werden auf Anforderung gerne zur Verfuegung gestellt.
• Wir schicken Ihnen gern eine gedruckte Fassung des Weltrisikoberichts 2014 und älterer Ausgaben zu. Bitte schicken Sie uns eine E-Mail an: presse(at)entwicklung-hilft.de.
• Für telefonische oder persönliche Gespräche stehen unsere Autoren Ihnen gern zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie die Pressestellen.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Melanie Huber, Tel.: +49 (0) 30 / 278 77 393 

E-Mail: presse(at)entwicklung-hilft.de
Twitter: twitter.com/beh_spenden

Universität der Vereinten Nationen - Pressestelle
Janine Kandel, Tel: + 49 (0) 228 / 815 - 0256
E-Mail: kandel(at)vie.unu.edu
Twitter: twitter.com/UNUEHS
Facebook: www.facebook.com/unuehs?ref=hl

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) befasst sich mit Risiko- und Verwundbarkeitsaspekten menschlicher Sicherheit und den Konsequenzen komplexer Naturgefahren und des globalen Wandels.

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news-610 Mon, 15 Sep 2014 21:58:00 +0200 Millionen Menschen flüchten vor Fluten in Indien und Pakistan presse/pressearchiv/archiv-detail-view/millionen-menschen-fluechten-vor-fluten-in-indien-und-pakistan.html Nach den Überschwemmungen steigt die Seuchengefahr Auch die Mitglieder vom Bündnis Entwicklung Hilft leisten mit ihren Partnern vor Ort Hilfe in Indien und Pakistan.

Misereor bewilligt umfangreiche Hilfsmaßnahmen

Angesichts der schlimmsten Überschwemmungskatastrophe in der Region Kaschmir seit einem Jahrhundert, hat Misereor 175.000 Euro für Soforthilfemaßnahmen zur Verfügung gestellt und bereitet zugleich Wiederaufbau- und Reha-Maßnahmen in Höhe von 895.000 Euro vor, die u.a. mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert werden sollen. Darüber hinaus appelliert MISEREOR an die Regierungschefs beim Sondergipfel in New York, sich die Not der betroffenen Menschen in Kaschmir konkret vor Augen zu führen.

"Diese Jahrhundert-Katastrophe zeigt uns kurz vor dem Gipfel in New York noch einmal das erschreckende Ausmaß des Klimawandels", erklärt der Leiter der Asien-Abteilung bei MISEREOR, Ulrich Füßer. Sowohl im indischen als auch pakistanischen Teil von Kaschmir ist die Lage dramatisch. Insgesamt sind in beiden Ländern zwei Millionen Menschen auf der Flucht. Einzelne indische Distrikte wie Srinagar sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Die Millionenstadt Srinagar steht zu über 30 Prozent unter Wasser, 70 Prozent der 1,2 Millionen Bewohner sind von der Flut betroffen. Sämtliche Krankenhäuser stehen unter Wasser und die ganze Stadt ist vollständig von Hilfsmöglichkeiten über Land abgeschnitten.

Der Misereor-Partner IGSSS (Indo-Global Social Service Society) wird vor Ort Nothilfepakete für über 15.000 Haushalte in 60 Dörfern in den Distrikten Srinagar, Bandipara und Baramulla und in zehn Stadtvierteln von Srinagar verteilen. Darin enthalten sind Trockennahrung, Desinfektionsmittel, Decken, Solarlampen, Küchensets und Schulmaterialien. Auf pakistanischer Seite organisiert der Misereor-Partner "Godh" die Verteilung von Lebensmittelpaketen, Hygieneartikel und Moskitonetze für ca. 300 Familien (2.000 Menschen) in den betroffenen Dörfern der Distrikte Narowal und Sialkot im nördlichen Punjab.

"Über die dramatische humanitäre Situation hinaus, werden die Beseitigung der Schäden und der Wiederaufbau Jahre dauern", so Füßer. "Die Ernten sind vernichtet, fruchtbares Ackerland weggespült, Vieh ertrunken. Ein Teil des Landes wird vermutlich die nächsten Jahre nicht zu bewirtschaften sein". Auch in diesem Bereich wird IGSSS schon jetzt beginnen, die betroffenen Menschen mit Saatgut, Ziegen, Geflügel und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, sowie weiteren Starthilfen für einen nachhaltigen Wiederaufbau zu unterstützen.

Misereor ist in den letzten Jahren in zunehmendem Maße gefordert, die Menschen in den vom Klimawandel besonders betroffenen Regionen bei der Bewältigung der Schäden zu unterstützen. Die Monsunregenfälle werden in Indien und Pakistan zwischen September und November immer stärker. Der internationale Weltklimarat prognostiziert auch für die Zukunft weitere Anstiege und in Folge immer stärkere Überflutungen. "Die aktuellen Überschwemmungen in Kaschmir sind ein erneutes Warnsignal und ein Weckruf nach New York, dem Klimaschutz höchste Priorität einzuräumen. Klimaschutz ist nichts anderes als vorrausschauende Katastrophenvorsorge", so Füßer.

MISEREOR bittet um Hilfe für die notleidenden Menschen in der Region Kaschmir

Stichwort: Flut Kaschmir
Spendenkonto 10 10 10, Pax Bank Aachen, BLZ 370 601 93, IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10, BIC GENODED1PAX

Nothilfe von medico international

Unsere Mitgliedsorganisation medico international unterstützt ihrer Partner in Indien und Pakistan mit 20.000 Euro Nothilfe.

In der Provinz Sindh hat durch die Deichbrüche am Chenab (Nebenfluss des Indus) der Druck auf den Indus abgenommen; die akute Gefahr für Deichbrüche ist im Sindh vorerst abgewendet. Je nach der weiteren Entwicklung kann sich die Lage aber auch wieder zuspitzen, so dass für den Sindh noch keine Entwarnung gegeben werden kann. Bisher ist nur das nicht eingedeichte Uferland (katsha area) überschwemmt worden, die Bewohner wurden vorher evakuiert. Sollte es noch zu größeren Überflutungen im Sindh kommen, kann und wird der medico-partner HANDS dort unmittelbare Nothilfe leisten.

In der Provinz Punjab ist die Situation dramatisch. Nach ersten Akutmaßnahmen plant HANDS jetzt, ein Relief Item Package an 10.000 Familien (ca. 60.000 bis 70.000 Menschen) zu verteilen. Das Paket beinhaltet u.a. Notunterkünfte, Wasserfilter und Solarlampen. HANDS hat mittlerweile im Punjab zwei Regionalbüros aufgebaut; von hier aus wird die Hilfe koordiniert. Sie soll in zwei Distrikten in Zentral-Punjab und in zwei Distrikten in Süd-Punjab stattfinden.

Spenden an medico international 

Soforthilfe der Kindernothilfe

Die Kindernothilfe hat 150.000 Euro Soforthilfe für die Opfer der Flut im Nordosten Pakistans zur Verfügung gestellt. Mehrere hundert Menschen sind laut Angaben der pakistanischen Regierung bereits gestorben. Insgesamt sind 1,8 Million Menschen von den massiven Überschwemmungen betroffen. Am meisten leiden die Kinder und die ärmsten Bevölkerungsschichten.

Außergewöhnlich starke Monsunregen lassen die großen Flüsse aus den Gebirgen in Kaschmir mit gewaltigen Wassermassen im Nordosten Pakistans über die Ufer treten. Betroffen sind erneut besonders die ärmsten Regionen des Landes. Die Kindernothilfe ist seit vielen Jahren in dem Gebiet tätig und verfügt hier über sehr gute Partnerorganisationen, die umgehend Nothilfe besonders für die Kinder leisten können.

Die Kindernothilfe bittet für die Soforthilfemaßnahmen um Spenden.

Konto:
Kindernothilfe e.V.
Bank für Kirche und Diakonie eG (KD-Bank)

Zwecknummer: 7649

IBAN: DE92 3506 0190 0000 4545 40

Kontakt:
Christian Herrmanny, stellv. Pressesprecher
Christian.herrmanny(at)knh.de
Tel.: 0203.7789-242
Mobil: 0178.2329667

Nothilfe der Christoffel-Blindenmission

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) hat in der letzten Woche in Nord-Indien mit der Durchführung von Nothilfe-Maßnahmen begonnen. Über den Partner "Emmanuel Hospital Association (EHA)" werden Lebensmittel und Non-Food-Items an 500 Haushalte in zehn Dörfern in der Gegend um die Stadt Balrampur verteilt. Weiterhin führt EHA in dieser Region Gesundheits-Camps durch, um die dortige Bevölkerung mit Basis-Gesundheitsdiensten zu versorgen, da es beispielweise durch verunreinigtes Trinkwasser bereits zum einem höheren Auftreten von Magen-Darm-Erkrankungen gekommen ist. Die Maßnahmen in dieser Region sollen für 1,5 Monate durchgeführt werden und umfassen ein Budget von 30.000 Euro.

Mitte dieser Woche soll ein weiteres Projekt mit EHA im  Distrikt Anantnag beginnen. Der Fokus dieses Projekts wird auf der medizinischen Versorgung der lokalen Bevölkerung liegen. Zusätzlich sollen Decken und Kleidung verteilt werden. Das Projekt soll drei Monate dauern und wird ein Budget von circa 140.000 Euro haben.

In den betroffenen Gebieten in Pakistan (insbesondere im Osten der Provinz Punjab) führt die CBM mit den lokalen Partnern zurzeit ein Nothilfe-Assessment durch und wird ggf. in Kürze auch dort mit Nothilfemaßnahmen beginnen.

Weitere Informationen:

Oliver Neuschäfer
Nothilfe Koordinator/ Emergency Coordinator
Programme & Internationale Kooperation/ Programmes & International Cooperation

Telefon/Phone: +49 6251 131-160
Mail: oliver.neuschaefer(at)cbm.de

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news-609 Thu, 04 Sep 2014 21:58:00 +0200 Gaza: Auf den Waffenstillstand folgt die Wiederaufbauhilfe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/gaza-auf-den-waffenstillstand-folgt-die-wiederaufbauhilfe.html Das Bündnis Entwicklung Hilft bringt den Menschen mit neuen und bewährten Projekten Hoffnung Die psychosoziale Behandlung von Kindern in Gaza

Brot für die Welt hilft mit Partnern in Gaza und Israel

Die Partnerorganisation TDP (Theater Day Production) macht schon seit langen Jahren Theaterarbeit im Gazastreifen. Nun haben die Mitarbeiter angesichts der aktuellen Lage ihre Aktivitäten im Gazastreifen umgestaltet. Zum ersten Mal beteiligen sie sich an Nothilfemaßnahmen, indem sie in den UN-Schulen für palästinensische Flüchtlinge Lehrern theaterpädagogisches Wissen vermitteln. Das Wissen und die Theaterarbeit mit den Kindern sollen helfen, das Geschehene zu verarbeiten und dauerhafte Traumata zu verhindern. Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge hat laut Mitarbeitern von TDP bereits angekündigt, zwei Wochen Theaterarbeit in den Schulen durchzuführen und erst später mit dem Schuljahr zu beginnen, denn die psychologische Unterstützung der Kinder und ihre Gesundheit stehe an erster Stelle.
 
Da das Gesundheitssystem in Gaza vielerorts weitreichend zerstört wurde und es noch immer zahlreiche Verletzte gibt, ist die Behandlung von Schwerstkranken beinahe unmöglich. In Jerusalem engagiert sich das Auguste Viktoria Krankenhaus bei der Versorgung von Schwerkranken aus dem Gazastreifen, die dort nicht mehr behandelt werden können. Dabei steht die lebensrettende Versorgung durch spezialisierte Therapien in der Krebs- Diabetes- und Kinderabteilung im Vordergrund. Das Krankenhaus geht davon aus, dass es sechs Monate dauern wird, bis die Tumor-Erkrankten aus dem Gaza-Streifen, deren Behandlung durch den Konflikt unterbrochen wurde, wieder in den normalen Behandlungslauf zurückzuführen. Das Krankenhaus wird vom Lutherischen Weltbund betrieben, der ein langjähriger Partner von Brot für die Welt ist.

Hilfe leisten mit Brot für die Welt

 

Die CBM startet mit zwei neuen Projekten

Nach heftigen Regenfällen im Himalaja-Gebirge stehen in Indien und Pakistan ganze Landstriche unter Wasser. Hunderte von Menschen verloren in den Fluten ihr Leben. Etwa eine halbe Million Flutopfer sind dringend auf Hilfe angewiesen. Dafür stellt die Christoffel-Blindenmission (CBM) in einem ersten Schritt 170.000 Euro Nothilfe-Gelder bereit. Um die Ausbreitung von Seuchen einzudämmen, brauchen die Menschen vor allem sauberes Trinkwasser. Die CBM-Partner haben deshalb bereits in der vergangenen Woche Kanister und Tabletten zur Wasserreinigung verteilt.

Dominique Schlupkothen arbeitet im CBM-Regionalbüro in Indien: „Die Situation ist katastrophal, viele Gegenden sind noch immer nicht erreichbar. Unsere Projektpartner kümmern sich vor allem um die medizinische Versorgung und dabei speziell um Menschen mit Behinderungen.“ Mitte der Woche startet ein medizinisches Nothilfe-Team der CBM im nordindischen Anantnag-Distrikt. Ärzte und Krankenschwestern werden in den kommenden drei Monaten Medikamente verteilen, Betroffene gegen Darmerkrankungen behandeln und zusätzlich warme Kleidung und Decken ausgeben.

Darüber hinaus versorgt der indische CBM-Partner, die Emmanuel-Hospital-Gesellschaft, rund 500 Familien mit behinderten Angehörigen im Osten des Bundesstaats Uttar Pradesh. Sie sollen so schnell wie möglich sauberes Trinkwasser und Lebensmittel sowie Zelte und Desinfektionsmittel bekommen.

Menschen mit Behinderungen besonders bedroht

Die Unterstützung von blinden, hörgeschädigten oder körperbehinderten Menschen ist bei Katastrophen besonders wichtig, da sie im Chaos häufig übersehen oder vergessen werden: Sie können sich nicht so leicht in Sicherheit bringen und sind vielfach darauf angewiesen, dass die Hilfe zu ihnen kommt. Damit niemand vergessen wird, stimmt sich der CBM-Partner eng mit den örtlichen Behörden ab.
Auch in Pakistan prüfen die CBM-Partner zurzeit, wie sie den Opfern der Flut helfen können.

Die CBM bittet um Unterstützung

Die CBM arbeitet mit lokalen Partnern und kann so auch im Katastrophenfall schnelle und unbürokratische Hilfe leisten. Wo zuvor Augen operiert oder Gehilfen angepasst wurden, werden dann zum Beispiel Nahrungsmittel ausgegeben. Dabei achtet die CBM speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen.
Für die Hilfsmaßnahmen ruft die CBM zu Spenden auf unter dem Kennwort „Nothilfe Flut“, Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00.

Mehr Informationen zur Nothilfe der CBM finden Sie hier.

Spenden für Projekte des BEH-Partners CBM in Gaza.

 

Nothilfe von Misereor in Gaza

PMP leistet Nothilfe für MisereorDer Misereor-Partner Pontifical Mission for Palestine (PMP) versorgt Schwerverletzte mit Medikamenten und verstärkt die psychosoziale Betreuung für traumatisierte Kinder. Misereor hat bereits für diese medizinische Hilfe (Medikamente, Krankenhausbedarf, Treibstoff für Krankenhaus-Generatoren) und therapeutische Hilfe - insbesondere für die traumatisierten Kinder - 50.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Jetzt, nach dem Waffenstillstand, offenbart sich erst das ganze Ausmaß der Zerstörung: Nach ersten Angaben von UN-OCHA sind seit Beginn des Krieges über 10.000 Palästinenser verletzt und über 17.000 Häuser zerstört worden. Eine halbe Millionen Schüler können derzeit nicht wieder am Schulunterricht teilnehmen, da die Schulgebäuden zum großen Teil als Notunterkünfte dienen. Der Misereor-Partner PMP wird weitere Bestandsaufnahme der Schäden, der Verletzten und des medizinischem Bedarfs erstellen, um die Nothilfe auszuweiten. Wenn die Schulen wieder öffnen, kann auch die psychosoziale Hilfe dort beginnen. Misereor wird je nach Bedarf die Unterstützung für die Nothilfeleistungen von PMP erhöhen.

Mehr Informationen zur Nothilfe von Misereor finden Sie hier.

Spenden für Projekte des BEH-Partners Misereor in Gaza.

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news-606 Tue, 02 Sep 2014 21:58:00 +0200 Weltrisikobericht 2014: Einladung zur Pressekonferenz presse/pressearchiv/archiv-detail-view/weltrisikobericht-2014-einladung-zur-pressekonferenz.html Der diesjährige Bericht beinhaltet neben dem WeltRisikoIndex für das Jahr 2014 das Thema Risikoraum Stadt. Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit laden wir Sie herzlich zur Vorstellung des Weltrisikoberichts 2014 ein.

Am: Dienstag, 16. September 2014 um 11 Uhr

Wo: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 107, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin

Wer: Als Gesprächspartner stehen Ihnen folgende Experten zur Verfügung:

• PD Dr. Jörn Birkmann, Wissenschaftliche Leiter WeltRisikoIndex, Universität der Vereinten Nationen, Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit
• Herr Michael Kühn, Referent für Klimapolitik bei der Welthungerhilfe
• Herr Peter Mucke, Geschäftsführer Bündnis Entwicklung Hilft
• Dr. Torsten Welle, Leitautor des Weltrisikoindex, Universität der Vereinten Nationen, Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit

Hintergrund

Der diesjährige Bericht beinhaltet neben dem WeltRisikoIndex für das Jahr 2014 das Thema Risikoraum Stadt. Der Weltrisikoindex errechnet dabei das Katastrophenrisko für 171 Ländern und zeigt globale Hotspots auf. Die Risikoanalyse betrachtet dabei nicht ausschließlich wie oft und wie stark ein Naturereignis (z.B. ein Erdbeben) Menschen bedroht, sondern auch die Verwundbarkeit von Gesellschaften - also beispielsweise die Lebensverhältnisse von Menschen in einem Land.

Neu ist in diesem Jahr die Berechnung des Katastrophenrisikos für urbane Räume in 140 Ländern. Schnell wachsende Städte, die sich in Ländern mit hoch gefährdeten urbanen Räumen befinden, laufen dabei Gefahr, ihr Katastrophenrisiko zu erhöhen.

Eine rapide Urbanisierung führt dazu, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städte leben werden; aber längst nicht alle Städte sind für diesen Zuwachs ausgerichtet. Wenn Stadtplanung keine zentrale Rolle eingeräumt wird, besteht in schnell wachsenden Städten die  Gefahr, dass sich Slums und informelle Siedlungen ausweiten. Es sind aber genau diese Räume, in denen Menschen sehr verwundbar sind und gleichzeitig besonders Naturgefahren ausgesetzt sind, wie z.B. Favelas in Hanglagen von Rio de Janeiro.

Besondere Beachtung bedürfen die Länder, die sowohl im Weltrisikobericht wie auch in der urbanen Risikoanalyse als sehr risikobehaftet eingestuft werden. Dazu gehören z.B. die Philippinen, Bangladesch aber auch Costa Rica und El Salvador.

Bitte teilen Sie uns per E-Mail an presse(at)entwicklung-hilft.de mit, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten und ob Sie im Anschluss Interesse an einem persönlichen Gespräch mit den Experten haben. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.


Mit besten Grüßen

Melanie Huber, stellv. Geschäftsführerin Bündnis Entwicklung Hilft und Pressesprecherin     

Janine Kandel, Leitung der Kommunikationsabteilung Universität der Vereinten Nationen

Hinweise an Redaktionen:
Sollten Sie nicht an unserer Pressekonferenz teilnehmen können, vermitteln wir Ihnen gerne persönliche und telefonische Gesprächstermine unter Speerfreist mit unseren Experten.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Melanie Huber
Tel.: +49 (0) 30 / 27877 - 393 

E-Mail: presse[at]entwicklung-hilft.de


Universität der Vereinten Nationen - Pressestelle
Janine Kandel
Tel: + 49 (0) 228 / 815 - 0256
E-Mail: kandel[at]vie.unu.edu

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) befasst sich mit Risiko- und Verwundbarkeitsaspekten menschlicher Sicherheit und den Konsequenzen komplexer Naturgefahren und des globalen Wandels.

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news-607 Tue, 02 Sep 2014 21:58:00 +0200 Aktuelles zur Situation der Flüchtlinge im Irak und in Syrien presse/pressearchiv/archiv-detail-view/aktuelles-zur-situation-der-fluechtlinge-im-irak-und-in-syrien.html Die humanitäre Hilfe der Mitglieder des Bündnisses Entwicklung Hilft: gezielt, partnerschaftlich, vorausschauend Flüchtlinge im kurdischen Gebiet des Irak (c) ACTED

Die Kindernothilfe hilft syrischen Kindern im Libanon

Kinderschutzzentren bieten über ein non-formales Bildungsangebot eine Alternative für die noch nicht eingeschulten Kinder und Jugendlichen. Außerdem ermöglichen die Zentren es unserem Partner AMURT, einen engeren Kontakt zu den Jungen und Mädchen und ihren Familien herzustellen.
AMURT Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wurden in Kindesschutz, sowie im Aufbau und in der Umsetzung von Kinderschutzzentren geschult.

Drei Kinderschutzzentren mit insgesamt 100 Plätzen wurden inzwischen im Chouf Distrikt aufgebaut. Dabei wurden Bildungsangebote entwickelt, die sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientieren. Traumatisierte Kinder und Jugendliche werden hier psychosozial betreut. Darüberhinaus finden regelmäßige Treffen zwischen Mitgliedern der Gastgemeinden und Flüchtlingsfamilien statt.

Die Füchlingshife von Misereor

Im Kontext des Syrien-Konflikts setzt Misereor Mittel in Höhe von insgesamt 4,46 Millionen Euro für die Hilfe der notleidenden Menschen in Syrien, Jordanien, Irak und Libanon ein. Allein 300.000 Euro wurden jetzt zusätzlich für die Versorgung der irakischen Flüchtlinge, die vor den IS-Kämpfern geflohen sind, zur Verfügung gestellt.

„Die uns zur Verfügung stehenden Mittel für die Krisenregion reichen aber momentan nicht mehr aus, um unsere Partnerorganisationen im Nordirak in der notwendigen Weise zu unterstützen - wir müssen ja auch an die Hilfe für die nach wie vor dort befindlichen Syrienflüchtlinge denken", erklärt Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. In den vergangenen anderthalb Jahren flossen insgesamt 1,47 Millionen Euro an Misereor-Mitteln in die  Flüchtlingshilfe im Nordirak - größtenteils zugunsten von Menschen aus Syrien.

Die Flüchtlinge befinden sich aktuell in einer äußerst prekären Lage. Sie leiden unter großer Hitze und Trockenheit, doch bereits jetzt müssen erste Vorkehrungen für den kommenden Winter getroffen werden, der im kurdischen Autonomiegebiet des Iraks sehr kalt werden kann. "Derzeit campieren viele Menschen unter freiem Himmel auf Matratzen", berichtete Bröckelmann-Simon. "Andere haben sich aus Planen und Paletten mehr als notdürftige Behausungen gebaut." Etlichen der Flüchtlinge fehle es an fast allem, sie haben sich oft nur mit den eigenen Kleidern am Leib, vielfach ohne Schuhe, in Sicherheit gebracht. Nicht selten wurde ihnen auf der Flucht an Straßensperren von IS-Terroristen alles Geld geraubt. "Notwendig ist es, schon heute winterfeste Unterkünfte in Form von Containern zu errichten und die Menschen bald mit warmer Kleidung, Decken und einfachen Heizgeräten auszustatten", sagte Bröckelmann-Simon. Wichtig sei zudem umfassende Hilfe für Kinder und Jugendliche, die die Möglichkeit zum Schulunterricht und auch das dazu erforderliche Lehrmaterial erhalten müssten. In den Flüchtlingslagern befinde sich auch eine Reihe von Lehrerinnen und Lehrern, die für diesen Unterricht eingesetzt werden könnten. "Auch mit Blick auf die traumatischen Erlebnisse der Kinder und ihrer Eltern, die Gewaltbilder in ihren Seelen, brauchen die Menschen Beistand und Heilung", so Bröckelmann-Simon. Hier liegt schon seit Jahren ein besonderer Schwerpunkt der Misereor-Hilfe im Irak.

Weitere Informationen auf der Webseite von Misereor

 

Das Engagement der Welthungerhilfe

Die Vereinten Nationen befürchten, dass sich die Versorgungslage in Aleppo in den kommenden Monaten dramatisch verschlechtert, sobald die Stadt durch die militärischen Auseinandersetzungen abgeriegelt wird. Die Welthungerhilfe wird deshalb in den kommenden Tagen etwa 10.000 Nahrungsmittelpakete in die Stadt bringen, die jeweils als Monatsration für eine Familie dienen. Im Ernstfall stehen dann überlebenswichtige Güter zur Verfügung. Außerdem werden im Gouvernat Al Hassakeh irakische Flüchtlinge versorgt, die nach Syrien geflüchtet sind. Viele kamen in Newroz oder in der Stadt Qamishli unter. Die Welthungerhilfe wird über die lokalen Partner 4.200  Nahrungsmittelpakete und 4200 Hygienepakete an die Flüchtlingsfamilien verteilen.

Hier ein Film, der ein Bild von der Situation vor Ort bietet: Zu Besuch in der türkischen Kleinstadt Karkamis - nur fünf Kilometer vom Grenzübergang Jarabulus in Syrien entfernt. Ein paar Kilometer weiter gehören viele der zerschossenen syrischen Dörfer und Städte nun zum Machtbereich der islamistischen Gruppe ISIS. Erst vor wenigen Tagen haben sie in der Grenzregion den islamischen Staat ausgerufen. Immer mehr Flüchtlinge suchen daher Schutz in der Türkei.

Ganze Zelt- und Containerstätte prägen das Gebiet rund um Karkamis. Praktisch alle Flüchtlingslager sind voll. Neuankommende Flüchtlinge finden daher nur noch Unterkunft bei türkischen Gastfamilien. Erfahren Sie hier, wie wir den syrischen Flüchtlingen in der Türkei auch außerhalb der Camps helfen!

Mehr Infos bei der Welthungerhilfe.

Hinweis an die Medien:

Wir vermitteln Ihnen gern kompetente Ansprechpartner vor Ort. Wenden Sie sich bitte an presse[at]entwicklung-hilt.de

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news-605 Tue, 19 Aug 2014 21:58:00 +0200 Reisebericht Nordirak und Syrien presse/pressearchiv/archiv-detail-view/reisebericht-nordirak-und-syrien.html Zwei Nahost-Experten haben sich aufgemacht, die Situation der Flüchtlinge im Nordirak und in Syrien vor Ort zu begutachten. Wir berichten an dieser Stelle über ihre Eindrücke, Gedanken und Wünsche. Geplant war der Abflug für Mittwoch, den 20.8. Doch dann ging alles plötzlich ganz schnell. Bereits am Montag stiegen Martin Glasenapp und Wilhelm Hensen vom Bündnis-Mitglied medico international in den Flieger Richtung Sulaimaniyya, Irak. Der Nahost-Referent und der Nothilfe-Koordinator werden diverse Flüchtlingslager besuchen und sich so ein Bild davon machen, wie den Menschen tatsächlich geholfen werden kann. 

Der geplante Reiseverlauf:
Ankunft in Sulaimaniyya. Sulaimaniyya ist mit 807.614 Einwohnern die zweitwichtigste Stadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Sie liegt östlich der Hauptstadt der Region Kurdistan Arbil im Nordosten des Irak. 
Besuch: Flüchtlingslager nahe Khanaquin. Projekt mit Haukari/KHF/Khanzad - 30 Kilometer weiter in Jalawlabefinden sich die IS-Stellungen.
Weiter nach: Erbil und ins syrisch-kurdische Rojava.

Das Bündnis Entwicklung Hilft steht via Smartphone und WhatsApp in direktem Kontakt mit den Experten. An dieser Stelle werden ihre Gedanken und Eindrücke dokumentiert.

WhatsApp aus dem Irak   

27.8., 11:03 h

Martin Glasenapp hat aktuell keine Möglichkeit mehr, online zu gehen und so neue Informationen zu schicken. Wir veröffentlichen von daher ein Interview, das er vorgestern der Süddeutschen Zeitung gegeben hat.

"Wir gehören alle zusammen"

Ihnen droht Versklavung, Folter, Tod: 500 000 Menschen sind im Irak auf der Flucht vor Milizen des selbsternannten "Islamischen Staats". Ein Gespräch mit Medico-Mitarbeiter Martin Glasenapp über unvorstellbares Leid, hilfsbereite Studenten und Plakate, die Mut machen.

Von Felix Hütten

SZ.de: Mitte August waren Zehntausende jesidische Flüchtlinge tagelang im Sindschar-Gebirge eingeschlossen. Viele von ihnen haben sich vor den IS-Milizen in den Nordirak und nach Syrien gerettet. Wie geht es diesen Menschen?

Martin Glasenapp: Sie haben schreckliche Gewalt erlebt, so dass mir allein beim Zuhören die Tränen kommen könnten. Menschen erzählen mir, wie Männer vor den Augen ihrer Familien geköpft wurden. Wie sich Frauen beim Einmarsch der IS-Kämpfer von Häuserdächern in den Tod stürzten, um nicht verschleppt oder versklavt zu werden.

Eine junge Mutter sprach von ihrem "Kätzchen", das sie auf dem Berg von Sindschar zurückgelassen hat. Sie weinte bitterlich. Sie meinte damit ihr Neugeborenes, das sie, nachdem sie es noch einmal gestillt und ihm mit einer Coladose etwas Wasser eingeflößt hatte, offenbar unter einem Stein im Gebirge zurückließ. Die Frau hat noch einen älteren Sohn und entschloss sich, wenigstens ihn zu retten.

Berichten zufolge soll die Lage der Flüchtlinge in den kurdischen Gebieten in Syrien schlechter sein als im Zentralirak.

Ja, die Versorgungslage ist hier viel schlechter als zum Beispiel in Erbil. Es gibt nur wenig Strom und es ist heiß, über 40 Grad im Schatten. Betroffen sind vor allem drei kurdische Siedlungsgebiete in Syrien, die untereinander keine Verbindung haben. Denn dazwischen sitzen IS-Milizen, man muss also immer von der Türkei aus einen sicheren Grenzübergang nutzen. Die Menschen sind hier doppelt eingeschlossen: von Süden aus Zentralsyrien durch die Angriffe der IS-Milizen, von Norden durch eine restriktive Grenzpolitik der Türkei, die den Charakter eines Embargos hat.

Wie bekommen Sie dann die Hilfsgüter in die kurdischen Gebiete?

Bislang haben wir mit den kurdischen Gemeinden auf der türkischen Seite zusammengearbeitet. Dort stellen Ärzte und Apotheker Medikamente bereit. In mühsamen Verhandlungen mit türkischen Grenzbeamten bringen wir die Hilfsgüter dann über die Grenze nach Syrien. Wir würden uns hier mehr Unterstützung der Bundesregierung wünschen, damit die Türkei endlich die Versorgung der kurdischen Kantone mit Medikamenten, Nahrungsmitteln und anderen benötigten Gütern zulässt.

Wie gehen die einheimischen Kurden mit den Flüchtlingen um?

Es gibt eine überwältigende Hilfsbereitschaft der kurdischen Bevölkerung für die Jesiden. Ganze Dörfer kochen für die Bedürftigen, Ärzte versuchen zu helfen und viele Studenten spielen mit den Kindern und überlegen sich Aktivitäten, um die lähmende Situation in den Lagern erträglicher zu machen.

Wir waren die vergangen Tage im Osten des Landes, wohin viele schiitische Kurden, Christen, arabisch-sunnitische Flüchtlinge und auch Jesiden geflohen sind. Es ist beeindruckend, wie hilfbereit die irakischen Kurden in dieser Region die Flüchtlinge aufnehmen. Und das, obwohl sie den arabisch-sunnitischen Flüchtlingen misstrauisch gegenüberstehen könnten - viele Sunniten haben sich den IS-Milizen angeschlossen.

Die IS-Kämpfer verfolgen nicht nur die Menschen, sie haben auch versucht, jesidische Heiligtümer zu zerstören.

Das gibt dem versuchten Genozid eine besondere Note. Es ist der Versuch, die jahrhundertealte Vielfalt und Tradition des Zusammenlebens in dieser Region zu zerstören und die Menschen vollständig zu entwurzeln.

Berichten zufolge soll gerade die Kleinstadt Amerli, 170 Kilometer nördlich von Bagdad, von IS-Kämpfern ausgehungert werden.

Amerli ist extrem bedroht. Seit Monaten ist die Stadt mit ihren etwa 17 000 Einwohnern von IS-Milizen eingeschlossen, es gibt keinen Strom mehr und auch das Wasser und die Nahrungsmittel werden knapp. Hier droht eine ähnliche Katastrophe wie im Sindschar-Gebirge, wenn die Zentralregierung in Bagdad nicht endlich handelt. Denn auch den Einwohnern, meist schiitische Turkmenen, wird nur eine Wahl gelassen: Zum "Islamischen Staat" übertreten - oder sterben.

Was halten Sie von den Plänen der Bundesregierung, kurdische Kämpfer mit Waffen zu beliefern?

Als humanitäre Hilfsorganisation sehen wir die zusätzliche Bewaffnung von Konfliktparteien prinzipiell kritisch. Es wäre schön, wenn wahrgenommen wird, dass es gerade die syrischen Kurden waren, denen es trotz ihrer leichten Bewaffnung gelungen ist, einen Korridor in das Sindschar-Gebirge zu öffnen und Zigtausende Jesiden vor dem Tod zu bewahren.

Die syrischen Kurden stehen wirklich mit dem Rücken zur Wand, wurden aber bislang von der Bundesregierung ignoriert. Dabei kämpfen sie nicht nur seit Jahren gegen den IS, sondern helfen auch Flüchtlingen. Dazu zählen auch viele sunnitische Araber, die den IS-Terror nicht mehr aushalten. Hier in Qamisli an der syrisch-türkischen Grenze sieht man jetzt überall große Plakatflächen, auf denen eine Moschee und eine Kirche abgebildet sind. Darunter steht der Satz: "Wir gehören alle zusammen".

21.8., 8:53 h

"Das Tor nach Kurdistan: medico-Nothilfe für Kriegsflüchtlinge

Chanaqin liegt zwei Autostunden von Sulemania entfernt in südöstlicher Richtung entlang der iranischen Grenze. Chanaqin ist noch Kurdistan und befindet sich zugleich in der irakischen Provinz Bakuba. Von hier sind es nur noch wenige Stunden bis Bagdad. In Chanaqin endet das kurdische Siedlungsgebiet, unmittelbar hinter der Stadtgrenze und dem letzten Checkpoint der kurdischen Peshmerga verläuft nur 20 Kilometer weiter die aktuelle militärische Frontlinie, an der es täglich Gefechte zwischen kurdischen Einheiten und der IS-Miliz gibt.

In der näheren Umgebung von Chanaqin gibt es mittlerweile vier Auffanglager, in denen die Flüchtlinge aus der unmittelbaren Kriegszone Schutz gesucht haben. Zusätzlich sind zahlreiche Flüchtlinge in städtischen Gebäuden und Schulen untergebracht. Die Stadt und der Distrikt mit ihren ca. 200.000 Einwohnern versorgen zurzeit etwa 52.000 Flüchtlinge.

Wir besuchen zusammen mit unserer lokalen Partnerorganisation Haukari das jüngste Lager, dass hinter dem letzten Checkpoint kurz vor der Front liegt. Das "Camp Kurdistan" entstand erst Anfang August, als etwa hundert Familien aus Sadia hier ankamen, die vor den Bombardierungen der irakischen Armee flüchteten. Aus der Luft war ihre Stadt angegriffen worden, nachdem sie Wochen zuvor von der IS-Miliz eingenommen worden war. Alle Geflüchteten sind sunnitische Araber, unter ihnen viele Bauern, Kleingewerbetreibende, die zumeist einem weit verzweigten Familienverband angehören. Der Platz ist eine kleine staubige Talsenke entlang der Landstraße. Hier gibt es weder Wasser noch Strom, die Menschen sitzen bei brütender Hitze in notdürftigen Zelten. Zahlreiche Kinder haben Hautekzeme, andere schlecht verbundene Verwundungen durch Granatsplitter.

Es fehlt an Hygieneartikeln, die Mütter sind aufgrund der Erschöpfung nicht mehr in der Lage, ihre Kinder zu stillen. Uns wird ein Neugeborenes in einem stickigen Zelt gezeigt. Neben dem kleinen Bündel sitzt eine völlig erschöpfte und schweißgebadete Mutter, um sie herum drei kleine Mädchen im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Die junge Mutter erzählt, wie sie hochschwanger vor den Bombardierungen mit ihrem Onkel und drei Kindern den Bomben entkam: "Auf einmal schlugen die Granaten in unser Haus ein. Ich verlor eine ältere Schwester und wir konnten uns nur mit dem Notdürftigsten retten". Jetzt sei sie hier, habe ihr Kind entbunden und wisse noch nicht mal, ob es tatsächlich auch gesund sei. Dennoch sei sie froh, zumindest der unmittelbaren Gewalt entkommen zu sein. Aber die Gefahr ist noch nicht vollständig vorbei. Die Hitze schwächt das Neugeborene und zusätzlich sind die giftigen Skorpione auf dem Lagerplatz gerade für Kinder eine große Gefahr.

Wir gehen weiter. Überall sehen wir in den Zelten kleine Kinder und auffällig viele erschöpfte Menschen, sei es durch die drückende Hitze von ca. 40 Grad im Schatten, sei es durch fehlendes Wasser und mangelnde Ernährung. Im Camp Kurdistan ist vieles noch am Anfang, aber dennoch hat sich bereits etwas verändert.

Zusammen mit dem lokalen medico-Partner KHF (Kurdish Health Organisation) haben wir Hilfsgüter und Medikamente in das Lager bringen können. Andere lokale kurdische Hilfsorganisationen versuchen, für die Kranken eine ärztliche Behandlung zu gewährleisten. Besonders gravierenden Fällen wird die Fahrt ins städtische Krankenhaus ermöglicht. Auch die Registrierung der Flüchtlinge hat begonnen.

Fast alle kommen aus Jawlala und Saadiya, beides arabisch-sunnitische Orte wenige Kilometer entfernt, in denen die IS-Miliz seit Monaten präsent ist. Und sie alle flüchteten nicht vor den Dschihadisten, sondern vor den Luftangriffen der irakischen Armee, möglicherweise sympathisierten einige von ihnen sogar mit den IS-Milizen.

Die kurdische Zivilgesellschaft hätte daher auch gute Gründe, ihnen eher misstrauisch und ablehnend gegenüber zu stehen. Solange die Registrierung und notwendige Sicherheitsüberprüfung nicht abgeschlossen ist, dürfen diese Unglücklichen nicht in die Stadt kommen. Aber solange dies nicht so ist, kommt die Hilfe jetzt zu ihnen. Termine mit Ärzten werden vereinbart, eine bessere Wasser- und Nahrungsmittelversorgung ist in Planung. Beeindruckend ist, dass die kurdische Zivilgesellschaft sich auch diesen Flüchtlingen gegenüber offen und herzlich zeigt.

Für viele ist dies mehr als nur eine humanitäre Geste. Es ist auch eine politische Antwort auf den Terror der IS-Milizen. Geht es doch auch darum, in der Hilfe deutlich zu machen, dass es um eine irakisch-kurdische Gesellschaft geht, in dem alle Bedürftigen und Kriegsflüchtlinge, ob sie nun Jeziden, Christen, schiitische Kurden oder sunnitische  Araber sind, ein Recht auf Hilfe und Unterstützung haben."

 21.8., 7:23 h

"Hab gestern dem Tagesspiegel ein Interview zur Situation hier gegeben." 

 19.8., 13:17 h

"Bilder gibt's morgen. Sulaimaniyya ist sehr entspannt. Doch das Flüchtlingselend ist sehr real. Es kommen täglich neue Familien hinzu. Darunter auch viele sunnitisch-arabische."

 19.8., 11:25 h

"Hallo, gut angekommen. Morgen nach Chanaqin an die iranische Grenze."

 

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Unter dem Stichwort "Flüchtlingshilfe Irak/Syrien" ruft das Bündnis Entwicklung Hilft zu Spenden für die in den genannten Regionen betroffene Bevölkerung auf. Hier finden Sie weitere Informationen.

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news-603 Thu, 14 Aug 2014 13:00:00 +0200 Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden für die Menschen im Nordirak und in Syrien presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-entwicklung-hilft-bittet-um-spenden-fuer-die-menschen-im-nordirak-und-in-syrien.html Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht vor der IS-Miliz und brauchen Schutz und Unterstützung Unter dem Stichwort "Flüchtlingshilfe Irak/Syrien" ruft das Bündnis Entwicklung Hilft zu Spenden für die in den genannten Regionen betroffene Bevölkerung auf (Quelle Bild: Grossmann/Misereor). Die Mitgliedsorganisationen des Bündnisses sind mit ihren Partnerorganisationen vor Ort und bitten dringend um Unterstützung. Mehr als 200.000 Menschen sind allein seit Beginn dieser Woche vor der Terrorgruppe Islamistischer Staat (IS) geflohen - bei bis zu 45 Grad Hitze, ohne Schutz, ohne Verpflegung. Etwa 50.000 Flüchtlinge haben zuletzt in Syrien und in den kurdischen Autonomiegebieten im Irak Schutz gesucht.

Soforthilfe von Misereor

Misereor hat die medizinische und therapeutische Betreuung der Flüchtlinge im Irak in den vergangenen zwei Jahren mit insgesamt über 1,47 Millionen Euro gefördert und stellt in dieser akuten Notsituation zunächst weitere 245.000 Euro für die Nothilfe zur Verfügung. Im Kontext des Syrien-Konflikts setzt Misereor Mittel in Höhe von insgesamt 4,46 Millionen Euro für die Hilfe der notleidenden Menschen in Syrien, Jordanien, Irak und Libanon ein.

Misereor unterstützt die Arbeit der Jiyan Foundation, die im Flüchtlingslager Domiz bei Dohuk, in Kirkuk und weiteren Zweigstellen in der Region arbeitet. Dort erhalten die Flüchtlinge medizinische, psychologische, juristische und soziale Hilfe. Neben der reinen Überlebenshilfe ist es das Ziel, den Opfern ihre Würde und Selbstachtung zurückzugeben und sie zu befähigen, aktiv zur Entwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft beizutragen.

Der Partner Christian Aid Program Northern Iraq (CAPNI) verteilt ebenfalls Nahrungsmittel, Medikamente und Wassertanks und bietet medizinische und psychologische Betreuung sowie Schulunterricht. Und auch CAPNI, Misereor-Partner seit 2003, unterstützt auf diese Weise rund 440 Flüchtlingsfamilien aus Mossul, die in christlichen Ortschaften im Nordirak aufgenommen wurden. Die Erzdiözese Erbil bietet Notunterkünfte für christliche Flüchtlingsfamilien in Erbil-Ankawa.

medico international vor Ort

medico international ist seit vielen Jahren in den kurdischen Gebieten des Nordiraks tätig und unterstützt dort seine lokalen Partner bei der Versorgung irakischer Kriegsflüchtlinge. Auch in Syrien, in Syrisch-Kurdistan und im Libanon stehen lokale medico-Partnern den Flüchtlingen zur Seite.

Im Nordirak, nur 30 km entfernt von der aktuellen Frontlinie, arbeiten die medico-Partner Kurdish Health Foundation (KHF) und das Frauenzentrum KHANZAD in drei Flüchtlingslagern nahe der Stadt Khanaquin (Quelle Bild: KHF). Sie unterstützen dort die örtlichen Gesundheitsstationen mit Medikamenten und bei der medizinischen Versorgung der Binnenvertriebenen. Außerdem liefern sie Nahrungsmittel an die gemeinschaftlichen Großküchen in den Flüchtlingslagern. Aufgrund der großen Hitze hat auch die Wasserversorgung hohe Priorität. KHF organisiert deshalb Wassertransporte und verteilt neben Decken und Gebrauchsgütern auch Tanks.

Auch die syrische Grenzregion Kobanê liegt seit Wochen massiv unter dem Feuer der IS-Miliz. In Kobanê können bislang keine Blutkonserven gelagert werden. Versorgt werden müssen an Leukämie erkrankte Kinder, Patienten mit chronischen Bluterkrankungen, aber auch eine täglich steigende Zahl von verletzten Zivilisten und Flüchtlingen. Mit Unterstützung der kurdischen Zivilgesellschaft in der Türkei hat medico einen Weg gefunden, die notwendigen medizinischen Geräte zur Lagerung von Blutkonserven nach Kobanê zu bringen.

terre des hommes unterstützt 3.000 Kinder

Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes unterstützt gemeinsam mit der italienischen terre des hommes-Schwesterorganisation Hilfsmaßnahmen für 3.000 Flüchtlingskinder nahe der Provinzhauptstadt Erbil sowie in mehreren Stadtteilen von Erbil. terre des hommes versorgt Kinder mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln und betreut Mädchen und Jungen in zurzeit noch provisorischen Unterkünften, damit die Kinder nach schlimmen Erlebnissen, Flucht und chaotischen Verhältnissen einen sicheren Ort finden.

Unterstützung durch die Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe unterstützt ihre langjährige Partnerorganisation ACTED bei der Hilfe für Flüchtlinge im Nordirak (Quelle Bild: ACTED). Die Mitarbeiter von ACTED helfen seit Wochen den Menschen, die aus den umkämpften und von der IS bedrohten Dörfern fliehen und in den kurdischen Gebieten Zuflucht finden. Die Versorgung mit den dringendsten Hilfsgütern wie Wasser und Essensrationen stehen im Vordergrund der Unterstützung. Tausende von Flüchtlingen konnten so bereits versorgt werden.

Spendeninformation:

Stichwort:  Flüchtlingshilfe Irak / Syrien
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
BIC: BFSWDE33XXX

Hinweise an Redaktionen: 

- Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten des Bündnisses www.entwicklung-hilft.de und der Mitglieder: www.medico.de, www.misereor.de, www.tdh.de, www.welthungerhilfe.de
- Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächspartner vor Ort und Interviews mit Experten aus unseren Mitgliedsorganisationen.

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressesprecherin
Melanie Huber
+49-30-27877-393 

presse(at)entwicklung-hilft.de
www.entwicklung-hilft.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-602 Thu, 07 Aug 2014 13:00:00 +0200 Bündnis-Mitglieder bitten um Spenden presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-mitglieder-bitten-um-spenden.html Die Menschen in Gaza benötigen dringend Hilfe Die Bündnis-Hilfswerke Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, medico international und Misereor rufen zu Spenden für die Nothilfe in Gaza auf.

Nothilfe von Brot für die Welt

Jeder hilft wo er kann - die Arbeit der Brot für die Welt-Partner im Gaza: Die im Gaza ansässige Abteilung für palästinensische Flüchtlinge des Nahöstlichen Kirchenrat (DSPR, NECC, CRW) verteilt Nahrungsmittelpakete und Hygieneartikel an Menschen, deren Häuser zerstört wurden und die im Kloster, der nahegelegenen Moschee oder im Kulturzentrum Zuflucht suchen. Kopfzerbrechen bereitet den Helfenden die immer wieder unterbrochene Stromversorgung und das ausfallende Internet. Mitarbeitende der Organisation beklagen den Verlust von Angehörigen durch die Kampfhandlungen.

Auch die  Partnerorganisation Theatre Day Productions (TDP) tut alles, um die Hilfesuchenden zu unterstützen. So verteilen Mitarbeitende Matratzen, die sonst den Zuschauern der Theateraufführungen als Sitzflächen dienen, an Schulen, in denen Schlafstätten eingerichtet wurden.
Die Partnerorganisation PARC (Palestinian Agricultural Relief Committees) konzentriert sich derzeit auf Nothilfe und beschreibt, dass es an allem fehle, um das tägliche Überleben zu sichern: Wasser und Nahrung, medizinische Hilfe und Kleidung. PARC fordert ein internationales Zeichen der Solidarität und sofortige internationale Hilfe. Nach Angaben von PARC sind zahlreiche Wasser- und Sanitäranlagen  und mehr als 100 Schulen direkt oder indirekt zerstört.

Nothilfe der Christoffel-Blindenmission

Unter den Opfern, die alles verloren haben, gibt es ganz besonders verletzliche: Behinderte und alte Menschen, Schwangere und stillende oder alleinerziehende Mütter, traumatisierte Kinder und solche, die bereits Anzeichen von Unterernährung zeigen. Das Bündnis-Mitglied Christoffel-Blindenmission (CBM) engagiert sich genau für diese.

CBM unterstützt die "Dan Church Aid" (DCA) dabei, Pakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln an die Bevölkerung zu verteilen. Dazu gehören vor allem auch Familien mit behinderten Angehörigen. DCA arbeitet Hand in Hand mit der "Jaballa Rehabilitation Society" und "Atfaluna" – einer CBM-Partnerorganisation, um gezielt Menschen mit Behinderungen zu finden und sicherzustellen, dass auch sie Zugang zu Hilfsmaßnahmen erhalten.

Bis zum 03. August hat DCA fast 1.400 Familien mit insgesamt über 8.000 Menschen erreicht. Und sie bemühen sich weiterhin noch mehr Familien mit behinderten Angehörigen zu erreichen.

Der CBM-Partner „The Bethlehem Arab Society for Rehabilitation” (BASR) aus der West-Bank versucht in Koordination mit dem Gesundheitsministerium, schwerverletzte Menschen aus dem Gaza-Streifen zur medizinischen Versorgung und Rehabilitation zu erreichen. Die Überführung der Patienten ist immer wieder von der Öffnung der Grenzübergänge zur Evakuierung abhängig. CBM bereitet mit BASR die nötigen Materialien und Medikamente zur Behandlung und Nachsorge vor. Zur Zeit werden durch Granatsplitter schwerverletzte Palästinenser medizinisch versorgt. Diese warten auf  Operationen  und  rehabilitative Versorgung.

"Menschen mit Behinderungen werden in Katastrophensituation oft schlicht und ergreifend vergessen und haben keinen Zugang zu Hilfsmaßnahmen", sagt Rainer Brockhaus Geschäftsführer der Christoffel Blindenmission. "Daher setzt sich die CBM in Krisensituation, wie aktuell in der Gaza-Region, besonders für diese Menschen ein. Und das mit engagierten Partnern vor Ort, deren Mitglieder ihr eigenes Leben riskieren, um denen zu helfen, die es am nötigsten haben."

Nothilfe von medico international

Vor Ort laufen die Hilfsmaßnahmen mit den Partnerorganisationen rund um die Uhr. Angesichts der bespiellosen Zerstörung ziviler Infrastruktur und Wohngebäude verteilt der medico international-Partner "Culture and Free Thought Association", eine gemeindeorientierte Frauenorganisation, Kleidung, Hygienepakete, Windeln, Matratzen aber auch Nahrungsmittel und Trinkwasser an obdachlos gewordene Menschen, die sich in Khan Younis im Süden des Gazastreifens aufhalten.

Die Partner vom Menschenrechtszentrum "Al Mezan" in Gaza Stadt dokumentieren die massiven Zerstörungen ziviler Infrastruktur und den Tod Hunderter von Menschen, damit Zivilisten Schadensersatz einklagen können. Die Dokumentation soll zudem als Grundlage dienen für die künftige internationale Untersuchungskommission, die sich mit Verstößen gegen Völker- und Menschenrecht befassen soll, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Al Mezan" und die "Ärzte für Menschenrechte – Israel" planen hierzu in einer selten gewordenen israelisch-palästinensischen Kooperation auch eine vorbereitende Fact-Finding-Mission.

Der israelische medico-Partner "Ärzte für Menschenrechte – Israel" schickt Medikamente in den Gazastreifen. Dabei geht es einerseits um Nothilfemedikamente zur Behandlung der Verletzten, andererseits muss der Bedarf von chronisch Kranken und anderen Patienten gedeckt werden. Diese sind teilweise seit Wochen ohne Medikamente, was in vielen Fällen tödliche Folgen haben kann. Angesichts eines überforderten Gesundheitssystems planen die „Ärzte für Menschenrechte – Israel“ zudem, eine Ärzte-Delegation nach Gaza zu schicken, sobald die Sicherheitslage dies erlaubt. Diese sollen Operationen in den Bereichen Chirurgie oder Orthopädie durchführen und auch dabei helfen, den Bedarf zu ermitteln. Auch ein Psychiater wird dabei sein, um traumatisierte Menschen zu behandeln. Damit wollen die israelischen Ärzte ein Zeichen der Solidarität setzen und zeigen, dass sich weiterhin Teile der israelischen Gesellschaft der Logik der Eskalation und Vergeltung widersetzen und für einen gerechten Frieden einstehen.

Der medico-Partner "Palestinian Medical Relief Society" versorgt – unter großem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teilweise bis zur Erschöpfung und unter erschwerten Bedingungen arbeiten –  Verletzte, die nach Operationen wegen der Überbelegung der Intensivstationen in den Krankenhäusern des Gazastreifens vorzeitig entlassen werden müssen und kümmert sich zugleich um etwa 30.000 Binnenvertriebene durch mobile Kliniken

Nothilfe von misereor

Auch der misereor-Partner "Pontifical Mission for Palestine", der angesichts der Not Schwerverletzte mit Medikamenten versorgt und verstärkt psychosoziale Betreuung für traumatisierte Kinder anbietet, beschreibt in einem offenen Brief, dass die Menschen in Gaza schlicht nicht mehr wissen, wo sie hingehen sollen. 65.000 Menschen haben keine Bleibe mehr, ihre Häuser sind zerstört; Arbeitsstellen, Moscheen und Boote der Fischer ebenfalls. Sami El-Yousef, Regional Director Palästina und Israel, betont, wie wichtig die langfristige Unterstützung der Opfer sei: "Was ich gerade in zwei Krankenhäusern gesehen habe, ist unvorstellbar. Mit welchen Problemen die Betroffenen zu kämpfen haben – für den Rest ihres Lebens." Laut UN-OCHA bräuchten allein rund 370.000 Kinder psychologische Betreuung.

Pressekontakte:

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

 

 

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news-601 Wed, 06 Aug 2014 13:00:00 +0200 Kurznews: „Sag später nicht, Du hättest nichts davon gewusst“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/kurznews-sag-spaeter-nicht-du-haettest-nichts-davon-gewusst.html Mit einer Social Media-Kampagne zeigt die Welthungerhilfe, was den Menschen im Südsudan droht Schon jetzt ernähren sich immer mehr Menschen im Südsudan nur noch von Gras, Knollen und Saatgut. „Weil die Bauern ihre Felder nicht bestellen konnten, fällt die Ernte in diesem Jahr aus; Ende September werden die letzten Vorräte aufgebraucht sein. Wer den Macheten entkommen ist, droht nun an Hunger zu sterben“, sagt Programmvorstand Mathias Mogge vom Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe.

Jeder dritte Einwohner vom Hunger bedroht

SuedsudanSelten zuvor konnte eine Katastrophe so präzise vorhergesagt werden; laut den Vereinten Nationen (UN) steht dem Land „die schlimmste Nahrungsmittelkrise der Welt“ bevor. Demnach drohen 50.000 Kinder noch in diesem Jahr zu sterben, wenn sie keine Hilfe bekommen. Hilfsorganisationen versorgen derzeit 1,9 Millionen Südsudanesen, doch ihnen fehlen nach UN-Angaben 750 Millionen Euro, um die schlimmste Not zu lindern.

Hashtag #ByTheEndOfSeptember teilen

Mit einer Social Media-Kampagne will die Welthungerhilfe derzeit Politik und Öffentlichkeit aufrütteln. Sie fordert unter anderem, dass die Geberländer ihr Versprechen halten und die 460 Millionen Euro bereitstellen, die sie schon im Mai zugesagt haben. Außerdem pocht die Welthungerhilfe darauf, die verantwortlichen Eliten im Südsudan mit Sanktionen zu belegen und die Waffenexporte zu stoppen.
Unter dem Hashtag #ByTheEndOfSeptember („Ende September“) verbreitet sich die Botschaft/ die Katastrophenwarnung in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook und Youtube. Das Motto: „Sag später nicht, Du hättest nichts davon gewusst“.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Kampagne.

Für Rückfragen:
Welthungerhilfe
Marc Groß
Pressesprecher Welthungerhilfe
Telefon 0228 / 22 88 -114
Mobil 0172 – 25 25 962
marc.gross[at]welthungerhilfe.de


Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Melanie Huber
Tel. 030 / 278 77 393
presse[at]entwicklung-hilft[dot]de

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news-595 Thu, 24 Jul 2014 15:50:00 +0200 Gaza: Bündnis-Hilfswerke unterstützen Nothilfe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/gaza-buendnis-hilfswerke-unterstuetzen-nothilfe.html Christoffel-Blindenmission, medico international und Misereor rufen zu Spenden auf Berlin, 24. Juli 2014 – Die Bündnis-Hilfswerke Christoffel-Blindenmission, medico international und Misereor rufen zu Spenden für die Nothilfe in Gaza auf. Bis zu 200.000 Menschen sollen in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht vor Tod und Verwüstung sein. Laut UN-Angaben sind die Verletzten zu 75 Prozent Zivilisten. „Es ist entsetzlich zu sehen, wie gerade Kinder unter dieser Situation leiden“, sagt Misereor-Geschäftsführer Dr. Martin Bröckelmann-Simon. „Die Menschen in Gaza brauchen dringend unsere Unterstützung.“

Misereor unterstützt Schwerverletzte und traumatisierte Kinder in Gaza mit einer Nothilfe in Höhe von 50.000 Euro. „Mitarbeiter unserer Partnerorganisation berichteten von einer stetig steigenden Zahl an Toten und Verletzten, darunter zahlreiche  Kinder“, erklärt Bröckelmann-Simon. Doch viele Krankenhäuser wurden schwer beschädigt. Es gibt kaum noch Medikamente und Verbandsmaterial. Die Stromversorgung ist häufig unterbrochen – und damit der Betrieb medizinischer Geräte sowie die Kühlung lebenswichtiger Medikamente.

Gemeinsam mit der langjährigen Partnerorganisation „Pontifical Mission for Palestine“ (PMP) hilft Misereor den Menschen rund um Gaza-Stadt, eines der am stärksten zerstörten Gebiete. PMP will Krankenhäuser mit dringend benötigten Medikamenten sowie Treibstoff für Generatoren versorgen, um die Stromversorgung der Hospitäler zu sichern. Armen Familien hilft PMP zudem durch die Übernahme der Behandlungskosten.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass 25.000 Kinder durch das Miterleben tödlicher Gewalt und die Zerstörung ihrer Wohnung auf psychosoziale Hilfe angewiesen sind, um ihre Erlebnisse bewältigen zu können. Daher bietet PMP in zehn Vorschulen und Kindergärten psychosoziale Betreuung für Kinder an.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) verteilt gemeinsam mit ihrem dänischen Partner „Danish Church Aid“ Lebensmittel und „Non-Food-Items“ im Wert von 150.000 Euro an 3.000 Haushalte (ca. 18.000 Personen) im Gaza-Streifen. Die CBM achtet dabei besonders darauf, dass Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden. Sie können sich in einer Krisensituation oftmals nicht schnell genug in Sicherheit bringen, wie CBM-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockhaus erklärt: „Durch eine körperliche Beeinträchtigung sind behinderte Menschen oft nicht schnell genug. Auf der Flucht verlieren viele ihre Gehhilfe, ihr Hörgerät oder ihre Brille. Gleichzeitig verursacht ein solcher bewaffneter Konflikt häufig erst eine Behinderung.“

Der lokale CBM-Partner Atfaluna hat aufgrund der unsicheren Lage seine Arbeit vorübergehend einstellen müssen. Atfaluna ist das größte und wichtigste Gehörlosenzentrum im Gaza-Streifen. Fast 400 Mädchen und Jungen besuchten 2013 die Schule und 180 junge Erwachsene wurden in verschiedenen Handwerksberufen – wie zum Beispiel im Möbelbau, Töpfern oder Weben – ausgebildet.  

medico international hat bereits den Transport von Medikamenten in zwei Lastern in den Gaza-Streifen durch seine israelische Partnerorganisation „Ärzte für Menschenrechte“ finanziert. Weitere Medikamenten- lieferungen sind geplant. Durch die Luftangriffe wurden 23 Gesundheitseinrichtungen direkt beschädigt. Darunter auch eine Gesundheitsstation des medico-Partners „Palestinian Medical Relief Society“ (PMRS) in Izbat Beit Hanoun, berichtet Dr. Aed Yaghi, PMRS-Leiter in Gaza. Die Einrichtung, die erst kürzlich mit Mitteln des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ausgebaut und renoviert wurde, kam bei einem heftigen Bombardement der Nachbarschaft zu Schaden. PMRS versorgt derzeit auch Verletzte, die nach Operationen wegen der Überbelegung der Intensivstationen in den Krankenhäusern des Gazastreifens vorzeitig entlassen werden müssen.

Weitere Informationen:

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news-592 Fri, 27 Jun 2014 12:46:00 +0200 Bündnis-Hilfswerke unterstützen Flüchtlinge im Nordirak presse/pressearchiv/archiv-detail-view/buendnis-hilfswerke-unterstuetzen-fluechtlinge-im-nordirak.html Hunderttausende auf der Flucht, bis zu 50 Grad Celsius im Schatten Berlin, 27. Juni 2014 – Die Bündnis-Hilfswerke medico international und Misereor kommen den Flüchtlingen vor dem ISIS-Terror im nördlichen Irak zur Hilfe. Hunderttausende sind auf der Flucht, leiden unter der extremen Hitze mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius im Schatten und dem großen Wassermangel. Derweil hofft das Bündnis auf eine diplomatische Antwort für die Region: „Die Bevölkerung in den kurdischen Gebieten fürchtet, dass eine militärische Intervention das bislang noch stabile  Kurdistan in den Strudel der Gewalt mitziehen würde“, erklärt Barbara Wiegard von Misereor für das Bündnis Entwicklung Hilft.

Misereor unterstützt die Arbeit des „Kirkuk Centre for Torture Victims“, das im Flüchtlingslager Domiz bei Dohuk, in Kirkuk und weiteren Zweigstellen in der Region arbeitet, wo in den vergangenen Monaten vor allem syrische Flüchtlinge Schutz suchten. Nachdem rund eine halbe Millionen Menschen die von den ISIS-Truppen eingenommene Stadt Mossul in einer Massenflucht verlassen haben, bietet  das „Kirkuk Centrenun auch Hilfe für die irakischen Flüchtlinge in Domiz und ihren Zweigstellen in Erbil, Sulaymaniah, Chamchamal, Halabja, und Dohuk. Dort erhalten die Flüchtlinge in einem ganzheitlichen Ansatz medizinische, psychologische, juristische und soziale Hilfe. Neben der reinen Überlebenshilfe ist es das Ziel, den Opfern ihre Würde und Selbstachtung zurückzugeben und sie zu befähigen, aktiv zur Entwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft beizutragen. Da traumatisierte Gewalt- und Folteropfer in ländlichen Gebieten kaum Hilfe finden, entsendet das „Kirkuk Centre“ auch mobile Teams. Der Misereor-Partner steht zudem in fachlichem Austausch mit dem Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer.

Das Bündnis-Mitglied medico international ist seit 1986 in den kurdischen Gebieten des Nordiraks n tätig, insbesondere in Germian, einer extrem unterentwickelten Region mit einer höchst traumatisierten Bevölkerung. 1988 wurden im Zuge der Anfal-Operation Saddam Husseins dort ganze Dörfer zerstört und die Bevölkerung zu Hunderttausenden getötet oder verschleppt. Das Gebiet liegt unmittelbar an der aktuellen Frontlinie zu ISIS und ist von Bagdad aus nicht mehr erreichbar. Derzeit befinden sich etwa zehntausend Flüchtlinge in der Region. medico beteiligt sich mit einer Soforthilfe in Höhe von 25.000 Euro an der humanitären Hilfe zur Unterstützung der Familien.

Überdies fördert Misereor die Arbeit des „Christian Aid Program Northern Iraq“ (CAPNI) mit einer Soforthilfe in Höhe von 30.000 Euro. CAPNI – Misereor-Partner seit 2003 – unterstützt rund 440 Flüchtlingsfamilien aus Mossul, die in christlichen Ortschaften im Nordirak aufgenommen wurden. Sie erhalten Nahrungsmittel, Medikamente, Decken, Kerosin, Wassertanks, Lampen, medizinische und psychologische Betreuung sowie ein wenig Schulunterricht für die Kinder. Für seine Hilfsmaßnahmen im Nordirak setzt Misereor in fünf Projekten insgesamt 1,47 Millionen Euro ein, im Kontext des Syrien-Konflikts insgesamt 4,46 Millionen Euro. medico international steht auch in Syrien, in Syrisch-Kurdistan und im Libanon Flüchtlingen in Not zur Seite und unterstützt lokale Organisationen. Die Programme haben in diesem Jahr einen Umfang von 800.000 Euro.

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Für Rückfragen:
Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Barbara Wiegard
Tel. 030 / 4435 19 88
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news-591 Thu, 22 May 2014 17:47:00 +0200 UPDATE_Hochwasser auf dem Balkan: Bündnis-Partner leistet Nothilfe presse/pressearchiv/archiv-detail-view/update-hochwasser-auf-dem-balkan-buendnis-partner-leistet-nothilfe.html Mehr als eine Million Menschen betroffen Berlin, 22. Mai 2014 – Auf dem Balkan sind mehr als eine Million Menschen vom Hochwasser betroffen, 50 Todesfälle wurden bislang bestätigt. Während in Serbien vor allem die 75.000-Einwohner-Stadt Obrenovac südlich von Belgrad hart getroffen wurde, droht in Bosnien-Herzegowina Gefahr durch schätzungsweise 120.000 Landminen aus den Zeiten des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren. In beiden Ländern werden Erdrutsche befürchtet, wenn sich das Wasser zurückzieht. Doch noch sind viele Gemeinden von der Außenwelt abgeschnitten. Behörden vergleichen das Ausmaß der Schäden mit den Zerstörungen durch den Bürgerkrieg und warnen vor dem Ausbruch von Seuchen. 

Das Bündnis Entwicklung Hilft wird die Arbeit von „People in Need“ (PIN) unterstützen, der tschechischen Partnerorgani- sation des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe. PIN hat als erste Maßnahme 37.000 Euro für Soforthilfe zur Verfügung gestellt und zwei Nothelfer auf den Balkan entsendet, die gemeinsam mit lokalen Nichtregierungsorganisationen und Kommunen weitere Unterstützungsmöglichkeiten ausloten.

Bei seiner Fluthilfe wird PIN von seinen Erfahrungen mit den sechs großen Überschwemmungen in Tschechien seit 1997 profitieren. Bei der Flut 2013 unterstützte PIN mehr als 1.300 tschechische Haushalte. Dabei bekamen die Betroffenen auch ein Handbuch mit wertvollen Hinweisen. Aktuell wird dieses Handbuch für die Flutopfer in Serbien und Bosnien-Herzegowina übersetzt.

„Beide Länder haben nahezu keine Erfahrung mit Hochwassern dieses Ausmaßes, sie benötigen zunächst einmal Informationen darüber, was zu tun ist. Dabei wollen wir helfen“, erklärt PIN-Geschäftsführer Simon Panek. PIN, das seit dem Bürgerkrieg in Serbien wie auch in Bosnien-Herzegowina mit einem Schwerpunkt auf der Unterstützung von Menschen mit geistigen Behinderungen arbeitet, wird auch den Wiederaufbau unterstützen – insbesondere von zerstörter Infrastruktur wie zum Beispiel Schulen. „Wir werden den Kommunen auch bei der schwierigen Aufgabe helfen, die Hilfsgelder fair an die Betroffenen zu verteilen.“  

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic bat die europäischen Staaten um weitere Hilfsgüter, vor allem Trinkwasser, Kindernahrung, Windeln, Kleidung, Medikamente und Desinfektionsmittel würden benötigt. In Bosnien-Herzegowina mussten eine halbe Million Menschen ihre Häuser verlassen, mehr als 100.000 Häuser wurden komplett zerstört.

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news-587 Mon, 14 Apr 2014 13:47:00 +0200 „Die Lage ist verfahren und extrem frustrierend“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-lage-ist-verfahren-und-extrem-frustrierend.html Mathias Mogge vom Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe zu Besuch bei syrischen Flüchtlingen Bonn, 14. April 2014 – In Syrien wird die Lage der Menschen immer kritischer - Angst und Schrecken sind alltäglich geworden. Mathias Mogge berichtet im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) von seinem Besuch in der türkischen Stadt Gaziantep. Von dort aus koordiniert das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe die Unterstützung für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge.


Mathias Mogge im Gespräch mit einer syrischen
Mitarbeiterin der Welthungerhilfe.
(Foto: Welthungerhilfe)

KNA: Herr Mogge, worauf konzentriert sich die Welthungerhilfe in Syrien selbst?

Mathias Mogge: „Ganz klar auf die Verteilung von Nahrungsmitteln. Die Ressourcen in Syrien sind aufgebraucht. Die Landwirtschaft steht vor dem Zusammenbruch. Mangelnde Niederschläge haben die Lage weiter verschärft. Das alles hat dazu geführt, dass sich die Preise für Grundnahrungsmittel dramatisch erhöht haben.“

KNA: Der Gründer der Organisation "Grünhelme", Rupert Neudeck, hat unlängst die Einrichtung einer Luftbrücke vorgeschlagen, um die Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Wie realistisch ist dieser Ansatz?

Mogge: „Ich halte die Idee für gar nicht so abwegig. Allerdings funktionieren derzeit noch die Lieferungen per LKW. Nicht nur wir selbst, auch andere Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen bringen große Mengen an Lebensmitteln aus den Nachbarländern nach Syrien - sozusagen als Luftbrücke auf dem Landweg.“
   
KNA: Welche Auswirkungen haben die Kämpfe im Land auf die Arbeit der Helfer?

Mogge: „Es sind in unseren Projektgebieten weniger die Kämpfe, die uns und den Menschen vor Ort zu schaffen machen. Es ist der ständige Terror der wechselnden Besatzer. Unser Projektkoordinator in Syrien sitzt in Manbij, etwa 100 Kilometer südöstlich von Gaziantep. Er hat uns erzählt, dass derzeit dort radikale Islamisten das Sagen haben - die können in zwei Wochen aber wieder fort sein und durch Regierungstruppen oder andere Gruppierungen ersetzt werden.“

KNA: Lässt sich mit islamistischen Besatzern Hilfe überhaupt sinnvoll planen?

Mogge: „Das geht nur mit einheimischen Mitarbeitern und zusammen mit lokalen Hilfsorganisationen. Diese Leute sind enorm engagiert und sehr gut ausgebildet. Aber auch sie leben in ständiger Angst vor Folter und Entführungen.“

KNA: Was ist mit ausländischen Helfern?

Mogge: „Die können derzeit nicht nach Syrien. Direkt für uns arbeiten außer dem Koordinator zehn weitere Einheimische. Ihnen gelingt es immer wieder, die grüne Grenze zur Türkei zu überqueren und Kontakt zu unserem Büro hier zu halten. Aber auch das ist äußerst gefährlich.“

KNA: Wie sieht die Lage in der Türkei aus - was erwartet die syrischen Flüchtlinge dort?

Mogge: „Die Türkei bemüht sich sehr um eine professionelle Betreuung und hat inzwischen 25 Zeltstädte in der Grenzregion errichtet. Doch der Strom der Flüchtlinge reißt nicht ab. Viele Neuankömmlinge werden deswegen auch auf die umliegenden Ortschaften verteilt.“

KNA: Das klingt nach Stoff für neue Konflikte.

Mogge: „Leider steht das zu befürchten. Mancherorts ist bereits eine gewisse Fremdenfeindlichkeit zu spüren, weil dort so viele Flüchtlinge untergekommen sind. Solche kleinen Beobachtungen am Rande zeigen, dass die Aufnahmefähigkeit der Türkei allmählich an ihre Grenzen stößt.“

KNA: Umso wichtiger wären diplomatische Initiativen zur Lösung des Konflikts...

Mogge: „Aber die sind nirgends in Sicht. Russland, das in dem Konflikt eine Schlüsselrolle spielte, ist durch die Krimkrise quasi aus dem Spiel. Ich wüsste deswegen nicht, wo auf politischer Ebene ein baldiger Frieden für Syrien herkommen sollte. Die Lage ist verfahren und extrem frustrierend. Wir richten uns auf ein längerfristiges Engagement ein und planen beispielsweise Schulen und Ausbildungsmaßnahmen für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen.“

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news-579 Wed, 26 Mar 2014 14:51:00 +0100 „Tief getroffen, aber nicht gebrochen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/tief-getroffen-aber-nicht-gebrochen.html Philippinen: Bündnis Entwicklung Hilft veröffentlicht Rechenschaftsbericht Berlin, 26. März 2014 – Schäden in Höhe von schätzungsweise 1,5 Milliarden US-Dollar, mehr als 10.000 Todesopfer, 4,3 Millionen Obdachlose: Es ist eine traurige Bilanz, die Taifun „Haiyan“ (in der Region „Yolanda“ genannt) hinterlassen hat. Auf den Philippinen waren die Inseln Samar, Leyte, Cebu, Negros und Panay am stärksten betroffen. Dort ist auch viereinhalb Monate, nachdem der Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 315 km/h über die Menschen hinwegfegte, fast nichts, wie es einmal war.

„Die Spuren der Katastrophe sind allgegenwärtig. Ich bin Menschen begegnet, die alles verloren haben“, berichtet Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des Bündnis-Mitglieds Misereor nach einer Reise durch das Katastrophengebiet. Spiegel zeigte sich beeindruckt von der ungebrochenen Hoffnung der Filipinos: „Die Menschen sind tief getroffen, aber nicht gebrochen. Leben kommt in die Straßen und Dörfer zurück, Trümmer werden weggeräumt, Menschen beginnen, ihre Felder wieder zu bestellen. Ich habe große Solidarität der Menschen untereinander erlebt. Nachbarschaftshilfe ist wichtig, doch allein aus eigener Kraft können die Menschen den Wiederaufbau nicht schaffen. Die Zerstörungen sind zu groß.“

Der heute veröffentlichte Rechenschaftsbericht zeigt, wie die sieben Hilfswerke im Bündnis den Menschen auf den Philippinen bei dieser Mammut-Aufgabe zur Seite stehen. „Doch es geht dabei nicht nur um den Wiederaufbau von Gebäuden und Infrastruktur. Eine wichtige Aufgabe ist es, den Taifun-Opfern zu helfen, sich wieder selbst versorgen zu können. Viele von ihnen sind Fischer oder Bauern. Boote und Netze müssen schnell repariert werden, die verlorene Reis-Ernte neu gepflanzt werden“, erklärt Bündnis-Geschäftsführer Peter Mucke. Am längsten wirkt der Taifun für die Kokos-Bauern nach. Denn hier dauert der Ernte-Zyklus mindestens sieben Jahre. Diese Bauern müssen nun dringend eine neue Einkommensquelle erschließen. Der Wechsel auf Nutzpflanzen, die schneller geerntet werden können, bietet gleichzeitig die Chance, die Abhängigkeit von anfälligen Monokulturen zu reduzieren. Saatgut und Spezialwissen für solche Pflanzen erhalten die Bauern unter anderem von den Bündnis-Mitgliedern Brot für die Welt, Misereor und medico international.   

>> den Rechenschaftsbericht als PDF lesen



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news-583 Wed, 26 Mar 2014 14:03:00 +0100 „Die Regierung interessiert sich nicht mal für unseren Protest“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-regierung-interessiert-sich-nicht-mal-fuer-unseren-protest.html Die Gruppierung „People Surge“ fordert den philippinischen Präsidenten Aquino heraus Tacloban/Berlin, 26. März 2014 – Eine Gruppierung von Überlebenden des Taifuns „Haiyan“ (auf den Philippinen „Yolanda“ genannt) setzt die philippinische Regierung unter Druck. Die Bewegung „People Surge“ („Woge des Volkes“) wirft Präsident Aquino „kriminelle Gleichgültigkeit“ gegenüber den Menschen vor, die der Taifun hart getroffen hat. Die Gruppe organisierte am 25. Januar eine Großdemonstration in Tacloban Stadt, an der sich 13.000 Menschen beteiligten. Zudem reichte sie eine Petition ein, die 17.585 Überlebende der Katastrophe unterschrieben haben. Am vergangenen Donnerstag boykottierte „People Surge“ das „Yolanda Forum für Transparenz“, das von der Regierung in Tacloban Stadt veranstaltet wurde.
 

Dr. Efleda Bautista, Vizevorsitzende und
Pressesprecherin von „People Surge“


Frau Dr. Bautista, warum haben Sie es abgelehnt, am „Yolanda Forum für Transparenz“ teilzunehmen?

Efleda Bautista: „Im Forum wird über das Regierungsprogramm ‚Wiederaufbauhilfe nach Yolanda‘ (‚Reconstruction Assistance on Yolanda’ (RAY)) gesprochen. Wir lehnen es ab, weil es nicht für die Menschen geschaffen wurde, sondern für profitgierige Unternehmen. Außerdem ist das Programm äußerst anfällig für Korruption. Seine Inhalte richten sich eindeutig gegen die Interessen der Menschen. Deswegen wird es auf dem Forum nichts als blutleeres Gerede geben. Es ist nur ein Feigenblatt, um Transparenz vorzutäuschen. Die Regierung Aquino verringert ihre Anstrengungen und räumt den Privatunternehmen, die mit dem Wiederaufbau nach Yolanda beauftragt sind, unverhältnismäßig viel Freiraum ein. Es liegt in der Verantwortung der Regierung, den Wiederaufbau zu leiten, aber letztendlich sind viele Privatunternehmen nicht aus humanitären Gründen vor Ort, sondern um Gewinne einzufahren. Während die Regierung sich aus der Verantwortung stiehlt, greift die Korruption immer weiter um sich, vor allem unter den hohen Beamten und deren Freunden aus der Privatwirtschaft.“

Also reicht es nicht aus, was die Regierung macht?


Efleda Bautista: „Es herrscht eine Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern von Yolanda, die kriminell ist. Es begann schon vor Yolanda: Die Regierung unternahm keine hinreichenden Maßnahmen, um die Menschen vor dem Taifun zu schützen. Obwohl es überall bekannt ist, dass die Philippinen gegenüber extremen Naturereignissen äußerst anfällig sind. Außerdem hat die Regierung die Leute nicht ausreichend vor dem herannahenden Sturm gewarnt. Nachdem der Taifun über das Land hinweggefegt war, trat Präsident Aquino im Fernsehen auf und versprach sofortige Hilfe. In Wahrheit aber brauchte die Regierung eine ganze Woche, um auf die Katastrophe zu reagieren. Nun verspricht das Regierungsprogramm, knapp 300 Millionen Euro in den Wiederaufbau der Landwirtschaft zu investieren, obwohl allein im Osten Visayas die Schäden im landwirtschaftlichen Bereich bei mindestens einer Milliarde Euro liegen. Der Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Wie sollen diese Menschen in der Lage sein, ihre Existenz wieder aufzubauen, wenn die Regierung ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt?“

Was verlangen Sie nun von der Regierung?

Efleda Bautista: „Unsere Petition beinhaltet drei Forderungen: 1. Jede Familie, die vom Sturm betroffen ist, soll 40.000 Peso (umgerechnet knapp 650 Euro; d. Red.) finanzielle Soforthilfe erhalten, da die Soforthilfe bis jetzt unzureichend war. Diese Summe reicht gerade, um eine sechsköpfige Familie aus Ost-Visaya für zwei Monate mit dem Nötigsten an Nahrung und anderen wichtigen Dingen zu versorgen. 2. Das ‚no-build zone‘-Gesetz gehört abgeschafft. Es verbietet den Menschen, ihre Häuser in Küstennähe wieder aufzubauen. Das führt dazu, dass sich Leute illegal auf fremdem Land ansiedeln. 3. Die Verteilung von Hilfsgütern, wie Nahrung und Wasser in ländlichen und städtischen Regionen, muss fortgesetzt werden.“   

Wie reagiert die Regierung auf Ihren Protest? Werden Sie bedroht?

Efleda Bautista: „Nein, wir werden nicht bedroht. Es scheint, als ob die Regierung sich überhaupt nicht um unseren Protest kümmern würde.“

Was stimmt Sie optimistisch, wenn sie an die Zukunft der Philippinen denken?

Efleda Bautista: „Wir sind ein reiches Land mit Rohstoffvorkommen, aber noch wichtiger ist: Wir sind eine Nation von hoffnungsfrohen und intelligenten Menschen – Menschen, die Gesellschaften und Wirtschaftssysteme auf der ganzen Welt bereichern. Die Vorwürfe der Korruption und die Beschwerden der Menschen, die keine Hilfe erhalten, werden die Regierung Aquino weiterhin verfolgen. Da kann sie noch so sehr versuchen, Transparenz vorzutäuschen. Es gibt keinen besseren Weg für die Menschen, als sich zusammenzuschließen, auf die Straßen zu gehen und für ihre grundlegenden Bedürfnisse zu kämpfen: Nahrung, finanzielle Unterstützung, Sozialleistungen, eine ausreichende Lebensgrundlage. Die Menschen müssen und werden auch dafür kämpfen, dass der langfristige Wiederaufbau ihnen tatsächlich zugutekommt – dem Verrat durch die Regierung Aquino zum Trotz.“

Dr. Efleda Bautista ist zweite Vorsitzende und Pressesprecherin der Gruppierung „People Surge“. Sie ist Dekanin im Ruhestand des Graduiertenkollegs an der Universität Samar, Catbalogan, Samar. Sie promovierte an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main in Erziehungswissenschaften zum Thema „Pädagogik in der Dritten Welt“.

Für Rückfragen:
Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Tel. 0151.15 29 88 02
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news-581 Wed, 26 Mar 2014 14:01:00 +0100 „Wenn Kinder Alptraum und Realität nicht mehr unterscheiden können“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/wenn-kinder-alptraum-und-realitaet-nicht-mehr-unterscheiden-koennen.html Abu Muhannad, Mitarbeiter der Welthungerhilfe, über die Lage der Menschen in Syrien Manbidsch/Berlin, 26. März – „Kinder zahlen den höchsten Preis für den Konflikt im Land“, sagt Abu Muhannad. Er arbeitet im Regierungsbezirk Aleppo im Norden Syriens als Teamleiter für die Welthungerhilfe. Von dort aus koordiniert er die Hilfsmaßnahmen von NGOs in der Region und organisiert die Verteilung von Hilfsgütern vor Ort. Im Interview spricht er über das Gefühl der Ungewissheit und die Bedeutung der Hilfspakete für die Menschen im Land.

Abu Muhannad, Sie leben und arbeiten im Norden Syriens in einer Region, in der viele Flüchtlinge aus dem Land untergekommen sind. Wie kann man sich das tägliche Leben in Manbidsch vorstellen?

Abu Muhannad: „Die Menschen versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Was uns am meisten Sorgen bereitet, ist die instabile Lage. Langfristige Planungen sind unmöglich. Niemand weiß, was am nächsten Tag passieren wird. Manchmal verändert sich unsere Situation durch einen Luftangriff oder einen Bombenanschlag von einem Moment auf den anderen. Es ist klar, dass die angespannte Lage einen Einfluss auf die Menschen hier hat. Alle leiden unter den Umständen und der Ungewissheit. Aber ich sorge mich besonders um die vielen Kinder hier. Sie trifft der Bürgerkrieg am stärksten.“

Wie zeigt sich das konkret?

Abu Muhannad: „Niemand kann voraussagen, wie sich die schlimmen Erfahrungen in Zukunft bemerkbar machen. Durch die Zerstörung zahlreicher Schulen und öffentlicher Gebäude wurde den Kindern ihr Schulalltag genommen. In den wenigen übriggebliebenen Schulen sitzen viele Kinder auf engem Raum. Die Schultage sind viel zu kurz, etwa zwei Stunden. Das ist kein guter Zustand. Was mir aber mehr Sorgen macht, ist die geistige Entwicklung der Kinder. Die Verarbeitung der Umwelt findet in den Köpfen der Kinder statt. Besonders während der Nacht. Im Traum verarbeiten wir unsere Eindrücke – das geht uns allen so. Auch ich habe Albträume. Viele kleine Kinder wachen in der Nacht auf und fangen an zu weinen. Ganz schlimm wird es  aber, wenn die Kinder aus einem schrecklichen Traum nicht aufwachen können und man an ihren Geräuschen in der Nacht nur erahnen kann, was sie gerade durchmachen. Dann verschwimmen Alptraum und Realität. Aber auch tagsüber reflektieren die Kleinsten ihre Umwelt. Neulich habe ich einen kleinen Jungen auf der Straße gesehen, der mit einem kleinen Stock als Waffe durch die Straßen patrouilliert ist. Er spielte Soldat. Dieses Bild hat mich nicht mehr verlassen. So deutlich zu sehen, wie die Kinder die Situation verarbeiten, geht an die Nerven. Eins ist jetzt schon klar: Die Kinder zahlen den höchsten Preis für den Konflikt im Land.“

Sie treffen in Flüchtlingslagern und auf Sammelplätzen viele Binnenflüchtlinge. Was brauchen die Menschen dort am nötigsten?

Abu Muhannad: „Nahrung. So ist es nun mal. Zunächst müssen die Menschen essen. Wenn ich mit Flüchtlingen spreche, um mich zu erkundigen, was sie brauchen, fragen mich die meisten zunächst nach Essen. Es gibt viele Flüchtlinge, die sich an jedem neuen Tag aufs Neue darum kümmern müssen, wie sie an Nahrung kommen. Sie haben keine Reserven, auf die sie zurückgreifen können. In ihren Unterkünften ist nichts da. Aber natürlich fehlt es an allen Enden. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür, dass ein paar NGOs vor Ort sind, um konkrete Hilfspakete zur Verfügung zu stellen, die sich an dem ausrichten, was die Menschen brauchen. Auf Grund des strengen Winters in Syrien hat die Welthungerhilfe deshalb neben den Nahrungsmittelpaketen vor allem Winterkits mit Decken und Heizmaterial verteilt.“

Was gibt Ihnen Hoffnung für die Zukunft?


Abu Muhannad: „Die NGOs machen einen großartigen Job. Wenn ich Binnenflüchtlinge in Schulen und Flüchtlingscamps besuche, wird mir klar, dass ohne die Hilfe von solchen Organisationen eine humanitäre Katastrophe drohen würde. Also, wenn Sie mich fragen, was ich mir für die Zukunft wünsche, kann meine Antwort nur ‚Kontinuität‘ lauten. Konstanz bei der Unterstützung der Menschen hier. Es gibt ein Sprichwort: ‚Kleine, kontinuierliche Dinge sind besser als eine gewaltige Menge, die jeden Moment aufhören kann.‘ In diesem Sinne hoffe ich, dass die NGOs ihre Arbeit auch in der Zukunft hier verrichten können. Die Hilfe kommt an und die Hilfe ist notwendig. Die Unterstützung der Welthungerhilfe und der anderen Organisationen verbessert die Lebensqualität der Menschen in dieser schweren Zeit jeden Tag ein wenig. Und dafür bin ich sehr dankbar. Besonders bedanken möchte ich mich hier einmal bei meinen lieben Kollegen bei der Welthungerhilfe – und persönlich bei Rüdiger Ehrler. Er ist ein großartiger Lehrer, von dem ich eine Menge gelernt habe. Von seiner Erfahrung profitiere ich jeden Tag aufs Neue. Vielen lieben Dank für Ihre Freundlichkeit und Unterstützung!“

Abu Muhannad (35) arbeitet seit August 2013 für die Welthungerhilfe. Als Teamleiter koordiniert er die Hilfe im Regierungsbezirk Aleppo im Norden Syriens. Dort lebt er mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern.

Das Interview führte Steffen Wüller.

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news-576 Mon, 10 Mar 2014 15:35:00 +0100 „Jeder in Ruanda kann eine Geschichte erzählen, die einen fassungslos macht“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/jeder-in-ruanda-kann-eine-geschichte-erzaehlen-die-einen-fassungslos-macht.html Simone Pott über die Lage in Ruanda, zwanzig Jahre nach dem Genozid Bonn/Berlin, 10. März 2014 – Innerhalb von einhundert Tagen töteten in Ruanda Angehörige der Hutu-Mehrheit ungefähr eine Million Tutsi sowie moderate Hutu. Das war im Jahr 1994. Zwanzig Jahre nach dem Genozid ist Simone Pott, Pressesprecherin des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe, zum wiederholten Male in das kleine Land im Herzen Afrikas gereist. Um sich ein Bild von den Projekten der Welthungerhilfe in Ruanda zu machen. Simone Pott kann von einem aufstrebenden Land berichten, in dem das kollektive Trauma von 1994 nach wie vor gegenwärtig ist.


Simone Pott. Foto: Eva Haeberle/Welthungerhilfe.


Frau Pott, Sie sind vor einer Woche aus Ruanda zurückgekehrt. Was war der Anlass für Ihren Besuch dort?


Simone Pott: „Der Anlass der Reise war der  Jahrestag des Genozids in Ruanda Anfang April. 20 Jahre ist diese schreckliche Zeit nun her, in der ungefähr eine Million Menschen umgebracht worden sind. Die Welthungerhilfe ist schon lange in Ruanda tätig. Vor Ort konnte ich mir einen Überblick über die Lage im Land und den Fortschritt unserer Projekte machen. So ermöglicht die Welthungerhilfe seit 2005 die Urbarmachung von Marschland im Süden des Landes, damit dort Reis angebaut werden kann.

Um das fruchtbare Land rund um mehrere Flüsse nutzbar zu machen, müssen Staudämme und Bewässerungsanlagen errichtet werden. Das erfordert besonders geplante Baumaßnahmen und technisches Knowhow, das unsere lokalen Experten den Bauern-Kooperativen näherbringen. 600 Hektar Marschland konnten bereits für den Reisanbau urbar gemacht werden. Die Hilfe erreicht im Moment  ca. 140.000 Menschen in vier Tälern. Zusätzlich haben wir auf weiteren 600 Hektar Terrassen angelegt, auf denen Mais und Gemüse angebaut wird.“

Was sind die nächsten Schritte?

Simone Pott: „Wir arbeiten eng mit den Kooperativen vor Ort zusammen. Unser Projekt steht kurz vor dem Abschluss. Jetzt ist die Herausforderung, das Know-how im Land zu lassen. Es geht darum, die Kooperativen darauf vorzubereiten, selbstständig Probleme zu lösen und das Land dauerhaft zu bewirtschaften. Die Entwicklung von Marschland ist technisch extrem anspruchsvoll. Dämme, Kanäle und Perimeter zum Reisanbau müssen aufeinander abgestimmt werden, damit allen Bauern – auch denen am unteren  Ende des Wasserlaufs – die gleiche Menge an Wasser zur Verfügung steht. Ende dieses Jahres, so ist das Ziel, soll der Reisanbau von den Kooperativen ohne fremde Hilfe durchgeführt werden. Insgesamt gibt es noch etwa 12.000 Hektar Marschland, das sich für die Urbarmachung eignet. Die ruandische Regierung hat das Ziel ausgegeben, jedes Jahr weitere 1.000 Hektar urbar zu machen. Jetzt muss sie die Finanzierung stemmen. Auch unsere finanziellen Mittel für dieses Projekt sind erst einmal erschöpft.“

Sie waren schon oft in Ruanda und kennen den afrikanischen Kontinent. Mit welchen Eindrücken sind Sie aus Ruanda zurückgekehrt? Wie hat sich das Land entwickelt?
 
Simone Pott: „Wenn man als Besucher nach Ruanda kommt, ist man erst einmal enorm positiv überrascht. Die Hauptstadt Kigali ist eine extrem saubere und sichere Stadt. Aber auch, wenn sie durchs Land fahren, finden Sie  nicht die  extreme Armut, die es in anderen Ländern gibt. . Überall telefonieren die Menschen auf den Straßen. Fast alle besitzen dort ein Handy. Auch weil es nahezu landesweite Netzabdeckung gibt. Die Wasserversorgung ist gut, eine flächendeckende Krankenversicherung sichert die medizinische Grundversorgung. Außerdem gibt es ein einigermaßen ordentliches Schulsystem mit einer Schulpflicht von zwölf Jahren. Das alles ist in Afrika nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Gegenüber vielen benachbarten Ländern steht das Land wirtschaftlich und sozial also gut dar.“

Dennoch gab es ja auch in der Vergangenheit vermehrt Kritik am autokratischen Stil von Präsident Kagabe. Wie weit entfernt ist das Land von einer freiheitlichen Demokratie?

Simone Pott:
„Klar ist: Ruanda ist keine Demokratie nach westlichem Standard. Die freiheitlichen Rechte sind nicht vergleichbar mit unseren. Eine echte Opposition findet man nicht. Auch, weil der Geheimdienst einen sehr starken Einfluss hat. Die Polizei ist sehr präsent auf den Straßen. Außerhalb von bestimmten Strukturen zu leben, ist in Ruanda sehr schwer. Aber auch hier werden sich allmählich Dinge ändern. Die aufstrebende Mittelschicht wird Mitsprache einfordern. Der politische Pluralismus wird zunehmen. Aber richtig ist auch, dass die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, durchaus zufrieden mit der Regierung und dem Präsidenten sind. Kagabe wird der wirtschaftliche und soziale Aufschwung zugeschrieben. Und man darf nicht vergessen, dass ihm die Menschen für das Ende des Genozids dankbar sind.“

Wie präsent ist der Genozid nach zwanzig Jahren noch im Land?

Simone Pott: „Das Trauma des Genozids ist überall spürbar. Es ist aber kein Thema in den täglichen Gesprächen der Menschen. Deswegen werden sie auch durch das Land reisen können, ohne mit dem Thema konfrontiert zu werden. Aber das Land geht relativ offen mit seiner Vergangenheit um. Spricht man die Menschen auf das an, was 1994 in Ruanda passiert ist, hört man Geschichten, die einen fassungslos hinterlassen. Egal, wen sie fragen: Jeder hat eine Geschichte zu erzählen, die mit dem Genozid zu tun hat. Viele haben Familienangehörige und Freunde verloren. Unzählige Kinder sind damals zu Waisen geworden. Andere gehören Familien an, die aktiv an den Morden beteiligt waren und heute im Gefängnis sitzen. Wenn Sie morgens mit dem Auto Kigali verlassen, sehen Sie hunderte von Arbeitern mit der typisch rosafarbenen Kleidung, die sie als Gefangene kennzeichnet. Rosa, das ist die Farbe der „génozidaires“ in Ruanda.“

Was sind die kommenden Herausforderungen im Land?

Simone Pott: „In Folge des Genozids war das Land traumatisiert. Über viele Jahre waren die Menschen mit sich und dem Wiederaufbau beschäftigt. Auch wenn Ruanda momentan wirtschaftlich ganz gut dasteht: In den kommenden Jahren werden die Anforderungen an das Land steigen. Die Bevölkerungsrate ist ein Problem. Die HIV-Rate ist auch sicher ein Problem. Aber besonders das Thema der Jugendarbeitslosigkeit wird künftig noch an Brisanz zunehmen und zu einer großen Herausforderung für die Politik werden. Das Land hat kaum Bodenschätze und keinen Zugang zum Wasser. Deshalb ist es umso wichtiger, den jungen Menschen im Land eine berufliche Perspektive zu bieten. Die Jugendlichen sind oft gut ausgebildet und wenn die Regierung dieses Problem nicht in den Griff bekommt, wird auch die Frage der politischen Partizipation massiv an Bedeutung gewinnen.“


Simone Pott (49) ist Pressesprecherin des Bündnis-Mitglieds Welthungerhilfe. Sie blickt auf zwanzig Jahre Entwicklungsarbeit zurück und kennt den afrikanischen Kontinent aus unzähligen Besuchen.


Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-574 Wed, 05 Mar 2014 16:37:00 +0100 Am meisten leiden die Kinder presse/pressearchiv/archiv-detail-view/am-meisten-leiden-die-kinder.html Der Bürgerkrieg in Syrien hält an. Flüchtlinge sind nach wie vor auf das Nötigste angewiesen Berlin, 5. März 2014 – Neun Millionen Menschen insgesamt leben in den sieben größten deutschen Städten. Genauso viele Menschen sind derzeit in Syrien auf der Flucht. Und der Bürgerkrieg hält an. Die Lage vor Ort ist dramatisch. Die Hilfswerke im Bündnis Entwicklung Hilft arbeiten daran, das entstandene Leid ein wenig zu mildern.


Syrische Flüchtlingskinder im Lager Domiz im
Nordirak. Foto: Jens Grossmann/Misereor.


Am meisten leiden die vielen Flüchtlingskinder unter den Folgen des Bürgerkriegs. Fast alle mussten von heute auf morgen ihr gewohntes Umfeld verlassen, viele haben enge Familienangehörige im Bürgerkrieg verloren. Nach Angaben der Vereinten Nationen hungern in Syrien zwei Millionen Kinder.

Im Libanon sichert das Bündnis-Mitglied Kindernothilfe im Louf-Distrikt den Schulbesuch von 585 Flüchtlingskindern. Die häufig traumatisierten Kinder werden auch psychosozial betreut. Libanesische Schulen, die die Kinder aufnehmen, erhalten dafür Unterstützung für den Wiederaufbau älterer, beschädigter Gebäude.

Auch Misereor legt einen Schwerpunkt auf die Hilfe für Kinder. Sie werden medizinisch und psychologisch betreut. Innerhalb von Syrien versorgen Partnerorganisationen des Hilfswerks in den Städten Homs, Aleppo und Damaskus notleidende Menschen mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und weiteren wichtigen Alltagsgütern. 1,8 Millionen Euro wurden bislang für diese Unterstützung verwendet.

Zudem hilft Misereor syrischen Flüchtlingen im Irak, im Libanon und in Jordanien. Im nordirakischen Flüchtlingslager Domiz werden Erwachsene und Kinder traumatherapeutisch behandelt, die Flucht, Gewalt oder Folter erlebt haben und dringend psychologische Hilfe brauchen.


Das Flüchtlingslager Domiz im Nordirak.
Foto: Jens Grossmann/Misereor.


Die Christoffel-Blindenmission (CBM) arbeitet in Jordanien bei der medizinischen Versorgung für Menschen mit Behinderungen mit dem Partner „Holy Land Institute for the Dead“ zusammen. Im Flüchtlingslager Zaatari wurde dazu eine Container-Gesundheitsstation eingerichtet. Brillen, Hörgeräte und Spezialstühle für Kinder mit Zentralparese sind dabei wichtige Hilfsgüter, die den speziellen Bedürfnissen Rechnung tragen. Der Projekt-Partner der CBM regt Eltern von Kindern mit Behinderungen an, sich in betreuten Selbsthilfegruppen zu organisieren.

Die Welthungerhilfe engagiert sich vielfältig in Syrien und in den angrenzenden Ländern. Gemeinsam mit der Partnerorganisation „People in Need“ (PIN) erreicht die Hilfe über 140.000 Menschen. Verteilte Decken, Heizmaterial und Öfen haben die Bürgerkriegsopfer im Winter zumindest provisorisch gegen die Kälte geschützt. In den Flüchtlingslagern im türkisch-syrischen Grenzgebiet werden von den Helfern Nahrungsmittelpakete und sogenannte „Non-Food-Items“ verteilt: zum Beispiel Moskitonetze, Zeltplanen, Seife oder Kinderspielsachen.

Außerdem erhielten im Rahmen der laufenden Projekte in Aleppo und Idlib bisher etwa 73.000 Menschen Nahrungsmittelpakete und zum Teil ergänzende Bargeldzuwendungen. Neben der anhaltenden Versorgung mit Nahrung und Haushaltsgegenständen konzentriert sich die Hilfe auch auf die Aufrechterhaltung des schulischen Betriebs in Aleppo. Hier bieten 16 provisorische Schulen ca. 6.800 Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren ein Stück Normalität.

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news-572 Wed, 26 Feb 2014 12:00:00 +0100 Die Bevölkerung konsequent in den Wiederaufbau einbinden presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-bevoelkerung-konsequent-in-den-wiederaufbau-einbinden.html Die Hilfe nach dem Taifun auf den Philippinen geht in die zweite Phase Berlin, 26. Februar 2014 – Die Folgen des Taifuns Haiyan, der im November 2013 auf den Philippinen schwerste Verwüstungen angerichtet hat, wirken noch immer nach. Vier Millionen Filipinos haben nach Angaben der Vereinten Nationen ihre Unterkunft verloren. Eine Bestandsaufnahme macht klar, dass die Menschen auf den Philippinen weiterhin auf Hilfe angewiesen sind. Für die Hilfswerke im Bündnis Entwicklung Hilft ist die Arbeit daher noch lange nicht vorbei.

„Nach der Phase der lebensrettenden Soforthilfe geht es jetzt vor allem um den Wiederaufbau zerstörter Gebäude“, erklärt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. Dabei setzten die Hilfswerke im Bündnis auf die konsequente Einbindung der Bevölkerung bei den Hilfsprojekten.

Das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe bleibt in den nächsten Monaten weiterhin vor Ort und unterstützt die Menschen vor allem beim Wiederaufbau von Wohnhäusern und Schulen. Denn viele Schulen sind bislang nur eingeschränkt nutzbar. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung wird nach Lösungen für sturmfeste Behausungen gesucht – zum Beispiel durch Betonfundamente und stabilere Dächer.

Zudem wurden 84 mobile Wasserfilter an verschiedene Gemeinden auf der Inseln Panay verteilt. Hierbei handelt es sich um einen „Wasserrucksack“ namens PAUL („Portable Aqua Unit For Lifesaving"). Er kann ohne aufwendige Technik und ohne Fachpersonal schnell, einfach und vor allem mobil Wasser aufbereiten und zu sauberem Trinkwasser filtern. Damit können mehrere Monate lang täglich pro Rucksack mehr als 600 Liter Wasser gefiltert werden. Insgesamt erhalten dadurch 2.520 Menschen täglich sauberes Wasser.

Bei SOS, dem Projektpartner von medico international, sind die Nothilfe-Missionen abgeschlossen. Jetzt wird der Wiederaufbau der zerstörten Inseln angegangen. Eine interessante Entwicklung ist dabei die Selbstorganisation der Betroffenen: Mehr als 12.000 Menschen trafen sich in Taclonban zum „‪#‎peoplesurge“ – um gegen die schleppende Arbeit der Regierung zu protestieren und um einen gerechten Wiederaufbau von unten zu diskutieren. medico unterstützt diese Räume der Artikulation und Partizipation – nicht nur politisch, sondern auch finanziell mit Fahrtkostenunterstützung für Betroffene aus den entlegenen Gemeinden der Inseln Samar und Leyte.

Die Kindernothilfe engagiert sich im Bereich des Wiederaufbaus von zerstörten Schulen und Kindergärten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Provinz Ost-Samar, in der besonders viele Gebäude zerstört wurden.

Misereor erreicht mit seinen Netzwerkpartnern des „Philippine-Misereor Partnership“ (PMPI) auch die abgelegenen Regionen. Das PMPI unterstützte die Opfer von Haiyan mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Baumaterial: 11.000 Familien auf der Insel Panay und rund 1.900 Familien auf den beiden Inseln Homonhon und Manikani haben in den vergangenen Monaten materielle Hilfe und psychosoziale Betreuung erhalten.

Nun rückt der Wiederaufbau in den Fokus, für den die ersten Schritte getan sind: Küstenfischer erhalten Boote. Trinkwasser- und Bewässerungssysteme werden wieder nutzbar gemacht. Mobile Krankenstationen bieten medizinische Versorgung auch weitab des nächsten Krankenhauses an. Solarpanelen liefern für Notfälle Strom. Funkverbindungen ermöglichen den Kontakt entlegener Inseln mit dem Festland. Misereor unterstützt zudem den Aufbau mobiler Radiostationen.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) kümmert sich besonders um die Versorgung von Familien, die Angehörige mit Behinderungen haben, sowie um besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Zehn Projektpartner versorgen die Menschen mit Lebensmitteln, Moskitonetzen, Schlafmatten sowie Koch- und Aufbewahrungsgegenständen. Um die Not- und Übergangshilfe zu koordinieren, wurden ein Projektmanager und ein Projektkoordinator angestellt, unterstützt von zwei lokalen Kräften. Dies dient der schrittweisen Übergabe der Verantwortung für die Hilfsmaßnahmen von der Nothilfeabteilung der CBM an die lokalen Partner.

Bereits im Januar wurde mit dem Wiederaufbau von 123 Häusern in Nord-Cebu begonnen. Hinzu kommen 13 Schulressourcenzentren („ressource centers“) für Kinder mit Behinderungen an Regelschulen, sechs Schulen in Estancia und Conception wurden auf Schäden untersucht. Es ist geplant, zerstörtes Mobiliar zu ersetzen. Überdies sollen nun Modellhäuser entwickelt werden, die barrierefrei und sicher sind. Dazu wird zurzeit eine sog. „Permanent shelter feasibility mission“ durchgeführt. In der Pilotphase soll zunächst in Cebu gebaut werden, später in Tacloban und der Iloilo-Provinz.

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news-570 Mon, 24 Feb 2014 09:17:00 +0100 „Im Südsudan wird selbst für ein bestimmtes Gewehr als Statussymbol getötet“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/im-suedsudan-wird-selbst-fuer-ein-bestimmtes-gewehr-als-statussymbol-getoetet.html Florian Landorff über Nothilfe in einem Umfeld entfesselter Gewalt Juba/Berlin, 24. Februar 2014 – Es sind fürchterliche Nachrichten, die derzeit aus dem jüngsten Staat der Welt vermeldet werden: Der Südsudan wird erschüttert von ethnisch motivierten Massakern, die Rede ist von mindestens 10.000 Toten innerhalb der vergangenen zwei Monate. Erinnerungen an den Genozid in Ruanda werden wach. Florian Landorff ist in der Hauptstadt Juba und koordiniert ein Nothilfeprogramm für das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe. 

Herr Landorff, wie erleben Sie die Situation vor Ort?

Florian Landorff: „Die Lage ist definitiv dramatisch. Die Zahl der Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben wurden, steigt permanent an. Den bisher letzten offiziellen Zahlen zufolge sind bereits über 700.000 Menschen im Südsudan auf der Flucht. 140.000 weitere haben das Land verlassen – nach Uganda, Äthiopien, Kenia, einige auch in den Nordsudan. Und die Kämpfe im Land gehen unvermindert weiter, gerade im Norden und im Zentrum. Es gibt zersplitterte Gruppen, die gar nichts mit der Politik zu tun haben. Sie ziehen marodierend umher, vergewaltigen, plündern. Die Lage ist absolut unübersichtlich und gefährlich.“ 

Welche Möglichkeiten hat der einzelne Bürger sich zu schützen, diese Banden nicht in die Hände zu fallen?

Landorff: „Weglaufen. Den Menschen bleibt nichts anderes als ihre Dörfer schnell zu verlassen, alles stehen und liegen zu lassen. Viele Städte, darunter auch größere, sind zerstört und vollkommen leer. Wer Glück hat, schafft es in ein Camp der Vereinten Nationen. Aber dort sind die Kapazitäten sehr begrenzt. Schätzungsweise drei Viertel der Flüchtlinge campieren irgendwo im Busch, im Wald oder im Feld unter freiem Himmel – in der Hoffnung irgendwie aus der Gefahrenzone zu kommen.“ 

Gilt das für das gesamte Land oder gibt es auch noch sichere Gebiete?

Landorff: „Im Westen des Landes gibt es noch einige wenige Regionen, in denen die Lage noch relativ stabil ist, auf die der Konflikt noch nicht übergegriffen hat. Aber in sieben von zehn Provinzen herrscht Krieg. Juba, die Hauptstadt, wo ich mich gerade befinde, ist unter Regierungskontrolle und somit einigermaßen sicher. Aber etwa 100 Kilometer weiter nördlich beginnt die Gefahrenzone.“ 

Was ist vom zarten wirtschaftlichen Aufschwung des Landes im dritten Jahr seiner Unabhängigkeit noch zu erkennen?

Landorff: „Dieser Krieg ist ein ganz massiver Rückschlag für die Entwicklung des Landes. Nach der Staatsgründung vor zweieinhalb Jahren herrschte eine Aufbruchstimmung, die Menschen blickten optimistisch nach vorn – trotz der Armut, trotz des Hungers. Davon ist nichts mehr geblieben, die Lage wird jetzt richtig dramatisch.“

Bisher kämpften die Südsudanesen gegen den Norden. Es war auch ein Kampf zwischen Christentum und Islam, zwischen Schwarzafrikanern und Arabern. Nun verläuft die Konfliktlinie durch die südsudanesische Gesellschaft? Wie gespalten ist die Nation?

Landorff: „Der Kampf gegen den Norden hat sicherlich für eine gewisse Einheit im Süden gesorgt, aber die Konflikte innerhalb des Südens sind auch historisch – nicht nur ethnisch motiviert zwischen den verschiedenen Stämmen, wie wir es jetzt zwischen Dinka und Nuer sehen, sondern selbst innerhalb der einzelnen Stämme. Das ist oft materiell motiviert. Häufig geht es um Viehdiebstahl, im Moment töten sich Menschen für ein bestimmtes Gewehr, das als Statussymbol gesehen wird. In einem solch gewalttätigen Umfeld flammen alte Feindschaften umso schneller wieder auf. Auf nationaler Ebene ist die Macht im Land der treibende Faktor für die Konflikte. Dahinter steht die Kontrolle über die Ölreserven des Landes, wo es um Milliardenbeträge geht.“

Was sind aktuell die drängendsten Aufgaben für internationale Hilfsorganisationen im Land?

Landorff: „Es geht darum, die Menschen, die geflohen sind, mit den allernotwendigsten Dingen zu versorgen: Nahrung, Wassereimer und -aufbereitungstabletten, Zelte, Planen. Die Schwierigkeit besteht darin, die Menschen zu erreichen, überhaupt herauszufinden, wo sie sich befinden. Gerade auch, weil die Flüchtlinge ständig in Bewegung bleiben, aus Angst immer weiter ziehen. Es ist extrem wichtig für uns einen genauen Überblick über die Lage zu bekommen. Ich war Ende vergangener Woche mit einem Team der Vereinten Nationen für eine Lageerkundung im Bundesstaat Unity im Norden des Landes unterwegs. Nicht nur dort haben wir gesehen: Die Versorgung der Bevölkerung ist in weiten Teilen zusammengebrochen. Alles deutet darauf hin, dass das Land direkt vor einer Hungersnot steht.“

Existieren im Südsudan zivilgesellschaftlichen Strukturen, mit denen Sie zusammenarbeiten können?

Landorff: „Die zivilgesellschaftlichen Strukturen sind sehr schwach ausgeprägt und zum Teil auch leider in den Konflikt involviert. Auch die Regierungsstrukturen erodieren immer stärker, sind immer weniger fähig, auf die Lage zu reagieren, so dass wir nun erst einmal eigenständig handeln werden.“

Florian Landorff (38) ist Programmkoordinator für die Region Ostafrika (Kenia, Tansania, Somalia, Südsudan) bei der Welthungerhilfe. Den Südsudan besucht er aktuell zum dritten Mal. 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-568 Tue, 11 Feb 2014 17:08:00 +0100 „Arm trifft auf arm“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/arm-trifft-auf-arm.html Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer des Bündnis-Mitglieds Misereor, zur Lage der Syrien-Flüchtlinge Aachen, 11. Februar – In Genf wird wieder verhandelt, in Damaskus, Aleppo und Homs weiter gekämpft. Ein Ende des Konflikts in Syrien ist nicht in Sicht – allen Treffen am Grünen Tisch in der Schweiz zum Trotz. Unterdessen steigt die Zahl der Flüchtlinge weiter an. Dr. Martin Bröckelmann-Simon (56) vom Bündnis-Mitglied Misereor hat sich im Libanon und im Nordirak ein Bild von der Lage gemacht. Bröckelmann-Simon formuliert im Interview mit Joachim Heinz von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auch eine Botschaft an die Verantwortlichen in der Bundesrepublik: Angesichts der Not der Betroffenen müsse Deutschland sich stärker einbringen.

KNA: Herr Bröckelmann-Simon, Sie haben Auffanglager im Nordirak und im Libanon besucht. Wie unterscheidet sich die Lage der syrischen Flüchtlinge in den beiden Ländern?

Bröckelmann-Simon: „Zunächst einmal in den Dimensionen. Der Nordirak hat gemessen an der dortigen Bevölkerung einen Zuwachs an Flüchtlingen um 5 Prozent zu verzeichnen. Der Libanon hingegen muss einen Zustrom von 33 Prozent verkraften. In absoluten Zahlen heißt das: Zu den vier Millionen Libanesen kommen inzwischen rund 1,3 Millionen Menschen aus Syrien.“

KNA: Wie lange hält der Libanon das aus?

Bröckelmann-Simon: „Das weiß niemand. Die Situation ist jedenfalls schon jetzt extrem angespannt. Anders als im kulturell und ethnisch weitgehend homogenen Nordirak, wo die dort lebenden Kurden ihre aus Syrien geflohenen Brüdern und Schwestern als Gäste empfangen, stoßen die Flüchtlinge im Libanon auf eine in vielerlei Hinsicht zersplitterte Gesellschaft. Hinzu kommen wirtschaftliche Engpässe und historische Belastungen. Der Libanon hat nicht die gleichen finanziellen Reserven wie der dank Ölförderung zu einem gewissen Wohlstand gekommene Nordirak.“

KNA: Und die historischen Belastungen?

Bröckelmann-Simon: „Die bestehen darin, dass Syrien lange Zeit Besatzungsmacht im Libanon war. Trotzdem leisten die Libanesen Enormes. Und das, obwohl Tag für Tag 3.000 weitere Menschen über die syrische Grenze ins Land kommen.“

KNA: Was können in diesem Zusammenhang Misereor und die Partner leisten?

Bröckelmann-Simon: „Rund 87 Prozent der Neuankömmlinge aus Syrien landen in den ohnehin benachteiligten Regionen Libanons, also zum Beispiel in den Dörfern der Bekaa-Ebene oder den Elendsquartieren der Hauptstadt Beirut. Arm trifft auf arm. Deswegen verfolgen wir mit unseren Partnern einen inklusiven Ansatz, kümmern uns also sowohl um die Eintreffenden als auch die selbst hilfsbedürftigen Aufnehmenden.“

KNA: Was ist mit den Binnenvertriebenen in Syrien?

Bröckelmann-Simon: „Auch die können wir erreichen - allerdings nur über unsere syrischen Partner im Lande selbst. Für ausländische Mitarbeiter - auch aus den Nachbarstaaten - ist es viel zu gefährlich. Bei allem Elend ist für die Helfer eine Erleichterung, dass viele Dinge des täglichen Bedarfs noch im Land selbst zu bekommen sind, allerdings zu sehr überhöhten Preisen. Hilfsgüter-Konvois über die Grenzen brauchen wir also derzeit nicht. Ausnahme sind die abgeriegelten Gebiete, zum Beispiel in Teilen von Damaskus, Aleppo und Homs. Dort kommt niemand herein und niemand heraus. Hier könnten nur humanitäre Korridore helfen. Diese unmenschliche Taktik, Menschen durch Aushungern zur Aufgabe zu zwingen, verfolgen übrigens nicht nur die Regierungstruppen, sondern auch die Rebellen.“

KNA: Umso dringender wären rasche Lösungen beim gerade angelaufenen zweiten Teil der Syrien-Konferenz in Genf. Mit welchen Erwartungen blicken die Menschen auf das Geschehen in der Schweiz?

Bröckelmann-Simon: „Die Flüchtlinge scheinen mir sehr ernüchtert: Erwartungen haben sie keine, höchstens Hoffnungen oder Träume. Bislang spielten ihre Belange kaum eine Rolle - und das wird wohl einstweilen auch so bleiben. Andererseits wissen die Menschen: Es gibt kaum Alternativen zu den Verhandlungen. Unsere Partner vor Ort sagen: Ein Militärschlag der USA beispielsweise würde die verworrene Lage auch nicht lösen, zu unabsehbar wären die Folgen, auch mit Blick auf die in sich uneinige und mit islamistischem Terror kämpfende Opposition.“

KNA: Welche konkreten Forderungen halten Sie als Hilfswerk für sinnvoll?

Bröckelmann-Simon: „Man müsste zunächst einmal im Land selbst entmilitarisierte, international gesicherte Schutzzonen für die Vertriebenen im Lande einrichten, Korridore schaffen, um die Menschen in den abgeriegelten Gebieten zu erreichen und eine Waffenruhe durchsetzen. Aber jeder weiß zugleich - so richtig diese Forderungen sind, so unrealistisch scheinen sie zugleich.“

KNA: Bleibt die Aufnahme von Flüchtlingen außerhalb des Krisengebiets. Wie bewerten Sie das bisherige Engagement Deutschlands?

Bröckelmann-Simon: „Gewisse Anstrengungen sind zu erkennen. Seit Beginn des Konflikts haben schätzungsweise 25.000 Menschen auf eigene Faust hierzulande Zuflucht gefunden. Weiteren 10.000 Flüchtlingen haben wir offiziell Aufnahme zugesichert. Aber das ist angesichts des großen Elends viel zu wenig. Ich hielte die Aufnahme von bis zu 100.000 Flüchtlingen für mehr als gerechtfertigt.“

KNA: Wären das nicht doch zu hohe Belastungen für Deutschland?

Bröckelmann-Simon: „Wenn wir einen Vergleich zum Libanon ziehen, müssten wir 20 bis 25 Millionen Menschen aufnehmen.“

 

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news-566 Thu, 23 Jan 2014 17:36:00 +0100 Friedenskonferenz für Syrien: Betroffene vor Ort sind pessimistisch presse/pressearchiv/archiv-detail-view/friedenskonferenz-fuer-syrien-betroffene-vor-ort-sind-pessimistisch.html Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe äußert die Hoffnung auf einen Minimalkonsens Bonn, 23. Januar 2014 – Das Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe äußert anlässlich der Friedenskonferenz für Syrien die Hoffnung auf einen Minimalkonsens der Konfliktparteien, der eine spürbare Verbesserung der katastrophalen humanitären Lage der Menschen erreicht. „Für die dringende Versorgung der 6,8 Millionen Vertriebenen im Land benötigen wir humanitäre Korridore, damit die Hilfsgüter sicher zu den Betroffenen gelangen. Dies wäre ein erster Erfolg des Treffens“, erklärt Wolfgang Jamann, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe.

Viele Menschen in Syrien, die selbst direkt vom Krieg betroffen sind, setzen wenig Hoffnung auf die seit Mittwoch stattfindende Konferenz zur Zukunft ihres Landes. Die Welthungerhilfe hat bei einer Befragung unter Flüchtlingen und Bewohnern in der Stadt Manbij, in der Provinz Aleppo, überwiegend pessimistische Stimmen gehört. Fast 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie überhaupt keine Ergebnisse erwarten und die Konferenz als nutzlos einstufen.

„Die Menschen hier spüren die Auswirkungen des Krieges jeden Tag: wenn sie als Flüchtlinge in die Stadt kommen, haben sie keine Unterkunft, sie frieren und hungern im Winter und die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen. Die Bewohner nehmen Bekannte oder Familienangehörige auf und teilen ihr Einkommen, sodass es auch für sie nicht mehr reicht. Nach knapp drei Jahren Krieg haben sie die Hoffnung aufgegeben, dass die Welt ihnen helfen kann“, beschreibt ein lokaler Mitarbeiter die aktuelle Stimmung vor Ort. Die Provinz Aleppo gehört zu den am stärksten umkämpften Provinzen Syriens.

Die Welthungerhilfe unterstützt seit Dezember 2012 Flüchtlinge innerhalb Syriens mit Nahrungsmitteln, Decken und Matratzen als Winterhilfe sowie Material für provisorische Unterkünfte. Außerdem wurden lokale Bäckereien mit Mehl beliefert und Schulen in Aleppo notdürftig repariert und mit Schulmaterialien ausgestattet. Mehr als 140.000 Menschen in Syrien profitieren von der Unterstützung der Welthungerhilfe und ihrer lokalen Partner.

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news-562 Thu, 02 Jan 2014 10:00:00 +0100 Warme Kleidung und Decken gegen die Kälte presse/pressearchiv/archiv-detail-view/warme-kleidung-und-decken-gegen-die-kaelte.html Bündnis Entwicklung Hilft leistet Winterhilfe für syrische Flüchtlinge

Berlin, 2. Januar 2014 – Minusgrade, eisiger Wind und Schnee: Der Winter hat die Stadt Manbij im Norden Syriens fest im Griff. Für die Menschen, die aus den umkämpften Regionen hierher geflohen sind, bedeutet die Kälte zusätzliche Erschwernisse. Viele konnten bei ihrer Flucht nur das mitnehmen, was sie am Leib trugen, meist sommerliche Kleidung und dünne Schuhe. Jetzt hausen sie in Zelten, die kaum Schutz vor der Kälte bieten. Manbij ist überfüllt. Mit 120.000 Einwohnern leben mittlerweile doppelt so viele Menschen hier wie vor Beginn des Bürgerkriegs. Dutzende Flüchtlingslager sind am Stadtrand entstanden, Heizmaterialien sind knapp, es gibt kaum Arbeit.

Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe unterstützt gemeinsam mit syrischen und türkischen Partnern die Flüchtlinge in der Grenzregion um Manbij mit Nahrung, warmen Decken und Matratzen. Bereits im November konnten die ersten Pakete mit Nahrungsmitteln verteilt werden. Eine Monatsration mit Reis, Nudeln, Linsen und anderen Nahrungsmitteln muss dabei im Schnitt sieben Mitglieder einer Familie ernähren. Weitere monatliche Hilfslieferungen sind bis Ende Februar geplant.

Auch die Bündnis-Mitglieder medico international und terre des hommes leisten Winterhilfe: terre des hommes verteilt über Partner Winterkleidung in den Flüchtlingslagern in Jordanien und im Libanon, medico international ist im syrisch-libanesischen Grenzgebiet aktiv.

Ausführliche Informationen:
Die Arbeit von Bündnis Entwicklung Hilft in Syrien und in den Nachbarländern

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news-564 Mon, 23 Dec 2013 15:04:00 +0100 „Wir waren sofort nach dem Taifun vor Ort“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/wir-waren-sofort-nach-dem-taifun-vor-ort.html Programm-Koordinatorin Pilgrim Bliss Gayo berichtet von ihrer Arbeit für Taifun-Opfer auf den Philippinen

Berlin, 23. Dezember 2013 – Am 8. November wütete Taifun Haiyan über weiten Teilen der Philippinen. Laut UN-Angaben sind mehr als 14 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen. Die Hilfe von Bündnis-Mitglied terre des hommes richtet sich vor allem an Kinder und ihre Familien. Philippinische Partnerorganisationen des Hilfswerkes haben zum Beispiel in der Stadt Tacloban Schutzprogramme für Kinder aufgebaut. Die terre des hommes-Mitarbeiterin Pilgrim Bliss Gayo koordiniert die Hilfe für die Taifun-Opfer auf den Philippinen. Im Film berichtet sie von ihrer Arbeit vor Ort.

>> zum Film

Weitere Informationen zur Bündnis-Hilfe auf den Philippinen

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news-560 Mon, 16 Dec 2013 13:39:00 +0100 Den Hunger in Syrien stoppen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/den-hunger-in-syrien-stoppen.html Bündnis Entwicklung Hilft: Partner vor Ort arbeiten unter extremen Bedingungen weiter

Berlin, 16. Dezember 2013 – Bündnis Entwicklung Hilft appelliert nachdrücklich an Politik und Öffentlichkeit in Deutschland, die Menschen in Syrien, die nun zusätzlich mit dem Wintereinbruch zu kämpfen haben, nicht allein zu lassen. Immer mehr Orte im Land sind durch die fortdauernden Kämpfe eingekesselt, die Menschen hungern, weil keine Hilfslieferungen durchdringen. „Den Konfliktparteien müssen Verpflichtungen wie zum Beispiel Feuerpausen abgerungen werden, die breite humanitäre Hilfe möglich machen“, erklärt Martin Glasenapp, Syrien-Koordinator von Bündnis-Mitglied medico international. „Die UN-Luftbrücke, die nun vom Irak aus in den Nordosten Syriens eingerichtet wurde, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, kann den Bedarf an benötigter Hilfe jedoch bei weitem nicht abdecken. Außerdem muss garantiert sein, dass alle die Hilfe erhalten.“

An vielen Orten sind lokale Partner von Bündnis Entwicklung Hilft bereits seit Beginn des Konfliktes in Syrien aktiv - trotz der Bombenangriffe, massiver Einschränkungen und Mangel in allen Lebensbereichen. In Aleppo ist die Krankenpflegeschule der Erzdiözese von Aleppo, einem Partner von Bündnis-Mitglied Misereor, bei einem der jüngsten Luftangriffe getroffen worden. „Wir wollen den Betrieb aber trotzdem unter allen Umständen offenhalten, da die Krankenschwestern und Pfleger, die wir hier ausbilden, dringend gebraucht werden, um die Versorgung der vielen Verletzten weiterhin zu ermöglichen“, erklärt der Erzbischof von Aleppo, Jean-Clément Jeanbart.

Auch die Partner von medico international führen ihre Hilfe trotz extremer Bedingungen weiter. „Unsere Partner im Großraum von Damaskus und in den kurdischen Gebieten zeigen beeindruckenden Durchhaltewillen und Engagement“, sagt Martin Glasenapp. „Sie sind in ihren Gemeinden gut vernetzt und entwickeln praktische Ideen für ganz konkrete Maßnahmen, die buchstäblich aus der Not geboren sind. Jede finanzielle Unterstützung trägt dazu bei, dass sie mit ihrer Arbeit weitermachen können.“

In Erbin zum Beispiel, einem Vorort von Damaskus organisieren Partner von medico international Suppenküchen für Flüchtlinge, eine Feuerwehr, eine Müllabfuhr, eine juristische und eine medizinische Kommission, ein Medienzentrum und eine Schule, die aus Sicherheitsgründen in Kellern untergebracht ist. Fast 7.000 Schüler werden dort täglich unterrichtet. „Die Lehrer berichten, dass viele der Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, dass sie vor Hunger ohnmächtig werden und unter Kopfschmerzen leiden“, berichtet der Syrien-Koordinator. Trotz der Umstände seien sie jedoch entschlossen, weiter zur Schule zu gehen. „Der Schulalltag hilft ihnen, für ein paar Stunden ihrem bedrückenden Alltag zu entfliehen.“

Die Bündnis-Mitglieder Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe sind in Syrien, an der türkisch-syrischen Grenze und in den Nachbarländern Jordanien, Libanon und Irak über lokale Partnerorganisationen aktiv. Die unterschiedlichen Schwerpunkte der Mitgliedsorganisationen und der Partner-Ansatz ermöglichen es, auch unter den extrem schwierigen und gefährlichen Bedingungen Hilfsmaßnahmen durchzuführen.

Bündnis Entwicklung Hilft bittet weiterhin dringend um Spenden für die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien: 

Spendenkonto:
Konto 5151
BLZ 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Syrien/ Nahost

Ausführliche Informationen zur Syrien-Hilfe von Bündnis Entwicklung Hilft

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle

Nina Brodbeck

+49-30-27877-393 

+49-151-1790-1932
presse(at)entwicklung-hilft.de


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news-558 Tue, 03 Dec 2013 09:52:00 +0100 UPDATE_Bündnis Entwicklung Hilft: Lage auf den Philippinen weiterhin angespannt presse/pressearchiv/archiv-detail-view/update-buendnis-entwicklung-hilft-lage-auf-den-philippinen-weiterhin-angespannt.html Hilfe nach Taifun Haiyan läuft unter schwierigen Bedingungen

Berlin, 3. Dezember 2013 – Taifun Haiyan hat auf den Philippinen ganze Landstriche verwüstet. Laut Angaben der Vereinten Nationen sind weiterhin mehr als 14 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. „Mitarbeiter unserer Hilfsorganisationen berichten, dass die Lage in den von Haiyan verwüsteten Regionen weiterhin sehr angespannt ist“, erklärt Peter Mucke, Geschäftsführer von Bündnis Entwicklung Hilft. Die Zerstörungen seien vielerorts schlimmer als erwartet, und obwohl die Aufräumarbeiten laufen, sind noch immer wichtige Zufahrtswege in abgelegenen Gebieten durch Schutt versperrt. 

„Auf der Insel Samar ist entlang der Südküste Richtung Tacloban kein Dorf vom Taifun verschont geblieben“, berichtet Elmar Noé, Länderreferent von Bündnis-Mitglied Misereor, der gerade aus dem Katastrophengebiet zurückgekehrt ist. Der Flughafen der Region sei in weiten Teilen völlig zerstört und bislang nur behelfsmäßig in Funktion. „Man rechnet damit, dass es mindestens drei Monate dauern wird, bis auf der gesamten Insel wieder eine geregelte Stromversorgung funktioniert.“ Auch sei in etlichen Regionen durch die Zerstörung von Sendemasten die Kommunikation immer noch ein großes Problem. Besonders kritisch ist die Lage für die Menschen auf den nahe Samar gelegenen Inseln Homonhon und Manicani, die momentan von US-Soldaten nur auf dem Luftweg mit dem Allernötigsten versorgt werden können. „Hier geht es jetzt darum, Boote für die Fahrt auf die Inseln zu beschaffen und eine zuverlässige Kommunikation aufzubauen, damit die Bewohnerinnen und Bewohner endlich besser versorgt werden können“, beschreibt Elmar Noé die Situation. 

Vor einer Zuspitzung der Gesundheitssituation warnt die lokale Partnerorganisation Samahang Operasyong Sagip (SOS) von Bündnis-Mitglied medico international. „Die hygienischen Bedingungen sind sehr schlecht, es gibt kein sauberes Wasser und keine Latrinen mehr“, berichtet der Arzt und SOS-Vorstand Darby Santiago. „Wenn die staatliche Gesundheitsversorgung für die Menschen weiter verschleppt wird, steigt die Gefahr einer Cholera-Epidemie. Die Menschen haben ihren Kampf ums Überleben noch nicht gewonnen.“ Santiago gehört zu einem philippinischen Nothilfeteam von SOS, das gerade von einem Einsatz auf der Insel Samar zurückgekehrt ist. 

Bündnis-Mitglied terre des hommes konzentriert seine Hilfe neben der Notversorgung auf die Unterstützung von Kindern. „Viele Kinder mussten mitansehen, wie Familienmitglieder ums Leben kamen oder wie ihr Hab und Gut zerstört wurde. Sie reagieren sprachlos und apathisch, können nicht schlafen und fürchten sich davor, dass der Sturm zurückkommt“, erklärt die philippinische Programmkoordinatorin Pilgrim Bliss Gayo. „Sie brauchen viel Ruhe und Zuwendung, aber auch ärztliche Hilfe, da zum Beispiel ihre Füße vom Barfußlaufen über die Trümmer und spitzen Holzlatten oft schlimme Schnittwunden aufweisen.“

„Die Rückmeldungen von unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort zeigen, dass viele Menschen auf den Philippinen noch langfristig auf Hilfe angewiesen sein werden“, sagt Bündnis-Geschäftsführer Peter Mucke. „Vor allem arme Familien, Fischer, Tagelöhner und Kleinbauern brauchen Unterstützung. Sie haben meist keinerlei Reserven zurücklegen können und stehen nun buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz.“

Hilfe nach Taifun Haiyan - Überblick über die Hilfsmaßnahmen von Bündnis Entwicklung Hilft 


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Stichwort: Taifun
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Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.


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news-556 Thu, 28 Nov 2013 12:50:00 +0100 „Morgens erfahren wir, wo es fehlt und mittags bekommen die Menschen ihr Essen“ presse/pressearchiv/archiv-detail-view/morgens-erfahren-wir-wo-es-fehlt-und-mittags-bekommen-die-menschen-ihr-essen.html Sturmwellen nach dem Taifun: Bündnis-Vorstand Angelika Böhling berichtet aus Tacloban

Berlin, 28. November 2013 – Umgeknickte Palmen, Morast, zerstörte Häuser, eine apokalyptische Szenerie. So beschreibt Angelika Böhling, Vorstandsmitglied von Bündnis Entwicklung Hilft ihre Eindrücke aus dem Katastrophengebiet auf den Philippinen. Dabei sei das, was sich für die Bewohner in den Küstengebieten so verheerend ausgewirkt habe, nicht allein der Taifun gewesen, sondern drei auf den Sturm folgende und durch ihn verursachte Flutwellen. „Es gab zwar Vorbereitungen auf den Taifun, dass zum Beispiel Lebensmittel gesammelt und gesichert wurden. Aber was eine Sturmwelle verursacht und wie sie sich unter solchen Umständen verhalten sollen, war den Menschen nicht klar. Es ist nun ein schmerzhafter Prozess zu erkennen, dass die Vorbereitungen viel weitreichender sein müssen als bisher. Die Katastrophenvorsorge und das Katastrophenmanagement müssen in Zukunft viel intensiver betrieben werden.“

Der Bedarf an Hilfe ist weiterhin so groß, dass es auch mehr als zwei Wochen nach der Katastrophe in der völlig zerstörten Stadt Tacloban noch immer Gebiete gibt, die kaum von Nahrungsmittellieferungen erreicht wurden. „In manchen Ortsteilen sind erst zwei Lebensmittellieferungen angekommen“, erklärt Angelika Böhling, Mitarbeiterin von Bündnis-Mitglied Kindernothilfe. „Das ist dramatisch. Denn es bedeutet, dass die Menschen dort stark von Mangelernährung bedroht sind.“ Die Kindernothilfe unterstützt deshalb in Tacloban vor allem die Notverteilung von Lebensmitteln und arbeitet dafür eng mit den lokalen Behörden zusammen. „Das ist wirklich unmittelbare Hilfe, die schnell ankommt“, berichtet Böhling. „Morgens erfahren wir, wo es fehlt und mittags bekommen die Menschen ihr Essen. Das funktioniert gut. Davon habe ich mich selbst überzeugen können.“ 7.000 Menschen werden so insgesamt unterstützt. Die Nahrungsmittellieferungen bestehen nicht aus Lebensmittelpaketen, sondern das Essen wird von Freiwilligen in Suppenküchen frisch zubereitet, dann auf LKW verladen und vor Ort verteilt.

„Was ich hier erlebe, geht unter die Haut“, sagt Böhling. „Man kann das Leid, das durch den Taifun und vor allen Dingen durch die großen Sturmwellen verursacht wurde, nur erahnen.“ Was ihr tiefen Respekt abverlangt, ist die Stärke der Menschen, mit der sie die Katastrophe bewältigen. „Man sieht in den Gesichtern der Menschen auch ganz viel Hoffnung. Sie haben den Glauben an die Zukunft und den Wiederaufbau nicht verloren – im Gegenteil.“

Auch die anderen Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten umfassende Hilfe auf den Philippinen. Neben der weiterhin benötigten Überlebenshilfe werden mehr und mehr Maßnahmen des Wiederaufbaus unterstützt.

Projektübersicht Philippinen-Hilfe

Bündnis Entwicklung Hilft bittet weiterhin dringend um Spenden für die Opfer des Taifuns.

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Stichwort: Taifun


Gerne vermitteln wir Ihnen ein Interview mit Angelika Böhling.


Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle

Nina Brodbeck

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presse(at)entwicklung-hilft.de



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news-554 Fri, 22 Nov 2013 15:03:00 +0100 Hilfe nach Taifun Haiyan presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hilfe-nach-taifun-haiyan.html So unterstützt Bündnis Entwicklung Hilft die Menschen auf den Philippinen

Berlin, 22. November 2013 – Nach den verheerenden Verwüstungen, die Taifun Haiyan hinterlassen hat, sind Millionen Menschen auf den Philippinen auf Hilfe angewiesen. Die sieben Bündnis-Mitglieder Brot für die Welt, Christoffel-Blindemission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe sind im Land aktiv – auch in entlegenen Regionen, wo bislang noch kaum Hilfe angekommen ist. Neben der weiterhin dringend benötigten Überlebenshilfe unterstützt Bündnis Entwicklung Hilft mehr und mehr Maßnahmen des Wiederaufbaus. 

Die Hilfsmaßnahmen im Einzelnen:

Brot für die Welt

Bündnis-Mitglied Brot für die Welt ist auf den Philippinen in Kontakt mit betroffenen Partnern. Geplant ist, mehrere mittel- und längerfristig angelegte Projekte zu unterstützen und sich zum Beispiel bei der Wiederherstellung des kirchlichen Bethanien-Krankenhauses in Tacloban zu beteiligen. Mitarbeiter des Brot für die Welt-Projektpartners CERNET, ein Netzwerk lokaler Organisationen, analysieren darüber hinaus derzeit die Lage vor Ort und nehmen eine Bestandsaufnahme vor, um die notwendigen Maßnahmen für eine längerfristige Hilfe bestimmen zu können.


Christoffel-Blindemission 

Bündnis-Mitglied Christoffel-Blindenmission (CBM) legt bei seinen Aktivitäten auf den Philippinen den Schwerpunkt auf inklusive Nothilfe, die behinderte Menschen besonders in den Blick nimmt. Ein dreiköpfiges CBM-Expertenteam ist in die Region entsandt und unterstützt die lokalen Projektpartner bei ihren Hilfsmaßnahmen. Lokale Partner der CBM schulen die Mitarbeiter mehrerer Hilfsorganisationen, wie sie Menschen mit Behinderungen in ihre Hilfsangebote mit einbeziehen können. CBM-Projektpartner Association of Disabled Persons Inc. verteilt Lebensmittel und Hygieneartikel an 3.000 besonders gefährdete Familien in Concepcion und Umgebung auf der Insel Panay. Dazu gehören neben Familien mit einem behinderten Familienmitglied auch alte Menschen, alleinerziehende Mütter und Väter sowie Schwangere. 

Kindernothilfe

Gemeinsam mit lokalen Partnern baut Bündnis-Mitglied Kindernothilfe zehn der völlig zerstörten Kindertagesstätten in Salcedo im Osten der Insel Samar wieder auf. Die Mitarbeiter unterstützen den Notbetrieb und ermöglichen psychosoziale Betreuung. Erzieher und Lehrer kümmern sich um die Kinder und arbeiten die Erlebnisse auf kindgerechte Weise mit ihnen auf. Zudem verteilt die Kindernothilfe gemeinsam mit lokalen Partnern in der entlegenen Region Wasser und Lebensmittel an betroffene Familien. Die Kindernothilfe fördert ein weiteres Projekt im Westen, auf der Insel Panay. Dort erreicht sie 12.000 Kinder und Eltern. Im Mittelpunkt der Förderung stehen der Aufbau von Kinderzentren und die Versorgung von Kleinkindern und Schwangeren sowie deren psychosoziale Betreuung.

medico international

Bündnis-Mitglied medico international arbeitet auf den Philippinen mit dem landesweiten Nothilfe-Netzwerk Samahang Operasyong Sagip (SOS) zusammen. Mit der Unterstützung von medico international versorgt SOS derzeit 44.000 Menschen in Städten und Gemeinden in der Ost-Provinz der Insel Samar. Verteilt werden unter anderem Nahrungsmittel, Decken, Kleidung, Medikamente und Plastikplanen für Notunterkünfte. Zugleich kümmern sich von SOS zusammengestellte Nothilfe-Teams um die medizinische Versorgung von Betroffenen. Den Teams gehören unter anderem Ärzte, Krankenschwestern und Psychologen an. Im Katastrophengebiet sind außerdem die Mitarbeiter der lokalen Gesundheitszentren von SOS aktiv. 

Misereor

Projektpartner von Bündnis-Mitglied Misereor helfen vor allem in den besonders betroffenen Gebieten auf Leyte, Panay und Samar mit Nothilfemaßnahmen wie der Verteilung von Wasser, Lebensmitteln, Regenschutz, Zelten, Medikamenten und Hygieneartikeln. Außerdem erhalten Opfer des Taifuns psychosoziale Betreuung. Im Norden der Insel Panay und im Süden Samars werden derzeit rund 11.000 Haushalte mit Nothilfepaketen für drei bis fünf Tage versorgt. Gleichzeitig erhalten die Menschen Material, um ihre Häuser zu reparieren oder ihre Boote wieder instand setzen zu können, damit sie möglichst schnell wieder allein für den Unterhalt ihrer Familien sorgen können. Auch langfristige Wiederaufbaumaßnahmen und die Wiederherstellung der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind in Planung.

terre des hommes

Bündnis-Mitglied terre des hommes leistet Nothilfe in abgelegenen Regionen der Insel Samar und auf der davor gelagerten Insel Manicane. Zusammen mit dem langjährigen Projektpartner Medical Action Group (MAG) werden auf Manicani und Tubabaw insgesamt 850 Familien medizinisch versorgt – unter anderem mit Impfstoff gegen Tetanus und Medikamenten gegen Lungenentzündungen und Durchfall. Nach der akuten Nothilfe wird terre des hommes mit verschiedenen lokalen Partnern Projekte zur medizinischen Versorgung, zur psychosozialen Unterstützung von traumatisierten Kindern und ihren Familien sowie zum Kinderschutz fördern. Ein Team philippinischer Freiwilliger betreut in drei besonders von Zerstörungen betroffenen Dörfern Kinder, die Familienangehörige verloren haben, die verängstigt und auf sich allein gestellt sind. Sie werden ab dem Beginn der nächsten Woche durch Mitarbeiter eines Projektpartners aus Mindanao unterstützt. Außerdem werden Wellblechdächer für abgedeckte Häuser sowie der Wiederaufbau des Krankenhauses in Tacloban und der Grundschule auf Manicani unterstützt. Die Projekte konzentrieren sich auf Tacloban und Umgebung sowie auf die kleine Insel Manicani.

Welthungerhilfe

In den ländlichen Regionen im Norden der Insel Panay, um die Stadt Roxas, unterstützt Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe 5.000 Familien mit Materialien für Notunterkünfte – wie Zeltplanen, Seile und Pakete mit Nägeln, Hämmern, Moskitonetzen und Taschenlampen. Die Menschen benötigen diese Materialien dringend, um aus den Trümmern ihrer Häuser erste Notunterkünfte zu bauen. Die Hilfsmaßnahmen werden gemeinsam mit der einheimischen Partnerorganisation Philippine Rural Reconstruction Movement (PRRM) durchgeführt und durch Mittel des Auswärtigen Amtes finanziert. Die Hilfsgüter werden zu einem großen Teil lokal gekauft, um die einheimische Produktion zu unterstützen. Parallel dazu werden 84 mobile Behälter für die Aufbereitung von Trinkwasser in Panay verteilt.

Stand: 22. November 2013

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-552 Wed, 20 Nov 2013 13:33:00 +0100 Philippinen: Rückkehr zur Normalität ermöglichen presse/pressearchiv/archiv-detail-view/philippinen-rueckkehr-zur-normalitaet-ermoeglichen.html Bündnis Entwicklung Hilft ist auch in entlegenen Regionen aktiv

Berlin, 20. November 2013 – Bündnis Entwicklung Hilft hat seine Nothilfe auf den Philippinen auf entlegene Regionen im Norden Panays und Samar ausgeweitet. Dort war bislang noch keine Hilfe angekommen. Neben der unbedingt notwendigen Überlebenshilfe konzentrieren sich die Aktivitäten der sieben Bündnis-Mitglieder nun auf Maßnahmen, die den Menschen helfen, zumindest stückweise zur Normalität zurückzukehren und möglichst schnell wieder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können.  

„Die Bevölkerung hier macht sich mit viel Energie an die Beseitigung der Schäden. Überall wird gehämmert und repariert“, berichtet Antje Weber von Bündnis-Mitglied Kindernothilfe aus Guiuan. „Dieses Engagement möchten wir mit unseren Maßnahmen unterstützen.“ Die Kindernothilfe ist im Osten der Insel Samar aktiv und organisiert unter zum Beispiel den Notbetrieb von Kindertagesstätten. In den besonders betroffenen Gebieten im Norden der Insel Panay und im Süden Samars versorgt Bündnis-Mitglied Misereor über lokale Partnerorganisationen derzeit 11.000 Haushalte mit Nothilfepaketen für drei bis fünf Tage. Gleichzeitig erhalten die Menschen Material, um ihre Häuser zu reparieren oder ihre Boote wieder instand setzen zu können. 

Auch Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe ist im Norden Panays aktiv. Der Fokus der Hilfe liegt derzeit auf der Errichtung von Notunterkünften. Nägel, Hämmer, Seile und Zeltplanen werden an 3.500 Familien ausgegeben, damit sie sich aus den Trümmern ihrer Häuser provisorische Unterkünfte bauen können, um möglichst schnell wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Material für den Hausbau wird zum großen Teil direkt vor Ort gekauft, um die einheimischen Märkte und Händler zu unterstützen.

In Tacloban auf Leyte, wo die Versorgungslage nach wie vor katastrophal ist und Arzneimittel fehlen, stellt Bündnis-Mitglied terre des hommes für das örtliche Krankenhaus sechs neue Transportfahrzeuge bereit, damit beispielsweise dringend benötigte Medikamente herbeigeschafft werden können. Die bislang genutzten Fahrzeuge waren durch den Taifun zerstört worden. Darüber hinaus leistet terre des hommes Nothilfe in abgelegenen Regionen der Insel Samar und auf der davor gelagerten Insel Manicane. Dort erhielten 600 Familien per Boot erste Nahrungsmittellieferungen, die ausgeweitet werden sollen. terre des hommes stellt außerdem in San Jose Wellblech zur Verfügung, damit Häuser, die der Taifun abgedeckt hat, regensicher gemacht werden können.

Die einheimische Partnerorganisation Samahang Operasyong Sagip (SOS) von Bündnis-Mitglied medico international versorgt derzeit 44.000 Menschen auf Leyte und Samar. Neben Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln besteht vor allem Bedarf an Arzneimitteln wie Antibiotika, schmerz- und fiebersenkenden Medikamenten und Mitteln zur Trinkwasserdesinfektion. Auch Bündnis-Mitglied Brot für die Welt setzt sich für die Wiederherstellung der medizinischen Infrastruktur auf den Philippinen ein und prüft derzeit, den Wiederaufbau eines Krankenh