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22.08.2010

„Mit Eseln oder eben zu Fuß“

Rainer Lang von Brot für die Welt hilft in Pakistan

Berlin, 22. August 2010 – Die Flutkatastrophe in Pakistan stellt auch die Helfer aus dem Ausland vor besondere Herausforderungen. Rainer Lang von Brot für die Welt spricht im Interview über traditionelle Transportmittel, die Verantwortung der internationalen Staatengemeinschaft und den persönlichen Umgang mit dem Leid.

Herr Lang, in Deutschland häufen sich die Berichte, dass viele Menschen in Pakistan verzweifelt auf Hilfe warten, weil sie noch von den Fluten eingeschlossen sind. Sie sagen, Ihre Hilfe komme an. Wie gelingt Ihnen das?

Rainer Lang: „Man muss zwischen dem Norden und dem Süden Pakistans unterscheiden. Im gebirgigen Norden ziehen sich die Wassermassen langsam zurück. Und dort sind noch viele Straßen und Brücken befahrbar. Schwierig ist es jedoch im oberen Swat-Tal. Dort können unsere Teams manche zerstörten Dörfer nur zu Fuß erreichen. Hilfsgüter müssen dann ganz traditionell mit Eseln in entlegene Gebiete gebracht werden.  Gerade unter so schwierigen Umständen profitieren wir davon, dass wir im Norden durch die Arbeit unserer Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe auf eigene Strukturen und lokale Helfer zurückgreifen können.

Was ist mit dem Süden?

Lang: „Dort ist die Lage schwieriger. Viele Straßen und Brücken stehen noch immer unter Wasser oder sind zerstört. Das Militär wirft Lebensmittel aus Helikoptern. Das ist nur eine absolute Notlösung. Denn nur die Gesunden und Starken setzen sich beim Kampf um die Hilfsgüter durch. Deshalb versuchen wir so schnell wie möglich, geordnete Verteilstrukturen aufzubauen. Das tun wir im Nordwesten. Und unsere Bündnis-Kolleginnen und -Kollegen von der Welthungerhilfe weiten ihre Hilfsmaßnahmen nach Süden aus.“  

Wie helfen Sie selbst konkret?

Lang: „Wir haben Wassertanks installiert, mit denen wir 20 Flüchtlingscamps mit Trinkwasser versorgen. In einem Camp haben wir Latrinen gebaut – damit die Frauen auch unbeobachtet von den Männern sanitäre Einrichtungen nutzen können. Das ist wichtiger Standard in der humanitären Hilfe und bekommt in islamischen Ländern besondere Bedeutung. Außerdem versorgen wir 5.000 Menschen mit Nahrungsmitteln, die wir bei Händlern vor Ort gekauft haben, verteilen Hygienesets und Zelte.“

Treiben Sie damit nicht die Preise nach oben – und schaden so jenen, die sich noch selbst Nahrungsmittel kaufen können?

Lang: „Wir haben tatsächlich auf einigen Märkten Preissteigerungen bemerkt und sind deshalb auf andere Märkte ausgewichen. Wir sprechen uns diesbezüglich auch mit anderen Hilfsorganisationen ab. Sollten die lokalen Märkte aus dem Gleichgewicht geraten, könnte zum Beispiel das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen einspringen und Güter verteilen.“

Gibt es denn überhaupt noch genügend Hilfsgüter und Lebensmittel auf den lokalen Märkten oder müssen Sie schon jetzt welche importieren?

Lang: „Im Moment können wir Lebensmittel und andere Hilfsgüter noch auf den lokalen Märkten beziehen. Dort, wo wir einkaufen, sind die Preise bisher relativ stabil geblieben.“

Die Kritik der pakistanischen Bevölkerung an ihrer Regierung wegen ausbleibender staatlicher Hilfe wurde immer lauter. Versuchen die Behörden, die Lieferungen umzudeklarieren und als eigene Hilfslieferung zu propagieren?

Lang: „Das ist bei uns ausgeschlossen. Wir bringen die Hilfsgüter ja nicht ins Land, sondern erwerben sie hier. Ich kann sehen, wie die Nahrungsmittel gekauft, gekocht und verteilt werden. Würden sie unter einem anderen Namen verteilt, würden wir uns weigern. Es gibt hier auch keinerlei Versuche von den Behörden, in unsere Arbeit einzugreifen. Und wichtig ist, dass unser Engagement von den Flutopfern ausdrücklich begrüßt wird.“

Nach anfänglichem Zögern haben die Menschen in Deutschland in den vergangenen Tagen mehr und mehr gespendet. Aber reichen die Spenden überhaupt aus?

Lang: „Das Bündnis Entwicklung Hilft ist mit den bisherigen Spenden zufrieden und dankbar für jeden Euro. Noch sind die gesamten Ausmaße der Katastrophe nicht abzusehen. Aber schon jetzt wird deutlich: Die Kosten für den Wiederaufbau werden riesig sein. Ohne Hilfe aus dem Ausland schafft es Pakistan nicht. Und bei dieser enormen Aufgabe ist natürlich auch die Unterstützung durch die internationale Staatengemeinschaft in besonderem Maße gefragt. Wir dürfen Pakistan nicht seinem Schicksal überlassen.“

Bei Ihrer Arbeit sehen Sie jeden Tag sehr viel Leid. Wie gehen Sie damit um?

Lang: „Hier vor Ort zählt, dass die Menschen so schnell wie möglich Hilfe bekommen und dass die Informationen über die Lage der Flutopfer nach außen dringen. Damit haben wir alle Hände voll zu tun. Wir sind froh, wenn wir wenigstens zwei bis drei Stunden schlafen können und freuen uns, wenn wieder ein Schritt geschafft ist. Wir stellen jetzt in Dörfern zum Beispiel Generatoren auf, damit das stehende Wasser abgepumpt werden kann. Die Bilder vom Leid rücken erst später ins Bewusstsein. Das Leid ist Teil unserer Arbeit. Wenn wir einen Teil dazu beitragen können, dieses Leid zu mildern, gibt dies Kraft für die weitere Arbeit.“

Rainer Lang arbeitet seit über zwei Jahren für Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe. Vor der Flut in Pakistan hat er bereits in Haiti nach dem schweren Erdbeben sowie kurz davor in Indonesien nach den dortigen Erdstößen gearbeitet.

Brot für die Welt, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe leisten als Bündnis Entwicklung Hilft akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten. Für die Linderung der Not der Menschen in Pakistan bittet das Bündnis Entwicklung Hilft die Bevölkerung um Spenden auf das

Spendenkonto 51 51
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Stichwort: Pakistan

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