Bündnis Entwicklung Hilft http://www.entwicklung-hilft.de/ Hier gibt es aktuelle Informationen zum Bündnis Entwicklung Hilft de_DE Bündnis Entwicklung Hilft Sat, 03 Dec 2016 05:33:41 +0100 Sat, 03 Dec 2016 05:33:41 +0100 TYPO3 EXT:news news-760 Wed, 30 Nov 2016 21:03:22 +0100 „Ich möchte meine Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen“ http://www.entwicklung-hilft.de/news-detail-view/ich-moechte-meine-faehigkeiten-zum-wohl-aller-einsetzen.html Ein Gespräch mit Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und neues Vorstandsmitglied des Bündnisses, über seine Vorstellungen von erfolgreicher Arbeit in Netzwerken.

Herr Meyer-Porzky, die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist gerade, nach sieben Jahren als assoziierter Partner, Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft geworden. Wie fühlt sich das an? 

Ich freue mich sehr, auch darüber, dass es ein einstimmiges Wahlergebnis war. 

Wie kam das? 

Ich glaube, dass alle Mitglieder unserem Aufnahmeantrag zugestimmt haben, weil wir ein verlässlicher Ansprechpartner in Krisensituationen waren – und wohl auch, weil wir durch unser Engagement in verschiedenen Arbeitsgruppen gezeigt haben, dass wir vertrauenswürdig sind.

Warum haben Sie sich gerade das Bündnis Entwicklung Hilft ausgesucht?

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich ganz bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir die Grundsätze und die Ausrichtung sehr schätzen. Wir sind keine Organisation, die nur direkte humanitäre Hilfe leistet, sondern wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, die Neglected Tropical Diseases (NTDs), deren Ursachen wir bekämpfen und wo wir – das charakterisiert unsere Arbeitsweise – Strukturen aufbauen müssen, die auf lange Sicht zur Überwindung dieser Krankheiten führen. 

Was genau meinen Sie damit?

Wo NTDs auftreten, fehlt es den Menschen am Allernötigsten. Für sie sind Katastrophen am schnellsten lebensbedrohlich: Sie können nicht ausweichen, sie haben keine physischen Ressourcen. Darum treffen Wirbelstürme, Überflutungen oder Erdbeben diese Menschen am härtesten. Und da passte das Bündnis mit seinem Nachhaltigkeitsansatz hundertprozentig. Außerdem kann Vorsorge im medizinischen Bereich gar nicht ernst genug genommen werden. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung hat zum Beispiel den Tuberkulose-Erreger in sich, ohne krank zu werden. Wenn Menschen aber körperlich und mental geschwächt sind, funktioniert ihr Immunsystem nicht gut genug. Tuberkulose ist darum in den Armenvierteln dieser Welt so weit verbreitet. Übrigens auch in New York, in der Obdachlosen-Szene, also unter Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir müssen – und auch das entspricht den Zielen des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention ansetzen. Darum investieren wir sehr viel Geld in Bildungsmaßnahmen. Wir versuchen nicht nur, finanzielle Mittel für Behandlungen zur Verfügung zu stellen, sondern auch, Menschen zu befähigen, sich selbst gut zu ernähren und besser auf Hygiene zu achten, damit sie gar nicht erst krank werden. 

Wie lange gibt es Ihre Organisation und warum wurde sie gegründet? 

Uns gibt es seit dem Jahr 1957. Der Impuls zur Gründung kam von dem Journalisten Franz Graf Magnis, der aus Äthiopien berichten wollte. Dort hatte er Menschen mit aufgeschwollenen „Löwengesichtern“ gesehen und Äthiopier, die ohne Hände und Füße über staubige Straßen rutschten. „So etwas können wir unseren Lesern nicht zumuten“, sagten einige Chefredakteure empört, aber er hat nicht aufgegeben, und einige deutsche Zeitungen druckten eine Reportage von ihm. Sie löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Deutsche Bauhandwerker errichteten dann im äthiopischen Bisidimo zusammen mit einheimischen Helfern ein Zentrum, in dem Leprakranke behandelt wurden. 

Wenn die Bezeichnung Lepra im Namen einer Organisation vorkommt, fragen doch sicher viele Menschen: „Lepra? Gibts die überhaupt noch?“ Was sagen Sie dazu?

Ja, es gibt immer noch zu viele Fälle, leider. Wir haben fast 250.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Und es gibt Millionen Menschen, die unter den Folgen der Lepra leiden und unsere Hilfe brauchen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Wir haben viele Spender und langjährige Unterstützer, und sie trauen uns eine Menge zu, denn als die DAHW mit ihrer Arbeit begann, galt Lepra als unlösbares Problem. Die DAHW entwickelte sich dann zu einem „Game Changer“: Wir hatten damals geschätzte zehn bis fünfzehn Millionen Leprakranke weltweit. Mittlerweile haben wir es geschafft, Lepra zu einer behandelbaren Krankheit zu machen. Wir haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es heute eine wirksame Medikamentenkombination gibt, die Lepra wirklich heilen kann, und wir setzen uns dafür ein, Betroffene zu entstigmatisieren. Dafür werden wir sehr geschätzt. Uns eilt außerdem der Ruf voraus, dass wir großen Wert auf langfristige Hilfen legen und sie durchaus beharrlich umsetzen. Unsere Erfahrung betrachten wir als Pfund, das wir in das Bündnis einbringen können.

Was erhoffen Sie sich vom Bündnis Entwicklung Hilft? 

Austausch. Solidarität. Dass wir eine noch breitere Öffentlichkeit mit unseren Anliegen erreichen. Wir arbeiten – ganz unabhängig von Katastrophen – seit vielen Jahren mit dem assoziierten Mitglied German Doctors zusammen, und zwar in Indien, bei einem Hilfsprojekt zur Bekämpfung von Tuberkulose. In Howrah, einem Stadtteil von Kolkata, unterstützen wir unter anderem einen deutschen Arzt, der eine Klinik leitet – und der sogar Menschen versorgen kann, die nicht nur eine Lungentuberkulose haben, sondern beispielsweise auch eine Knochenmarkstuberkulose. Mit Misereor kooperieren wir in Afghanistan, mit anderen Bündnismitgliedern in Pakistan und in Äthiopien. 

Glauben Sie, auch bei Projekten gemeinsam mehr erreichen zu können?

Das hoffen wir, allein der Erfahrungsaustausch ist wertvoll. Die DAHW war immer schon ein guter Netzwerker. Wir wissen natürlich auch, dass die Ursachen von Krisen und Katastrophen heutzutage so komplex sind, dass man sie allein, als einzelne Organisation, gar nicht bekämpfen kann. Und dass es darauf aber mindestens genauso ankommt wie auf die schnelle Hilfe von der ersten Sekunde an. Die wir und unsere Partner leisten können, weil wir schon vor Ort sind. Wichtig ist uns auch, dass wir mit unseren Partnern und den Menschen aus den Ländern auf Augenhöhe zusammenarbeiten und die Hilfe aus dem Land selbst heraus entwickeln. Auch das ist ein Grundsatz des Bündnis Entwicklung Hilft.

Wie sieht eine gelungene Bündnis-Arbeit für Sie aus?

Als guter Netzwerker darf ich nicht nur meine eigene Organisation im Blick haben. Da muss ich auch mal sagen: Wir sind hier in einem Bündnis, weil wir gemeinsame Werte, Vorstellungen, Ziele und Aufgaben haben – und die gehen wir jetzt alle miteinander an, damit wir uns später auch zusammen über die guten Ergebnisse und gemeinsamen Erfolge miteinander freuen können. Ich muss mir bewusst machen, welche Ressourcen ich als Organisation habe und wie sie dem großen Ganzen nützen. Ich möchte meine persönlichen Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses. 

Gründungsgeschichte und Weiterentwicklung

1955 

Der Journalist Franz Graf Magnis und der Theologiestudent Richard Recke aus Würzburg begegnen in Äthiopien dem französischen Arzt Dr. Féron. Sein Einsatz für Leprakranke beeindruckt die jungen Männer. Sie rufen in Deutschland zur Hilfe auf. 

1957 

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wird in Würzburg gegründet, zunächst als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW). Die beiden verheirateten Würzburger Irene und Hermann Kober sind Mitgründer der Organisation. 

1958

Die ersten Helfer gehen zum Aufbau einer Station in Bisidimo nach Äthiopien. Schon bald bekommt die DAHW Projektanträge aus Afrika, Asien und Lateinamerika. 

1961 

Beginn der Zusammenarbeit mit der Ärztin Ruth Pfau, die zum Orden „Töchter vom Herzen Mariä“ gehört, in Pakistan: Nach und nach gelingt es, die Zahl der Neuerkrankungen zu reduzieren. 

1963 

Fünf Jahre nach der Gründung unterstützt die DAHW 83 Hilfsstationen weltweit. Rund 75.000 Leprakranke werden behandelt. 

1981 

Lepra wird heilbar. Die Behandlung baut auf einer Therapie auf, die das Hilfswerk mitentwickelt und seit den 1970er Jahren erfolgreich auf Malta angewendet hat. 

1990 

Der Verein stellt sich einer zweiten Herausforderung: der Bekämpfung der Tuberkulose. 

2003 

Das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk benennt sich in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe um. 

2006 

Die Hilfe wird auf mehrere armutsbedingte Krankheiten ausgeweitet.

2009 

Die DAHW wird assoziierter Partner des Bündnis Entwicklung Hilft.

2010

Bei der Flut-Katastrophe in Pakistan leistet die Organisation Nothilfe.

2012

In Liberia beginnt die DAHW mit dem Aufbau eines Lepra-Kontrollprogramms.

2016

Der Verein wird Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft.

]]> news-759 Wed, 30 Nov 2016 20:06:12 +0100 „Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses“ http://www.entwicklung-hilft.de/news-detail-view/wir-glauben-an-die-staerke-dieses-buendnisses.html Das Bündnis Entwicklung Hilft hat ein neues Mitglied aufgenommen Berlin, 30.11.2016 – Das Bündnis Entwicklung Hilft hat Verstärkung bekommen: Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist neues Mitglied. Die bisherigen Mitglieder Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe haben dies einstimmig beschlossen.

„Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir den Nachhaltigkeitsansatz sehr schätzen“, sagt Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW und neues Vorstandsmitglied des Bündnis Entwicklung Hilft. „Wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, deren Ursachen wir bekämpfen müssen. Außerdem müssen wir – und auch das entspricht der Ausrichtung des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention beginnen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses und freuen uns auf eine noch engere Zusammenarbeit.“

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wurde 1957 als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk gegründet. Anfang 2003 hat sich der Verein umbenannt, um die beiden Schwerpunkte Lepra- und Tuberkulosebekämpfung im Namen zu nennen. Das Kürzel DAHW wird zur Wiedererkennung bei Spendern und Förderern weiter verwendet. Die Organisation unterstützt Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die an Neglected Tropical Diseases (NTDs) leiden. Dazu gehören unter anderem die Elefantiasis, die Leishmaniose oder die Chagas-Krankheit.

Rund 70.000 Menschen jährlich vertrauen der DAHW ihre Spenden an, viele davon bereits seit Jahrzehnten. 163 Programme und Projekte in 21 Ländern konnte die DAHW im vergangenen Jahr unterstützen. Die Aufwendungen für satzungsmäßige Projekte betrugen über 13 Millionen Euro. Wie alle Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft arbeitet auch die DAHW eng mit lokalen Partnern zusammen.

Rund 734.000 Euro wurden in Forschungsprojekte sowie in Aus- und Weiterbildung investiert. Die DAHW setzt sich zudem besonders dafür ein, dass Betroffene nicht stigmatisiert werden.

Die acht Mitglieder des Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. leisten bei Katastrophen und in Krisengebieten direkte humanitäre Hilfe. Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit des gemeinnützigen Vereins werden durch Beiträge der Mitglieder finanziert. Die durch Spendenaufrufe eingeworbenen finanziellen Mittel werden zu 100 Prozent an die Mitglieder weitergeleitet. Allen Mitgliedern und auch dem Bündnis Entwicklung Hilft wurde das DZI Spenden-Siegel zuerkannt.

Darüber hinaus engagieren sich alle Mitglieder – dem Grundsatz Entwicklung hilft und ist die beste Prävention folgend – als Bündnis für die Katastrophenvorsorge und für langfristige Maßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit. 


 

Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V.
Isa Hoffinger / Pressesprecherin
Chausseestraße 128/129
10115 Berlin
Tel.: 030  278 77 393
Fax: 030  278 77 399
www.entwicklung-hilft.de

 

Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und die assoziierten Mitglieder German Doctors sowie Plan International leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

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news-758 Fri, 25 Nov 2016 13:45:00 +0100 Transparent. Wirksam. Ausgezeichnet. http://www.entwicklung-hilft.de/news-detail-view/transparent-wirksam-ausgezeichnet.html Berlin, 25. November 2016 – Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat dem Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. sein Spendensiegel zuerkannt: Wir arbeiten transparent, wirtschaften sparsam, informieren sachlich und wahrhaftig und haben wirksame Kontroll- sowie Aufsichtsstrukturen. Auf diese Weise gewährleisten wir, dass die uns zufließenden Spenden den gemeinnützigen Zweck erfüllen.

Zum Bündnis gehören die acht Hilfswerke Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe sowie die beiden assoziierten Mitglieder German Doctors und Plan International. Unsere Mitgliedsorganisationen leisten direkte humanitäre Hilfe bei Katastrophen, wie zuletzt nach dem Hurrikan „Matthew“, der am 4. Oktober 2016 Teile Haitis verwüstete. Zudem setzen sie sich für die langfristige Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in Ländern des Globalen Südens ein. Alle Mitgliedsorganisationen eint die Überzeugung, dass humanitäre Hilfe am besten durch die Kooperation mit lokalen Partnern gelingt ­–­ und dass auch politische Entscheidungen und ausreichende finanzielle Mittel erforderlich sind, um durch Prävention das Risiko für Krisen und Katastrophen minimieren zu können.

Um bei Katastrophen schnell helfen zu können, sammelt das Bündnis Spenden und leitet sie an die Mitgliedsorganisationen weiter. Assoziierte Mitglieder können beim Bündnis Anträge auf Projektförderungen stellen. Daneben möchte das Bündnis mit einer Bildungs- und Aufklärungsarbeit dazu beitragen, die vielschichtigen Ursachen von Katastrophen sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit für die Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit zu sensibilisieren.

Die sieben Spenden-Siegel-Standards erfüllt der Verein wie folgt:

1. Die Organisation leistet satzungsgemäße Arbeit.
2. Leitung und Aufsicht sind angemessen strukturiert, klar voneinander getrennt und werden wirksam wahrgenommen.
3. Werbung und Öffentlichkeitsarbeit informieren klar, wahr, sachlich und offen.
4. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab niedrig (unter 10%). Spenden fließen ungeschmälert den Projekten zu. Die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes wird überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert und veröffentlicht.
5. Die gezahlten Vergütungen berücksichtigen den Status der Gemeinnützigkeit, die Qualifikationen, das jeweilige Maß an Verantwortung und den branchenüblichen Rahmen.
6. Die Mittelbeschaffung, die Verwendung der Gelder sowie die Vermögenslage werden nachvollziehbar dokumentiert und angemessen geprüft.
7. Die Organisation berichtet offen und umfassend über ihre Arbeit, Strukturen und Finanzen.

Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. verfügt nach Maßgabe der Spenden-Siegel-Leitlinien über eine Richtlinie für die Zeichnungsberechtigung unter Berücksichtigung des Vier-Augen-Prinzips. Die Beobachtung der Wirkung der Projektarbeit erfolgt durch die Mitgliedsorganisationen. Sie alle sind mit dem DZI-Spenden-Siegel ausgezeichnet.

 

Für Rückfragen:
Bündnis Entwicklung Hilft
Isa Hoffinger, Pressesprecherin
Tel. 030 / 278 77 393
presse(at)entwicklung-hilft.de

Chausseestraße 128/129

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news-757 Fri, 04 Nov 2016 23:27:08 +0100 „Haiti hat eine Zukunft!“ http://www.entwicklung-hilft.de/news-detail-view/haiti-hat-eine-zukunft.html Der Hurrikan „Matthew“ hat schlimmere Schäden verursacht als erwartet. In Untersuchungen der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank ist von fast zwei Milliarden US-Dollar die Rede. Doch scheinbar zeigt die Internationale Gemeinschaft wenig Bereitschaft, Haiti zu unterstützen: Nur knapp über 30 Prozent der erforderlichen 120 Millionen US-Dollar für die direkte humanitäre Hilfe sind nach Angaben des aktuellen „Situation Report“ der Vereinten Nationen bisher zusammengekommen. Ist der Inselstaat ein hoffnungsloser Fall? Was müsste sich ändern, damit sich das Leben der Haitianer dauerhaft verbessert? Bündnis Entwicklung Hilft sprach mit Michael Kühn, dem Referenten der Politikabteilung und langjährigen Landesdirektor der Welthungerhilfe, über die Ursachen der Sturmkatastrophe und die Perspektiven für Haiti.

Aus der ehemals reichsten französischen Kolonie ist schon vor langer Zeit das Armenhaus Mittelamerikas geworden. Ist Haiti überhaupt noch zu retten?

Auf jeden Fall. Mit dem erforderlichen politischen Willen könnte man langfristig viel verbessern. Das Interessante an Haiti ist, dass die Entwicklungsvoraussetzungen ja durchaus vorhanden sind. Haiti ist religiös nicht so zersplittert wie manche afrikanische Länder, es gibt hier kaum ethnische Spannungen, auch die Haitianer selbst sind sehr motiviert und möchten vorankommen, aber es fehlen ihnen derzeit einfach die Möglichkeiten dazu, und das hängt mit politischen Fehlentscheidungen zusammen. 

Nach UN-Angaben sind 1,4 Millionen Menschen auf Soforthilfe angewiesen. Die Hälfte der Bevölkerung hat derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mindestens 175 000 Menschen sind obdachlos. Die haitianische Regierung spielt die Probleme jedoch herunter und verschärft dadurch die Lage. Trauen Sie einem neuen Präsidenten zu, dieses Desaster in den Griff zu bekommen?

Eine gute Regierung, die das Gemeinwohl im Blick hat, wäre Haiti jetzt sehr zu wünschen. Das ist am allerwichtigsten für dieses Land. Eine Voraussetzung dafür wäre aber auch, dass dem neuen Präsidenten nicht wieder tausend andere Akteure hineinregieren. Haiti hat eine Zukunft! Das Land darf sich aber nicht weiter zum Spielball ausländischer Interessen machen lassen. Bis heute ist der Inselstaat immer unter dem Einfluss von irgendjemandem, ob das die Vereinten Nationen sind, ob das die Amerikaner waren, die das Land 19 Jahre besetzt hielten. Haiti war eigentlich nie in der Lage, eigene Interessen zu formulieren und sie durch politische Entscheidungen umzusetzen. In der Zeit der Diktatur haben sich nationale Eliten gnadenlos bereichert. In den 1980er Jahren taten die Forderungen des Nationalen Währungsfonds und der Weltbank ihr Übriges: Man hat Haiti gezwungen, die Importzölle zu senken und dadurch die Produktion nationaler Güter vor allem in der Landwirtschaft zerstört. Wenn man das alles im Zusammenhang sieht, stellt man fest, dass das Land nie wirklich eine Chance hatte. 

Entwicklungshilfe-Kritiker bezeichnen Haiti als NGO-Republik, mit Tausenden von registrierten Hilfsprojekten und mehr als sieben Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe. Das Nebeneinander sorgt für Sprengstoff: Im Moment gibt es Proteste einiger lokaler Organisationen gegen die Blauhelme der Vereinten Nationen. Wo kann eine sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit ansetzen?

Eine Entwicklungszusammenarbeit, die langfristig wirken soll, kann nur mit der Regierung funktionieren, nicht gegen sie. Es ist aber auch unglaublich wichtig, dass sich in Haiti eine eigenständige Zivilgesellschaft entwickelt, die sich politisch einmischt. Die Regierung muss auch wieder auf eine eigene Produktion setzen. Nehmen wir als Beispiel die Landwirtschaft: In Haiti können 30 Prozent der gesamten Fläche zur Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse benutzt werden. Aber die überwiegend von Kleinbauern erzeugten Produkte dienen lediglich der Subsistenz. Reis hingegen wird heute nicht mehr großflächiger produziert, weil subventionierter Reis aus den Vereinigten Staaten billig angeboten werden kann. Und jetzt kommen auch noch überwiegend Billigwaren aus China, die wiederum lokale Haushaltsgüter ersetzen, die ursprünglich aus Holz oder Aluminium hergestellt wurden. Jetzt ist alles aus Plastik. Solange Haiti nur importiert, gibt es keine Wertschöpfungsketten und damit auch keine Jobs, und ohne Jobs gibt es keine Kaufkraft beziehungsweise kein Geld, das wieder in das System zurückfließen würde. Ein Teufelskreis. 

Wer hat ein Interesse daran, dass das so bleibt?

Alle, die im Import und Export ihr Geld verdienen, leben ganz gut von dieser Situation der Unübersichtlichkeit. Und sie schlagen aus dieser Situation Kapital. Eingekauft wird fast alles im Ausland – ob das jetzt Benzin ist, ob das Lebensmittel für die Supermärkte oder Materialien für Baumärkte sind – das alles wird ins Land hinein geholt, und je schwächer der Staat ist, desto schwächer ist auch die erbrachte Steuerleistung. Es gibt hier einfach keinen Konsens zwischen den politischen Eliten und den Wirtschaftseliten, der darauf hinauslaufen würde: „Hey, wir haben jetzt gelernt innerhalb der letzten 60 Jahre, was alles schief gelaufen ist – und das wollen wir ändern und dafür brauchen wir jetzt eine gemeinsame Strategie.“  

Noch im April dieses Jahres hatte das Tourismusministerium in Haiti eine Initiative gestartet, mit deren Hilfe die Regierung mehr Besucher ansprechen wollte, in der Hoffnung, das Land durch die Einnahmen wieder auf eigene Beine zu bringen. Wie schätzen Sie diese Bemühungen ein?

Ich glaube, man schielte da rüber zum Nachbarn, der Dominikanischen Republik. Dort ist der Tourismus stark entwickelt. Aber ein Großteil des Kapitals, das die meist ausländischen Investoren ins Land gebracht haben, fließt auch wieder aus dem Land heraus. Die Voraussetzungen für die Tourismuswirtschaft sind eindeutig vorhanden. Es gibt schöne historische Bauten, tolle Strände, freundliche Menschen, aber es gibt keinerlei Verkehrs-Logistik. Ein Mietauto kostet 150 Dollar am Tag, das können sich nicht viele Urlauber leisten. Und jedes Mal, wenn so ein Katastrophen-Ereignis stattfindet, ist man natürlich wieder um fünf oder sogar um zehn Jahre zurückgeworfen. Ich schätze, die Idee, einen florierenden Tourismus hinzubekommen, kann man innerhalb der nächsten zehn Jahre nur schwer umsetzen. 

Nach dem letzten großen Erdbeben im Januar 2010 unterstützte die Welthungerhilfe 271.000 Menschen im Süden Haitis und schulte sie im Katastrophenschutz. Inwiefern wirkt diese Arbeit nach?

Solche präventiven Programme können gar nicht als wichtig genug eingestuft werden. Investieren oder Programme auflegen bedeutet ja nicht nur Kapital einzusetzen, sondern auch Wissen zu vermitteln. Viele Menschen in Haiti haben durch Katastrophenschutzpläne und durch Schulungen nicht nur verstanden, wie man Häuser sicherer baut. Sie haben auch gelernt, sich auf Katastrophen vorzubereiten, die Risiken besser zu erkennen und sich  – so gut sie eben können – zu schützen. 

Warum gab es jetzt trotzdem wieder so viele Opfer?

Es gibt wenige Anstrengungen, die darauf abzielen, konsequent in die Vorsorge zu investieren und sie auch flächendeckend zu betreiben. Dadurch wird die Gesellschaft immer wieder von der Heftigkeit der Stürme und des Starkregens überrascht. Die Menschen sind einfach nicht vorbereitet. Die Kubaner bekommen das besser hin. Dort sind die Katastrophenschutz-Komitees funktionstüchtiger. Die Opferzahlen auf Kuba nach dem Hurrikan jetzt sind viel niedriger gewesen, weil die Menschen evakuiert wurden. In Haiti ist jeder sich selbst überlassen. Neben der Katastrophenvorsorge, die vor allem auf Prävention setzt, brauchen wir aber auch andere Finanzierungssysteme für die Zeit danach. Eine Idee können Versicherungssysteme sein, bei denen von Staaten oder anderen Akteuren Geld zur Verfügung gestellt wird, ohne dass man in Katastrophenfällen die nötige Hilfe erst schriftlich beantragen muss, weil man schon vorher in eine Art Versicherungsfond eingezahlt hat. Solche enormen Katastrophenschäden wie diese jetzt können unmöglich allein durch Spendengelder abgedeckt werden.  

Widerspricht diese Finanzierung von außen nicht Ihrer Forderung nach mehr Souveränität?

Nein. Bei Schäden von derartigen Ausmaßen ist das Land auf ausländische Hilfe angewiesen. Aber die Haitianer sind im Lauf vieler Jahre in einen Paternalismus hineingetrieben worden. Das war ja auch die Kritik nach dem Erdbeben 2010, als die Vereinten Nationen so massiv kritisiert wurden. Auch einige NGOs verhalten sich ja nicht immer korrekt, sondern nutzen solche Krisen, um sich zu finanzieren oder in Szene zu setzen, das muss man auch kritisch sehen. Genau deswegen ist es auch so wichtig, dass man mit der Regierung und der Bevölkerung kooperiert, jedenfalls machen wir das als Welthungerhilfe. Und die neue Regierung muss natürlich jetzt auch zeigen, dass sie in der Lage ist, die Gelder vernünftig einzusetzen.

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