Bündnis Entwicklung Hilft http://www.entwicklung-hilft.de/ Hier gibt es aktuelle Informationen zum Bündnis Entwicklung Hilft de_DE Bündnis Entwicklung Hilft Mon, 29 May 2017 13:36:28 +0200 Mon, 29 May 2017 13:36:28 +0200 TYPO3 EXT:news news-777 Wed, 10 May 2017 10:45:57 +0200 „Die somalische Regierung muss endlich in die Verantwortung gebracht werden” http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-somalische-regierung-muss-endlich-in-die-verantwortung-gebracht-werden.html Die „London Somalia Conference 2017“ am 11. Mai soll die politischen Weichen stellen für eine bessere Zukunft des Landes am Horn von Afrika. Es geht um die Themen „Sicherheit“, „Politische Reform und Regierungsführung“, „Wirtschaftliche Entwicklung“ und neue Partnerschaftsvereinbarungen zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und der somalischen Regierung. Nach der Premiere 2012 und der Fortführung 2013 ist die Konferenz die dritte ihrer Art in London. Dr. Abdullahi Hersi, Geschäftsführer der somalischen Nichtregierungsorganisation „Nomadic Assistance for Peace and Development“ (NAPAD), spricht im Interview über seine Erwartungen an die Konferenz, die Schwäche der somalischen Regierung und die Fehler der internationalen Gemeinschaft.

Herr Dr. Hersi, was sind Ihre Erwartungen an die bevorstehende Somalia-Konferenz in London?

Ein Richtungswechsel. Wenn wir dem gleichen Ansatz wie 2012 und 2013 folgen, wird es keine Veränderung geben. Es ist Zeit, sich mehr auf die Regierung und ihre Institutionen zu konzentrieren. Jetzt haben wir in Somalia einen neuen Premierminister und einen Präsidenten, die zusammen die Probleme des Landes lösen und Dinge in eine positive Richtung lenken wollen. Hierfür brauchen sie jedoch die richtige Unterstützung. Eines der Hauptziele der amtierenden Regierung ist die Durchführung einer öffentlichen Wahl im Jahr 2020. Dieses Ziel kann aber nicht erreicht werden, ohne dass man der amtierenden Regierung hilft, sowohl die Wirtschafts- als auch die Sicherheitsstandards zu verbessern. Es gibt einen neuen nationalen Entwicklungsplan, der dringend umgesetzt werden muss. Und die Bürger Somalias wollen die Umsetzung durch ihre Regierung sehen, nicht durch die UN oder NGOs. Wenn die Londoner Konferenz nicht mit neuen brauchbaren Strategien daherkommt, die die Regierung Somalias und ihre Bürger darin unterstützen, aktiver zu sein und mehr Führung zu übernehmen, wäre diese Konferenz nur Zeitverschwendung.

Was kann die internationale Gemeinschaft tun, um der somalischen Regierung zu helfen, etwas zu verändern?

Die internationale Gemeinschaft hat großzügige Arbeit geleistet, aber diese Unterstützung kann kein Dauerzustand bleiben. Es ist unabdinglich, die Regierung Somalias und ihre Institutionen zu stärken, um das Vakuum zu füllen, das durch ihre Schwäche entstand. Es gibt bereits einige Unterstützung durch die Vereinten Nationen und die Umsetzung politischer Ziele wie „Sicherheit“ oder „Gerechtigkeit“ im neuen Handlungsprogramm, das 2013 auf der Brüsseler Somalia-Konferenz verabschiedet wurde. Aufgrund von schwachen Institutionen wird der Regierung jedoch immer wieder Veruntreuung von Ressourcen vorgeworfen. Dieses Problem lässt sich aber nicht durch Vorwürfe und Entmündigung lösen. Es bedarf eines Aus- und Aufbaus öffentlicher Institutionen. Die internationale Gemeinschaft muss mit Mechanismen zur Umsetzung zur Seite stehen – und mit Möglichkeiten zur Kontrolle, ob das Geld richtig verwendet wurde. In der Vergangenheit haben wir die Erfahrung gemacht, dass Geld veruntreut wurde und die internationale Gemeinschaft die Füße stillhielt, um die Regierung zu unterstützen.     

Um dauerhafte Lösungen für die langwierigen Krisen zu finden und die Wiederherstellung des Friedens wie auch der wirtschaftlichen Entwicklung in Somalia zu erreichen, ist es meiner Meinung nach wichtig, dass sowohl die negative Wahrnehmung als auch die schlechten Praktiken der Vergangenheit angehören müssen. Die somalische Regierung muss endlich in die Verantwortung gebracht werden. AMISOM, die Mission der Afrikanischen Union in Somalia, und die internationale Gemeinschaft können dabei nur die Rolle des Unterstützers spielen. Ich bin überzeugt, dass die derzeitige Führung in Somalia die Herausforderungen kennt und gewillt ist, die Krise effektiv zu bekämpfen.

Es ist dabei von größter Wichtigkeit, dass die Regierung ihren Bürgern Dienste zur Verfügung stellt und damit die Fähigkeit zeigt, den Menschen zu dienen, die sie vertritt. Wäre dies nicht so, würde sie dysfunktional erscheinen, und die Menschen würden den Aussagen und der Propaganda von Aufständischen und Extremistengruppen glauben, die die Regierung als Marionette fremder Länder darstellen. Dies würde die radikalen Gruppierungen nur stärken. Natürlich kann das nicht ohne die internationale Gemeinschaft erreicht werden, da wir wissen, dass die Regierung kein Geld hat, da sie kein starkes Steuersystem etablieren konnte.

Im Jahr 2013 startete die Regierung mit internationaler Unterstützung den „Somali Compact“, und die Brüsseler Konferenz versprach zwei Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe. Aber die Regierung beklagte sich über die Umsetzung, weil sie nicht direkt die von der internationalen Gemeinschaft in Brüssel zur Verfügung gestellten Ressourcen erhielt. Viele Versprechungen wurden gemacht, aber am Ende dieser vier Jahre hatte sich nichts bewegt. Das Gros bleibt unverändert und die staatlichen Institutionen sind nach wie vor schwach. Es gibt Ministerien, die ein Budget von lediglich 40.000 US-Dollar im Monat haben, inklusive der Gehälter für ihre Mitarbeiter. Welche Art Fortschritt soll man von solchen Institutionen erwarten? Sie können keinerlei Lösungen liefern. Am Ende des Tages spielt dies den radikalen Gruppen in die Karten. Der Ansatz der internationalen Gemeinschaft gegenüber Somalia bis jetzt war falsch.

Wieweit hat sich die Situation in Somalia seit 2012 verändert?

Es macht den Anschein, dass wir nichts aus der Krise 2012 gelernt haben und recht ähnliche humanitäre Konditionen durchleben. Es gibt keine Änderungen in Bezug auf Vorbereitung und wirksame Abschwächung. Die humanitären Organisationen stehen weiterhin vor ähnlichen Herausforderungen, was den Zugang zu den Bedürftigen betrifft. Die von Dürre betroffenen Gemeinden kämpfen immer noch mit Herausforderungen, die wir im Jahr 2012 bereits hatten, einschließlich hoher Mangelernährung, Hunger, der hohen Sterblichkeit von Müttern, Wasser- und Nahrungsmangel, den Verlust von produktiven Vermögenswerten wie Viehbestand und Worst-Case-Szenarios mit beispiellos hohen Zahlen an Toten.

Die amtierende Regierung hat jetzt ein Ministerium für Humanitäres und Katastrophen-Management eingerichtet. Für mich ist das ein erster Schritt in die richtige Richtung, um langfristige Lösungen für die bevorstehenden Dürren und ähnliche Krisen zu finden, die viele Unschuldige das Leben kosteten. Ich denke, dass wir uns im Kreis drehen und scheitern, solange wir uns nicht auf dauerhafte und zukunftsorientierte Lösungen konzentrieren.

Somalia hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Dürren zu kämpfen. Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig, um zukünftige Notfallsituationen zu vermeiden?

Somalia steht vor vielen Herausforderungen – teils natürlichen, teils vom Menschen gemachten. Die natürlichen Herausforderungen, einschließlich der Dürrezyklen, die die Menschen alle drei bis vier Jahre treffen und die lokale Wirtschaft lähmen, erfordern Vorbereitungen und Kapazitäten, um die Auswirkungen der Katastrophen einzudämmen. Und darum wird die Rolle der Regierungsinstitutionen unentbehrlich. Im Hinblick auf die Reaktion auf Krisen und derzeit vorherrschende Notwendigkeiten sind Wasser, Nahrung und Medizin erste Priorität, und es gibt keine Möglichkeit, die Dürre zu mildern, ohne eine Lösung für die Nahrungsmittelknappheit und den Mangel an Wasser zu finden. Hinzu kommt, dass es aufgrund des Mangels an notwendigen bezahlbaren Alternativen eine Menge Entwaldung gibt, da viele Leute zum Kochen oder um Holzkohle zu produzieren und zu verkaufen, einfach abholzen. Dies führt zu langfristigen sozioökonomischen und Umweltproblemen.

Ein Paradigmenwechsel ist notwendig, um die vorherrschenden strukturellen Probleme zu lösen, sonst kommen wir nicht voran. Des Weiteren müssen wir die Sicherheits- und Wirtschaftssituation verbessern. Es ist aber nicht nur die Regierung, die eine aktive Rolle spielen muss – es ist die ganze Gesellschaft und vor allem die Menschen, die von der Situation betroffen sind, die im Zentrum der Entscheidungsfindung stehen müssen.

NAPAP hat Büros in Somalia und Kenia, ist der lokale Partner der Bündnis-Mitglieder medico international und terre des hommes. NAPAD arbeitet auf beiden Seiten der somalisch-kenianischen Grenze, leistet Nahrungsmittelhilfe für Familien auf der Flucht vor Krieg und Klimawandel. medico international unterstützt die Arbeit von NAPAD  in Somalia, terre des hommes jene in Kenia.

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news-776 Tue, 25 Apr 2017 10:31:46 +0200 „Die Angst vor dem nächsten Beben steckt ganz tief drin in den Menschen“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-angst-vor-dem-naechsten-beben-steckt-ganz-tief-drin-in-den-menschen.html Heute vor zwei Jahren wurde Nepal von einem verheerenden Erdbeben getroffen, am 12. Mai folgte ein zweites starkes Beben. 600.000 Häuser stürzten ein, 8.800 Menschen verloren ihr Leben, 22.300 Menschen wurden verletzt, die Infrastruktur massiv beschädigt. Auch zwei Jahre später befindet sich Nepal abseits des Interesses der Weltöffentlichkeit nach wie vor mitten im Prozess des Wiederaufbaus. Asja Hanano, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in Nepal, bewertet im Interview den Stand des Wiederaufbaus, schildert die Zusammenarbeit mit den nepalesischen Behörden und erklärt, warum es um viel mehr geht als nur zerstörte Häuser.

Frau Hanano, wie würden Sie den Stand des Wiederaufbaus zwei Jahre nach dem Erdbeben in Nepal beschreiben? 



Es geht sehr, sehr schleppend voran. Von den 600.000 komplett zerstörten Häusern ist nur ein Bruchteil wieder aufgebaut, offiziell haben nur 3,54 Prozent der betroffenen Menschen ihre Häuser wieder aufgebaut. Die meisten Menschen leben also noch in temporären Unterkünften, kleinen Hüttchen, die sie sich direkt nach der Katastrophe aus Wellblech zusammengezimmert haben. Bei den über 8.000 zerstörten Schulen liegt die Wiederaufbauquote bei zehn Prozent, von den 500 zerstörten Krankenstationen ist etwa die Hälfte wieder aufgebaut.

 




Warum dauert es so lange?



Die Gründe sind vielschichtig. Zunächst hat sich die Identifizierung der Erdbebenopfer ewig hingezogen. Die Regierung musste überall vor Ort prüfen: Ist das Haus wirklich zerstört? Inwiefern ist es zerstört? Wer ist der Hausbesitzer? Das hat ein ganzes Jahr gedauert. Was aber teilweise auch verständlich ist. Denn manchmal müssen Sie erst sechs Stunden mit dem Auto fahren und dann noch einmal acht Stunden zu Fuß gehen, um ein Haus zu erreichen.



Hinzu kommt die Frage der Entschädigung: Nach langem Hin und Her hat die Regierung jedem Erdbebenopfer als Entschädigung 200.000 Nepalesische Rupien zugesichert. Das sind umgerechnet 1.800 Euro. Um ein Haus zu bauen, braucht man mindestens 6.000 Euro, oder mehr. Die erste Rate von 50.000 Rupien pro Kopf wurde erst im August 2016 ausgezahlt. Wer kein Geld hatte, konnte vorher also auch nicht damit anfangen, sein Haus wieder aufzubauen. Und selbst wer Geld dafür hatte, konnte es nicht tun. Denn dann hätte die Regierung den Status der Bedürftigkeit aberkannt. 



Diese erste Rate von 50.000 Rupien pro Kopf war für das Fundament des Hauses bestimmt. Unklar war jedoch, nach welchen Richtlinien gebaut werden sollte. Da hat die Regierung die Bevölkerung zu wenig aufgeklärt. Was ist passiert? Die Leute haben gebaut und die Ingenieure der Regierung haben das Fundament nicht abgenommen. Die Menschen bekommen nun die zweite Rate nicht. Von über 600.000 Personen, die sich für die Entschädigung registriert haben, haben nur 4.000 die zweite Rate bekommen, also weniger als ein Prozent. In der Folge haben viele Menschen einen Kredit aufgenommen, teilweise mit Zinsen von 25 Prozent oder mehr. Das stürzt die zumeist ohnehin armen Menschen umso tiefer in die Armut.

 




Welche Rolle spielt die Bürokratie? 



Eine gewichtige. Zunächst muss ein Antrag für ein Wiederaufbauprojekt durch Behörden auf sehr vielen Ebenen laufen. Nehmen wir als Beispiel eine Schule: Erstmal geht das auf lokaler Ebene durch den Schulmanagement-Ausschuss und durch den Dorfentwicklungs-Ausschuss. Es folgt die Bezirksebene und geht dann auf die nationale Ebene nach Kathmandu zur „National Reconstruction Authority“ (NRA), der Regierungsstelle, die den gesamten Wiederaufbau koordinieren soll. Leider hat  die NRA ständig die Richtlinien geändert. Am Ende gab es hundert verschiedene Baudesigns für erdbebensicheres Bauen einer Schule statt fünf, sechs verbindliche Standards, die man für alle lokalen Gegebenheiten einsetzen kann. Deshalb dauert so ein Antrag schon einmal vier Monate.  


Auf der lokalen Ebene läuft die Zusammenarbeit mit den Behörden wiederum sehr gut, zum Beispiel mit den „Female Community Health Volunteers“ des Gesundheitsministeriums. Das sind hoch motivierte Frauen, die z.B. Ernährungsaufklärung betreiben und Impfkampagnen machen.

 

Wie steht es um die personellen und materiellen Kapazitäten für den Wiederaufbau?

In vielen Dörfern sind bloß alte Menschen, Frauen und Kinder. Denn die jungen Männer sind als Arbeitsmigranten in Dubai oder Saudi-Arabien, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Somit fehlen vor Ort die Arbeitskraft und das technische Know-how. Die Regierung und Nichtregierungsorganisationen haben viele Programme gestartet, um beispielsweise Maurer und Tischler auszubilden. Gleichzeitig hat die Regierung die Ingenieure, die auf Distriktebene den Wiederaufbau anleiten sollten, nicht vernünftig bezahlt. Sie haben gestreikt oder gleich ganz aufgehört zu arbeiten. Konsequenterweise wurde das Gehalt dann später erhöht, um die dringend benötigte technische Expertise auf lokaler Ebene zu gewährleisten.



Es mangelt aber auch an Ressourcen, aktuell an Holz. Die meisten Wälder sind kommunal und stehen unter Schutz, nachdem sie in jahrelanger Kleinstarbeit wieder aufgeforstet wurden. Um Holz aus diesen Wäldern zu bekommen, bedarf es eines langwierigen Prozesses durch die verschiedenen Regierungsinstanzen, die die Abholzung erst offiziell erlauben müssen.




 

Die lokalen Partner des Bündnis-Mitglieds medico international beklagen, dass die in Nepal anstehenden Wahlen zum einen den Fokus der Politik weg von der Aufgabe des Wiederaufbaus lenken, zum anderen zu massiven Spannungen innerhalb der Bevölkerung führen könnten. Wie schätzen Sie die politische Lage ein?



Als die neue Verfassung am 20. September 2015 bestätigt wurde, ging es mit den politischen Unruhen los. Insbesondere die Madhesi im Süden des Landes, aber auch andere ethnische Gruppen, fühlen sich in der neuen Verfassung nicht ausreichend vertreten. Nun gibt es die ersten lokalen Wahlen seit 20 Jahren und die Madhesi wollen sie boykottieren. Die Öffentlichkeit ist extrem politisiert und die Wahl lenkt die Aufmerksamkeit natürlich weg vom Thema des Wiederaufbaus.

 

 

Das Beben hat bei vielen Betroffenen ein Trauma ausgelöst, ein Thema, mit dem sich nicht nur unser Mitglied Christoffel-Blindenmission verstärkt auseinandergesetzt hat. Wie gut hat die nepalesische Bevölkerung die Katastrophe psychisch verarbeitet? 



Als es im vergangenen Jahr kleinere Nachbeben gab, sind meine Kollegen hier in der Stadt jedes Mal völlig ausgeflippt. Da hat man gemerkt: Die Leute stehen noch völlig unter Schock. Doch auf dem Land ist es noch viel schlimmer. Denn da geht es nicht nur um zerstörte Häuser. Ein Viertel der nepalesischen Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze von einem halben US-Dollar pro Tag, 35 Prozent der Bevölkerung sind nicht ernährungssicher. Stellen Sie sich mal vor: Nach zwei Jahren lebt eine Großfamilie noch immer in einer Wellblechhütte. Die haben zwei Winter überstanden mit kleinen Kindern und die Männer sind wahrscheinlich schon wieder weg, arbeiten, um Geld reinzubringen. Noch eine Naturkatastrophe überstehen die nicht. Die Angst vor dem nächsten Beben steckt ganz tief drin in den Menschen.

 

Was sehen Sie als die drei wichtigsten Aufgaben für die nepalesischen Partner der Welthungerhilfe in den kommenden Monaten?



Zunächst „Disaster Preparedness“, Notfallbereitschaft. Das heißt, die Reaktionsmechanismen auf lokaler Ebene aufzubauen. Wir machen gemeinsam mit unseren Partnern gemeindebasiertes Katastrophenmanagement, sodass die Leute die Risiken analysieren und gemeinsam Mechanismen entwickeln, wie sie sich am besten vorbereiten und schützen können. 



Die zweite Sache, ganz wichtig, ist „Livelihood Recovery“, also die Resilienz der Menschen zu erhöhen. Das Kernmandat der Welthungerhilfe ist die Bekämpfung des Hungers (Unterernährung, Mangelernährung und akuter Hunger) mit dem Ziel „Zero Hunger wherever we work by 2030“. Da arbeiten wir an der Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und der Diversifikation des Anbaus – etwa durch den Einsatz von dürreresistentem Saatgut. Wir beraten die Menschen im Einsatz von biologischen Pestiziden als Ersatz für Agrochemikalien und verbessern die Wasserversorgung, zum Beispiel durch die Einführung von Mehrzweck-Wassersystemen. Dabei wird beispielsweise Abwaschwasser noch dazu genutzt, einen kleinen Küchengarten zu bewässern. Komplementär dazu machen unsere Partner Ernährungsberatung für Frauen, denn verbesserte Landwirtschaft allein ist keine Garantie für eine verbesserte Ernährungssituation, es geht ganz stark auch um Verhaltensänderung. 


Wie in anderen Ländern verfolgt die Welthungerhilfe auch in Nepal einen rechtebasierten Ansatz. Wir können technische Assistenz leisten, aber es braucht mehr: Wir wollen die Zivilgesellschaft und auch unsere Partner darin stärken, die Regierungsstellen mehr in die Verantwortlichkeit zu ziehen. Was gibt es für Services, zum Beispiel vom Landwirtschaftsministerium auf Distriktebene, die die Bevölkerung bekommen sollte, aber nicht erhält? Dann unterstützen wir die Bevölkerung zum Beispiel darin, dass mehr Geld im Jahresbudget der lokalen Regierung für Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Durch die lokalen Wahlen sehen wir ein Potential für dezentralisierte Machtverhältnisse. „Power to the People!“ lautet die Maxime des Wahlkampfs. So hoffen wir, dass die Bevölkerung künftig mehr in ihre eigene Entwicklungsplanung und die politischen Prozesse eingebunden ist.

 

Das Bündnis-Mitglied terre des hommes sieht angesichts der Folgen des Klimawandels weitere Herausforderungen auf Nepal zukommen. Worauf muss sich das Land mittel- und langfristig einstellen? 



Es gibt ja jetzt schon Probleme. Einerseits die Dürre: Während der Trockenzeit gibt es Waldbrände. Andererseits der Monsun: In der Regenzeit, die jetzt im Juli wieder anfängt, gibt es Überschwemmungen. Diese Probleme werden durch den Klimawandel noch verschlimmert. Es braucht langfristige Anpassungsmaßnahmen und effektive Strategien der Risikoreduzierung. Und die können nur mit den Menschen vor Ort entwickelt werden. Auf zentraler Ebene können tausend „Policies“ geschrieben werden, wenn die Bevölkerung in den Dörfern nicht mitgenommen wird, dann wird auch so schnell nichts passieren.

 

Was macht Ihnen Mut für die weiteren Schritte des Wiederaufbaus? 

Wenn die Wahlen die lokalen Behörden stärken und sich die Dezentralisierung hoffentlich bis Ende des Jahres halbwegs eingestellt hat, hat die lokale Bevölkerung nicht nur mehr Rechte, die Prozesse würden auch massiv beschleunigt, wenn nicht immer alles über die zentrale Ebene laufen müsste.

 

Weitere Informationen: 
terre des hommes

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news-775 Thu, 13 Apr 2017 15:26:48 +0200 „Unsere Lebensweise ist Mitauslöser der Hungerkrise“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/unsere-lebensweise-ist-mitausloeser-der-hungerkrise.html Anne Jung, Mitarbeiterin von medico international im Bereich Campaigning, schildert im Interview die Lage in Kenia und Somalia und benennt strukturelle Probleme, die die aktuelle Hungerkrise in Ostafrika mitverursacht haben.


Frau Jung, Sie sind vor kurzem aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi zurückgekehrt. Wie stellt sich Ihnen die Lage vor Ort dar? In welchen Regionen Kenias ist die Lage momentan am schlimmsten? Woran mangelt es?

Das Hauptproblem ist weiterhin der fehlende Zugang zu Wasser. Diese Situation hat sich in den letzten zwei Jahren immer weiter zugespitzt. Vor allem im Nordosten ist die Lage sehr schlecht, dort sind 70 Prozent der Wasserquellen versiegt. In der Folge des Wassermangels treten viele Krankheiten auf, wie zum Beispiel Cholera oder Durchfallerkrankungen. Solche Armutskrankheiten schwächen die Menschen enorm und viele sterben an den Folgen. Die Dürrekatastrophe in Kenia ist aber flächendeckend, weshalb für die Menschen kurzfristig überhaupt kein Ausweg sichtbar ist. Viele Weideflächen sind vertrocknet und die nomadisch lebenden Hirten können ihre Herden nicht mehr versorgen. Unsere Partner, die in der östlichen Provinz Garissa arbeiten, haben uns berichtet, dass selbst Kamele an Wassermangel sterben, obwohl diese Tiere sehr wenig Wasser benötigen. 

Auch Nairobi ist Ziel der Hirten, die ihr Vieh dort in Parks oder am Straßenrand grasen lassen. Wie wirken sich die Hungerkrise und die damit einhergehende Migration innerhalb Kenias auf die Städte aus?

Vereinzelt haben wir in Nairobi Hirten mit ihren Herden auf den Grünstreifen an den Straßenrändern angetroffen und es wurde uns berichtet, dass dies zum Teil die ohnehin angespannte Verkehrssituation weiter verschlechtert.

Der Zuzug in die Städte hat aufgrund von bewaffneten Konflikten und der Verpachtung von riesigen Landflächen an ausländische Investoren schon vor Jahren begonnen und geht mit den Problemen einher, mit denen sich die Bevölkerung, gerade in den Slums, schon lange herumschlagen muss. Das betrifft vor allem den Zugang zu sauberem Wasser und zur Grundversorgung, weil die Enge des städtischen Raums kaum Möglichkeiten bietet für landwirtschaftliche Nutzung.

Das aktuell nicht mehr Menschen in die Städte kommen liegt vor allem daran, dass viele von ihnen schlicht zu schwach sind zu fliehen. Aus den Dörfern wird uns berichtet, dass sich oft das  Familienoberhaupt auf den Weg gemacht hat, um die Lage in den umliegenden Orten zu sondieren. Die Familien bleiben aber vorerst dort und sind damit in der dramatischen Situation, einfach abwarten zu müssen.

Neben Kenia ist medico International auch in Somalia aktiv. Dort unterstützen sie vor allem lokale Organisationen. Welchen Eindruck vermitteln Ihnen die Partner von der Lage in Somalia?

Die Mitarbeiter unserer somalischen Partnerorganisation NAPAD waren bis kurz vor unserem Treffen auf „Fact Finding Mission“ in einer Provinz im Süden, entlang der Grenze zu Kenia. Die Lage ist auch dort sehr schlimm. Die Wasserpreise sind, bedingt durch die Dürre, in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu 300 Prozent angestiegen, sodass die Menschen sich Wasser schlicht nicht leisten können, selbst wenn sie Zugang dazu haben. Viele haben sich auf den Weg gemacht, um an anderen Orten im Land Zugang zu Wasser und humanitärer Hilfe zu finden. Die UNO spricht von mindestens  250.000 Binnenflüchtlingen. Aber auch in Somalia führt der Mangel an sauberem Wasser z.B. zu Choleraerkrankungen. Einmal mehr trifft das Leid die Ärmsten der Armen. 

In Somalia ist die Infrastruktur sehr schlecht. Viele Orte sind nicht an das Straßennetz angeschlossen, Telefonverbindungen gibt es nicht. Ist es unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich, sich ein umfassendes Bild der Lage im Land zu machen?

Nein, das ist tatsächlich nicht möglich und auch unsere Partner sagen, dass sie sich über die Situation in vielen Landesteilen kein genaues Bild machen können. Die Menschen sind sehr ängstlich, wegen der permanenten Bedrohung durch die Vielzahl bewaffneter Milizen, von denen die al-Shabaab wohl die bekannteste ist. Diese Verängstigung der Menschen macht es schwer, einen Zugang zu ihnen zu finden und im Gespräch verlässliche Informationen zu erhalten. 

Ich bin daher sehr beeindruckt von der Arbeit unserer Partner, die auch unter schwierigen Bedingungen immer versuchen, mit möglichst vielen Menschen zu sprechen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie sprechen mit den lokalen Dorfvorstehern oder den örtlichen Vertretern der Regierung. Das dient nicht zuletzt auch der Verhinderung von Verteilungskämpfen um die wenigen Hilfsgüter, die in den Regionen ankommen. 

Medico International fordert schon seit Jahren, die Zusammenarbeit mit lokalen Strukturen zu intensivieren, weil die Menschen mit Sprach- und Ortskenntnis sich am sichersten vor Ort bewegen können und deren Arbeit den größten Erfolg verspricht. 

Im Zusammenhang mit der Hungerkrise ist häufig von strukturellen Ursachen die Rede. Was genau ist damit gemeint?

Lassen Sie mich das zunächst mit einem Zitat beantworten. „Nur wenn wir die Ursachen von Tragödien verstehen, werden sie sich nicht wiederholen.“ Mit diesem Satz begann der Aufruf „Rechte statt Mitleid“, den medico gemeinsam mit einer Gruppe afrikanischer und europäischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller als Reaktion auf die letzte Dürre, im Jahr 2011, veröffentlicht hat. 

Schon damals haben wir einige zentrale politische Aspekte, wie Krieg, Klimawandel, unfaire Handelsbeziehungen, Lebensmittelspekulation und Landraub thematisiert und die Regierungen zu einem Strategiewandel aufgefordert. Wenn man sich diese Themen genauer ansieht wird klar, dass für die Prävention von Hungerkrisen vor allem der Aufbau einer lokalen, nachhaltigen Landwirtschaft nötig wäre. Dies ist aber nicht im Interesse internationaler Lebensmittelkonzerne. Diese setzen darauf in den Ländern der Region Lebensmittel anzubauen, die für den Export bestimmt sind, um sie als  Viehfutter oder Biosprit zu verwenden, statt Menschen satt zu machen. Diese Situation ist unerträglich und wir haben damals schon gefordert, dass solche strukturellen Probleme angegangen werden müssen. Das muss ganz oben auf der politischen Agenda europäischer Länder stehen, aber hier ist in den vergangenen Jahren viel zu wenig passiert. 

Wenn man über strukturelle Ursachen solcher Probleme wie der Hungerkrise spricht, muss man immer eine globale Perspektive einnehmen. Auf der nationalstaatlichen Ebene lassen sich Probleme solchen Ausmaßes nicht mehr lösen.

Teilweise entsteht der Eindruck, die Regierungen der ostafrikanischen Länder verließen sich pauschal darauf, dass internationalen Geberorganisationen im Falle von Hungerkrisen mit Nothilfeprogrammen die Situation im Land stabilisieren. Kann man hier von „gelernter Hilflosigkeit“ seitens der afrikanischen Regierungen sprechen? Welche Verantwortung trifft dabei auch die internationale Gemeinschaft?

Nun, unsere Gesprächspartner in Kenia haben alle zugestimmt, dass die genannten strukturellen Probleme großen Einfluss auf die Situation in Afrika haben. Gleichzeitig kritisierten sie sehr vehement die Passivität der Afrikanischen Union und vor allem auch der nationalen Regierungen jener Länder, die wirtschaftlich stark sind. Kenia, aber zum Beispiel auch Nigeria oder Südafrika, sind wirtschaftlich starke Länder. Alle diese Länder sind aber sehr auf ihre nationalen Probleme fokussiert, in politische Krisen oder Wahlkämpfe verstrickt. Vor dem Hintergrund lassen sich mit Themen wie Klimawandel keine politischen Punkte gewinnen. 

Beide Seiten, also die afrikanischen Regierungen, wie auch die Regierungen der Geberländer, müssen ihren Teil der Verantwortung tragen und das in den Fokus nehmen, was ihre Länder besonders betrifft. Unser Partner KAPLET fordert, dass die afrikanischen Regierungen ihre jeweiligen Gesetze, in Kenia ist das zum Beispiel das Recht auf Zugang zu medizinischer Versorgung oder das Recht auf Zugang zu Lebensmitteln, konsequent durchsetzen und ihren Pflichten nachkommen. Hier scheitern strukturelle Veränderungen am politischen Unwillen und das ist ein Aspekt, dessen  man sich sehr bewusst sein muss, gerade wenn es darum geht, Druck auf diese Regierungen aufzubauen. Gleichzeitig muss man die europäische Verantwortung, dazu zählt auch, unsere Lebensweise auf Kosten anderer zu thematisieren.

Letztlich ist es eine skandalöse Situation, dass die UNO, die die Völkergemeinschaft repräsentiert, um Spenden werben, nachgerade betteln muss. Die UNO müsste die nötigen Mittel ganz automatisch von den Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt bekommen. Das dem nicht so ist hängt auch damit zusammen, dass die Vielzahl der Notlagen weltweit immer weiter anwächst. Eben deshalb müssen die strukturellen Ursachen für Kriege und Katastrophen in den Blick genommen werden.  

Welche Konsequenzen wird die jetzige Hungerkrise langfristig haben?

Man muss sich darüber klar sein, dass solche Hungerkrisen die Menschen in den Ländern noch über mehrere Generationen hinweg prägen werden. Die Folgen von Mangelernährung sind unter anderem ein verlangsamtes Wachstum, Lernschwächen und die Menschen erleiden schwere Traumata durch den Verlust von nahen Angehörigen. Deshalb muss, neben der akuten Nothilfe, die natürlich nötig ist, auch die strukturelle Veränderung angegangen werden. Ein Aspekt ist der Aufbau von Frühwarnsystemen und Schutzmaßnahmen. Diese haben bei der aktuellen Krise auch teilweise schon Wirkung gezeigt. An einigen Orten waren Wasserrückhaltebecken installiert worden, Nahrungsmittelreserven wurden angelegt und die Agrarwirtschaft nachhaltig gestaltet. Angesichts des Ausmaßes der Krise waren diese Maßnahmen nicht ausreichend, aber es ist nicht so, dass es seit der letzten Krise gar keine Veränderungen gegeben hätte. 

Zum Glück stellen wir eine wachsende Handlungsbereitschaft seitens der deutschen Regierung und auch eine wachsende Spendenbereitschaft der Bevölkerung fest, die gerade überlebensnotwendig ist. Die beste Prävention wäre jedoch der Abbau der strukturellen Ursachen, die wir bereits besprochen haben. Damit das geschieht, ist politischer Druck nötig. 

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news-774 Thu, 06 Apr 2017 12:32:03 +0200 „Man muss sich darauf einstellen, dass immer öfter Regenzeiten komplett ausfallen“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/man-muss-sich-darauf-einstellen-dass-immer-oefter-regenzeiten-komplett-ausfallen.html Georg Ehrler betreut im Auftrag von Misereor in Äthiopien die Entwicklung verschiedener Wasserprojekte. Im Interview spricht er über ausbleibenden Regen, komplizierte Projektantragsverfahren und die Vorteile solarbetriebener Pumpen gegenüber Generatoren.

Sie waren Ende Februar in Äthiopien. Wie schätzen Sie die Lage ganz aktuell ein? 

Die Lage ist sehr kompliziert. Die zentrale Frage ist: Wann fängt es endlich an zu regnen? Im Süden bei Moyale hat es wenigstens ein paar Tropfen geregnet. Leider gab es nur dort Regen, in den anderen Gebieten blieb er komplett aus. Seit 2014 hat es wenig oder gar nicht geregnet. Auch in Gegenden, die in der Vergangenheit immer etwas Regen hatten, hat die Lage sich verschärft und die Leute sind auf Unterstützung angewiesen. Das Problem ist, dass langsam die großen Flüsse austrocknen. Die Tiere verenden massenhaft, das war schon im Februar zu beobachten. 

Diesmal scheint die Dürre weitere Bevölkerungskreise zu treffen als 2011, während der letzten großen Dürreperiode. Waren die Menschen dieses Mal nicht besser gewappnet? 

Nein, überhaupt nicht. Viele mussten sich nach 2011 ihren Viehbestand wieder neu aufbauen. Sie waren langsam wieder an dem Punkt, an dem sie ein Einkommen erzielen konnten. Jetzt trifft es sie erneut. Das ist sehr hart.  

Jenseits der reinen Trinkwasserversorgung: Wie würden Sie die Ernährungssituation in Äthiopien insgesamt beschreiben?

Insgesamt sehr schlecht. Dass die Lebensmittelversorgung sehr kritisch ist, spürt man vor allem bei den Kindern. Viele Schulen werden direkt unterstützt, damit wenigstens die Kinder einmal pro Tag eine Mahlzeit bekommen. Auf den Märkten sind Lebensmittel dermaßen teuer geworden, dass sie sich keiner mehr leisten kann. Dabei ist Äthiopien eigentlich, was Nothilfe betrifft, gut aufgestellt. Das „Safety Net“ zum Beispiel unterstützt schon seit 2005 Menschen, die als besonders bedürftig eingestuft worden sind.  Wir sprechen dabei von acht Millionen Äthiopierinnen und Äthiopiern im Jahr. Jetzt sind jedoch noch andere Gebiete dazu gekommen und es können nicht mehr alle Hilfsbedürftigen versorgt werden. 

Bei der Berichterstattung in Deutschland über die Hungerkrise in Ostafrika fällt auf, dass über Äthiopien vergleichsweise wenig zu hören ist. Woran liegt das aus ihrer Sicht?

Das liegt vielleicht daran, dass es einfach nicht im Interesse der äthiopischen Regierung ist. Viele Informationen sollen einfach nicht nach außen dringen. 

Sie sagen also, dass internationale Journalisten schwierigen Zugang zu Informationen im Land haben?

Ganz genau. Hier läuft alles über die Regierung: Jedes Projekt muss letztendlich von der Regierung genehmigt werden, bevor es tatsächlich durchgeführt werden kann. Das ist in anderen Ländern anders, da arbeitet man mit den Organisationen und Menschen direkt vor Ort. Aber in Äthiopien muss alles von der Regierungsseite abgesegnet werden, das ist nicht so ganz einfach.

Was muss einerseits dringend getan werden, um der betroffenen Bevölkerung zu helfen? Und was sind die geeigneten Maßnahmen, um langfristig diese Abhängigkeit aufzulösen und eine nachhaltige Entwicklung anzuschieben?

Dringend müssen zunächst die Nothilfeprojekte verstärkt werden. Die Regierungsseite hat in vielen Gegenden schon Heu für die Tiere der Pastoralisten ausgegeben – ich habe mich mit verschiedenen Menschen vor Ort unterhalten, doch die Menge reicht bei weitem nicht aus.  Man sollte schnellstmöglich die Menschen mit ausreichenden  Nahrungsmitteln und die Tiere mit Futtermittel versorgen. Aber immer nur kurzfristige Hilfe – das kann es nicht sein. Man muss langfristige Projekte angehen, auch wenn es länger dauert und mehr Geld kostet. Es gibt in Äthiopien einfach zu viel Nothilfeprojekte und zu wenige nachhaltige langfristige Entwicklungsprojekte!  Wichtig sind auch  Bewässerungsprojekte, um die landwirtschaftliche Produktion wieder anzukurbeln

Könnte man zukünftige Dürreperioden zumindest abmildern? Die werden, angesichts des fortschreitenden Klimawandels, in den Regionen ja wiederholt auftreten.

Man muss sich darauf einstellen, dass immer öfter Regenzeiten komplett ausfallen. Hier muss man planen, um diese Perioden zu überstehen: Man muss Pflanzen anbauen, die nicht so viel Wasser benötigen, und man muss die Wasserversorgung verbessern. Dazu muss man Brunnen bohren, Regenrückhaltebecken anlegen und Bewässerungssysteme bauen. In Äthiopien gibt es zahlreiche Quellen. Viele dieser Quellen sind noch nicht erschlossen und das an der Oberfläche ausfließende grundsätzlich saubere Wasser, wird durch den ungeschützten Zugang von Mensch und Tier wieder kontaminiert. 

Wie funktioniert ein Regenrückhaltebecken? 

Hierbei wird Oberflächenwasser gespeichert, das in Äthiopien von saisonalen Bächen gespeist wird. Die Becken haben ein Fassungsvermögen von 50.000 m³ und die vorhandene Bodenbeschaffenheit muss  ein hohes Wasserspeichervermögen haben, damit möglichst wenig Wasser versickert. Das Wasser wird mit Solarpumpen entnommen. Die Projektpartner von Misereor haben sechs dieser Becken in der Somali-Region an der Grenze zu Kenia erstellt. Schon ein eintägiger kräftiger Regenschauer konnte zwei dieser Becken komplett füllen. Somit ist es trotz fast vollständig ausgebliebener Regenzeit gelungen, viele Menschen mit Wasser zu versorgen.  Zusätzlich muss nun unbedingt versucht werden, auch Brunnen zu bohren, um an Grundwasser zu gelangen, das in Äthiopien teilweise durchaus in großer Menge vorhanden ist. 

Wie teuer ist es, einen Tiefbrunnen zu bohren? 

Der Bau eines Tiefbrunnens  mit ca. 200 Metern Tiefe und Stahlverrohrung  mit zugehöriger Ausstattung wie Entnahmestellen kostet insgesamt etwa 65.000 Euro. Je nach Ergiebigkeit kommt hierzu eine dementsprechend leistungsstarke Unterwasserpumpe hinzu, die entweder solar- oder generatorbetrieben sein kann. In den Misereor-Projekten werden momentan im Süden Äthiopiens ausschließlich solarbetriebene Pumpen eingesetzt, die zwar in der Erstanschaffung deutlich teurer, aber viel nachhaltiger sind als die Generatoren.  Die laufenden Betriebskosten sind sehr gering und die Mehrkosten von ca. 20.000 Euro sind nach einigen Jahren wieder amortisiert. 

Wie kann die internationale Politik helfen?

Es müssen vor allem entsprechende Gelder bereitgestellt werden, um Projekte angehen zu können. Vielleicht kann die Staatengemeinschaft auch auf die äthiopische Regierung einwirken, ihr Verhalten zu ändern, sich mehr zu öffnen und benötigte Unterstützung klarer zu kommunizieren.  

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news-773 Wed, 05 Apr 2017 18:01:48 +0200 Peru: Humanitäre Hilfe nach den Überschwemmungen http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/peru-humanitaere-hilfe-nach-den-ueberschwemmungen.html Heftiger Dauerregen über die letzten Wochen hat in Peru enorme Schäden verursacht. Hunderttausende sind betroffen und benötigen Hilfe. Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft haben zusammen mit ihren lokalen Partnern mit der Soforthilfe begonnen und unterstützen die Aufräumarbeiten.

Wochenlange extreme Regenfälle haben in Peru zu schweren Erdrutschen und Überschwemmungen geführt: Häuser, Brücken und Straßen wurden überflutet und zerstört. Zahlreiche Kinder und Erwachsene kamen bei Erdrutschen und Schlammlawinen ums Leben, Zehntausende sind obdachlos und haben alles verloren. Es fehlt es an sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln. In der Küstenregion im Norden Perus bis hin zur Hauptstadt Lima wurde der Notstand ausgerufen.

Als Ursache der heftigen Regenfälle gilt das Wetterphänomen El Niño. In einigen Regionen gingen Wassermengen von mehr als 190 Liter pro Quadratmeter nieder. Auf den normalerweise sehr trockenen und sandigen Böden der Anden konnten die Regenmassen nicht in die Böden einsickern, sondern flossen über die Oberflächen ab und verursachten die Überschwemmungen und Erdrutsche. 

Um die Menschen in Peru zu unterstützen, haben die Bündnismitglieder Kindernothilfe, Misereor und terre des hommes insgesamt 158.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Zusammen mit ihren Partnern haben die Bündnis-Mitglieder mit der Verteilung von Trinkwasser, Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten und Zelten begonnen. Außerdem sind die Beschaffung und Ausgabe von Material für Aufräumarbeiten und die Reparatur von Häusern und deren Absicherung gegen Regen geplant. Darüber hinaus sollen die Betroffenen, vor allem Kinder, medizinische und psychologische Betreuung erhalten.

Weiterführende Informationen zu den Hilfsmaßnahmen unserer vor Ort aktiven Mitgliedsorganisationen finden Sie auf den folgenden Websites:

https://www.kindernothilfe.de/%C3%9Cber+uns/Presse/Pressemeldungen/Pressemitteilungen+2017/Kindernothilfe+startet+Soforthilfe+nach+%C3%9Cberschwemmungen+in+Peru.html

https://www.misereor.de/presse/pressemeldungen/spendenaufruf-ueberschwemmungen-in-peru/

https://www.tdh.de/was-wir-tun/projekte/suedamerika/peru/meldungen/peru-umweltkatastrophe

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news-772 Fri, 31 Mar 2017 11:00:00 +0200 Oxfam verstärkt das Bündnis Entwicklung Hilft http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/oxfam-verstaerkt-das-buendnis-entwicklung-hilft.html Drittes assoziiertes Mitglied in dem Bündnis aus elf Hilfswerken

Berlin, 31. März 2017 – Die deutsche Sektion der internationalen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam tritt dem Bündnis Entwicklung Hilft am 1. April als assoziiertes Mitglied bei. „Wir sind von der inhaltlichen und politischen Ausrichtung des Bündnisses überzeugt und freuen uns, die Bündnis-Arbeit mit unserer Stimme zu unterstützen“, sagt Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland e.V.

„Mit seiner starken Kampagnenarbeit und der konsequenten Fokussierung auf Hintergründe und Ursachen von Krisen und Konflikten passt Oxfam sehr gut zu unserem Bündnis“, erklärt Simone Pott, Vorsitzende des Bündnis Entwicklung Hilft. „Wie unsere acht Voll- und bisher zwei assoziierten Mitglieder steht Oxfam sowohl für akute Nothilfe als auch für langfristige Arbeit ganz im Sinne unseres namensgebenden Leitsatzes ‚Entwicklung Hilft‘“, so Pott.

Von dem Zusammenschluss erhoffen sich beide Seiten auch bessere Chancen für Kooperationen mit Unternehmen, Verbänden und Medien. Gerade in Katastrophen- und Krisensituationen setzen die Bündnis-Mitglieder auf gemeinsame Spendenaufrufe. 

Weitere Informationen zu Oxfam Deutschland: www.oxfam.de

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe sowie die assoziierten Mitglieder German Doctors, Oxfam und Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-771 Thu, 30 Mar 2017 16:42:29 +0200 Update: Dürre und Gewalt – Ostafrika steht vor der größten Hungersnot seit 60 Jahren http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/update-duerre-und-gewalt-ostafrika-steht-vor-der-groessten-hungersnot-seit-60-jahren.html In ostafrikanischen Ländern leiden nach Angaben der Vereinten Nationen ca. 22 Millionen Menschen akut an Hunger und Wasserknappheit. Besonders schlimm ist die Lage in Somalia, dem Südsudan und Simbabwe. Aber auch in Kenia und Äthiopien spitzt sich die Situation dramatisch zu.

Das Bündnis Entwicklung Hilft engagiert sich umfangreich in Ostafrika. Zusammen mit ihren lokalen Partnern unterstützen die Bündnis-Organisationen vor Ort die Bevölkerung mit Nothilfemaßnahmen, meist Nahrungsmittelhilfen und Wasserversorgung, aber auch durch medizinische Hilfe und Hygienemaßnahmen, um der Ausbreitung von Krankheiten entgegen zu wirken. 

Misereor 

In drei Ländern Ostafrikas leistet Misereor gegenwärtig Nothilfe. In Kenia werden 1.400 Haushalte mit Trinkwasser versorgt, erhalten Diesel und Ersatzteile zum Betrieb von Wasserpumpen sowie Nahrungsmittel. Kooperationspartner vor Ort ist die Diözese Masarbit. In der Diözese Lodwar werden 5.500 Kinder an 15 Schulen mit Nahrungsmitteln versorgt. In die Projekte fließen jeweils 100.000 Euro. 

Im Südsudan kümmern sich örtliche Partner von Misereor in vier Regionen, darunter auch die Hauptstadt Juba, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Decken und Kleidung. Derzeit stehen dafür 340.000 Euro zur Verfügung. 

In Äthiopien werden etwa 2.500 Haushalte mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln sowie mit Futter für vom Hungertod bedrohte Tiere versorgt. Hier steht die extrem trockene „Dawa Zone“ im Fokus.  254.000 Euro konnte Misereor seinem lokalen Partner Idurus zur Verfügung stellen, was aber keinesfalls ausreichen wird.  

Mehr Informationen auf der Website von Misereor 

CBM – Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V. 

Die CBM engagiert sich aktuell in Äthiopien und Simbabwe. In Äthiopien sind, vornehmlich aufgrund der verzögerten Regenzeit und der dadurch bedingten Ernteausfälle, ca. zehn Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Mit ihrem lokalen Partner, der Organisation für Rehabilitation und Entwicklung in der Amhara-Region (ORDA), ermöglicht die CBM unter anderem die Schulspeisung von beinahe 24.000 Kindern und versorgt etwa 14.000 Haushalte mit Saatgut. Außerdem wurden Wasserstellen für 6.000 Menschen instand gesetzt oder neu gebaut.  

In Simbabwe, einem Land, das schon seit Jahren mit den Folgen der Dürre kämpft, engagieren sich die CBM und ihr lokaler Partner vor allem für Menschen mit Behinderungen. Familien mit behinderten Angehörigen werden mit Nahrungsmitteln und Kinder mit Schulspeisungen versorgt. Zusätzlich verteilt der Projektpartner Kleinvieh an bedürftige Haushalte, richtet kommunale Gärten ein und bohrt Brunnen, die auch während der Trockenzeit nicht versiegen. 

Mehr Informationen auf der Website der CBM 

DAHW – Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.  

Eines der am schlimmsten von der Dürre betroffenen Länder ist der Südsudan. Wegen des andauernden Bürgerkrieges konnten viele Felder nicht bestellt werden, Ernten fielen aus. Die große Zahl von Binnenflüchtlingen erschwert die Situation zusätzlich und auch Hygienemaßnahmen können nur unzureichend umgesetzt werden. Die DAHW, die sich seit Jahren in Kooperation mit lokalen Partnern im Südsudan engagiert, schätzt, dass gegenwärtig etwa 5.000 Menschen an Lepra und weitere 50.000 Menschen an Tuberkulose erkrankt sind. Viele von ihnen leben in Regionen, die durch den Bürgerkrieg von der Versorgung abgeschnitten sind. Für diese Ärmsten und Schwächsten wird die DAHW als eine erste Notmaßnahme 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Auch die medizinische Arbeit soll ausgeweitet werden, damit die Menschen nicht nur satt, sondern auch gesund werden. 

Mehr Informationen auf der Facebook-Seite von DAHW 

Kindernothilfe

Die Kindernothilfe vermeldete Anfang März, dass in Somalia bereits Menschen durch die aktuelle Notlage verhungert seien, darunter auch Kinder. In der Region sind viele Kinder durch Unterernährung so sehr geschwächt, dass selbst Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich werden können. Auch wenn sie überleben, leiden die Kinder in späteren Jahren körperlich und geistig an den Folgen der Mangelernährung. In Somaliland setzt die Kindernothilfe daher gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Candlelight 100.000 Euro Soforthilfe für altersgerechte Nahrung, sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen ein. 

Mehr Informationen auf der Website der Kindernothilfe 

medico international

Auch medico international engagiert sich in Somalia. Gemeinsam mit der „Nomadic Association for Peace and Development“ (NAPAD) leistet die Bündnis-Organisation Wasser- und Nahrungsmittelhilfe und unterstützt so jene Menschen, die aufgrund von Dürre oder Krieg vom Hungertod bedroht sind. Im Fokus steht dabei die Region Gedo im Südwesten des Landes. 

In Kenia sind vor allem Gemeinden im Osten, in den Landesteilen „Garissa“ und „Tana River“ auf Nothilfe angewiesen. Zusammen mit der kenianischen Gesundheitsorganisation Kaplet verteilt medico international dort Nahrungsmittel und achtet darauf, jene Teile der Bevölkerung zu erreichen, die bisher von der Notversorgung abgeschnitten waren. 

Mehr Informationen auf der Website von medico international 

terre des hommes

In Simbabwe ist terre des hommes bereits seit knapp einem Jahr in der akuten Nothilfe aktiv. Bisher konnten in Kooperation mit den lokalen Partnern Maso, MDTC und Caclaz über 6.000 unter 5-Jährige mit Ernährungsprogrammen erreicht werden, sowie knapp 300 schwangere und stillende Mütter mit zusätzlicher Nahrung versorgt werden. Um Gewalt, Misshandlung, Kinderarbeit und Kinderhandel entgegen zu wirken, engagiert sich terre des hommes mit seinen lokalen Partnern hauptsächlich in Projekten zum Kindesschutz. Darüber hinaus werden Gemeinschaftsgärten insbesondere zur Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern aufgebaut. 

In Kenia werden im Grenzgebiet zu Somalia 450 Haushalte (2.700 Menschen, darunter 1.485 Kinder) mit Wasser und Lebensmitteln für die nächsten 1-2 Monate versorgt, um die Zeit bis zur nächsten erwarteten Regenzeit zu überstehen. terre des hommes arbeitet hier mit dem lokalen Partner NAPAD, der sich eng mit den Nothilfemaßnahmen der Regierung koordiniert. terre des hommes stellt dafür 55.000 Euro zur Verfügung.

Mehr Informationen auf der Website von terre des hommes

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist in mehreren Ländern Ostafrikas aktiv, unter anderem in Äthiopien, Kenia, Somaliland und dem Südsudan. 

In Äthiopien befasst sich die Bündnis-Organisation vor allem mit Wassermanagement, der Vermittlung von Wissen über Anbaumethoden und Viehhaltung sowie mit der Verbesserung von Hygienemaßnahmen. In Kenia wird daran gearbeitet, die Bevölkerung mit Nahrung und Lebensmitteln zu versorgen und den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern, insbesondere Cholera. Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchgeführt. Insgesamt kommt die Unterstützung in Äthiopien und Kenia mehr als 800.000 Menschen zugute.  

In Somaliland, wo vor allem Binnenflüchtlinge auf internationale Hilfe angewiesen sind, unterstützt die Welthungerhilfe gegenwärtig etwa 35.000 Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln. Auch 12.000 Nutztiere werden veterinärmedizinisch versorgt. 

Mehr Informationen auf der Website der Welthungerhilfe 

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung: 

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen 

https://spenden.entwicklung-hilft.de 

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah.

Aktualisierte Fassung der Meldung vom 17.03.2017

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news-770 Tue, 28 Mar 2017 16:23:59 +0200 „Die Regenzeit bringt neue Herausforderungen mit sich“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-regenzeit-bringt-neue-herausforderungen-mit-sich.html Eugene Wanekeya, Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Kenia, spricht im Interview über zu viel Wasser in Zeiten der Dürre, zu Unrecht kriminalisierte Hirten und die schwierig zu bewertende Rolle der kenianischen Regierung.

Wie ist die Lage in Kenia aktuell? Wie viele Menschen sind von der Dürrekatastrophe betroffen?

Die aktuellen Meldungen der Regierung sagen, dass mehrere Millionen Menschen vom Verhungern bedroht sind. Die meisten Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser, das ist ihr größtes Problem. Es gibt zwar Brunnen, aber bei weitem nicht genug. Die Menschen müssen lange Strecken zurücklegen, um einen Brunnen zu erreichen, da viele Flüsse ausgetrocknet sind. Einige migrieren in die Nachbarländer, wo die Situation etwas besser ist. 

Wird dadurch das Problem nicht verlagert, statt gelöst zu werden?

Ja, zum einen wird das Problem verlagert, zum anderen sehen die Nachbarländer ihre Sicherheit gefährdet. Viele der Hirten besitzen Waffen, mit denen sie ihre Herden schützen. Sie tragen zum Beispiel Kalaschnikow-Gewehre bei sich und werden dann an der Grenze wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet. So werden die Menschen grundlos kriminalisiert.

Welche Regionen Kenias sind besonders schlimm von der Dürre betroffen? 

Die Regionen im Norden sind am schlimmsten betroffen. In einigen Regionen hat die Regenzeit bereits begonnen, aber das bringt andere Herausforderungen mit sich. Da viele Böden komplett ausgetrocknet sind, können sie die großen Mengen an Niederschlag nicht schnell genug aufnehmen. Auch Wasserverunreinigung ist ein Problem. Die Kadaver toter Tiere verunreinigen das Wasser, was wiederum die Gesundheit von Menschen und Tieren gefährdet.

Was unternimmt die kenianische Regierung, um die Lage der Menschen in den betroffenen Gebieten zu verbessern? Hat die Regierung ausreichend Kapazitäten und Expertise?

Die Regierung hat von Beginn der Dürre an gesagt, dass sie sehr aktiv sei und über ausreichend personelle Kapazitäten sowie Expertise verfüge. Sie stelle Wasser und Nahrung zur Verfügung und gewährleiste die Sicherheit der Hirten und ihres Viehs. Von diesen Aktivitäten habe ich in den betroffenen Regionen aber nur wenig gemerkt. Es ist nicht leicht zu überprüfen, ob die Regierung tatsächlich umsetzt, was sie sagt. 

Wie konnte die Lage so schlimm werden? Haben internationale Organisationen und die kenianische Regierung nicht genau genug hingeschaut? 

Die kenianische Regierung hat erst vor kurzem den Notstand ausgerufen und die internationalen Geberorganisationen um finanzielle Hilfe gebeten. Im Prinzip hat die Regierung auch genug Personal in den Regionen und auch ein Frühwarnsystem installiert. Das alles nutzt aber nur wenig, wenn die Beamten in den regionalen Zentren angesiedelt sind und nicht in die Regionen gehen, die nur schwer zugänglich sind. Das Grundproblem ist eine schlechte Infrastruktur. 

Die internationalen Geber haben die Verteilung von Geldern durch die Regierung organisieren lassen, aber das hat nicht besonders gut funktioniert. Viele lokale Organisationen haben keine Mittel erhalten, um ihre Aktivitäten in den Regionen umzusetzen. Auch hat die Regierung den Notstand erst sehr spät ausgerufen – zu spät, meiner Ansicht nach. 

Was tut die Welthungerhilfe vor Ort? 

Unsere Aktivitäten dienen vor allem dazu, die Bevölkerung widerstandsfähig gegen Dürren zu machen. In vielen Regionen Kenias gibt es Brunnen, damit die Menschen nicht allein auf die Wasserversorgung durch Flüsse angewiesen sind. Viele dieser Brunnen sind mit benzinbetriebenen Pumpen ausgestattet, was nicht nachhaltig ist. Wir haben nun damit begonnen, die Energieversorgung der Pumpen auf Solarstrom umzustellen. Das reduziert die Instandhaltungskosten und sichert die Wasserversorgung, denn die Abhängigkeit vom Benzin entfällt.

Außerdem unterstützen wir die Hirten dabei, Feldfrüchte für ihre Herden anzubauen, damit sie auch in längeren Trockenzeiten Futter für ihre Tiere und Nahrung für ihre Familien haben. Hierbei handelt es sich um Feldfrüchte, die nur relativ wenig Wasser benötigen. 

Was muss passieren, um der kenianischen Bevölkerung langfristig zu helfen?

Das größte Problem ist der Wassermangel. Es müssen mehr Brunnen gebaut werden. Die Menschen in den Regionen sagen uns, dass sie alleine überleben können, wenn sie nur Zugang zu Wasser haben.

Die Herausforderung für uns besteht darin, die internationalen Geber davon zu überzeugen, dass wir jetzt mehr Mittel brauchen, um mittel- und langfristig gegen Dürrekatastrophen gewappnet zu sein. Es ist viel einfacher solche Katstrophen zu bewältigen, indem man die Widerstandfähigkeit der Menschen steigert, statt Nothilfe zu leisten, wenn es eigentlich schon zu spät ist. 

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news-769 Fri, 17 Mar 2017 19:33:11 +0100 Dürre und Gewalt – Ostafrika steht vor der größten Hungersnot seit 60 Jahren http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/duerre-und-gewalt-ostafrika-steht-vor-der-groessten-hungersnot-seit-60-jahren.html In den Ländern am Horn von Afrika leiden nach Angaben der Vereinten Nationen ca. 22 Millionen Menschen akut an Hunger und Wasserknappheit. Besonders schlimm ist die Lage in Somalia, dem Südsudan und Simbabwe. Aber auch in Kenia und Äthiopien spitzt sich die Situation dramatisch zu. Das Bündnis Entwicklung Hilft engagiert sich umfangreich in Ostafrika, dies geschieht stets in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Vor Ort unterstützen die Bündnis-Organisationen die Bevölkerung mit Nothilfemaßnahmen, meist Nahrungsmittelhilfen und Wasserversorgung, aber auch durch medizinische Hilfe und Hygienemaßnahmen, um die Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera und Lepra zu verhindern.

Misereor

In drei Ländern Ostafrikas leistet Misereor gegenwärtig Nothilfe. In Kenia werden 1.400 Haushalte mit Trinkwasser versorgt, erhalten Diesel und Ersatzteile zum Betrieb von Wasserpumpen sowie Nahrungsmittel. Kooperationspartner vor Ort ist die Diözese Masarbit. In der Diözese Lodwar werden 5.500 Kinder an 15 Schulen mit Nahrungsmitteln versorgt. In die Projekte fließen jeweils 100.000 Euro.

Im Südsudan kümmern sich örtliche Partner von Misereor in vier Regionen, darunter auch die Hauptstadt Juba, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Decken und Kleidung. Derzeit stehen dafür 340.000 Euro zur Verfügung.

In Äthiopien werden etwa 2.500 Haushalte mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln sowie mit Futter für vom Hungertod bedrohte Tiere versorgt. Hier steht die extrem trockene „Dawa Zone“ im Fokus.  254.000 Euro konnte Misereor seinem lokalen Partner Idurus zur Verfügung stellen, was aber keinesfalls ausreichen wird. 

Mehr Informationen auf der Website von Misereor

 

CBM – Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V.

Die CBM engagiert sich aktuell in Äthiopien und Simbabwe. In Äthiopien sind, vornehmlich aufgrund der verzögerten Regenzeit und der dadurch bedingten Ernteausfälle, ca. zehn Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Mit ihrem lokalen Partner, der Organisation für Rehabilitation und Entwicklung in der Amhara-Region (ORDA), ermöglicht die CBM unter anderem die Schulspeisung von beinahe 24.000 Kindern und versorgt etwa 14.000 Haushalte mit Saatgut. Außerdem wurden Wasserstellen für 6.000 Menschen instand gesetzt oder neu gebaut. 

In Simbabwe, einem Land, das schon seit Jahren mit den Folgen der Dürre kämpft, engagieren sich die CBM und ihr lokaler Partner vor allem für Menschen mit Behinderungen. Familien mit behinderten Angehörigen werden mit Nahrungsmitteln und Kinder mit Schulspeisungen versorgt. Zusätzlich verteilt der Projektpartner Kleinvieh an bedürftige Haushalte, richtet kommunale Gärten ein und bohrt Brunnen, die auch während der Trockenzeit nicht versiegen.

Mehr Informationen auf der Website der CBM

 

DAHW – Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. 

Eines der am schlimmsten von der Dürre betroffenen Länder ist der Südsudan. Wegen des andauernden Bürgerkrieges konnten viele Felder nicht bestellt werden, Ernten fielen aus. Die große Zahl von Binnenflüchtlingen erschwert die Situation zusätzlich und auch Hygienemaßnahmen können nur unzureichend umgesetzt werden. Die DAHW, die sich seit Jahren in Kooperation mit lokalen Partnern im Südsudan engagiert, schätzt, dass gegenwärtig etwa 5.000 Menschen an Lepra und weitere 50.000 Menschen an Tuberkulose erkrankt sind. Viele von ihnen leben in Regionen, die durch den Bürgerkrieg von der Versorgung abgeschnitten sind. Für diese Ärmsten und Schwächsten wird die DAHW als eine erste Notmaßnahme 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Auch die medizinische Arbeit soll ausgeweitet werden, damit die Menschen nicht nur satt, sondern auch gesund werden.

Mehr Informationen auf der Facebook-Seite von DAHW

 

Kindernothilfe

Die Kindernothilfe vermeldete Anfang März, dass in Somalia bereits Menschen durch die aktuelle Notlage verhungert seien, darunter auch Kinder. Viele sind durch Unterernährung so sehr geschwächt, dass selbst Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich werden können. Auch wenn sie überleben, leiden die Kinder in späteren Jahren körperlich und geistig an den Folgen der Mangelernährung. Die Kindernothilfe setzt daher, gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Candlelight, als erste Maßnahme 10.000 Euro ein, um in Somaliland, dem nördlichen Teil Somalias, altersgerechte Nahrung, sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen zu organisieren.

Mehr Informationen auf der Website der Kindernothilfe

 

medico international

Auch medico international engagiert sich in Somalia. Gemeinsam mit der „Nomadic Association for Peace and Development“ (NAPAD) leistet die Bündnis-Organisation Wasser- und Nahrungsmittelhilfe und unterstützt so jene Menschen, die aufgrund von Dürre oder Krieg vom Hungertod bedroht sind. Im Fokus steht dabei die Region Gedo im Südwesten des Landes.

In Kenia sind vor allem Gemeinden im Osten, in den Landesteilen „Garissa“ und „Tana River“ auf Nothilfe angewiesen. Zusammen mit der kenianischen Gesundheitsorganisation Kaplet verteilt medico international dort Nahrungsmittel und achtet darauf, jene Teile der Bevölkerung zu erreichen, die bisher von der Notversorgung abgeschnitten waren.

Mehr Informationen auf der Website von medico international

 

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist in mehreren Ländern Ostafrikas aktiv, unter anderem in Äthiopien, Kenia, Somaliland und dem Südsudan.

In Äthiopien befasst sich die Bündnis-Organisation vor allem mit Wassermanagement, der Vermittlung von Wissen über Anbaumethoden und Viehhaltung sowie mit der Verbesserung von Hygienemaßnahmen. In Kenia wird daran gearbeitet, die Bevölkerung mit Nahrung und Lebensmitteln zu versorgen und den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern, insbesondere Cholera. Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchgeführt. Insgesamt kommt die Unterstützung in Äthiopien und Kenia mehr als 800.000 Menschen zugute. 

In Somaliland, wo vor allem Binnenflüchtlinge auf internationale Hilfe angewiesen sind, unterstützt die Welthungerhilfe gegenwärtig etwa 35.000 Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln. Auch 12.000 Nutztiere werden veterinärmedizinisch versorgt.

Mehr Informationen auf der Website der Welthungerhilfe

 

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung:

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen

https://spenden.entwicklung-hilft.de

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah.

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news-768 Tue, 14 Mar 2017 19:33:04 +0100 „Eine so schlimme Dürre haben die Menschen hier noch nie erlebt“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/eine-so-schlimme-duerre-haben-die-menschen-hier-noch-nie-erlebt.html Drohende Hungersnot in Somaliland: Ein Interview mit Angelika Böhling, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Bündnis Entwicklung Hilft und Pressesprecherin der Kindernothilfe

Sie sind gerade aus der autonomen Republik Somaliland zurückgekehrt. Wie ist die Lage aktuell?
Die Lage ist sehr angespannt. Die Menschen stehen kurz vor einer regelrechten Hungersnot. Ich bin in der Region Togdheer gewesen. Alle Menschen, mit denen wir dort gesprochen haben, haben übereinstimmend gesagt: So eine schlimme Dürre haben wir noch nie erlebt. Zum Glück wurden in der Region noch keine Todesopfer gemeldet, aber besonders die Kinder sind sichtlich angeschlagen. In den zweieinhalb Monaten dieses Jahres  wurden bereits fast so viele Mädchen und Jungen mit einem besorgniserregenden Gesundheitszustand registriert wie im gesamten letzten Jahr. Die Lage ist insgesamt sehr ernst. Weite Regionen des Landes sind auf die Wasserversorgung durch Lastwagen angewiesen. Die Wasserzisternen in den Dörfern sind alle leer, da es seit zwei Jahren nicht geregnet hat. Dadurch sind auch die Ernten ausgeblieben. Das Vieh, das 65 bis 70 Prozent der Menschen als Lebensgrundlage dient, liegt vielerorts verendet am Straßenrand. Die Menschen machen sich daher aus den ländlichen Gebieten auf den Weg in die größeren Städte.

War diese Situation absehbar?
Es ist ein schleichender Prozess. Unsere Partnerorganisation in Somaliland hat schon im letzten Jahr erste Warnzeichen gegeben und um Unterstützung gebeten. Akut geworden ist es erst, als die Regierung kürzlich den Notstand ausgerufen hat. Ein Problem besteht darin, dass Somaliland seit der Erklärung seiner Unabhängigkeit von Somalia 1991 völkerrechtlich nicht anerkannt ist und dadurch keine eigene Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft bekommt. Die somalische Regierung gibt zwar einen Teil der Hilfsgelder an Somaliland weiter, doch das reicht bei weitem nicht aus. Somalia und Somaliland sind gleichermaßen von der Dürre betroffen.

Wie konnte es zu dieser schweren Hungersnot kommen? Gibt es neben der Dürre noch andere Ursachen?
In Somalia wie in anderen afrikanischen Ländern spielt sicher auch die politische Instabilität eine große Rolle bei der Entstehung des Hungers. Somaliland ist im Vergleich zu Somalia, das durch einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg gezeichnet ist, aber ein weitgehend stabiler Staat. In Somaliland ist die Hungerkrise überwiegend auf den Klimawandel zurückzuführen. Die Regierung selbst hat seit November 2016 zwei Millionen US-Dollar in die humanitäre Hilfe gesteckt und zusätzlich um internationale Hilfe gebeten. Doch durch die fehlende internationale Anerkennung kann sich Somaliland schlecht Gehör verschaffen. Ansonsten wäre Hilfe von außen vielleicht schneller angekommen. Nun ist viel zu viel Zeit verstrichen. Es kommt jetzt auf die nächsten Tage an, nicht auf Wochen oder Monate.

Kinder und schwangere Frauen leiden am meisten unter der Dürre in Somaliland. Copyrights: Angelika Böhling, Kindernothilfe

Einen Eindruck von den Hilfsbedarfen und -maßnahmen gibt der Beitrag in der Tagesschau von Minute 11:05 bis 12:58:
www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-18789.html

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news-767 Fri, 10 Mar 2017 17:12:17 +0100 „Hunger wird als Waffe eingesetzt“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hunger-wird-als-waffe-eingesetzt.html Ein Interview zur Lage im Südsudan mit Hannah Dönges vom Centre on Conflict, Development and Peacebuilding (CCDP) des Graduate Institute in Genf

Sie haben gerade eine Kurzstudie zur Peacekeeping-Mission im Südsudan veröffentlicht. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Dönges: Seit dem erneuten Kriegsausbruch in der Hauptstadt Juba im Juli 2016 hat sich die Sicherheitssituation und die humanitäre Lage deutlich verschlechtert. Konflikte und Kampfhandlungen außerhalb von Juba nehmen zu, die Situation für Zivilisten verschärft sich weiter. Bewaffnete Gruppen, unter ihnen auch die Regierungsarmee, töten und vergewaltigen Zivilisten entlang ethnischer Trennlinien. Die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und Menschenrechtsorganisationen haben der Regierung Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen – dies macht mehr als deutlich, dass sie ihre Aufgaben nicht erfüllt. 

Ende Februar haben die Vereinten Nationen den Hungernotstand im Südsudan ausgerufen. Wie hängen Hunger und Bürgerkrieg zusammen?

Dönges: Der Südsudan ist an sich ein sehr fruchtbares Land. Es gibt also keine natürliche Ursache für die Nahrungsmittelknappheit. Allerdings können Bauern wegen der andauernden Kriegshandlungen und Vertreibungen ihre Äcker nicht mehr bestellen. Viele Menschen fliehen, entweder in Nachbarländer oder innerhalb des Südsudan. Etwa 200.000 Menschen suchen Schutz auf „Protection of civilians sites“ der Friedensmission der Vereinten Nationen. Manche retten sich vor dem Krieg in Sumpfgebiete, wo sie zwar sicherer vor Soldaten sind, in denen sich aber kein Ackerbau betreiben lässt. Unter Ernährungsunsicherheit leidet die gesamte Zivilbevölkerung. Die Hungersnot betrifft derzeit knapp die Hälfte der Bevölkerung, quer durch alle ethnischen Gruppen, mit steigender Tendenz. Schon im Juni 2016, vor dem erneuten Kriegsausbruch, war die Ernährungssituation dramatisch. Unterernährung macht gerade Kinder noch viel anfälliger für Krankheiten. Es wächst im Südsudan derzeit eine Generation auf, deren Leben von Hunger und Krieg geprägt ist.

Was können Hilfsorganisationen in dieser Situation leisten?

Dönges: Humanitäres Engagement vor Ort, zum Beispiel durch die Lieferung von Hilfspaketen, ist nach wie vor wichtig. Humanitäre Akteure sollten sich gemeinsam dafür einsetzen, Zugang zu allen Teilen der betroffenen Bevölkerung zu erhalten. Gerade außerhalb der Hauptstadt Juba ist die Arbeit für lokale wie für internationale Kräfte sehr schwierig, und die Regierung blockiert Hilfsleistungen zu Menschen, die nicht durch die Regierungstruppen kontrolliert oder als loyal empfunden werden. Entwicklungszusammenarbeit mit der Regierung ist auch problematisch, da diese nicht in Ernährung, Infrastruktur oder Bildung investiert, sondern in Kriegsführung. 

Wie schätzen Sie die Chancen für eine Entspannung des Konflikts ein?

Dönges: Konfliktlösungsstrategien im Südsudan erfordern einen langen Atem. Kurzfristig kann sich die Lage durchaus noch weiter verschlechtern. Eine Chance ist sicherlich die aktuell gestiegene weltweite Aufmerksamkeit für das Kriegsgeschehen im Südsudan. Ziel muss es zunächst sein, die Gewalt zu reduzieren. Daher halte ich ein Waffenembargo für sinnvoll. Wichtig ist es außerdem, legitime zivile Akteure im Land wie Kirchenvertreter, Richter und Journalisten zu stärken. Das gestaltet sich allerdings schwierig, da sie von den Regierungstruppen eingeschüchtert und laut Menschenrechtsorganisationen zum Teil auch verschleppt werden. Erschwerend für den Friedensprozess kommt hinzu, dass alle Entwicklungsindikatoren für den Südsudan sehr niedrig sind. So sind zum Beispiel die Analphabetenrate und die Kindersterblichkeit hoch. 

Hannah Dönges ist Forscherin am Centre on Conflict, Development and Peacebuilding (CCDP) des Graduate Institute in Genf und derzeit Gast in der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Schwerpunkt ihrer Forschung: Der Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten am Beispiel des Südsudan.

Zu ihrer aktuellen Kurzstudie „Peacekeeping am Limit“

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news-766 Thu, 23 Feb 2017 13:51:13 +0100 Der Hunger bleibt. Wir müssen unsere Hilfe ausweiten. http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/der-hunger-bleibt-wir-muessen-unsere-hilfe-ausweiten.html Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungerkatastrophe im Jemen, in Nigeria, in Somalia und im Südsudan. Für Teile des Südsudans haben sie bereits einen Hunger-Notstand ausgerufen. Es ist seit sechs Jahren das erste Mal, dass die Vereinten Nationen wieder zu dieser Maßnahme greifen. Nach Schätzungen von UN-Behörden droht allein im Südsudan 100.000 Menschen der Hungertod. Weitere eine Millionen Menschen sind dort akut gefährdet.

Auch im Nordosten Nigerias, dem Jemen und am Horn von Afrika sind Millionen Menschen betroffen. In Äthiopien, Kenia und Somalia leiden über 11 Millionen Menschen unter den Folgen einer wiederholt schweren Dürre. Hunderttausende Kinder leiden an Mangelernährung. Nach der Dürre in Folge von El Nino in 2015 und 2016 ist es das zweite Jahr in Folge mit zu wenig Regen. Die Ernten sind ausgefallen, das Weideland für die Tiere ist verödet, Felder sind verdorrt und es fehlt an Saatgut für den Anbau. Tausende Nutztiere, vor allem Kühe, sind bereits verendet oder stark abgemagert. Für viele Menschen ist damit ihre Lebensgrundlage in akuter Gefahr. Nun hoffen die Menschen auf die nächste Regenzeit ab April.

Um die Menschen zu unterstützen, sind die Bündnis-Organisationen und ihre Partnerorganisationen seit Jahren in den betroffenen Regionen tätig. Langfristige Projekte der Bündnis-Organisationen tragen dazu bei, die Gemeinden widerstandsfähiger und unabhängiger von den Dürreperioden werden zu lassen. In Ergänzung zur Schaffung von alternativen Einkommensquellen gibt es Schulungen zu Anbaumethoden, Futter und Viehhaltung. Mit gezielten Projekten wird der Zugang zu und das Management von Wasser und Sanitäranlagen verbessert. Mit neuen Bewässerungsmaßnahmen sollen die Ernten stabilisiert werden.

Ergänzend zur längerfristigen Hilfe stehen nun die Soforthilfemaßnahmen für die betroffenen Menschen im Vordergrund. Die Bündnis-Organisationen und ihre Partner versorgen die Menschen mit Lebensmitteln und Wasser und verteilen Ergänzungsnahrung für Säuglinge und Kleinkinder. Außerdem wird Futter für vom Hungertod bedrohte Nutztiere zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus werden Krankenhäuser unterstützt und Schulspeisungen gefördert.

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung:

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen

https://spenden.entwicklung-hilft.de

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah. 

  

  

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news-765 Thu, 12 Jan 2017 15:38:11 +0100 Blick nach vorn http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/blick-nach-vorn.html Der designierte Präsident von Haiti, Jovenel Moïse, hat nach der Bestätigung seines Wahlsieges Anfang dieses Jahres versprochen, sich für die soziale Entwicklung und Frieden einzusetzen. Vertreter anderer politischer Parteien lud er zu gemeinsamen Gesprächen ein. Der 48-Jährige soll am 7. Februar in sein Amt eingeführt werden. Für die Prävention und den Wiederaufbau eines Landes nach Katastrophen spielt eine gute Regierungsführung eine entscheidende Rolle: Nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 erschwerten die instabilen politischen Verhältnisse die Entwicklungszusammenarbeit. Auch auf den Hurrikan „Matthew“ war Haiti kaum vorbereitet. Pläne der Regierung für Katastrophenfälle gab es bisher nicht. Kann Jovenel Moïse Haiti aus der Krise führen? Ein Kommentar von Louis Dorvilier, Welthungerhilfe.


Wissbegierig und ambitioniert: Viele Schüler in Haiti wünschen sich eine Perspektive.
Foto: Michael Müller/Welthungerhilfe

Die Wahlen am 20. November 2016 haben weitgehend friedlich stattgefunden. Das ist für das Land ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Bevölkerung will offenbar mit der Vergangenheit abschließen und blickt nun in die Zukunft. Dabei war der Zeitpunkt der Wahlen ungünstig. Der Großteil der Bevölkerung war damit beschäftigt, sich von den Schäden, die Hurrikan „Matthew“ angerichtet hatte, zu erholen. 

Die Ergebnisse der Wahlen widerlegen Spekulationen, nach denen der Interimspräsident Jocelerme Privert die Rückkehr der Lavalas-Partei an die Macht vorbereiten sollte. Privert, früherer Innenminister und einflussreiches Mitglied der Lavalas-Partei, kam durch eine undurchsichtige Vereinbarung, die er mit Michel Joseph Martelly getroffen hatte, an die Macht. 

Am 8. Dezember 2016 hatte die Übergangswahlkommission bereits die vorläufigen Ergebnisse der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bekannt gegeben. Nach diesen Ergebnissen führte die PHTK (Parti Haïtien Tèt Kale) klar vor den traditionellen politischen Parteien. Jovenel Moïse bekam mit fast 56 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. 

Durch die Wahl eines jungen Agrarunternehmers hat die haitianische Bevölkerung deutlich gemacht, dass sie die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Dass sie daran glaubt, dass Grundbedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft und Bildung erfüllt werden können, wie die PHTK es versprochen hat. Dieses Wahlergebnis zeigt auch, dass die meisten Haitianer Gewalt bei Wahlen ablehnen und einer anderen Politikergeneration nun die Chance einräumen möchten, ein neues Kapitel zu beginnen. 

Die gewählten Vertreter sollten nun die Möglichkeit bekommen, auch wirklich souverän regieren zu können. Durch eine vernünftige makroökonomische Politik und soziale Maßnahmen müssen sie beweisen, dass sie fähig sind, die Wirtschaft zu stabilisieren, den Tourismus und die Landwirtschaft anzukurbeln und Jobs zu schaffen. Gelingt es Jovenel Moïse, seine Wahlversprechen einzuhalten, könnte das tatsächlich ein Neuanfang sein. Wenn nicht, wird das Unheil der Verschleuderung von Vermögen weiter seinen Lauf nehmen. 

Louis Dorvilier ist gebürtiger Haitianer. Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler arbeitet als Landesdirektor der Welthungerhilfe in der Demokratischen Republik Kongo.

Wähler in Haiti entscheiden nach Angaben des Auswärtigen Amts eher personenbezogen. Parteiprogramme beachten sie weniger. Die wichtigsten Parteien sind die PHTK und die Fanmi Lavalas. Nach den Wahlen im November 2016 gingen Anhänger der Partei Fanmi Lavalas, die der Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide gegründet hatte, auf die Straße und verlangten die sofortige Veröffentlichung der Wahlergebnisse. Die Demonstranten zündeten in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Reifen an. Die Polizei feuerte Tränengas ab. Haiti leidet schon lange unter einer politischen Dauerkrise. Die Wahl im Jahr 2015, bei der Jovenel Moïse auch schon die meisten Stimmen geholt hatte, war wegen Manipulationsvorwürfen annulliert worden. Die Europäische Union und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hielten die Abstimmung damals allerdings für grundsätzlich frei und fair. Sie vermuteten, dass die Opposition mit ihren Protesten das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte. Der ehemalige Präsident Michel Joseph Martelly hatte das Amt Anfang Februar 2016 aufgegeben, Senatspräsident Privert übernahm es vorübergehend. Zwei Versuche der Abgeordnetenkammer, über eine Erneuerung von Priverts Mandat als Übergangspräsident bis zum 7. Februar 2017 zu entscheiden, scheiterten. Gewalttätige Demonstrationen für und gegen Privert verhinderten, dass die anberaumten Sitzungen am 21. Juni beziehungsweise am 28. Juni 2016 zustande kamen. Schon zuvor, unter Martelly, kam das Land nicht vorwärts. Die Regierung hatte keine eigene Parlamentsmehrheit, Gesetzesvorhaben wurden blockiert. Alle Mandate der Abgeordneten und eines Drittels der Senatoren waren schon am 12. Januar 2015 ausgelaufen. Seither hatte Haiti offiziell kein Parlament mehr und Martelly regierte per Dekret. Diese Situation lähmte die Bemühungen, das Land nach dem Erdbeben 2010 zu stabilisieren und erschwerte die Entwicklungszusammenarbeit. Das neue Jahr begann in Haiti leider wieder mit Unruhen: Am 5. Januar 2017 wurde Guy Philippe festgenommen und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Erst im November 2016 war er zum Senator des südwestlichen Departements Grand´Anse gewählt worden, das wenige Wochen zuvor von Hurrikan „Matthew“ verwüstet worden war. Philippe wurde von der US-Drogenfahndung DEA im Zusammenhang mit Kokainschmuggel und Geldwäsche gesucht. Beobachterorganisationen werfen ihm Menschenrechtsverletzungen vor. 

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news-764 Thu, 05 Jan 2017 20:53:37 +0100 Kleine Wunder http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/kleine-wunder.html Was Spenden für Syrien verändern können

Die Geschichte des zehnjährigen Bassil rührte im November 2016 viele Zuschauer der ARD. Der Weltspiegel berichtete über den Jungen, der – wie so viele Kinder in Syrien – mit Kriegsschrott gespielt hatte. Ob es eine Handgranate war, die er und seine beiden Freunde gefunden hatten oder andere Munition, weiß keiner. Bassil sah zu, wie seine beiden Freunde neben ihm bei einer Explosion starben. Helfer brachten ihn in ein Krankenhaus in Jordanien. Ärzte amputierten ihm beide Beine, auch seine linke Hand verlor er. Sein Bruder und sein Vater starben bei einem Bombenangriff. Von der Schwester und der Mutter fehlte jede Spur, seine Tante brachte ihn zuerst in das Flüchtlingscamp Zaatari, dann kam er in die jordanische Hauptstadt Amman, in ein Zentrum der Organisation Souriyat Across Borders, die Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bietet und eng mit der Al Hussein Society zusammenarbeitet, einem Projektpartner der Christoffel-Blindenmission. Die Al Hussein Society finanzierte Bassils Rollstuhl und seine Prothesen. Auch Physiotherapie für Menschen mit Behinderungen und eine psychosoziale Beratung bietet sie an. Viele Flüchtlinge sind durch die Angriffe körperlich beeinträchtigt. Die Christoffel-Blindenmission unterstützt sie zusammen mit ihren Partnern in Jordanien.

Jordanien hat als armes Land viele Flüchtlinge aufgenommen. Um Konflikte zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen zu deeskalieren, finanziert Brot für die Welt Schulungen und Fortbildungen in Gemeinden, beispielsweise in den Bereichen Hygiene und Frauenrechte. In Flüchtlingsunterkünften in Jordanien und im Libanon können Schulkinder, die lange keinen Unterricht besuchen konnten, an Nachhilfe-Kursen teilnehmen. Auch zur Grundsicherung tragen Ihre Spenden bei: Etwa 2.000 syrische Flüchtlinge bekamen Winterkleidung und Decken. Im Libanon verteilten Helfer Essen, in der Autonomen Region Kurdistan im Irak lieferten Partner Kleidung, Heizgeräte und Brennstoff an etwa 500 Familien.

Die Kindernothilfe bezahlt Flüchtlingskindern in der libanesischen Gebirgsregion Chouf das Schulgeld und kauft Schuluniformen. Etwa 800 Kinder haben so die Chance, zu einem einigermaßen geregelten Alltag zurückzufinden. Viele Schulen im Libanon sind nicht gut ausgestattet, auch in die Renovierung und den Ausbau der Klassenräume fließen Spenden. 

In Ost-Ghouta in der Nähe von Damaskus haben syrische Frauen ein Zentrum gegründet. Einen Ort, an dem sie sich treffen, austauschen, gegenseitig stützen können. Viele haben ihre Männer im Krieg verloren und müssen für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen. medico international unterstützt das Frauenzentrum. Auch Schulen in Erbin, einem Vorort von Damaskus. 

In den syrischen Städten Aleppo, Damaskus und Latakia gründeten Franziskaner und ehrenamtliche Mitarbeiter mit der finanziellen Unterstützung von Misereor mehrere Sozialzentren. Die Ordensmänner verteilen Essen, Decken, Heizmaterial und Medikamente an die Menschen. In Damaskus stellen sie Schlafplätze für 24 Männer und 35 Frauen zur Verfügung. Sie leiten einen Kindergarten und kaufen Bücher, Hefte und Stifte für Schülerinnen und Schüler. Im Orontes-Tal, im syrisch-türkischen Grenzgebiet, versorgen Helfer etwa 320 Menschen mit Essen und Wasser. Seit 2011 halfen Projektpartner von Misereor in Aleppo etwa 70.000 Menschen: Sie verteilten Lebensmittel, Wasser, boten medizinische Hilfe an und beteiligten sich an Reparaturen von Wohnraum. An anderen Orten konnten die lokalen Partner von Misereor etwa 600 Menschen helfen. Auch die maronitische Erzdiözese in Damaskus leistet Sozialarbeit und wird mit Ihren Spenden unterstützt.  

In Syrien, dem Libanon, der Autonomen Region Kurdistan und in Jordanien betreut terre des hommes Kinder, junge Erwachsene und Frauen. Die Kinder spielen, malen und basteln zusammen mit erfahrenen Pädagogen, Sozialarbeitern und Psychologen. Frauen sollen in speziellen Trainings lernen, sich besser vor psychischer und physischer Gewalt zu schützen. Partnerorganisationen von terre des hommes haben mitgeholfen, Menschen aus Aleppo in Sicherheit zu bringen. Familien, die in Flüchtlingslagern in der Umgebung von Aleppo in Notunterkünften und Zelten leben, werden mit Lebensmitteln versorgt. Bisher konnte terre des hommes schon 57.000 Lebensmittelpakete ausgeben, in den kommenden Wochen sollen weitere 16.000 Pakete verteilt werden. 

In einem Flüchtlingscamp bei Azaz in der Provinz Aleppo verteilt die Welthungerhilfe Heizmaterial für Öfen und warme Decken. In anderen Gebieten gibt sie Familien Gutscheine für Lebensmittel. Außerdem errichtete die Welthungerhilfe eine Zeltstadt für Flüchtlinge, verteilte Brot an mindestens 190.000 Menschen in Nordsyrien und an 19.000 Haushalte in Aleppo. Sie finanzierte 2.483 Kerosinöfen und 5.322 Plastikkanister für die Lagerung von Brennstoff. In der Provinz Idlib repariert die Welthungerhilfe unter anderem Wasserleitungen, damit die Menschen wieder Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

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news-763 Fri, 23 Dec 2016 16:53:37 +0100 UN wollen Kriegsverbrechen in Syrien dokumentieren http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/un-wollen-kriegsverbrechen-in-syrien-dokumentieren.html Die Vereinten Nationen verabschieden eine Resolution, die es ermöglicht, offiziell Informationen über Kriegsverbrechen in Syrien zu sammeln. Der Regierung von Baschar al-Assad sowie seinen Verbündeten Russland und Iran werden immer wieder Gräueltaten zur Last gelegt, zuletzt in Aleppo. Künftig sollen Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Fünf Fragen an Thomas Seibert, Menschenrechtsexperte von medico international.

Thomas Seibert / Foto: Katrin Schilling

Die UN verabschieden eine Resolution, die vorsieht, dass die UN Informationen über mögliche Kriegsverbrechen in Syrien sammeln dürfen, um sie an eine Recht sprechende Institution zu übergeben. Bisher hatte sich die internationale Staatengemeinschaft nicht darauf einigen können. Nun aber unterstützen 105 Staaten die Resolution, das ist die nötige einfache Mehrheit unter den 193 Mitgliedsstaaten. Deutschland stimmte zu. Sind Sie zufrieden?

Die Gräuel wurden ja schon rund um die Uhr dokumentiert. Und die Vermutung, dass das eine oder andere Video ein Fake war, ändert nichts daran, dass wir alle mehr als genug Live-Bilder gesehen haben. Keiner kann sagen: Wir waren nicht dabei. Oder: Davon haben wir nichts gewusst. 

Es hieß, die Resolution sei nötig, weil Syrien kein Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs sei. Das zumindest erklärte der UN-Botschafter Liechtensteins, Christian Wenaweser. Das Land ist einer der Initiatoren. Unter den 15 Nein-Stimmen waren die von Iran, Russland und China. In der Diskussion vor der Abstimmung hatte der syrische UN-Botschafter Baschar al-Dschafari noch versucht, das Votum zu verhindern. Er behauptete, das Gremium besitze nicht die nötige Kompetenz.

Von Russland, China und dem Iran habe ich nichts anderes erwartet. Auch nicht von Syrien. Das große Verbrechen wird nach Aleppo anderswo in Syrien weitergehen. 

Einige Bündnis-Organisationen sind vor Ort geblieben, unter anderem medico international. Warum? 

Wir halten es für wichtig, unsere Partner weiter zu unterstützen, und wir möchten unsere Bildungsprojekte für Kinder und Frauen nicht aufgeben. Wir wissen, dass das nicht genug ist, aber wir möchten in der Lage sein, zivilgesellschaftliche Strukturen auch und gerade dann zu unterstützen, wenn die Kämpfe irgendwann vorüber sein werden und sich andere Möglichkeiten bieten als die jetzt gegebenen. Dazu muss man aber jetzt schon vor Ort sein, muss selbst in Erfahrung bringen, was die Leute erleiden, muss wissen, wem man vertrauen kann und dabei selbst zu jemandem werden, dem Vertrauen geschenkt wird. Dies gilt umso mehr, als wir davon ausgehen müssen, dass es in der ganzen Region zu ähnlichen Entwicklungen kommen wird – das ist ja heute schon der Fall, im Irak, im Jemen und anderswo. Wir bei medico gehen davon aus, dass der Nahe Osten instabil bleiben wird und wir deshalb auch so etwas wie einen regionalen Ansatz ausbilden müssen. Den können wir aber nur mit Partnern in der Region entwickeln, und dazu werden diejenigen gehören, mit denen wir heute schon zusammen arbeiten.

Wie wird es weitergehen?

Niemand weiß im Moment, welche Bedingungen für den Abzug aus Aleppo ausgehandelt wurden. Und was in Idlib passieren wird, einer Region, in die viele Menschen jetzt gebracht werden und in der weiter gekämpft wird. Die Menschen dorthin umzusiedeln bedeutet, sie kontrolliert an einem Ort zu versammeln. Sie kommen vom Regen in die Traufe. 

medico unterstützt unter anderem eine Schule in Erbin. Warum sollten sich deutsche Hilfsorganisationen in Syrien einsetzen?

Weil es wichtig ist, die Selbsthilfekräfte zu aktivieren. Ich vermute, dass viele Kinder, die diesen Krieg erleben mussten, in den kommenden Jahren von islamistischen Gruppen angeworben werden können, weil sie erleben mussten, dass die Welt ihnen nicht beistehen wollte. Wenn wir jetzt nichts für sie tun, wird aus ihnen eine verlorene Generation. Sie würden dann zum zweiten Mal zu Opfern werden. 

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news-762 Sun, 18 Dec 2016 12:39:05 +0100 Das Bündnis Entwicklung Hilft ruft erneut zu Spenden für die Menschen in Syrien auf http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/das-buendnis-entwicklung-hilft-ruft-erneut-zu-spenden-fuer-die-menschen-in-syrien-auf.html Etwa 50.000 Menschen warten auf den Abzug, andere konnten Aleppo bereits verlassen. Angesichts der zugespitzten Lage und der hohen Zahl von notleidenden Menschen steigt der Hilfsbedarf in Syrien und den Nachbarländern.

Gemeinsam mit lokalen Partnern liefern unsere Bündnis-Mitglieder Nahrungsmittel sowie Decken, Kleidung und Heizmaterial für die kalten Wintermonate an die Menschen, die im Moment in Notunterkünften und Zelten leben. Sie sorgen dafür, dass Menschen, die monatelang weder ausreichend Essen noch frisches Trinkwasser hatten, endlich mit Lebensmitteln und Wasser versorgt werden können. Und sie finanzieren Krankenhäuser, betreuen verängstigte Kinder und versuchen, Menschen wieder Hoffnung zu geben. Aber nicht alle wollen gehen. Viele harren in zerbombten Häusern aus, ohne Essen und Trinken, teilweise schwer verletzt. Sie haben Angst vor dem, was kommt. Die Menschen sind am Ende ihrer Kräfte, sie benötigen umgehend unsere Hilfe.

In diesen dramatischen Tagen in Aleppo müssen wir unsere Hilfe in Syrien und für die Schutzsuchenden in den Nachbarländern ausweiten. Das Bündnis Entwicklung Hilft bittet daher dringend um Unterstützung: 

IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00, Stichwort: Syrien

oder

www.spenden.entwicklung-hilft.de

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah. 

Bündnis Entwicklung Hilft
Pressestelle
030 – 278 77  393
presse(at)entwicklung-hilft.de

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news-761 Fri, 16 Dec 2016 10:29:04 +0100 „Ich verurteile niemanden“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ich-verurteile-niemanden.html Apokalyptische Botschaften fluten die Twitternachrichten. Unter #Aleppo drücken Syrer ihre Wut und Verzweiflung aus. Kriegsberichterstatter schildern Gefühle der Resignation und Ohnmacht. Aufgeben? Für Pater Firas Lufti kam das nie in Frage. Seit fünf Jahren harrt der Franziskanermönch in einem Konvent in Aleppo aus. In einem Altbau mit Einschusslöchern, ohne Heizung. Während die Menschen gerade aus Ost-Aleppo evakuiert werden, wartet Pater Firas Lufti im Westteil der Stadt auf sie, um ihnen Essen, Wasser und Medikamente zu geben. Bei ihnen zu sein. Ihnen zu vermitteln, dass es sich lohnt, weiterleben zu wollen. Misereor unterstützt ihn.

Die Kälte? Ach, wissen Sie: Die macht mir nicht so viel aus. Heute scheint die Sonne. Der Himmel ist flirrend blau, fast türkisfarben – und wir haben acht Grad plus, nur nachts ist es jetzt immer frostig. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich habe etwas zum Anziehen, und wir können Lebensmittel wieder in Supermärkten kaufen, ein paar haben geöffnet. Ich lebe in West-Aleppo und bin verantwortlich für vier Sozialzentren der Franziskaner. Ich weiß, dass viele Menschen bei Ihnen in Deutschland das vermutlich für eine verrückte Idee halten, aber ich möchte nicht gehen. Ich will hier bei den Menschen bleiben, die mich brauchen. Das ist meine Aufgabe.  

Es gibt so viele Menschen, die noch eingeschlossen sind im Ostteil der Stadt. Die Feuerpause gestern, in der sich die Zivilisten aus der Stadt retten sollten, war viel zu kurz, erst seit heute können Krankenwagen in den Ostteil fahren und die Verwundeten versorgen. Hören Sie die Sirenen im Hintergrund? Aber so genau wissen wir nicht, wie das jetzt ablaufen soll. Viele Menschen haben Angst, dass sie festgenommen oder umgebracht werden, wenn die Soldaten in ihre Häuser kommen. Sie gelten ja als Terroristen. Auch die Kinder. 

Wie es mir geht, wenn ich an die vielen Opfer denke? Ganz einfach: Ich habe aufgehört, die Toten zu zählen. Jeder einzelne, der umgekommen ist, war einer zu viel. Und welchen Glauben er hatte, spielt keine Rolle. Wenn ich Menschen etwas zu essen gebe, unterscheide ich ja auch nicht: Ist dieser Mensch nun Sunnit? Schiit? Muslim? Christ? Ich bin in Syrien geboren, in Homs, als Christ. Christen und Muslime haben hier lange friedlich zusammengelebt. Es tut mir weh, daran zu denken, dass das nicht mehr möglich ist.

In Aleppo verteilen Projektpartner von Misereor Essen. Foto: Misereor

Jedes Mal, wenn ich jemanden beerdigen muss, wird mein Herz schwer wie ein Klumpen Blei. Sind Kinder dabei, versuche ich, sie zum Lachen zu bringen. Niemand kann einen Krieg ohne kleine Momente der Freude überleben, und dafür bin ich da. Ich bete mit Menschen zusammen. Ab und zu singen wir. Und ich möchte ein Zentrum für Kinder gründen, wenn dieser Krieg vorbei ist. Irgendjemand muss den Menschen doch helfen, diese Erlebnisse zu verarbeiten, diese Kinder sind wie abgeschnitten vom Leben. Gelähmt und voller Angst. Sie in Deutschland sehen im Fernsehen Menschen ohne Arme und Beine. Flüchtlinge, die frieren und die in langen Schlangen über die Straßen laufen. Die tiefsten Wunden, die Kriege hinterlassen, sind unsichtbar.  

Meine Eltern sind nach Deutschland geflohen, sie leben im Saarland. Es belastet mich, dass meine Mutter sich Sorgen um mich macht. Ich höre es an ihrer Stimme, wenn wir telefonieren, aber sie hat meine Entscheidung, in Aleppo zu bleiben, akzeptiert. Und sie fragt auch nie genauer nach, wie es mir geht, wir sprechen meistens über den Alltag. Über banale Dinge. Das Wetter zum Beispiel. Man darf dem Krieg nicht erlauben, jede Minute zu besetzen, sonst gewinnt er am Ende gegen das Leben. 

Wir leben hier von Minute zu Minute. Von Stunde zu Stunde. In so einer Situation ärgert man sich nicht. Man weint kaum. Das wäre zu anstrengend. Hass führt nirgendwo hin, er vergiftet die Seele. Zuerst gibt es Morde, dann Hass, dann Rache, dann Vergeltung und dann wieder neue Morde – Syrien braucht diese Eskalationsschleifen nicht. Ich wünsche mir und meinem Land endlich, endlich Frieden. 

Ich gebe niemanden die Schuld. Keinem Präsidenten. Keinem Soldaten. Keinem radikalen Islamisten. Und ich verurteile auch niemanden. Gerichtsprozesse machen nichts ungeschehen, Tote nicht wieder lebendig. Eine wichtige Lehre des Christentums ist, dem Feind verzeihen zu können. Zu vergeben. Weil man selbst damit besser leben kann. Wie sollen wir hier im Nahen Osten denn sonst jemals wieder zusammenleben? 

Jetzt ist es Zeit, Opfer zu bergen. Verwundete zu verarzten. Später, wenn alles vorbei ist, müssen die Verantwortlichen dann vor ein Tribunal. Aber jetzt? Da spielt das doch noch gar keine Rolle. 

Ob ich an Gott glaube? Natürlich, was für eine Frage. Mein Glaube hilft mir. Ich weiß nicht, ob ich morgen noch lebe. Oder übermorgen. Aber jetzt, heute, in dieser Stunde, in dieser Minute, in der ich mit Ihnen telefonieren darf, empfinde ich Dankbarkeit. Dafür, dass mich keine Bombe zerfetzt, keine Kugel getroffen hat. 

Pater Firas Lufti ist Syrer. Er ist 41 Jahre alt und wurde in Hama geboren. Von 2004 bis 2011 lebte er in Aleppo. 2014, nach einem Aufenthalt in Rom, kam er nach Syrien zurück. 

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news-760 Wed, 30 Nov 2016 21:03:22 +0100 „Ich möchte meine Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/ich-moechte-meine-faehigkeiten-zum-wohl-aller-einsetzen.html Ein Gespräch mit Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und neues Vorstandsmitglied des Bündnisses, über seine Vorstellungen von erfolgreicher Arbeit in Netzwerken.

Herr Meyer-Porzky, die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist gerade, nach sieben Jahren als assoziierter Partner, Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft geworden. Wie fühlt sich das an? 

Ich freue mich sehr, auch darüber, dass es ein einstimmiges Wahlergebnis war. 

Wie kam das? 

Ich glaube, dass alle Mitglieder unserem Aufnahmeantrag zugestimmt haben, weil wir ein verlässlicher Ansprechpartner in Krisensituationen waren – und wohl auch, weil wir durch unser Engagement in verschiedenen Arbeitsgruppen gezeigt haben, dass wir vertrauenswürdig sind.

Warum haben Sie sich gerade das Bündnis Entwicklung Hilft ausgesucht?

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich ganz bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir die Grundsätze und die Ausrichtung sehr schätzen. Wir sind keine Organisation, die nur direkte humanitäre Hilfe leistet, sondern wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, die Neglected Tropical Diseases (NTDs), deren Ursachen wir bekämpfen und wo wir – das charakterisiert unsere Arbeitsweise – Strukturen aufbauen müssen, die auf lange Sicht zur Überwindung dieser Krankheiten führen. 

Was genau meinen Sie damit?

Wo NTDs auftreten, fehlt es den Menschen am Allernötigsten. Für sie sind Katastrophen am schnellsten lebensbedrohlich: Sie können nicht ausweichen, sie haben keine physischen Ressourcen. Darum treffen Wirbelstürme, Überflutungen oder Erdbeben diese Menschen am härtesten. Und da passte das Bündnis mit seinem Nachhaltigkeitsansatz hundertprozentig. Außerdem kann Vorsorge im medizinischen Bereich gar nicht ernst genug genommen werden. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung hat zum Beispiel den Tuberkulose-Erreger in sich, ohne krank zu werden. Wenn Menschen aber körperlich und mental geschwächt sind, funktioniert ihr Immunsystem nicht gut genug. Tuberkulose ist darum in den Armenvierteln dieser Welt so weit verbreitet. Übrigens auch in New York, in der Obdachlosen-Szene, also unter Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir müssen – und auch das entspricht den Zielen des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention ansetzen. Darum investieren wir sehr viel Geld in Bildungsmaßnahmen. Wir versuchen nicht nur, finanzielle Mittel für Behandlungen zur Verfügung zu stellen, sondern auch, Menschen zu befähigen, sich selbst gut zu ernähren und besser auf Hygiene zu achten, damit sie gar nicht erst krank werden. 

Wie lange gibt es Ihre Organisation und warum wurde sie gegründet? 

Uns gibt es seit dem Jahr 1957. Der Impuls zur Gründung kam von dem Journalisten Franz Graf Magnis, der aus Äthiopien berichten wollte. Dort hatte er Menschen mit aufgeschwollenen „Löwengesichtern“ gesehen und Äthiopier, die ohne Hände und Füße über staubige Straßen rutschten. „So etwas können wir unseren Lesern nicht zumuten“, sagten einige Chefredakteure empört, aber er hat nicht aufgegeben, und einige deutsche Zeitungen druckten eine Reportage von ihm. Sie löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Deutsche Bauhandwerker errichteten dann im äthiopischen Bisidimo zusammen mit einheimischen Helfern ein Zentrum, in dem Leprakranke behandelt wurden. 

Wenn die Bezeichnung Lepra im Namen einer Organisation vorkommt, fragen doch sicher viele Menschen: „Lepra? Gibts die überhaupt noch?“ Was sagen Sie dazu?

Ja, es gibt immer noch zu viele Fälle, leider. Wir haben fast 250.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Und es gibt Millionen Menschen, die unter den Folgen der Lepra leiden und unsere Hilfe brauchen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Wir haben viele Spender und langjährige Unterstützer, und sie trauen uns eine Menge zu, denn als die DAHW mit ihrer Arbeit begann, galt Lepra als unlösbares Problem. Die DAHW entwickelte sich dann zu einem „Game Changer“: Wir hatten damals geschätzte zehn bis fünfzehn Millionen Leprakranke weltweit. Mittlerweile haben wir es geschafft, Lepra zu einer behandelbaren Krankheit zu machen. Wir haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es heute eine wirksame Medikamentenkombination gibt, die Lepra wirklich heilen kann, und wir setzen uns dafür ein, Betroffene zu entstigmatisieren. Dafür werden wir sehr geschätzt. Uns eilt außerdem der Ruf voraus, dass wir großen Wert auf langfristige Hilfen legen und sie durchaus beharrlich umsetzen. Unsere Erfahrung betrachten wir als Pfund, das wir in das Bündnis einbringen können.

Was erhoffen Sie sich vom Bündnis Entwicklung Hilft? 

Austausch. Solidarität. Dass wir eine noch breitere Öffentlichkeit mit unseren Anliegen erreichen. Wir arbeiten – ganz unabhängig von Katastrophen – seit vielen Jahren mit dem assoziierten Mitglied German Doctors zusammen, und zwar in Indien, bei einem Hilfsprojekt zur Bekämpfung von Tuberkulose. In Howrah, einem Stadtteil von Kolkata, unterstützen wir unter anderem einen deutschen Arzt, der eine Klinik leitet – und der sogar Menschen versorgen kann, die nicht nur eine Lungentuberkulose haben, sondern beispielsweise auch eine Knochenmarkstuberkulose. Mit Misereor kooperieren wir in Afghanistan, mit anderen Bündnismitgliedern in Pakistan und in Äthiopien. 

Glauben Sie, auch bei Projekten gemeinsam mehr erreichen zu können?

Das hoffen wir, allein der Erfahrungsaustausch ist wertvoll. Die DAHW war immer schon ein guter Netzwerker. Wir wissen natürlich auch, dass die Ursachen von Krisen und Katastrophen heutzutage so komplex sind, dass man sie allein, als einzelne Organisation, gar nicht bekämpfen kann. Und dass es darauf aber mindestens genauso ankommt wie auf die schnelle Hilfe von der ersten Sekunde an. Die wir und unsere Partner leisten können, weil wir schon vor Ort sind. Wichtig ist uns auch, dass wir mit unseren Partnern und den Menschen aus den Ländern auf Augenhöhe zusammenarbeiten und die Hilfe aus dem Land selbst heraus entwickeln. Auch das ist ein Grundsatz des Bündnis Entwicklung Hilft.

Wie sieht eine gelungene Bündnis-Arbeit für Sie aus?

Als guter Netzwerker darf ich nicht nur meine eigene Organisation im Blick haben. Da muss ich auch mal sagen: Wir sind hier in einem Bündnis, weil wir gemeinsame Werte, Vorstellungen, Ziele und Aufgaben haben – und die gehen wir jetzt alle miteinander an, damit wir uns später auch zusammen über die guten Ergebnisse und gemeinsamen Erfolge miteinander freuen können. Ich muss mir bewusst machen, welche Ressourcen ich als Organisation habe und wie sie dem großen Ganzen nützen. Ich möchte meine persönlichen Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses. 

Gründungsgeschichte und Weiterentwicklung

1955 

Der Journalist Franz Graf Magnis und der Theologiestudent Richard Recke aus Würzburg begegnen in Äthiopien dem französischen Arzt Dr. Féron. Sein Einsatz für Leprakranke beeindruckt die jungen Männer. Sie rufen in Deutschland zur Hilfe auf. 

1957 

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wird in Würzburg gegründet, zunächst als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW). Die beiden verheirateten Würzburger Irene und Hermann Kober sind Mitgründer der Organisation. 

1958

Die ersten Helfer gehen zum Aufbau einer Station in Bisidimo nach Äthiopien. Schon bald bekommt die DAHW Projektanträge aus Afrika, Asien und Lateinamerika. 

1961 

Beginn der Zusammenarbeit mit der Ärztin Ruth Pfau, die zum Orden „Töchter vom Herzen Mariä“ gehört, in Pakistan: Nach und nach gelingt es, die Zahl der Neuerkrankungen zu reduzieren. 

1963 

Fünf Jahre nach der Gründung unterstützt die DAHW 83 Hilfsstationen weltweit. Rund 75.000 Leprakranke werden behandelt. 

1981 

Lepra wird heilbar. Die Behandlung baut auf einer Therapie auf, die das Hilfswerk mitentwickelt und seit den 1970er Jahren erfolgreich auf Malta angewendet hat. 

1990 

Der Verein stellt sich einer zweiten Herausforderung: der Bekämpfung der Tuberkulose. 

2003 

Das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk benennt sich in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe um. 

2006 

Die Hilfe wird auf mehrere armutsbedingte Krankheiten ausgeweitet.

2009 

Die DAHW wird assoziierter Partner des Bündnis Entwicklung Hilft.

2010

Bei der Flut-Katastrophe in Pakistan leistet die Organisation Nothilfe.

2012

In Liberia beginnt die DAHW mit dem Aufbau eines Lepra-Kontrollprogramms.

2016

Der Verein wird Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft.

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news-759 Wed, 30 Nov 2016 20:06:12 +0100 „Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/wir-glauben-an-die-staerke-dieses-buendnisses.html Das Bündnis Entwicklung Hilft hat ein neues Mitglied aufgenommen Berlin, 30.11.2016 – Das Bündnis Entwicklung Hilft hat Verstärkung bekommen: Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist neues Mitglied. Die bisherigen Mitglieder Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe haben dies einstimmig beschlossen.

„Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir den Nachhaltigkeitsansatz sehr schätzen“, sagt Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW und neues Vorstandsmitglied des Bündnis Entwicklung Hilft. „Wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, deren Ursachen wir bekämpfen müssen. Außerdem müssen wir – und auch das entspricht der Ausrichtung des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention beginnen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses und freuen uns auf eine noch engere Zusammenarbeit.“

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wurde 1957 als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk gegründet. Anfang 2003 hat sich der Verein umbenannt, um die beiden Schwerpunkte Lepra- und Tuberkulosebekämpfung im Namen zu nennen. Das Kürzel DAHW wird zur Wiedererkennung bei Spendern und Förderern weiter verwendet. Die Organisation unterstützt Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die an Neglected Tropical Diseases (NTDs) leiden. Dazu gehören unter anderem die Elefantiasis, die Leishmaniose oder die Chagas-Krankheit.

Rund 70.000 Menschen jährlich vertrauen der DAHW ihre Spenden an, viele davon bereits seit Jahrzehnten. 163 Programme und Projekte in 21 Ländern konnte die DAHW im vergangenen Jahr unterstützen. Die Aufwendungen für satzungsmäßige Projekte betrugen über 13 Millionen Euro. Wie alle Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft arbeitet auch die DAHW eng mit lokalen Partnern zusammen.

Rund 734.000 Euro wurden in Forschungsprojekte sowie in Aus- und Weiterbildung investiert. Die DAHW setzt sich zudem besonders dafür ein, dass Betroffene nicht stigmatisiert werden.

Die acht Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. leisten bei Katastrophen und in Krisengebieten direkte humanitäre Hilfe. Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit des gemeinnützigen Vereins werden durch Beiträge der Mitglieder finanziert. Die durch Spendenaufrufe eingeworbenen finanziellen Mittel werden zu 100 Prozent an die Mitglieder weitergeleitet. Allen Mitgliedern und auch dem Bündnis Entwicklung Hilft wurde das DZI Spenden-Siegel zuerkannt.

Darüber hinaus engagieren sich alle Mitglieder – dem Grundsatz Entwicklung hilft und ist die beste Prävention folgend – als Bündnis für die Katastrophenvorsorge und für langfristige Maßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit. 


 

Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V.
Pressestelle
Chausseestraße 128/129
10115 Berlin
Tel.: 030  278 77 393
Fax: 030  278 77 399
www.entwicklung-hilft.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-758 Fri, 25 Nov 2016 13:45:00 +0100 Transparent. Wirksam. Ausgezeichnet. http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/transparent-wirksam-ausgezeichnet.html Berlin, 25. November 2016 – Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat dem Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. sein Spendensiegel zuerkannt: Wir arbeiten transparent, wirtschaften sparsam, informieren sachlich und wahrhaftig und haben wirksame Kontroll- sowie Aufsichtsstrukturen. Auf diese Weise gewährleisten wir, dass die uns zufließenden Spenden den gemeinnützigen Zweck erfüllen.

Zum Bündnis gehören die acht Hilfswerke Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe sowie die beiden assoziierten Mitglieder German Doctors und Plan International. Unsere Mitgliedsorganisationen leisten direkte humanitäre Hilfe bei Katastrophen, wie zuletzt nach dem Hurrikan „Matthew“, der am 4. Oktober 2016 Teile Haitis verwüstete. Zudem setzen sie sich für die langfristige Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in Ländern des Globalen Südens ein. Alle Mitgliedsorganisationen eint die Überzeugung, dass humanitäre Hilfe am besten durch die Kooperation mit lokalen Partnern gelingt ­–­ und dass auch politische Entscheidungen und ausreichende finanzielle Mittel erforderlich sind, um durch Prävention das Risiko für Krisen und Katastrophen minimieren zu können.

Um bei Katastrophen schnell helfen zu können, sammelt das Bündnis Spenden und leitet sie an die Mitgliedsorganisationen weiter. Assoziierte Mitglieder können beim Bündnis Anträge auf Projektförderungen stellen. Daneben möchte das Bündnis mit einer Bildungs- und Aufklärungsarbeit dazu beitragen, die vielschichtigen Ursachen von Katastrophen sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit für die Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit zu sensibilisieren.

Die sieben Spenden-Siegel-Standards erfüllt der Verein wie folgt:

1. Die Organisation leistet satzungsgemäße Arbeit.
2. Leitung und Aufsicht sind angemessen strukturiert, klar voneinander getrennt und werden wirksam wahrgenommen.
3. Werbung und Öffentlichkeitsarbeit informieren klar, wahr, sachlich und offen.
4. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab niedrig (unter 10%). Spenden fließen ungeschmälert den Projekten zu. Die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes wird überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert und veröffentlicht.
5. Die gezahlten Vergütungen berücksichtigen den Status der Gemeinnützigkeit, die Qualifikationen, das jeweilige Maß an Verantwortung und den branchenüblichen Rahmen.
6. Die Mittelbeschaffung, die Verwendung der Gelder sowie die Vermögenslage werden nachvollziehbar dokumentiert und angemessen geprüft.
7. Die Organisation berichtet offen und umfassend über ihre Arbeit, Strukturen und Finanzen.

Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. verfügt nach Maßgabe der Spenden-Siegel-Leitlinien über eine Richtlinie für die Zeichnungsberechtigung unter Berücksichtigung des Vier-Augen-Prinzips. Die Beobachtung der Wirkung der Projektarbeit erfolgt durch die Mitgliedsorganisationen. Sie alle sind mit dem DZI-Spenden-Siegel ausgezeichnet.

 

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news-757 Fri, 04 Nov 2016 23:27:08 +0100 „Haiti hat eine Zukunft!“ http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/haiti-hat-eine-zukunft.html Der Hurrikan „Matthew“ hat schlimmere Schäden verursacht als erwartet. In Untersuchungen der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank ist von fast zwei Milliarden US-Dollar die Rede. Doch scheinbar zeigt die Internationale Gemeinschaft wenig Bereitschaft, Haiti zu unterstützen: Nur knapp über 30 Prozent der erforderlichen 120 Millionen US-Dollar für die direkte humanitäre Hilfe sind nach Angaben des aktuellen „Situation Report“ der Vereinten Nationen bisher zusammengekommen. Ist der Inselstaat ein hoffnungsloser Fall? Was müsste sich ändern, damit sich das Leben der Haitianer dauerhaft verbessert? Bündnis Entwicklung Hilft sprach mit Michael Kühn, dem Referenten der Politikabteilung und langjährigen Landesdirektor der Welthungerhilfe, über die Ursachen der Sturmkatastrophe und die Perspektiven für Haiti.

Michael Kühn | Foto: Welthungerhilfe

Aus der ehemals reichsten französischen Kolonie ist schon vor langer Zeit das Armenhaus Mittelamerikas geworden. Ist Haiti überhaupt noch zu retten?

Auf jeden Fall. Mit dem erforderlichen politischen Willen könnte man langfristig viel verbessern. Das Interessante an Haiti ist, dass die Entwicklungsvoraussetzungen ja durchaus vorhanden sind. Haiti ist religiös nicht so zersplittert wie manche afrikanische Länder, es gibt hier kaum ethnische Spannungen, auch die Haitianer selbst sind sehr motiviert und möchten vorankommen, aber es fehlen ihnen derzeit einfach die Möglichkeiten dazu, und das hängt mit politischen Fehlentscheidungen zusammen. 

Nach UN-Angaben sind 1,4 Millionen Menschen auf Soforthilfe angewiesen. Die Hälfte der Bevölkerung hat derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mindestens 175 000 Menschen sind obdachlos. Die haitianische Regierung spielt die Probleme jedoch herunter und verschärft dadurch die Lage. Trauen Sie einem neuen Präsidenten zu, dieses Desaster in den Griff zu bekommen?

Eine gute Regierung, die das Gemeinwohl im Blick hat, wäre Haiti jetzt sehr zu wünschen. Das ist am allerwichtigsten für dieses Land. Eine Voraussetzung dafür wäre aber auch, dass dem neuen Präsidenten nicht wieder tausend andere Akteure hineinregieren. Haiti hat eine Zukunft! Das Land darf sich aber nicht weiter zum Spielball ausländischer Interessen machen lassen. Bis heute ist der Inselstaat immer unter dem Einfluss von irgendjemandem, ob das die Vereinten Nationen sind, ob das die Amerikaner waren, die das Land 19 Jahre besetzt hielten. Haiti war eigentlich nie in der Lage, eigene Interessen zu formulieren und sie durch politische Entscheidungen umzusetzen. In der Zeit der Diktatur haben sich nationale Eliten gnadenlos bereichert. In den 1980er Jahren taten die Forderungen des Nationalen Währungsfonds und der Weltbank ihr Übriges: Man hat Haiti gezwungen, die Importzölle zu senken und dadurch die Produktion nationaler Güter vor allem in der Landwirtschaft zerstört. Wenn man das alles im Zusammenhang sieht, stellt man fest, dass das Land nie wirklich eine Chance hatte. 

Entwicklungshilfe-Kritiker bezeichnen Haiti als NGO-Republik, mit Tausenden von registrierten Hilfsprojekten und mehr als sieben Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe. Das Nebeneinander sorgt für Sprengstoff: Im Moment gibt es Proteste einiger lokaler Organisationen gegen die Blauhelme der Vereinten Nationen. Wo kann eine sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit ansetzen?

Eine Entwicklungszusammenarbeit, die langfristig wirken soll, kann nur mit der Regierung funktionieren, nicht gegen sie. Es ist aber auch unglaublich wichtig, dass sich in Haiti eine eigenständige Zivilgesellschaft entwickelt, die sich politisch einmischt. Die Regierung muss auch wieder auf eine eigene Produktion setzen. Nehmen wir als Beispiel die Landwirtschaft: In Haiti können 30 Prozent der gesamten Fläche zur Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse benutzt werden. Aber die überwiegend von Kleinbauern erzeugten Produkte dienen lediglich der Subsistenz. Reis hingegen wird heute nicht mehr großflächiger produziert, weil subventionierter Reis aus den Vereinigten Staaten billig angeboten werden kann. Und jetzt kommen auch noch überwiegend Billigwaren aus China, die wiederum lokale Haushaltsgüter ersetzen, die ursprünglich aus Holz oder Aluminium hergestellt wurden. Jetzt ist alles aus Plastik. Solange Haiti nur importiert, gibt es keine Wertschöpfungsketten und damit auch keine Jobs, und ohne Jobs gibt es keine Kaufkraft beziehungsweise kein Geld, das wieder in das System zurückfließen würde. Ein Teufelskreis. 

Wer hat ein Interesse daran, dass das so bleibt?

Alle, die im Import und Export ihr Geld verdienen, leben ganz gut von dieser Situation der Unübersichtlichkeit. Und sie schlagen aus dieser Situation Kapital. Eingekauft wird fast alles im Ausland – ob das jetzt Benzin ist, ob das Lebensmittel für die Supermärkte oder Materialien für Baumärkte sind – das alles wird ins Land hinein geholt, und je schwächer der Staat ist, desto schwächer ist auch die erbrachte Steuerleistung. Es gibt hier einfach keinen Konsens zwischen den politischen Eliten und den Wirtschaftseliten, der darauf hinauslaufen würde: „Hey, wir haben jetzt gelernt innerhalb der letzten 60 Jahre, was alles schief gelaufen ist – und das wollen wir ändern und dafür brauchen wir jetzt eine gemeinsame Strategie.“  

Noch im April dieses Jahres hatte das Tourismusministerium in Haiti eine Initiative gestartet, mit deren Hilfe die Regierung mehr Besucher ansprechen wollte, in der Hoffnung, das Land durch die Einnahmen wieder auf eigene Beine zu bringen. Wie schätzen Sie diese Bemühungen ein?

Ich glaube, man schielte da rüber zum Nachbarn, der Dominikanischen Republik. Dort ist der Tourismus stark entwickelt. Aber ein Großteil des Kapitals, das die meist ausländischen Investoren ins Land gebracht haben, fließt auch wieder aus dem Land heraus. Die Voraussetzungen für die Tourismuswirtschaft sind eindeutig vorhanden. Es gibt schöne historische Bauten, tolle Strände, freundliche Menschen, aber es gibt keinerlei Verkehrs-Logistik. Ein Mietauto kostet 150 Dollar am Tag, das können sich nicht viele Urlauber leisten. Und jedes Mal, wenn so ein Katastrophen-Ereignis stattfindet, ist man natürlich wieder um fünf oder sogar um zehn Jahre zurückgeworfen. Ich schätze, die Idee, einen florierenden Tourismus hinzubekommen, kann man innerhalb der nächsten zehn Jahre nur schwer umsetzen. 

Nach dem letzten großen Erdbeben im Januar 2010 unterstützte die Welthungerhilfe 271.000 Menschen im Süden Haitis und schulte sie im Katastrophenschutz. Inwiefern wirkt diese Arbeit nach?

Solche präventiven Programme können gar nicht als wichtig genug eingestuft werden. Investieren oder Programme auflegen bedeutet ja nicht nur Kapital einzusetzen, sondern auch Wissen zu vermitteln. Viele Menschen in Haiti haben durch Katastrophenschutzpläne und durch Schulungen nicht nur verstanden, wie man Häuser sicherer baut. Sie haben auch gelernt, sich auf Katastrophen vorzubereiten, die Risiken besser zu erkennen und sich  – so gut sie eben können – zu schützen. 

Warum gab es jetzt trotzdem wieder so viele Opfer?

Es gibt wenige Anstrengungen, die darauf abzielen, konsequent in die Vorsorge zu investieren und sie auch flächendeckend zu betreiben. Dadurch wird die Gesellschaft immer wieder von der Heftigkeit der Stürme und des Starkregens überrascht. Die Menschen sind einfach nicht vorbereitet. Die Kubaner bekommen das besser hin. Dort sind die Katastrophenschutz-Komitees funktionstüchtiger. Die Opferzahlen auf Kuba nach dem Hurrikan jetzt sind viel niedriger gewesen, weil die Menschen evakuiert wurden. In Haiti ist jeder sich selbst überlassen. Neben der Katastrophenvorsorge, die vor allem auf Prävention setzt, brauchen wir aber auch andere Finanzierungssysteme für die Zeit danach. Eine Idee können Versicherungssysteme sein, bei denen von Staaten oder anderen Akteuren Geld zur Verfügung gestellt wird, ohne dass man in Katastrophenfällen die nötige Hilfe erst schriftlich beantragen muss, weil man schon vorher in eine Art Versicherungsfond eingezahlt hat. Solche enormen Katastrophenschäden wie diese jetzt können unmöglich allein durch Spendengelder abgedeckt werden.  

Widerspricht diese Finanzierung von außen nicht Ihrer Forderung nach mehr Souveränität?

Nein. Bei Schäden von derartigen Ausmaßen ist das Land auf ausländische Hilfe angewiesen. Aber die Haitianer sind im Lauf vieler Jahre in einen Paternalismus hineingetrieben worden. Das war ja auch die Kritik nach dem Erdbeben 2010, als die Vereinten Nationen so massiv kritisiert wurden. Auch einige NGOs verhalten sich ja nicht immer korrekt, sondern nutzen solche Krisen, um sich zu finanzieren oder in Szene zu setzen, das muss man auch kritisch sehen. Genau deswegen ist es auch so wichtig, dass man mit der Regierung und der Bevölkerung kooperiert, jedenfalls machen wir das als Welthungerhilfe. Und die neue Regierung muss natürlich jetzt auch zeigen, dass sie in der Lage ist, die Gelder vernünftig einzusetzen.

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news-754 Fri, 21 Oct 2016 18:00:00 +0200 Mossul: Zwischen Hoffnung und Angst http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/mossul-zwischen-hoffnung-und-angst.html Vor drei Tagen feierten Flüchtlinge in Erbil euphorisch die Befreiung ihrer Heimatstadt Karakosch. Inzwischen scheint der Vormarsch auf Mossul ins Stocken zu geraten – der Islamische Staat setzt Heckenschützen und Sprengfallen ein. Wie viele Opfer es geben wird, ist derzeit völlig unklar. Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft bereiten weitere zivile Hilfen vor und fordern die beteiligten Regierungen zu umsichtigem Handeln auf.

Irakische Zivilisten fliehen vor Gefechten zwischen dem Islamischen Staat und der irakischen Armee. Die Terrormiliz zündete mehrere Ölfelder an, wie hier in Qayara, etwa 50 Kilometer südlich von Mossul (Foto: Murat Bay)

Berlin, 21.10.2016 – Auch am fünften Tag der militärischen Offensive bleibt die Lage unübersichtlich. Zwar sprach der irakische Ministerpräsident Haider-al-Abadi bei der internationalen Irak-Konferenz in Paris am 20. Oktober von Erfolgen. So sollen Eliteeinheiten der irakischen Armee und kurdische Kämpfer weitere Angriffe gestartet haben, um Dörfer nördlich und östlich von Mossul einzunehmen. Nach offiziellen Angaben komme man wesentlich schneller voran als geplant. Kritiker bezweifeln jedoch, dass der Islamische Staat (IS) sich in wenigen Wochen geschlagen geben wird – und ob er sich militärisch überhaupt besiegen lässt.

 

Erdogan will die Kurden schwächen

Problematisch ist, dass innerhalb der internationalen Allianz die einzelnen Gruppen eigene Interessen verfolgen, die sich teilweise widersprechen. Beteiligt sind neben der irakischen Armee die kurdischen Peschmerga und internationales Militär. Zudem hat die Türkei gegen den Willen der irakischen Zentralregierung 2.000 Soldaten im nordirakischen Kurdengebiet stationiert. Der türkische Staatspräsident Erdogan hat mit einer Rede in Istanbul nun auch noch für zusätzliche Spannungen gesorgt: Er erhob Anspruch auf Mossul und verwies auf den „Misak-i Milli“, das politische Manifest der türkischen Unabhängigkeitsbewegung. Auch schiitische Milizen wollen in die Kämpfe eingreifen, die irakische Regierung lehnte das aber bisher ab.

Die Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft bereiten sich intensiv auf weitere zivile Einsätze im Irak vor und kritisieren gleichzeitig die einseitige politische Fokussierung auf den militärischen Kampf gegen den Terror:

„Wir wissen, dass in den kommenden Tagen und Wochen Hunderttausende aus Mossul fliehen werden und wohl nur ihre Kleidung und wenige Habseligkeiten mitnehmen können. Daher haben wir zunächst für etwa 1.800 Familien Pakete für die erste Notversorgung zusammengestellt. Sie enthalten Planen und Werkzeuge, mit denen sich die Familien eine provisorische Notunterkunft bauen können. Danach brauchen die Menschen Decken und warme Kleidung, denn in wenigen Wochen wird es sehr kalt im Nordirak“, sagt Mike Bonke, Landesdirektor der Welthungerhilfe, der sich derzeit in Dohuk befindet. Die Welthungerhilfe ist bereits seit zwei Jahren im Irak tätig und unterstützt unter anderem Flüchtlinge rund um Erbil und Dohuk. Lokale Partner rechnen mit einem drastischen Anstieg der Zahl der Binnenflüchtlinge. Spenden werden auch für den Wiederaufbau von Schulen und Bewässerungssystemen eingesetzt und dringend benötigt.

 

Der Weg zum inneren Frieden ist noch weit

Auch die Nahost-Expertin Astrid Meyer von Misereor ist im Nordirak unterwegs, um mit Vertretern der Partnerorganisation „Jiyan Foundation“ die Hilfsmaßnahmen abzustimmen. Ärzte arbeiten in neun Regionalzentren, darüber hinaus können mobile Teams in Gebiete rund um Mossul gehen. „Wir können nur hoffen, dass die Zivilisten nicht daran gehindert werden, Mossul zu verlassen. Andernfalls könnte es eine erneute humanitäre Katastrophe geben“, sagt Astrid Meyer.

Katja Maurer, Pressesprecherin von medico international, sieht angesichts der Opfer in der Zivilbevölkerung keinen Grund, die bisherigen militärischen Erfolge zu feiern. Sie bemängelt die Fokussierung auf den Krieg gegen den Terror: „Diese Politik hat die größte humanitäre Krise nach dem Zweiten Weltkrieg mit geschaffen anstatt sie zu lösen.“ Partner von medico international gehen davon aus, dass der IS seine Taktik verändern könne und in den kommenden Wochen verstärkt dezentrale Anschläge verüben werde. Durch eine Vertreibung der IS-Truppen aus Mossul und deren mögliche Abwanderung nach Syrien könne sich außerdem die Lage in Syrien verschärfen, befürchtet Katja Maurer. Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen seien entscheidend, auch langfristige Strategien zu einer Stabilisierung, etwa die Integration der Christen und Sunniten sowie die Armutsbekämpfung. 

 

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news-756 Tue, 18 Oct 2016 15:19:00 +0200 Haiti: Rasche Hilfe für die Betroffenen - Update http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/haiti-rasche-hilfe-fuer-die-betroffenen-update.html Nach dem verheerenden Hurrikan „Matthew“ in Haiti haben die Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft zusammen mit ihren lokalen Partnern mit der Soforthilfe begonnen und planen bereits längerfristige Maßnahmen.

Berlin, 18. Oktober 2016 – Die Soforthilfe für die Betroffenen steht weiter im Mittelpunkt. Zusammen mit ihren Partnerorganisationen vor Ort haben die Mitgliedsorganisationen Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und Hygieneartikel verteilt. In Notunterkünften werden die Menschen mit Nahrungsmitteln und warmen Mahlzeiten versorgt. In mehreren Städten im Süden und Nordwesten hat die Welthungerhilfe Decken, Moskito-Netze, Matratzen, Hygiene-Sets mit Tabletten zur Wasseraufbereitung, Seife und Werkzeuge an die Betroffenen verteilt. 

Um Kinder auch vor den psychischen Folgen zu schützen, sind eine sichere Anlaufstelle und eine gute Betreuung wichtig. Die Kindernothilfe hat die Katastrophenhilfe auf 150.000 Euro erhöht und plant die Eröffnung von vier Kinderschutzzentren in Port-á-Piment. Der Ort an der Südküste der Tiburon-Halbinsel ist - wie die etwas weiter nördlich gelegene Stadt Jérémie - ein Epizentrum der Katastrophe. In den Kinderschutzzentren kümmern sich Sozialarbeiter und Psychologen um die Kleinen, damit sie die traumatischen Erlebnisse verarbeiten können. Viele Kinder hatten Todesangst, als der Hurrikan am 4. Oktober 2016 ihre Heimat verwüstete. Sie mussten mitansehen, wie Menschen von Trümmern begraben wurden, wie Freunde oder Angehörige starben. 

Auch die Aufräumarbeiten laufen weiter. Überschwemmte Straßen und Brücken müssen wieder passierbar gemacht, Häuser aufgebaut werden. Die Christoffel-Blindenmission plant Maßnahmen, um die Menschen in Haiti beim Aufbau ihrer Häuser zu unterstützen. Familien sollen zum Beispiel neue Schaufeln, Hacken und Saatgut für die Bewirtschaftung ihrer Felder, sowie Kühe, Ziegen, Ferkel oder Hühner erhalten. 

Um die Bevölkerung gegen zukünftige Wirbelstürme besser zu schützen und die Schäden zu verringern, unterstützt Misereor seit langem Projekte für eine stabilere Bauweise von Häusern und ein professionelles Wassermanagement. Einen Hoffnungsschimmer gibt es trotz der nach wie vor erschütternden Zustände: Spezielle Wohnungsbaumodelle von Misereor hielten dem Sturm stand. Derzeit baut die Organisation Schulen wieder auf. In den Teilen des Landes, in denen der Hurrikan „Matthew“ Wälder und Felder zerstört hat, unterstützt Misereor mit einem Teil der eingegangenen Spenden die Beschaffung von Setzlingen und Saatgut. Spätestens Anfang des Jahres 2017 sollen die Menschen wieder selbst ernten können. Bewährt hat sich das von Misereor initiierte Konzept der Waldgärten: Bäume, Wild- und Kulturpflanzen sowie Wild- und Haustiere bilden hierbei ein großes Biotop. Bei der Katastrophe stellte sich nun heraus, dass die Pflanzen in solchen Waldgärten Stürmen besser trotzen können.

Nach Angaben von lokalen Behörden soll es über 1.000 Todesopfer gegeben haben. In den besonders betroffenen Gebieten, etwa rund um die Stadt Jérémie, sind 90 Prozent der Häuser zerstört oder stark beschädigt und 80 Prozent der Ernte ist vernichtet. Überschwemmungen und Hochwasser haben zu einer Trinkwasserverschmutzung geführt. Etliche Menschen sind an Cholera erkrankt: Rund 200 Verdachtsfälle wurden registriert. Aus dem Bezirk Anse-d´Hainault wurden bereits 50 Todesfälle durch Cholera-Erkrankungen gemeldet.

Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden für Haiti:

Spendenkonto:
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
Stichwort: Hurrikan Matthew

Online spenden: spenden.entwicklung-hilft.de

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news-755 Tue, 11 Oct 2016 15:19:33 +0200 Haiti: Rasche Hilfe für die Betroffenen http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/haiti-rasche-hilfe-fuer-die-betroffenen.html Nach dem verheerenden Hurrikan „Matthew“ in Haiti haben die Mitgliedsorganisationen von Bündnis Entwicklung Hilft zusammen mit ihren lokalen Partnern mit den Hilfsmaßnahmen begonnen.

Berlin, 11. Oktober 2016 – Zunächst steht weiterhin die Soforthilfe für die Betroffenen im Mittelpunkt. Zusammen mit ihren Partnerorganisationen vor Ort haben die Mitgliedsorganisationen die Verteilung von dringend benötigten Hilfsgütern wie Lebensmittel, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikel begonnen. In Notunterkünften werden die Menschen mit Nahrungsmitteln und warmen Mahlzeiten versorgt. In mehreren Städten im Süden und Nordwesten hat die Welthungerhilfe außerdem Decken, Moskito-Netze, Matratzen, Hygiene-Sets mit Tabletten zur Wasseraufbereitung, Seife und Werkzeuge an die Betroffenen verteilt. Um dem drohenden Cholera-Ausbruch entgegenzuwirken, bereiten Partner von terre des hommes Hygiene- und Sanitärmaßnahmen vor.

Für das Wohl der Kinder, die in Katastrophen besonders gefährdet sind, ist neben altersgerechter Nahrung nun eine sichere Anlaufstelle lebenswichtig. Die Kindernothilfe unterstützt daher die Kinderschutzzentren ihrer lokalen Partnerorganisationen. Hier bieten Sozialarbeiter und bei Bedarf Psychotherapeutinnen Jungen und Mädchen ihre Beratung. Darüber hinaus ist es zentral, dass der Unterricht bald wieder aufgenommen wird, um das Lernen fortzusetzen und den Kindern in ihrem Leben wieder eine Struktur zu geben. 

Parallel zu der Soforthilfe beginnen nun die Aufräumarbeiten. Überschwemmte Straßen und Brücken müssen wieder passierbar gemacht und zerstörte Häuser aufgebaut werden. Die Christoffel-Blindenmission plant Maßnahmen, um die Menschen in Haiti beim Aufbau ihrer Häuser und ihrer Existenz zu unterstützen. Familien sollen zum Beispiel neue Schaufeln, Hacken und Saatgut für die Bewirtschaftung ihrer Felder, sowie Kühe, Ziegen, Ferkel oder Hühner erhalten. Um die Bevölkerung gegen zukünftige Wirbelstürme besser zu schützen und die Schäden zu verringern, unterstützt Misereor Maßnahmen für eine stabilere Bauweise von Häusern und ein professionelles Wassermanagement.

Nach und nach zeichnen sich die Schäden durch Hurrikan „Matthew“ in Haiti ab. Aber viele betroffene Gebiete sind noch nicht vollständig zugänglich und die Kommunikation ist nicht in alle Landesteile hinein möglich. Bisher wurden 370 Tote offiziell bestätigt. In den besonders betroffenen Gebieten der Karibikinsel, etwa rund um die Stadt Jéremié, sind 90 Prozent der Häuser zerstört oder stark beschädigt und 80 Prozent der Ernte vernichtet. Überschwemmungen und Hochwasser der Flüsse führen zur Trinkwasserverschmutzung. Eine große Gefahr liegt daher nun sowohl in einer drohenden Ernährungskrise, als auch eines erneuten Cholera-Ausbruchs.

Bündnis Entwicklung Hilft bittet um Spenden für Haiti:

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Stichwort: Hurrikan Matthew

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news-752 Fri, 07 Oct 2016 14:34:01 +0200 Hurrikan Matthew: Hilfe in Haiti dringend erforderlich http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hurrikan-matthew-hilfe-in-haiti-dringend-erforderlich.html Bündnis Entwicklung Hilft ruft zu Spenden auf

Berlin, 7. Oktober 2016 – Der Hurrikan Matthew hat in Haiti weitaus schlimmere Schäden hervorgerufen als zunächst angenommen. Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft haben heute bereits 250.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt, doch weitere Hilfsgelder werden dringend benötigt. Der Hurrikan hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen in einer Region, die ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt. Über 300 Todesopfer wurden bereits gemeldet, in manchen Orten sind mehr als 90 Prozent der Häuser beschädigt. Die Region war bereits 2010 durch das schwere Erdbeben getroffen. Durch den engen Kontakt zu den Partnern vor Ort, der seit dem Erdbeben bestehen geblieben ist, können die Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft nun sehr zügig mit der Hilfe beginnen.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in Folge des Hurrikans langfristige Schäden entstanden sind. In den betroffenen Teilen Haitis ist von einem Ernteverlust von bis zu 90 Prozent auszugehen. Hinzu kommen massive Trinkwasserverschmutzung durch Meerwasser und die Gefahr eines erneuten Ausbruchs von Cholera.

Unter dem Stichwort Hurrikan Matthew ruft das Bündnis Entwicklung Hilft zu Spenden für die betroffene Bevölkerung auf. Die Mitgliedsorganisationen des Bündnisses sind mit ihren Partnerorganisationen vor Ort und bitten dringend um Unterstützung.

Spendenkonto:
IBAN: DE71 3702 0500 0008 1001 00
Stichwort: Hurrikan Matthew
Online spenden: https://spenden.entwicklung-hilft.de/

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news-751 Wed, 05 Oct 2016 14:44:00 +0200 Hurrikan Matthew richtet schwere Schäden in Haiti an http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/hurrikan-matthew-richtet-schwere-schaeden-in-haiti-an.html Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft stehen in ständigem Kontakt, um erste gemeinsame Hilfsmaßnahmen schnell und gezielt auf den Weg bringen zu können.

Am heutigen Mittwoch zog Hurrikan Matthew der Stärke 4 von 5 mit Windgeschwindigkeiten von über 220 km/h und starken Regenfällen von bis zu 600 Millimetern pro Quadratmeter über Haiti hinweg. Insbesondere im Süden des Landes richtete der Hurrikan schwere Schäden und Zerstörung an. Noch ist das genaue Ausmaß der Schäden aber nicht absehbar.

Bündnis Entwicklung Hilft beobachtet die Situation vor Ort derzeit intensiv. Die Mitgliedsorganisationen stehen mit ihren Partnern vor Ort in Kontakt. Erste gemeinsame Hilfsmaßnahmen werden bereits vorbereitet, um die Betroffenen adäquat unterstützen zu können. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen durch die Überschwemmungen, muss Krankheitsausbrüchen nun gezielt entgegen gewirkt werden. Auch im Bereich der Infrastruktur und der Landwirtschaft muss nun mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Weiterführende Informationen zu Hurrikan Matthew in Haiti gibt es auf folgenden Websites unserer vor Ort aktiven Mitgliedsorganisationen:

https://www.cbm.de/unsere-arbeit/nothilfe/Hurrikan-Matthew-bedroht-Karibik-517096.html

https://www.kindernothilfe.de/HurrikanHaiti.html

http://www.welthungerhilfe.de/hurrikan-matthew-pressemitteilung.html

 

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news-750 Thu, 15 Sep 2016 17:36:16 +0200 Gemeinsame Verantwortung, konkrete Verpflichtungen http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/gemeinsame-verantwortung-konkrete-verpflichtungen.html Bündnis Entwicklung Hilft sieht United Nations Summit for Refugees and Migrants als große Chance

Berlin, 15. September 2016 – Um globale Maßnahmen zur Bewältigung der weltweit stark angestiegenen Flucht- und Migrationsbewegungen abzustimmen, findet am 19. September 2016 ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York statt. Damit aus diesem hochrangigen Treffen ein Erfolg wird, sind aus Sicht des Bündnis Entwicklung Hilft konkrete, verbindliche Beschlüsse erforderlich.

Begrüßenswert sei die Betonung des Schutzes der Menschenrechte von Geflüchteten und Migranten, der Rettung von Geflüchteten in Lebensgefahr, der Unterstützung von Aufnahmeländern und der Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitsmigranten, so Bündnis-Geschäftsführer Peter Mucke. „Der Gipfel bietet eine Chance, die internationale Verantwortung für Geflüchtete und Migranten gerechter zu verteilen und ihre Rechte sowie ihren Schutz wirkungsvoll zu stärken. Hierfür müssen im Rahmen des Abschlussdokuments Verpflichtungen konkret genannt werden und ein Rechenschaftssystem eingeführt werden.“

Dass zwar von Fluchtursachenbekämpfung die Rede ist, aber die Fluchtursachen ausschließlich in Herkunftsländern verortet würden, kritisiert Dr. Ramona Lenz, Referentin für Flucht und Migration beim Bündnis-Mitglied medico international: „Ohne die Verantwortung der Industrieländer bei Rohstoffausbeutung, Waffenhandel und Freihandelsabkommen zu benennen und diese als Fluchtursachen anzuerkennen, bleibt die Fluchtursachenbekämpfung unvollständiges Stückwerk.“ Sie fordert auch, Menschen, die aufgrund von Katastrophen und Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen, den Status von Flüchtlingen zuzugestehen. Bei den weiteren Beratungen der Vereinten Nationen müsse darüber hinaus die Situation von Binnenvertriebenen eine wichtige Rolle bekommen. 

Die Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft weisen insbesondere auf die Kinderrechte und den besseren, wirksameren Schutz von Kindern, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, hin. "Kinder auf der Flucht sind stets besonderen Gefahren ausgesetzt und immer eine extrem verletzliche Zielgruppe. Sie müssen daher intensiv in den Blick genommen und geschützt werden. Wir fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, bestmögliche Kindesschutz-Systeme auf Fluchtrouten zu installieren", sagt Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe. "Wenn beispielsweise ein Kind während der Flucht seiner Mutter geboren wird, braucht es einen legalen Status und entsprechende Ausweispapiere."

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news-749 Thu, 25 Aug 2016 11:00:00 +0200 Unzureichende Infrastruktur treibt das Katastrophenrisiko in die Höhe http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/unzureichende-infrastruktur-treibt-das-katastrophenrisiko-in-die-hoehe.html WeltRisikoBericht 2016 über die Folgen möglicher extremer Naturereignisse in 171 Ländern Berlin, 25. August 2016 – Eine unzureichende Infrastruktur und nicht belastbare Logistikketten erhöhen substantiell das Risiko, dass aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird. Dies ist ein Kernergebnis des WeltRisikoBericht 2016, den das Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. und das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen in Kooperation mit der Universität Stuttgart heute in Berlin vorgestellt haben.

„Bei Hilfsmaßnahmen nach extremen Naturereignissen liegen die Herausforderungen meist auf der ‚letzten Meile‘ der Logistikkette: den Transport trotz zerstörter Straßen oder Brücken zu organisieren und bei Knappheit von zum Beispiel Wasser, Essen und Obdach eine gerechte Verteilung zu gewährleisten“, erklärt Peter Mucke, Projektleiter des WeltRisikoBerichts und Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Marode Verkehrswege, unsichere Stromnetze und baufällige Gebäude behindern nicht nur die humanitäre Hilfe aus dem Ausland, sondern verzögern zudem die im Katastrophenfall entscheidende Selbsthilfe der Betroffenen.“ 

„Die internationale Gemeinschaft muss bereits vor dem Eintritt von Katastrophen mehr in den Aufbau und Ausbau von kritischer Infrastruktur investieren“, sagt Dr. Matthias Garschagen, wissenschaftlicher Leiter des Berichts und Abteilungsleiter am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS). „Ausreichend Infrastruktur von hoher Qualität, die institutionell gut gemanagt wird, kann nicht nur die oft katastrophalen Folgen von Naturgefahren wie Überflutungen oder Stürmen verhindern, sondern sie kann auch eine entscheidende Rolle bei der Verteilung von humani-tären Hilfsgütern im Katastrophenfall spielen. Kritische Infrastruktur kann somit die Risiken von Naturgefahren für Bevölkerungen reduzieren und wirtschaftliche Verluste abfedern.“

Dr. Iris Menn, Programmdirektorin beim Bündnis-Mitglied Christoffel-Blindenmission (CBM), betont die wachsende Bedeutung der lokal organisierten humanitären Hilfe: „Akteure vor Ort, zum Beispiel zivilgesellschaftliche und kirchliche Organisationen, sind oft am besten mit den lokalen, kulturellen Gegebenheiten vertraut und kennen die Menschen, die am dringendsten Hilfe benötigen. Sie sind die Ersten, die im Katastrophenfall aktiv werden können und sind auch dann noch da, wenn die internationalen Hilfsorganisationen schon wieder weg sind.“

Wichtiger Bestandteil des Berichts ist der WeltRisikoIndex, der von der Universität Stuttgart, Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) berechnet wurde. Der Index bewertet das Katastrophenrisiko von 171 Ländern durch eine kombinierte Analyse von Natur-gefahren und Verwundbarkeit der Gesellschaft. Dabei weist auch 2016 der Inselstaat Vanuatu das größte Risiko auf. Deutschland liegt auf Rang 147. „Gesellschaftliche Faktoren wie die Ernährungssituation, die medizinische Versorgung und die Regierungsführung entscheiden zum großen Teil, ob aus einem Naturereignis eine Katastrophe wird“, sagt Dr. Torsten Welle vom IREUS. „Allerdings können durch gezielte Maßnahmen die Auswirkungen von Katastrophen reduziert und aus erkannten Schwachstellen wichtige Lehren gezogen werden.“

Das zugehörige Factsheet finden sie hier

Hinweise an Redaktionen:

  • Den vollständigen Bericht finden Sie ab dem 25.08.2016, 11.00 Uhr, zum Download unter www.WeltRisikoBericht.de.
  • Weitere druckfähige Bilder, Infografiken und Kartenmaterial können Sie gern bei uns anfordern.
  • Wir schicken Ihnen gern eine gedruckte Fassung des WeltRisikoBericht 2016 und früherer Ausgaben zu. Bitte schicken Sie uns eine E-Mail an: presse@entwicklung-hilft.de.  
  • Für telefonische oder persönliche Interviews stehen Ihnen unsere Autorinnen und Autoren gern zur Verfügung.


Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Florian Brell / Lotte Kirch
Tel.: +49 (0) 30 / 27877 – 393
E-Mail: presse(at)entwicklung-hilft.de

Universität der Vereinten Nationen - Pressestelle
Janine Kandel
Tel: + 49 (0) 228 / 815 – 0219
E-Mail: kandel(at)vie.unu.edu

Universität Stuttgart, Hochschulkommunikation
Andrea Mayer-Grenu
Tel.: +49(0) 711 / 685-82176
E-Mail: hkom(at)hkom.uni-stuttgart.de


Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) befasst sich mit Risiko- und Verwundbarkeitsaspekten menschlicher Sicherheit und den Konsequenzen komplexer Naturgefahren und des globalen Wandels.

Das Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart vertritt in Forschung und Lehre die Anliegen einer auf Risikoreduzierung, Nachhaltigkeit und Resilienz zielenden Raum- und Infrastrukturplanung.

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news-748 Thu, 18 Aug 2016 17:16:09 +0200 Vorstellung des WeltRisikoBericht 2016 http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/vorstellung-des-weltrisikobericht-2016.html Am 25. August 2016 veröffentlichen Bündnis Entwicklung Hilft und das Institute for Environment and Human Security der United Nations University den WeltRisikoBericht 2016 ihm Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin. Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit laden wir Sie herzlich zur Vorstellung des WeltRisikoBericht 2016 ein.

Termin: Donnerstag, 25. August um 10.30 Uhr

Ort: VKU Forum, Invalidenstraße 91, 10115 Berlin

Als Gesprächspartner stehen Ihnen folgende Experten und Expertinnen zur Verfügung:

·         Peter Mucke, Geschäftsführer Bündnis Entwicklung Hilft und Projektleiter WeltRisikoBericht

·         Dr. Matthias Garschagen, Leiter der Forschungsabteilung für „Vulnerability Assessment, Risk Management & Adaptive Planning” am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) und wissenschaftlicher Leiter WeltRisikoBericht

·         Dr. Iris Menn, Programmdirektorin Christoffel-Blindenmission

·         Dr. Torsten Welle, akademischer Mitarbeiter am Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) der Universität Stuttgart

 

Mit dem Schwerpunktthema Logistik und Infrastruktur zeigt der diesjährige WeltRisikoBericht auf, inwiefern Logistik und Infrastruktur mitentscheiden, ob aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird. Wichtiger Bestandteil des Berichts ist wie jedes Jahr der aktuelle WeltRisikoIndex, der das Katastrophenrisiko von 171 Ländern durch eine kombinierte Analyse von Naturgefahren und Verwundbarkeit der Gesellschaft berechnet.

Bitte teilen Sie uns per E-Mail an presse(at)entwicklung-hilft.de mit, wenn Sie an der Pressekonferenz teilnehmen möchten und ob Sie im Anschluss Interesse an einem persönlichen Gespräch mit den Expertinnen und Experten haben. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Mucke
Geschäftsführer

Bündnis Entwicklung Hilft

Janine Kandel
Leitung der Kommunikationsabteilung
Universität der Vereinten Nationen

 

Hinweise an Redaktionen:                          

Sollten Sie nicht an unserer Pressekonferenz teilnehmen können, vermitteln wir Ihnen gern persönliche und telefonische Gesprächstermine unter Einhaltung der Sperrfrist mit unseren Experten und Expertinnen.

 

Für Rückfragen:

Bündnis Entwicklung Hilft – Pressestelle
Florian Brell / Lotte Kirch
Tel.: +49 (0) 30 / 27877 - 393
E-Mail: presse(at)entwicklung-hilft.de

 

Universität der Vereinten Nationen - Pressestelle
Janine Kandel
Tel: + 49 (0) 228 / 815 - 0219
E-Mail: kandel(at)vie.unu.edu

 

Universität Stuttgart - Hochschulkommunikation
Andrea Mayer-Grenu
Tel.: +49(0) 711 / 685-82176
E-Mail: hkom(at)hkom.uni-stuttgart.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) befasst sich mit Risiko- und Verwundbarkeitsaspekten menschlicher Sicherheit und den Konsequenzen komplexer Naturgefahren und des globalen Wandels.

Das Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart vertritt in Forschung und Lehre die Anliegen einer auf Risikoreduzierung, Nachhaltigkeit und Resilienz zielenden Raum- und Infrastrukturplanung.

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news-747 Thu, 14 Jul 2016 11:51:23 +0200 Die Lage im Südsudan eskaliert http://www.entwicklung-hilft.de/presse/pressearchiv/archiv-detail-view/die-lage-im-suedsudan-eskaliert.html Am Wochenende erschütterten schwere Gefechte die südsudanesische Hauptstadt Juba. Ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges ist nicht auszuschließen und erneut sind tausende Menschen auf der Flucht. Auch die Arbeit der Mitgliedsorganisationen des Bündnis Entwicklung Hilft ist von der extremen Lage betroffen. Nachdem bereits Ende Mai Veronika Racková, die Leiterin des von DAHW unterstützten St. Bakhita-Krankenhauses von Soldaten angeschossen wurde und im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlag sieht sich das assoziierte Bündnismitglied nun gezwungen sein Büro in Juba aufgrund der verheerenden Sicherheitslage zu schließen. Fünf Mitarbeiter koordinieren im Hauptstadtbüro des Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfswerks die landesweite Arbeit mit Lepra-Erkrankten.

Seit 43 Jahren ist DAHW bereits im Südsudan tätig und musste die Arbeit trotz aller Bürgerkriege bisher erst das zweite Mal vollständig einstellen. „Es ist zu gefährlich für das Team, zum Büro oder gar über Land in die Projekte zu fahren“, sagt Barbara Batesaki. Als Büroleiterin der DAHW in Uganda ist sie auch für die Arbeit im Südsudan verantwortlich: „Noch geht es allen Mitarbeitern gut, das soll so bleiben. Daher haben wir ihnen empfohlen, Zuhause zu bleiben, das ist derzeit der wohl sicherste Ort.“

Welthungerhilfe setzt Arbeit in anderen Landesteilen fort

Auch Bündnismitglied Welthungerhilfe musste seine Arbeit in der Hauptstadt einstellen, wird die Projekte in anderen Landesteilen jedoch fortführen. „Im Norden und Westen des Landes ist die Lage derzeit ruhig und wir können die wichtigen Nahrungsmittelverteilungen fortführen. In Juba selbst haben wir alle unsere Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. Einige ausländische Kollegen verlassen heute oder morgen mit deutschen Militärmaschinen das Land und bleiben in Uganda bis sich die Sicherheitslage wieder beruhigt“, berichtet der Landesdirektor der Welthungerhilfe, Jonas Wiahl aus Juba. „Für das Land sind diese erneuten Kämpfe eine Katastrophe, denn die Menschen verlieren das Vertrauen in die Zukunft. Tausende flüchten wieder auf die ohnehin überfüllten UN-Stützpunkte, um dort Sicherheit und ein wenig Nahrung zu bekommen. Sie haben erneut das Wenige verloren, was sie besaßen.“ Die Organisation prüft nun, wie den betroffenen Menschen am besten geholfen werden kann.

Die Welthungerhilfe unterstützt fast 500.000 Menschen im Südsudan in vier Bundesstaaten des Landes. Dabei stehen sowohl Nahrungsmittelverteilungen für Flüchtlinge als auch landwirtschaftliche Unterstützung durch Saatgut und Beratung von Kleinbauern im Mittelpunkt der Arbeit. Um die Lebensbedingungen insgesamt zu verbessern, baut die Welthungerhilfe an Schulen und öffentlichen Plätzen Latrinen und bohrt Brunnen für sauberes Trinkwasser.

 

Misereor verspricht schnelle Hilfe

"Wir stehen in ständigem Austausch mit den beiden Ordensgemeinschaften Comboni-Missionare und Daughters of Mary Immaculate sowie verschiedenen Diözesen, deren Entwicklungs- und Hilfsprojekte wir seit vielen Jahren unterstützen", sagte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon am Mittwoch in Aachen. "Nun geht es zuallererst darum, Bürgerinnen und Bürger, die vor den Kriegshandlungen im Südsudan geflohen sind, mit dem zum Überleben Notwendigen zu versorgen." Für diesen Zweck stellt MISEREOR 100.000 Euro zur Verfügung.

Schon vor Ausbruch der neuen bewaffneten Auseinandersetzungen waren im Südsudan 4,6 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die lokalen Partnerorganisationen des Bündnismitglieds befürchten nun, dass sich die humanitäre Lage noch einmal drastisch verschärfen werde. Um den Menschen im Südsudan weiterhin effektiv helfen zu können fordert Bröckelmann-Simon ein Waffenembargo gegen den Südsudan und eine schnelle Ausweitung der UN-Blauhelmmission um die Sicherheit der Bevölkerung und der Mitarbeiter vor Ort wieder herzustellen. Es ist wichtig, dass die mit uns kooperierenden Hilfsorganisationen gefahrlos und schnell Nahrungsmittel an die notleidende Bevölkerung verteilen können."

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